{"id":7551,"date":"2023-04-17T16:36:13","date_gmt":"2023-04-17T14:36:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?page_id=7551"},"modified":"2023-10-01T17:24:57","modified_gmt":"2023-10-01T15:24:57","slug":"blind-im-supermarkt-ein-interview-mit-meike-seidel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/blind-im-supermarkt-ein-interview-mit-meike-seidel\/","title":{"rendered":"Blind im Supermarkt &#8211; ein Interview mit Meike Seidel"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/56-meike\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><br \/>\nDies ist das Transkript des oben eingebetteten Podcasts. Ich habe den Text ein wenig gegl\u00e4ttet, aber den m\u00fcndlichen Charakter weitm\u00f6glich beibehalten. Eventuelle Ungenauigkeiten und alle Tippfehler gehen auf mein Konto.<br \/>\nIch spreche mit Meike Seidel \u00fcber ihren Werdegang, ihren Weg zur Gr\u00fcnderin eines Unternehmens, das Blinden den Einkauf im Supermarkt erleichtern will und \u00fcber das Forschungs-Projekt, welches sie aktuell leitet. <\/p>\n<p>Domingos: herzlich willkommen zu einem neuen Podcast zur digitalen Barrierefreiheit. Heute habe ich eine G\u00e4stin: Meike Seidel, die \u00fcber das Thema Einkaufen f\u00fcr blinde Menschen sprechen wird. Sie hat eine App daf\u00fcr entwickelt. Stell Dich den Zuh\u00f6renden doch erst einmal vor. <\/p>\n<p>Meike: hi erstmal da drau\u00dfen. Ich bin Meike. Ich bin urspr\u00fcnglich mal eine Innenarchitektur Absolventin gewesen und bin heute Gr\u00fcnderin eines IT-Unternehmens. Mit diesem IT-Unternehmen, das Sonic view hei\u00dft leite ich auch ein Forschungsprojekt seit August letzten Jahres, das vom BMW gef\u00f6rdert wird. Und alles zusammen richtet sich nach dem Ziel, den Lebensmittel Einkauf f\u00fcr sehbehinderte und blinde Menschen barrierefrei zu gestalten.<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_88 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/blind-im-supermarkt-ein-interview-mit-meike-seidel\/#Meikes_Werdegang\" >Meikes Werdegang<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/blind-im-supermarkt-ein-interview-mit-meike-seidel\/#Von_der_Idee_zur_App\" >Von der Idee zur App<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/blind-im-supermarkt-ein-interview-mit-meike-seidel\/#Forschungs-Projekt_Argus\" >Forschungs-Projekt Argus<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/blind-im-supermarkt-ein-interview-mit-meike-seidel\/#Herausforderung_Barrierefreiheit\" >Herausforderung Barrierefreiheit<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-5\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/blind-im-supermarkt-ein-interview-mit-meike-seidel\/#Meikes_Tipps_fuer_Nachahmer_Innen\" >Meikes Tipps f\u00fcr Nachahmer:Innen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-6\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/blind-im-supermarkt-ein-interview-mit-meike-seidel\/#Zum_Weiterlesen\" >Zum Weiterlesen<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Meikes_Werdegang\"><\/span>Meikes Werdegang<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: du hast aber urspr\u00fcnglich ja was anderes studiert. Vielleicht kannst du auch noch dazu etwas sagen. <\/p>\n<p>Meike: Tats\u00e4chlich habe ich mal Innenarchitektur studiert und habe das auch fertig studiert, weil ich der \u00dcberzeugung war, ich werde mal eine ganz tolle Innenarchitektin  werden und meine Abschlussarbeit war es dann letztlich, die mir zum ersten Mal Zugang zu mehreren behinderten Menschen gew\u00e4hrt hat. Da habe ich mich mit verschiedenen Zielgruppen besch\u00e4ftigt und bin zum allerersten Mal in meinem Leben tats\u00e4chlich mit blinden Menschen in Ber\u00fchrung gekommen und habe ihn dann festgestellt, dass der Lebensmittel Einkauf in Superm\u00e4rkten und Discountern und so weiter \u00fcberhaupt nicht barrierefrei ist und bin da sehr stutzig geworden und tats\u00e4chlich hat mich dieser Gedanke nicht mehr losgelassen und ich habe dann mein Masterstudium schon zu dem Thema gemacht und habe w\u00e4hrend des Masterstudiums eben die Vision von Sonic view entwickelt und war bis zu meiner Abschlusspr\u00e4sentation der festen \u00dcberzeugung dass es eine rein theoretische Arbeit ist die ich jetzt sch\u00f6n aufgeschrieben habe und ab jetzt werde ich als Innenarchitektin arbeiten. Aber es ist alles anders gekommen. Jetzt sind viele Jahre ins Land gegangen und ich habe nie im Bereich Innenarchitektur gearbeitet, sondern habe eben immer die Vision hinter SonicView vorangetrieben. Am Anfang noch nach Feierabend und an den Wochenenden und inzwischen mache ich das hauptberuflich. Ja so war der Sprung von der Innenarchitektur zum IT-Unternehmen. <\/p>\n<p>Domingos: ja, superspannend. Also Dein Zugang zu dem Thema  ist ja \u00fcber eine blinde Dame zustande gekommen die dir berichtet hat welche Probleme oder welche Herausforderungen sie beim Einkaufen im Supermarkt hatte.<\/p>\n<p>Meike: ja, das stimmt. Diese blinde Dame durfte ich zu Hause besuchen. Sie hatte ein wundersch\u00f6nes Haus, f\u00fcr das ich mich anfangs sehr interessiert habe, denn es ging mir ja urspr\u00fcnglich um die Innenarchitektur und auch um die Architektur des Hauses. Wir haben bei ihr in der K\u00fcche gesessen und sie hat uns Tee gekocht und hat ganz viel erz\u00e4hlt und hat mich sehr beeindruckt, weil wie gesagt mein erster Kontakt zu einem blinden Menschen war, der so intensiv war.<br \/>\nSie hat mir erz\u00e4hlt, dass sie dieses Haus, in dem wir gerade sa\u00dfen, selber geplant hat, zusammen mit einem Architekten, das genau auf Ihre Bed\u00fcrfnisse zugeschnitten ist. Sie unterrichtete an einer Blindenschule und hat auch ein Pferd, dass sie auch im Gel\u00e4nde reitet. Das hat mich am meisten beeindruckt, weil ich selbst Reiterin bin und wei\u00df, was das bedeutet und mir nicht vorstellen kann, auch nur mit verbundenen Augen zu reiten, aber sie hat das v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich erz\u00e4hlt. Also eine sehr taffe Frau, vor der ich wirklich den Hut gezogen habe. Sie hat mir vollkommen beil\u00e4ufig erz\u00e4hlt, dass sie eben niemals einen Supermarkt betreten w\u00fcrde, weil das f\u00fcr sie ganz schlimm sei, ein ganz schlimmer Ort des Grauens.<br \/>\nIch habe sie dann mit Engelszungen belabert und durfte sie dann tats\u00e4chlich ein paar Tage sp\u00e4ter mal begleiten &#8211; oder sie mich &#8211; in einen Supermarkt. Und wir haben diese Erfahrung eines kleinen Einkaufs zusammen gemacht und da ist mir das dann richtig bewusst geworden, dass dieser Ort eben wirklich \u00fcberhaupt nicht f\u00fcr blinde Menschen gemacht ist, dass man dort v\u00f6llig verloren ist und man nimmt diese Umgebung dann ja auch anders war, wenn man mal so empathisch da reingeht und dann einfach mitbekommt, wie die Ger\u00e4uschkulisse auf einen einwirkt und wie die Orientierungslosigkeit da ist, wenn der visuelle Sinn fehlt. Und auch als wir dann vor Regalen standen und sie meinte, ich rieche, das ist hier irgendwie Waschmittel und Putzmittel und so weiter, aber diese ganzen tausend Verpackungen &#8211;  es gibt ja von jedem, vom Waschmittel f\u00fcr die Waschmaschine und von Sp\u00fclmaschinen Tabs und von Bad Putzmittel und was auch immer,  gibt es ja auch immer noch tausend verschiedene Sorten &#8211; und die kann man haptisch \u00fcberhaupt nicht voneinander unterscheiden.<br \/>\nDas war ein sehr einschneidendes Erlebnis f\u00fcr mich und mir ist da sehr viel klar geworden ja Dann habe ich mich auf den Weg gemacht, dass wir das mal in den Griff kriegen, weil mir halt klar war dass wir eigentlich ja alle Technologien haben um dieses Problem zumindest einzud\u00e4mmen. Aber nicht klar dass wir die so wenig aussch\u00f6pfen diese technologischen M\u00f6glichkeiten um mal wirklich sinnvolle Ziele zu erreichen so das mache ich jetzt.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Von_der_Idee_zur_App\"><\/span>Von der Idee zur App<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: So ist es. Dann k\u00f6nnen wir mal auf Deine L\u00f6sung eingehen, die Apps stehen ja bereits in den Appstores. <\/p>\n<p>Meike: Das kann ich sehr gerne machen. Ich w\u00fcrde gerne vorne anfangen, denn diese App ist ja nicht einfach irgendeine App, sondern der liegt eine ganz bestimmte Vision zugrunde und die war vor einigen Jahren noch total utopisch und heute ist sie das gar nicht mehr. Und das ist eigentlich eine sch\u00f6ne Geschichte.<br \/>\nIch hatte ja wie gesagt Innenarchitektur studiert und hatte von IT \u00fcberhaupt keine Ahnung. Und jetzt hat sich mein Dicksch\u00e4del in den Kopf gesetzt, dieses Problem zu behandeln. Und das erste, was mir in diesem ganzen Zusammenhang in den Sinn kam war eben, dass es f\u00fcr eine vollblinde Person super \u00e4tzend ist, den Strichcode auf einer Verpackung zu suchen um eine Verpackung zu scannen. Da bin ich dann irgendwann \u00fcber drei Ecken auf die Idee gekommen, dass man ja Verpackungen vollfl\u00e4chig unsichtbar kodieren k\u00f6nnte, also das Bild und Text f\u00fcr sehende Menschen nicht gest\u00f6rt werden, aber dass die ganze Verpackung scannbar ist und man muss nicht mehr diesen Strichcode suchen.<br \/>\nDiese Idee habe ich eben weiter verfolgt und die war immer der Grundstein von der Sonic view App. Ich habe tats\u00e4chlich auch mal die Best\u00e4tigung bekommen, dass diese Idee gut ankommt indem ich auf halber Strecke im Studium so einen Newcomer Innovationspreis gewonnen habe. Und danach sind sehr viele Menschen, Verb\u00e4nde und Presse und so weiter auf mich zugekommen und haben gesagt \u201eboah, das ist ja voll geil, gibt&#8217;s das nicht, das m\u00fcssen wir mal machen\u201c, die Idee hat wirklich Anklang gefunden.<br \/>\nDas hat mich damals sehr begeistert und ich habe immer weiter gedacht in diese Richtung und habe dann irgendwann erfahren, dass es das auch tats\u00e4chlich schon gab, auch damals schon obwohl das jetzt ein paar Jahre her ist, nur eben noch nicht in Deutschland. Es gab das in den USA ein Unternehmen, das ebenso ein digitales Wasserzeichen erstellt und damit kann man Bilder bedrucken unter anderem eben die Bilder auf Verpackungen und das funktioniert im Prinzip wie so eine Bildst\u00f6rung. Also wir k\u00f6nnen das mit dem menschlichen Auge wirklich kaum wahrnehmen. Wenn man jetzt eine wirklich schneewei\u00dfe verpackungsfl\u00e4che, die entsprechend kodiert ist, neben ein schneewei\u00dfes Blatt Papier h\u00e4lt, dann sieht man das Rauschen im Vergleich, also mit Adleraugen, ansonsten gibt es da keine Beeintr\u00e4chtigung und. So habe ich eben eine App konzipiert, die nicht nur den Strichcode lesen kann, sondern auch den DW-code. Und urspr\u00fcnglich ging es darum: Man scannt mit der App einfach das Produkt, eben den Strichcode oder diesen anderen Code, der hei\u00dft DW Code digital watermark oder digitales Wasserzeichen. Und dann bekommt man die Produktinformationen, die aufgedruckt sind, eben vorgelesen. Das war die urspr\u00fcngliche Idee, das macht die App. auch<br \/>\nAber \u00fcber die Jahre ist aus dem Konzept und jetzt letztlich auch aus der Umsetzung eine App geworden, die viel mehr eine barrierefreie inklusive einkaufs-app ist. Das hei\u00dft sie funktioniert sehende Menschen genauso wie f\u00fcr blinde Menschen und f\u00fcr verschiedenste Sehbehinderungen funktioniert sie auch und sie ist l\u00e4ngst nicht mehr nur geeignet f\u00fcr Menschen mit einer Sehbehinderung das hei\u00dft es ist nicht die einzige Aufgabe der sowie App Verpackungs-Informationen vorzulesen sondern sie kann noch ein bisschen mehr<br \/>\ndas erz\u00e4hle ich jetzt mal relativ z\u00fcgig, weil es auch sch\u00f6n einfach ist: man gibt in f\u00fcnf einzelnen Schritten sein Ern\u00e4hrungs-Profil ein, also man sagt wie man sich ern\u00e4hrt, ob man Allergien hat, ob man bestimmte Inhaltsstoffe einfach nicht in seinem Essen haben m\u00f6chte. Oft sind es Zuckerersatzstoffe oder irgendwelche Gew\u00fcrze oder so, die man einfach nicht mag. Bio und Fairtrade Siegel sind f\u00fcr einige Menschen ja auch wichtig. Dann nat\u00fcrlich vegane oder vegetarische Ern\u00e4hrung. Und letztlich kann man auch an so Reglern schieben und kann eben selbst bestimmen, wie viele Proteine, fette, Kohlenhydrate, Zucker und so weiter man in seinem Essen erlaubt. Also das, was wir kennen von der Brennwert-Tabelle, wo immer so zahlen dahinter stehen, das kann man eben selber bestimmen Und anschlie\u00dfend, wenn man sein Profil angelegt hat, dann kann man eben ein Produkt scannen und bekommt eben ein Ergebnis. Und dieses Ergebnis ist entweder ganz klar rot mit einem gro\u00dfen x drin, wo man eben als Sehbehinderte Person sowohl an dem Icon als auch an der Farbe erkennen kann okay, das sollte ich lieber nicht essen oder es ist eben ganz klar gr\u00fcn mit einem gro\u00dfen Haken drin und dann sieht man eben Ja, das passt zu mir das kann ich essen<br \/>\nund diese App ist halt auch von Grund auf barrierefrei. das war ein zweiter Vorsatz den ich von Anfang an umgesetzt habe, das diese App eben sowohl f\u00fcr Android als auch f\u00fcr iOS \u00fcber die Screenreader funktioniert, dass man sie also mit Talkback und VoiceOver bedienen kann. Und ja, das sind so die Grundz\u00fcge. Letzter Punkt noch zu der App ist dieses ern\u00e4hrungs-Profil: Also man kann mehrere ern\u00e4hrungsprofile anlegen und man kann die auch untereinander teilen. Das hei\u00dft, man kann die von seinen Kindern mit anlegen, wenn die noch kein eigenes Handy haben zum Beispiel oder von seinen wg-Partnerinnen oder von Oma und Opa. Oder man kann eben auch sich Profile untereinander teilen und kann die als Gast Profile in seinem Handy speichern, so dass wenn Oma und Opa zu Besuch kommen und sie haben mir ihr Profil geschickt, dann kann ich genauso Einkaufen, dass ich eben nur Artikel da habe die auch zu ihnen passen. Und daraus kann ich auch Gruppen erstellen und kann eben f\u00fcr meine n\u00e4chste Geburtstagsfeier alle meine G\u00e4ste gustatorisch ber\u00fccksichtigen oder wei\u00df ich nicht, eine Abschiedsfeier oder irgendein Event Klassentreffen, wo auch immer so viele Leute zusammenkommen, weil jeder hat ja andere ern\u00e4hrungsvorgaben. Es gibt ja kaum Menschen, die einfach alles essen, ohne darauf zu achten, was es ist, sondern jeder hat so seine Vorgaben und mit der sowie App kommen wir alle an einen gro\u00dfen Tisch und k\u00f6nnen uns trotzdem alle individuell ern\u00e4hren und das finde ich praktisch. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Forschungs-Projekt_Argus\"><\/span>Forschungs-Projekt Argus<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Auf jeden Fall, das treibt wohl viele Gastgeber:Innen um.<br \/>\nDu hast ja letztes Jahr glaube ich dieses Forschungsprojekt mit\u00fcbernommen, das vom Bundesforschungsministerium gef\u00f6rdert wird. Vielleicht kannst Du auch dazu noch ein bisschen was erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Meike: ja, kann ich sehr gerne machen. Das ist das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung genau und das ist eigentlich eine sehr lustige Geschichte: Ich habe n\u00e4mlich mal ein F\u00f6rderstipendium beantragt, als ich noch ganz am Anfang stand und das wurde abgelehnt. Da hie\u00df es, es ist vollkommen utopisch fl\u00e4chendeckende Codierung auf Verpackungen zu bringen und ich h\u00e4tte ja sowieso als Innenarchitektur Absolventin keine Ahnung von der Materie. Das sind meine eigenen Worte, aber das war so das was zwischen den Zeilen stand in dieser Bewertung. Und da stand aber ein ganz wertvoller Hinweis drin und zwar das wenn ich mich wirklich mit dieser Thematik besch\u00e4ftigen m\u00f6chte, dass ich an GS1 nicht vorbeikomme. Und ich hatte zu dem Zeitpunkt noch \u00fcberhaupt keine Ahnung, wer oder was GS1 ist und habe mich dann schlau gemacht und habe GS1 auch kontaktiert. Das ist die weltweit agierende barcode-agentur. Ich halte das f\u00fcr eine Untertreibung, weil es ist einfach ein Riesenkonzern, der auf allen Kontinenten der Erde sitzt, Ich wei\u00df nicht, ob sie in der Antarktis sitzen, aber sie sitzen auf jeden Fall in den USA, in Asien, in Europa und hier in Deutschland sitzen sie in K\u00f6ln. Egal, was man mit dem Barcode macht, wenn man irgendwas mit dem Barcode macht, kommt man an GS1 nicht vorbei. Und das war tats\u00e4chlich auch einer der Hinweise aus dieser Bewertung damals. Dann habe ich den Kontakt zu denen aufgebaut und bin dort auch sehr nette, sehr versierte Menschen getroffen und habe diesen Kontakt in beiderseitigen Interesse \u00fcber Jahre auch aufrecht gehalten und gepflegt. Sie haben mir dann auch Hinweise gegeben, dass es eben diesen DW-code gibt und wir haben immer mal wieder telefoniert und ja das war sehr sch\u00f6n<br \/>\nIrgendwann nach sechs oder sieben Jahren bin ich von GS1 mit mehreren anderen Leuten an einen virtuellen Tisch gesetzt worden, das war Anfang 2021, als es hie\u00df hier wir haben hier so eine Bekanntmachung gefunden. Bekanntmachung ist so eine Art Ausschreibung von einem Ministerium, wo es hei\u00dft, man kann sich darauf bewerben, wenn man ein Forschungsthema hat und kann eben Gelder beantragen. Und wenn man Gl\u00fcck hat, dann kriegt man die F\u00f6rderung. Und in so einer Bekanntmachung gibt es dann immer bestimmte Vorgaben, wo es hei\u00dft, wir k\u00fcmmern uns jetzt um digitale Barrierefreiheit oder um die Teilhabe im gesellschaftlichen Leben mit Hilfe von digitalen Produkten oder so. Und dann steht da ganz genau drin, welche Auflagen man erf\u00fcllen muss und so weiter. Die GS1 hat eben gesagt: Meike, du hast so einen Dickkopf jetzt \u00fcber Jahre mit deiner barrierefreiheits-Vision in Superm\u00e4rkten und wir haben hier noch ein paar andere Kontakte, die k\u00f6nnten vielleicht ganz gut zu dir passen. Redet mal, setzt euch mal an einen Tisch, und redet. Das haben wir gemacht und da sa\u00df ich mit, ich glaube f\u00fcnf oder sechs anderen Leuten, in einem Zoom Meeting oder in einem virtuellen Raum, die ich vorher noch nie in meinem Leben kennengelernt hatte und mit denen ich mich aber sehr gut verstanden habe, sowohl auf menschlicher Ebene als auch wie wir schnell festgestellt haben, auch fachlicher Ebene. Wir haben sehr viel geredet, wir haben sehr viel diskutiert und wir haben in mehreren Gespr\u00e4chen, die es letztlich wurden, so ein Bild geformt: Hey, wenn wir alle unsere Kenntnisse und Erfahrungen und Expertisen und Fachbereiche zusammenschmei\u00dfen, dann k\u00f6nnen wir uns in dieser Bekanntmachung bewerben und zwar k\u00f6nnen wir die Barrieren in einem Supermarkt, die f\u00fcr blinde Menschen bestehen erforschen und zwar akribisch erforschen. Wir k\u00f6nnen blinde Menschen interviewen und begleiten und Umfragen machen und wirklich rausfinden, was sind eigentlich all diese Probleme in einem Supermarkt. Es ist zu einfach, das nur auf Navigation und Produktinformationen runterzubrechen. Im Anschluss daran k\u00f6nnen wir mit einer Verkn\u00fcpfung der verschiedensten innovativen Technologien eine Art digitalen Agenten bauen. Und das soll eben eine Brille werden, die einer blinden Person hilft sich in einem Lebensmittelgesch\u00e4ft zu orientieren und sich am Produkt auch \u00fcber das Produkt zu informieren und eben mit Hilfe dieses digitalen Agenten rauszufinden, ob der Artikel zu mir passt oder nicht oder zu der Person passt oder nicht. Das ganze passiert tats\u00e4chlich mit KI also k\u00fcnstliche Intelligenz mit Objekt Erkennung und mit sprach Assistenz. Letztlich sind wir vier Partner, darunter die hbrs, die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und ein Startup, was eben sprachassistenzsysteme kann und ein anderes Unternehmen, ein mittelst\u00e4ndisches Unternehmen, was Objekt Erkennung und k\u00fcnstliche Intelligenz kann. Ich gehe mit meinem Sonic view Unternehmen da rein, weil wir ja eben schon eine App haben, die Produktinformationen zum Beispiel mitbringt und die F\u00e4higkeiten. Ich habe halt Leute, die eine Oberfl\u00e4che gestalten k\u00f6nnen und andere Leute, die Oberfl\u00e4chen programmieren k\u00f6nnen. So ist dieses Forschungsprojekt entstanden und wir haben das gesamte Jahr 2021 an dem Antrag geschrieben und sind durch die Bewilligungsphase gegangen, noch bis weit in 2022 hinein und sind dann im Juli letzten Jahres also juli 22 bewilligt worden. Im August ging es direkt los, das hei\u00dft seit einem guten halben Jahr forschen wir gerade und machen jetzt auch gerade schon die ersten Schritte, die Entwicklung und ja treiben dieses Projekt voran. Das macht mir unfassbar viel Spa\u00df und ich finde es mega toll, dass wir Zeit und Geld haben um die innovativsten Technologien f\u00fcr sowas sinnvolles einzusetzen Ja, so viel zum Forschungsprojekt, es hei\u00dft \u00fcbrigens Argus und man kann es auch finden unter www.projekt-argus.de.<br \/>\nWir haben schon mit Personen in Hannover getestet, allerdings, das ist ja eine der Herausforderungen, sind wir verteilt \u00fcber ganz Deutschland, also von Berlin \u00fcber Hannover bis nach K\u00f6ln-Bonn oder Siegen, Augsburg, ST Augustin sind wir verteilt. Das hei\u00dft, wir arbeiten \u00fcberwiegend Remote und vieles davon findet aber in der Region K\u00f6ln Bonn statt, weil da die meisten Projektpartner sitzen. Da ich aber hier in Hannover sehr gut vernetzt bin mit blinden Menschen, mit dem hiesigen Blindenverband, haben wir gesagt dass wir die Einkaufsstudien tats\u00e4chlich hier in Hannover machen.<br \/>\nUnd das haben wir gemacht. Im vergangenen November haben wir sehr intensiv mit zw\u00f6lf blinden Menschen eben diese Studien gemacht. Wir haben Interviews gef\u00fchrt, die \u00fcber anderthalb Stunden oder noch mehr gingen. Wir waren mit den Menschen im Supermarkt und haben so ein shadowing sagt man gemacht. das hei\u00dft, wir haben sie begleitet und beobachtet und assistiert nat\u00fcrlich auch. Also wir haben da niemanden alleine reingeschmissen und gesagt so jetzt viel Spa\u00df, sondern wir haben eben selber assistiert und eine Person hat beobachtet. Da haben wir wahnsinnig viele Erkenntnisse rausgezogen und jetzt gerade sind wir auf dem stand, dass wir eben all diese Ergebnisse transkribiert haben. Das hei\u00dft, das ist alles in Text gegossen und wir haben auch die Audioaufnahmen und werden jetzt damit beginnen die auszuwerten, so dass die dann sinnvoll in die IT flie\u00dfen kann und wir ein gutes Konzept machen, wie dieser digitale Agent funktioniert.<br \/>\nich habe gerade von der GS1 erz\u00e4hlt. die sitzen ja in K\u00f6ln und die haben so ein Supermarkt-Labor, das ist ein Supermarkt, der eben kein Tagesgesch\u00e4ft hat, sondern einfach nur aussieht wie ein Supermarkt. Da stehen echte Artikel drin, die werden auch, wenn das Verfallsdatum abgelaufen ist, wieder ausgetauscht von den Herstellern selbst, aber Brot Auslagen oder Obst ist immer aus Wachs oder Plastik. Man kann dort Untersuchungen machen ,die machen da so Eye-Tracking Studien zum Beispiel. Wir machen da eben auch ein paar Studien und sobald wir etwas entwickelt haben, was wir schon mal testen wollen, werden wir eben in diese Shopper experience gehen und werden die Dinge dort ausprobieren. Da werden wir dann auch blinde Menschen animieren, zu kommen und bei uns mitzumachen. Weil das ja immer noch mal eine andere Wahrnehmung ist, also ich behaupte immer noch, ein sehender Mensch, der sich die Augen verbindet, ist nicht gleichzusetzen mit einem blinden Menschen, weil die \u00fcbrige Wahrnehmung ja doch irgendwie eine andere ist, also die Sinne eines blinden Menschen sind glaube ich oft gesch\u00e4rfter und ein Sehender Mensch hat ja immer diesen Hintergedanken: Er kann die Augenbinde abnehmen und dann sieht er wieder. Ich glaube, dieses intuitive ich lebe als blinder Mensch ist noch mal etwas anderes. man geht anders mit Technologien um, man geht anders mit seiner Umwelt um, wenn man eben wirklich blind ist und deswegen wollen wir auch mit der Zielgruppe zusammenarbeiten und nicht einfach mal f\u00fcr einen kurzen Moment so tun, als wenn wir die Zielgruppe w\u00e4ren. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Herausforderung_Barrierefreiheit\"><\/span>Herausforderung Barrierefreiheit<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Das klingt nach einem superspannenden Projekt und ich freue mich, auch die Fortschritte weiterhin zu verfolgen.<br \/>\nVielleicht generell zum Thema App das hast du ja ein bisschen angedeutet, es war ja ein etwas l\u00e4ngerer Weg. Wie lange hat es jetzt insgesamt gedauert, bis Du die App dann realisieren konntest? <\/p>\n<p>also von der ersten Idee bis zur Realisierung von der ersten Idee bis zum ersten Upload in den App Store sind es f\u00fcnf Jahre gewesen, das war allerdings noch ein sehr rudiment\u00e4rer Prototyp, den wir da 2020 hochgeladen haben. Danach ist noch wahnsinnig viel passiert und man kann ehrlicherweise sagen, es waren tats\u00e4chlich sieben Jahre.<br \/>\nJa, ich wei\u00df, das ist ein sehr langer Weg. Aber man darf halt auch nicht vergessen, dass ich das ja am Anfang alles nach Feierabend und an den Wochenenden gemacht habe und ich kam aus einem Bereich, der mit nichts von dem was ich jetzt tue irgendwas zu tun hatte. Also ich hatte weder eine Ahnung von IT noch von digitaler Barrierefreiheit noch von Unternehmensgr\u00fcndung, mit allem, was da dran h\u00e4ngt. Und von daher hat es seine Zeit gedauert, da nebenberuflich, und ich bin ja auch noch Mama, da rein zu wachsen und das auf die Beine zu stellen, was da jetzt ist.<br \/>\nUnd ehrlich gesagt bin ich auch sehr froh \u00fcber diesen langsamen Weg, weil mir das halt auch die M\u00f6glichkeit gegeben hat wirklich da rein zu wachsen und nicht mich komplett zu \u00fcberfordern und irgendwann einfach krachend gegen die Wand zu fahren. <\/p>\n<p>Domingos: das verstehe ich auf jeden Fall. Die meisten Leute verstehen nicht, wie viel hinter so einer App steckt, das ist nicht nebenbei gemacht. Das Ding zu programmieren und auf aktuell zu halten ist ein gro\u00dfer Aufwand, an dem viele Personen beteiligt sind.<\/p>\n<p>Meike: ja und man hat halt auch nicht nur die App, also das was wir nutzer:innen in der Hand halten und bedienen, sondern es gibt ja da auch immer das sogenannte Backend, also das was die App tats\u00e4chlich macht, also den Zugriff auf verschiedene Datenpools und die Datenverarbeitung. Und das sind schon komplexe Systeme, die da erstellt werden m\u00fcssen, damit das alles so funktioniert. Und wenn man eben kein Geld hat was man den Leuten geben kann, dann braucht man halt immer Leute, die da Bock drauf haben, die unentgeltlich an dieser Idee weiterarbeiten und das einfach f\u00fcr die gute Sache machen. Und auch die zu finden kostet durchaus mal Zeit. <\/p>\n<p>Domingos: Sehr interessant. Eine spezielle Herausforderung ist ja, \u00fcberhaupt Entwickler:Innen zu findenf\u00fcr Apps und diese auf Barrierefreiheit einzuschw\u00f6ren. Kannst Du berichten, wie das bei Dir gelaufen ist?<\/p>\n<p>Meike: ja, sehr gerne. Also tats\u00e4chlich sind ja im Laufe dieser sieben Jahre mehrere Entwickler sage ich mal durch dieses Projekt gelaufen. Und das, was ich halt bieten konnte, weil ich ja kein Geld hatte, war eben die M\u00f6glichkeit, in diesem Bereich sich pers\u00f6nlich weiterzuentwickeln. Das hei\u00dft, ein Entwickler der kam und noch rudiment\u00e4re Kenntnisse von der Barrierefreiheit hatte, also mit dem Umgang mit VoiceOver und Talkback, der konnte halt bei mir mit Zeit und Mu\u00dfe sich dieses Thema aneignen und das haben die selbst gemacht. Also ich habe nat\u00fcrlich gelernt, wie man mit VoiceOver und Talkback umgeht, ich kann eine App oder ein Handy mit den Screenreader auch bedienen, das hat auch seine Zeit gedauert. Dann habe ich Leute gefunden, die Bock darauf hatten zu verstehen, wie das funktioniert und das dann auch richtig gut zu machen und die Sovi-App ist im Prinzip f\u00fcr einige Entwickler:innen &#8211; wobei eigentlich nur Entwickler bis zu dem Zeitpunkt &#8211; ein Bereich gewesen, in dem Sie sich pers\u00f6nlich weiterentwickeln konnten. Das war ein gro\u00dfer benefit, da haben eben die Leute auch sehr viel gelernt wie das Ganze funktioniert und die Sovi-App ist damit immer besser und immer barrierefreier geworden.<br \/>\nAls ich dann in 2022 ganz explizit nach einer ios-entwickler:In gesucht habe, habe ich &#8211; also man kannte mich ja schon so ganz bisschen \u00fcber diverse Social Media Plattformen und wusste auch, was ich so mache und konnte da auch verfolgen, dass ich schon l\u00e4nger in dem Bereich unterwegs bin und ich habe halt ausgeschrieben was ich suche, also jemanden der oder die Bock auf Barrierefreiheit hat, eventuell auch schon Vorkenntnisse mitbringt und da habe ich halt auch beschrieben was wir in dem Forschungsprojekt in dem argus-Projekt machen wollen und was die \t App kann und macht und habe jemanden gesucht.<br \/>\nDas ist eine sehr sch\u00f6ne Geschichte. Ich habe tats\u00e4chlich nur einen Aufruf gemacht \u00fcber LinkedIn und daraufhin sehr viele Bewerbungen bekommen habe, auch von Menschen aus anderen L\u00e4ndern viele aus Indien oder aus den USA und da habe ich immer gedacht, wenn es so kommt dann will ich mich davor auch nicht verschlie\u00dfen, aber irgendwie f\u00fchlt sich das sperrig an f\u00fcr mich weil ich m\u00f6chte schon eine Person haben mit der ich mich tats\u00e4chlich auf Deutsch unterhalten kann. Ich spreche vern\u00fcnftiges Englisch, das ist nicht das Problem, aber ich habe Sorge dass in der fremden Sprache zusammen mit der f\u00fcr mich ja immer noch ein bisschen fremden it, Zuviel Informationen verloren gehen. Das hei\u00dft, ich habe schon jemanden gesucht, der deutschsprachig ist und am liebsten eben auch im deutschen Raum ans\u00e4ssig, so dass man auch die M\u00f6glichkeit hat zwischendurch mal zusammen zu sitzen. Ich kann ja nicht einmal im Monat nach Indien fliegen, um mich mit meinen Entwicklern zusammenzusetzen und umgekehrt auch nicht und da habe ich eben ein paar Tage oder Wochen gewartet, was da so kam und es kam einiges. Ich habe immer gedacht, da irgendwie ist es das nicht.<br \/>\nDann kam mit einem Mal die eine Bewerbung von, ich glaube ich darf es sagen, von Chari. Shari hat sich mit einer wundersch\u00f6nen traumhaften Bewerbung bei mir beworben, sie hat tats\u00e4chlich vorher schon in dem Bereich Barrierefreiheit f\u00fcr blinde Menschen gearbeitet, sie hat da eben schon Erfahrungen gesammelt und hatte gerade ihr Studium abgeschlossen oder war gerade dabei, ihr Studium abzuschlie\u00dfen und hat eine Stelle gesucht, um in die Arbeitswelt einzusteigen. Sie ist ein Mensch, der sowohl hundertprozentig die Werte lebt, die ich mit Sonic view verbreiten m\u00f6chte, n\u00e4mlich eine inklusive Gesellschaft und ein Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl, ein guter Umgang miteinander die aber eben auch die entsprechenden Fachkenntnisse mitbringt. Ich habe diese Bewerbung gelesen und bin jubelnd durch meine Wohnung geh\u00fcpft und dachte, auf jeden Fall, die will ich. Und danach ging alles ganz schnell. Also, wir haben dann telefoniert und ich habe auch noch einen meiner Hauptentwickler mit in dieses Telefonat geholt, weil ich gesagt habe, ja dann stell halt deine kritischen IT-Fragen, aber ist mir eigentlich egal, ich will diese Frau auf jeden Fall haben. Und dann hatten wir den Call und es lief wie erwartet total super und ich war von der ersten Sekunde an total begeistert. Sie arbeitet jetzt seit einigen Monaten eben auch bei Sovi als unsere iOS Entwicklerin und ich bin jeden Tag aufs Neue begeistert von ihr und von ihrer Arbeit und von ihrer Art, wie sie einfach ist und von daher war das so ein richtig besonderer Gl\u00fccksgriff, der da einfach passiert ist und f\u00fcr die ich unendlich dankbar bin. Aber nat\u00fcrlich ist sie nicht die einzige Entwicklerin, ich habe auch noch andere Entwickler und von denen halte ich auch wahnsinnig viel. Sie ist allerdings derzeit die hauptentwicklerin f\u00fcrs Frontend. Dann habe ich eben noch einen Backend Entwickler und die Android Version, die kommt im Moment, ich muss es leider sagen, ein bisschen zu kurz, weil uns daf\u00fcr die Gelder fehlen jemanden einzustellen. Wir brauchen definitiv mehr Abos auf jeden Fall, damit ich auch Leute bezahlen kann, um beide Apps gleicherma\u00dfen im Stand zu halten. Ich bin immer wieder begeistert davon, wie gro\u00dfartig dieses Team zusammenh\u00e4lt, wenn es darauf ankommt, wieder auch zu den ung\u00fcnstigsten Zeiten noch mal schnell der Rechner aufgeklappt wird und dann werden noch ein paar Sachen gemacht und das ist schon toll. Also dieses Team ist wirklich toll.<br \/>\nNat\u00fcrlich beschweren sich die Leute, wenn ioS bevorzugt wird, aber das ist wirklich die Hauptplattform f\u00fcr viele blinde Menschen <\/p>\n<p>Domingos: Und es kostet halt wirklich viel Geld, zwei Apps zu entwickeln und aktuell zu halten, das sch\u00e4tzen die Leute falsch ein. <\/p>\n<p>Meike: ja, das ist leider so. Also die sind jetzt auch nicht so riesig weit auseinander, aber es gibt schon Unterschiede. Also wir m\u00fcssten bei Android wirklich mal ein Update machen und wir konnten uns ja dank einer F\u00f6rderung, die ich vor dem Forschungsprojekt bekommen habe so aufstellen, dass wir wirklich bei der App parallel entwickeln konnten. aber f\u00fcr unterschiedliche Plattformen und so sind wir im Mai 2022 mit einer App gestartet also beide im selben Monat. Ich glaube sogar, in der selben Woche online gegangen und auf dem gleichen Stand. Nur alles was danach kam, alle Verbesserungen, wir haben ja dann mit blinden Menschen zusammen auch getestet, wie gut die App funktioniert, welche Probleme es gab und gibt, was man verbessern kann und so weiter. Und da war das Geld f\u00fcr Android halt eben alle und wir haben gesagt ja jetzt geht es erstmal haupts\u00e4chlich wirklich um die Zielgruppe blinde Menschen und da m\u00fcssen wir eine Entscheidung treffen entweder wir machen beide Apps so halb besser oder eine wirklich richtig und die andere ziehen wir nach, sobald wir es k\u00f6nnen. Und wir haben uns eben so entschieden, dass wir gesagt haben, okay wir bringen iOS jetzt wirklich auf den Stand, also die iPhone Variante bringen wir so auf den Stand, dass sie wirklich richtig gut ist, weil die Zahl der nutzer:innen f\u00fcr iOS liegt im Bereich der blinden Menschen bei rund 80%. Tats\u00e4chlich, also das ist schon ein eklatanter Unterschied zu Android und deswegen entwickeln wir den iOS Teil erstmal weiter. <\/p>\n<p>Domingos: Das finde ich nachvollziehbar. Es ist ja wirklich auch ein Lernprozess mit der Barrierefreiheit, was das Thema Barrierefreiheit angeht. Ich kann mich erinnern, dass Du irgendwann mal gepostet hattest, ihr habt einen Fehler gefunden, wo Information nur \u00fcber Farbe kommuniziert wurde. <\/p>\n<p>Meike: Das war mir peinlich bzw. eigentlich ist es im Nachhinein fast ein bisschen lustig, weil wir ja sehr geduldige nutzer:innen haben ist es jetzt nicht so schlimm gewesen, war ja auch noch ganz am Anfang. Ich habe ja im Studium und in den Jahren danach erstmal das Konzept erstellt f\u00fcr diese App. Das kann ich selber auch machen und dazu war ich &#8211; und das geh\u00f6rt f\u00fcr mich von Anfang an mit dazu &#8211; dass alles was man visuell wahrnimmt eben auch akustisch wahrzunehmen ist und dazu geh\u00f6rt selbstverst\u00e4ndlich wenn ich ein Produkt gescannt habe, das es dann ein Ger\u00e4usch gibt, dass mir eben als blinde Person sagt ob dieses Produkt zu mir passt oder nicht ob das kein Ergebnis positiv oder negativ ist das hei\u00dft der rote Screen bekommt einen anderen Sound als der gr\u00fcne Screen mit dem Haken und das haben wir in der Entwicklung stumpf vergessen. Ich wei\u00df das ist total peinlich aber eigentlich auch lustig wir haben es einfach vergessen und es wurde dann in den ersten Wochen nach der Ver\u00f6ffentlichung an uns herangetragen: hey, das w\u00e4re doch eine Idee, wie w\u00e4re es denn, wenn ihr da T\u00f6ne unterbringen w\u00fcrdet. Das war wirklich so ein Moment, wo ich zu Hause am Esstisch sa\u00df, aber kurz mit dem Kopf auf die Tischplatte bin, weil ich dachte, das ist doch wohl nicht wahr, wie lange hast du jetzt gebraucht, 7 Jahre. Ja, aber Fehler passieren und wir konnten das relativ schnell beheben. Also selbstverst\u00e4ndlich funktioniert die sowie ab jetzt mit T\u00f6nen. <\/p>\n<p>Domingos: Es gibt keine App ohne Fehler, zumindest aus meiner langen Karriere als Tester kenne ich keine. Es geht darum, solche Probleme zu erkennen und zu beheben. <\/p>\n<p>Meike: ja und jetzt kann ich es von der anderen Seite beleuchten. F\u00fcr uns Menschen die das ganze entwickeln und vorantreiben wollen geht es tats\u00e4chlich sehr stark um konstruktives Feedback. Das ist auch eine Erfahrung die ich halt immer noch mache und auch von Anfang an gemacht habe, dass das Feedback was dann nach einer Ver\u00f6ffentlichung an einen herangetragen wird, nicht immer konstruktiv ist, sondern das auch genutzt wird um sich mal ordentlich Luft zu machen und das hilft halt oft nicht weiter so dass wenn man nur sagt, voll schei\u00dfe, dass man sich in der App registrieren muss, funktioniert au\u00dferdem alles \u00fcberhaupt nicht, App ist wieder deinstalliert hilft mir das nicht weil ich nicht wei\u00df, was nicht geklappt hat und warum der Mensch sich nicht registrieren m\u00f6chte bzw. ich kann da noch nicht mal erkl\u00e4ren, warum das notwendig ist. Es geht n\u00e4mlich gar nicht anders, sonst kann man die Profile nicht untereinander teilen und deswegen sind wir immer dankbar f\u00fcr konstruktives Feedback, wo jemand sagt, pass auf ich habe das und das versucht, das hat aus den und den Gr\u00fcnden nicht geklappt, vielleicht schaut ihr dann noch mal drauf. Ich beantworte jede einzelne E-Mail, ich habe noch nie irgendeine Person, die mir geschrieben hat oder uns als Team geschrieben hat, warten lassen. Oder warten lassen vielleicht schon, das kann mal passieren, aber ich habe noch nie jemanden ignoriert. Also jeder bekommt eine Antwort. Ich freue mich nat\u00fcrlich, wenn das wieder konstruktiv ist. Ich freue mich aber auch tats\u00e4chlich, das geht jetzt an euch da drau\u00dfen, wenn mal jemand schreibt, hey ich habe die App jetzt runtergeladen, ich habe sie installiert, ich habe mich registriert und ich bin voll happy damit ich freue mich. Das machen Menschen nicht, ich mache das ja selber auch nicht. Aber einfach mal zu sagen, hey das ist eine sch\u00f6ne Sache, das ist nat\u00fcrlich etwas, was einem zu Hause am heimischen Esstisch dann auch freut. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Meikes_Tipps_fuer_Nachahmer_Innen\"><\/span>Meikes Tipps f\u00fcr Nachahmer:Innen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Also Leute, ihr habt es geh\u00f6rt, konstruktives Feedback ist gew\u00fcnscht.<br \/>\nEine letzte allgemeine Frage: es gibt ja viele Leute, die gerne sinnvolle Projekte machen wollen und vielleicht auch in eine \u00e4hnliche Richtung wie Du gehen wollen. Welche ultimativen Tipps k\u00f6nntest Du ihnen mitgeben?<\/p>\n<p>Meike: also allen voran steht der Dickkopf und das Durchhalteverm\u00f6gen: man sieht an mir, dass man auch von nichts eine Ahnung haben kann und am Ende doch ordentlich was erreichen kann, wenn man eben am Ball bleibt und das ist ja auch was man in den Medien immer wieder liest oder h\u00f6rt dass die meisten Startups oder Projekte scheitern, weil die Leute einfach nicht lange genug durchhalten. Und wenn man sich von dem abgelehnten F\u00f6rderstipendium zum Beispiel so runterziehen l\u00e4sst dass man danach aufgibt findet man eben, dann kommt man nicht weiter. Und wenn man aber dann so Feedback und Kritik und R\u00fcckschl\u00e4ge wirklich immer nimmt, um weiterzumachen, um daran zu wachsen, dann zeigt man eben Durchhalteverm\u00f6gen und dann kommt man f\u00fcr meine Begriffe auch ans Ziel.<br \/>\nEin damaliger Prof von mir hat mal gesagt, als diese Ablehnung von dem F\u00f6rderstipendium kam, sagte er sowas in der Richtung: betrachte es am besten wie ein Speerwerfer. Gegenwind macht Auftrieb, wenn du gegen den Wind dein Speer wirfst, dann fliegt er noch h\u00f6her. Ich habe keine Ahnung, ob das stimmt, weil ich nicht Speerwerfen kann, aber ich fand dieses Bild einfach sch\u00f6n, dass ich mir denke, ja okay dann lasse ich mich davon halt tragen und dann gucke ich mal welche Richtung mich dieser R\u00fcckschlag jetzt treibt erster ultimativer Tipp ist Durchhalteverm\u00f6gen.<br \/>\ndas zweite ist Vernetzung: Du musst dich immer mit Leuten, Unternehmen, Organisationen und Gruppen vernetzen. Du musst diese Kontakte auch aufrechterhalten und pflegen und daraus entstehen immer neue Kontakte. Daraus entsteht ein Netzwerk und je mehr du \u00fcber deine Vision redest und \u00fcber das, was du willst desto mehr manifestiert sich das auch in dir und desto mehr richtest du deinen Fokus auf das, was du erreichen willst. Das hei\u00dft, dieses vernetzen und dar\u00fcber reden sch\u00e4rft deinen Sinn in die Richtung dein Ziel zu erreichen und das kann eine Weile dauern. Auch da muss man Durchhalteverm\u00f6gen haben und da lernt man sicherlich auch unterwegs Leute kennen die einen dann nicht ewig begleiten. Das passiert nat\u00fcrlich immer, aber du lernst dann eben auch, dich auf dein Gef\u00fchl, deine Instinkte, deine Erfahrungen zu verlassen und am Ende eben die richtigen Leute um dich zu haben und die richtigen Kontakte, die dich weiterbringen, die die gleichen Werte teilen also Vernetzung ist der zweite ultimative Tipp.<br \/>\nUnd der dritte Tipp: K\u00e4mpft f\u00fcr die gute Sache. Das ist mein Wert: Ich mache das hier nicht f\u00fcr Geld, sondern ich mache das tats\u00e4chlich, weil ich an die Sache Glaube und f\u00fcr meine Begriffe l\u00e4sst einen das auch l\u00e4nger durchhalten, als wenn man es f\u00fcr Geld Macht und nach einem gewissen Zeitraum, den man sich selber gesetzt hat feststellt, ah jetzt bin ich immer noch nicht reich geworden, jetzt h\u00f6re ich lieber auf. Wenn Geld deine Motivation ist, dann lass es lieber bleiben oder mach was anderes. Aber ich glaube, so gemeinn\u00fctzige Sachen, Sachen die in Richtung inklusive Gesellschaft gehen, Hilfsmittel f\u00fcr behinderte Menschen oder so, die f\u00fcr Geld zu machen ist nicht sinnvoll, sondern die machst du, weil du das wirklich willst und weil du die Vision hast, in einem bestimmten Bereich einen Mehrwert zu liefern und das ist das was dich letztlich ans Ziel bringt .<\/p>\n<p>Domingos: ja, das kann ich alles unterschreiben. Vielen Dank f\u00fcr deine Tipps und f\u00fcr die Zeit, die du dir genommen hast f\u00fcr diesen Podcast. : Wir w\u00fcnschen dir auf jeden Fall viel Erfolg auf dem weiteren Weg. Wo kann man Dir weiterhin folgen?<\/p>\n<p>Meike: Ich habe einen Kanal auf YouTube sowie  auf Facebook und Instagram. Tats\u00e4chlich am besten verfolgen k\u00f6nnt ihr, was wir tun auf Instagram und auf LinkedIn.<\/p>\n<p>Domingos: Vielen Dank und wenn ihr euch die App anschauen wollt, sie steht wie bereits gesagt in den Stores.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Zum_Weiterlesen\"><\/span>Zum Weiterlesen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/sonicview.de\/\">Weiter zur Sovi-App<\/a<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/projekt-argus.de\/\">Infos zum Projekt Argus<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/meike-seidel-a4b05aa5\">Meike auf LinkedIn<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/netz-barrierefrei.de\/en\/interview-meike.html\">Talk with Meike Seidel on founding an App for blinds in the supermarket<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist das Transkript des oben eingebetteten Podcasts. Ich habe den Text ein wenig gegl\u00e4ttet, aber den m\u00fcndlichen Charakter weitm\u00f6glich beibehalten. 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