{"id":933,"date":"2018-04-18T18:41:32","date_gmt":"2018-04-18T16:41:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?page_id=933"},"modified":"2023-07-21T15:36:38","modified_gmt":"2023-07-21T13:36:38","slug":"altersgerecht-oder-barrierefrei","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gesellschaft\/altersgerecht-oder-barrierefrei\/","title":{"rendered":"Der Unterschied zwischen altersgerecht und barrierefrei"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: 0;\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/49-neue-episode\/embed?context=external&amp;theme=default\" width=\"100%\" height=\"100\" frameborder=\"0\"><\/iframe><br \/>\nWer auf der Suche nach einer barrierefreien Wohnung ist, merkt schnell, dass altersgerecht und behindertengerecht nicht dasselbe ist. Aber was ist eigentlich der Unterschied?<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_83 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gesellschaft\/altersgerecht-oder-barrierefrei\/#Gemeinsamkeiten\" >Gemeinsamkeiten<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gesellschaft\/altersgerecht-oder-barrierefrei\/#Unterschiede\" >Unterschiede<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gesellschaft\/altersgerecht-oder-barrierefrei\/#Was_tun\" >Was tun?<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/gesellschaft\/altersgerecht-oder-barrierefrei\/#Zum_Weiterlesen\" >Zum Weiterlesen<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Gemeinsamkeiten\"><\/span>Gemeinsamkeiten<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Die Gemeinsamkeiten zwischen behinderten und alten Menschen sind gro\u00df. So verschlechtern sich im Alter oft die Beweglichkeit, das Geh\u00f6r oder das Sehverm\u00f6gen. Die Konzentrations- und Ged\u00e4chtnisf\u00e4higkeit k\u00f6nnen nachlassen und so weiter. Wir finden also typische Merkmale einer k\u00f6rperlichen oder <a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/barrierefreies-internet\/formen-von-einschraenkungen\/kognitive-einschraenkungen\/\">kognitiven Behinderung<\/a>. Dabei sind nat\u00fcrlich die Unterschiede enorm. Manch 70-j\u00e4hriger l\u00e4uft einen Marathon, w\u00e4hrend ein Anderer schon auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Ich kann es mir an dieser Stelle einfach machen, wer keine schwerwiegende k\u00f6rperliche oder geistige Einschr\u00e4nkung hat, braucht nat\u00fcrlich auch keine Unterst\u00fctzung und muss uns an dieser Stelle nicht interessieren.<br \/>\nEs zeigt aber auch, dass \u00e4ltere Menschen ebenso wenig eine homogene Gruppe sind wie Sehbehinderte oder Rollstuhlfahrer. Das hei\u00dft, dass pauschale Angebote f\u00fcr Dienstleistungen immer weniger passen. Stattdessen m\u00fcssen Angebote modular aufgebaut werden, also so, dass sich jeder das Angebot seinem Bedarf entsprechend gestalten kann.<br \/>\nDie altersgerechten Produkte oder Dienstleistungen werden in der heutigen Form immer weniger akzeptiert. Auf die Hersteller kommt die Forderung zu, ihre Produkte sowohl attraktiver als auch einfacher zu gestalten. So sind die Screenreader, wie sie von Blinden benutzt werden immer noch zu kompliziert f\u00fcr \u00e4ltere Menschen, die sp\u00e4t erblindet oder sehbehindert geworden sind. SeniorBook mag heute ein attraktives Angebot f\u00fcr Seniors sein, aber die Seniors der Zukunft werden darauf pfeifen und einfach Facebook nutzen oder was immer an dessen Stelle tritt, wieder eine Gemeinsamkeit mit behinderten Menschen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Unterschiede\"><\/span>Unterschiede<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Jemand, der im h\u00f6heren Alter sein Geh\u00f6r oder Sehverm\u00f6gen einb\u00fc\u00dft, geht damit naturgem\u00e4\u00df ganz anders um als ein fr\u00fch Ertaubter oder Erblindeter.<br \/>\nEin Blinder oder Geh\u00f6rloser betrachtet sich meistens, vor allem wenn er es von Geburt an ist als behindert. Jemand, der im reiferen Alter schlechter h\u00f6rt oder sieht tut das oftmals nicht, selbst wenn er einen Behindertenausweis hat oder Nachteilsausgleiche nutzt. Auch viele \u00e4ltere Menschen oder ihre Angeh\u00f6rigen betrachten sich oft nicht als behindert, auch wenn sie es nach der Definition w\u00e4ren. Oftmals kommen sie gar nicht auf die Idee, dass es spezielle Hilfsmittel gibt, die ihnen einiges erleichtern w\u00fcrden.<br \/>\nAu\u00dferdem ist es im Alter deutlich schwieriger, sich an die ver\u00e4nderte Situation anzupassen. Ich muss immer lachen, wenn jemand erz\u00e4hlt, er k\u00e4me mit seinen 60 Prozent Sehrest nicht mehr klar. Aber nat\u00fcrlich ist seine Situation subjektiv schwieriger als meine, ich habe nie ein Auto steuern oder Informationsschilder lesen k\u00f6nnen. Ich bin gr\u00f6\u00dftenteils an meine Situation angepasst. F\u00fcr einen Newbie sind selbst die kleinsten Dinge wie das Einkaufen eine Herausforderung. Diese Gruppe tut sich auch oft schwerer damit, Fremde um Hilfe zu bitten. Als Geburts-Behinderte wissen wir, welche Leistungen und Unterst\u00fctzungen es f\u00fcr uns gibt. Ein Newbie muss sich oft m\u00fchsam in das Thema einarbeiten, vorausgesetzt, er ist \u00fcberhaupt bereit, solche Leistungen zu nutzen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Was_tun\"><\/span>Was tun?<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Anstatt immer mehr Standards f\u00fcr Barrierefreiheit zu entwickeln, die alle ihre Berechtigung haben, ist es wichtig, Barrierefreiheit in bestehende Standards zu integrieren.<br \/>\nDer zweite Schritt, der leider notwendig ist, ist die Erlassung von Gesetzen, die auch private Tr\u00e4ger zur Barrierefreiheit verpflichten. Es ist heute nicht mehr hinzunehmen, dass immer noch Geb\u00e4ude gebaut oder Busse angeschafft werden, die nicht barrierefrei sind. Private Bauherren freuen sich \u00fcber ein paar tausend Euro Ersparnis, bis sie ihre Wendeltreppe herunterfallen und f\u00fcr zwei Monate einen Gips brauche. Oder bis sie alt werden. Ich darf behaupten, die meisten von ihnen werden zumindest zeitweise dankbar daf\u00fcr sein, dass man sie zur Barrierefreiheit gezwungen hat.<br \/>\nEntsprechend m\u00fcssen Rehaleistungen angepasst werden. Meiner Erfahrung nach zielen die meisten Leistungen auf junge oder Behinderte im mittleren Alter, Menschen, die oft am Anfang oder in der Mitte des Erwerbslebens stehen. Der Bedarf an altersgerechten Rehas wird steigen. Sie brauchen ein Orientierungs- und Mobilit\u00e4tstraining und Hilfsmittel, die an ihre Bed\u00fcrfnisse angepasst sind. Komplexe Hilfsmittel wie Screenreader m\u00fcssen radikal vereinfacht werden. Krankenkassen und andere Rehatr\u00e4ger m\u00fcssen endlich damit aufh\u00f6ren, Antr\u00e4ge endlos zu verschleppen.<br \/>\nDann wiederum gibt es Bereiche, in denen \u00c4ltere und Behinderte gleicherma\u00dfen profitieren: Touristische Angebote, Produkte und Dienstleistungen k\u00f6nnen so weiterentwickelt werden, dass sie einer wesentlich gr\u00f6\u00dferen Zahl von Menschen zugutekommen. Der Fehler, der heute grunds\u00e4tzlich gemacht wird ist, dass Behinderung immer als Ausnahme und nicht als Regel betrachtet wird. Ein Flughafen ist f\u00fcr den gesunden Sehenden gebaut und nicht f\u00fcr den gehkranken Sehbehinderten. Die Deutsche Bahn r\u00fchmt sich mit ihrem Mobilit\u00e4tsservice, statt die Bahnh\u00f6fe und Z\u00fcge so einzurichten, dass dieser Service nur noch in Ausnahmen ben\u00f6tigt wird. Wer an dieser Stelle mit dem Geldargument kommt, Barrierefreiheit ist im Vergleich sicher nicht der h\u00f6chste und oftmals \u00fcberhaupt kein relevanter Kostenfaktor. Es wird schlicht verkannt, dass es um eine riesige Gruppe geht, die als potentielle Kundschaft ausf\u00e4llt, wenn nicht die richtigen Verh\u00e4ltnisse geschaffen werden. Ich wiederhole es gerne: Viele Leute sind nicht bereit, Fremde um Hilfe zu bitten oder spezielle Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen, weil sie sich nicht als Zielgruppe daf\u00fcr betrachten oder schlicht nicht wissen, dass es solche Angebote gibt. Im Ergebnis verzichten sie darauf, bestimmte Leistungen zu nutzen und fallen als Kunden aus.<br \/>\nEine andere Frage ist, ob die Leistungen f\u00fcr Behinderte angepasst werden m\u00fcssen. Wenn sich jemand nicht als behindert betrachtet, wird er auch keine Behinderten-Leistungen in Anspruch nehmen. Muss der Lappen Schwerbehindertenausweis hei\u00dfen, obwohl er auch von Menschen mit chronischen oder psychischen Krankheiten genutzt wird, die nicht &#8222;schwer behindert&#8220; sind? Ist schwer behindert eine Kategorie, die wir im 21. Jahrhundert noch brauchen?<br \/>\nLast not least sollten behinderte und \u00e4ltere Menschen aktiv werden, um die Inklusion schneller und nachhaltiger in die Gesellschaft zu verankern. \u00c4ltere Blinde legen noch sehr viel Wert auf Kurse, wo sie unter sich sind. So bieten die Aurazentren zahllose Kurse in abgeschiedenen Kurorten. Zweifellos wird es diese Angebote in Zukunft noch geben, dennoch gehe ich davon aus, dass die Inklusion in den Schulen dazu f\u00fchren wird, dass die Behinderten von heute wie selbstverst\u00e4ndlich davon ausgehen werden, dass alle Angebote inklusiv sind. Um ein Motto abzuwandeln: Was nicht inklusiv ist, wird inklusiv gemacht. Das hei\u00dft, Kursleiter und andere Verantwortliche, die daf\u00fcr offen sind werden sich von den behinderten und \u00e4lteren Menschen zeigen lassen, wie sie ihre Angebote inklusiv oder altersgerecht gestalten k\u00f6nnen.<br \/>\nDieser Punkt ist wichtig. Es wird nie gen\u00fcgend Inklusions-Fortbildungsangebote geben, damit alle Verantwortlichen sich schulen lassen k\u00f6nnen, wie sie ihr Angebot inklusiv gestalten k\u00f6nnen. Der Ball wird zur\u00fcckgespielt an die Early Adopters, wie man sie nennen kann. Sie bzw. wir sind an der Reihe, unseren Beitrag zur Inklusion zu leisten.<br \/>\nEbenso ist die Inklusion \u00e4lterer Menschen kein Selbstl\u00e4ufer. Nat\u00fcrlich ist es immer einfacher, darauf zu warten, dass der Staat Gesetze und Richtlinien gegen Altersdiskriminierung und \u00c4hnliches erl\u00e4sst. Aber die Barrieren in den K\u00f6pfen k\u00f6nnen wir nur selbst abbauen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Zum_Weiterlesen\"><\/span>Zum Weiterlesen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/netz-barrierefrei.de\/en\/age.html\">The difference between age-friendly and accessible<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/demografischer-wandel-und-barrierefreiheit-wir-sind-auf-die-alternde-gesellschaft-nicht-vorbereitet\/\">Demografischer Wandel, alternde Gesellschaft und Barrierefreiheit<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/barrierefreies-internet\/formen-von-einschraenkungen\/barrierefreie-webseiten-fuer-senioren\/\">Barrierefreies Internet f\u00fcr Senioren<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/netz-barrierefrei.de\/en\/age.html\">The difference between age-friendly and accessible<\/a><\/li>\n<li>Ich empfehle besonders die Studie des Schweizer SZB Im Alter eine Sehbehinderung erfahren als PDF<\/li>\n<li>thunertagblatt.ch. Wie ich die Eltern an die Schwerh\u00f6rigkeit verliere<\/li>\n<li>SZB.ch Wenn Sehbehinderung mit Demenz verwechselt wird &#8211; PDF<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer auf der Suche nach einer barrierefreien Wohnung ist, merkt schnell, dass altersgerecht und behindertengerecht nicht dasselbe ist. Aber was ist eigentlich der Unterschied? 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