{"id":8610,"date":"2023-11-01T13:27:09","date_gmt":"2023-11-01T11:27:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?page_id=8610"},"modified":"2023-11-01T13:27:09","modified_gmt":"2023-11-01T11:27:09","slug":"avatare-in-der-gebaerdensprache-ein-interview","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/avatare-in-der-gebaerdensprache-ein-interview\/","title":{"rendered":"Avatare in der Geb\u00e4rdensprache &#8211; ein Interview"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/154-ein-avatar-fur-gebardensprache-ein-interview-mit-alexander-stricker-von-charamel\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><br \/>\nHier ist das Transkript zum oben eingebetteten Podcast. Alle Tippfehler und Ungenauigkeiten gehen auf mein Konto. Da wir beide H\u00f6rende und keine Experten f\u00fcr die Geh\u00f6rlosen-Kultur und die Deutsche Geb\u00e4rdensprache sind, bitte ich, eventuelle Ungenauigkeiten zu verzeihen. Ich spreche mit dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Firma Charamel Alexander Stricker (AS) \u00fcber Avatare in der Geb\u00e4rdensprache.<br \/>\nDO: Herzlich willkommen zu einem neuen Podcast zur digitalen Barrierefreiheit. Heute habe ich wieder einen spannenden Gast dabei, n\u00e4mlich den Herrn Alexander Stricker von der Firma Charamel. Erstmal herzlichen Dank, dass Sie sich heute die Zeit nehmen sich mit mir \u00fcber das Thema Geb\u00e4rdensprach-Avatare zu unterhalten.<\/p>\n<p>AS: ja sehr gerne, freut mich auch <\/p>\n<p>DO: bevor wir einsteigen, w\u00fcrden die Zuh\u00f6rerinnen sehr gerne etwas \u00fcber sie selbst wissen also: Wer sind sie, was haben sie gemacht und was macht die Firma Charamel. <\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_83 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/avatare-in-der-gebaerdensprache-ein-interview\/#Die_Firma_Charamel\" >Die Firma Charamel<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/avatare-in-der-gebaerdensprache-ein-interview\/#Der_Bedarf_an_Gebaerdensprach-Inhalten_und_die_Herausforderungen\" >Der Bedarf an Geb\u00e4rdensprach-Inhalten und die Herausforderungen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/avatare-in-der-gebaerdensprache-ein-interview\/#Ein_Avatar_fuer_Gebaerdensprache\" >Ein Avatar f\u00fcr Geb\u00e4rdensprache<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/avatare-in-der-gebaerdensprache-ein-interview\/#Die_Einbindung_von_Gehoerlosen\" >Die Einbindung von Geh\u00f6rlosen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-5\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/avatare-in-der-gebaerdensprache-ein-interview\/#Kuenftige_Projekte\" >K\u00fcnftige Projekte<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-6\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/avatare-in-der-gebaerdensprache-ein-interview\/#Weitere_Infos\" >Weitere Infos<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Die_Firma_Charamel\"><\/span>Die Firma Charamel<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>AS: Mein Name ist Alexander Stricker. Ich bin einer der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Gr\u00fcnder der Charamel GmbH. Uns gibt&#8217;s mittlerweile seit 1999 und wir haben uns komplett der Softwareentwicklung von digitalen virtuellen Pers\u00f6nlichkeiten verschrieben. Damals kamen wir wirklich aus der Nische und haben eine Software-L\u00f6sung entwickelt, mit der es m\u00f6glich war, virtuelle Figuren live zu animieren. Damals stand noch ein Schauspieler im Hintergrund. Mittlerweile l\u00e4uft alles relativ Datenbank getrieben oder KI basiert.<br \/>\nDas Thema Geb\u00e4rdensprache begleitet uns eigentlich schon seit 2003. Damals kam ein Gesch\u00e4ftspartner von uns der Ralf raule von der jomma GmbH, mit dem wir auch im Geberdensprach-Umfeld zusammenarbeiten, auf uns zu und hat gesagt: K\u00f6nnen wir nicht einen Chatbot f\u00fcr geh\u00f6rlose Menschen realisieren. F\u00fcr uns stand zur Frage, warum muss das passieren, geh\u00f6rlose Menschen k\u00f6nnen Doch lesen. Wir mussten uns eines Besseren belehren lassen und haben festgestellt, dass viele geh\u00f6rlosen Menschen nicht unbedingt der Textsprache vollumf\u00e4nglich m\u00e4chtig sind. 2009 ging es dann wirklich in diese Richtung, dass wir gesagt haben, die Technologien sind weit entwickelt, wir k\u00f6nnen diese Basis nutzen und vielleicht auch im Bereich Geb\u00e4rdensprache was zu realisieren. Daraus ist das ganze Thema der Forschung entstanden und da sind wir dem Jahr 2000 unterwegs und versuchen, hier \u00dcbersetzungstools zu realisieren, die Text in Geb\u00e4rdensprache \u00fcbersetzen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Der_Bedarf_an_Gebaerdensprach-Inhalten_und_die_Herausforderungen\"><\/span>Der Bedarf an Geb\u00e4rdensprach-Inhalten und die Herausforderungen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>DO: ja superinteressant. Sie haben die Frage teilweise schon beantwortet, warum wir Geb\u00e4rdensprache brauchen. Aber haben Sie auch einen Eindruck davon wie hoch der Bedarf an Geb\u00e4rdensprache ist ?<\/p>\n<p>AS: ja, es ist aus unserer Sicht ein sehr hoher Bedarf. Zum einen gibt&#8217;s nat\u00fcrlich Assistenzfunktionen, die nat\u00fcrlich eine pers\u00f6nliche Unterst\u00fctzung in der \u00dcbersetzung bei Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen oder bei bestimmten anderen Beratungsthemen beanspruchen. Das ist ein Themenfeld, was wir mit unseren \u00dcbersetzungstools gar nicht abwickeln k\u00f6nnen, weil wir ganz am Anfang stehen. Wir setzen eher einen Fokus in dem Bereich der digitalen Barrierefreiheit und da gibt es mittlerweile eine Gesetzgebung von der Seiten der EU eine Richtlinie, wo \u00f6ffentliche Stellen auch dazu verpflichtet werden, digitale barrierefreie Inhalte zur Verf\u00fcgung zu stellen. Und wenn man sich anschaut, wie viel Geb\u00e4rdensprach-\u00dcbersetzer oder Dolmetscher es gibt, kann man das gar nicht alles bewerkstelligen.<br \/>\nIch nenne mal ein Beispiel: Es gibt in Deutschland allein 16,6 Millionen Webseiten. Wenn man \u00fcberlegt, dass jeder irgendwas in Geb\u00e4rdensprache \u00fcbersetzbar machen m\u00f6chte um ein besseres Verst\u00e4ndnis da herzuleiten und f\u00fcr die geh\u00f6rlosen Menschen zur Verf\u00fcgung stellen, dann ist das mit den minimalen Ressourcen \u00fcberhaupt nicht m\u00f6glich. Wir wollen versuchen standardisierte Themen \u00fcbersetzbar zu machen, das ist ein allererster Schritt, den wir gehen m\u00f6chten, umInhalte im kommunalen Sektor beispielsweise oder im musealen Sektorverf\u00fcgbar zu machen, die dann auch wirklich verstanden werden. Also, der Bedarf ist durchaus sehr gro\u00df. <\/p>\n<p>DO: Bevor wir zu Ihrem Avatar kommen, k\u00f6nnen sie uns vielleicht erl\u00e4utern, es gibt ja mittlerweile ganz gute Algorithmen um Texte von Sprache x in Sprache y zu \u00fcbersetzen, wo besteht die spezielle Herausforderung Lautsprache oder geschriebene Sprache  automatisiert  in Geb\u00e4rdensprache zu \u00fcbersetzen?<\/p>\n<p>AS: also zum einen gibt es nicht die eine Geb\u00e4rdensprache, also m\u00fcssen wir kontextbezogene \u00dcbersetzung durchf\u00fchren. Das hei\u00dft, wir k\u00f6nnen nicht Texte eins zu eins \u00fcbersetzen, sondern es musseben auch eine Verst\u00e4ndlichkeit gegeben sein. Das ist zumindest die erste gro\u00dfe Herausforderung. Dolmetscherinnen machen das im Prinzip auch. Sie \u00fcberlegen sich genau, wie der Text auch tats\u00e4chlich verst\u00e4ndlich \u00fcbersetzbar gemacht werden kann.<br \/>\nDas ist eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen, das so einfach wie m\u00f6glich darzustellen und auch dann entsprechend zu \u00fcbersetzen. Wenn wir Wort f\u00fcr Wort \u00fcbersetzen, dann fehlt die Grammatik, es fehlt der Sinn, die Sinnhaftigkeit und somit kann der Kontext nicht verstanden werden. Zum anderen ist die Herausforderung aber auch noch gegeben, dass wir erstmal den Text in eine \u00fcbersetzbare ich sag mal Textsprache \u00fcbersetzen und diese Textsprache dann wieder in Animation also in eine dreidimensionale Sprache r\u00fcck\u00fcbersetzbar machen. Das ist eine riesen-Herausforderung, die wir da bewerkstelligen m\u00fcssen. Zum einen einmal die Sinn-Analyse: Wie ist der Text im Kontext gemeint. Zum anderen aber auch dann wieder bestimmte Bewegungsparameter zu generieren, um einen Avatar animierbar zu machen oder eine \u00dcbersetzung dann auch in Geb\u00e4rdensprache in diese dreidimensionale Bildsprache zu \u00fcbersetzen. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Ein_Avatar_fuer_Gebaerdensprache\"><\/span>Ein Avatar f\u00fcr Geb\u00e4rdensprache<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>DO: sie haben es gerade schon gesagt, dass Ihre Firma auf die Entwicklung von Avataren spezialisiert ist. Was genau ist jetzt das neue an diesem Avatar f\u00fcr Geb\u00e4rdensprache, was sie gerade entwickeln.<\/p>\n<p>AS: Aus unserer Sicht ist das so die K\u00f6nigsdisziplin, die wir schaffen k\u00f6nnen, weil es nat\u00fcrlich unheimlich viele Details gibt die von den Geh\u00f6rlosen in der Bildsprache wirklich wahrgenommen werden. Das hei\u00dft, wir m\u00fcssen sehr genau arbeiten, um die Animation zu gestalten, sonst wird die Verst\u00e4ndlichkeit nicht gegeben sein. Das ist das eine Thema. Und zum anderen gehen wir hier auch sehr stark in einen Bereich fast fotorealistischer Abbilder von menschlichen Darstellern. Wir bleiben nat\u00fcrlich im dreidimensionalen Umfeld. Es gibt auch Avatare die auf Basis von Videobildern generiert werden, das ist nicht das Thema, was wir forcieren, sondern wir gehen dann tats\u00e4chlich an einer dreidimensionalen, ich sag mal so, spiele\u00e4hnlichen Umgebung, wo aber wirklich ein Fotorealismus, also ein H\u00f6chstgrad an Genauigkeit und Qualit\u00e4t in der Animation gegeben sein wird. Damit haben wir in der Vergangenheit einige positive Erfahrung machen k\u00f6nnen.<br \/>\nDas gr\u00f6\u00dfte Problem in der Vergangenheit war auch immer, dass die Verst\u00e4ndlichkeit und somit auch die Akzeptanz fehlgeschlagen ist, weil es einfach zu roboterhafte oder zu cartoon-m\u00e4\u00dfige Darstellungsformen gab. Wir versuchen das \u00fcber die realistische Darstellung und \u00fcber den Stand der heutigen Technik entsprechenden qualitativen M\u00f6glichkeiten in der Animation darzustellen.<\/p>\n<p>DO: wenn ich richtig verstanden habe gab&#8217;s da spezielle Herausforderungen, wie z.B. dass das Mundbild bei der Geb\u00e4rdensprache auch extrem wichtig ist und dass das durch bisherige Avatare nicht getreu abgebildet werden kann.<\/p>\n<p>AS: ja, das ist richtig. Die kommunizierte Emotion, das Mundbild, die Mimik und auch die Bewegungsabl\u00e4ufe m\u00fcssen flie\u00dfen und genau sein aber auch in einer gewissen Synchronit\u00e4t funktionieren. Das hei\u00dft, bestimmte Verz\u00f6gerungen f\u00fchren zu einer falschen Darstellung und einer falschen Verst\u00e4ndlichkeit und deswegen muss die h\u00f6chstgradige Synchronit\u00e4t auch gegeben sein, auch selbst eine Handstellung, eine Handposition wenn die an einer falschen Ebene ist kann es zum ganz anderen Verst\u00e4ndnis oder einer ganz anderen Bedeutung f\u00fchren. Genau deswegen sind diese ganzen zeitlichen und auch genauen und r\u00e4umlichen Darstellung enorm wichtig und das Mundbild haben sie vollkommen recht das ist eine der wichtigsten Gegebenheiten genauso wie in der deutschen Geb\u00e4rdensprache die Mimik eine ganz wichtige Rolle spielt.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Die_Einbindung_von_Gehoerlosen\"><\/span>Die Einbindung von Geh\u00f6rlosen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>DO: das ist ja ein l\u00e4nger laufendes Forschungsprojekt gewesen. Inwieweit waren denn Personen mit der Geb\u00e4rdensprache als Muttersprache an dem Projekt beteiligt? <\/p>\n<p>AS: Wir haben versucht, von Anfang an darauf zu achten, dass wir Geh\u00f6rlose Mitarbeitende da haben. Und wir haben ja einen Partner, die Firma jomma aus Hamburg, die uns da tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt haben. Sie haben 29 Mitarbeitende, die quasi fast alle in dem Bereich der Geh\u00f6rlosigkeit liegen und letztendlich Menschen dieeben auch dort die Muttersprache beherrschen. Die haben wir beratend, also in unserem Projekt auch mitarbeitend gehabt. Die Firma jomma hatdie Expertise mit eingebracht, aber wir haben auch in verschiedenen evaluationsstufen in dem dreij\u00e4hrigen Forschungsprojekt auch versucht, so viel es geht Aufkl\u00e4rungsarbeit zu leisten und die Community mit zu involvieren.<br \/>\nDas hei\u00dft, wir haben verschiedene Befragungen\/Umfragen, aber auch Demonstratoren entwickelt die getestet wurden von geh\u00f6rlosen Menschen die uns auch Feedback gegeben haben was gut war, was schlecht war, was verst\u00e4ndlich war, was nicht verst\u00e4ndlich war, um somit eigentlich einen h\u00f6hst Grad an Akzeptanz auch zu schn\u00fcren mit der Darstellung der Visualisierung. Aber auch wir k\u00f6nnen nur lernen, wenn wir in der gemeinsamen Erarbeitung auch hier entsprechende Technologien vorantreiben. Und das war f\u00fcr uns ganz wichtig, dass die Geh\u00f6rlosen-Community eine wesentliche Rolle spielt. Wir wissen, dass wir noch zu wenig gemacht haben, das muss ich ganz selbstkritisch sagen und wir brauchen im Prinzip in der Zukunft in den Projekten noch mehr Expertise, noch mehr Mitarbeitende Teammitglieder, die wir im Prinzip involvieren k\u00f6nnen und damit wir gemeinsam herauch an der Zukunft der Geb\u00e4rdensprach-Digitalisierung arbeiten k\u00f6nnen, ist das einfach ein ganz wichtiges Element, was wir auch gemerkt haben.<\/p>\n<p>DO: Das ist auch deshalb wichtig, weil diese Avatare in fr\u00fcheren Versionen ja sehr stark kritisiert wurden aus der Geh\u00f6rlosen-Community. <\/p>\n<p>AS: also zum einen haben wir in der Vergangenheit ja einen festen Partner, der diese Sprach-Expertise und durch Taube Dolmetschende quasi mit eingebracht hat. Das hei\u00dft, wir haben tats\u00e4chlich Mitarbeitende Team Mitglieder gehabt und das war aber ehrlich gesagt zu wenig, weil in dem Forschungsprojekt waren eigentlich zu wenige Personen, die sich dann auch austauschen konnten.<br \/>\nZum anderen haben wir nat\u00fcrlich Teilnehmende aus Social Media akquiriert, die eben gesagt haben: Wir m\u00f6chten hier ein bisschen mehr erfahren \u00fcber das Projekt, wir m\u00f6chten vielleicht auch mal bei den Befragungen teilnehmen. Aber wir haben kein spezielles Verfahren entwickelt.<br \/>\naber wir haben ein Folgeprojekt, was wir realisieren. Da geht&#8217;s dann auch um eine bidirektionale Kommunikation. Dass man im Prinzip auch einen Dialog in Geb\u00e4rdensprache f\u00fchren kann zwischen H\u00f6renden und Nicht-H\u00f6renden. Da geht&#8217;s dann auch um Sensor-Erkennung\/Geb\u00e4rden Erkennung, ein sehr herausforderndes Thema und hier in dem Bereich sind wir gerade unterwegs, dass wir auch tats\u00e4chlich einen Beirat ethisch moralische Unterst\u00fctzung noch mit einbinden, wo wir Taube mit Menschen in den Beirat einberufen, die auch Expertise mit einbringen, wo noch mehr Mitarbeitende Partner, die auch wirklich entgeltlich mitarbeiten und nicht nur einfach ehrenamtlich, mit involvieren m\u00f6chten.<br \/>\nDa arbeiten wir h\u00f6renden sicherlich viel viel breiter und anders auf einer ganz anderen Ebene, weil es einfach viel mehr Menschen gibt die h\u00f6rend sind. Und insofern auch nicht alle zu fordernd irgendwo mitarbeiten m\u00fcssen und daf\u00fcr nicht entgeltet werden. Aber hier in der geh\u00f6rlosen Kommunikation haben wir gemerkt, dass wir da einfach viel mehr aufbauen m\u00fcssen, viel mehr investieren m\u00fcssen und auch viel mehr ja auch vielleicht aktiv Mitarbeitende Teammitglieder akquirieren, die auch da entgeltlich arbeiten.<br \/>\nEs war unser erstes Projekt, das erste avasak Projekt, was wir realisiert haben, wo wir wirklich auch viel lernen mussten, ich sag mal das erste dreiviertel Jahr bis Jahr ging wirklich dar\u00fcber, dass wir wirklich alle auf der gleichen Wellenl\u00e4nge gearbeitet haben. Das hei\u00dft, es war sehr viel wissen, was vermittelt wurde sowohl von den Geh\u00f6rlosen als auch von den H\u00f6renden. Wir hatten 3d-artisten wir hatten Software Entwickler wir hatten Wissenschaftler in dem Projektteam und wir haben Geh\u00f6rlose in dem Team gehabt und wir haben dazu noch die dolmetschenden, die wirklich dann auch komplett immer involviert waren in die Prozesse. Allein der Umgang mit Geh\u00f6rlosen Geb\u00e4rdensprach-dolmetschenden war recht schwierig und da mussten wir erstmal alle abholen. Da ging sehr viel Zeit darauf, dass wir alle die gleiche Sprache gesprochen haben und auch das gleiche Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Forschungsstand und auch die Zielsetzung hatten. Da haben wir sehr viel gelernt.<br \/>\nUnd wir haben gemerkt, dass viel zu wenige der Native Signer, also jenen, die Geb\u00e4rdensprache als Muttersprache haben, auch dabei waren und das wollen wir jetzt in der Zukunft auch immer weiter forcieren und optimieren. Und das ist eigentlich auch eine gro\u00dfe Zielsetzung im jetzigen Forschungsprojekt und in anderen Projekten.<br \/>\nVielleicht noch ein Aspekt, den ich erw\u00e4hnen m\u00f6chte: Wir haben gemerkt, dass sich ganz neue Job-Beschreibungen, also Beschreibung von Arbeitspl\u00e4tzen ergeben, woraus wir ganz viel Potenzial sch\u00f6pfen glaube ich, was wir in der Zukunft auch noch aufbauen m\u00fcssen und wo wir auch viel mehr f\u00fcr das Thema Inklusion machen m\u00f6chten. Wir sehen dass hier allein schon in dem Projekt, was wir jetzt realisiert haben und was jetzt auch fortgef\u00fchrt wird, wahnsinnig viel Kompetenz.<br \/>\nDaraus k\u00f6nnen sich neue Job-Beschreibungen und Arbeitspl\u00e4tze ergeben. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Kuenftige_Projekte\"><\/span>K\u00fcnftige Projekte<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>DO: Wenn ich richtig verstanden habe ist das erste Forschungsprojekt jetzt abgeschlossen. Mich h\u00e4tte auch interessiert: Wie lange hat das erste Forschungsprojekt gedauert und was sind jetzt die n\u00e4chsten Schritte die Sie tun werden?<\/p>\n<p>AS: Also das erste Forschungsprojekt ist avasak, da ging es um die KI-basierte \u00dcbersetzung von Text in geberdensprache und Wirten uns als Anwendungsdom\u00e4ne das Reise Umfeld, also Reise Information und aktualisierte Hinweise im Reise Kontext ausgesucht. Das ging von 2000 bis 2023. In dem Projekt wurde eine Basistechnologie erstmal erforscht und entwickelt. Da fehlt noch ganz viel an Daten umwirklich komplett zu sagen wir gehen in die Richtung, wir haben einen \u00dcbersetzungsservice beispielsweise wie Google Translate oder deepl wo man Text reinhaut und dann kommt ein \u00fcbersetzungs Feld raus so weit sind wir noch nicht. Wir haben hier nur die elementar grundlegensten \u00dcbersetzungs-Mechanismen erforscht und entwickelt unddie qualitative Darstellung die wir erreichen m\u00fcssen damit eine Verst\u00e4ndlichkeit erreicht werden kann.<br \/>\nMit diesem Basis-Kenntnissen arbeiten wir nat\u00fcrlich weiter und wir haben jetzt da verschiedene Projekte realisiert aber auch in ein gro\u00dfes Projekt wo wir jetzt im Bereich der kommunalen Kommunikation arbeiten da haben wir ein mittlerweile 70 Kommunen mit im Feld wo wir einfach sagen wir m\u00f6chten digitale Dienste auch barrierefrei in Geb\u00e4rdensprache verf\u00fcgbar machen und bauen da ein \u00dcbersetzung das hei\u00dft kommunaler Geb\u00e4rdensprach-Avatar.<br \/>\nUnd ein neues Forschungsprojekt, wo wir auch die Grundlagen Forschung erstmal machen istim bigeko da geht&#8217;s um eine bidirektionale Geb\u00e4rdensprach-Kommunikation, wo wir versuchen ein System zu realisieren mit denen h\u00f6rende und Geh\u00f6rlose im Bereich einer Notruf-Simulation ich muss sagen Simulation weil wir nat\u00fcrlich kein System entwickeln s erproben welche Anforderung gegeben sein m\u00fcssen wie z.B. ein Absetzen eines Notrufes oder eine Meldung eines Unfalls in Geb\u00e4rdensprache, aber auch von einer Leitstellen aufgenommen werden kann.<br \/>\nWie sind wir darauf gekommen. Wir hatten im Rahmen von dem abersak Projekt beispielsweise die R\u00fcckfrage von einzelnen \u00d6PNV-Unternehmen: Die sagen, wir haben hier Notruf sollen in den U-Bahnsch\u00e4chten stehen, in U-Bahnstationen stehen. Und wenn da ein Geh\u00f6rloser hingeht dann dr\u00fcckt er den Knopf und dann war&#8217;s das und mehr passiert nicht. Wir haben \u00fcberlegt: Wie kann man das \u00e4ndern. Insofern muss maneben verschiedene sensorbasierte Technologien haben, mit denen wir Geb\u00e4rden \u00fcbermitteln k\u00f6nnen, die dann direkt in Text \u00fcbersetzt werden oder in Sprache. Und umgekehrt musseben die Leitstelle auch die M\u00f6glichkeit haben, hier auch Inhalte zu \u00fcbermitteln, modular zusammenzustellen und Fragen zu stellen, die dann in Geb\u00e4rdensprache gegeben werden k\u00f6nnen. Und das ist eigentlich so eine Zielsetzung, ,die wir jetzt gerade in den n\u00e4chsten 3 Jahren erarbeiten.<br \/>\nDas sind alles Projekte die immer noch in der Grundlagenforschung sind. Wir werden auch rudiment\u00e4r erstmal Technologien analysieren und erforschen, dieeben m\u00f6glich sind und wir wollen ein Anwendungs-Case mit der Geh\u00f6rlosen Community dann auch erarbeiten, was Notwendigkeiten angeht und die Usability auch erforderlich macht die Gewissen Caseeben auch notwendig sein muss. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Weitere_Infos\"><\/span>Weitere Infos<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Do: Dann die letzte Frage. Wo kann man sich \u00fcber die Projekte weiter informieren ?<\/p>\n<p>AS: also wir bieten zum einen nat\u00fcrlich auf den Webseiten einiges an Informationen. Aber wir bieten auch regelm\u00e4\u00dfig Webinare an. Das hei\u00dft, es kommt dann immer drauf an wor\u00fcber m\u00f6chte ich mich informieren. Zum einen gibt&#8217;s Webinare die f\u00fcr die Kunden von Interesse sind, wo ich einfach mehr erfahren kann, welche M\u00f6glichkeiten es in der \u00dcbersetzung in Geberdensprache gibt und wie wir damit umgehen und was f\u00fcr n\u00e4chste Schritte wir realisieren.<br \/>\nZum anderen gibt&#8217;s aber vor allem f\u00fcr die Geh\u00f6rlosen Community auch Informationschannels, die wir mit der Firma yomma machen. Das sind dann auch in Geb\u00e4rdensprache gehaltene Webinare oder Meetings, wo quasi dann \u00fcber die Projekt-Fortschritte, wo aufgekl\u00e4rt wird \u00fcber bestimmte Ergebnisse, die wir erzielt haben. Aber auch, um eben auch Tests zu machen, zu gucken, wie kommt ihr damit in einer offenen Diskussion klar oder was sind kritische Punkte. Und da kann ich nur empfehlen, auf unseren Social Media-Kan\u00e4len zu folgen oder auf den Webseiten. Und da werden dann regelm\u00e4\u00dfig Informationen zu den entsprechenden Veranstaltungen gegeben .<\/p>\n<p>DO: ja super ich werde auf jeden Fall die Sachen in den Shownotes verlinken. Ich danke Ihnen f\u00fcr Ihre Zeit und w\u00fcnsche viel Erfolg f\u00fcr das weitere Projekt. <\/p>\n<p>AS: ich danke ganz herzlich f\u00fcr die M\u00f6glichkeit und ich kann nur immer sagen: Wir stehen noch ganz am Anfang und da ist noch viel Entwicklungsleistung zu erbringen. Ich meine, wenn man an \u00fcbersetzungs-Services 20 Jahre zur\u00fcckdenkt, da hat man ja auch noch nicht Texte in andere Sprachen \u00fcbersetzen k\u00f6nnen. Insofern stehen wir da ganz  am Anfang. Aber ich glaube, es ist ein ganz wichtiger Schritt, um eben auch hier alle Inhalte digital verf\u00fcgbar zu machen<br \/>\n<a href=\"https:\/\/charamel.com\/blog\/avasag-signlanguageavatar-05-05-2020\">Weitere Infos zum Avatar bei Charamel<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier ist das Transkript zum oben eingebetteten Podcast. Alle Tippfehler und Ungenauigkeiten gehen auf mein Konto. 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