{"id":830,"date":"2018-03-28T15:05:05","date_gmt":"2018-03-28T13:05:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?page_id=830"},"modified":"2023-08-11T16:59:12","modified_gmt":"2023-08-11T14:59:12","slug":"konzepte-produkte-und-angebote-evaluieren","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/barrierefreiheit-strategisch-umsetzen\/konzepte-produkte-und-angebote-evaluieren\/","title":{"rendered":"Konzepte, Produkte und Angebote evaluieren"},"content":{"rendered":"<p>Das Pr\u00fcfverfahren sollte einheitlich sein. Um unterschiedlichen Einreichungen gerecht zu werden kann die Pr\u00fcfung auch modular aufgebaut sein, wobei einzelne Module speziell f\u00fcr Webseiten oder Apps oder Konzepte gelten.<br \/>\nDer Test sollte eher qualitativ als quantitativ angelegt werden. Anstatt also ein relativ starres System aus Regeln zu verwenden, wird die praktische Nutzbarkeit abgefragt. Ausgangspunkt daf\u00fcr ist die \u00dcberlegung, dass eine nicht oder schlecht benutzbare Anwendung auch nicht Barrierefrei ist. Bei Tests wie dem BITV-Test steht eher der technische Unterbau im Vordergrund, der Benutzer interessiert sich aber mehr f\u00fcr die Oberfl\u00e4che und die Inhalte. <\/p>\n<p>Die Evaluation hat zwei Phasen: In Teil 1 wertet die Redaktion die Einreichungen aus. Dazu m\u00fcssen Ausschlusskriterien entwickelt werden. Es sollten zum Beispiel Inhalte ausgeschlossen werden, bei denen deutlich sichtbar ist, dass der Einreicher sich keine M\u00fche zur Barrierefreiheit gemacht hat, weil er zum Beispiel das ohnehin barrierefreie Standardlayout eines Redaktionssystems verwendet hat. Ebenfalls auszuschlie\u00dfen sind Inhalte, die offensichtlich seit langer Zeit nicht gepflegt wurden oder bei denen absehbar ist, dass sie nicht weiter entwickelt werden. Eine Mindestvoraussetzung f\u00fcr eine Einreichung ist ein testbarer Prototyp. <\/p>\n<p>Ber\u00fccksichtigt werden Einreichungen, die einen Bezug zu Behinderung oder Barrierefreiheit haben. <\/p>\n<p>In der zweiten Phase werden die eingereichten Konzepte in der Praxis von Betroffenen gepr\u00fcft. <\/p>\n<p>Die Einreichungen sollten von einem kleinen redaktionsteam ausgewertet werden, eine Einzelperson w\u00fcrde zu subjektiv urteilen. Die Checkliste wird vorher festgelegt und ggf. angepasst, falls die Kriterien als zu streng empfunden werden. <\/p>\n<p>Das Redaktionsteam kann positiv bewerten, wenn<br \/>\n\u2022\tdas Produkt sich an mehrere Zielgruppen richtet<br \/>\n\u2022\tes auf mehreren Plattformen vorhanden ist (Android, iOS) oder als universelle Webl\u00f6sung angelegt wurde<br \/>\n\u2022\tdas Produkt g\u00fcnstig oder kostenlos abgegeben wird (Kosten sollten nicht negativ gewertet werden, schlie\u00dflich sollen die Leute auch Geld verdienen k\u00f6nnen und die Kosten von Apps sind normalerweise nicht unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig)<br \/>\n\u2022\tMenschen mit Behinderung bei der Entwicklung beteiligt wurden, auch in Form von User-Evaluation<br \/>\n\u2022\tdie L\u00f6sung als OpenSource bereit gestellt wird<br \/>\n\u2022\tinnovative Ans\u00e4tze eingesetzt werden (offene Daten, Gamification, Crowdsourcing<\/p>\n<p>Negativ bewertet werden sollte hingegen<\/p>\n<p>\u2022\teine Sonderl\u00f6sung f\u00fcr Menschen mit Behinderung (Sonderl\u00f6sungen sind unerw\u00fcnscht, da die Wahrscheinlichkeit gro\u00df ist, das sie irgendwann nicht weiter entwickelt oder zugunsten der konventionellen L\u00f6sung vernachl\u00e4ssigt werden)<br \/>\n\u2022\teine App als Alternative f\u00fcr eine ansonsten unzug\u00e4ngliche Webseite (die App als Entschuldigung daf\u00fcr, das die Webseite nicht zug\u00e4nglich ist, man soll sich also ein Handy kaufen, um auf die Infos zugreifen zu k\u00f6nnen). Eine Ausnahme kann gemacht werden, wenn die Funktionen der Webseite nur schwer barrierefrei gemacht werden k\u00f6nnen (wie bei Facebook) oder die Anwendung zus\u00e4tzliche Funktionen bereit stellt, die im Internet nicht ohne weiteres realisierbar sind. <\/p>\n<p>Das Redaktionsteam setzt sich am Ende der ersten Phase zusammen und diskutiert dar\u00fcber, welches Konzept in den praxistest geht und welche Gruppe die Einreichungen testet. <\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_82_2 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/barrierefreiheit-strategisch-umsetzen\/konzepte-produkte-und-angebote-evaluieren\/#Zweite_Phase_Praxistest_durch_Betroffene\" >Zweite Phase: Praxistest durch Betroffene<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/barrierefreiheit-strategisch-umsetzen\/konzepte-produkte-und-angebote-evaluieren\/#Die_richtigen_Anreize_setzen\" >Die richtigen Anreize setzen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/barrierefreiheit-strategisch-umsetzen\/konzepte-produkte-und-angebote-evaluieren\/#Grundlegende_Annahmen\" >Grundlegende Annahmen<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Zweite_Phase_Praxistest_durch_Betroffene\"><\/span>Zweite Phase: Praxistest durch Betroffene<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Die zweite Phase ist der Praxistest. Im Praxistest werden die Einreichungen von mindestens zwei Personen aus der Zielgruppe gepr\u00fcft. Wenn es keine konkrete Zielgruppe gibt, entscheidet das Redaktionsteam, wer und wie viele Menschen die Anwendung testen. Die hier beschriebene Methode orientiert sich an der heuristischen Evaluation, einer Methode aus dem Usability-Bereich. <\/p>\n<p>Es gibt zwei  denkbare Ans\u00e4tze. Die Testperson wird nach dem Test nach einem festen Schema befragt oder sie wird w\u00e4hrend der Testphase beobachtet.<br \/>\nIm Usability-Check gibt es die Methode des lauten Denkens, der Benutzer spricht laut aus, was er gerade tun m\u00f6chte, warum er das tut und welche Schwierigkeiten er gerade hat. Sinnvoll erscheint eine Mischung aus Fragebogen\/Checkliste und Beobachtung des Probanden. <\/p>\n<p>Der Pr\u00fcfer protokolliert die Evaluation und notiert sich zum Beispiel, wie schnell sich der Proband zurecht gefunden hat oder wo er auf Probleme gesto\u00dfen ist.<br \/>\nAnschlie\u00dfend wird er zu seinen subjektiven Eindr\u00fccken befragt, wobei eine feste Checkliste\/ein Fragebogen eingesetzt wird.<br \/>\nSzenario<br \/>\nDas Redaktionsteam bestimmt f\u00fcr jede Anwendung den haupts\u00e4chlichen Einsatzzweck. Anhand dieses Zweckes wird f\u00fcr diese Anwendung ein Szenario oder eine Aufgabe bestimmt, die im Rahmen der Evaluation bearbeitet werden soll. Ohne Szenario wird der Eindruck zu subjektiv, der Nutzer klickt sich durch die Anwendung, ohne sie konkret zu verwenden. <\/p>\n<p>M\u00f6gliche Kriterien sind: <\/p>\n<p>\u2022\tErlernbarkeit<br \/>\n\u2022\tBedienbarkeit<br \/>\n\u2022\tNutzbarkeit<br \/>\n\u2022\tRobustheit (die Anwendung soll mit der eingesetzten Hilfssoftware funktionieren und z.B. nicht andauernd abst\u00fcrzen)<\/p>\n<p>Der Testleiter kann z.B. beobachten, wie gut der Benutzer mit der Anwendung zurecht kommt. Die Beobachtungen werden protokolliert und flie\u00dfen in die Bewertung ein. <\/p>\n<p>M\u00f6gliche Fragen an den Nutzer nach dem Test:<\/p>\n<p>\u2022\tFanden Sie die Anwendung gut bedienbar?<br \/>\n\u2022\tSind Ihnen Probleme aufgefallen?<br \/>\n\u2022\tWird der anvisierte Zweck mit der Anwendung erreicht? <\/p>\n<p>Die Testpersonen sollten keine technischen Experten sein, um realistische Ergebnisse zu erhalten. Sie sollten sich mit Computern, der Hilfssoftware oder den Hilfsmitteln auskennen, aber weder zu bewandert sein noch zu unerfahren. Dadurch wird sicher gestellt, dass sie f\u00fcr die Gruppe repr\u00e4sentativ sind. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Die_richtigen_Anreize_setzen\"><\/span>Die richtigen Anreize setzen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Wichtig ist, durch das Evaluationsverfahren die richtigen Anreize zu setzen. Einerseits sollte Barrierefreiheit als allgemeines Thema verankert werden. M\u00f6glicherweise ist der Entwickler bereit, Verbesserungsvorschl\u00e4ge aus der Community anzunehmen. Im Idealfall setzen sich Entwickler und Anwender am Ende zusammen, um die Anwendung gemeinsam weiter zu verbessern, es wird also ein st\u00e4rkerer Impact erzeugt \u2013 eine Win-Win-Situation. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Grundlegende_Annahmen\"><\/span>Grundlegende Annahmen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Oftmals wird Barrierefreiheit als das sture Abarbeiten von Regeln betrachtet. Die Leute sehen keinen Anlass, sich mit den konkreten Bed\u00fcrfnissen oder Schwierigkeiten von Menschen mit Behinderung zu besch\u00e4ftigen, sondern begn\u00fcgen sich mit dem Abarbeiten von Forderungskatalogen. Diese Richtlinien sind von klugen Leuten mit gro\u00dfem Engagement erstellt worden, aber am Ende entscheiden immer die Benutzer aktiv oder passiv, ob eine Anwendung genutzt wird oder nicht. Das wiederum h\u00e4ngt nicht unbedingt davon ab, ob die konkrete Anwendung die Richtlinien zur Barrierefreiheit erf\u00fcllt, teilweise erf\u00fcllt oder gar nicht erf\u00fcllt. Vor allem Webseiten \u00f6ffentlicher Einrichtungen erf\u00fcllen die Richtlinien zur Barrierefreiheit, gelten aber als schlecht benutzbar f\u00fcr Menschen mit Behinderung. Deshalb sollte von einem strengen Kriterienkatalog zugunsten eines nutzerbasierten Evaluationsverfahren verzichtet werden. <\/p>\n<p>Oft genug wird darauf verwiesen, eine Anwendung sei nicht barrierefrei, da Kriterium XY nicht erf\u00fcllt sei, wobei es egal zu sein scheint, ob dieses Kriterium im konkreten Zusammenhang von Bedeutung ist. Eine Anwendung, die sich nur an Lernbehinderte wendet, muss nicht prim\u00e4r f\u00fcr Blinde zug\u00e4nglich sein.<br \/>\nDie diversen Richtlinien wie BITV, WCAG und so weiter sind als Leitlinien zu verstehen, sie sind ein Weg, nicht das Ziel. Entscheidend ist die Frage, ob die Zielgruppe mit dem Produkt zurecht kommt. <\/p>\n<p>Entscheidend ist an dieser Stelle, dass die Zielgruppe mit einem Produkt zurecht kommt, nicht die Frage, ob bestimmte WCAG-Kriterien erf\u00fcllt wurden. Der Fokus wird damit von den Kriterien genommen und auf die User-Evaluation und die Usability gesetzt. Dadurch erh\u00f6ht sich der Anreiz bei den Entwicklern, behinderte Nutzer einzubinden.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/netz-barrierefrei.de\/en\/concepts.html\">Evaluating concepts for digital Accessibility<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Pr\u00fcfverfahren sollte einheitlich sein. 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