{"id":9511,"date":"2024-10-03T15:55:08","date_gmt":"2024-10-03T13:55:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?page_id=9511"},"modified":"2024-10-03T15:59:01","modified_gmt":"2024-10-03T13:59:01","slug":"inklusion-im-museum-ein-gespraech-mit-der-beraterin-annalena-knors","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/inklusion-im-museum-ein-gespraech-mit-der-beraterin-annalena-knors\/","title":{"rendered":"Inklusion im Museum &#8211; ein Gespr\u00e4ch mit der Beraterin Annalena Knors"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/213-inklusion-im-museum-ein-gesprach-mit-annalena-knors\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><\/p>\n<p>Das ist das Transkript zum Podcast. Der text wurde mit Hilfe von ChatGPT gegl\u00e4ttet. Alle Tippfehler und Ungenauigkeiten gehen auf mein Konto. <\/p>\n<p>Ich spreche mit der Beraterin zur Inklusion in Kultur-Einrichtungen Annalena Knors.<\/p>\n<p>Domingos: Herzlich willkommen zu einem neuen Podcast \u00fcber digitale Barrierefreiheit. Heute habe ich wieder einen besonderen Gast dabei: AnnaLena Knors engagiert sich stark im Bereich der inklusiven Kulturgestaltung, insbesondere in Museen. Aber dar\u00fcber wird sie gleich selbst mehr erz\u00e4hlen. Zun\u00e4chst einmal vielen Dank, Annalena, dass du dir die Zeit f\u00fcr diesen Podcast nimmst.<\/p>\n<p>Annalena:  Sehr gerne! Ich freue mich sehr auf unser Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Domingos:  Vielleicht k\u00f6nnen wir damit beginnen, dass du dich den Zuh\u00f6rer:innen kurz vorstellst.<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_82_2 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/inklusion-im-museum-ein-gespraech-mit-der-beraterin-annalena-knors\/#Ueber_Annalena\" >\u00dcber Annalena<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/inklusion-im-museum-ein-gespraech-mit-der-beraterin-annalena-knors\/#Lieber_selbstaendig_als_angestellt\" >Lieber selbst\u00e4ndig als angestellt<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/inklusion-im-museum-ein-gespraech-mit-der-beraterin-annalena-knors\/#Annalenas_Beratungs-Taetigkeiten\" >Annalenas Beratungs-T\u00e4tigkeiten<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/inklusion-im-museum-ein-gespraech-mit-der-beraterin-annalena-knors\/#Kultur-Einrichtungen_als_Avantgarde_in_der_Inklusion\" >Kultur-Einrichtungen als Avantgarde in der Inklusion?<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-5\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/inklusion-im-museum-ein-gespraech-mit-der-beraterin-annalena-knors\/#Lokale_Vernetzung_ist_sinnvoll\" >Lokale Vernetzung ist sinnvoll<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-6\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/podcast-videocast-digitale-barrierefreiheit\/inklusion-im-museum-ein-gespraech-mit-der-beraterin-annalena-knors\/#Annalenas_Kanaele\" >Annalenas Kan\u00e4le<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Ueber_Annalena\"><\/span>\u00dcber Annalena<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Annalena:  Gerne. Mein Name ist Annalena Knorrs, und ich arbeite freiberuflich als Museumsberaterin. Vor etwa sechs Jahren habe ich mich in diesem Bereich selbstst\u00e4ndig gemacht und begleite seitdem kulturelle Einrichtungen, insbesondere Museen, dabei, ihre Zug\u00e4nglichkeit vor und hinter den Kulissen zu verbessern. Ich verstehe dieses Thema als eine ganzheitliche Querschnittsaufgabe, die auch als Managementaufgabe wahrgenommen werden sollte. Mein Ziel ist es, Museumsbesuche f\u00fcr m\u00f6glichst viele Menschen planbar und vor Ort genie\u00dfbar zu machen \u2013 und im besten Fall empfehlen die Besucher:innen das Museum anschlie\u00dfend weiter.<\/p>\n<p>Domingos: Du hast ja eine Sehbehinderung. Kannst du ein wenig dar\u00fcber erz\u00e4hlen?<\/p>\n<p>Annalena: Ich habe eine genetisch bedingte Augenerkrankung, die sich jedoch erst ab etwa 8 bis 9 Jahren bemerkbar macht. Bis dahin habe ich in Anf\u00fchrungszeichen normal gesehen. Diese Augenerkrankung schreitet Schritt f\u00fcr Schritt voran. Derzeit ist es so, dass ich noch Lichtquellen gut erkennen kann, sei es nat\u00fcrliche Lichtquellen oder Lampen in einem Raum. Auch gro\u00dffl\u00e4chige Kontraste nehme ich noch wahr, zum Beispiel drau\u00dfen den Unterschied zwischen Rasen und Himmel. Ich bin also im Moment noch nicht vollst\u00e4ndig ohne Wahrnehmung.<\/p>\n<p>Domingos:  Ah ja, okay. Wie bist du denn zum Thema Museum gekommen?<\/p>\n<p>Annalena:  Das ist eine Frage, die mir tats\u00e4chlich oft gestellt wird, weil viele Menschen Museen haupts\u00e4chlich mit visueller Wahrnehmung verbinden \u2013 also mit dem Betrachten von Bildern, Gem\u00e4lden und Kunstwerken. Ich interessiere mich schon seit langer Zeit f\u00fcr Museen und Kultur im Allgemeinen, daher habe ich Kulturwissenschaften studiert. Im Studium hatte ich zun\u00e4chst keinen besonderen Schwerpunkt auf Museen, aber f\u00fcr meine Bachelorarbeit habe ich dann \u00fcber ein Thema geschrieben, das die Kombination von Museen und bildender Kunst f\u00fcr blinde Personen behandelt. Das war f\u00fcr mich der Einstieg, mich thematisch tiefer mit diesem Bereich zu befassen.<\/p>\n<p>Nach einigen Praktika und ersten Erfahrungen im Museumsbereich habe ich mich entschieden, noch tiefer einzutauchen und im Master Museumsmanagement und Museumskommunikation studiert. Dort habe ich dann den Schwerpunkt auf Management und Zug\u00e4nglichkeit gelegt. Parallel dazu habe ich immer gerne Museen besucht \u2013 sowohl privat als auch im Rahmen des Studiums. Es war ein sehr praxisnahes Studium in Berlin, bei dem wir viele Museen besuchen und mit Museumsexpert:innen in Kontakt treten konnten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Studiums durfte ich gelegentlich auch beratend t\u00e4tig sein oder Workshops geben. Nebenbei habe ich auch in Museen gearbeitet und festgestellt, wie viel Freude mir das bereitet \u2013 insbesondere die Begleitung von Museen. So habe ich nach dem Studium relativ schnell den Entschluss gefasst, in diesem Bereich weiterzumachen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Lieber_selbstaendig_als_angestellt\"><\/span>Lieber selbst\u00e4ndig als angestellt<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Du hast dich ja selbst\u00e4ndig gemacht anstatt fest in einem Museum zu arbeiten. Wie kam es dazu?<\/p>\n<p>Annalena: Ich habe den Entschluss gefasst, es einfach mal mit der Selbst\u00e4ndigkeit zu versuchen \u2013 und bis jetzt habe ich damit nicht aufgeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Domingos: Ja, das ist erw\u00e4hnenswert, denn es ist relativ ungew\u00f6hnlich, dass blinde Menschen den Weg in die Selbst\u00e4ndigkeit w\u00e4hlen. Die meisten entscheiden sich eher f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst oder engagieren sich in der Selbsthilfe. Deine Entscheidung f\u00fcr die Selbst\u00e4ndigkeit ist da schon au\u00dfergew\u00f6hnlich, zumindest nach meiner Erfahrung. Hast du diesen Schritt gemacht, um die M\u00f6glichkeit zu haben, verschiedene Museen zu betreuen? <\/p>\n<p>Annalena: Mhm, spannend, dar\u00fcber habe ich bisher noch gar nicht so intensiv nachgedacht. Aber ja, es gibt wohl mehrere Aspekte. Zum einen die hohe Flexibilit\u00e4t, die mir die Selbst\u00e4ndigkeit bietet \u2013 vor allem bei der Auswahl der Projekte. Wenn das Ganze tragf\u00e4hig ist, habe ich das gro\u00dfe Gl\u00fcck, entscheiden zu k\u00f6nnen, ob ich ein Projekt annehme oder nicht, und ob ich wirklich dahinter stehe. Das ist mir pers\u00f6nlich in meiner Arbeit sehr wichtig, und diese Flexibilit\u00e4t genie\u00dfe ich sehr. <\/p>\n<p>Ich merke auch sehr schnell die Auswirkungen meiner Entscheidungen \u2013 sowohl die positiven als auch die negativen. Das gef\u00e4llt mir an der Selbst\u00e4ndigkeit, auch wenn es manchmal eine gewisse Nervosit\u00e4t mit sich bringt, wenn es zu Schwankungen bei den Auftr\u00e4gen kommt. Ein gro\u00dfer Vorteil der Selbst\u00e4ndigkeit in Bezug auf meine Behinderung ist die M\u00f6glichkeit, meinen Arbeitsplatz selbst zu gestalten. Gerade im kulturellen Bereich sind viele Arbeitsverh\u00e4ltnisse nach wie vor sehr prek\u00e4r, oft mit zeitlich begrenzten Vertr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Nach meinem Masterstudium w\u00e4re der n\u00e4chste Schritt ein sogenanntes Volontariat gewesen, das meist zwei Jahre dauert. Dabei handelt es sich um eine Art kleine Ausbildung, die jedoch oft nur mit halbem Lohn verg\u00fctet wird. Urspr\u00fcnglich war das Volontariat f\u00fcr Quer-Einsteigerinnen in den Museumsbereich gedacht, doch inzwischen ist der Bereich so professionalisiert, dass es spezialisierte Studieng\u00e4nge gibt. <\/p>\n<p>Das Volontariat ist f\u00fcr viele der n\u00e4chste Schritt nach dem Studium, um im Museumsbereich Fu\u00df zu fassen. Man muss jedoch oft sehr mobil und flexibel sein und mit eher wenig Geld auskommen. In meinem Fall, auch in Bezug auf meine Behinderung, war das ein entscheidender Grund, die Selbst\u00e4ndigkeit zu w\u00e4hlen. Es ist f\u00fcr mich schwieriger, mich an einem neuen Ort schnell einzufinden, die Arbeitsabl\u00e4ufe kennenzulernen und mich zu orientieren. Wenn dann noch die Arbeitsverh\u00e4ltnisse befristet sind und ich h\u00e4ufig umziehen m\u00fcsste, um den n\u00e4chsten Job anzunehmen, w\u00fcrde mich das unruhig machen. In der Selbst\u00e4ndigkeit habe ich da mehr Kontrolle und Sicherheit.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Annalenas_Beratungs-Taetigkeiten\"><\/span>Annalenas Beratungs-T\u00e4tigkeiten<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Ja, was genau sind denn deine Aufgaben, wenn du Museen zum Thema Inklusion ber\u00e4tst? Mit welchen Fragestellungen kommen die Museen zu dir, und wie l\u00e4uft so eine Beratung \u00fcblicherweise ab? Das ist nat\u00fcrlich wahrscheinlich sehr individuell, aber vielleicht kannst du es generell beschreiben.<\/p>\n<p>Annalena: Mhm, ja, das stimmt, es ist tats\u00e4chlich sehr individuell, und das zeichnet eigentlich alle Projekte aus. Jedes Museum ist sehr unterschiedlich \u2013 sei es in Bezug auf die Tr\u00e4gerschaft oder die Gr\u00f6\u00dfe. Es gibt gro\u00dfe, eher beh\u00f6rdlich strukturierte Museen, aber auch ganz kleine, ehrenamtlich gef\u00fchrte Museen. In Deutschland gibt es \u00fcber 7.500 Museen, was die gr\u00f6\u00dfte Museumsdichte weltweit bedeutet. Da ist wirklich alles dabei, vom Museum f\u00fcr Zusatzstoffe bis hin zum Currywurstmuseum, und nat\u00fcrlich die gro\u00dfen Kunst- und kulturgeschichtlichen Museen. <\/p>\n<p>Inklusion ist der \u00dcberbegriff meiner Arbeit, aber dieser Begriff deckt im Grunde alles ab. Es geht darum, genau hinzuschauen: Wer ist unser Publikum, oder wen h\u00e4tten wir gerne als Publikum? Was k\u00f6nnen wir mit unseren Ressourcen an Zug\u00e4nglichkeit m\u00f6glich machen? Dieser erste Schritt ist oft losgel\u00f6st vom Thema Barrierefreiheit oder Behinderung. Es geht darum, ein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr zu entwickeln, wie wir zu unserem Publikum stehen und wie wir es definieren. Welche Inhalte haben wir, die f\u00fcr alle interessant sein sollten, und wie schaffen wir den Zugang dazu?<\/p>\n<p>Wenn es dann um die konkrete Umsetzung geht, werden wir sehr detailliert. Zum Beispiel, wenn entschieden wird, dass jemand mit einer H\u00f6rbeeintr\u00e4chtigung das Museum gut planen und genie\u00dfen k\u00f6nnen soll, dann sind Induktionsschleifen notwendig oder eine gute Informationsbereitstellung auf der Website, sowie geeignete Voraussetzungen im Veranstaltungsraum. <\/p>\n<p>Barrierefreiheit ist dabei ein Teil einer gr\u00f6\u00dferen Strategie, in die auch Aspekte wie Mehrsprachigkeit oder Familienfreundlichkeit einflie\u00dfen. Meine Aufgabe ist es, diesen Prozess zu begleiten \u2013 sowohl indem ich den \u00dcberblick behalte und unterst\u00fctze, die Zielvorstellungen mit der aktuellen Situation in \u00dcbereinstimmung zu bringen, als auch bei der konkreten Umsetzung. <\/p>\n<p>Aktuell besch\u00e4ftige ich mich eher mit gr\u00f6\u00dferen und mehrj\u00e4hrigen Projekten, wie zum Beispiel der Neukonzeption von Dauerausstellungen, was oft mehrere Jahre dauert. Dabei arbeite ich meist nicht allein, sondern schlie\u00dfe mich mit anderen Freiberufler:innen zusammen. Beispielsweise bin ich nicht besonders versiert in baulichen oder technischen Fragen \u2013 da kommen dann andere Expert:innen ins Spiel. Ich konzentriere mich mehr auf konzeptionelle und \u00fcbergeordnete Fragen, Workshops und Strategien. <\/p>\n<p>Es gibt aber auch kleine Miniprojekte, die sich beispielsweise auf die Entwicklung einer App oder eine spezialisierte Audiodeskription f\u00fcr ein Projekt konzentrieren. Die Aufgaben k\u00f6nnen also sehr unterschiedlich sein.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Kultur-Einrichtungen_als_Avantgarde_in_der_Inklusion\"><\/span>Kultur-Einrichtungen als Avantgarde in der Inklusion?<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Mhm, was ich interessant finde, ist, dass Museen in Bezug auf Inklusion oft als Avantgarde gelten \u2013 also als Vorreiter. Nat\u00fcrlich nicht alle, aber ich glaube, viele.<\/p>\n<p>Annalena: Du meinst im Vergleich zu anderen Einrichtungen?<\/p>\n<p>Domingos:  Genau, im Vergleich zu anderen Einrichtungen. Ich habe mal mit einer Kollegin aus Finnland gesprochen, Eeva Rantamo, und sie meinte, dass Museen sowohl in Deutschland als auch in Finnland, und in Skandinavien allgemein, in Sachen Inklusion weiter vorne sind.<\/p>\n<p>Annalena: Ja, das ist eine spannende Frage. Vielleicht h\u00e4ngt es auch davon ab, wie Barrierefreiheit und das gro\u00dfe Thema Inklusion betrachtet werden. Viele Museen sind \u00f6ffentlich gef\u00f6rdert oder werden von uns als Gemeinschaft getragen. Dadurch entsteht oft nicht nur die Aufgabe, sondern auch der Wunsch, f\u00fcr m\u00f6glichst viele Menschen zug\u00e4nglich zu sein. <\/p>\n<p>Ich glaube, dass Museen und kulturelle Einrichtungen in dieser Hinsicht oft recht erfinderisch sind \u2013 Kreativit\u00e4t spielt dabei eine gro\u00dfe Rolle. Andererseits sind sie aber auch manchmal etwas beh\u00f6rdlich strukturiert und dadurch etwas tr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Da gibt es wirklich ein breites Spektrum. Ich finde den wirtschaftlichen Bereich auch sehr spannend und denke, dass Museen sich davon noch mehr inspirieren lassen k\u00f6nnten. Es gibt einige Unternehmen wie DM, Ikea oder Apple, die sehr genau analysieren, wer ihre Nutzer:innen sind und wer sie sein k\u00f6nnten, und ihre Angebote darauf abstimmen. <\/p>\n<p>In vielen Wirtschaftsunternehmen ist das Thema Inklusion oft in einer \u00fcbergeordneten Abteilung angesiedelt, die sich mit Diversity, Equity und Inclusion (DEI) besch\u00e4ftigt. Dabei wird Vielfalt anerkannt und aktiv gef\u00f6rdert. Inklusion bedeutet hier, m\u00f6glichst vielen Menschen gegen\u00fcber offen zu sein, w\u00e4hrend Equity den pragmatischen Ansatz verfolgt, dies in konkrete Ma\u00dfnahmen umzusetzen. Das finde ich sehr inspirierend.<\/p>\n<p>Ob Museen Vorreiter sind? In Deutschland gibt es auf jeden Fall viele Museen, die inspirierende Arbeit leisten. Aber ich wei\u00df auch, dass in Skandinavien, besonders inFinnland, noch einmal ein anderes Niveau erreicht wird.<\/p>\n<p>Es ist ja so, dass Barrierefreiheit wirklich auch viele Dimensionen hat. Ich sag mal, Geb\u00e4ude, was du gerade genannt hast, die Ausstellungen. Aber auch das Thema digitale Barrierefreiheit und sprachliche Barrierefreiheit, also leichte, einfache Sprache, Geb\u00e4rdensprache. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, viele Einrichtungen haben ja doch sehr knappe Ressourcen. <\/p>\n<p>Domingos: Wie ber\u00e4tst du denn Einrichtungen mit sehr knappen Ressourcen?<\/p>\n<p>Annalena: Mhm, ja, das ist ein sehr guter Punkt. Ich muss gestehen, dass ich im Moment leider noch wenig Kontakt zu kleineren Einrichtungen habe, was ich mir aber sehr w\u00fcnschen w\u00fcrde, da ich glaube, dass dort ein gro\u00dfer Effekt erzielt werden kann. Oft arbeite ich mit gr\u00f6\u00dferen H\u00e4usern zusammen, die sich eine Prozessbegleitung oder Museumsberatung leisten k\u00f6nnen. Aber manchmal braucht es gar nicht viel \u2013 oft reicht ein kurzer Impuls, um viel zu bewirken.<\/p>\n<p>In letzter Zeit habe ich auch Erfahrungen mit digitalen Seminaren gemacht, die zum Teil kostenlos angeboten wurden. Diese Seminare dienten nicht nur dazu, Wissen zu vermitteln, sondern auch den Austausch zu f\u00f6rdern. Ein Seminar, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, befasste sich mit Service Design. Wir haben uns in kleinen Teams \u00fcber zwei Tage intensiv mit der Servicegestaltung einer konkreten Einrichtung besch\u00e4ftigt, dabei den Fokus auf Barrierefreiheit gelegt und ehrliches Feedback gegeben. <\/p>\n<p>Das sogenannte &#8222;Shadowing&#8220; war ebenfalls Teil des Prozesses, bei dem wir digital beobachtet haben, wie Nutzer:innen auf einer Website navigieren \u2013 wo sie hilfreiche Informationen finden und wo sie m\u00f6glicherweise scheitern. Eine solche Einrichtung, ein kleines Kulturhaus in Bremen, habe ich nach dem Seminar auch pers\u00f6nlich besucht. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel sich mit einfachen Mitteln ver\u00e4ndert hat. Besonders beeindruckend fand ich die pragmatischen L\u00f6sungen zum Thema Mobilit\u00e4t. <\/p>\n<p>Das Kulturhaus befindet sich in einem ehemaligen Schulgeb\u00e4ude, und obwohl man mit einem Rollator, Kinderwagen oder Rollstuhl hineinkommt, gibt es einige Herausforderungen. Sie haben kurzerhand ein Video mit einem Smartphone oder Tablet gedreht, das zeigt, wie die Situation vor Ort ist. So k\u00f6nnen Besucher:innen im Vorfeld entscheiden, ob sie sich den Besuch zutrauen, etwa wenn die Toilette in einem anderen Geb\u00e4udefl\u00fcgel liegt. <\/p>\n<p>Solche kleinen Ma\u00dfnahmen oder Entscheidungen k\u00f6nnen viel bewirken. In deinem Podcast sprichst du ja auch oft \u00fcber Themen wie Kontraste und Schriftgr\u00f6\u00dfen. Es gibt tolle Tools, die relativ intuitiv nutzbar sind, wenn man wei\u00df, worauf es ankommt. Mit diesem Wissen k\u00f6nnten auch kleine Einrichtungen mit wenig Budget sinnvolle Entscheidungen treffen. Oft sind sie auch wendiger und m\u00fcssen nicht so intensiv abstimmen, beispielsweise bei Fragen des Corporate Designs.<\/p>\n<p>Domingos: Ja, da wir gerade \u00fcber das Thema Digitalisierung sprechen. Mein Eindruck ist, dass viele Einrichtungen bei dem Thema nicht sehr weit sind. T\u00e4uscht dieser Eindruck und wie ist die digitale Barrierefreiheit aufgestellt?<\/p>\n<p>Annalena: Das ist eine sehr gute Frage. Ich habe auch den Eindruck, dass es ein breites Spektrum gibt. Vielleicht h\u00e4ngt es auch damit zusammen, ob \u00fcberhaupt bewusst ist, dass dieser Bedarf existiert, sowohl im analogen als auch im digitalen Bereich, und ob man bereit ist, sich in diese Themen einzuarbeiten.<\/p>\n<p>Letztes Jahr hatte ich eine ziemlich verr\u00fcckte Erfahrung. Ich bin ja, was das Digitale angeht, auch eher Nutzerin und nicht unbedingt tief im Fachwissen verankert. Aber ich durfte letztes Jahr bei einer Preisverleihung mitmachen, die sich &#8222;Digamus&#8220; nennt. Dabei werden j\u00e4hrlich in sechs Kategorien, wie zum Beispiel Website, Social Media, Strategie oder Games, digitale Angebote von Museen ausgezeichnet. Als Jurymitglied musste ich mich intensiv mit der Shortlist auseinandersetzen, die pro Kategorie etwa sechs Angebote umfasste.<\/p>\n<p>Das war wirklich toll, weil ich die M\u00f6glichkeit hatte, mir vieles anzuschauen und einen \u00dcberblick zu gewinnen. Aber was besonders spannend war: In f\u00fcnf dieser Kategorien hatte ich nicht ausreichend Zugang, um die Angebote als blinde Person vollst\u00e4ndig nutzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Lokale_Vernetzung_ist_sinnvoll\"><\/span>Lokale Vernetzung ist sinnvoll<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos:  Hast du eigentlich Erfahrungen damit, ob Museen sich lokal vernetzen k\u00f6nnen, beispielsweise mit Behindertenvereinigungen, Behindertenbeauftragten oder Vereinen wie Blindenvereinen oder dem Schwerh\u00f6rigenverein?<\/p>\n<p>Annalena: Ja, das ist ein wirklich guter Tipp. Es ist eine gro\u00dfartige M\u00f6glichkeit, einfach Kontakt aufzubauen und mal nachzufragen: &#8222;Kommen Sie ins Museum? W\u00fcrden Sie gerne vorbeikommen?&#8220; So ein Gespr\u00e4ch kann viel bewirken. Museen erkennen dann oft, dass Menschen mit Behinderungen sehr unterschiedliche Perspektiven und Bed\u00fcrfnisse haben. Es ist eine wunderbare Gelegenheit, um in Kontakt zu treten und auch f\u00fcr Vereine und Verb\u00e4nde, die Arbeit von Museen besser kennenzulernen. Der Austausch funktioniert also in beide Richtungen.<\/p>\n<p>Was ich auch sehr charmant finde, ist, partizipative Angebote generell breiter zu streuen. Das gilt nicht nur f\u00fcr spezielle Anfragen an Vereine f\u00fcr Blinde oder Schwerh\u00f6rige, sondern auch f\u00fcr andere Projekte, die nicht unbedingt mit Barrierefreiheit zu tun haben. Zum Beispiel k\u00f6nnte ein Museum Objekte aus der Pandemiezeit sammeln und dabei sicherstellen, dass solche Aufrufe und Veranstaltungen barrierefrei gestaltet werden. Auch der Newsletter und Social Media Aktivit\u00e4ten sollten barrierefrei sein, und es ist sinnvoll, gezielt Vereine wie Blinden- und Sehbehindertenvereine anzusprechen. Das ist wirklich gelebte Inklusion.<\/p>\n<p>Auch in Bezug auf Barrierefreiheit ist es wichtig, dass man einen guten Kontakt zueinander hat. Ich finde, dass man erst dann motiviert ist, konstruktives Feedback zu geben. Man k\u00f6nnte zum Beispiel sagen: &#8222;Hey, ich finde die Inhalte Ihres Museums super spannend, aber aufgrund meiner Behinderung war es mir nicht m\u00f6glich, alles vollst\u00e4ndig zu nutzen. Es w\u00e4re toll, wenn wir da vielleicht eine L\u00f6sung finden k\u00f6nnten.&#8220; So entsteht eine gute Beziehung zwischen Museum und Publikum, und nat\u00fcrlich sind auch Menschen mit Behinderungen Teil des Publikums \u2013 oder k\u00f6nnten es sein.<\/p>\n<p>Domingos: Ja, vielen Dank. Ich glaube, du bist nicht so aktiv in den sozialen Medien, aber man kann dir trotzdem gut folgen, oder?<\/p>\n<p>Annalena: Ja, das stimmt. LinkedIn ist tats\u00e4chlich das einzige soziale Netzwerk, in dem ich ein bisschen aktiver bin. Ich freue mich immer \u00fcber Vernetzung und Austausch, und es ist auch eine gute M\u00f6glichkeit, mich zu erreichen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Annalenas_Kanaele\"><\/span>Annalenas Kan\u00e4le<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.corporate-inclusion.de\/annalena-knors\/\">Annalenas Website<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/annalena-knors-04486830\/\">Annalena auf LinkedIn<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist das Transkript zum Podcast. Der text wurde mit Hilfe von ChatGPT gegl\u00e4ttet. Alle Tippfehler und Ungenauigkeiten gehen auf mein Konto. 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