Inhalte prüfen

In einem älteren Beitrag habe ich diverse Testverfahren vorgestellt. Die meisten Testverfahren zielen darauf ab, Prototypen oder fertige Websites zu prüfen. Für den kleinen Test zwischendurch werden hingegen vor allem Checklisten bevorzugt.
Diese Tabellel beschreibt den Prüfprozess
Der Nachteil von Checklisten besteht darin, dass sie in der Regel unsystematisch aufgebaut sind. Die meisten Onliner verwenden hingegen mehrere Tools und der barrierefreie Online-Redakteur muss definitiv mehrere Programme verwenden, um seine Inhalte barrierefrei zu machen. Checklisten bringen dabei wenige Vorteile, sie sollten durch Prüfprozesse ersetzt werden.
Ein guter Prüfprozess orientiert sich am typischen Workflow der Redaktion. Ich will das im Folgenden am Beispiel eines Textes darstellen. Die entsprechenden Tools habe ich an anderer Stelle bereits vorgestellt.

Der barrierefreie Text

Die meisten Redakteure dürften ihre Texte in einer lokalen Textanwendung schreiben. Google Docs mag seine Vorzüge haben, aber wenn man ohnehin einen PC mit installierter Textvearbeitung hat wird man sie in der Regel auch benutzen. Der fertige Text wird per Copy Paste in das Redaktionssystem kopiert. In der Regel wird der Text erst im Redaktionssystem formatiert, da z.B. MS Word einigen Unfug mit formatiertem Text anstellt und die Übernahme der Formatierung ins Redaktionssystem nicht reibungslos funktioniert. Schauen wir uns das alles im Detail an.

Schritt 1: Schreiben

Zunächst wird der Text in der Textverarbeitung deiner Wahl geschrieben. Nachdem der erste Aufschlag des Textes fertig ist wird er auf inhaltliche Vollständigkeit überprüft, habe ich alles Wichtige in den Text aufgenommen? Dabei helfen die sogenannten W-Fragen: Was, Wann, Warum, Wo, Wer? Je nach der Länge des Textes können wir auch prüfgen, ob der Text Informationen enthält, die überflüssig sind. Lange Texte können auch eine Barriere sein.
Als Nächstes überprüfen wir, ob die Struktur des Textes stimmig ist. Im Journalismus ist es üblich, wichtige Infos nach vorne zu stellen und unwichtige Informationen weiter nach hinten zu schieben. Wird aus dem ersten Satz klar, worum es im Text geht und für wen er interessant ist?In diesem Schritt können auch schon weiter führende Links aufgenommen werden, die finale Verlinkung kann im Redaktionssystem vorgenommen werden.

Schritt 2: Feintuning

Der Text ist also inhaltlich fertig. Jetzt kommt die Feinarbeit, wir prüfen den Text auf Verständlichkeit. Sind zum Beispiel schlechte Formulierungen, Fremdwörter oder Ausdrücke vorhanden, die wir nicht verwenden möchten? Unser Schwerpunkt liegt dabei nicht bei der Eleganz des Textes, sondern auf der Verständlichkeit. Die Eleganz können wir uns für Glückwunschkarten aufheben.
Der letzte Schritt beim Feintuning ist die Rechtschreib- und Grammatikprüfung. Dabei sind reine Texteditoren im Nacteil, da in der Regel keine brauchbare Prüfroutine integriert ist. Wir könnten den Text einfach in eine Textverarbeitung rüberkopieren, wobei es sich auszahlt, wenn wir den Text noch nicht formatiert haben. Word und Co. mögen kein HTML und schlagen bei jedem Stückchen Formatierungscode an, so dass die Rechtschreibprüfung zur Tortur wird.

Schritt 3: Formatierung

Wenn auch das Feintuning abgeschlossen ist kopieren wir den Text in unser Redaktionssystem oder in den Editor, wo wir die Formatierung vornehmen. Wie oben gesagt mögen WYSIWYG-Editoren keinen vorformatierten Text, deshalb ist es empfhelenswert, die Formatierung entweder im Redaktionssystem direkt vorzunehmen oder HTML, Markdown oder etwas Ähnliches zu verwenden. Selbst das kann problematisch sein, wenn im Redaktionssystem ein andererZeichensatz verwendet wird als im Texteditor. Daher schlage ich vor, die Formatierung im Redaktionssystem vorzunehmen.
Je nach der Routiniertheit kann es an dieser Stelle von Vorteil sein, eine Checkliste zu verwenden. Schließlich müssten Überschriften, Listen, Abkürzungen und so weiter formatiert werden.

Schritt 4: Die finale Prüfung

Nachdem wir das alles erledigt haben müssen wir das finale Dokument noch prüfen. Mit einem Screenreader wäre das kein Problem, aber wir greifen einsteigerfreundlicher auf die Firefox Accessibility Extension zurück. Für die anderen Browser sollte es entsprechende Tools geben.
In der Regel haben moderne Redaktionssysteme einen Vorschaumodus, wo bereits das fertige HTML-Gerüst verwendet wird. Ist das nicht der Fall, müssen wir die Seite publizieren und prüfen das direkt im Live-Betrieb.
Mit der Accessibility Extension prüfen wir also nach, ob Überschriften, Listen, Abkürzungen und so weiter richtig formatiert wurden oder ob die Alternativtexte für die Bilder vergeben wurden und sinnvoll sind. Ist das der Fall, sind wir fertig.

Fazit

Das Ganze sieht kompliziert aus, entspricht aber der normalen Arbeitsweise eines Redakteurs. Wir alle wissen, dass es doppelt bis zehn Mal so viel Arbeit kostet, einen Fehler zu korrigieren als ihn zu vermeiden. Beispielsweise kann ein vergessener Alternativtext dazu führen, dass wir uns extra deswegen ins Redaktionssystem begeben, den betreffenden Text suchen, den Fehler korrigieren und noch mal prüfen müssen. Diese zehn bis 15 Minuten können wir sicher nutzbringender verwenden.

Wenn Du es nicht machst, macht es keiner