{"id":10847,"date":"2026-06-06T17:11:14","date_gmt":"2026-06-06T15:11:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?page_id=10847"},"modified":"2026-06-27T20:27:07","modified_gmt":"2026-06-27T18:27:07","slug":"stefan-farnetani-ueber-automatisiertes-testen-mit-caat","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/stefan-farnetani-ueber-automatisiertes-testen-mit-caat\/","title":{"rendered":"Stefan Farnetani \u00fcber automatisiertes Testen mit CAAT"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sharepic.jpg\" alt=\"Stilisierte Person testet Website auf Barrierefreiheit\" width=\"1024\" height=\"559\" class=\"alignleft size-full wp-image-10858\" srcset=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sharepic.jpg 1024w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sharepic-300x164.jpg 300w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sharepic-768x419.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/361-automatisiertes-testen-mit-caat-ein-gesprach-mit-stefan-von-mindscreen\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><br \/>\nDies ist das Transkript von dem Gespr\u00e4ch mit Stefan Farnetani zum Thema automatisiertes Testen von PDF und Websites mit CAAT. Alle Ungenauigkeiten gehen auf mein Konto.<br \/>\nDomingos: So, herzlich willkommen zu einem neuen Podcast zur digitalen Barrierefreiheit. Heute habe ich wieder einen Gast dabei: Stefan Farnetani von der Agentur Mindscreen. Also, vielen Dank, Stefan, dass du dir die Zeit f\u00fcr den Podcast nimmst.<br \/>\nStefan: Ja, danke, Domingos, f\u00fcr die Einladung. Ich freue mich sehr, heute hier zu sein.<br \/>\nDomingos: Ja, sehr gerne. Wir werden heute vor allem \u00fcber das Thema Automatisierung sprechen, weil Mindscreen dort eine L\u00f6sung anbietet. Und wir werden auch \u00fcber das Thema Barrierefreiheit bei PDFs sprechen, weil Mindscreen dort eine Studie zusammen mit axes4 automatisiert durchgef\u00fchrt hat \u2013 und wir wollen nat\u00fcrlich wissen, was dabei rausgekommen ist. Wir fangen aber einfach wie immer damit an, dass du dich gerne den Zuh\u00f6renden vorstellst, Stefan, und vielleicht auch direkt die Firma Mindscreen und was sie im Bereich Barrierefreiheit macht.<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_85 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/stefan-farnetani-ueber-automatisiertes-testen-mit-caat\/#Ueber_Stefan_und_mindscreen\" >\u00dcber Stefan und mindscreen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/stefan-farnetani-ueber-automatisiertes-testen-mit-caat\/#CAAT_und_automatisches_Testen\" >CAAT und automatisches Testen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/stefan-farnetani-ueber-automatisiertes-testen-mit-caat\/#Relevanz_automatisierter_Tests\" >Relevanz automatisierter Tests<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/stefan-farnetani-ueber-automatisiertes-testen-mit-caat\/#Massen-Test_von_Behoerden-PDF\" >Massen-Test von Beh\u00f6rden-PDF<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-5\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/stefan-farnetani-ueber-automatisiertes-testen-mit-caat\/#mindscreen_folgen\" >mindscreen folgen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-6\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/stefan-farnetani-ueber-automatisiertes-testen-mit-caat\/#Weitere_Infos\" >Weitere Infos<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Ueber_Stefan_und_mindscreen\"><\/span>\u00dcber Stefan und mindscreen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Stefan: Mein Name ist Stefan Farnetani, ich komme aus M\u00fcnchen, bin Ende der 40er und ich habe mit meinem Kumpel damals, zwischen Schule und Studienbeginn im Jahr 1999, die Firma Mindscreen gegr\u00fcndet. Also, ich besch\u00e4ftige mich jetzt seit \u00fcber 20 Jahren professionell mit dem Thema digitale Barrierefreiheit. Zuerst aus der Richtung Frontend-Entwicklung, Gestaltung, UX und dann eben \u00fcber die Jahre mehr aus der Perspektive Testen oder aus der Perspektive, wie bekomme ich Barrierefreiheit in der Organisation verankert. Was muss ich noch erw\u00e4hnen? Vielleicht der Vollst\u00e4ndigkeit halber: Ich habe urspr\u00fcnglich Architektur studiert, habe nur ein paar Jahre als Architekt gearbeitet, aber das erkl\u00e4rt manchmal meine Marotten und meine Wortwahl.<br \/>\nDomingos: Ja, vielen Dank. Mindscreen ist ja eine Gr\u00f6\u00dfe in der Barrierefreiheit. Du hast schon erw\u00e4hnt, dass ihr schon ganz lange dabei seid, aber wie seid ihr eigentlich zum Thema Barrierefreiheit \u00fcberhaupt gekommen?<br \/>\nStefan: Ja, da muss ich vielleicht zweigeteilt antworten. Also, es gibt einmal eine private Ebene und einmal eine berufliche Ebene. Privat hatte ich sehr fr\u00fch Ber\u00fchrungspunkte. Zum einen bin ich selbst betroffen: Ich hatte im Alter von zwei Jahren einen Unfall und habe die rechte Hand verloren. Und ja, ich kann jetzt aus erster Hand sozusagen erz\u00e4hlen, wie man einh\u00e4ndig einen Rechner bedient oder halt ein Architekturmodell bauen muss. Es ist nicht nur blo\u00dfe Theorie. Und zum anderen hatte ich einen Onkel, der das Down-Syndrom hatte. Meine Mutter hatte sehr viele Geschwister, es waren insgesamt neun Geschwister, und mein Onkel war da voll integriert. Es war selbstverst\u00e4ndlich, dass er Teil der Familie war, und er ist da gemeinsam mit uns aufgewachsen. Das hei\u00dft, ich bin sehr fr\u00fch gepr\u00e4gt worden, dass Teilhabe keine Sonderbehandlung ist, sondern selbstverst\u00e4ndlich \u2013 vorausgesetzt nat\u00fcrlich, das Umfeld erm\u00f6glicht es. Das ist so meine private Perspektive, deswegen habe ich recht wenig Ber\u00fchrungs\u00e4ngste mit dem Thema.<br \/>\nUnd dann habe ich die berufliche Ebene. Da hatte ich erstmal nichts mit Barrierefreiheit am Hut. 1999 haben wir angefangen zu programmieren: HTML, CSS, JavaScript, die alte Schule halt. Und da haben wir damals sehr stark SelfHTML als Plattform genutzt, um HTML zu lernen. Ich denke, dass viele meiner Generation \u00fcber SelfHTML und \u00e4hnliche Plattformen das HTML-Programmieren gelernt haben. An dieser Stelle vielleicht ein ganz gro\u00dfes Danke an Stefan M\u00fcnz, der das damals aufgezogen hat, der das wirklich toll geschrieben hat. Und ihm ist auch zu danken, dass er am Schluss ein Kapitel Barrierefreiheit hatte. Also so fr\u00fch war da schon das Thema, wie mache ich das richtig. Und nachdem wir das irgendwann gelesen hatten \u2013 am Anfang ist man ja so bei den ersten Kapiteln und irgendwann kommt man hinten an \u2013, haben wir nat\u00fcrlich beschlossen: Das ist ganz selbstverst\u00e4ndlich, dass wir das mitmachen. Und seitdem sind wir bei der Barrierefreiheit h\u00e4ngengeblieben.<br \/>\nEs ist ein bisschen wie ein Virus. Wenn man da einmal anf\u00e4ngt&#8230; Damals gab es noch nicht so viele Informationen, dann hat man halt auf Konferenzen mal jemanden mit einer Braillezeile gesehen und angesprochen. Heutzutage kommt man viel besser an die ganzen Informationen, aber es bleibt dieses Virushafte, dass man sagt: \u201eOh Mann, wenn ich das jetzt so und so umstelle, dann kann es besser vorgelesen werden.\u201c Das ist schon sehr faszinierend und gibt einem unglaubliche Genugtuung. Genau so sind wir dazu gekommen.<br \/>\nDomingos: Ja, vielen Dank. Dann w\u00e4re die Frage nat\u00fcrlich, was macht Mindscreen heute generell? Also, welche Leistungen bietet ihr an?<br \/>\nStefan: Ja, Mindscreen grob zusammengefasst: Man kann sagen, wir begleiten Organisationen auf dem Weg zur digitalen Barrierefreiheit. Die Begleitung kann recht unterschiedlich ausfallen \u2013 mal ist es nur ein einzelner Auftrag, mal ist das eine Begleitung \u00fcber mehrere Jahre. Gerade Letzteres ist nat\u00fcrlich unser Liebling, dass wir wirklich die M\u00f6glichkeit haben, etwas breiter im Unternehmen zu schauen, wie man das Thema verankern kann. Zu unserer Leistung geh\u00f6ren unterschiedliche Beratungen, Schulungen nach Rollen oder nach Themen, Workshops und Reifegradbewertungen eines ganzen Unternehmens. Ein paar Leistungen holen wir uns durch befreundete Agenturen mit rein, und dann nat\u00fcrlich ganz viel Testen. Also, wir testen Webanwendungen, Applikationen oder auch Geldautomaten und \u00c4hnliches.<br \/>\nDas Testen ist immer so eine gewisse Hassliebe \u2013 kannst du bestimmt auch ein Lied davon singen. Als Spezialisten denken wir uns immer: Oh mein Gott, jetzt werde ich dazu gerufen und muss das testen. Aber das Kind ist ja eigentlich schon in den Brunnen gefallen, ne? Oft werden wir dazu gerufen, wenn schon alles zu sp\u00e4t ist und alles schon gemacht worden ist. Eigentlich wollen wir weiter nach vorne. Gleichzeitig ist Testen aber unser Handwerkszeug; es ist eines der wichtigsten Werkzeuge, das wir haben, um mit den Teams zu kommunizieren. Und so, glaube ich, muss man das Testen auch ein bisschen sehen. Man darf es nicht so sehen, dass wir die \u201eAccessibility Cops\u201c sind, sondern wir versuchen, eine andere Form von Kommunikation zu etablieren. Neben Eins-zu-eins-Gespr\u00e4chen, Schulungen und Vortr\u00e4gen, wo wir Wissen vermitteln, vermitteln wir das hier halt in Ticket-gegossenes Wissen, das dann asynchron im Unternehmen verteilt werden kann.<br \/>\nJa, wenn man das mal so herum denkt, was Testen bedeutet, dann wird es auch nicht mehr so als Pflichtaufgabe gesehen. Jetzt bin ich vielleicht ein bisschen abgeschweift \u2013 du siehst, Testen ist so ein Thema, mit dem ich mich viel besch\u00e4ftige, was wir viel intern besprechen: Was hilft wirklich, was hilft nicht? Ich sage immer scherzhaft: Kein Bericht auf der Welt macht irgendein Produkt barrierefrei. Erst wenn Teams sich hinsetzen und das, was da drinsteht, annehmen und umsetzen, wird daraus ein Schuh, wenn man so will. Und da ist immer die Frage: Wie bereite ich es auf, dass die Teams m\u00f6glichst wenig Friction \u2013 also so eine Bremswirkung, sozusagen \u2013 haben und gut ins Doing kommen? Das ist immer eine unserer Hauptaufgaben: Teams bef\u00e4higen, Einzelpersonen bef\u00e4higen, das Richtige zu tun. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"CAAT_und_automatisches_Testen\"><\/span>CAAT und automatisches Testen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Ja, vielen Dank. Genau, Testen ist ja auch eine gute \u00dcberleitung zum n\u00e4chsten Thema, n\u00e4mlich CAAT. Was genau ist CAAT?<br \/>\nStefan: Ja, also CAAT&#8230; Genau, fangen wir vielleicht vorne an. CAAT steht f\u00fcr Computer aided Accessibility Testing, also unsere Software, unsere Testplattform f\u00fcr Barrierefreiheit. Es gibt eine gewisse \u00c4hnlichkeit zum englischen Wort f\u00fcr Katze, \u201eCat\u201c, und damit spielen wir auch \u2013 und auch unser Maskottchen ist nat\u00fcrlich eine Katze. Mit der Testsoftware haben wir praktisch unsere beiden Expertisen verkn\u00fcpft: Dass wir einerseits wissen, wie man mit Unternehmen kommuniziert und wie man gute Tests macht, und auf der anderen Seite wissen, wie man Webapplikationen barrierefreier aufzieht. Da war es irgendwie naheliegend, dass wir die Sachen kombinieren.<br \/>\nUrspr\u00fcnglich haben wir CAAT entwickelt, weil wir selbst kein vern\u00fcnftiges Werkzeug gefunden haben, mit dem wir unsere Berichte professioneller und schneller umsetzen k\u00f6nnen. Wir haben uns ein bisschen umgeschaut, waren bei den gro\u00dfen Firmen. Das waren nat\u00fcrlich tolle Produkte, aber sie haben uns nicht die richtige Flexibilit\u00e4t gegeben, wie sie f\u00fcr den europ\u00e4ischen Raum ben\u00f6tigt wird \u2013 sie waren sehr fixiert auf die Section 508 und auf den amerikanischen Prozess. Und da haben wir halt beschlossen, dass wir ein eigenes Tool machen, erst mal f\u00fcr uns selbst. Dann haben wir gemerkt, aufgrund der R\u00fcckmeldungen von anderen Experten, dass wir wirklich einen Bedarf decken, und haben beschlossen, das Tool professionell aufzuziehen.<br \/>\nDas ist bis heute das Wichtigste f\u00fcr uns: dass wir stark von erfahrenen Spezialisten genutzt werden und von Organisationen, die wirklich ernsthaft Barrierefreiheit umsetzen wollen. Also wirklich von Spezialisten, die im Doing drin sind, die wissen, wie man ordentliche Sachen macht und was man daf\u00fcr braucht. Auch offizielle \u00dcberwachungsstellen nutzen uns, zum Beispiel in Deutschland und in \u00d6sterreich, und selbst blinde Kollegen nutzen CAAT. Es war uns auch von Anfang an wichtig, ein wirklich professionelles Tool f\u00fcr alle zu schaffen. \u201eAlle\u201c bedeutet nat\u00fcrlich unterschiedliche Beeintr\u00e4chtigungen, aber \u201ealle\u201c bedeutet nat\u00fcrlich auch unterschiedliche Unternehmensgr\u00f6\u00dfen. Also, wir wollten kein Tool, das jetzt nur f\u00fcr gro\u00dfe Unternehmen erschwinglich ist, sondern halt auch schon ein professionelles Tool, das ab einem kleinen Geldbeutel m\u00f6glich ist. Wenn du dann ein gro\u00dfes Unternehmen bist und halt 400 Tests im Monat machst, dann zahlst du halt ein bisschen mehr f\u00fcr die Software. Aber auch ein kleines Unternehmen kann sich das leisten. Das war uns sehr wichtig, und so ist immer mehr drumherum entstanden.<br \/>\nDomingos: Genau, aber das ist auch eine gute \u00dcberleitung zum Thema Automatisierung. Das ist ja, glaube ich, auch relativ neu. Wie genau funktioniert das Thema des automatischen Pr\u00fcfens von Websites und PDFs \u00fcber CAAT?<br \/>\nStefan: Ja, also ohne jetzt technisch zu weit reinzugehen \u2013 ich glaube, die Grundidee ist jedem verst\u00e4ndlich: Ich m\u00f6chte gerne eine Domain eingeben und dann sage ich dem System: \u201eBitte lauf los.\u201c Und dann gibt es verschiedene Typen, wie man \u00fcber die ganze Webseite, die ganze Domain laufen kann. Ob man jetzt freies Crawling hat, ob man die Sitemap-XML ausliest, ob man URLs eingibt, ob man Einschr\u00e4nkungen macht und so weiter. Aber die Grundidee ist halt immer: Ich gebe einfach nur die Domain ein, dann l\u00e4uft das System dr\u00fcber, und ich kann auf einen Schlag 5 Seiten, 50 Seiten, 500 oder 1000 Seiten testen. Das ist an sich kein Problem. Das dauert dann vielleicht mal drei Stunden l\u00e4nger, wenn ich viele Seiten habe.<br \/>\nJa, und das ist im Grunde genommen die Idee, die jetzt komplement\u00e4r steht \u2013 also als Gegensatzpaar zum manuellen Testen. Da gibt es verschiedene Anwendungsf\u00e4lle. Im Wesentlichen kann man sagen, man kann damit den Ist-Zustand ermitteln. Zum Beispiel, dass ich sage: Wo stehe ich mit meinem Projekt? Ich lasse einmal das System dr\u00fcber laufen, dann sehe ich: Ah, okay, da sind die h\u00e4ufigsten Fehler. Ich kann die Fehler vielleicht in Bereiche unterteilen und feststellen: Oh, ist f\u00fcr diesen Bereich vielleicht jemand anderes zust\u00e4ndig, weil der schlechter abschneidet? Ich kann aufgrund der Fehlerarten feststellen: Okay, wo kommt dieser Fehler her? Ist das vielleicht technisch bedingt oder ist das redaktionell bedingt? Und ich kann dann daraufhin reagieren. Oder halt, Teams k\u00f6nnen kleinere Fehler selbst l\u00f6sen, weil sie sagen: Okay, Alternativtext \u2013 hier ist die Erkl\u00e4rung, was ich machen muss. Und sie m\u00fcssen dann damit nicht gleich zum Spezialisten rennen. Das bef\u00e4higt Teams sozusagen auch, vieles selbst zu machen.<br \/>\nGenau, und dann haben wir die zweite Schiene, das ist das kontinuierliche Monitoring. Das hei\u00dft, wir k\u00f6nnen Tests mit denselben Parametern wiederholen, k\u00f6nnen feststellen, ob sich was \u00e4ndert, k\u00f6nnen es dokumentieren und nat\u00fcrlich auch als Fr\u00fchwarnsystem nutzen. Wenn ich sehe: \u201eOh, da sind irgendwo pl\u00f6tzlich 300 Fehler dazugekommen letzte Woche\u201c, kann ich nat\u00fcrlich recherchieren, was passiert ist. Wenn ich vielleicht eine gro\u00dfe Organisation wie eine Universit\u00e4t bin: Gibt es neue Teams? Haben die eine neue Software eingef\u00fchrt oder ein neues Plugin in WordPress installiert \u2013 und schwupps, sackt die Barrierefreiheit ab, zum Beispiel. Also insofern gibt es viele M\u00f6glichkeiten. Das sind jetzt erst mal nur die grunds\u00e4tzlichen automatischen Vorteile. Und dann kann man das nat\u00fcrlich mit manuellen Tests kombinieren. Das ist nat\u00fcrlich das weitaus Spannendere, dass ich sagen kann: Ich kann jetzt automatische Tests mit manuellen Tests kombinieren und damit halt auch neue Dienstleistungen hervorbringen.<br \/>\nDomingos: Und diese Fehler kann man dann vor allen Dingen auch automatisch nach Ticketsystemen wie Jira r\u00fcberschieben.<br \/>\nStefan: Genau. Man kann die dann exportieren, hat ein Dashboard, das man teilen kann \u2013 ob passwortgesch\u00fctzt oder nicht. Die PDF-Sachen kann man dann auch als CSV oder Excel runterladen, weil man bei Web meistens Sachen in ein Ticketsystem eintr\u00e4gt, w\u00e4hrend man bei PDFs eher den einzelnen Abteilungen hinterherl\u00e4uft, sage ich jetzt mal. Ich kann jetzt nicht sagen, ich mache aus jedem PDF ein Ticket, das sind halt unterschiedliche Herangehensweisen.<br \/>\nUnd wir haben nat\u00fcrlich jetzt verschiedene Metriken, die einfach helfen sollen, dass man sich die Sachen gut anschauen kann. Also, ich kann mir die Fehlertypen anschauen und ich kann mir die Seiten anschauen \u2013 auch die Seiten mit den h\u00e4ufigsten Fehlern. Ich habe bei den PDFs sehr tiefgehende Informationen. Also, ich sehe nicht nur, ob eine PDF Fehler hat, sondern ich kann mir, wie im PAC \u2013 dem PDF Accessibility Checker \u2013, m\u00f6glichst alle Informationen anzeigen lassen, bis hin zu den Fehlern, und mir diese highlighten lassen. Wir nutzen ja axesCheck, das ist die Online-Version vom PAC, der bisher nur auf dem Desktop funktioniert. Wir sind eines der ersten Softwareprodukte, die das nutzen, und haben da unglaublich tiefgehende Informationen zu den PDFs. Das geht bis hin zur Autorensoftware, die verwendet worden ist. Also welcher Ersteller und welcher Erzeuger \u2013 ich glaube, darin wird das unterteilt. Dann wei\u00df ich zum Beispiel: Ah, das ist jetzt mit Word erstellt worden und mit Word auch als PDF abgespeichert worden. Oder es wurde Word und axesWord verwendet, oder Word und dann Acrobat. Das kann ich mir anzeigen lassen, und das kann ein guter Ausgangspunkt f\u00fcr eine Beratung sein, dass ich sage: Okay, ich habe jetzt hier eine Inventarisierung und ich wei\u00df: Okay, die meisten Dokumente kommen aus InDesign. Dann lass uns mal nachforschen, wie InDesign-Dokumente in der Organisation zustande kommen. Werden die haupts\u00e4chlich extern eingekauft oder gibt es Abteilungen, f\u00fcr die wir Schulungen anberaumen oder Vertr\u00e4ge \u00e4ndern m\u00fcssen? Also genau, da kann man das sehr gut als Beratungsinstrument nutzen. Fr\u00fcher hat man das manuell selbst gemacht, das war sehr aufwendig. Und jetzt geht es halt einfach in Minuten, im Endeffekt, dass man so eine \u00dcbersicht bekommt. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Relevanz_automatisierter_Tests\"><\/span>Relevanz automatisierter Tests<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Auf jeden Fall! Du hast es im Prinzip schon gesagt, aber vielleicht m\u00fcssen wir es noch mal herausstellen: Warum ist es \u00fcberhaupt wichtig, dass man automatisiert PDFs und Websites pr\u00fcft?<br \/>\nStefan: Also ja, \u201ewichtig\u201c ist vielleicht ein bisschen die falsche Frage. Ich kann vielleicht eher den Nutzen beschreiben: Der gro\u00dfe Vorteil von automatischen Tests ist die Skalierung. Das hei\u00dft, die Tests k\u00f6nnen zwar nicht ganz so viel pr\u00fcfen wie ein manueller Test. Ich sage immer: Ein manueller Test geht in die Tiefe und ein automatischer Test geht in die Breite. Aber diese Breite, diese Skalierung&#8230; Wenn ich jetzt zum Beispiel sagen w\u00fcrde, ich mache einen reduzierten Test manuell, dann schaffe ich als Mensch vielleicht 20 Seiten. Der automatische Test kann in derselben Zeit \u2013 was wei\u00df ich \u2013 10.000, 100.000 Seiten pr\u00fcfen; es gibt eigentlich gar keine wirkliche Grenze. Es ist ja nur Serverleistung, die du raufpumpen musst.<br \/>\nUnd ja, das ist nat\u00fcrlich schon ein Riesenvorteil, weil dadurch meine Kapazit\u00e4ten wieder frei werden. Wir haben ja das Problem \u2013 ich wei\u00df gar nicht, wie viele Tausend Onlineshops in der gesamten Europ\u00e4ischen Union existieren \u2013, dass die Anzahl der wirklichen Spezialisten nat\u00fcrlich begrenzt ist. Das hei\u00dft, wir k\u00f6nnen gar nicht alles manuell durchforsten. Die Idee ist nat\u00fcrlich jetzt, dass das Automatische mir so eine Art Vorsortierung macht, so ein Vork\u00e4mmen, sage ich jetzt mal. Ich habe immer das Bild von verschiedenen Filterstufen vor Augen. Das manuelle Testen durch einen Spezialisten ist eine sehr gro\u00dfe, feine Filtereinheit. Aber die setze ich eher weiter hinten im Prozess ein. Vorne platziere ich Filter und Siebe, die wie grobe Rechen funktionieren, wo ich \u00c4ste und Grobmaterial schon mal rausfiltern kann. Das sind die automatischen Tests. Wenn ich die schon davor schalte, dann ist diese gro\u00dfe Filtereinheit \u2013 der Spezialist \u2013 umso effizienter, weil er sich dann wirklich um die echten Probleme k\u00fcmmern kann und seine Zeit nicht mit Standardfragen verbringt. Dass ich zum 15. Mal erkl\u00e4re, wie man Alternativtexte schreibt, mache ich zwar gerne, aber effizient ist das nicht. Das kann mittlerweile tats\u00e4chlich eine Maschine, die das auch schon recht gut erkl\u00e4ren und die Probleme einigerma\u00dfen gut finden kann. Genau das ist, glaube ich, der Nutzen.<br \/>\nMan darf nat\u00fcrlich nie vergessen: Es gibt Grenzen. Ich habe es jetzt schon ein paar Mal erw\u00e4hnt \u2013 automatische Tests k\u00f6nnen nicht alles. Ich glaube, da kannst du auch ein Liedchen von singen. Je nachdem, wen man fragt, schwankt diese Zahl immer zwischen 35 % und 40 %. Mit KI verbessert sich das ein bisschen, aber ich will jetzt gar nicht auf diese KI-Tr\u00e4ume eingehen. Ganz ehrlich: Die Verbesserungen sind wirklich im Prozentbereich zu verorten. Da schaffen wir statt 30 % vielleicht mal 32 %, aber die sind unglaublich teuer erkauft. Wenn ich bedenke, wie viel Server-Rechenleistung ich da draufschmei\u00dfen muss, ist das Verh\u00e4ltnis irgendwie noch nicht gut. Am Ende kommt keine Pr\u00fcfung an einem manuellen Test vorbei. Das ist die einzige M\u00f6glichkeit, um wirklich tiefgehende Erkenntnisse zu formulieren.<br \/>\nMan k\u00f6nnte es auch andersherum sagen: Ein automatischer Test kann mir nie sagen, ob eine Seite oder ein Produkt barrierefrei ist. Er kann mir immer nur sagen, dass bestimmte Stellen nicht barrierefrei sind. Das klingt jetzt nach wenig und ist vielleicht auch ein bisschen frustrierend, aber es ist unglaublich spannend, und es ist erstaunlich, wie viel wir allein aus diesen Daten schon ableiten k\u00f6nnen. Also wie gesagt: Diese Sichtbarmachung von Strukturen, von Fehlerclustern, Fehlertypen und Zusammenh\u00e4ngen ist nat\u00fcrlich wichtig, wenn wir nicht nur dem einzelnen Fehler hinterherrennen, sondern statt der Symptome lieber die Ursache bek\u00e4mpfen wollen. Dass wir sagen: \u201eAh, okay, hier ist folgende Software eingesetzt worden, und deswegen kommt dieser Fehler immer wieder rein. Lass uns mal schauen, ob wir diese Software austauschen k\u00f6nnen.\u201c Das kann man gerade mit diesen, ich sage jetzt mal, etwas \u201edumpferen\u201c Analysen schon sehr gut machen. Also da haben wir noch gar nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, was wir da an Mustern und an Problemen in einer Organisation ablesen k\u00f6nnen.<br \/>\nDomingos: Ich meine, es w\u00e4re ja schon viel gewonnen, wenn Entwicklerinnen und Entwickler die Pr\u00fcftools, die es schon gibt, einfach in der Developer-Pipeline nutzen und die Fehler nat\u00fcrlich beheben w\u00fcrden. Also ARIA korrekt einsetzen, valides HTML nutzen oder sehen, dass ein Label fehlt. Das sind ja diese h\u00e4ufigsten Probleme: Kontraste, das sind alles Dinge, die man relativ gut automatisiert finden kann. Wenn sie die schon vorher beheben w\u00fcrden, w\u00e4ren wir, glaube ich, alle dankbar.<br \/>\nStefan: Genau, und das ist wieder dieser Punkt der Entlastung. Dann k\u00f6nnen du und ich uns mit Themen besch\u00e4ftigen, die jetzt wirklich knifflig sind, und m\u00fcssen nicht die Standardfragen beantworten. Also wie gesagt, ich habe \u00fcberhaupt nichts dagegen, ich mache das total gerne. Wir sind diesen Monat ja auch wieder auf dem Barcamp, das sich ja explizit an unerfahrene Leute richtet, und ich mache das total gerne, Neulinge zum Thema Barrierefreiheit zu bringen. Das mache ich gerne, aber manchmal hat man so ein bisschen das Gef\u00fchl, dass man seine eigene Schallplatte h\u00f6rt, weil man sagt: \u201eHey, das habe ich jetzt schon mal erz\u00e4hlt \u2013 nicht nur einmal, sondern schon 20-mal.\u201c Und das macht auch nichts, wenn ich das unter Gleichgesinnten erz\u00e4hle. Aber wenn man das dann in derselben Organisation beim n\u00e4chsten Team noch mal wiederholt und dann st\u00e4ndig wiederholt, dann denkt man sich: Ja, okay, dann m\u00fcsste man vielleicht irgendwann mal ein Tool einf\u00fchren.<br \/>\nGenau. Also ich bin jetzt kein Verfechter, der sagt, alles nur noch automatisiert. Aber automatisierte Tests haben nat\u00fcrlich einen sehr gro\u00dfen Hebel. Und was halt wichtig ist: Diese Daten, die wir dort herausbekommen, ben\u00f6tigen eine Interpretation. Und ja, klar, nat\u00fcrlich liefert auch CAAT eine gewisse Interpretation, um auch vielleicht Neulingen und Organisationen, die das selbstst\u00e4ndig machen, zu helfen. Aber nat\u00fcrlich kann ein Spezialist mit mehrj\u00e4hriger Erfahrung diese Daten momentan noch viel besser lesen. Deswegen empfehlen wir auch immer, mit Spezialisten zusammenzuarbeiten. Gerne automatisierte Tools, aber halt noch ein Rahmenvertrag f\u00fcr einen Spezialisten, der in vielleicht gr\u00f6\u00dferen Abst\u00e4nden beratend dazu kommt, damit man einfach diese Expertise noch mit drin hat, um die Daten zu interpretieren und vielleicht die richtigen Priorisierungen zu setzen. Genau. Ich und das Testen&#8230; Jetzt haben wir uns wieder ein bisschen beim Testen verrannt.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Massen-Test_von_Behoerden-PDF\"><\/span>Massen-Test von Beh\u00f6rden-PDF<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Ja, gar kein Problem. Ein Thema, was ich noch ansprechen wollte: Ihr habt ja mit axes4, ich glaube im Fr\u00fchjahr, auch eine automatisierte Pr\u00fcfung von barrierefreien PDFs \u2013 du hast ja axesCheck schon erw\u00e4hnt \u2013 durchgef\u00fchrt. Was war die Grunderkenntnis, die ihr daraus gewonnen habt?<br \/>\nStefan: Die Grunderkenntnis&#8230; Ja, vielleicht ganz kurz, damit man die Grunderkenntnis auch richtig einsch\u00e4tzen kann: Wir haben eine relativ gro\u00df angelegte Studie durchgef\u00fchrt und haben fast 70.000 PDF-Dokumente der \u00f6ffentlichen Hand analysiert. Gefunden und grob analysiert haben wir ungef\u00e4hr 120.000, aber 70.000 haben wir dann als studienrelevant eingestuft und diese dann alle mit dem PAC bzw. axesCheck getestet. Das Ergebnis war recht ern\u00fcchternd: Nur 9,5 Prozent der getesteten Dokumente, die in diesen Analysezeitraum reinfallen, sind PAC-konform. Das hei\u00dft, sie erf\u00fcllen \u00fcberhaupt erst die maschinell pr\u00fcfbaren Anforderungen an ein PDF-Dokument.<br \/>\nSo, jetzt formuliere ich das nat\u00fcrlich schon so umst\u00e4ndlich. Das hei\u00dft, von den 9,5 Prozent m\u00fcssen wir auch noch einen unbekannten Anteil abziehen, weil maschinell pr\u00fcfbar konform ja nicht automatisch barrierefrei bedeutet. Das hei\u00dft, die tats\u00e4chlich barrierefreien Dokumente liegen unter 9,5 Prozent, und das ist wirklich sehr, sehr erschreckend \u2013 da die \u00f6ffentliche Hand das ja schon seit Jahren machen muss und wir auch nur PDFs ausgewertet haben, die nach dem gesetzlichen Stichtag ver\u00f6ffentlicht worden sind. Insofern deckt sich das auch ein bisschen mit den Aussagen der offiziellen BFIT-Bund, die auch um die 9 Prozent ermittelt haben.<br \/>\nWir haben aber noch unterschiedliche Seiten getestet. Die BFIT-Bund ist ja nur f\u00fcr den Bund zust\u00e4ndig; wir haben vier Cluster gebildet, insgesamt 63 Webseiten getestet und die Cluster \u201eoberste Bundesbeh\u00f6rden\u201c, \u201eSozialversicherungstr\u00e4ger\u201c, \u201eKrankenkassen\u201c und \u201eSt\u00e4dte\u201c gebildet. Die obersten Bundesbeh\u00f6rden, als nat\u00fcrlich wichtigste Organe in Deutschland, haben auch am besten abgeschnitten. Ich glaube, das liegt aber auch daran, dass die auch schon in der Vorg\u00e4ngerstudie von axes4 von 2016 bis 2018 immer wieder getestet worden sind. Damals wurden nur die Bundesbeh\u00f6rden getestet. Also da hat sich schon eine gewisse Sensibilisierung ergeben. Am schlechtesten abgeschnitten haben die St\u00e4dte, was ich pers\u00f6nlich recht bitter finde, denn die St\u00e4dte sind f\u00fcr die meisten Menschen die erste Anlaufstelle. Ne, also Hand aufs Herz: Wie oft warst du in letzter Zeit auf der Seite eines Bundesministeriums, wie dem Bundesumweltministerium? Das ist eher ungew\u00f6hnlich. Auf der Stadtseite ist man, weil man halt \u2013 was wei\u00df ich \u2013 den Sperrm\u00fcllplan sucht, Events sehen will oder seine Adresse ummelden muss. Man ist auf der Stadtseite, und die wurden bisher recht wenig gro\u00dffl\u00e4chig analysiert. Und genau das haben wir jetzt mal nachgeholt.<br \/>\nUns war wichtig, dass wir mit dieser Studie auch einen datengetriebenen Beitrag liefern. Es gibt ja sehr viele Studien, die gerade herausgeschossen werden, und da werden mal zehn Seiten getestet oder nur die erste Seite von 20 Seiten. Das sind alles keine belastbaren Studien. Wir wollten wirklich eine Studie haben, mit der wir auch in unserer Community \u00fcber den Diskurs weiterkommen und sehen k\u00f6nnen: Wo sind wirklich die Probleme, was kommt raus? Besonders spannend ist hier, dass wir ja auch die Autorensoftware ausgewertet haben. Wir k\u00f6nnen also sehen, wie viele Prozent von diesen fast 70.000 Dokumenten aus Word heraus erzeugt worden sind oder aus InDesign \u2013 wo der Schwerpunkt in der \u00f6ffentlichen Hand praktisch besteht. Ja, und dann nat\u00fcrlich auch Kuriosit\u00e4ten wie Fotokopierer, die PDFs erzeugen, oder Dienstleister wie Canva.<br \/>\nMan muss das halt im Blick behalten. Das ist jetzt alles noch so, wo du sagst: \u201eJa gut, wenn jetzt f\u00fcnf PDFs bei 70.000 von Konica, f\u00fcnf von Minolta und drei von Canon erzeugt worden sind, ist alles gut.\u201c Aber es darf nicht mehr werden. Eigentlich muss auch das wieder bek\u00e4mpft werden. Der Reflex, einfach schnell was auf den Fotokopierer zu legen und dann im Netz zu ver\u00f6ffentlichen, ist nat\u00fcrlich gef\u00e4hrlich. Und Canva, die ja den Markt gro\u00df angreifen: Der Dienst produziert momentan keine barrierefreien PDFs, die sind komplett ungetaggt. Da hoffe ich nat\u00fcrlich, dass der Dienstleister noch nachlegt und dass sich das nicht weiter verbreitet, v\u00f6llig ungetaggte PDFs zu ver\u00f6ffentlichen.<br \/>\nGenau. Was haben wir noch herausgekriegt? Also wie gesagt, das ist sehr spannend. Vielleicht noch mal kurz die URL \u2013 wir k\u00f6nnen die dann nachher bestimmt auch ver\u00f6ffentlichen. Es ist alles kostenlos. Wie gesagt, das war uns ein wichtiges Anliegen, dass wir da wirklich eine Studie haben, mit der alle arbeiten k\u00f6nnen. digital-accessibility.report ist die URL. Und noch eins: Alle Webseiten, die jetzt zugegebenerma\u00dfen etwas unfreiwillig an dieser Studie teilgenommen haben, bekommen kostenlos ihre Daten. Also nicht alle Daten der Studie, sondern wirklich gezielt die von ihrer eigenen Webseite. Und genau das ist halt ein unglaublich gro\u00dfer Schatz. Es sind teilweise Tausende von PDFs, und wir hoffen, dass sie mit diesen Daten intern wieder besser argumentieren k\u00f6nnen, wo sie stehen. Wir haben das jetzt schon von den ersten Organisationen geh\u00f6rt, die gesagt haben: \u201eDas ist fantastisch! Damit kann ich intern wirklich datenbasiert erkl\u00e4ren: Nein, wir sind noch nicht so weit, wie wir sein m\u00fcssten in der Barrierefreiheit, wir m\u00fcssen da noch eine Schippe drauflegen.\u201c Und das nutzt man dann als Argumentationskette ganz gut. Also insofern, wenn jetzt hier ein Zuh\u00f6rer oder eine Zuh\u00f6rerin sagt: \u201eIch bin verantwortlich f\u00fcr die Bundesministeriumseite X oder f\u00fcr die Krankenkassenseite Y\u201c \u2013 auf die Seite gehen, sich melden, und wir geben euch die Daten, damit ihr damit intern hausieren gehen k\u00f6nnt.<br \/>\nDomingos: Man muss auch sagen: Viele von diesen Studien \u2013 oder ich nenne sie mal in Anf\u00fchrungszeichen \u201eStudien\u201c \u2013 sind ja reines Marketing, ne? Eigentlich kommen sie von den \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen, um, wei\u00df ich nicht, in die Zeitung zu kommen und Aufmerksamkeit zu generieren.<br \/>\nStefan: Genau. Da wird auch oft&#8230; Also was mich total ge\u00e4rgert hat: Es werden oft \u00c4pfel mit Birnen verglichen. Sagen wir mal, die Datenbreite ist nicht ausreichend und es wird nirgendwo erw\u00e4hnt, wie getestet worden ist. Wir haben jetzt extra diese Seite aufgezogen, da wird alles erkl\u00e4rt. Wenn irgendwas unklar ist, schreibt uns an. Aber dort wird genau erkl\u00e4rt, wie wir die Werte gebildet haben, was wir verwendet haben, wie wir dazu gekommen sind und welche Sachen wir ausgeschlossen haben, damit das wirklich eine ernstzunehmende Studie ist und man wirklich damit arbeiten kann.<br \/>\nUnd das wiederholen wir jetzt noch mal f\u00fcr \u00d6sterreich. Das ver\u00f6ffentlichen wir dann Mitte Juli in Linz auf dem IKT-Forum.<br \/>\nDa sind wir auch gespannt \u2013 bin ich nat\u00fcrlich auch gespannt \u2013, inwieweit \u00d6sterreich besser abschneidet als Deutschland. Und ja, wir werden das jetzt nicht n\u00e4chstes Jahr noch mal wiederholen, aber vielleicht in zwei bis drei Jahren. Dann wiederholen wir die ganze Studie und schauen, wie es sich ver\u00e4ndert hat. Dann k\u00f6nnen wir sie auch noch mal erweitern. Wir haben es diesmal aus Zeitgr\u00fcnden nicht mehr geschafft, bei den Bundesl\u00e4ndern noch tiefer reinzugehen. Auch Universit\u00e4ten waren diesmal in Deutschland nicht dabei, die werden in \u00d6sterreich dann diesmal dabei sein. Aber gerade Landesregierungen w\u00e4ren nat\u00fcrlich noch mal spannend. Tja, mal schauen. Also das wollen wir jetzt routinierter machen, aber wie gesagt: J\u00e4hrlich bringt das nichts, es m\u00fcssen ja auch erst mal Prozesse angesto\u00dfen werden.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"mindscreen_folgen\"><\/span>mindscreen folgen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Ja, auf jeden Fal. Die letzte Frage: Wo kann man euch am besten folgen?<br \/>\nStefan: Das ist eine gute Frage. Also, wir sind auf jeden Fall auf LinkedIn \u2013 entweder ich als Stefan Farnetani, die Firma Mindscreen oder auch die Software CAAT. Und dann publizieren wir auf unserer Webseite Mindscreen.de auch immer, auf welchen Veranstaltungen wir sind. Wir sind relativ umtriebig \u2013 ich und meine Frau Annett Farnetani. Da kann man uns auch immer gut ansprechen und antreffen. Genau. Und sonst halt \u00fcber die \u00fcblichen verd\u00e4chtigen Kan\u00e4le, aber das sind so die wichtigsten, wo ich mich immer wieder freue.<br \/>\nWenn ich gerade pers\u00f6nlich noch mal kurz schaue: Was habe ich als N\u00e4chstes? Wir haben jetzt das Barcamp in T\u00fcbingen, dann haben wir \u201eStadt, Land, Verwaltung\u201c, glaube ich, hei\u00dft das in Berlin, was jetzt noch vor der Sommerpause ist. Dann Linz, das IKT-Forum in Linz. Dann haben wir die Sommerpause, und im Herbst kriege ich es nicht mehr ganz genau zusammen, wo ich demn\u00e4chst \u00fcberall bin. Aber auf jeden Fall auf der SightCity in Frankfurt oder der S-CON in Berlin sind wir sicher, da werden wir auch einen Stand haben \u2013 gemeinsam mit axes4 und IAAP DACH, so viel ich wei\u00df, und noch ein paar anderen. Da freue ich mich auch schon drauf, das ist auch immer eine sehr tolle Veranstaltung. Genau, also insofern gerne vor Ort und sonst auf LinkedIn. Ja, ich freue mich auf R\u00fcckmeldungen!<br \/>\nDomingos: Ja, gut, dann vielen Dank f\u00fcr dieses interessante Gespr\u00e4ch. Ich denke mal, wenn man Interesse an dieser Automatisierung in CAAT oder an CAAT generell hat, dann kann man euch auch einfach ansprechen. Ihr macht ja auch regelm\u00e4\u00dfig Demos, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.<br \/>\nStefan: Genau, alle zwei Wochen, abwechselnd auf Deutsch und Englisch, und sonst auch einfach anschreiben. Nach der Demo gibt es immer einen kostenlosen Demo-Account. Man kann den Demo-Account auch ohne Pr\u00e4sentation haben. Also f\u00fcr die, die schon erfahrene Tester sind, die kommen dann meist recht schnell rein. Ich empfehle trotzdem noch mal kurz die Demo, aber man kann es auch so haben. Genau, das ist das \u00dcbliche. Schaut auf die Seite, da stehen auch die Preise, und sonst schreibt eine E-Mail. Wir antworten da immer recht flott.<br \/>\nDomingos: Genau. Ja, sehr cool, dann vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch. Ich dr\u00fccke euch auf jeden Fall die Daumen, dass es weiterhin so gut l\u00e4uft bei euch. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Weitere_Infos\"><\/span>Weitere Infos<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.mindscreen.de\/\">Website von mindscreen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.caat.report\/de\">Website von CAAT<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.digitalaccessibility.report\/\">Website zur PDF-Studie<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist das Transkript von dem Gespr\u00e4ch mit Stefan Farnetani zum Thema automatisiertes Testen von PDF und Websites mit CAAT. Alle Ungenauigkeiten gehen auf mein&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/stefan-farnetani-ueber-automatisiertes-testen-mit-caat\/\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Stefan Farnetani \u00fcber automatisiertes Testen mit CAAT<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-10847","page","type-page","status-publish","hentry","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10847","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10847"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10847\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10888,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10847\/revisions\/10888"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10847"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}