{"id":11034,"date":"2026-09-05T15:11:55","date_gmt":"2026-09-05T13:11:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?page_id=11034"},"modified":"2026-09-06T16:20:25","modified_gmt":"2026-09-06T14:20:25","slug":"produkte-fuer-barrierefreie-pdf-interview-mit-markus-von-axes4","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/produkte-fuer-barrierefreie-pdf-interview-mit-markus-von-axes4\/","title":{"rendered":"Barrierefreie PDF ganz einfach &#8211; Interview mit Markus von axes4"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/accessibile-pdf.jpg\" alt=\"Tagbaum und barrierefreies Dokument\" width=\"1024\" height=\"559\" class=\"alignleft size-full wp-image-11041\" srcset=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/accessibile-pdf.jpg 1024w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/accessibile-pdf-300x164.jpg 300w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/accessibile-pdf-768x419.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/385-barrierefreie-pdf-neue-produkte-von-axes4-ein-gesprach-mit-markus-erle\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><\/p>\n<p>In dieser Episode spreche ich mit Markus Erle, CEO der Firma axes4, einem der gr\u00f6\u00dften Dienstleister f\u00fcr barrierefreie PDF. Wir sprechen \u00fcber die Produktpalette und vor allem \u00fcber die neuen Produkte f\u00fcr die Erstellung von barrierefreien Formularen aus Word und der automatischen Ersellung barrierefreier PDF aus Workflows. Der Text wurde mit KI optimiert, alle Fehler und Ungenauigkeiten gehen auf mein Konto.<\/p>\n<p>Domingos: So, dann herzlich willkommen zu einem neuen Podcast zur digitalen Barrierefreiheit. Heute habe ich wieder einen spannenden Gast dabei, n\u00e4mlich Markus Erle von axes4. Erst einmal vielen Dank, Markus, dass du dir die Zeit f\u00fcr den Podcast nimmst.<\/p>\n<p>Markus: Danke, Domingos, f\u00fcr die Einladung. Ich freue mich sehr, hier mal bei dir zu Gast zu sein.<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_87_1 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/produkte-fuer-barrierefreie-pdf-interview-mit-markus-von-axes4\/#Ueber_Markus\" >\u00dcber Markus<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/produkte-fuer-barrierefreie-pdf-interview-mit-markus-von-axes4\/#Herausforderung_barrierefreies_PDF\" >Herausforderung barrierefreies PDF<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/produkte-fuer-barrierefreie-pdf-interview-mit-markus-von-axes4\/#Ueber_axes4\" >\u00dcber axes4<\/a><ul class='ez-toc-list-level-3' ><li class='ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/produkte-fuer-barrierefreie-pdf-interview-mit-markus-von-axes4\/#PAC_%E2%80%93_PDF_Accessibility_Checker\" >PAC &#8211; PDF Accessibility Checker<\/a><\/li><\/ul><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-5\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/produkte-fuer-barrierefreie-pdf-interview-mit-markus-von-axes4\/#Barrierefreie_Formulare_aus_Word\" >Barrierefreie Formulare aus Word<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-6\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/produkte-fuer-barrierefreie-pdf-interview-mit-markus-von-axes4\/#Dokumente_automatisiert_aus_Workflows_barrierefrei_machen_%E2%80%93_axesFlip\" >Dokumente automatisiert aus Workflows barrierefrei machen &#8211; axesFlip<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-7\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/produkte-fuer-barrierefreie-pdf-interview-mit-markus-von-axes4\/#Kuenstliche_Intelligenz_bei_barrierefreien_PDF\" >K\u00fcnstliche Intelligenz bei barrierefreien PDF<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-8\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/produkte-fuer-barrierefreie-pdf-interview-mit-markus-von-axes4\/#Keine_KI-Wunder_bei_PDF\" >Keine KI-Wunder bei PDF<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-9\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/produkte-fuer-barrierefreie-pdf-interview-mit-markus-von-axes4\/#axes4_folgen\" >axes4 folgen<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Ueber_Markus\"><\/span>\u00dcber Markus<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Ich habe zu danken. Die erste Frage nat\u00fcrlich an die wenigen Leute, die dich noch nicht kennen: Kannst du dich einmal kurz pers\u00f6nlich vorstellen?<\/p>\n<p>Markus: Genau, gerne. Also, ich bin ja schon ganz lange in der digitalen Barrierefreiheit unterwegs, nicht nur in der PDF-Barrierefreiheit, sondern insgesamt. Das sind mittlerweile \u00fcber 22 Jahre. Ich komme eher aus der Web-Barrierefreiheit, bevor wir dann die PDF-Barrierefreiheit entdeckt haben.<\/p>\n<p>Wir haben damals mit meiner damaligen Agentur f\u00fcr Web-Barrierefreiheit drei Biene-Awards gewonnen. Die \u00c4lteren unter uns wissen noch, was das ist. Das war, glaube ich, 2008 oder 2010, als die letzte Biene verliehen wurde. Das war im deutschsprachigen Raum einfach eine ganz wichtige Auszeichnung f\u00fcr barrierefreie Internetseiten.<\/p>\n<p>Ich glaube, Biene stand f\u00fcr \u201eBarrierefreies Internet er\u00f6ffnet neue Einsichten\u201c \u2013 oder irgendetwas in der Art. Genau. Aktion Mensch und die Stiftung Digitale Chancen haben das damals ausgelobt.<\/p>\n<p>Es gab immer tolle Partys. Ich glaube, wahrscheinlich sind wir uns da auch das allererste Mal begegnet, Domingos, oder?<\/p>\n<p>Und irgendwann habe ich dann gemerkt: Ey, Web-Barrierefreiheit ist super. Es gibt jetzt einige, die das schon ganz gut beherrschen. Aber wehe, man kommt auf einen Download-Link und l\u00e4dt sich ein PDF herunter. Dann ist es vorbei mit der digitalen Teilhabe, weil man pl\u00f6tzlich bei unzug\u00e4nglichen PDFs landet. Und es k\u00fcmmert sich keiner darum.<\/p>\n<p>Und mit Adobe Acrobat ist es auch kein Vergn\u00fcgen. Wir sagen immer: Wenn man es damit machen muss, ist das ungef\u00e4hr so, als m\u00fcsste man anschlie\u00dfend in ein sibirisches Straflager. Oder man muss eine Selbsthilfegruppe er\u00f6ffnen, wenn man zu oft damit getaggt hat. Es ist einfach total kompliziert, immer wieder geht eine Datei kaputt und so weiter.<\/p>\n<p>Und wie ich \u00fcberhaupt zur Barrierefreiheit gekommen bin: Mein Ursprung liegt tats\u00e4chlich bei der Usability, interessanterweise sogar schon bei PDF. Ich sitze fast wie bei einer Beichte hier und muss gestehen: Wir hatten damals die komische Idee, interaktive PDFs zu bauen, und wollten die mit optimierter Usability gestalten. Stell dir vor, wie eine Webseite, die aus PDF besteht.<\/p>\n<p>Das gab damals wirklich so einen Trend. Wir dachten: \u201eOh, komm, lass uns das mal probieren.\u201c Und dar\u00fcber bin ich dann dankenswerterweise zur Barrierefreiheit gekommen, weil ich einen Studienkollegen getroffen habe. Ich hatte ihn aus dem Auge verloren, und dann haben wir uns zuf\u00e4llig wiedergetroffen. Wir kannten uns vom Studium f\u00fcr Literatur und Theater. Ich bin ja Kommunikationswissenschaftler und Philosoph, Lateinamerikanist von Haus aus, also Geisteswissenschaftler. Wir beide hatten das studiert und haben uns nach Jahren wiedergetroffen.<\/p>\n<p>Er war damals schon voll in der Barrierefreiheitsszene drin, und da habe ich sofort Feuer gefangen. Tolle Community!<\/p>\n<p>Wir haben uns damals vor 22 Jahren gegenseitig geholfen, uns das Wissen anzueignen, weil keiner von uns Experte war. Wir haben dieses Thema gemeinsam beackert.<\/p>\n<p>Und Domingos, du bist ja auch relativ fr\u00fch dazugekommen. Du kennst es noch. Also, das war eine tolle Community, und es ist auch heute noch eine tolle Community. Sie ist gr\u00f6\u00dfer geworden, und man braucht ja auch junge Leute und Nachwuchs, die das weitertragen. Das war also mein Ursprung in der digitalen Barrierefreiheit.<\/p>\n<p>Und warum hat mich das so geflasht oder so gepackt? Ganz einfach: Ich habe so einen Gendefekt. Ich muss eine sinnvolle T\u00e4tigkeit ausf\u00fchren. Ich m\u00f6chte die Welt besser machen, ich brauche eine sinnvolle T\u00e4tigkeit, und das habe ich dort gesehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich war sofort einsichtig, dass wir nicht nur f\u00fcr einen idealen Nutzer arbeiten, sondern dass es Menschen mit unterschiedlichen Anforderungen und Wahrnehmungsvoraussetzungen gibt. Wir m\u00fcssen Menschen mit Behinderungen mitdenken und das auch entsprechend umsetzen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Herausforderung_barrierefreies_PDF\"><\/span>Herausforderung barrierefreies PDF<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Was ist bei Dokumenten und PDFs besonders im Vergleich zu Web-Barrierefreiheit?<\/p>\n<p>Markus: Also, das eine war ja, dass sich ab einem bestimmten Zeitpunkt relativ viele Menschen um Webbarrierefreiheit gek\u00fcmmert haben, w\u00e4hrend PDF-Barrierefreiheit letztendlich sehr stiefm\u00fctterlich behandelt wurde. Ich glaube, dass es da auch kaum Wissen dazu gab. Das Verr\u00fcckte ist ja: Im Kern ist es ganz \u00e4hnlich wie bei Webseiten. Man braucht einfach die semantischen Informationen, also die Auszeichnung: Das ist eine \u00dcberschrift, das ist ein Absatz, da ist ein Zitat, hier ist ein Link, hier eine Liste mit drei Eintr\u00e4gen, hier eine Tabelle mit so und so vielen Zeilen und Spalten \u2013 all diese Zusatzinformationen. Da gibt es einen gro\u00dfen Overlap.<\/p>\n<p>Aber PDF ist ein ganz eigenes Format. Es wurde ja nicht f\u00fcr Barrierefreiheit erfunden, sondern daf\u00fcr, dass eine Datei \u2013 also ein PDF \u2013 unabh\u00e4ngig davon, auf welchem Bildschirm oder auf welchem Drucker ich sie ausgebe, immer dasselbe visuelle Erscheinungsbild hat.<\/p>\n<p>Das war damals revolution\u00e4r. Denn druck mal eine Word-Datei aus oder schick eine Word-Datei an deinen Kumpel und sag ihm, er soll sie ausdrucken. Man kann fast darauf wetten, dass sie anders aussieht. Bei PDF war das anders: Das Layout war fixiert.<br \/>\nUnd jetzt erkennen wir schon sofort, dass das eigentlich genau entgegengesetzt zu den Anforderungen der Barrierefreiheit ist. Denn dort muss man die Inhalte an die Wahrnehmungsanforderungen eines Nutzers anpassen k\u00f6nnen. Also gerade kein fixes Layout, sondern ein anpassbares Layout.<br \/>\nBei PDFs wurde das relativ fr\u00fch technisch gel\u00f6st. Damals gab es die entsprechende Technologie bereits. Das wurde \u00fcber eine unsichtbare Strukturebene gel\u00f6st, die man in das PDF hineinlegen kann und die ein bisschen mit HTML-Code vergleichbar ist. Dort gibt es ebenfalls Tags und so weiter.<\/p>\n<p>Und das Spannende ist jetzt, dass es dort quasi zwei Ebenen gibt, k\u00f6nnte man sagen. Es gibt das visuelle Layer im PDF \u2013 also das, was jeder sehen kann, das, was man ausdruckt und auf dem Bildschirm sieht. Und es gibt den Struktur-Layer, also das, was dann von assistiven Technologien ausgegeben wird.<\/p>\n<p>Jetzt ist es wichtig, dass das Visuelle und die Strukturinformationen sich nat\u00fcrlich eins zu eins entsprechen. Denn wenn sich beispielsweise eine blinde Nutzerin mit einem sehenden Nutzer unterh\u00e4lt und sagt: \u201eGeh mal auf Seite 5 zur zweiten \u00dcberschrift\u201c, dann sollten ja wirklich beide bei derselben \u00dcberschrift landen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich gibt es bei PDF noch Anforderungen, die, sagen wir mal, dem PDF-Format selbst geschuldet sind. Es gibt zum Beispiel Bounding Boxes und zus\u00e4tzliche Attribute. Die Logik ist einfach v\u00f6llig anders als bei HTML.<\/p>\n<p>Deswegen haben auch viele Leute Probleme, die HTML gut kennen. Sie haben sicherlich Vorteile, wenn es darum geht, die PDF-Strukturebene zu verstehen. Aber mit der Weblogik kommt man bei PDF nicht besonders weit. Es gibt da sehr viele Eigenheiten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist PDF ein seitenbasiertes Format. Es gibt eine Inhaltsebene und von dort einen Verweis auf die Tag-Struktur. Aber ich glaube, das wird jetzt fast schon zu tief, wenn wir \u00fcber die konkreten Challenges sprechen. Denn im Endeffekt ist es so: Wenn du gute Software hast, werden solche komplizierten Dinge eigentlich von der Software \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Das war ja auch eine Nische f\u00fcr uns. Deshalb haben wir vor zw\u00f6lf Jahren Access4 gegr\u00fcndet. Dort, wo ich jetzt CEO von Access4 bin, haben wir uns ganz auf PDF-Barrierefreiheit spezialisiert. Wir haben damals gesagt: Wir haben gesehen, dass die Mainstream-Anbieter wie Adobe und Microsoft sich nicht ausreichend um PDF-Barrierefreiheit k\u00fcmmern. Deshalb ist es sehr kompliziert, barrierefreie PDFs zu erstellen.<br \/>\nWir wollten das kolossal vereinfachen. Und das war dann quasi die Geburtsstunde von Acces4.<\/p>\n<p>Domingos Genau, das ist doch eine gute \u00dcberleitung. Access4 ist ja tats\u00e4chlich einer der wenigen globalen, kann man schon sagen, Champions der Barrierefreiheit. Die meisten kommen ja eher aus den USA. Aus der DACH-Region seid ihr, glaube ich, die Einzigen, die wirklich so einen gro\u00dfen Impact haben.<\/p>\n<p>Markus: Oh, danke, das freut uns nat\u00fcrlich. Ja, das stimmt schon. Ich sage immer: Es l\u00e4sst sich an einer Hand abz\u00e4hlen, welche Firmen sich weltweit mit PDF-Barrierefreiheit wirklich gut auskennen.<br \/>\nWir sind in allen wichtigen Gremien vertreten und entwickeln die Standards weiter. Wir kennen die Szene also sehr gut. Auch in der PDF Association \u2013 das ist der Verband, in dem die PDF-Industrie zusammenkommt und in dem alle wichtigen Firmen Mitglied sind \u2013 werden wir gefragt und unsere Expertise wird gesch\u00e4tzt, wenn es um PDF-Barrierefreiheit geht. Und das ist nat\u00fcrlich sch\u00f6n.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Ueber_axes4\"><\/span>\u00dcber axes4<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos Ja, vielleicht kannst du einmal einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber die Palette geben, die ihr an Softwareprodukten anbietet.<\/p>\n<h3>PAC &#8211; PDF Accessibility Checker<\/h3\n\n\n<p>Markus: Genau, ich gehe ein bisschen historisch vor. Als ich damals auf das Thema PDF-Barrierefreiheit gekommen bin, war die erste Frage: Woran merkt man eigentlich, dass ein PDF barrierefrei ist?<\/p>\n<p>Wir brauchen gute, kostenlose Pr\u00fcftools. Damals gab es eine ganz rudiment\u00e4re Barrierefreiheitspr\u00fcfung im Adobe Reader, aber diese Pr\u00fcfung war \u00fcberhaupt nicht aussagekr\u00e4ftig. Und sie war auf die Features von Adobe zugeschnitten. Das hei\u00dft, es gab dann viele False Positives, also Meldungen zu Dingen, die Acrobat einfach nicht konnte oder die auf andere Weise gel\u00f6st werden mussten.<\/p>\n<p>Dann haben wir vor etwa 16 Jahren \u2013 also noch bevor es axes4 richtig gab \u2013 den PAC, den PDF Accessibility Checker, herausgebracht. Das war unser erstes Produkt. Den gibt es immer noch. Inzwischen wird er sogar durch das BMAS gef\u00f6rdert, wor\u00fcber wir uns sehr freuen.<\/p>\n<p>Wir haben gerade die Betaversion \u2013 beziehungsweise aktuell noch eine Alpha-Version \u2013 des PAC 2027 herausgebracht, mit einem komplett optimierten und barrierefreien User Interface. Wir hatten damals schon die Barrierefreiheit unterst\u00fctzt, aber einfach nur die entsprechenden Schnittstellen bedient. Das ist nat\u00fcrlich nicht genug gewesen.<\/p>\n<p>Wir mussten jetzt auch die Technologie wechseln und sind auf Webtechnologie gegangen. Damit kannst du einfach maximale Barrierefreiheit integrieren. Und so wird auch der neue PAC aufgebaut sein.<\/p>\n<p>Das war also unser erstes Produkt. Damit konnte man zumindest schon einmal pr\u00fcfen, ob ein PDF barrierefrei ist.<\/p>\n<p>Das w\u00fcrde ich auch jetzt jedem empfehlen, der zuh\u00f6rt und sich vielleicht noch nicht mit dem Thema PDF-Barrierefreiheit auseinandergesetzt hat: Ladet euch einfach mal den kostenlosen PAC herunter und pr\u00fcft ein PDF. Dann bekommt ihr schon einmal einen ersten Hinweis.<\/p>\n<p>Im PAC gibt es automatische Checks, aber auch weitere Pr\u00fcfansichten. Im Endeffekt k\u00f6nnte man damit alle Anforderungen pr\u00fcfen. Die automatischen Checks geben nat\u00fcrlich nur einen ersten Hinweis darauf, in welche Richtung es geht. F\u00fcr ein finales Urteil reichen sie selbstverst\u00e4ndlich nicht aus.<\/p>\n<p>Es gibt aber zum Beispiel auch eine Screenreader-Vorschau. Du kannst dir sogar diese Strukturebene im PDF anschauen, die normalerweise unsichtbar ist. Sie wird dort wiedergegeben, und man kann sich auch die entsprechenden Attribute ansehen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, man kann mit dem PAC durchaus bis in die Tiefe pr\u00fcfen \u2013 und das alles mit einem kostenlosen Tool. Das ist schon eine super Sache.<\/p>\n<h3>axesPDF<\/h3>\n<p>Wir haben dann aber gemerkt: Okay, sch\u00f6n, dass man jetzt pr\u00fcfen kann und wei\u00df, dass die PDFs, die man erstellt, nicht barrierefrei sind. Aber es muss auch irgendwie einfach gehen, ein barrierefreies PDF zu erstellen.<\/p>\n<p>Wir haben das zun\u00e4chst intern genutzt. Wir hatten einen Tagging-Service, um barrierefreie PDFs zu erstellen, und haben dann Tools entwickelt, damit das einfacher geht. Denn mit Adobe Acrobat war das einfach ein Pain in the Ass, wie man so sch\u00f6n auf Neudeutsch sagt.<\/p>\n<p>Aus dieser Toolbox haben wir dann axesPDF entwickelt, also quasi ein Toolset. Das ist wie der PAC ein professioneller PAC: Man kann nicht nur pr\u00fcfen, sondern auch Fehler beheben und Probleme l\u00f6sen, bis hin zum rudiment\u00e4ren Taggen.<\/p>\n<p>Das wird aber auch noch weiter ausgebaut werden. Im Endeffekt soll axesPDF dann auch Acrobat ersetzen, sodass man kein anderes Tool mehr braucht. Also nicht nur pr\u00fcfen, sondern auch erstellen k\u00f6nnen \u2013 beziehungsweise ein PDF barrierefrei machen k\u00f6nnen. Das ist axesPDF.<\/p>\n<h3AxesWord und axesSlide<\/h3>\n<p>Parallel dazu haben wir gesehen: Oh, die ganzen Beh\u00f6rden sind ja verpflichtet, barrierefreie PDFs zu erstellen. Woraus erstellen die die denn? Ah, aus Word \u2013 meistens aus Microsoft Word.<\/p>\n<p>Und da kommt jetzt mein Hintergrund auch noch dazu. Ich war auch Trainer f\u00fcr das Erstellen barrierefreier PDFs. Und du kennst mich, Domingos: Ich versuche immer, Energie und Spa\u00df mit reinzubringen, so \u00e4hnlich wie du.<\/p>\n<p>Ich denke mir immer: Hey, wenn die Leute lachen, dann bleibt es ihnen eher im Kopf, als wenn alles so bierernst ist.<\/p>\n<p>Bei den Schulungen, die ich damals abgehalten habe, war es aber so: Am Anfang waren alle begeistert \u2013 zur Mittagszeit auch noch. Aber am Ende waren sie alle genervt, weil es so kompliziert war.<\/p>\n<p>Ich habe gesagt: \u201eMacht in Word alles richtig, dann konvertiert es, und danach m\u00fcsst ihr noch die Fehler fixen.\u201c Und dann wurden die Gesichter immer l\u00e4nger.<\/p>\n<p>Da habe ich gesagt: Wir brauchen ein Tool, das die User belohnt, wenn sie in Word alles richtig machen. Dann sollen sie gef\u00e4lligst auf Knopfdruck ein barrierefreies PDF erstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und das war dann die Geburtsstunde von axesWord, also unserem zweiten Produkt.<\/p>\n<p>Da bin ich dann mit Samuel Hofer zusammengekommen. Er ist unser CTO von axes4. Den Kontakt hat damals Markus Riech von der Stiftung \u201eZugang f\u00fcr alle\u201c hergestellt, der seinerzeit Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer war.<\/p>\n<p>Er hat uns bei einer interessanterweise von Adobe veranstalteten Roadshow im World Trade Center in Z\u00fcrich zusammengebracht.<\/p>\n<p>Dort sind wir uns das erste Mal begegnet. Markus Riech hat uns zusammengebracht, und dann haben wir angefangen, dort L\u00f6sungen zu entwickeln. Als wir dann so weit waren, dass wir gesagt haben: \u201eJetzt ist es reif\u201c, haben wir uns gedacht: Wir brauchen jetzt eine Firma. So haben wir dann axes4 gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Wir sind also mit zwei Produkten gestartet: mit axesPDF und axesWord.<\/p>\n<p>Wir haben dann aber die Nachfrage bekommen: \u201eHey, gibt es so etwas auch f\u00fcr PowerPoint?\u201c So haben wir axesLite entwickelt. Die gleiche Strategie: Mach alles richtig in PowerPoint, und du wirst dann belohnt, wenn du es mit axesSlide konvertierst.<\/p>\n<p>Wir haben aber bei beiden, sowohl bei axesWord als auch bei axesSlide, noch weitere M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Autoren eingebaut. Das hei\u00dft, wir haben das Accessibility Offering erweitert. Man kann jetzt wirklich alle Barrierefreiheitseigenschaften direkt in Word oder PowerPoint anlegen \u2013 also zus\u00e4tzliche Features, die axesWord oder axesslide bieten.<\/p>\n<p>Nur ein Beispiel: Bei Word war es so, dass du dort keine komplexen Tabellen richtig auszeichnen kannst. Das geht einfach nicht. Du hast keine Kontrolle dar\u00fcber. Mit axesWord hast du diese Kontrolle. Das hei\u00dft, auch komplexe Tabellen sind kein Problem. Die kannst du barrierefrei machen, das ist gar kein Ding.<\/p>\n<h3>axesFlip<\/h3>\n<p>Etwas, das in den letzten Jahren noch neu dazugekommen ist, ist axesFlip. axesFlip ist ein komplettes Workflowsystem, um viele PDFs auf einen Schlag barrierefrei zu machen.<\/p>\n<p>Dazu gibt es auch eine kleine Geschichte: Wir haben unsere Kunden im Vorfeld des European Accessibility Act beziehungsweise des Barrierefreiheitsst\u00e4rkungsgesetzes gefragt: Was braucht die Wirtschaft, damit sie barrierefreie Dokumente schnell und einfach anbieten kann?<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich haben die Unternehmen Rechnungen, Angebote und \u00e4hnliche Dokumente. Onlineshops m\u00fcssen barrierefrei sein. Angebote, Rechnungen und all diese Dinge werden ja h\u00e4ufig automatisiert erstellt. Sie kommen aus Workflowsystemen heraus.<\/p>\n<p>Da haben wir gedacht: Na ja, wenn das PDF automatisiert erstellt wird, dann m\u00fcsste es doch auch m\u00f6glich sein, dieses PDF automatisiert barrierefrei zu machen. Denn die Informationen \u00fcber das Layout sind ja vorhanden. Die stecken irgendwo im System, manchmal schon in Templates oder in irgendeiner Konfigurationsdatei, weil das PDF ja erstellt wird. Das Aussehen ist also bereits festgelegt.<\/p>\n<p>So haben wir axesFlip entwickelt.<\/p>\n<p>Ehrlich gesagt, hatten wir zuerst vor, aus Daten direkt barrierefreie PDFs zu erstellen. Dann haben wir unsere Kunden gefragt: \u201eWas wollt ihr denn haben? Sollen wir aus Daten barrierefreie PDFs erstellen oder aus PDFs?\u201c<\/p>\n<p>Und die Antwort war: \u201eFinger weg von unseren Systemen! Ihr kriegt nur das PDF. Bietet uns eine L\u00f6sung, ein Softwaremodul, mit dem wir in dieser Phase, also wenn ihr das PDF bekommt, das Dokument barrierefrei zur Verf\u00fcgung stellen k\u00f6nnen, ohne unseren Workflow umstellen zu m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Und genau das haben wir gemacht. Das ist axesFlip.<\/p>\n<p>axesFlip ist modular aufgebaut. Es gibt verschiedene Module oder Nodes \u2013 so nennen wir die Knoten \u2013, mit denen wir unterschiedliche Szenarien abbilden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich glaube, was man wissen muss, ist: Wenn ein PDF aus einem automatisierten System herauskommt, k\u00f6nnen wir mit axesFlip dieses PDF barrierefrei machen. Es ist ein templatebasiertes System.<\/p>\n<p>Wir arbeiten gerade auch an einer AI-Node. Aber AI hat, da kommen wir nachher noch drauf, ja wieder andere Nachteile.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft: In der Grundversion brauchst du keine AI in axesFlip, um automatisiert erstellte PDFs barrierefrei zu machen. Das w\u00e4re mit Kanonen auf Spatzen geschossen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, es ist ressourcenschonend und nat\u00fcrlich auch verl\u00e4sslicher. Es ist deterministisch. Wir k\u00f6nnen die Qualit\u00e4t und das Resultat bestimmen, was bei AI ja nicht so einfach m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Genau. Also, wir haben mit PAC angefangen, dann kamen axesWord und axesLite, gleichzeitig auch axesPDF und jetzt als letztes Produkt axesFlip f\u00fcr die Massenproduktion barrierefreier PDFs.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Barrierefreie_Formulare_aus_Word\"><\/span>Barrierefreie Formulare aus Word<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Dann lass uns mal ein paar Produkte genauer anschauen, die auch relativ neu sind.<\/p>\n<p>Fangen wir mal mit der M\u00f6glichkeit an, Word-Formulare barrierefrei zu machen. Ich glaube, die meisten Leute wissen gar nicht, dass Word-Formulare selbst nicht barrierefrei sind und dass man auch keine ausf\u00fcllbaren Formulare mit Word ins PDF konvertieren kann.<\/p>\n<p>Von daher ist das durchaus ein sehr sinnvolles Produkt. Aber vielleicht sagst du selbst mal etwas dazu: Wie kam es dazu?<\/p>\n<p>Markus: Genau. Also, du hast ja schon gesagt: Aus Word heraus gibt es so ein ganz altes Feature, mit dem man irgendwie Formularfelder einbauen kann. Das ist eigentlich deprecated, also veraltet. Aber man kann diese Formulare nicht entsprechend konvertieren.<\/p>\n<p>Das war eine Quelle f\u00fcr viele Anfragen, die wir bekommen haben: \u201eOh, warum kann ich das nicht mit axesWord barrierefrei machen oder so konvertieren, dass daraus barrierefreie Formulare entstehen?\u201c<\/p>\n<p>Das war das eine. Das andere war, dass wir nat\u00fcrlich immer unsere Kunden fragen, wenn wir neue Features entwickeln: \u201eMoment, wo ist euer Pain Point?\u201c<\/p>\n<p>Und es war mit Abstand der gr\u00f6\u00dfte Pain Point, also der gr\u00f6\u00dfte Schmerzpunkt beziehungsweise die gr\u00f6\u00dfte L\u00fccke. Die Leute haben gesagt: \u201eWir wollen aus Word heraus Formulare erstellen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Und dann haben wir gesagt: \u201eOkay, wenn das euer Wunsch ist, dann machen wir uns daran.\u201c<\/p>\n<p>Wir haben nat\u00fcrlich versucht, mit derselben Logik daran zu gehen, wie bei axesWord \u00fcberhaupt. Das hei\u00dft, es ist sehr einfach zu machen.<\/p>\n<p>Du kannst alle Barrierefreiheitsfeatures in Word schon anlegen, bis hin dazu, dass du Standardwerte hinterlegen kannst. Du kannst nat\u00fcrlich Formularfelder \u2013 das, was man von Acrobat her kennt \u2013 in ganz vielen Bereichen dort umsetzen.<\/p>\n<p>In der ersten Version noch nicht mit irgendwelchen Skripten. Das haben wir aber schon auf dem Schirm. Uns war es wichtig, das in einer \u00fcberschaubaren Zeit auch wirklich zu releasen. Und die erste Version deckt n\u00e4mlich schon einmal 80 Prozent der F\u00e4lle ab. Also, dass man jetzt komplett in Word das Aussehen bestimmen kann, dass Formularfelder und die unterschiedlichen Typen unterst\u00fctzt werden, bis hin zu Signaturfeldern \u2013 das ist schon richtig cool. Wir haben supergutes Feedback darauf bekommen. Die Leute sind echt begeistert.<\/p>\n<p>Was mich besonders freut: Beim IKT-Forum in Linz, das war in der zweiten Juliwoche, haben wir immer ein eigenes PDF-Panel zur PDF-Barrierefreiheit. Das wird jedes Jahr gr\u00f6\u00dfer. Dort hat Gerhard Nussbaum axesWord mit den neuen Formularfunktionen vorgestellt. Und da muss man wissen: Er selbst sitzt im Rollstuhl, kann seine Arme nicht bewegen und benutzt Word und den Computer mit einem Mundstick. Er hat pr\u00e4sentiert, wie auch ein Mensch mit Behinderung selbstst\u00e4ndig barrierefreie Formulare erstellen kann \u2013 mit Word in Kombination mit axesWord.<\/p>\n<p>Und da geht mir das Herz auf, weil ich finde: Das eine ist, dass Menschen mit Behinderungen wirklich Dokumente konsumieren k\u00f6nnen. Klar, da gibt es noch eine gro\u00dfe L\u00fccke, und daran arbeiten wir. Aber ich finde, es muss genauso selbstverst\u00e4ndlich sein, dass Menschen mit Behinderungen barrierefreie Inhalte selbst erstellen k\u00f6nnen. Ich sage da immer: <em>Equal Production<\/em>. Nicht nur <em>Equal Access<\/em>, sondern auch <em>Equal Production<\/em>. Das muss m\u00f6glich sein, und daran arbeiten wir mit unseren Produkten.<\/p>\n<p>axesWord ist ja auch zertifiziert. Die Benutzeroberfl\u00e4che hat diesen BITV-Softwaretest bestanden, also den Nachweis, dass sie barrierefrei ist. Und genauso haben wir auch die neuen Formularfunktionen entwickelt. Bisher bekommen wir dazu super Feedback \u2013 bis hin zu Leuten, die sagen: \u201eWow, das ist sogar noch einfacher als mit InDesign.\u201c<\/p>\n<p>Denn bisher war InDesign immer die Wahl, wenn man Formulare bauen wollte. Nat\u00fcrlich kann man in InDesign noch sch\u00f6nere Layouts bauen als jetzt in Word. Word ist einfach kein Layoutprogramm, richtig. Aber f\u00fcr Formulare funktioniert es. Ich kann auch Layouttabellen benutzen und die nachher linearisieren. Das geht, und es ist ebenfalls ein Access-Word-Feature.<\/p>\n<p>Es ist ganz klar f\u00fcr die schnellen Formulare gedacht, also f\u00fcr einfache und mittelkomplexe Formulare. Zum Beispiel auch intern in Firmen: Du brauchst mal schnell ein Formular f\u00fcr einen Firmenevent oder irgendetwas in der Art \u2013 dann kannst du das einfach und schnell aufsetzen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Dokumente_automatisiert_aus_Workflows_barrierefrei_machen_%E2%80%93_axesFlip\"><\/span>Dokumente automatisiert aus Workflows barrierefrei machen &#8211; axesFlip<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Ja, auf jeden Fall ein tolles Feature, das, glaube ich, auch sehr gut nachgefragt wird.<\/p>\n<p>Ein anderes spannendes Feature ist nat\u00fcrlich das, was du auch schon erw\u00e4hnt hast: diese Stapelverarbeitung. Also dass man gleichartige Dokumente nicht mehr manuell und h\u00e4ndisch barrierefrei machen muss. Denn das w\u00e4re ein riesiger Aufwand, jeden Kontoauszug, jede Rechnung und jedes andere Dokument \u2013 teilweise Tausende von Dokumenten, die t\u00e4glich produziert werden \u2013 einzeln barrierefrei zu machen. Vielleicht kannst du mal etwas dazu sagen.<\/p>\n<p>Markus: Genau. Das Spannende ist ja: Man wei\u00df es so grob. Adobe erhebt nat\u00fcrlich Statistiken und hat gute M\u00f6glichkeiten, entsprechende Daten zu erstellen. Ab und zu lassen sie dazu ein bisschen etwas heraus.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber wissen wir, dass ungef\u00e4hr 80 Prozent der PDFs aus automatisierten Workflows kommen. Das hei\u00dft, die werden gar nicht von Hand erstellt, jetzt aus Word heraus oder so, sondern sie kommen aus irgendwelchen Buchhaltungssystemen, Rechnungssystemen oder anderen Workflows und werden daraus automatisch erzeugt.<\/p>\n<p>Und das sind ganz oft diese \u201eunsichtbaren Dokumente\u201c. Wir sagen immer \u201edie unsichtbaren Dokumente\u201c, weil sie hinter einer Paywall oder hinter einem Login liegen. In deinem Account bei deinem Telekommunikationsanbieter kannst du dir beispielsweise deine Rechnung herunterladen. Oder in Onlineshops kannst du die Rechnung zu deinem Kauf herunterladen.<\/p>\n<p>Und da gab es einfach diese L\u00fccke: Auch diese Dokumente m\u00fcssen barrierefrei sein.<\/p>\n<p>Da haben wir uns eine gute L\u00f6sung \u00fcberlegt, die f\u00fcr jedes System funktioniert. Und die Behauptung ist ja wirklich: Wenn ein PDF aus einem solchen automatisierten Workflow herauskommt, dann l\u00e4sst es sich auch automatisiert barrierefrei machen.<\/p>\n<p>Denn, seien wir ehrlich: Wenn wir digitale Teilhabe wirklich erreichen wollen, dann muss das selbstverst\u00e4ndlich werden. Das muss Teil der digitalen Infrastruktur sein \u2013 gem\u00e4\u00df <em>Accessibility by Design<\/em> oder <em>Accessibility by Production<\/em>. Es muss einfach dazugeh\u00f6ren, dass die PDFs barrierefrei werden.<\/p>\n<p>Das ist gar keine Frage. Und es muss skalieren, es muss skalierbar sein.<\/p>\n<p>Das war die gro\u00dfe Frage. Denn wir haben eine Vision. Das ist die Vision, weshalb es axes4 \u00fcberhaupt gibt: Wir wollen irgendwann, dass das gar keine Frage mehr ist. Wird das PDF barrierefrei oder nicht? Es ist selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Dazu bauen wir diese Softwaremodule und haben uns auch von einem Desktop-Software-Provider zu einem \u2013 wie wir immer sagen \u2013 <em>Deep-Tech-Provider f\u00fcr PDF-Barrierefreiheit<\/em> entwickelt.<\/p>\n<p>Wir bieten Module an, die andere Anbieter in ihre L\u00f6sungen oder ihre Workflows integrieren k\u00f6nnen. So wird es wirklich m\u00f6glich, das Ganze zu skalieren. Wir wollen wegkommen von dieser Handarbeit und weg vom Reparieren.<\/p>\n<p>Es ist v\u00f6llig irre, Domingos. Du wei\u00dft es ja: Ich glaube, Indien ist quasi die PDF-Barrierefreiheits-Erstellungsmaschinerie, weil dort sehr g\u00fcnstige Arbeitskr\u00e4fte sitzen, die PDFs von Hand barrierefrei machen.<\/p>\n<p>Aber das skaliert nicht. Es ist viel zu teuer, trotzdem noch.<\/p>\n<p>Wenn wir digitale Teilhabe erreichen wollen, dann muss das vom Aufwand her in einem minimalen Bereich liegen \u2013 auch vom finanziellen Aufwand her. Und es muss sich nahtlos in die Workflows integrieren lassen, damit es selbstverst\u00e4ndlich wird.<\/p>\n<p>Und daf\u00fcr gibt es axesFlip. axesFlip funktioniert zun\u00e4chst templatebasiert und ohne KI. Das geht nat\u00fcrlich nur, wenn wir \u00e4hnliche Dokumente haben, also beispielsweise bei Rechnungen oder vergleichbaren Dokumenten.<\/p>\n<p>Das funktioniert schon ganz gut, das ist \u00fcberhaupt nicht die Frage. Dabei spielt es auch keine Rolle, wie lang die Rechnung ist. Wir k\u00f6nnen komplexe Tabellen abbilden, das geht alles mit axesFlip. Tabellen und insbesondere barrierefreie Tabellen sind sowieso eines unserer Spezialgebiete.<\/p>\n<p>Aber wenn ich jetzt einen ganzen Wust an PDFs unterschiedlicher Herkunft bekomme, dann ist axesFlip als templatebasiertes System nat\u00fcrlich nicht das Richtige.<\/p>\n<p>Genau daran bauen wir gerade. Es gibt schon einen Prototypen, mit dem wir erste Proofs of Concept machen k\u00f6nnen. Wir haben einen AI-Node, der ein Grundtagging \u00fcbernimmt. Dazu kommen all die Features, die wir auch von axesPDF kennen, beziehungsweise unsere Pr\u00fcf-Features.<\/p>\n<p>Damit k\u00f6nnen wir Fehler finden und anschlie\u00dfend \u00fcber weitere Module beziehungsweise Nodes und zus\u00e4tzliche Features die finale Barrierefreiheit herstellen.<\/p>\n<p>Wenn wir ehrlich sind: Es wird nicht ohne KI gehen, keine Frage. F\u00fcr einfache Dokumente kann das sehr gut funktionieren. Wenn es komplizierter wird, muss man aber nachkorrigieren.<\/p>\n<p>Die Frage ist nat\u00fcrlich: Wird es \u00fcberhaupt einmal m\u00f6glich sein, mit KI vollst\u00e4ndig, also zu 100 Prozent, regelkonforme Dokumente hinzubekommen?<\/p>\n<p>Kann sein. Ich bezweifle es momentan noch ein bisschen. Deshalb setzen wir auf hybride Systeme und auf kleine, spezialisierte KI-Modelle.<\/p>\n<p>Ich glaube, darauf kommen wir nachher auch noch. Im PAC haben wir ja ein ganz spezialisiertes Modell eingebaut. Das hei\u00dft, die Modelle werden sich dann auf einzelne Elemente konzentrieren k\u00f6nnen \u2013 zum Beispiel ein Modell f\u00fcr komplexe Tabellen oder sogar nur f\u00fcr die Grid-Erkennung.<\/p>\n<p>Dann gibt es ein weiteres Modell, das beispielsweise die Tabellenzellen in THs und TDs einteilt und anschlie\u00dfend die entsprechenden Zuordnungen vornimmt.<\/p>\n<p>Das ist der Weg. Und wir sind damit auch nicht die Einzigen. Wenn die Qualit\u00e4t hochgehen soll, brauchst du spezialisierte Modelle, die sich auf einzelne Features fokussieren.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Kuenstliche_Intelligenz_bei_barrierefreien_PDF\"><\/span>K\u00fcnstliche Intelligenz bei barrierefreien PDF<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Du hast das Thema schon erw\u00e4hnt: KI. Ihr habt ja schon im PAC einen KI-Checker, ich glaube, jetzt seit 2026 integriert. Die KI l\u00e4uft ja lokal.<\/p>\n<p>Markus: Wir sind sehr stolz darauf, dass wir das hinbekommen haben.<\/p>\n<p>Domingos: Ja, vielleicht kannst du etwas dazu sagen: Was sind die M\u00f6glichkeiten und die Grenzen, die du bei diesen lokalen Modellen siehst, und warum ist der Datenschutz dabei besonders wichtig?<\/p>\n<p>Markus: Genau. Den PAC gibt es ja seit 16 Jahren. Er ist ein kostenloses Tool und nat\u00fcrlich das Tool Nummer eins zum Pr\u00fcfen der PDF-Barrierefreiheit weltweit. Er wird insbesondere auch im Beh\u00f6rdenumfeld eingesetzt.<\/p>\n<p>Deswegen war klar: Wir k\u00f6nnen nicht nach Hause telefonieren. Wir k\u00f6nnen also keine Daten sammeln, die zu uns geschickt werden. Das w\u00fcrde bedeuten, dass der PAC beispielsweise nicht in Beh\u00f6rden eingesetzt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Wir wollen aber jeden dazu bef\u00e4higen, ein PDF pr\u00fcfen zu k\u00f6nnen. Deswegen haben wir uns beim PAC die selbst gesetzte Regel gegeben: maximaler Datenschutz.<\/p>\n<p>Es braucht keinen Internetzugang. Der PAC muss vollst\u00e4ndig lokal funktionieren.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00e4re es spannend und hilfreich f\u00fcr uns, dort ein paar mehr Daten zu haben. Aber wir haben uns diese Regel gesetzt, und ich glaube, es ist auch gut so, dass wir sie uns gesetzt haben und ihr treu bleiben. Das wird auch so bleiben.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft: Wenn wir beim PAC KI einsetzen, muss sie lokal laufen. Das war der eine Punkt.<\/p>\n<p>Das andere war die Frage: Wo k\u00f6nnten wir KI einsetzen, sodass sie tats\u00e4chlich einen Benefit bringt?<\/p>\n<p>Dann haben wir festgestellt: Es gibt relativ viele maschinelle Checks im PDF, also Barrierefreiheitspr\u00fcfungen, die sich automatisch durchf\u00fchren lassen. Die sind durch das PDF\/UA- und WCAG-Checkset im PAC bereits abgedeckt.<\/p>\n<p>Aber bei der Semantik ist es anders. Ob die Semantik wirklich passt, muss normalerweise ein Mensch einsch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Dann haben wir gesehen: Es gibt ganz viele schwarze Schafe. Es gibt Firmen, die tricksen das so hin, dass die Maschinenchecks alle gr\u00fcn sind, aber die Semantik ist v\u00f6llig Kraut und R\u00fcben oder gar nicht vorhanden.<\/p>\n<p>Alles ist als Artefakt gekennzeichnet. Ich m\u00f6chte jetzt nat\u00fcrlich nicht zu viel verraten, damit die Leute nicht auf die Idee kommen, ihre kriminelle Energie zu aktivieren und solche PDFs zu faken. Aber solche F\u00e4lle gibt es tats\u00e4chlich.<\/p>\n<p>Da sind dann einfach alle Inhalte als Artefakte gekennzeichnet, und bei den Maschinenchecks hast du leichtes Spiel. Die ganzen Inhalte sind aber gar nicht in der Struktur enthalten. Es gibt tats\u00e4chlich PDFs, bei denen Leute sagen: \u201eDas ist jetzt barrierefrei\u201c, obwohl sie eigentlich die gesamten Inhalte als Artefakte gekennzeichnet haben. Die Strukturebene ist dann leer, aber die Machine Checks sagen: \u201eHey, super, gr\u00fcner Haken.\u201c<\/p>\n<p>Da haben wir gedacht: Hm, wir m\u00fcssen da nachlegen. Wir m\u00fcssen die Menschen unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Denn das Zweite, was wir wissen, ist, dass viele Menschen sich die Screenreader-Vorschau gar nicht anschauen. Wir empfehlen immer: \u201eGuckt euch wenigstens die Screenreader-Vorschau an. Ein kurzer Blick dort hinein.\u201c Dann h\u00e4ttest du auch sofort gesehen, dass alles als Artefakt gekennzeichnet ist und dort keine Inhalte vorhanden sind.<\/p>\n<p>Da habe ich gesagt: Wir brauchen aber etwas, das die Leute dabei unterst\u00fctzt. Und so kamen wir auf dieses Modell, das die Semantik pr\u00fcft.<\/p>\n<p>Also ein KI-Modell, das die Semantik pr\u00fcft. Wir haben das Modell mit unserem riesigen Archiv an gut barrierefreien Dokumenten trainiert, die \u00fcber unseren Service entstanden sind. Den betreiben wir ja schon sehr lange.<\/p>\n<p>Und mit diesen PDFs haben wir das Modell trainiert. Das Einzige, was das Modell macht, ist: Es sch\u00e4tzt, was f\u00fcr ein Tag an dieser Stelle sinnvoll w\u00e4re. Ist das beispielsweise eine \u00dcberschrift?<\/p>\n<p>Und dann vergleicht es diese Einsch\u00e4tzung mit dem Tag-Baum: Ist das Element, das ich als \u00dcberschrift erkennen beziehungsweise einsch\u00e4tzen w\u00fcrde, dort auch tats\u00e4chlich als \u00dcberschrift ausgezeichnet?<\/p>\n<p>Diesen Abgleich macht das Modell. Und so findet man nat\u00fcrlich solche schwarzen Schafe leichter.<\/p>\n<p>Wir sagen aber immer: Es soll den Menschen unterst\u00fctzen, es ersetzt den Menschen nicht. Der Mensch hat nat\u00fcrlich das finale Urteil, weil das KI-Modell selbstverst\u00e4ndlich auch nicht alles finden kann.<\/p>\n<p>Aber es ist schon einmal eine gute Hilfe und Unterst\u00fctzung. F\u00fcr einen Nicht-Experten wird es dadurch viel leichter, solche schwarzen Schafe zu identifizieren. Und das war auch einer der Hauptzwecke.<\/p>\n<p>Wenn wir schon bei KI sind: Ich meine, ohne KI wird es nicht gehen. Ich glaube, da sind wir beide uns einig. Du hast ja auch schon einige Folgen in deinem Podcast zum Thema KI herausgebracht. Da gab es jetzt, ich glaube, im Juli, eine spannende Folge von dir. Denn es geht ja auch andersherum: Nicht nur KI hilft der Barrierefreiheit, sondern Barrierefreiheit hilft auch der KI. Und das gilt ganz massiv f\u00fcr PDFs.<\/p>\n<p>Wir haben ein eigenes kleines KI-Lab, in dem wir selbst experimentieren und forschen. Und wir haben nachgewiesen: Nicht unbedingt bei einem einzelnen PDF, aber wenn du ein ganzes Archiv mit vielen PDFs hast und eine KI nach bestimmten Inhalten fragst, kann es zu falschen Ergebnissen kommen.<\/p>\n<p>Wenn du also beispielsweise ein riesiges RAG-System oder Archiv mit vielen PDFs hast, eine ganz gezielte Frage stellst und die KI die entsprechende Antwort heraussuchen soll, dann ist das sehr fehlerbehaftet, wenn die PDFs nicht barrierefrei sind.<\/p>\n<p>Die Genauigkeit geht dabei wahnsinnig runter. Das h\u00e4ngt zum einen mit dem fehlenden beziehungsweise geringen Kontext zusammen, den eine KI verarbeiten kann. Zum anderen liegt es daran, dass Large Language Models die Dokumente momentan scannen.<\/p>\n<p>Selbst wenn die Dokumente Tags haben, werden sie gescannt und anschlie\u00dfend linearisiert. Dann gibt es so einen einzigen Textwust, aus dem die Informationen herausgesucht werden.<\/p>\n<p>Wenn es beispielsweise um Informationen in einer Tabelle geht, fehlen dadurch die Bez\u00fcge. Und dann wird es extrem ungenau.<\/p>\n<p>Das haben wir beim axes4 Day vorgestellt. Dazu gibt es auch auf YouTube einen Beitrag von meinen Kollegen TBC Tamas und Thomas, die genau so ein Beispiel durchgespielt haben. Da ging es um Grenzwerte in einer Hautcreme, also darum, ob bestimmte Giftstoffe einen Grenzwert \u00fcberschreiten oder ob alles noch in Ordnung ist.<\/p>\n<p>Das Spannende war: Beim nicht getaggten PDF kam die Antwort: \u201eNein, alles okay, der Grenzwert ist nicht erreicht.\u201c Beim getaggten PDF kam dagegen der richtige Wert heraus. Der lag n\u00e4mlich \u00fcber dem Grenzwert. Ich wei\u00df gar nicht mehr genau, welcher Inhaltsstoff das war \u2013 Arsen oder so etwas, irgendein giftiger Stoff \u2013, aber dieser Stoff lag tats\u00e4chlich \u00fcber dem zul\u00e4ssigen Grenzwert. Und dann wird dieser Unterschied nat\u00fcrlich ziemlich relevant. Das hei\u00dft: Barrierefreie PDFs sind nachgewiesenerma\u00dfen letztendlich ideales Futter f\u00fcr KI.<\/p>\n<p>Und ich war vor Kurzem bei Digital Hessen, bei der Konferenz letzte Woche. Dort wurde auch so ein Roboter vorgestellt. Der CEO dieser Firma hat gesagt: \u201eJa, Leute, in Zukunft wird es so sein: Wir werden v\u00f6llig anders arbeiten als heutzutage. Wir werden eigentlich nur noch dasitzen, uns werden Informationen geliefert und wir m\u00fcssen nur noch entscheiden.\u201c<\/p>\n<p>Und dann hab ich gesagt: Ja, sch\u00f6n und gut, die Informationen kommen von der KI, aber dann m\u00fcssen die verl\u00e4sslich sein. Nur dann k\u00f6nnen wir auch gute und richtige Entscheidungen f\u00e4llen.<\/p>\n<p>Wenn das n\u00e4mlich so ist \u2013 welche Strategie sollen wir w\u00e4hlen? Und dann fragt man zur\u00fcck: Was haben wir in den letzten Jahren immer gemacht? Oder: Wie waren die Zahlen der letzten Jahre, die Umsatzzahlen? Dann m\u00fcssen nat\u00fcrlich die genauen Werte rauskommen.<\/p>\n<p>Und da hat die Barrierefreiheit einen ganz gro\u00dfen Benefit. Ich sag immer \u201eM&#038;Ms\u201c an der Stelle. Ich werf dann M&#038;Ms in die Menge. Du hast es ja mal erlebt, als wir dieses Jahr gemeinsam unser Event in Hannover hatten. Ich m\u00f6chte die Leute immer daran erinnern: M&#038;Ms \u2013 Mensch und Maschine.<\/p>\n<p>Das muss ein gutes Verh\u00e4ltnis sein. Die Maschine ersetzt den Menschen nicht, sondern jeder sollte das machen, was er am besten kann. Und die Maschine oder die KI oder Software ist nat\u00fcrlich ein idealer Helfer. Aber der Mensch muss trotzdem das Steuer in der Hand behalten.<\/p>\n<p>Und dort ist es so, dass Menschen und Maschinen nat\u00fcrlich strukturierte Daten lieben. Barrierefreiheit und KI lieben strukturierte Daten. Du hast es ja auch schon aufgezeigt. Und das gilt nat\u00fcrlich ganz besonders f\u00fcr PDF.<\/p>\n<p>Und ich glaub, wenn sich das mal rumspricht, dann haben wir wieder so einen <em>Curb-Cut-Effekt<\/em> auch in der digitalen Barrierefreiheit, der das ganze Thema noch mal pushen kann. Denn wir beide wissen ja: Wir m\u00fcssen uns immer wieder den Mund fusselig reden. \u201eHey, Barrierefreiheit, es lohnt sich, es ist wichtig, es ist eine gute Sache.\u201c<\/p>\n<p>Aber wenn sich das an so einen Business Case dranh\u00e4ngen l\u00e4sst \u2013 \u201eHey, KI liebt Barrierefreiheit, weil sie dann strukturierte Daten bekommt, dadurch zuverl\u00e4ssiger ist, weniger halluziniert und all diese Dinge\u201c \u2013, dann glaub ich, k\u00f6nnen wir der Barrierefreiheit auch einen Riesendienst erweisen und das Thema noch mal richtig pushen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Keine_KI-Wunder_bei_PDF\"><\/span>Keine KI-Wunder bei PDF<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Vielen Dank. Dann bleiben wir noch einen Moment beim Thema KI und der M\u00f6glichkeit, mit KI schnell barrierefreie PDFs zu erstellen. Wir wissen, dass es da einige Anbieter gibt, die das anbieten. Also: Du l\u00e4dst das PDF hoch, dann wird es innerhalb von wenigen Sekunden getaggt, du kannst es wieder runterladen und dann ist es zu 95 Prozent gr\u00fcn \u2013 oder zu 90 Prozent bei den ein bisschen ehrlicheren Anbietern.<\/p>\n<p>Du bist ja quasi an der Quelle. Wahrscheinlich w\u00fcsstest du, wenn so etwas wirklich gut funktioniert.<\/p>\n<p>Markus: Genau, genau. Ja, da muss man absolut vorsichtig sein bei diesen Versprechen.<\/p>\n<p>Ich hab ja schon gesagt: Wenn wir wirklich digitale Teilhabe fl\u00e4chendeckend erreichen wollen, dann kommen wir nicht drum herum zu skalieren. Skalieren k\u00f6nnen wir \u00fcber Automatisierung und \u00fcber KI. Aber es sind nat\u00fcrlich immer Hybridsysteme.<\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4t muss stimmen. Und im Moment, das ist ganz klar, kann ich kein barrierefreies PDF \u00fcber KI erstellen, das gesetzeskonform w\u00e4re.<\/p>\n<p>Jetzt kann man sagen: Okay, das wird sich vielleicht noch so entwickeln. Ja, mag sein, dass das noch ein bisschen besser wird. Aber ich glaube, dass es bei Hybridsystemen bleiben wird.<\/p>\n<p>Wir kennen einige, die an solchen L\u00f6sungen arbeiten. Also wir haben einen sehr guten \u00dcberblick. Wir arbeiten ja auch dadurch, dass ich in diesen ganzen Gremien sitze. Zum Beispiel leite ich die Arbeitsgruppe f\u00fcr die Techniken f\u00fcr barrierefreie PDFs. Das ist eine weltweite Arbeitsgruppe. Da sitzen wir mit unseren Wettbewerbern zusammen und arbeiten sehr gut zusammen.<\/p>\n<p>Das ist ein tolles Erlebnis, weil wir dann beschreiben oder festlegen m\u00fcssen: Moment, wie macht man denn jetzt PDFs barrierefrei? Und wir m\u00fcssen die Techniken dazu ausformulieren \u2013 nat\u00fcrlich tool\u00fcbergreifend und auch anbieter\u00fcbergreifend.<\/p>\n<p>Und das ist super, wie wir da vorankommen und wie wir uns da einigen k\u00f6nnen. Manchmal ist es heftig, ja. Aber es ist ganz klar: Es gibt da nicht die eierlegende Wollmilchsau. Und diese Ein-Klick-L\u00f6sung, die gibt es noch nicht. Die Eierei wird bestimmt besser werden. Aber damit wir wirklich verl\u00e4ssliche Dokumente erreichen, brauchen wir dort Hybridl\u00f6sungen.<\/p>\n<p>Und es sind auch keine reinen KI-L\u00f6sungen. Das Spannende ist ja: Das ist sowohl bei uns so als auch bei den Wettbewerbern, die jetzt gute L\u00f6sungen haben. Es gibt Algorithmen \u2013 ich mein, das ist quasi schwache KI und starke KI. Du kannst also \u00fcber Heuristiken arbeiten. Und Heuristiken machen auch einen wichtigen Teil aus, weil du bei Heuristiken einfach wei\u00dft, was das Ergebnis ist, w\u00e4hrend bei KI immer eine gewisse Unsch\u00e4rfe mit reinkommt. Und KI ist besonders gut als Fallback. Bevor gar nichts da ist, kannst du \u00fcber KI vielleicht so eine 80- oder 90-Prozent-L\u00f6sung hinbekommen. Aber du kriegst nicht die Qualit\u00e4t hin, die dauerhaft die Barrierefreiheit dieser Inhalte sicherstellen w\u00fcrde und die auch diese Verl\u00e4sslichkeit sicherstellen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Und ein zweiter Aspekt, den ich gerne ins Spiel bringe, ist die Frage: Ich finde, jeder hat das Recht, auf das Original zuzugreifen. Nehmen wir mal an, jetzt ist eine Rechnung da, eine Rechnung, die nicht barrierefrei ist. Ich schick sie durch die KI. Ich krieg jetzt ein Ergebnis raus und wei\u00df, was ich bezahlen muss, was die Posten sind, was die Zahlungsfrist ist und so weiter.<\/p>\n<p>Jetzt ist es aber \u00fcber die KI vermittelt. Und wie verl\u00e4sslich ist es? Wir wissen, dass KI Fehler macht, dass KI halluzinieren kann. Und da sage ich: Hey, bei solchen Dokumenten, die sowieso aus automatisierten Workflows kommen, sollte es einfach sein, daraus ein barrierefreies PDF zu machen. Dann sollte jeder das Recht haben, auch auf dieses Original zuzugreifen, sodass er im Zweifelsfall dort nachgucken kann. Und nicht auf die Vermittlung \u00fcber KI angewiesen ist.<\/p>\n<p>Also diese zwei Aspekte dazu. Aber ich glaub, du hast ja auch schon Erfahrungen gemacht. Du guckst dir doch solche L\u00f6sungen auch an, oder?<\/p>\n<p>Ich habe auch diesen Schlussabschnitt im gleichen Stil gegl\u00e4ttet: gesprochen und pers\u00f6nlich bleibt erhalten, gleichzeitig sind Wiederholungen, Versprecher und offensichtliche Transkriptionsfehler bereinigt.<\/p>\n<p>Domingos: Ja, auf jeden Fall. Also, f\u00fcr meinen Arbeitgeber gucke ich mir das nat\u00fcrlich auch an. Und ja, okay, es gibt eine minimale Verbesserung, sag ich mal. Sowas wie Alternativtexte: Wenn man das mit einem guten Large Language Model macht und jetzt keine komplexen Grafiken hat, da kann man schon mal was Gutes leisten.<\/p>\n<p>Leider werden da relativ g\u00fcnstige KIs eingesetzt, einfach aus Kostengr\u00fcnden, die dann halt diese 08\/15-Alternativtexte produzieren. Und wie du schon sagst: Da fehlt einfach der Mensch in der Kontrolle sozusagen, der guckt: Stimmt das wirklich, was da im Alternativtext steht?<\/p>\n<p>Und ich bef\u00fcrchte, dass die meisten Kunden, die solche L\u00f6sungen kaufen, das nicht noch mal nachkontrollieren k\u00f6nnen oder wollen. Sonst w\u00fcrden sie wahrscheinlich andere Systeme verwenden.<\/p>\n<p>Insofern ja, w\u00fcrde ich dir hundertprozentig zustimmen. Also, es wird auch auf absehbare Zeit nicht funktionieren, es sei denn, es gibt irgendeine Revolution, die wir beide verpasst haben.<\/p>\n<p>Markus: Genau, genau. Ja. Und ich finde ja: Wir beide kennen die Szene der digitalen Barrierefreiheit und das \u00d6kosystem schon ziemlich lange. Und ich glaub, wir beide freuen uns, dass es gr\u00f6\u00dfer wird, dass es mehr Anbieter gibt. Aber es ist quasi in der Natur der Sache, dass es auch Anbieter gibt, die Dinge versprechen, die sie dann so nicht halten oder bei denen der Nutzen nicht bei den Menschen mit Behinderungen ankommt.<\/p>\n<p>Und wenn man auch andere M\u00e4rkte beobachtet, dann ist diese Entwicklung fast nat\u00fcrlich. Es ist klar: Die Nachfrage ist da, es gibt ein Problem, es soll mehr barrierefreie Inhalte geben. Dann erkennen viele darin einen Markt, die Gesetze werden strenger und dann ist nat\u00fcrlich klar, dass mehr Anbieter hochkommen. In so einer Phase sind wir gerade.<\/p>\n<p>Und jetzt ist es halt leider so: Die Barrierefreiheit, was ja eigentlich gut ist, ist unsichtbar. Sie soll einfach funktionieren. Aber sie ist manchmal f\u00fcr Laien nicht so gut erkennbar.<\/p>\n<p>Deswegen auch PAC mit dem KI-Check und so weiter: Damit das auch f\u00fcr Laien leichter erkennbar ist und man dann genau beurteilen kann: Wei\u00dft du, wenn jetzt irgendein Anbieter daherkommt und sagt: \u201eHey, \u00fcber KI \u2013 schick es hier rein, kriegst ein barrierefreies PDF raus, 100 Prozent oder 90 Prozent\u201c \u2013 dann schau es dir mal im PAC an. Was kommt dort raus? Schau dir die Screenreader-Vorschau an. Ist es verst\u00e4ndlich?<\/p>\n<p>Weil es soll ja <em>Equal Access<\/em> sein: ein gleichwertiger Zugang, gleich schnell, gleich verl\u00e4sslich. Die Inhalte sollen entsprechend pr\u00e4sentiert werden.<\/p>\n<p>Und ich glaub, dass wir da auch die Laien noch weiter empowern m\u00fcssen, dass sie ein gutes Urteilsverm\u00f6gen entwickeln. Es ist leider so, da kommen sie nicht ganz drum herum, ein Grundverm\u00f6gen zu entwickeln, das Gute vom Schlechten zu unterscheiden und gute von schlechter Barrierefreiheit zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Oder wie siehst du es?<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"axes4_folgen\"><\/span>axes4 folgen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Das sehe ich genauso, auf jeden Fall. Gut, das ist ein gutes Schlusswort. Die letzte Frage: Wo kann man euch am besten folgen?<\/p>\n<p>Markus: Also nat\u00fcrlich ist immer eine gute Adresse LinkedIn, sowohl unserem axes4-Account als auch mir zu folgen.<\/p>\n<p>Wir haben aber auch einen Newsletter, den man abonnieren kann. Der kommt einmal im Monat raus. Dann kriegt man die ganzen Updates zu den Events. Wir machen ja auch viele kostenlose Events. Die Tipps w\u00fcrde ich da weitergeben: Geht auf unsere Webseite, tragt euch f\u00fcr den Newsletter ein, dann kriegt ihr mit, wann die neuen Events kommen.<\/p>\n<p>Wir haben also jeden Monat kostenlose Events oder unseren axes4 Day, der immer im M\u00e4rz oder April ist. Oder den axes4 PDF Accessibility Summit auf Englisch, weil wir die Nachfrage bekommen haben: \u201eHey, ihr macht immer nur etwas f\u00fcr den deutschsprachigen Raum, wir wollen aber auch mal was auf Englisch.\u201c<\/p>\n<p>Und dann machen wir dieses Summit im November, zwei halbe Tage online. Das wird auch eine spannende Sache.<\/p>\n<p>Also, das kriegt man alles dar\u00fcber mit. LinkedIn, den axes4-Account, mir, Markus Erle, auf LinkedIn folgen oder sich in den Newsletter eintragen. Dann ist man ganz auf der sicheren Seite.<\/p>\n<p>Domingos: Ja, vielen Dank. Dann vielen Dank dir f\u00fcr diese Einblicke. Ich glaube, die Zuh\u00f6renden konnten einiges mitnehmen und auch einiges Neues lernen zum Thema barrierefreie PDFs und sind vielleicht auch gespannt, sich selber mit dem komplexen, aber super spannenden Thema zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Und ja, ich w\u00fcnsche dir und dem Team weiterhin viel Erfolg. Wenn ihr weiterhin so diese Produkte in dieser Schlagzahl rausbringt, m\u00fcssen wir sp\u00e4testens in einem Jahr noch mal sprechen.<\/p>\n<p>Markus: Ja, sehr gerne, Domingos. Also, ich find es super. Wir kennen uns schon ganz lange und mir ist deine Meinung immer ganz wichtig. Also, was du auch \u00fcber diese Dinge denkst. Und vielen Dank f\u00fcr die Einladung. Ich freu mich schon, wenn wir uns wiedersehen.<\/p>\n<p>Domingos: Ja, auf jeden Fall. Vielen Dank.<\/p>\n<p>Markus: Ja, danke dir, Domingos <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser Episode spreche ich mit Markus Erle, CEO der Firma axes4, einem der gr\u00f6\u00dften Dienstleister f\u00fcr barrierefreie PDF. 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