{"id":10198,"date":"2025-08-31T18:44:40","date_gmt":"2025-08-31T16:44:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?page_id=10198"},"modified":"2025-09-20T15:46:16","modified_gmt":"2025-09-20T13:46:16","slug":"interview-mit-alide-von-bornhaupt-ueber-neurodiversitaet-und-digitale-barrierefreiheit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/interview-mit-alide-von-bornhaupt-ueber-neurodiversitaet-und-digitale-barrierefreiheit\/","title":{"rendered":"Interview mit Alide von Bornhaupt \u00fcber Neurodiversit\u00e4t und digitale Barrierefreiheit"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/322-interview-mit-alide-von-bornhaupt-uber-neurodiversitat-und-barrierefreiheit\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><br \/>\nDas ist das Transkript zum Podcast. Ich spreche mit der UX-Expertin Alide Von Bornhaupt \u00fcber Neuro-Diversit\u00e4t und digitale Barrierefreiheit. Das Transkript wurde mit KI optimiert. Alle Ungenauigkeiten und Fehler gehen auf mein Konto. <\/p>\n<p>Domingos: Herzlich willkommen zu einem neuen Podcast \u00fcber digitale Barrierefreiheit. Heute habe ich wieder einen spannenden Gast bei mir: Alide von Bonn Haupt. Sie wird sich gleich selbst vorstellen. Wir werden \u00fcber digitale Barrierefreiheit f\u00fcr neurodiverse Menschen sprechen. Erst einmal herzlichen Dank, Alide, dass du dir die Zeit f\u00fcr den Podcast genommen hast.<br \/>\nAlide: Ja, vielen Dank f\u00fcr die Einladung. Ich freue mich sehr, hier sein zu d\u00fcrfen.<br \/>\nDomingos: Sehr gerne. Stell dich doch bitte einmal unseren Zuh\u00f6renden vor.<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_85 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/interview-mit-alide-von-bornhaupt-ueber-neurodiversitaet-und-digitale-barrierefreiheit\/#Ueber_alide\" >\u00dcber alide<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/interview-mit-alide-von-bornhaupt-ueber-neurodiversitaet-und-digitale-barrierefreiheit\/#Was_ist_Neuro-Diversitaet\" >Was ist Neuro-Diversit\u00e4t<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/interview-mit-alide-von-bornhaupt-ueber-neurodiversitaet-und-digitale-barrierefreiheit\/#Neuro-Diversitaet_beruecksichtigen\" >Neuro-Diversit\u00e4t ber\u00fccksichtigen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/interview-mit-alide-von-bornhaupt-ueber-neurodiversitaet-und-digitale-barrierefreiheit\/#Alides_Channels\" >Alides Channels<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Ueber_alide\"><\/span>\u00dcber alide<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Alide: Sehr gerne. Also, ich sitze gerade in N\u00fcrnberg \u2013 ich finde es immer sch\u00f6n, wenn man auch h\u00f6rt, von wo aus jemand spricht. Ich bin seit \u00fcber zehn Jahren selbstst\u00e4ndig, fachlich aus dem Bereich UX und Produktentwicklung. Mein Schwerpunkt liegt auf digitaler Inklusion und Gleichstellung. Dabei orientiere ich mich sehr an den sieben Hauptdimensionen von Vielfalt, weil ich darin einen gro\u00dfen Hebel sehe, um gesellschaftlich etwas zu bewirken.<br \/>\nDa wir inzwischen unseren Alltag stark digital gestalten und viel Zeit im digitalen Raum verbringen, bietet dieser Raum eine gro\u00dfe Chance, gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen. Wenn eine Gruppe gesehen und ber\u00fccksichtigt wird, wird sie auch wahrgenommen und kann besser am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.<\/p>\n<p>Domingos: Vielen Dank. Wie kam es dazu, dass du dich speziell mit dem Thema digitale Teilhabe und Neurodiversit\u00e4t besch\u00e4ftigst?<\/p>\n<p>Alide: Ich bin selbst neurodivergent \u2013 das ist glaube ich die einfachste Antwort. Zus\u00e4tzlich habe ich als weiblich gelesene Person das Problem erlebt, dass die Forschung zu dem Zeitpunkt, als ich meine Diagnose erhielt, noch sehr stark in Stereotypen gedacht hat und dies auch so abgebildet wurde. Meine allererste Diagnose habe ich in den Neunzigern bekommen.<br \/>\nDas f\u00fchrte dazu, dass ich mich immer wieder in Fachliteratur und Studien eingelesen habe. Dabei ist mir aufgefallen, dass es ein riesiges Defizit gibt zwischen dem, was die Gesellschaft wei\u00df, und dem, was wissenschaftlich aktuell erforscht ist. Dazwischen agiert dann die Medizin \u2013 und ich habe gedacht: \u201eDas muss doch irgendwie vermittelt werden.\u201c<br \/>\nParallel hatte ich meine fachliche Expertise aus der Produktentwicklung. Mir ist aufgefallen, dass Barrierefreiheit eigentlich st\u00e4ndig umgesetzt oder angestrebt wird, aber dass Neurodiversit\u00e4t oft nur unter dem Sammelbegriff \u201ekognitive Beeintr\u00e4chtigungen\u201c l\u00e4uft. Dabei steckt so viel Vielfalt dahinter, dass es meiner Meinung nach gesondert betrachtet werden sollte.<br \/>\nSo kam es dazu, dass ich begonnen habe, dar\u00fcber zu referieren, Workshops zu geben und meine Expertise explizit in meine Arbeit einzubringen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Was_ist_Neuro-Diversitaet\"><\/span>Was ist Neuro-Diversit\u00e4t<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Was verstehst Du selbst unter Neuro-Diversit\u00e4t. Ich habe keine einheitliche Definition gefunden.<br \/>\nAlide: Vielen Dank, dass du das so offen fragst. Unter Neurodiversit\u00e4t verstehe ich im Grunde alle Menschen, denn jede Person hat eine individuelle Gehirnstruktur. Jede Gehirnstruktur ist leicht unterschiedlich, und genau diese Unterschiede machen die Diversit\u00e4t aus. Anders gesagt: Jeder Mensch ist anders, und entsprechend gibt es verschiedene Gehirnstrukturen.<br \/>\nDaraus ergeben sich zwei weitere Begriffe, die ich kurz erkl\u00e4ren m\u00f6chte: \u201eneurotypisch\u201c und \u201eneurodivergent\u201c. Ich finde diese Begriffe manchmal schwierig, weil sie auch ein gewisses \u201eOthering\u201c vermitteln \u2013 also ein Gef\u00fchl, dass das eine \u201enormal\u201c und das andere \u201eabweichend\u201c sei. In der autistischen Community wird manchmal der Begriff \u201e\u201eallistisch&#8220; verwendet, was ich passender finde, weil es einfach verschiedene Gehirne gibt, ohne dass eines als Norm gilt.<br \/>\nZu den neurodivergenten Strukturen geh\u00f6ren zum Beispiel Autismus, ADHS oder Epilepsie. Unsere Gesellschaft, unsere Strukturen, unser Denken und unsere Logik sind auf bestimmte neuronale Muster ausgelegt \u2013 andere Strukturen werden einfach nicht ber\u00fccksichtigt. Ich nenne diese Sichtweise allistisch, um zu verdeutlichen, dass es keine Wertung gibt, sondern einfach unterschiedliche Funktionsweisen.<br \/>\nIch hoffe, das macht es ein bisschen verst\u00e4ndlicher.<\/p>\n<p>Domingos: Auf jeden Fall. W\u00fcrdest du sagen, dass es Probleme bei der durchschnittlichen Wahrnehmung gibt \u2013 also bei Dingen, die von manchen Menschen gar nicht als st\u00f6rend wahrgenommen werden? Zum Beispiel Animationen, automatisch startende Videos oder bewegte Werbung. Manche Personen k\u00f6nnen das einfach ignorieren, andere \u2013 insbesondere neurodivergente Personen \u2013 haben gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten, solche Elemente auszublenden.<\/p>\n<p>Alide: Ja, genau. Ein gutes Bild daf\u00fcr ist, dass man von einem Fisch verlangen w\u00fcrde, einen Baum hochzuklettern. Auf den ersten Blick denkt man vielleicht: \u201eJa, warum nicht?\u201c \u2013 aber ein Fisch lebt nun mal im Wasser, nicht an Land. Genauso ist es bei Menschen: Man stellt Anforderungen, die \u00fcberhaupt nicht zu ihrer Lebensweise oder ihren F\u00e4higkeiten passen, und wundert sich dann, dass sie damit Schwierigkeiten haben.<br \/>\nIn der Accessibility-Arbeit nutze ich oft die \u201eL\u00f6ffeltheorie\u201c zur Veranschaulichung: Jeder Mensch hat eine begrenzte Energie \u2013 einen gewissen \u201eVorrat an L\u00f6ffeln\u201c. Je nachdem, welche Interaktionen oder Aufgaben man einer Person abverlangt, kann es f\u00fcr neurodivergente Menschen sehr viel Kraft kosten, Inhalte zu konsumieren, die f\u00fcr andere beil\u00e4ufig und m\u00fchelos sind. Danach sind sie ersch\u00f6pft und ben\u00f6tigen eine Pause.<br \/>\nDas Ziel sollte sein, dass alle Menschen m\u00f6glichst fl\u00fcssig und gleichberechtigt interagieren k\u00f6nnen. Deshalb ist es wichtig, die unterschiedlichen Bed\u00fcrfnisse zu ber\u00fccksichtigen und Barrieren so weit wie m\u00f6glich zu reduzieren.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Neuro-Diversitaet_beruecksichtigen\"><\/span>Neuro-Diversit\u00e4t ber\u00fccksichtigen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos:  Entwickelst du selber Produkte oder bist du an der Entwicklung beteiligt? Wie ist dein Vorgehen dabei, wenn du das Thema Neuro-Diversit\u00e4t besonders beachten m\u00f6chtest?<\/p>\n<p>Alide: Ich arbeite mit verschiedenen Herangehensweisen. Zum einen bin ich Teil des Incluthon -Teams und des Inclutest.-Test-Teams, und zus\u00e4tzlich arbeite ich selbstst\u00e4ndig. Das sind also drei unterschiedliche Bereiche.<br \/>\nBei Incluthon  f\u00fchren wir Workshops, Schulungen und Testings durch. Wir begleiten Unternehmen gemeinsam mit Fachexpert:innen, die selbst betroffen sind, und zeigen live, wie sich Software f\u00fcr Betroffene anf\u00fchlt. Dadurch k\u00f6nnen wir auf eine sehr emotionale und empathische Weise vermitteln, wie digitale Produkte wahrgenommen werden.<br \/>\nBeim Inclutest-Team gibt es einen Testing-Pool, in dem unter anderem auch neuroinklusive Personen beteiligt sind. Hier k\u00f6nnen wir live zeigen: \u201eAn dieser Stelle komme ich nicht weiter\u201c, oder \u201eDas ist f\u00fcr mich sehr anstrengend\u201c \u2013 und gleichzeitig aufzeigen, welche Verbesserungen hilfreich w\u00e4ren.<br \/>\nZus\u00e4tzlich arbeite ich selbstst\u00e4ndig an Schulungen, die direkt in die Umsetzung flie\u00dfen. Wenn ich beispielsweise eine Software konzipiere, achte ich darauf, dass bestimmte Standards eingehalten werden. Ein Beispiel: Bei einem Formularablauf sage ich fr\u00fchzeitig, welche Dokumente man vorher bereithalten sollte. So muss die Person nicht nach jedem Schritt im Raum herumlaufen, um Unterlagen zu suchen, oder sich wieder einloggen, falls die Sitzung ausgeloggt ist. Ich achte darauf, dass die Struktur und die Verarbeitung der Daten inklusiv und nutzerfreundlich gestaltet sind, damit Barrieren reduziert werden.<\/p>\n<p> Domingos:  Man sieht ja jetzt auch immer mehr Empfehlungen und auch Designsysteme, die sich speziell mit dem Thema Neurodiversit\u00e4t besch\u00e4ftigen. Hast du dich selber schon mal mit diesem Designsystem und so weiter besch\u00e4ftigt und hast du da? Hast du eine Meinung dazu, ist das positiv oder negativ oder bin ich hilfreich?<\/p>\n<p>Alide: Ich freue mich immer, wenn ich Menschen sehe, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen, denn es ist unglaublich wichtig. Die Herausforderung liegt darin: Wenn man eine neurodivergente Person kennt, kennt man genau eine \u2013 denn wir sprechen hier von Spektren. H\u00e4ufig weist eine Person nicht nur eine Neurodivergenz auf, sondern ist mehrfach marginalisiert. Das in einem Designsystem abzubilden, ist nat\u00fcrlich sehr komplex. Ein \u201eOne-Fits-All\u201c-Ansatz funktioniert hier nicht, und ein Designsystem, das alles perfekt umsetzt, gibt es derzeit nicht.<br \/>\nEs ist aber sehr wichtig, die unterschiedlichen Bed\u00fcrfnisse anzuerkennen und soweit m\u00f6glich zu ber\u00fccksichtigen. Ein Beispiel: Menschen mit ADHS m\u00f6gen oft Stimulation, also Animationen, Bewegung oder Inhalte in audiovisueller Form. Gleichzeitig k\u00f6nnen autistische Personen dadurch sehr schnell \u00fcberreizt werden. Menschen mit Epilepsie oder Tourette k\u00f6nnten dadurch sogar getriggert werden.<br \/>\nEs gibt also viele Widerspr\u00fcche, und es bedeutet nicht, dass alle Menschen mit Autismus automatisch \u00fcberreizt werden \u2013 auch hier gibt es Unterschiede. Deshalb ist es sehr schwierig, pauschal zu sagen: \u201eWenn du das machst, machst du es f\u00fcr alle richtig.\u201c<br \/>\n Domingos:  Gibt es Tipps, die du generell Leuten, die sich f\u00fcr das Thema interessieren und das auch ber\u00fccksichtigen wollen, mitgeben w\u00fcrdest?<\/p>\n<p>Alide: Ja, nat\u00fcrlich. Generell kann man sehr strukturiert vorgehen. Ich arbeite so, dass ich mir zuerst die relevanten Standards anschaue \u2013 zum Beispiel die EU-Norm 301 549 oder die WCAG. Wie diese umgesetzt werden, ist dann nat\u00fcrlich teilweise Auslegungssache.<br \/>\nDanach \u00fcberpr\u00fcfe ich, wie die Struktur aufgebaut ist: Ist sie wiederkehrend? Kann man sich schnell orientieren, oder muss man sich oft neu orientieren? Letzteres kann sehr anstrengend sein. Au\u00dferdem schaue ich, ob es verschiedene M\u00f6glichkeiten gibt, den Content zu konsumieren.<br \/>\nEin Beispiel ist der Screenreader: Es gibt Menschen mit Autismus, die lieber damit arbeiten, weil visuelle Inhalte f\u00fcr sie zu anstrengend sind. Andere wiederum m\u00f6chten nicht h\u00f6ren, sondern lieber Untertitel nutzen. Es geht also immer darum, flexible Zug\u00e4nge zu schaffen, damit unterschiedliche Bed\u00fcrfnisse abgedeckt werden.<\/p>\n<p>Es gibt auch Menschen, die sagen: \u201eIch m\u00f6chte eigentlich keine Videos h\u00f6ren oder schauen, das ist mir zu anstrengend.\u201c Solche Bed\u00fcrfnisse sind nat\u00fcrlich immer beachtenswert. Wenn man sich mit Accessibility auseinandersetzt, wei\u00df man das grunds\u00e4tzlich \u2013 aber besonders bei neurodivergenten Menschen ist es wichtig, zu verstehen, warum diese Bed\u00fcrfnisse existieren.<br \/>\nIn unseren Workshops lernen Teilnehmende genau das: Mit Betroffenen in direkten Austausch zu gehen, zu verstehen, wie sich bestimmte Anforderungen anf\u00fchlen und warum sie relevant sind. Fr\u00fchzeitiges Testen ist dabei entscheidend. Es geht nicht nur um die technische Umsetzung, sondern auch um Mindset und Reflexion. So erkennt man, dass Menschen sich nicht \u201eanstellen\u201c oder pingelig sind, sondern echte Bed\u00fcrfnisse haben, die, wenn sie nicht ber\u00fccksichtigt werden, Energie kosten und Ausgrenzung verursachen k\u00f6nnen.<br \/>\nDiversit\u00e4t ist wertvoll: Sie bringt viele Perspektiven ein, f\u00f6rdert Austausch und kann die Gesellschaft weiterentwickeln. Um neue Ideen zu entwickeln und inklusiv zusammenzuarbeiten, m\u00fcssen wir akzeptieren, dass Menschen unterschiedliche Bed\u00fcrfnisse haben. Das ist kein Problem, sondern ein entscheidender Punkt f\u00fcr eine gemeinsame, inklusive Interaktion.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Alides_Channels\"><\/span>Alides Channels<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p> Domingos:  Das ist ein gutes Schlusswort. Wo kann man dir pers\u00f6nlich folgen, wenn man weiteres Interesse an dem Thema hat?<br \/>\nAlide:  Am besten <a href=\"https:\/\/de.linkedin.com\/in\/alide-von-bornhaupt\">auf linkedin<\/a>. Ich bin gerade dabei, meine Webseite zu \u00fcberarbeiten, also <a href=\"https:\/\/alidevonbornhaupt.com\/\">alidevonbornhaupt.com<\/a>. Es kann sein, dass wenn du der. Ihr euch das anh\u00f6rt, dass die dann schon fertig ist. Aber auf linkedin bin ich auf jeden Fall auch sehr aktiv. Also da findet man mich auf jeden Fall.<br \/>\nDomingos:  Alles klar, vielen Dank. Das werde ich dann in die Shownotes packen. Ja, dann vielen Dank f\u00fcr das informative Gespr\u00e4ch und viel Erfolg weiterhin bei deinen Workshops und deinenVorhaben zur Neurodiversit\u00e4t.<br \/>\nAlide:  Danke f\u00fcr die Einladung.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/\">Weitere Interviws<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist das Transkript zum Podcast. Ich spreche mit der UX-Expertin Alide Von Bornhaupt \u00fcber Neuro-Diversit\u00e4t und digitale Barrierefreiheit. 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