{"id":1041,"date":"2018-04-30T10:51:08","date_gmt":"2018-04-30T08:51:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?page_id=1041"},"modified":"2023-07-21T15:25:12","modified_gmt":"2023-07-21T13:25:12","slug":"wie-ueberzeuge-ich-kunden-kollegen-und-vorgesetzte-von-barrierefreiheit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wie-ueberzeuge-ich-kunden-kollegen-und-vorgesetzte-von-barrierefreiheit\/","title":{"rendered":"Kunden, Kollegen und Vorgesetzte von Barrierefreiheit \u00fcberzeugen"},"content":{"rendered":"<p>Sie m\u00f6chten Barrierefreiheit einf\u00fchren? Aber Ihr Chef, die Schwiegermutter oder der Metzger meinen, dass ist bl\u00f6d, \u00fcberfl\u00fcssig oder teuer? Dann finden Sie hier ein paar Strategien, um sie davon zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_82_2 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wie-ueberzeuge-ich-kunden-kollegen-und-vorgesetzte-von-barrierefreiheit\/#Compliance\" >Compliance<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wie-ueberzeuge-ich-kunden-kollegen-und-vorgesetzte-von-barrierefreiheit\/#Das_moralische_Argument\" >Das moralische Argument<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wie-ueberzeuge-ich-kunden-kollegen-und-vorgesetzte-von-barrierefreiheit\/#CSR_und_Diversity\" >CSR und Diversity<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wie-ueberzeuge-ich-kunden-kollegen-und-vorgesetzte-von-barrierefreiheit\/#Das_finanzielle_Argument\" >Das finanzielle Argument<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-5\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wie-ueberzeuge-ich-kunden-kollegen-und-vorgesetzte-von-barrierefreiheit\/#Der_Qualitaetsfaktor\" >Der Qualit\u00e4tsfaktor<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-6\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wie-ueberzeuge-ich-kunden-kollegen-und-vorgesetzte-von-barrierefreiheit\/#Der_Behinderte_als_Normalfall\" >Der Behinderte als Normalfall<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-7\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wie-ueberzeuge-ich-kunden-kollegen-und-vorgesetzte-von-barrierefreiheit\/#Behinderte_beteiligen\" >Behinderte beteiligen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-8\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wie-ueberzeuge-ich-kunden-kollegen-und-vorgesetzte-von-barrierefreiheit\/#Einfach_machen\" >Einfach machen<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Compliance\"><\/span>Compliance<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Compliance bedeutet so viel wie im Einklang mit g\u00fcltigen Gesetzen und Richtlinien stehen.<br \/>\nDas ist sehr einfach. Wenn es Gesetze gibt, m\u00fcssen diese erf\u00fcllt werden, basta.<br \/>\nDerzeit gibt es vor allem zwei Organisationstypen, die zur Barrierefreiheit verpflichtet sind:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00d6ffentliche Organisationen<\/li>\n<li>halb\u00f6ffentliche Organisationen wie der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk, die gesetzliche Renten-, Unfall- und Krankenversicherungen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Private Unternehmen und NGOs sind im Prinzip nicht verpflichtet. Dies kann sich aber bald \u00e4ndern. Alle Organisationen, die \u00f6ffentliche Auftr\u00e4ge oder Mittel bekommen &#8211; und das sind viele &#8211; d\u00fcrfen sich darauf einstellen, sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter mit dem Thema Barrierefreiheit besch\u00e4ftigen zu m\u00fcssen. Es ist f\u00fcr solche Organisationen sinnvoll, sich bereits jetzt damit zu besch\u00e4ftigen, bevor es eventuell zu Abstrafungen von der einen oder anderen Seite kommt.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Das_moralische_Argument\"><\/span>Das moralische Argument<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Ja, ich wei\u00df, die armen Behinderten und so. Dennoch ist es so, dass gerade eine sozial orientierte Organisation auch die Barrierefreiheit umsetzen sollte. Es ist schon erschreckend und auch ziemlich armselig, wenn diese Organisationen ihre interaktiven Anwendungen nicht barrierefrei hinbekommen. Wenn man zu doof ist, um einen barrierefreien Spendenprozess aufzusetzen, braucht man unser Geld offensichtlich nicht. Wenn jemand alle Menschen erreichen m\u00f6chte, kommt er an Barrierefreiheit nicht vorbei.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"CSR_und_Diversity\"><\/span>CSR und Diversity<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Sind Strategien zum Thema Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Verantwortung oder personelle Diversity vorhanden, kann darauf aufbauend eine Argumentation zur Barrierefreiheit abgeleitet werden. Vorgesetzte m\u00f6gen es, wenn etwas in ihr Unternehmenskonzept passt.<br \/>\nWir witzeln immer dar\u00fcber, dass die Unternehmen gar keine Behinderten einstellen m\u00fcssen, um die Behindertenquote zu erf\u00fcllen. Durch den demographischen Wandel werden die meisten Belegschaften im Schnitt \u00e4lter als 50 sein. Vor allem B\u00fcroarbeiter, die viel sitzen und auf PC-Bildschirme starren, d\u00fcrften von Erkrankungen der Augen und des Haltungsapparats betroffen sein. In diesem Alter machen sich auch H\u00f6rsch\u00e4den schnell bemerkbar. Vor allem kleine und mittelst\u00e4ndische Unternehmen sind nicht darauf vorbereitet. Einerseits wollen und m\u00fcssen sie diese qualifizierten Leute halten. Andererseits haben sie weder das Wissen, das Geld f\u00fcr den Umbau ihrer Infrastruktur und manchmal fehlt auch schlicht der Wille, sich darauf einzustellen. Dann ist halt der Kicker wichtiger als die Rollstuhlrampe.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Das_finanzielle_Argument\"><\/span>Das finanzielle Argument<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Vor allem bei Privat-Unternehmen z\u00e4hlt in erster Linie das finanzielle Argument. Nun ist die Zahl derjenigen, die tats\u00e4chlich in der Nutzung von Produkten\/Dienstleistungen eingeschr\u00e4nkt sind nicht gleich der Zahl der Behinderten. Nur ein Bruchteil der 7,6 Mio. Schwerbehinderten hat tats\u00e4chlich Probleme bei der Nutzung des Internets.<br \/>\nAber nat\u00fcrlich gibt es Leute, die Probleme haben und es sind nicht Wenige. Hunderttausende \u00e4lterer Menschen sind von Web-Anwendungen schlicht \u00fcberfordert. Millionen von Menschen verstehen nicht, was auf den Webseiten geschrieben wird. Die Kosten durch Fehlbedienung und anderen n\u00f6tigen Support d\u00fcrften f\u00fcr viele gr\u00f6\u00dfere Unternehmen locker im sechsstelligen Bereich liegen.<br \/>\nLasst mich an dieser Stelle mit einem M\u00e4rchen im Unternemens-Bereich aufr\u00e4umen: Unsere Kunden sind nicht die hippen 20-40-j\u00e4hrigen, denn die verdienen kaum Geld und wenn, m\u00fcssen sie es f\u00fcr Familienbildung und Lebensunterhalt ausgeben. Erst recht sind unsere Kunden nicht die unter 20-j\u00e4hrigen, denn die haben noch viel weniger eigenes Geld. Unsere Kunden sind oftmals die 50-j\u00e4hrigen und \u00e4lter. Die Kinder sind aus dem Haus oder alt genug, um sich um sich selbst zu k\u00fcmmern. Haus und Auto sind abbezahlt. Im Allgemeinen verdient man in diesem Alter besser und hat zugleich weniger Fixkosten. Man hat mehr Zeit, um auszugehen, Urlaub zu machen und sich \u00fcberfl\u00fcssigen Schnick-Schnack wie einen Thermomix zu kaufen. Zugleich wirken sich die ersten Weh-Wehchchen sp\u00fcrbar aus. H\u00f6r-, K\u00f6rper- und Sehkraft lassen nach. Man kapiert nicht mehr so schnell, wie das Ding funktioniert. Man kann sich nicht mehr risikolos b\u00fccken, um das Dingsbums an- oder abzustellen. Die Gruppe der \u00fcber 50-j\u00e4hrigen ist also die eigentlich spannende Gruppe.<br \/>\nDennoch versuchen wirklich fast alle Organisationen, sich auf eine j\u00fcngere Zielgruppe einzuschie\u00dfen. Klar ist , dass die Marketingma\u00dfnahmen j\u00fcnger wirken sollen als die eigentliche Zielgruppe. Kein 50-j\u00e4hriger m\u00f6chte ein Seniorenhandy. Aber das Marketing ist das eine, das Produkt etwas Anderes. Im Zweifel werden sie das Produkt nicht mehr kaufen bzw. zur\u00fcck geben, wenn sie es nicht gebrauchen k\u00f6nnen. Nichts ist frustrierender als ein Produkt, dass unbedienbar ist, weil es nicht vern\u00fcnftig gestaltet wurde. Neulich wollte ich ein Olivenglas \u00f6ffnen und was soll ich sagen? Im besten Mannesalter habe ich es nicht mit reiner K\u00f6rperkraft geschafft. Das darf doch nicht wahr sein oder?<br \/>\nGerade der Bereich eCommerce ist f\u00fcr \u00e4ltere Menschen interessant. Medikamente sind online teils 50 Prozent g\u00fcnstiger zu bekommen. Lebensmittel schleppen k\u00f6nnte dank Online-Supermarkt pass\u00e9 sein.<br \/>\nUnd gerade beim eCommerce gibt es die meisten Probleme. Das zieht sich durch die ganze customer journey durch: Angefangen bei der Produktsuche, der Auswahl, dem Anmeldeprozess und der Eingabe der Daten. Als ich mir neulich einen neuen K\u00fchlschrank kaufen musste, wollte ich den lokalen Elektromarkt eine Chance geben. Da ich keine Zeit hatte, in den Laden zu gehen, habe ich mir das Angebot online betrachtet. Und was soll ich sagen? Ich konnte nicht einmal die Preise vern\u00fcnftig lesen, sie hatten irgend ein Verfahren verwendet, um die Preise h\u00fcbscher aussehen zu lassen, mit Screenreader waren sie aber nicht vern\u00fcnftig entzifferbar. Ich bin dann am Ende wieder bei Amazon gelandet. Mir fehlt einfach der Nerv, mich mit solchem Schnick-Schnack l\u00e4nger zu besch\u00e4ftigen. Es muss sich aber niemand wundern, wenn der Online-Handel sich weiter monopolisiert, wenn man keine vern\u00fcnftige Website zustande bekommt.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Der_Qualitaetsfaktor\"><\/span>Der Qualit\u00e4tsfaktor<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Es gibt drei Strategien, um auf dem Markt aufzutreten:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Marktf\u00fchrer versucht, die h\u00f6chsten St\u00fcckzahlen bzw. Dienstleistungen abzusetzen. Er setzt gro\u00dfe Mengen ab und versucht deshalb, die Kosten pro Einheit gering zu halten.<\/li>\n<li>Der Qualit\u00e4tsf\u00fchrer versucht, das beste Produkt oder die beste Dienstleistung abzuliefern. Er investiert mehr und setzt insgesamt weniger Leistungen ab, hat aber h\u00f6here Gewinn-Margen pro Leistung.<\/li>\n<li>Der Nischen-H\u00fcter versucht sich innerhalb einer Nische einzunisten. Er setzt weder hohe St\u00fcckzahlen ab noch hat er den Anspruch, das insgesamt beste Produkt abzuliefern. Nur innerhalb seiner Nische strebt er die F\u00fchrerschaft an.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Sowohl der Markt- als auch der Qualit\u00e4tsf\u00fchrer m\u00fcssen Barrierefreiheit anstreben. Barrierefreiheit ist eindeutig ein wichtiges Qualit\u00e4tskriterium. Und ohne Barrierefreiheit wird die vollkommene Marktdurchdringung schwierig.<br \/>\nSo weit die Theorie. Die Praxis sieht leider anders aus. Auf dem Markt f\u00fcr Computer tut sich recht viel: Nachdem Apple Barrierefreiheit zum Mainstream gemacht hat, haben Microsoft, Google und Samsung ebenfalls das Thema f\u00fcr sich entdeckt. Microsoft versucht zum Beispiel, den Narrator zu einem vollwertigen Screenreader auszubauen.<br \/>\nAndere M\u00e4rkte funktionieren leider nicht so, wie wir uns das w\u00fcnschen w\u00fcrden. Zwar funktioniert Amazon, der Marktf\u00fchrer im eCommerce, in Teilen recht gut. Bei der Barrierefreiheit k\u00f6nnen sie aber noch mehr machen.<br \/>\nDennoch ist das Argument richtig: Wer Markt- oder Qualit\u00e4tsf\u00fchrer sein m\u00f6chte, muss daf\u00fcr sorgen, dass sein Produkt m\u00f6glichst barrierefrei ist.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Der_Behinderte_als_Normalfall\"><\/span>Der Behinderte als Normalfall<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Das Paradigma des gesunden, alles verstehenden und beherschenden Kunden war nie richtig und ist es heute nat\u00fcrlich gar nicht mehr. Wir haben die Statistik gesehen: 7,6 Mio. Schwerbehinderte, 7,5 Mio. funktionale Analphabeten, Millionen \u00e4ltere Menschen mit teils unerkannten Gebrechen, Hunderttausende mit geringen Deutsch-Kenntnissen.<br \/>\nStatt diese Realit\u00e4t wie heute \u00fcblich einfach zu ignorieren, sollten wir sie akzeptieren und Strategien entwickeln, um damit umzugehen. Schluss also mit Ameisenschrit auf Lebensmittelverpackungen, mit Verpackungen, die sich nur mit Spezialwerkzeug \u00f6ffnen lassen und Interfaces, zu deren Verst\u00e4ndnis ein ein zentimeterdickes Handbuch notwendig ist.<br \/>\nBehinderte und andere Kunden sind angehalten, ihre Bed\u00fcrfnisse st\u00e4rker auszudr\u00fccken. Fragt, ob ein Ort barrierefrei ist. Fragt, ob das nicht auch in barrierefrei geht. Fragt, ob man ein Nummernzieh-System in einer Augenklinik braucht. Fragt, warum es keine rollstuhlgerechten Toiletten, keine H\u00f6ranlage gibt. Fragt, warum der Redner offenbar in sein PowerPoint verliebt ist und nicht vern\u00fcnftig verbalisiert.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Behinderte_beteiligen\"><\/span>Behinderte beteiligen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Am meisten beeindruckt es die Leute tats\u00e4chlich einmal live zu sehen, wie ein behinderter mit ihrer Website interagiert. Je futuristischer, desto besser: Sprachsteuerung, Eye-Tracking, Screenreader &#8211; wichtig ist vor allem, dass es einerseits m\u00f6glichst weit von der Lebenswirklichkeit der Personen weg ist. Denn jeder w\u00fcrde sagen: Ein Mensch, der nicht mal seine Arme bewegen kann, kann doch keine Website bedienen. Das Aha-Erlebnis ist bei den Ungl\u00e4ubigen am st\u00e4rksten. Selbst bei den rationalsten Menschen sind es nicht immer die sachlichen Argumente, die sie \u00fcberzeugen. Oftmals sind es eher die emotionalen, aber nicht moralischen Aspekte, die sie \u00fcberzeugen.<br \/>\nDabei muss ich aber gleich \u00fcberzogene Erwartungen bremsen. Der Zuschauer mag \u00fcberzeugt sein, wenn er aus der Demo rausgeht. Doch solche Effekte halten selten vor. Es braucht in der Regel mehr als einen Anla\u00df, um die Leute zu \u00fcberzeugen. Es ist also eher ein Zusammenspiel der oben genannten Argumente und Strategien.<br \/>\nZudem sind die Leute nat\u00fcrlich unterschiedlich: Die Eine m\u00f6chte harte Zahlen, der Andere m\u00f6chte eher auf der emotionalen Ebene angesprochen werden. Man muss also definitiv die Strategie auf die Person oder Personengruppe anpassen, die man \u00fcberzeugen m\u00f6chte.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Einfach_machen\"><\/span>Einfach machen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Viele Agenturen und Webentwickler lassen sich Barrierefreiheit teuer bezahlen. Inwieweit das gerechtfertigt ist, lasse ich einmal au\u00dfen vor. Doch ist der Mehraufwand f\u00fcr Leute, die ihr Handwerk verstehen \u00fcberschaubar. Eine Installation von Drupal oder WordPress barrierefrei zu machen ist wahrlich kein Hexenwerk. Eine typische textlastige Seite mit wenig interaktiven Elementen barrierefrei zu machen ist dank der vielen Frameworks wahrlich kein Hexenwerk. Daf\u00fcr Aufschl\u00e4ge von 30-40 Prozent zu nehmen st\u00e4rkt eher das Mi\u00dftrauen gegen\u00fcber den Agenturen.<br \/>\nEin anderes Thema sind komplexe Websites mit einem hohen Grad an Interaktion. Da kommt es tats\u00e4chlich darauf an, wie viel Arbeit die Agentur hat und wie intensiv sie testet. Ansonsten ist aber zum Beispiel digitale Barrierefreiheit schlicht gutes Handwerk. Ein Redakteur w\u00fcrde auch nicht 30 Prozent mehr f\u00fcr eine Rechtschreibpr\u00fcfung oder ein Fact-Checking nehmen. Die Agenturen und Entwickler sollten also das Thema Barrierefreiheit einfach umsetzen, ohne ihren Kunden dar\u00fcber zu informieren. Sp\u00e4testens dann, wenn er gezwungen ist, sich mit dem Thema zu besch\u00e4ftigen, wird er daf\u00fcr dankbar sein.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/tealfeed.com\/talk-stakeholders-web-accessibility-presentation-template-1ee56\">Template: How to talk to stakeholders about web accessibility<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/netz-barrierefrei.de\/en\/convince.htm\">CONVINCE CUSTOMERS, COLLEAGUES AND SUPERVISORS OF ACCESSIBILITY<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.w3.org\/WAI\/business-case\/\">The business case for accessibility<\/a><\/li>\n<li>How to Convince Company Leadership to Care About Accessibility<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie m\u00f6chten Barrierefreiheit einf\u00fchren? Aber Ihr Chef, die Schwiegermutter oder der Metzger meinen, dass ist bl\u00f6d, \u00fcberfl\u00fcssig oder teuer? 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