Barrierefreiheit bei Gedrucktem – so wird Ihr Print-Produkt für alle zugänglich

Platte eines SetzersWährend im digitalen Bereich viel über Barrierefreiheit gesprochen wird, wird im Druckbereich das Thema bisher nicht ernst genommen. Einen kleinen Styleguide möchte ich hier mitgeben.

Schriftgröße und Textformatierung

Für die Schriftgrößen sind Standardgrößen zu wählen. Für Menschen mit verringertem Gesichtsfeld zum Beispiel wären zu große Schriftgrößen schlecht lesbar. Vermeiden Sie starke Änderungen der Schriftgröße. Das ist für Sehbehinderte schwierig, die ihre Lupe bzw. Lesekamera ständig adaptieren müssen.
Mit Sonderformatierungen ist immer sparsam umzugehen. Kursiv-Stellung, Versalien (GROSSBUCHSTABEN), Unterstreichung und Schmuckschriftarten sowie Schreibschrift verschlechtern in jedem Fall
Verzichten Sie auf „Kleingedrucktes“ und Fußnoten in winziger Schrift. Fußnoten sind für Sehbehinderte oder andere Lesebehinderte stets schwierig, da sie Probleme haben, sich schnell innerhalb des Textes zu bewegen. Das Kleingedruckte sollte in der Größe nicht zu stark abweichen, da Schrift bei starker elektronischer Vergrößerung wie bei Lesegeräten schnell unscharf wird.

Schriftart und Schriftfamilie

Als Schriftart sollten gängige serifenfreie Schriften verwendet werden. Serifenschriften verschlechtern die Lesbarkeit und sind bei gleicher Punkt-Größe kleiner als serifenfreie Schriften. Die Times New Roman nimmt bei Punkt 12 zehn Prozent weniger Platz ein als Arial. Es gibt allerdings große Unterschiede innerhalb der Schriftfamilien. Als Faustregel kann aber gelten: Je ungewohnter und verschnörkelter die Schrift, desto schlechter ist sie lesbar. Vermeiden Sie die Verwendung mehrerer Schriftarten innerhalb eines Dokuments. Es kann ein Faktor der Ablenkung für lesebehinderte Personen sein. Außerdem sind manche Schriftarten schlechter lesbar als andere. Sehbehinderte sind zudem nicht immer in der Lage, das Auge schnell an Änderungen zu adaptieren.

Ausrichtung und Abstände

Die Schrift sollte möglichst linksbündig und im Flattersatz gesetzt werden. Der Blocksatz hat sich nur für mehrspaltige Texte bewährt, hinterlässt aber bei fehlender Silbentrennung unschöne Lücken im Text. Schwerer wiegt, dass im Flattersatz die unterschiedlichen Zeilenlängen dem Auge zusätzliche Orientierungspunkte bieten. Der Blocksatz sieht zu gleichmäßig aus und kann so zum Ermüden der Augen beitragen.
Die Absätze sollen einen angemessenen Abstand zueinander haben. In Word ist es üblich, zweimal Return zu drücken, um einen neuen Absatz zu generieren. Der Abstand ist dadurch zu groß, was unharmonisch aussieht. In Word lässt sich die Absatzformatierung unter Format -> Absatz festlegen. Das Gleiche gilt für Überschriften, sie sind im Textsatz nichts anderes als Absätze. Die Lücken zwischen den Absätzen schaffen Übersichtlichkeit und bieten dem Auge zusätzliche Orientierung. Als zusätzliche Orientierung kann die erste Zeile eingerückt werden (hängender Absatz). Das ist in meinen Augen aber nicht notwendig.
Für den Abstand von Zeilen, Buchstaben und Wörtern haben sich die Standardwerte, wie sie von Textverarbeitungen eingesetzt werden bewährt. Sie sollten nur in Ausnahmefällen vergrößert oder verkleinert werden. Ein wahrer Alptraum für Sehbehinderte sind die Reclam-Hefte, die zu dem Unlesbarsten gehören, was die deutsche Printlandschaft bisher hervorgebracht hat.

Schriftfarbe und Kontrast

Jede andere Kombination als Schwarz auf Weiß bei der Schrift verschlechtert den Kontrast. Es mag Leute geben, für die andere Kombinationen besser sind, das ist im Printbereich aber meistens nicht praktikabel.
Für das Papier würden wir nicht strahlend weiß empfehlen, denn es reflektiert das Licht zu stark. Creme-weißes Papier ist in der Regel augenfreundlicher. Auch modernes Recyclingpapier ist in Ordnung. Von dem stark gelb-grauen Recyclingpapier würden wir eher abraten, weil es sich doch deutlich auf den Kontrast auswirkt.
die Lesbarkeit. Ganze Absätze in solchen Formatierungen führen zu Ermüdung und Langeweile.Absätze sollten nicht zu lang werden. Lange Absätze verraten oft, dass sich der Schreiber keine Gedanken zu einer sauberen Gliederung gemacht hat. Mehr als drei oder vier mittellange Sätze sollte ein Absatz nicht umfassen.
Das selbe gilt dann auch für Textabschnitte. Lange Texte sollten durch Zwischenüberschriften angeteasert oder zusammengefasst werden.
Wichtige Informationen wie Seitenzahlen sollten lesbar sein. Suhrkamp und andere Verlage haben die seltsame Angewohnheit, die Seitenzahlen eher eigenwillig zu formatieren, so dass sie teilweise unlesbar sind. Dabei ist das eine Information, die schnell erfasst werden will und gerade nicht für eigenwillige Formatierungen geeignet ist.
Vermeiden Sie Text mit Hintergrund-Elementen wie Farbverläufen oder Bildern. Praktisch immer ist er schwerer zu lesen.

Alternative zum gedruckten Text

stellen Sie eine elektronische Version bereit. Viele behinderte Personen nutzen ebook-Reader oder assistive Technologien und können sich elektronische Dokumente besser zugänglich machen als Drucksachen.

Weiterführendes

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Wenn Du es nicht machst, macht es keiner