Barrierefreie E-Mails und Newsletter

Newsletter sind so Nineties, höre ich schon einige sagen. In vielen Fällen sind sie aber praktisch. Einige Websites verzichten auf Features wie einen RSS-Feed, Twitter und Facebook und spekulieren darauf, dass der Nutzer jeden Tag vorbei kommt, um zu schauen, ob es was Neues gibt.
Dabei dürften Behinderte überdurcschnittlich häufig Abonnenten von Newslettern sein: Newsletter-Empfänger sind in der Regel älter, wenig technikaffin und unregelmäßig im Internet unterwegs, das trifft auch auf viele Behinderte zu, ohne dass wir das abwerten wollen. Es gibt genügend auch versierte Nutzer, die nicht wissen, was RSS ist oder wie man es nutzt. Sie nutzen vielleicht kein soziales Netzwerk oder verwenden es nur zu rein privaten Zwecken. Die hier genannten Regeln gelten grundsätzlich auch für einfache E-Mails.

Die Grundlagen des Newsletters

Ein Newsletter ist im Prinzip eine E-Mail. Das mag banal sein, aber viele Anbieter verwechseln einen Newsletter mit einer Website und gestalten munter drauf los. Fixe Layouts, große Bilder, farbige Hintergründe und viele andere Features langweilen den Desktop-Nutzer und nerven diejenigen, die ihre Mails per Smartphone abrufen.
Eine der größten Schwierigkeiten im Webdesign besteht darin, dass Websites in jedem Browser gleich aussehen sollen. Wer darüber stöhnt, sollte sich die HTML-Konformität der E-Mail-Clients angucken, die gibt es nicht. Kaum ein Webinhalt dürfte so häufig verstümmelt beim Nutzer ankommen wie ein gestylter Newsletter.

Standards werden vielfach nicht erfüllt

Bei kaum einem simplen Webinhalt werden die banalen Standards der Barrierefreiheit weniger erfüllt als beim Newsletter.
Im Grunde gelten die gleichen Standards wie bei HTML-Websites:

  • Zwischenüberschriften mit dem korrekten HTML-Tag
  • Inhaltsverzeichnis mit Sprungankern als HTML-Liste
  • Alternativtexte für Bilder
  • Keine Tabellenlayouts

Diese Standards werden allerdings selten eingehalten. So halten viele Redakteure offenbar „Bitte Bilder aktivieren“ für einen guten Alternativtext, Tabellenlayouts und Platzhalter-Grafiken sind an der Tagesordnung.
Das macht natürlich keinen besonders guten Eindruck. Es kommt aus unterschiedlichen Gründen häufiger vor, dass Bilder nicht geladen werden und da lauter Lücken im Text zu haben, wo „Bitte Bilder aktivieren“ steht, lässt an der Professionalität der Anbieter zweifeln.

Best Practices

In Zeiten kleiner Smartphones haben Text-Newsletter ihre Vorzüge und sollten immer angeboten werden, auch wenn man eigentlich einen HTML-Newsletter verschickt. Der Nutzer sollte die Wahl haben und sein Abo auch nachträglich umstellen können. Textmails sind von Natur aus flexibel, leicht skalierbar, schnell heruntergeladen und kaum fehleranfällig.
Textmails bieten nur wenig Gestaltungsspielraum. Im Prinzip gibt es nur Absätze und einige Sonderzeichen wie den Bindestrich, das Aufzählungszeichen und Ähnliches.
Aber kommen wir zum HTML-Newsletter. Am Anfang sollte ein klarer Absender stehen. noreply@example.com sagt mir, dass der Absender es mir möglichst schwer machen will, auf die Mail zu antworten. Der Absender/das Unternehmen sollte immer bereits an der Mail-Adresse oder am Betreff erkennbar sein. Der Betreff sollte eindeutig sein und Neugier am Inhalt wecken.
Auch wenn der Newsletter nur aus zwei Inhalten besteht sollte es am Anfang ein Inhaltsverzeichnis oder eine kurze Einführung geben. Der Blinde sieht den Scrollbalken nicht und weiß daher nicht, wie umfangreich das Dokument ist. Er ist genauso ungeduldig wie der Rest der Menschheit und bricht die Lektüre nach ein bis zwei für ihn uninteressanten Beiträgen ab, wenn er nichts Spannenderes erwartet.
Die Bilder sollten klein gehalten werden. Die Zahl derjenigen, die sich über große Bilder im Newsletter freuen, dürfte gegen Null gehen. Generell spricht aber nichts dagegen, Bilder im Newsletter zu verwenden, aber sie sollten auch einen sprechenden Alternativtext haben.
Links in HTML sollten eindeutig sein. Es sollte zum Beispiel klar sein, dass es sich um einen internen Link handelt oder dass der Link zur Website des Anbieters führt. Wenn der Link ein Video oder ein PDF öffnet, warnt den Nutzer vor. Smartphone-Nutzer finden das nicht lustig.
Meine Empfehlung ist, den Newsletter eindimensional und fluide zu halten. Das heißt, es sollte nur eine Inhaltsspalte geben und die Breite sollte sich flexibel an die Breite des Programmausschnitts anpassen. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber Mails werden heute bevorzugt auf Smartphones gelesen und da sind mehrspaltige Mails mit 600 Pixel fixer breite so hilfreich wie ein DIN-A-4-PDF-Dokument.
Eine wirklich dämliche Praxis, die aber durchaus anzutreffen ist sind PDF-Newsletter. Das lässt man bestenfalls noch in Newsletter-Archiven auf der Website des Anbieters durchgehen. Wenn ihr wollt, dass eure Newsletter nicht gelesen werden, versendet sie als PDF. Wenn ihr eure Fans vergraulen wollt, blast diese Dateien noch auf mehrere MB auf, dann wird euch keiner mehr lieb haben.
Das ist besonders schade, weil sich da manchmal zumindest jemand Mühe gegeben hat, das Ganze hübsch und ansprechend zu gestalten. Aber ein Newsletter ist eben kein Flyer und convenience geht an dieser Stelle eindeutig vor Ästhetik.

Den Abschied einfach machen

Die Abmeldemechanismen sollten so einfach wie möglich sein. Das Fehlen einer Abmeldefunktion klassifiziert die Mail als Spam.
Am besten ist ein direkter Link, der den Anklicker aus dem Verteiler entfernt. Eine kurze Bestätigung auf der Abmeldewebsite ist in Ordnung, schließlich kann er den Link aus Versehen angeklickt haben.
In einigen Systemen wird der Service selbst über Mails gesteuert, so reicht eine Antwort an unsubscribe@example.org, um sich abzumelden, auch das ist ein guter Mechanismus, sofern er am Ende der Mail ausreichend und verständlich erklärt wird.
Leider erlauben sich einige Versender seltsame Anwandlungen: So führt der Abmelden-Link auf die Startseite, wo die Abmeldemöglichkeit gar nicht zu finden ist. Das Setzen eines CAPTCHAs vor die An- oder Abmeldung ist mit Verlaub eine Verhöhnung der Nutzer. Leute, die so etwas anbieten sollten virtuell geteert und gefedert werden.

Datenschutz

Zum guten Stil bei Newslettern gehört es, so wenig Daten wie möglich abzufragen. Im Prinzip reicht die E-Mail-Adresse aus. Ausnahmsweise lassen wir die Frage nach Vor- und Zuname durchgehen, damit der Newsletter personalisiert werden kann. Ist keine Personalisierung möglich oder geplant, ist die Abfrage solcher Daten unnötige Schnüffelei.
Was sicher nicht nötig ist, sind die Abfrage weiterer Daten wie der Organisation, Wohnort, Telefonnummer oder Schuhgröße. Das ist tatsächlich nur dann akzeptabel, wenn der Newsletter ausschließlich an bestimmte Zielgruppen gehen soll. Selbst da halte ich die Abfrage solcher Daten für fragwürdig. Schließlich wissen wir, wie schlampig solche Daten heute gesichert werden. Wer die Mailadresse einer großen Organisation hat, kann sich hinreichend legitimieren, die Abfrage zu vieler Daten ist übertriebene Neugier.

Multipart

Oftmals werden Newsletter als Multipart versendet. Dabei stecken Text und HTML in der gleichen Mail. Wer sein Mailprogramm entsprechend eingestellt hat, bekommt entweder die Textversion oder die HTML-Fassung zu sehen.
Der Aufwand erscheint bei Multipart-Mails geringer. Allerdings gibt es doch technische Schwierigkeiten. Oft genug bekommt man das HTML- oder CSS-Gerüst zu sehen, was nicht gerade zum Weiterlesen animiert. Natürlich liegt das meist am Mailprogramm oder an einer falschen Konfiguration, aber der Nutzer sucht die Schuld immer beim Anbieter und nicht bei sich selbst.
Zudem wird natürlich überflüssiger Traffic verursacht. Bei DSL mögen diese 200 bis 300 KB ohne Belang sein, beim Smartphone ist das durchaus kritisch. Oft laden die Smartphones die Mails erst vollständig herunter, wenn die Mail geöffnet wurde, diese Latenzen sind aber bei mobilen Nutzern nicht gerne gesehen. Wie schon gesagt, lasst eure Nutzer immer möglichst selbst entscheiden, welches Format sie haben möchten.
Eine gute Alternative ist es, an den Anfang des Nur-Text-Newsletters den Link zu einer gestalteten Webversion anzubieten. Da sie im hoffentlich modernen Browser geöffnet wird, ergeben sich kaum Darstellungsprobleme. Es stehen alle HTML-Tags zur Verfügung, so dass sich auch kaum Zugänglichkeitsprobleme ergeben dürften, wenn die Website selbst barrierefrei gestaltet ist.
Ein nicht zu unterschätzender vorteil ist auch, dass der Mailserver nicht so stark belastet wird, bei mehreren tausend Mails macht sich jedes Kilobyte störend bemerkbar.

Fazit

Wie so oft gilt auch beim Newsletter, dass es so einfach wie möglich sein sollte. Anbieter, die warum auch immer Ärger beim Nutzer verursacht haben, fliegen sehr schnell raus, landen im Spamfilter oder werden ungelesen gelöscht. Es ist schade, diese Chance wegen grafischer Eitelkeiten zu verspielen. Immerhin hat sich jemand die Mühe gemacht, den Newsletter zu abonnieren, er hat also echtes Interesse. Und es dauert wesentlich länger, das verlorene Vertrauen wieder herzustellen als es einmal zu gewinnen.

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Wenn Du es nicht machst, macht es keiner