{"id":592,"date":"2018-03-21T19:38:43","date_gmt":"2018-03-21T17:38:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?page_id=592"},"modified":"2024-07-13T13:03:17","modified_gmt":"2024-07-13T11:03:17","slug":"verstaendlichkeit-von-informations-grafiken","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/verstaendlichkeit-von-informations-grafiken\/","title":{"rendered":"Verst\u00e4ndlichkeit von Informations-Grafiken"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/260-visual-literacy-grafiken-verstehen\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><br \/>\nVor einiger Zeit hatte ich <a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/barrierefreies-internet\/barrierefreie-redaktion\/grafiken-und-bilder\/\">eine kleine Artikelserie zum barrierefreien Einsatz von Bildern<\/a> geschrieben, dort ging es vor allem um technische Fragen. IN diesem Beitrag m\u00f6chte ich die Faktoren f\u00fcr verst\u00e4ndliche Grafiken darstellen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/barrierefreies-internet\/barrierefreie-redaktion\/grafiken-und-bilder\/bilder-und-grafiken-fuer-sehbehinderte-optimieren\/\">Bilder und Grafiken f\u00fcr Sehbehinderte optimieren &#8211;<\/a> &#8211; in diesem Artikel geht es vor allem um Infografiken.<br \/>\nDer Einfachheit halber unterscheide ich zwischen Grafiken und Bildern. Ein Bild ist nach meiner Definition immer dekorativ, das hei\u00dft, man kann den textlichen Inhalt verstehen, auch wenn man das Bild nicht sehen kann, das Bild selbst enth\u00e4lt keine Information, die das Verst\u00e4ndnis des Inhalts bef\u00f6rdert. Auch dekorative Bilder erf\u00fcllen einen Zweck, in unserem Zusammenhang geht es allerdings um die Verst\u00e4ndlichkeit von Grafiken, bei dekorativen Bildern muss das Verst\u00e4ndnis nicht erlernt werden. Es ist eine Person, ein Gegenstand oder ein Tier abgebildet, da muss man nicht gro\u00dfartig interpretieren. Eine Ausnahme sind Fotoreportagen, wo die Bilder die eigentliche Geschichte sind.<br \/>\nDas Konzept der Visual Literacy geht davon aus, dass das Verst\u00e4ndnis von Grafiken erlernt werden muss wie das Lesen von Texten. Anders als beim Text-Lesen wird die visuelle Lesef\u00e4higkeit nicht bewusst erlernt, sondern ist ein kultureller Prozess. Wir werden von Kindesbeinen an mit Millionen von Symbolen konfrontiert, die uns oft nicht erkl\u00e4rt werden m\u00fcssen. Wir lernen aus dem Kontext, was sie bedeuten. Oder wir bekommen eins aufs Dach, wenn wir einen Schluck aus der Flasche mit dem schwarzen Totensch\u00e4del trinken wollen. <\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_82_2 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/verstaendlichkeit-von-informations-grafiken\/#Piktogramme_und_Symbole\" >Piktogramme und Symbole<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/verstaendlichkeit-von-informations-grafiken\/#Komplexe_Grafiken\" >Komplexe Grafiken<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/verstaendlichkeit-von-informations-grafiken\/#Text-Grafik-Kombinationen\" >Text-Grafik-Kombinationen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/verstaendlichkeit-von-informations-grafiken\/#Verstaendnis-Probleme\" >Verst\u00e4ndnis-Probleme<\/a><ul class='ez-toc-list-level-3' ><li class='ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-5\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/verstaendlichkeit-von-informations-grafiken\/#Blinde_und_hochgradig_Sehbehinderte\" >Blinde und hochgradig Sehbehinderte<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-6\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/verstaendlichkeit-von-informations-grafiken\/#Sehbehinderte\" >Sehbehinderte<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-7\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/verstaendlichkeit-von-informations-grafiken\/#Kognitive_Behinderung\" >Kognitive Behinderung<\/a><\/li><\/ul><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-8\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/verstaendlichkeit-von-informations-grafiken\/#Verstaendlichkeit_pruefen\" >Verst\u00e4ndlichkeit pr\u00fcfen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-9\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/verstaendlichkeit-von-informations-grafiken\/#Zum_Weiterlesen\" >Zum Weiterlesen<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Piktogramme_und_Symbole\"><\/span>Piktogramme und Symbole<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Piktogramme sind am einfachsten zu verstehen. Sie spielen in Form von Stra\u00dfenschildern, Hinweisen auf Verpackungen oder als Teil von Orientierungssystemen eine gro\u00dfe Rolle. Sie sollen idealerweise interkulturell verst\u00e4ndlich sein. Ihre Bedeutungen werden tats\u00e4chlich im Wesentlichen intuitiv ohne weitere Anleitung erlernt,<br \/>\nDie meisten Piktogramme sind stilisierte Abbilder realer Objekte, so wird aus ein paar Strichen und B\u00f6gen ein Rollstuhl zur Kennzeichnung von Behindertenparkpl\u00e4tzen, Messer und Gabel stehen f\u00fcr den Essensbereich und beim durchgestrichenen Hund m\u00fcssen die geliebten Vierbeiner drau\u00dfenbleiben. Niemand wei\u00df, welche Hunderasse da abgebildet sein soll.<br \/>\nAndere Symbole vor allem zur Softwarebedienung werden aus einfachen geometrischen Grundformen und weiteren Objekten zusammen gesetzt. \u00c4hnlich wie die Schilder im Stra\u00dfenverkehr m\u00fcssen sie tats\u00e4chlich bewusst erlernt werden. Sie sollen die Programmbedienung intuitiver gestalten als die klassischen Men\u00fcs. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Komplexe_Grafiken\"><\/span>Komplexe Grafiken<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Anders sieht es bei komplexen Grafiken aus. Das f\u00e4ngt an mit einfachen Kreisdiagrammen und geht hin zur komplexen interaktiven Infografik oder zum UML-Prozessdiagramm. Sie bestehen aus zahlreichen Formen, Linien, Pfeilen und anderen Objekten, die einzeln erfasst werden m\u00fcssen, die aber erst in ihrem Zusammenspiel verst\u00e4ndlich werden. Hier wird das Konzept der Visual Literacy auch sehr deutlich: ein Experte sagen wir f\u00fcr Logistik-Systeme kann relativ schnell die wesentlichen Fakten einer Logistik-Kette erfassen. Der Laie sieht nur einen Wust aus Formen und Linien.<br \/>\nDamit haben wir auch die wesentlichen Kriterien der visual Literacy erfasst: <\/p>\n<ol>\n<li>Der Nutzer muss verstehen, was abgebildet ist, dass ist das inhaltliche Verstehen. <\/li>\n<li>Dann muss er verstehen, warum es abgebildet wird, das ist das indikatorische Verstehen. <\/li>\n<\/ol>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Text-Grafik-Kombinationen\"><\/span>Text-Grafik-Kombinationen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>F\u00fcr komplexere Aufgaben ist eine Text-Grafik-Komposition am sinnvollsten. Es gibt grunds\u00e4tzlich zwei M\u00f6glichkeiten, Text-Grafik-Informationen zu kombinieren:<\/p>\n<ol>\n<li>Redundanz<\/li>\n<li>\tKomplementarit\u00e4t<\/li>\n<\/ol>\n<p>Bei Redundanz haben Text und Grafik genau die gleiche Aussage. Wenn wir das klassische Stopschild als Text-Symbol-Komposition interpretieren, haben Farbe und Form des Schildes sowie der Text exakt die gleiche Aussage. Sehr kurze und h\u00e4ufig vorkommende Texte wie &#8222;WC&#8220; oder &#8222;OK&#8220; k\u00f6nnen wir \u00e4hnlich schnell erfassen wie ein entsprechend bekanntes Symbol.<br \/>\nKomplementarit\u00e4t hingegen bedeutet, dass Text und Grafik sich gegenseitig in Ihrer Aussage erg\u00e4nzen, also jeweils unterschiedliche Aussagen haben, die zusammen ein geschlossenes Ganzes ergeben. Das klassische Beispiel daf\u00fcr ist nat\u00fcrlich der Comic.<br \/>\nIn der Praxis ist das nicht so trennscharf, ein Zustand l\u00e4sst sich leichter grafisch abbilden als ein Prozess. Ihr kennt sicher auch diese sch\u00f6nen Anleitungen zum Zusammenbau von M\u00f6beln oder anderen komplexen Gegenst\u00e4nden. Diese Anleitungen sind meistens ein Zusammenspiel aus Abbildung und textlicher Anleitung, wenn eines von beidem fehlt, wird es zwar schwieriger, generell k\u00f6nnte man das aber auch nur mit grafischer Anleitung oder auch nur mit textlicher Beschreibung hinbekommen. Ist das Redundanz oder Komplementarit\u00e4t? Eine rein akademische Frage, die uns hier nicht weiter interessieren muss. Eine prozessuale Darstellung w\u00fcrde oft viele Einzelbilder erfordern, das w\u00e4re dann so \u00e4hnlich wie ein Daumenkino. Das scheint wenig praktikabel zu sein, ich kann mir eher vorstellen, dass k\u00fcnftige Anleitungen eher als Video angeboten werden, dabei bleiben aber blinde und sehbehinderte Nutzer oft auf der Strecke.<br \/>\nEin Sonderfall sind Texte in Leichter Sprache. Ich habe \u00fcberrascht festgestellt, dass in den <span class=\"removed_link\" title=\"https:\/\/www.leichtesprache.org\/\">Richtlinien zur Leichten Sprache<\/span> Wert darauf gelegt wird, dass die Texte auch mit Grafiken erg\u00e4nzt werden. In diesem Fall haben wir im Idealfall Redundanz: wer den Text nicht ganz versteht begreift ihn eventuell mit Hilfe der Grafik und umgekehrt.<br \/>\nIdeal ist daher eine Text-Bild-Kombination etwa bei der Bedienung von Programmen, Automaten oder anderer programmierter Oberfl\u00e4chen. Damit ist das Multikanal-Prinzip erf\u00fcllt und die Wahrscheinlichkeit am h\u00f6chsten, dass entweder Bild, Text oder beides zusammen dazu f\u00fchren, dass die Funktion verstanden wird. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Verstaendnis-Probleme\"><\/span>Verst\u00e4ndnis-Probleme<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Eine klassische Regel der Barrierefreiheit ist nat\u00fcrlich, dass keine Information ausschlie\u00dflich \u00fcber Farbe oder Farb\u00e4nderung vermittelt werden darf. Ein hoher Kontrast sollte selbstverst\u00e4ndlich sein, schlie\u00dflich wissen wir heute weniger denn je, ob ein Nutzer mit seinem 3,5-Zoll-Smartphone oder mit dem 42-Zoll-Superflachbild-Fernseher auf unsere Seite kommt. Das gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr nicht-digitale Grafiken. Ein Symbol muss auf den ersten Blick, bei gro\u00dfer Entfernung und unklaren Lichtverh\u00e4ltnissen erkennbar sein. Das ist aber eher ein Kriterium der Erkennbarkeit und hat nur mittelbar mit Verst\u00e4ndlichkeit zu tun.<br \/>\nInteraktive Grafiken erfreuen sich gro\u00dfer Beliebtheit, neben Katzenvideos werden sie besonders gerne auf Twitter oder Facebook geteilt. Die eigentlich interessante Frage ist, ob sie verstanden werden. Vieles deutet darauf hin, dass Informationsgrafiken insbesondere f\u00fcr Informationsprofis interessant sind. Leute, die sich ohnehin f\u00fcr Social Media interessieren finden solche Infografiken \u00fcber Social Media verst\u00e4ndlicher als die Nicht-Profis. Vielleicht werden die Grafiken nur geteilt, weil man sie \u00e4sthetisch ansprechend oder wichtig findet. Die Programme verleiten oftmals dazu, den Schwerpunkt auf \u00c4sthetik statt auf Verst\u00e4ndlichkeit zu legen, deshalb werden oft zu viele Farben oder \u00fcberfl\u00fcssige 3D-Effekte eingesetzt.<br \/>\nBei Info-Grafiken spielt es meist keine gro\u00dfe Rolle, ob sie verstanden werden oder nicht. Anders sieht das bei der Orientierung in Geb\u00e4uden aus. Besonders wichtig ist dabei der konkrete Kontext. Ein gr\u00f6\u00dferer Bahnhof besteht aus Gleisen und Bahnhofsgeb\u00e4ude, eventuell gibt es noch Toiletten, Schlie\u00dff\u00e4cher und Aufz\u00fcge. Die Zahl der Symbole ist also relativ begrenzt, es gibt keine Symbole f\u00fcr Eincheck-Schalter oder f\u00fcr Sicherheitsschleuesen. Dadurch erh\u00f6ht sich die M\u00f6glichkeit, dass ein Symbol erkannt oder zumindest erraten werden kann. Mir ist es \u00f6fter passiert, dass ich Arbeitskollegen auf der Stra\u00dfe nicht an der Stimme erkannt habe &#8211; ich vermute zumindest, dass es Kollegen waren &#8211; am Arbeitsplatz w\u00e4re mir das nicht passiert.<br \/>\nWir sto\u00dfen bei der Verst\u00e4ndlichkeit von Grafiken auf unterschiedliche Probleme, die wir jeweils nach Nutzergruppen einteilen k\u00f6nnen. <\/p>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Blinde_und_hochgradig_Sehbehinderte\"><\/span>Blinde und hochgradig Sehbehinderte<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<p>Menschen, die von Geburt an schlecht oder gar nicht sehen beherrschen die Visual Literacy schlichtweg nicht. Ich habe schon <a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/hilfstechnik-und-mensch-maschine-interaktion\/usability-2\/usability-fuer-blinde\/\">an anderer Stelle ausgef\u00fchrt<\/a>, zu welchen Schwierigkeiten das f\u00fchren kann.<br \/>\nDeswegen brauchen Blinde keine Beschreibung von Piktogrammen, es spielt f\u00fcr sie einfach keine Rolle, ob das Symbol ein Drucker oder ein Briefsymbol ist. Auch bei einer komplexen Grafik halte ich eine Beschreibung nicht f\u00fcr sinnvoll. Als Blinder br\u00e4uchte man schon viel Phantasie, um sich die Darstellung visueller Elemente anhand einer textlichen Beschreibung vorstellen zu k\u00f6nnen. Eine gro\u00dffl\u00e4chige <a href=\"https:\/\/www.tactileview.com\/\">taktile Grafik<\/a> ist zwar einfacher zu erschlie\u00dfen als eine textliche Beschreibung, aber auch hier haben wir das Problem, dass der Blinde das Diagramm nur St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck und nie als Ganzes erfassen kann. Hilfreicher ist hier eine barrierefreie Tabelle.<br \/>\nIch halte es f\u00fcr sinnvoller, einen Text zur Grafik zu schreiben, in dem erl\u00e4utert wird, worum es in der Grafik geht und welche Zusammenh\u00e4nge zwischen den Elementen besteht. Diese Beschreibung muss nicht ersch\u00f6pfend sein, sondern sie muss dem Blinden die M\u00f6glichkeit geben, den Sachverhalt zu einem gewissen Ma\u00dfe zu erfassen und ihn in die Lage versetzen, gegebenenfalls weitere Informationen selbst zu recherchieren. Eine Beschreibung des graphischen Aufbaus w\u00fcrde ihm normalerweise nicht helfen. Ein hervoragendes Beispiel f\u00fcr gute Grafikbeschreibungen liefert der <span class=\"removed_link\" title=\"http:\/\/de.statista.com\/\">Statistikdienst Statista<\/span>.<br \/>\nWeil blind geborene Menschen die visuelle Symbolik nicht erlernt haben erscheint es mir auch nicht sinnvoll, diese Symbole in haptischer Form anzubieten. Blinde lernen zwar, wie gedruckte Buchstaben aussehen, das sind schlie\u00dflich auch nur abstrakte Symbole, und sie wissen vielleicht, welche Form ein Auto hat, dennoch ist es unwahrscheinlich, dass sie ein stilisiertes Auto haptisch erkennen k\u00f6nnen. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil \u00fcberzeugen. Daher d\u00fcrften einfache Symbole wie Pfeile, geometrische Grundformen oder Text in Braille f\u00fcr Blinde sinnvoller sein als erf\u00fchlbare Piktogramme. Die Sache w\u00fcrde anders aussehen, wenn Blinde st\u00e4ndig mit haptischen Grafiken zu tun h\u00e4tten.<\/p>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Sehbehinderte\"><\/span>Sehbehinderte<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<p>Bei Menschen, die noch gut mit ihrem Sehrest arbeiten k\u00f6nnen sieht die Sache ein wenig anders aus. Sie werden einen Gro\u00dfteil der visuellen Codes erlernt haben und wenn sie diese Codes einmal erlernt haben reicht oft auch ein unscharfer Blick, um die Funktion einer Grafik erraten zu k\u00f6nnen. F\u00fcr diese Gruppe sind einfache Grundformen am sinnvollsten, je komplexer die Grafik bzw. die Zahl ihrer Unterelemente ist, desto schwieriger ist das Erkennen.<br \/>\nF\u00fcr Menschen mit Ausf\u00e4llen im Gesichtsfeld ist es schwierig, gro\u00dffl\u00e4chige Grafiken als Ganzes zu erfassen. Ein gutes Beispiel daf\u00fcr sind Landkarten, die fast per Definition komplex sind. Sie sind zusammengesetzt aus mehreren Teilgrafiken wie den eingezeichneten Stra\u00dfen und Wegen, diversen Detailinformationen wie Haltestellen, Gesch\u00e4ften oder Bodensch\u00e4tzen.<br \/>\nF\u00fcr Sehbehinderte ist es daher hilfreich, wenn eine Grafik auch schrittweise erschlossen werden kann. Am besten wird eine Leserichtung vorgeschlagen, die \u00e4hnlich wie bei Text links oben beginnt.<br \/>\nBei Karten ist es hilfreich, einige gro\u00dfe Orientierungspunkte und Leitlinien zu haben. Bei einer Karte von NRW k\u00f6nnten etwa die gro\u00dfen St\u00e4dte sowie die Autobahnen diese Funktion erf\u00fcllen. Bei einer digitalen Karte w\u00e4re es ideal, wenn Detailinformationen zu- und abgeschaltet werden k\u00f6nnten, so dass die Karte nicht mit im konkreten Kontext irrelevanten Informationen \u00fcberfrachtet ist. Ein Beispiel daf\u00fcr ist <span class=\"removed_link\" title=\"http:\/\/www.aktion-mensch.de\/karte\/index.php\">die Karte der Aktion Mensch<\/span>. <\/p>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Kognitive_Behinderung\"><\/span>Kognitive Behinderung<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<p>Bei einer kognitiven Behinderung haben Menschen Probleme dabei, Inhalte zu verstehen oder zu behalten. F\u00fcr diese Gruppe sind Grafiken am n\u00fctzlichsten, weil es f\u00fcr sie leichter ist, visuell zu arbeiten.<br \/>\nEine Studie des BKB zeigt, dass geistig Behinderte einfache Piktogramme mit stilisierten Objekten gut erkennen konnten. Schwieriger war es f\u00fcr sie, die Kombination mehrerer Objekte zu erkennen, zum Beispiel das Symbol f\u00fcr Rolltreppe, eine Person auf einer Treppe.<br \/>\nVon vielen Menschen wurde hingegen das Mann-Frau-Symbol nicht als Toilette erkannt. In der Tat weist ja auch nichts darauf hin, dass dieses Symbol f\u00fcr Toilette stehen soll, es geh\u00f6rt zu den erlernten Symbolen<br \/>\nWie oben erw\u00e4hnt sollen bei Texten f\u00fcr geistig Behinderte erg\u00e4nzend Grafiken angeboten werden, die das Verst\u00e4ndnis des Textes erleichtern oder sogar die Information doppelt kodieren, einmal als Text und einmal als Grafik. Das d\u00fcrfte in der Praxis nicht immer m\u00f6glich sein. Grafiken lassen sich eher dort einsetzen, wo es starke Konventionen wie in der Prozessmodellierung gibt. Das wiederum w\u00fcrde ein Wissen voraussetzen, dass bei den meisten Menschen nicht vorhanden sein d\u00fcrfte. Eine interessante Frage, die meines Wissens nach bisher nicht untersucht wurde ist, ob geistig Behinderte von einfachen interaktiven Grafiken profitieren w\u00fcrden. Denkbar w\u00e4re zum Beispiel eine Grafik, die zu Beginn sehr einfach ist und St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck aufgebaut wird \u00e4hnlich wie viele Profis ihre Ideen stufenweise am Flipchart aufmalen. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Verstaendlichkeit_pruefen\"><\/span>Verst\u00e4ndlichkeit pr\u00fcfen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Man kann es als Vor- oder Nachteil sehen, aber visuelle Verst\u00e4ndlichkeit l\u00e4sst sich ebenso wie Textverst\u00e4ndlichkeit nicht automatisch pr\u00fcfen. Wir k\u00f6nnen sehr leicht pr\u00fcfen, ob eine Grafik bei Graustufen-Darstellung noch gut zu erkennen ist, aber das war es auch schon mit den hilfreichen Tools. Am Ende \u2013 da d\u00fcrfen sich die Grafiker freuen \u2013 braucht man Expertenwissen oder Praxistests, um die Verst\u00e4ndlichkeit einer Grafik zu beurteilen.<br \/>\nBei komplexen Grafiken, die ein allgemeines Publikum erreichen sollen erscheint es am sinnvollsten, meherere Ebenen anzubieten. Wer nicht zu tief in ein Thema eintauchen m\u00f6chte sollte relativ schnell erkennen k\u00f6nnen, worum es in der Grafik geht und was ihre Kernaussage ist. Wer hingegen tiefer eintauchen m\u00f6chte findet auf einer tieferen Ebene die f\u00fcr ihn interessanten Informationen.<br \/>\nObwohl ich selbst weder mit Grafiken noch mit Bildern etwas anfangen kann glaube ich, dass wir erst am Anfang stehen. Viele Redakteure untersch\u00e4tzen das Medium Grafik, b\u00f6se Zungen behaupten, wir w\u00fcrden unsere Texte nicht illustrieren, sondern dekorieren und das d\u00fcrfte in den meisten F\u00e4llen auch zutreffen. Die neuen Standards HTML5, CSS3 und vor allem Canvas werden viele neue M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen, die wir als Informationsvermittler richtig zu nutzen lernen m\u00fcssen.<br \/>\nUm die Analogie der Visual Literacy aufzugreifen, wir k\u00f6nnen zwar in Grafiken lesen, aber wir k\u00f6nnen nicht in Grafiken schreiben. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Zum_Weiterlesen\"><\/span>Zum Weiterlesen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/bilder-fuer-blinde-beschreiben\/\">Bilder f\u00fcr Blinde beschreiben<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/visuelle-text-gestaltung\/\">Barrierefreie Gestaltung von Grafik und Print<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/netz-barrierefrei.de\/en\/literacy.html\">Accessibility and visual literacy<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einiger Zeit hatte ich eine kleine Artikelserie zum barrierefreien Einsatz von Bildern geschrieben, dort ging es vor allem um technische Fragen. IN diesem Beitrag&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/verstaendlichkeit-von-informations-grafiken\/\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Verst\u00e4ndlichkeit von Informations-Grafiken<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-592","page","type-page","status-publish","hentry","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/592","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=592"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/592\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9394,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/592\/revisions\/9394"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=592"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}