{"id":1166,"date":"2018-06-29T14:07:25","date_gmt":"2018-06-29T12:07:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?page_id=1166"},"modified":"2025-08-24T16:03:05","modified_gmt":"2025-08-24T14:03:05","slug":"gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/","title":{"rendered":"Gendern &#8211; warum Unterstrich und Stern nicht barrierefrei sind"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/12-neue-episode\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><br \/>\n<strong>Aus gegebenen Anlass m\u00f6chte ich darauf hinweisen, dass ich zum Thema Gendern und Barrierefreiheit keine Beratung anbiete und keine Anfragen w\u00fcnsche, entsprechende Nachrichten werden kommentarlos ignoriert. Zu dem Thema ist aus meiner Sicht alles gesagt, alle Diskussionen sind gef\u00fchrt worden und es ist in den letzten Jahren kein neues Argument aufgetaucht. <\/strong><\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_85 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Vorbemerkung\" >Vorbemerkung<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Sehbehinderte_und_Lese-Behinderte\" >Sehbehinderte und Lese-Behinderte<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Leichte_und_einfache_Sprache\" >Leichte und einfache Sprache<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Asperger_und_Autismus\" >Asperger und Autismus<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-5\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Blinde_und_Vorlese-Software_fuer_Lese-Behinderte\" >Blinde und Vorlese-Software f\u00fcr Lese-Behinderte<\/a><ul class='ez-toc-list-level-3' ><li class='ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-6\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Der_Gender-Schraegstrich\" >Der Gender-Schr\u00e4gstrich<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-7\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Das_Gender-I\" >Das Gender-I<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-8\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Das_Gender-Sternchen\" >Das Gender-Sternchen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-9\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Der_Gender-UnterstrichGap\" >Der Gender-Unterstrich\/Gap<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-10\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Das_Gender-Und\" >Das Gender-Und<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-11\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Der_Gender-Doppelpunkt\" >Der Gender-Doppelpunkt<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-12\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Das_Problem_in_BlindenschriftBraille\" >Das Problem in Blindenschrift\/Braille<\/a><\/li><\/ul><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-13\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Das_Problem_des_Doppel-_und_Mehrfach-Gender\" >Das Problem des Doppel- und Mehrfach-Gender<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-14\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Das_Problem_der_Sprach-Assistenten_und_Vorlese-Tools\" >Das Problem der Sprach-Assistenten und Vorlese-Tools<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-15\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Wie_sollte_ein_barrierefreies_gendergerechtes_Zeichen_aussehen\" >Wie sollte ein barrierefreies, gendergerechtes Zeichen aussehen?<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-16\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/#Fazit\" >Fazit<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Vorbemerkung\"><\/span>Vorbemerkung<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>In diesem Beitrag behandle ich die Frage, ob gendergerechte Sprache barrierefrei ist. Lassen Sie mich vorneweg das Fazit ziehen: Da jede denkbare Variante bei Text und Sprache g\u00e4ngige Konventionen  ver\u00e4ndern muss und damit komplizierter macht, tr\u00e4gt keine m\u00f6gliche Variante in unserem Sinne zur Barrierefreiheit bei. Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, wenn sich die Betroffenen-Gruppen auf eine f\u00fcr alle Seiten akzeptable Variante einigen, das ist aber aktuell nicht absehbar.<br \/>\nMan kann die Ansicht vertreten, dass gender-gerechte Sprache wichtiger ist als Barrierefreiheit. Oder das die paar Barrieren nicht relevant seien.  Das kann legitim sein. Aber das Gendern zumindest in den bisher g\u00e4ngigen Varianten barrierefrei sein kann, ist falsch. Dazu ben\u00f6tigen wir keinen empirischen Beweis. Durch alle aktuell diskutierten Varianten wird entweder die Zeichenmenge erh\u00f6ht, ohne den Informationsgehalt zu vergr\u00f6\u00dfern. Oder es werden Sonderzeichen eingef\u00fcgt, welche die Lesbarkeit bzw. Erkennbarkeit von W\u00f6rtern verschlechtern &#8211; oder beides. Insofern m\u00f6chte ich auch ausdr\u00fccklich den Aussagen der \u00dcberwachungsstelle f\u00fcr Barrierefreiheit des Bundes widersprechen. Schon die \u00dcberschrift der sogennanten Studie &#8222;Empfehlung zu gendergerechter, digital barrierefreier Sprache&#8220; ist ein Widerspruch in sich. Es ist so, als ob ich eine Empfehlung f\u00fcr eine barrierefreie Treppe gebe. Meines Erachtens ist die Studie handwerklich schlecht gemacht. Im Grunde ist sie nur ein Screenreader-Test durch eine offenbar nicht besonders erfahrene Person und eine Befragung von Betroffenen-Verb\u00e4nden, das kann man kaum als empirische Studie ansehen. Die \u00dcberwachungsstelle hat sich selbst zwischenzeitlich von der Studie distanziert mit dem Dokument &#8222;Die digitale Barrierefreiheit auf der semiotischen Ebene der Genderzeichen&#8220;, die eben nicht den Gender-Stern empfiehlt.<br \/>\nAuch wenn eine gender-gerechte Sprache zu Inklusion beitr\u00e4gt, w\u00e4re sie dennoch nicht barrierefrei: Inklusion und Barrierefreiheit sind zwei unterschiedliche Themen. Gendern schafft teils intendierte St\u00f6rungen des Leseflusses, das kann nicht barrierefrei sein. Ebenso k\u00f6nnte ich einem Sehbehinderten erkl\u00e4ren, dass die kleine Schrift ja nur an drei Stellen verwendet wird oder einer Rollstuhlfahrerin, dass so ein paar Hubbel oder kleine Stufen doch nicht st\u00f6rend seien.<br \/>\nSelbst unter den Bef\u00fcrwortenden w\u00e4re die Akzeptanz von Begriffen wie Poliziststerninnen, Polizistunterstrichinnen oder Polizistschr\u00e4gstrichinnen relativ gering, behaupte ich mal. Aber Blinde und andere Nutzende von Sprachausgaben sollen damit klar kommen. Wenn man nicht selbst betroffen ist, scheint man das Problem nicht verstehen zu k\u00f6nnen &#8211; und in einigen F\u00e4llen nicht zu wollen.<br \/>\nGenerell bin ich kein Experte oder Aktivist f\u00fcr gendergerechte Sprache. Ich betrachte das Thema ausdr\u00fccklich nur aus der Perspektive der Barrierefreiheit. Da es mehrere Publikationen zu dem Thema gibt, w\u00fcrde ich Ihnen empfehlen, sich verschiedene Aussagen anzuschauen und dann das zu \u00fcbernehmen, was Ihnen nach Abw\u00e4gung aller Umst\u00e4nde sinnvoll erscheint. Was immer Sie umsetzen, irgendjemand wird sich dar\u00fcber \u00e4rgern.<br \/>\nIch weise darauf hin, dass <a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/barrierefrei-ist-mehr-als-screenreader\/\">sich Barrierefreiheit nicht nur auf blinde Leser:Innen bezieht<\/a>. Tats\u00e4chlich ist die Gruppe der Blinden relativ klein, es geht viel mehr um Personen mit Autismus, mit Lernst\u00f6rungen, Konzentrationsst\u00f6rungen, Sehbehinderungen und so weiter. Es ist zwar nett f\u00fcr die Blinden, dass st\u00e4ndig nach Sprachausgaben gefragt wird, allerdings werden dadurch andere Gruppen aus dem Diskurs ausgeschlossen. Wenn eine Person einen Beitrag \u00fcber Gender und Barrierefreiheit schreibt, der ganze Beitrag sich aber nur um Sprachausgabe und Blinde dreht, hat diese Person das Thema Barrierefreiheit leider verfehlt. Nicht einmal Blinde sind vollst\u00e4ndig erfasst, denn viele Blinde nutzen die Blindenschrift, und da kann man Satzzeichen nicht ohne Weiteres ausblenden. Sprach-Assistenten wie Alexa lassen sich nicht so fein justieren wie Screenreader, also sind auch Personen nicht erfasst, die solche Werkzeuge verwenden. Meines Wissens ist mein Beitrag aktuell der Einzige, der sich mit unterschiedlichen Behinderungen und gender-gerechter Sprache besch\u00e4ftigt. Deswegen sind auch die Aussagen des Blinden-Verbandes DBSV irrelevant, da sie bestenfalls eine Teilgruppe der Betroffenen erfassen. Der DBSV hat \u00fcbrigens keine Analyse zur Barrierefreiheit durchgef\u00fchrt. Vielmehr handelt es sich hier um eine politische Entscheidung, so wie die EU entschieden hat, dass Atomkraft nachhaltig ist.<br \/>\nIch finde es schwierig, dass sich Personen, die offensichtlich keine Leseschw\u00e4che haben, keine assistive Technologie nutzen bzw. gar keine Behinderung haben so stark \u00fcber die Barrierefreiheit gendergerechter Sprache \u00e4u\u00dfern. Ein bisschen Zur\u00fcckhaltung w\u00e4re hier meines Erachtens angebracht. Schaut man sich die Biografien dieser Personen an, wird man schnell feststellen, dass keinerlei Expertise zur digitalen Barrierefreiheit vorliegt. Man kann niemandem vorwerfen, dass er keine physischen\/kognitiven Herausforderungen hat oder dass man sich nicht mit Barrierefreiheit in allen Facetten besch\u00e4ftigt. Man kann dieser Person aber vorwerfen, dass sie sich \u00e4u\u00dfert, ohne wirklich Ahnung zu haben oder selbst betroffen zu sein. Diese Leute tun das, was sie Anderen vorwerfen: Sie diskriminieren Menschen, indem sie ihre Probleme nicht thematisieren bzw. ignorieren oder gar unterstellen, diese Probleme g\u00e4be es nicht. Man sucht dann Quellen heraus, welche die eigene Meinung best\u00e4tigen und ignoriert alles, was dem widerspricht. Auch das hat nichts mit empirischem Vorgehen, Inklusion oder Barrierefreiheit zu tun.<br \/>\nEs sei hier betont, dass ich mich weder f\u00fcr noch gegen eine gendergerechte Sprache einsetze. Es ist eine Tatsache, dass Frauen und Personen ohne eindeutiges Geschlecht nach wie vor stark diskriminiert werden. Ob Sonderzeichen dieses Problem l\u00f6sen, bezweifle ich zwar, aber es ist  nicht an mir, dies zu entscheiden.<br \/>\nAuch bin ich nicht der Meinung, dass Gender-Symbole der wichtigste oder entscheidende Faktor in der Lesbarkeit\/Verst\u00e4ndlichkeit von Sprache ist. Wenn solche Kombinationen nicht geh\u00e4uft in einem Satz auftreten, dann sind sie weniger problematisch als etwa Fachjargon oder Bandwurms\u00e4tze, wie wir sie geh\u00e4uft bei Beh\u00f6rden, aber auch bei vielen Behinderten-Organisationen finden. Nebenbei bemerkt ist es interessant, dass Organisationen musterg\u00fcltig gendern, aber \u00fcberwiegend aus nicht-diversen Teams bestehen und ihre Diskussions-Runden\/Konferenzen nicht divers besetzen. Beispiele gibt es viele, aufgefallen sind aber vor allem die Aktion Mensch oder der Rheinwerk-Verlag, siehe <a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/inklusion-barrierefreiheit-und-diversitaet-weniger-reden-mehr-handeln\/\">Warum die Barrierefreiheits-B\u00fchne diverser werden muss<\/a>. Auch im \u00f6ffentlichen Dienst pflegt man nach wie vor das Thema Barrierefreiheit ohne behinderte Menschen zu diskutieren. In meinen Augen ist das eine gr\u00f6\u00dfere Diskriminierung als ein paar fehlende oder zus\u00e4tzliche Interpunktions-Zeichen.<br \/>\nAuch m\u00f6chte ich mich ausdr\u00fccklich gegen die Vereinnahmung des Themas durch Rechte, Konservative oder wie auch immer sich die Menschenfeinde schipfen wenden. Ich zweifle nicht daran, dass unsere Sprache und vielmehr die Gesellschaft gegen\u00fcber einigen Minderheiten feindlich ist und das hier Abhilfe geschaffen werden muss. Allerdings sind die Rechts-Konservativen bisher nicht dadurch aufgefallen, dass sie sich f\u00fcr digitale Barrierefreiheit oder eine verst\u00e4ndliche Sprache einsetzen. Im Gegenteil bek\u00e4mpfen viele von ihnen die digitale Barrierefreiheit und verst\u00e4ndliche Sprache, wo sie nur k\u00f6nnen. Sie sind gegen die Rechte von Minderheiten oder nutzen das Argument als rechts-populistisches Instrument &#8211; damit m\u00f6chte ich nichts zu tun haben. Hier gilt das Gleiche, was ich oben angesprochen habe: Es werden nur Argumente gesammelt, um gegen etwas zu mobilisieren oder banale Abwehr-Reflexe zu bedienen, das hat nichts mit Inklusion und Barrierefreiheit zu tun, sondern ist plumper Rechts-Populismus. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Sehbehinderte_und_Lese-Behinderte\"><\/span>Sehbehinderte und Lese-Behinderte<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Alles Ungewohnte kann den Lesefluss st\u00f6ren und Sternchen oder Unterstriche mitten im Wort sind tats\u00e4chlich ungewohnt.<br \/>\nStark Sehbehinderte arbeiten mit teils hohen Vergr\u00f6\u00dferungsgraden. Dadurch werden Abst\u00e4nde zwischen den W\u00f6rtern schnell als Leerzeichen wahrgenommen, da man sowohl den * oben als auch den Unterstrich unten schnell \u00fcbersehen und als Leerraum interpretieren kann. Daher sind Schr\u00e4gstrich und Doppelpunkt f\u00fcr Sehbehinderte besser geeignet.<br \/>\nLese-behinderte Menschen lesen sehr langsam und lassen sich schnell aus dem Konzept rei\u00dfen. F\u00fcr sie sind die Leerr\u00e4ume, die durch Stern und Unterstrich erzeugt werden sowie das angeh\u00e4ngte &#8222;Innen&#8220; eine Verkomplizierung des Textes. Auch sie kommen mit Schr\u00e4gstrich und Doppelpunkt besser klar, weil diese zumindest den Abstand zwischen den Worten nicht so gro\u00df machen. Das ist aber keine optimale L\u00f6sung. Menschen mit geringer Lese-Erfahrung k\u00f6nnen Zeichenketten weniger gut \u00fcberspringen als Menschen mit gro\u00dfer Lese-Erfahrung, Letztere geben aber den Ton an. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Leichte_und_einfache_Sprache\"><\/span>Leichte und einfache Sprache<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Eindeutiger ist meine Einsch\u00e4tzung bez\u00fcglich Leichter Sprache und einfacher Sprache. Handelt es sich nicht gerade um Spezial-Texte, die sich um das Thema Diskriminierung oder Gender drehen, sollte hier auf s\u00e4mtliche Varianten des Gender-Mainstreamings inklusive des Gender-Unds verzichtet werden. Ich w\u00fcrde hier absolute Priorit\u00e4t auf die Lesbarkeit und Verst\u00e4ndlichkeit legen. Und leider erf\u00fcllt keine mir bekannte Variante diese Anforderungen.<br \/>\nF\u00fcr Personen, die gerade Deutsch lernen ist die deutsche Sprache sehr komplex. Gender ist hier nicht entscheidend, zumindest, wenn nicht wie unten geschildert doppelt oder mehrfach gegendert wird.<br \/>\nIn der Regel kann man dieses Problem aber umgehen, in dem man unterschiedliche sprachliche Kniffe anwendet. Man kann zum Beispiel die Leser:Innen direkt ansprechen.<br \/>\nF\u00fcr die einfache Sprache w\u00e4re das gro\u00dfe Binnen-I die am leichtesten lesbare Variante. F\u00fcr die Leichte Sprache sollte generell auf Gendern verzichtet werden, so meine Einsch\u00e4tzung. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Asperger_und_Autismus\"><\/span>Asperger und Autismus<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Auch f\u00fcr Menschen mit Autismus und Asperger-Syndrom kann ge-genderter Text schwierig sein.<br \/>\nMenschen aus dem Autismus-Spektrum k\u00f6nnen schlechter mit St\u00f6rungen oder Abweichungen umgehen bzw. sie ausblenden. Es f\u00e4llt ihnen daher auch schwerer, sich an neue Schriftformen anzupassen. Das Autismus-Spektrum ist allerdings recht gro\u00df und es mag sein, dass die Sonderzeichen f\u00fcr Einige st\u00f6render sind als f\u00fcr Andere.<br \/>\nF\u00fcr diese Gruppe d\u00fcrfte das Gender-Und am wenigsten st\u00f6rend sein, da es das Schriftbild nicht ver\u00e4ndert. Bisher habe ich allerdings noch keine Wortmeldung aus der Autismus-Community zu diesem Thema geh\u00f6rt und m\u00f6chte es ihnen \u00fcberlassen, sich dazu zu \u00e4u\u00dfern, was f\u00fcr sie am besten funktioniert.<br \/>\nHinweis: Urspr\u00fcnglich hatte ich auf den Beitrag einer Autistin zu diesem Thema verlinkt, der aber aus dem Web verschwunden ist. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Blinde_und_Vorlese-Software_fuer_Lese-Behinderte\"><\/span>Blinde und Vorlese-Software f\u00fcr Lese-Behinderte<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Kurz zum Hintergrund: Sprachausgaben von Blinden und Lesebehinderten lassen sich so einstellen, dass sie Satzzeichen entweder vorlesen oder ignorieren. Standardm\u00e4\u00dfig werden Kommata, Interpunktionspunkte und \u00e4hnlich h\u00e4ufige Zeichen nicht vorgelesen. Es st\u00f6rt einfach den Lesefluss und an der Intonation kann man in der Regel auch h\u00f6ren, welches Zeichen da steht.<br \/>\nGenerell verf\u00fcgen Desktop-Screenreader wie NVDA oder Jaws \u00fcber mehr Konfigurations-M\u00f6glichkeiten als mobile Screenreader wie Android Talkback oder iOS VoiceOver. Dar\u00fcber hinaus hat aber jeder Screenreader bzw. jede Sprachausgabe eine eigene Policy dazu, welche Zeichen in welchem Kontext vorgelesen werden oder nicht. Das Sternchen wird aber regelm\u00e4\u00dfig vorgelesen, da es im anderen Kontext im Web wichtig ist: So wird es z.B. zur Kennzeichnung von Pflichtfeldern in Formularen oder f\u00fcr den Hinweis auf Kleingedrucktes verwendet.<br \/>\nF\u00fcr Blinde ist es prinzipiell schwieriger, St\u00f6rungen auszublenden. Eine sehende Person ist besser in der Lage, Zeichen innerhalb eines Wortes oder komplexe Konstrukte wie &#8222;der\/die Notar*In&#8220; zu \u00fcberspringen. Die Blindenschrift muss zeichenweise gelesen werden, die Sprachausgabe liest prinzipiell erst mal alles vor. <\/p>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Der_Gender-Schraegstrich\"><\/span>Der Gender-Schr\u00e4gstrich<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<p>Pilot\/innen, Aktivist \/innen, Polizist\/innen &#8211;<br \/>\nDer Gender-Schr\u00e4gstrich ist eine beliebte Variante. Der Screenreader liest:<br \/>\nPilotSchr\u00e4gstrichinnen, AktivistSchr\u00e4gstrichinnen, PolizistSchr\u00e4gstrichinnen &#8211; <\/p>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Das_Gender-I\"><\/span>Das Gender-I<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<p>PilotInnen, AktivistInnen, PolizistInnen<br \/>\nDiese Variante klingt mit der Sprachausgabe ein wenig besser, aber wirklich nur ein wenig. Mit dem Screenreader klingt das so:<br \/>\nPilot innen, Aktivist innen, Polizist innen<br \/>\nEs klingt also wiederum wie zwei Worte, als ob hinter dem Substantiv das Wort &#8222;innen&#8220; k\u00e4me. Das klingt unlogisch und st\u00f6rt daher den Lesefluss. <\/p>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Das_Gender-Sternchen\"><\/span>Das Gender-Sternchen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<p>Das Sternchen soll s\u00e4mtliche m\u00f6glichen Geschlechter abdecken.<br \/>\nPilot*innen, Aktivist*innen, Polizist*innen &#8211;<br \/>\nF\u00fcr Sprachausgaben ist das nicht optimal. Wir lesen:<br \/>\nPilotSterninnen, AktivistSterninnen, PolizistSterninnen<br \/>\nEs klingt also wie beim Schr\u00e4gstich so, als ob es sich um ein Wort handelt, in welches das Wort &#8222;Stern&#8220; eingef\u00fcgt wurde. <\/p>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Der_Gender-UnterstrichGap\"><\/span>Der Gender-Unterstrich\/Gap<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<p>Der Gender-Gap soll alle Geschlechter meinen, \u00e4hnlich wie das Gender-Sternchen.<br \/>\nPilot_innen, Aktivist_innen, Polizist_innen<br \/>\nDer Screenreader liest:<br \/>\nPilotunterstrichinnen, Aktivistunterstrichinnen, Polizistunterstrichinnen<\/p>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Das_Gender-Und\"><\/span>Das Gender-Und<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<p>Pilotinnen und Piloten, Aktivistinnen und Aktivisten, Polizistinnen und Polizisten<br \/>\nHier kann ich mir die Screenreader-Variante sparen, denn es wird genau so vorgelesen, wie es da steht.<br \/>\nAber das sind doch auch schon wieder drei Worte? Ja, aber drei Worte, die logisch mit einem und verkettet sind. Es entspricht unserem Sprachgef\u00fchl. Und nach einem &#8222;Pilotinnen und&#8220; ist relativ sicher, dass ein &#8222;Pilot&#8220; nachgeschoben wird. Der Lesefluss flie\u00dft.<br \/>\nEin Problem ergibt sich allerdings, wenn solche Varianten geh\u00e4uft, etwa in einem einzigen Satz auftreten.<br \/>\n&#8222;Die \u00c4rztinnen und \u00c4rzte, die Pflegerinnen und Pfleger und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter&#8220;<br \/>\nWir haben hier eine Vermehrfachung der Wortmenge, ohne dass f\u00fcr die Leser:in ein echter Mehrwert an Informationen geschaffen wird.<br \/>\nAnzumerken ist auch, dass durch das und nur weiblich und m\u00e4nnlich repr\u00e4sentiert sind.<br \/>\nMittlerweile halte ich diese Paarbildung f\u00fcr die schlechteste Variante \u00fcberhaupt. <\/p>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Der_Gender-Doppelpunkt\"><\/span>Der Gender-Doppelpunkt<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<p>Aktuell halte ich den Doppelpunkt f\u00fcr die beste Variante f\u00fcr blinde Personen. Der Doppelpunkt wird in der Standard-Konfiguration &#8222;einige Zeichen lesen&#8220; der g\u00e4ngigen Screenreader ignoriert, also nicht vorgelesen. Auch Sehbehinderte sollte er nicht st\u00f6ren, da er weniger Abstand zwischen den Zeichen erfordert als der Gender-Stern oder der Unterstrich.<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/b_LcUtmCTEo\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\nVon einigen  &#8211; vor allem Sehenden  -wird eingewendet, der Doppelpunkt w\u00fcrde eine zu lange Pause erzeugen. &#8222;Lang&#8220; ist in diesem Zusammenhang relativ. Ich konnte in keinem Screenreader besagte Pause feststellen. <\/p>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Das_Problem_in_BlindenschriftBraille\"><\/span>Das Problem in Blindenschrift\/Braille<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<p>Insbesondere f\u00fcr die Leser der Blindenschrift ist w\u00fcnschenswert, dass sich eine einheitliche Variante durchsetzt: Es sind teils koplexe Konstrukte notwendig, um die Zeichen darzustellen.<br \/>\nIn der deutschen Braille-Schrift gibt es generell keine eigenen Zeichen f\u00fcr Gro\u00dfbuchstaben. Man kann mit Braille maximal 64 Zeichen darstellen, sie sind bereits mit den g\u00e4ngigen Buchstaben und anderen Zeichen besetzt. Nur zur Erinnerung: In der Schwarzschrift, wie wir sie nennen, gibt es eigene Zeichen f\u00fcr Gro\u00df- und Kleinbuchstaben, das kleine a ist eben keine minimisierte Form des gro\u00dfen A, beides sind vollkommen verschiedene Zeichen.<br \/>\nUm Gro\u00dfbuchstaben zu kennzeichnen wird dem Gro\u00dfbuchstaben ein Sonder-Zeichen vorangestellt. Verwendet man also etwa das Gender-Sternchen mit folgendem gro\u00dfen I, hat man zwei Sonderzeichen mitten im Wort. Das ist eine Frage der Lese-Gewohnheiten. Allerdings ist es st\u00f6rend, wenn das Zeichen jedes Mal ein Anderes ist, also Sternchen, Schr\u00e4gstrich, Unterstrich und so weiter. So kann sich keine Gew\u00f6hnung einstellen.<br \/>\nZu bedenken ist au\u00dferdem, dass ein Blinder nicht &#8222;vor&#8220;-lesen kann. Ein Blinder ist gezwungen, Zeichen f\u00fcr Zeichen zu lesen, w\u00e4hrend ein Sehender bis zu f\u00fcnf Zeichen auf einmal erfasst. F\u00fcr Blinde, insbesondere f\u00fcr Braille-Anf\u00e4nger, k\u00f6nnen gegenderte Texte deshalb sehr schwierig werden.<br \/>\nEs sei auch noch darauf hingewiesen, dass selbst ge\u00fcbte blinde Braille-Leser nur eine vergleichsweise geringe Lese-Geschwindigkeit erreichen k\u00f6nnen. F\u00fcr einen blinden Braille-Leser sind 100 W\u00f6rter pro Minute ein hervorragendes Tempo. Ein sehender Leser soll bereits ab der Mittelstufe mindestens 150, besser 200 bis 250 W\u00f6rter pro Minute lesen k\u00f6nnen. Das hei\u00dft, jede Verkomplizierung oder Verl\u00e4ngerung ist in Braille eine Herausforderung.<br \/>\nEine einheitliche Sonder-L\u00f6sung f\u00fcr Braille scheidet leider ebenfalls aus. Das h\u00e4tte den Charme gehabt, dass man das Wirrwarr der gedruckten Schrift h\u00e4tte umgehen k\u00f6nnen. Allerdings ist man in den Gremien zu Recht der Meinung, dass man sich m\u00f6glichst wenig von der Schwarzschrift entfernen sollte. Insbesondere Blinde im Arbeitsleben m\u00fcssen wissen, wie sie Texte korrekt schreiben, also auch, welche Gender-Variante verwendet wird, alles andere ist unprofessionell.<br \/>\nWer Technik wie Screenreader oder Braillezeilen nutzt, kann die Text-Darstellung in gewissem Ma\u00dfe anpassen. Bei gedruckten Texten in Braille funktioniert das allerdings nicht &#8211; wieder ein Punkt, den die Gender-Bef\u00fcrwortenden nicht verstanden haben oder verstehen wollen. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Das_Problem_des_Doppel-_und_Mehrfach-Gender\"><\/span>Das Problem des Doppel- und Mehrfach-Gender<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Die komplexeste und am wenigsten barrierefreie Variante ist das doppelte und das mehrfache Gendern innerhalb eines Satzes.<br \/>\nVariante 1, einfach gegendert:<br \/>\n&#8222;die Polizist*In&#8220;<br \/>\nVariante 2, doppelt gegendert:<br \/>\n&#8222;Der\/die Polizist*In&#8220;<br \/>\noder<br \/>\n&#8222;ein\/eine Polizist*In&#8220;<br \/>\nDer Screenreader liest:<br \/>\n&#8222;derSchr\u00e4gstrichdie Poliziststernin&#8220;<br \/>\n&#8222;einschr\u00e4ngstricheine Poliziststernin&#8220;<br \/>\nEntscheiden Sie selbst, ob Sie das gut lesbar finden. Solche Ketten k\u00f6nnen im Prinzip beliebig h\u00e4ufig in einem Satz vorkommen. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Das_Problem_der_Sprach-Assistenten_und_Vorlese-Tools\"><\/span>Das Problem der Sprach-Assistenten und Vorlese-Tools<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Es gibt verschiedene Sprach-Synthesizer, die mittlerweile eine gro\u00dfe Rolle au\u00dferhalb der Blinden-Szene spielen. Wichtig sind etwa die Vorlese-Funktionen etwa von eBook-Readern f\u00fcr lesebehinderte Personen sowie f\u00fcr die Nutzenden von Sprach-Assistenten wie Alexa. Diese Sprachausgaben sind weit weniger steuerbar als die Sprachsynthese-Programme f\u00fcr Blinde. Man ist also weitgehend abh\u00e4ngig von den Anbietern. Das Argument, man k\u00f6nne seine Sprachausgabe entsprechend konfigurieren ist eben nicht korrekt. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Wie_sollte_ein_barrierefreies_gendergerechtes_Zeichen_aussehen\"><\/span>Wie sollte ein barrierefreies, gendergerechtes Zeichen aussehen?<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Alle g\u00e4ngigen Zeichen zum Gendern haben gravierende Nachteile. Sie werden entweder von Speech-to-Text-Software vorgelesen und maximieren dadurch die kognitiven Anforderungen. Oder sie dienen grammatikalisch bzw. traditionell anderen Zwecken: Das Sternchen ist keineswegs wie oft behauptet neutral, sondern wird etwa zum Markieren von Pflichtfeldern oder f\u00fcr Anmerkungen\/Fu\u00dfnoten benutzt. Der Unterstrich erh\u00f6ht den Abstand zwischen Worten und kann schlecht gesehen werden, weil er sich praktisch am unteren Ende der Zeichenkette befindet.<br \/>\nEs w\u00e4re also sinnvoll, ein neues, neutrales Zeichen zu verwenden. Folgende Anforderungen m\u00fcssen zumindest erf\u00fcllt sein:<br \/>\n&#8211; Es muss auf allen Tastaturen vorhanden sein bzw. ohne gro\u00dfen Aufwand wie das Dr\u00fccken zahlreicher Tasten gleichzeitig erstellt werden k\u00f6nnen.<br \/>\n&#8211; Es darf den Abstand zwischen den Worten nicht zu stark erh\u00f6hen, damit es nicht die gleichen Probleme wie Stern und Unterstrich schafft.<br \/>\n&#8211; Es muss sich auf der Mittellinie einer Textzeile befinden, wenn also etwa ein gro\u00dfes X daneben steht, sollte es auf der gleichen H\u00f6he sein wie der Mittelpunkt vom X.<br \/>\n&#8211; Es darf nicht mit einem anderen wichtigen Zeichen verwechselbar sein.<br \/>\nHat man dieses neutrale Symbol, kann den Entwicklern von Text-to-Speech-Software mitgeteilt werden, wie dieses Symbol ausgesprochen bzw. nicht ausgesprochen werden soll. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Fazit\"><\/span>Fazit<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Sie haben die Qual der Wahl: Gendern Sie, erh\u00f6hen Sie die Barrieren f\u00fcr Menschen, die ohnehin benachteiligt sind. Gendern Sie nicht, wird das als Diskriminierung wahrgenommen.<br \/>\nW\u00fcnschenswert ist in jedem Fall, dass sich eine einheitliche Variante durchsetzt. Setzt sich eine Variante fl\u00e4chendeckend durch, steigt die Lese-Erfahrung damit und die Argumente haben sich weitgehend erledigt. Eine Ausnahme w\u00fcrde ich bei der Leichten Sprache machen, hier gilt nach wie vor, dass jede Form von Komplexit\u00e4t die Lesbarkeit und damit die Verst\u00e4ndlichkeit verringert. Allerdings bin ich kein Experte f\u00fcr Leichte Sprache und \u00fcberlasse diese Diskussion den Personen, die sich t\u00e4glich damit besch\u00e4ftigen.<br \/>\nDer Doppelpunkt scheint aktuell die beste Variante f\u00fcr alle Gruppen zu sein. Er wird von Sprachausgaben nicht standardm\u00e4\u00dfig vorgelesen und er ist leichter lesbar als Stern oder Unterstrich, weil er den Abstand zwischen den Zeichen nicht so stark vergr\u00f6\u00dfert und sich besser in den Lesefluss einf\u00fcgt.<br \/>\nAus der Perspektive einiger Gender-Bef\u00fcrwortenden sind die oben genannten Varianten allerdings nicht gleichwertig. Hier wird der Gender-Stern oder Unterstrich bevorzugt. <\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/taz.de\/Barrierefreie-Kommunikation-im-Netz\/!5619787\/\">Die Linke verzichtet in digitalen Publikationen auf das Gender-Sternchen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2020\/barrierefrei-planen\/\">Im Netzpolitik-Podcast spreche ich ausf\u00fchrlich zu dem Thema<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/total-diskriminiert.blogspot.com\/2021\/11\/was-taugt-die-einschatzung-zu-gender.html\">\u00dcberwachungsstelle des Bundes zum barrierefreien Gendern<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/total-diskriminiert.blogspot.com\/2023\/07\/aktion-mensch-inklusion-sollen-die.html\">Kritik an Old-Style-Inklusion bei der Aktion Mensch<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus gegebenen Anlass m\u00f6chte ich darauf hinweisen, dass ich zum Thema Gendern und Barrierefreiheit keine Beratung anbiete und keine Anfragen w\u00fcnsche, entsprechende Nachrichten werden kommentarlos&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gender-gerechte-sprache-und-barrierefreiheit\/\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Gendern &#8211; warum Unterstrich und Stern nicht barrierefrei sind<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1166","page","type-page","status-publish","hentry","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1166","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1166"}],"version-history":[{"count":122,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1166\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10188,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1166\/revisions\/10188"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1166"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}