Barrierefreies Print

Einen sehr systematischen Ansatz zur Informationsaufbereitung setzen die technischen Dokumentare/Redakteure ein. Ein populärer Ansatz stammt von Robert Horn und nennt sich Information Mapping.

Styleguide für barrierefreie Print-Produkte

  • Für den Abstand von Zeilen, Buchstaben und Wörtern haben sich die Standardwerte, wie sie von Textverarbeitungen eingesetzt werden bewährt. Sie sollten nur in Ausnahmefällen vergrößert oder verkleinert werden. Ein wahrer Alptraum für Sehbehinderte sind die Reclam-Hefte, die zu dem Unlesbarsten gehören, was die deutsche Printlandschaft bisher hervorgebracht hat.
  • Als Schriftart sollten gängige serifenfreie Schriften verwendet werden. Serifenschriften verschlechtern die Lesbarkeit und sind bei gleicher Punkt-Größe kleiner als serifenfreie Schriften. Die Times New Roman nimmt bei Punkt 12 zehn Prozent weniger Platz ein als Arial.
  • Die Schrift sollte immer linksbündig und im Flattersatz gesetzt werden. Der Blocksatz hat sich nur für mehrspaltige Texte bewährt, hinterlässt aber bei fehlender Silbentrennung unschöne Lücken im Text. Schwerer wiegt, dass im Flattersatz die unterschiedlichen Zeilenlängen dem Auge zusätzliche Orientierungspunkte bieten. Der Blocksatz sieht zu gleichmäßig aus und kann so zum Ermüden der Augen beitragen.
  • Die Absätze sollen einen angemessenen Abstand zueinander haben. In Word ist es üblich, zweimal Return zu drücken, um einen neuen Absatz zu generieren. Der Abstand ist dadurch zu groß, was unharmonisch aussieht. In Word lässt sich die Absatzformatierung unter Format -> Absatz festlegen. Das Gleiche gilt für Überschriften, sie sind im Textsatz nichts anderes als Absätze. Die Lücken zwischen den Absätzen schaffen Übersichtlichkeit und bieten dem Auge zusätzliche Orientierung.
  • Jede andere Kombination als Schwarz auf Weiß bei der Schrift verschlechtert den Kontrast. Es mag Leute geben, für die andere Kombinationen besser sind, das ist im Printbereich aber meistens nicht praktikabel.
  • Für die Schriftgrößen sind Standardgrößen zu wählen. Für Menschen mit verringertem Gesichtsfeld zum Beispiel wären zu große Schriftgrößen schlecht lesbar.
  • Mit Sonderformatierungen ist immer sparsam umzugehen. Kursiv-Stellung, Versalien (GROSSBUCHSTABEN), Unterstreichung und Schmuckschriftarten sowie Schreibschrift verschlechtern in jedem Fall die Lesbarkeit. Ganze Absätze in solchen Formatierungen führen zu Ermüdung und Langeweile.
  • Absätze sollten nicht zu lang werden. Lange Absätze verraten oft, dass sich der Schreiber keine Gedanken zu einer sauberen Gliederung gemacht hat. Mehr als drei oder vier mittellange Sätze sollte ein Absatz nicht umfassen.
  • Das selbe gilt dann auch für Textabschnitte. Lange Texte sollten durch Zwischenüberschriften angeteasert oder zusammengefasst werden.
  • Wichtige Informationen wie Seitenzahlen sollten lesbar sein. Suhrkamp und andere Verlage haben die seltsame Angewohnheit, die Seitenzahlen eher eigenwillig zu formatieren, so dass sie teilweise unlesbar sind. Dabei ist das eine Information, die schnell erfasst werden will und gerade nicht für eigenwillige Formatierungen geeignet ist.
  • Kleingedrucktes sollte groß gedruckt werden. Komischerweise werden die wichtigsten Informationen im berühmten Kleingedruckten versteckt, ohne das Verbraucherverbände auch nur einen Ton dazu sagen. Leider haben nicht alle Menschen Mikroskope zur Hand, um Beipackzettel von Medikamenten, Bedienungsanleitungen oder die Tücken angeblicher Schnäppchen zu entziffern. Die Werber und Marketingabteilungen haben immer noch nicht verstanden, dass diese Strategie genau zum Gegenteil von dem führt, was sie eigentlich erreichen wollen. Ihre Produkte werden nicht gekauft, weil das Winzig-Gedruckte wesentlich mehr Text enthält als die eigentliche Werbebotschaft und fast jeder kapiert hat, dass das nichts Gutes zu bedeuten haben kann.

Weiterführendes

Wenn Du es nicht machst, macht es keiner