{"id":1029,"date":"2018-04-27T13:31:56","date_gmt":"2018-04-27T11:31:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?page_id=1029"},"modified":"2023-08-11T17:02:24","modified_gmt":"2023-08-11T15:02:24","slug":"wie-jede-r-zur-barrierefreiheit-beitragen-kann","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wie-jede-r-zur-barrierefreiheit-beitragen-kann\/","title":{"rendered":"Wie Jede\/r zur Barrierefreiheit beitragen kann"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt in Deutschland eine lange Tradition, Barrierefreiheit sozusagen von oben nach unten durchzusetzen, in den Gesellschaftswissenschaften nennen wir das Top Down. In Deutschland steht daf\u00fcr im \u00f6ffentlichen Sektor die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV). F\u00fcr private Einrichtungen gilt die BITV hingegen nicht. Im Endeffekt gibt es reichlich \u00f6ffentliche wie private Einrichtungen, die nicht einmal im Ansatz die Grundlagen der Barrierefreiheit erf\u00fcllen. Das bezieht sich nicht nur auf Webseiten bzw. auf digitale Informationstechnik &#8211; das Thema dieses Blogs &#8211; sondern auch die Zug\u00e4nglichkeit von Geb\u00e4uden oder Infrastruktur.<br \/>\nFaktisch l\u00e4uft irgendwas falsch, wenn nach wie vor Busse eingekauft werden, die nicht rollstuhlgerecht sind oder neue Geb\u00e4ude errichtet werden, wo der Rollifahrer durch den Hintereingang muss, weil vorne eine Treppe ohne Rampe ist. Leider gibt es daf\u00fcr nur eine L\u00f6sung: wir brauchen ein \u00c4quivalent zum Americans with Disabilities Act, ein Gesetz, dass Barrierefreiheit f\u00fcr alle \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Einrichtungen und \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel festschreibt. Ich finde es beeindruckend, dass es viele Leute vor Ort gibt, die sich f\u00fcr Barrierefreiheit einsetzen. Das ist schon Graswurzel-Barrierefreiheit. Nur ist es absolut nicht einzusehen, warum man das im Jahr 2012 noch tun muss, wo den Verantwortlichen alle Probleme bekannt sind, wo alle Richtlinien f\u00fcr Barrierefreiheit bekant sind und wo kaum eine K\u00f6rperschaft ohne das Bekenntnis zur Inklusion und Gleichstellung von Behinderten auskommt. <\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_82_2 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wie-jede-r-zur-barrierefreiheit-beitragen-kann\/#Was_ist_Graswurzel-Barrierefreiheit\" >Was ist Graswurzel-Barrierefreiheit?<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wie-jede-r-zur-barrierefreiheit-beitragen-kann\/#Fazit\" >Fazit<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wie-jede-r-zur-barrierefreiheit-beitragen-kann\/#Zum_Weiterlesen\" >Zum Weiterlesen<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Was_ist_Graswurzel-Barrierefreiheit\"><\/span>Was ist Graswurzel-Barrierefreiheit?<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Ich bin bekannterma\u00dfen ein Freund von Initiativen, die aus der Bev\u00f6lkerung kommen und nicht vom Staat diktiert oder von einer gro\u00dfen Organisation vorangetrieben werden. Graswurzel-Barrierefreiheit ist der Versuch, Barrierefreiheit quasi von unten &#8211; also von der Basis &#8211; in die Gesellschaft reinzutragen, wir Hobby-Soziologen nennen das Bottum Up. Dazu geh\u00f6rt alles:<\/p>\n<ol>\n<li> was \u00fcber die Barrierefreiheit, ihre Bedeutung und Umsetzung aufkl\u00e4rt<\/li>\n<li> was zur Verbesserung der Barrierefreiheit beitr\u00e4gt<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ohne die Leistung der bisherigen zahlreichen Initiativen schm\u00e4lern zu wollen, das meiste davon richtet sich an Experten oder den bereits Bekehrten und erreicht den Normalsterblichen nicht. Selbst der durchschnittliche Behinderte kennt sich kaum mit Barrierefreiheit aus oder versucht mal, jemandem ein Statement zu semantischem Markup zu entlocken.<br \/>\nIch m\u00f6chte an dieser Stelle meine &#8211; nicht ganz ausgereiften &#8211; Gedanken dazu vorstellen. Verschiedene Ans\u00e4tze habe ich hier und anderswo schon aufgegriffen.<br \/>\nBeim Crowdsourcing <a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wirtschaft-gesellschaft\/crowdsourcing-und-barrierefreiheit\/\">geht es zum Beispiel darum<\/a>, eine gro\u00dfe Zahl von Menschen f\u00fcr relativ einfache Aufgaben zu gewinnen. Das kann z.B. die Bewertung eines Ortes auf Wheelmap sein oder auch der Massentest einer Anwendung durch Behinderte. Der Vorteil liegt auf der Hand: viele Menschen werden an das sperrige Thema Barrierefreiheit niederschwellig herangef\u00fchrt und viele Aufgaben lassen sich durch eine gro\u00dfe Zahl von Menschen einfacher und schneller erledigen.<br \/>\nIn eine etwas andere Richtung gehen Ans\u00e4tze der Crowdfinanzierung, die ich <span class=\"removed_link\" title=\"https:\/\/www.aktion-mensch.de\/blog\/eintrag.php?id=221\">hier n\u00e4her ausgef\u00fchrt habe<\/span>. Dabei finanzieren Menschen die Entwicklung oder Weiterentwicklung eines Konzeptes oder einer Anwendung, welche die Zug\u00e4nglichkeit im weitesten Sinne erh\u00f6ht. Aufgaben in diesem Bereich k\u00f6nnen die Entwicklung einer Hilfstechnologie wie einer g\u00fcnstigen Braillezeile, des Screenreaders NVDA oder des hilfreichen Firefox-Addons WebVisum sein. Vorstellbar w\u00e4re aber auch, dass eine bisher nicht barrierefreie Anwendung oder ein Framework barrierefrei gemacht wird, was \u00fcber die Crowd finanziert wird. Nat\u00fcrlich geht das nur bei nichtkommerziellen Produkten.<br \/>\nLast not least kann die Behindertencommunity selbst \u00fcber den OpenSource-Ansatz <a href=\"https:\/\/www.bbc.co.uk\/news\/technology-18690973\">ihre eigenen Hilfstechnologien pimpen<\/a>. Denkbar ist etwa, ein geschlossenes System wie ein H\u00f6rger\u00e4t praxistauglicher zu gestalten. Ich kenne mich zwar mit H\u00f6rger\u00e4ten nicht aus, aber denkbar w\u00e4re zum Beispiel, dass sich die Lautst\u00e4rkesteuerung dynamisch an den Umgebungsl\u00e4rm anpasst. Die Lautst\u00e4rke wird erh\u00f6htt, wenn es lauter wird und verringert, wenn es leise ist. Mag sein, dass die Ger\u00e4te das schon k\u00f6nnen, es soll nur ein Beispiel sein. Solche Weiterentwicklungen sind nur m\u00f6glich, wenn die Technologien generell f\u00fcr Modifikationen offen sind. In der Regel sind sie das nicht, sie sind au\u00dferdem meistens nicht miteinander kompatibel und damit oft unkomfortabel zu nutzen. Schon eine Bluetooth-Schnittstelle w\u00fcrde die Steuerung des Ger\u00e4tes via Smartphone erleichtern.<br \/>\nOder nehmen wir das Beispiel Sehen: Es gibt eine Handvoll Sehhilfen, die sich im gro\u00dfen und ganzen sehr \u00e4hnlich sind. Gleichzeitig unterscheiden sich die Sehbehinderungen ganz erheblich. Der eine sieht 60 Prozent auf einem Gesichtsfeld von 30 Grad, der andere sieht f\u00fcnf Prozent in der N\u00e4he und 1 Prozent in der Ferne. Ich habe vor allem im Segment der schlecht Sehenden noch keinen Menschen getroffen, der das selbe sehen kann wie ein anderer Sehbehinderter, auch wenn er die gleichen Werte im Sehtest erreicht. Dennoch haben wir nur eine Handvoll Sehhilfen zur Verf\u00fcgung, die wir kaum an unsere Bed\u00fcrfnisse anpassen k\u00f6nnen. Au\u00dferdem habe ich noch keinen Sehbehinderten getroffen, der die f\u00fcr ihn perfekte Sehhilfe gefunden hat, es ist immer ein Kompromiss, bei dem man das f\u00fcr sich beste Produkt raussucht, was die Krankenkasse finanziert. Ein offener Ansatz w\u00fcrde uns zum einen erlauben, die Sehhilfen an die jeweiligen Bed\u00fcrfnisse genau anzupassen. Und es w\u00fcrde auch Modifikationen erlauben, die etwa bei einer \u00c4nderung des Sehverm\u00f6gens n\u00f6tig w\u00fcrden. Utopisch? Vielleicht, aber die Alternative ist, ewig auf dem Status Quo weiter zu machen. Bei softwarebasierten Produkten haben wir damit auch die M\u00f6glichkeit, an die sozial aktive Hacker-Community anzudocken und diese Menschen an die Barrierefreiheit heranzuf\u00fchren.<br \/>\nLast not least m\u00fcssen wir neue <span class=\"removed_link\" title=\"https:\/\/www.aktion-mensch.de\/blog\/eintrag.php?id=35\">Wege der Informationsvermittlung finden<\/span>. Als Blinder bin ich zwar ein Freund von Text, aber die meisten Sehenden brauchen etwas Visuelles, um das abstrakte Thema Barrierefreiheit verstehen zu k\u00f6nnen. Dazu k\u00f6nnen Werkzeuge wie Storify, Animationen oder Info-Grafiken beitragen. Die Devise hei\u00dft, nicht erz\u00e4hlen sondern zeigen. Es ist sicher kein Geheimnis, dass die meisten Texte ohnehin die Leute erreichen, die schon bekehrt sind. Der Rest steigt aus, wenn ihm Abk\u00fcrzungen wie BITV, WCAG und WAI an den Kopf geworfen werden. Das kann man doof finden oder man kann sich dem anpassen. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Fazit\"><\/span>Fazit<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Wie oben gesagt werden wir f\u00fcr Barrierefreiheit jenseits \u00f6ffentlicher Einrichtungen sicher ein Gesetz ben\u00f6tigen, dass auch privaten Einrichtungen Richtlinien zur Zug\u00e4nglichkeit vorgibt. Allerdings glaubt keiner, dass es ein solches Gesetz in absehbarer Zeit geben wird.<br \/>\nAndererseits glaube ich, dass die Behindertencommunity und ihre Verb\u00e4nde die heutigen M\u00f6glichkeiten nicht ausreichend nutzt. Wie viele deutsche Behindertenverb\u00e4nde gibt es auf Twitter und Facebook? Wie viele nutzen moderne Kommunikationsinstrumente oder Abstimmungswerkzeuge, um die \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr ihre Anliegen zu gewinnen? Dann gibt es sicherlich noch einige Personen oder Organisationen, die in meinem digitalen Datenrauschen untergehen. Aber es sind sicher nicht so viele, wie es sein k\u00f6nnten. Die Mehrheit der Personen und Organisationen beschr\u00e4nkt sich darauf, Probleme aufzuzeigen und dann auf jemanden zu zeigen, der sich darum k\u00fcmmern soll. Das mag man f\u00fcr legitim halten, es zeigt aber auch, dass sich die Absender nicht zutrauen, selsbst \u00c4nderungen herbeizuf\u00fchren.<br \/>\nWir haben es uns sehr bequem gemacht, weil wir auf den Staat und irgendwelche Interessensverb\u00e4nde warten, damit sie sich darum k\u00fcmmern. Ich meine aber, wir sollten alle tun, was in unserer Macht steht und was uns m\u00f6glich ist, um unseren eigenen Beitrag zur barrierefreien Gesellschaft zu leisten. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Zum_Weiterlesen\"><\/span>Zum Weiterlesen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wirtschaft-gesellschaft\/crowdsourcing-und-barrierefreiheit\/\">Crowdsourcing und Barrierefreiheit<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/netz-barrierefrei.de\/en\/contribute.html\">How everybody can contribute to Accessibility<\/a><\/li>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt in Deutschland eine lange Tradition, Barrierefreiheit sozusagen von oben nach unten durchzusetzen, in den Gesellschaftswissenschaften nennen wir das Top Down. In Deutschland steht&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wie-jede-r-zur-barrierefreiheit-beitragen-kann\/\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Wie Jede\/r zur Barrierefreiheit beitragen kann<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1029","page","type-page","status-publish","hentry","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1029","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1029"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1029\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8256,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1029\/revisions\/8256"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1029"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}