Barrierefreiheit mit der Web Accessibility Toolbar prüfen

Die Accessibility Toolbar bietet sehr viele Möglichkeiten zum Testen von Webseiten, mehr als die Firefox Accessibility Extension, die ich in einem anderen Artikel vorgestellt habe.
Leider wird zumindest die deutsche Version offenbar nicht mehr weiter entwickelt, so dass sie nicht WCAG-2.0-kompatibel ist, ob man das braucht, ist eine andere Frage. Für Tastaturnutzer ist sie nicht verwendbar. Da hat leider jemand mal wieder nicht mitgedacht, gibt es einen Grund, warum Tastaturnutzer nicht gerne die Zugänglichkeit einer Website testen wollen würden?
Die Toolbar lief in allen gängigen Versionen des Internet Explorer, also 6, 7 und 8. Ob sie im angekündigten IE 9 noch laufen wird, ist eher ungewiß, da sich die Architektur des Browsers vermutlich stark ändern wird.
Unter „Test“ verbergen sich verschiedene Validierungsdienste. Interessanter ist der Reiter „Fenster“, wo sich verschiedene Auflösungen simulieren lassen. Dabei kann man testen, welche Elemente der Website sich etwa bei einer Auflösung von 640 x 480 Pixel noch erkennen lassen und ob die Seite damit noch bedienbar ist.
Interessante Funktionen verstecken sich unter „Farben“. Hier kann man testen, ob Elemente der Website kontrastreich sind. Leider habe ich nicht kapiert, wie der Kontrast-Analyzer funktioniert, wie gesagt, das Teil ist keine Toolbar für Blinde. Mit „Vischeck“ kann man Farbfehlsichtigkeiten simulieren. Zur Erinnerung, fast jeder zehnte Mann und eine von 100 Frauen haben eine Rot-Grün-Schwäche. Vischeck funktioniert mit der deutschen Ausgabe der Toolbar nicht, weil die Website verschoben wurde und jetzt hier zu finden ist.
Unter „Struktur“ findet man viele Funktionen, die ich im Artikel zur FAE schon erläutert habe: die Auflistung von überschriften, die Anzeige von JavaScript-Eventhandlern und vieles mehr.
Wirklich spannende Werkzeuge verbergen sich im Reiter „Extras“. Hier gibt es verschiedene automatische Tests etwa bei Wave oder auf die Einhaltung der verschiedenen Levels der WCAG 1.0. Die Leute, die diese Toolbar entwickelt haben, waren wohl offenbar selbst keine Sehbehinderten, für solche mehrfach verschachtelten Aufklappmenüs wären Webdesigner früher mit Beschwerde-Mails überschüttet worden.
Hervorhebenswert finde ich zuletzt die Simulation verschiedener Sehbehinderungen, die sich bei „Extras“ im untersten Menüpunkt verbergen. Die Toolbar ist also ein guter Helfer, um im Alltag Barrieren auf Webseiten aufzudecken. Auch sie bringt natürlich nur etwas, wenn der Mensch, der vor dem Bildschirm sitzt etwas von seinem Handwerk versteht, weiß, was er testen und wie er Verbesserungen umsetzen muss.

Wenn Du es nicht machst, macht es keiner