{"id":9920,"date":"2025-03-09T17:59:46","date_gmt":"2025-03-09T15:59:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?page_id=9920"},"modified":"2025-03-19T19:28:04","modified_gmt":"2025-03-19T17:28:04","slug":"interview-mit-casey-kreer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/interview-mit-casey-kreer\/","title":{"rendered":"Interview mit Casey Kreer \u00fcber die Arbeit als behinderte Accessibility Consultant"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/295-mit-einer-behinderung-als-accessibility-consultant-arbeiten-ein-gesprach-mit-casey-kreer\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><br \/>\nDomingos: So herzlich Willkommen zu einem neuen Podcast zur digitalen Barrierefreiheit. Heute habe ich wieder einen spannenden Gast dabei, n\u00e4mlich Casey Kreer als Expertin f\u00fcr digitale Barrierefreiheit. Thema ist die Arbeit als behinderte Person in der digitalen Barrierefreiheit.<br \/>\nCasey:  Vielen Dank f\u00fcr die Einladung. <\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_82_2 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/interview-mit-casey-kreer\/#Ueber_Casey\" >\u00dcber Casey<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/interview-mit-casey-kreer\/#Der_Weg_zur_digitalen_barrierefreiheit\" >Der Weg zur digitalen barrierefreiheit<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/interview-mit-casey-kreer\/#Akzeptanz_bei_Kunden\" >Akzeptanz bei Kunden<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/interview-mit-casey-kreer\/#Akzeptanz_in_der_Barrierefreiheits-Community\" >Akzeptanz in der Barrierefreiheits-Community<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Ueber_Casey\"><\/span>\u00dcber Casey<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst. Stell dich doch mal den Zuh\u00f6renden vor.<br \/>\nCasey: Ja, danke f\u00fcr die Einladung. Ich bin Casey. Ich arbeite als Consultant f\u00fcr digitale Barrierefreiheit und als Softwareentwicklerin. Und manchmal mache ich auch so ein kleines bisschen Aktivismus und versuche irgendwie in \u00f6ffentlichen Verwaltungen Menschen dahin zu bewegen. Sachen digital zug\u00e4nglicher zu machen und das Gesetze eingehalten werden. Und das ist dass, womit ich einen Gro\u00dfteil meiner Zeit verbringe.<br \/>\nDomingos: Du hast glaube ich auch irgendwas in Richtung IT studiert.<br \/>\nCasey:  Genau, ich hab mal Medieninformatik studiert.<br \/>\nDomingos:  Super spannend. Du bist ja selber sehbehindert. Magst du etwas dar\u00fcber erz\u00e4hlen?<br \/>\nCasey: Ja, also meine Sehbehinderung hab ich seit Geburt und da halt in verschiedenen Tests immer wieder festgestellt. Plus -5% ist meine aktuelle Sehf\u00e4higkeit nat\u00fcrlich je nach Situation irgendwie verschieden. Ich pers\u00f6nlich bevorzuge f\u00fcr mich da einfach den Begriff blind, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass Leute einfach grunds\u00e4tzlich ein bisschen besser verstehen,. Wieviel ich sehen kann oder das zumindest unter dem Begriff blind, nicht \u00fcbersch\u00e4tzen, was bei mir letztendlich mit meiner Behinderung geht. Also ich sehe nicht so viel, aber ich sehe noch ein bisschen.<br \/>\nDomingos: Arbeitest du visuell oder mit Screenreader?<br \/>\nCasey: Ich arbeite ganz \u00fcberwiegend mit einem Screenreader.<br \/>\nDomingos: Eine Frage, die immer die Leute interessiert. Windows, Mac oder Linux.<br \/>\nCasey: Ich war ganz lange auf Linux zu Hause, aber bin vor ein paar Jahren zum Mac r\u00fcber Geswitcht und f\u00fcr die Arbeit kommt tats\u00e4chlich bei mir auch h\u00e4ufiger mal Windows zum Einsatz. Also ich kenn dann alle Systeme, nutze alle und sch\u00e4tze alle.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Der_Weg_zur_digitalen_barrierefreiheit\"><\/span>Der Weg zur digitalen barrierefreiheit<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Wie bist du zum Thema digitale Barrierefreiheit gekommen?<br \/>\nCasey: Ja, ich glaub ich hab halt sehr fr\u00fch durch meine Sehbehinderung angefangen zu erkennen, dass ich mit Computern irgendwie sehr viel machen kann und sehr viel Zugang zur Welt bekommen kann. Ich wurde ja inklusiv beschult, das hei\u00dft ich hatte jetzt nicht unbedingt so viel Kontakt zu anderen Menschen mit Sehbehinderungen damals und habe dann eben relativ fr\u00fch angefangen zu programmieren und einfach wirklich versucht meine eigenen Probleme zu l\u00f6sen. Ich hab dann mal nen Webbrowser programmiert, der mit einer Text to speech Funktionalit\u00e4t kam. Also ganz einfach jetzt nicht wirklich irgendwie was gro\u00dfartiges, Schwieriges, nat\u00fcrlich keine komplette Web Browser engine. Ich glaub damals basierend auf einem Internet Explorer oder so. Und Irgendwann kam dann bei mir noch das Thema Gaming dazu. Ich wollte gern Spiele spielen. Das ging nicht so gut, dann habe ich angefangen kleine Mods zu schreiben um mehr Sachen zug\u00e4nglich zu machen und dann selbst auf der Basis von Minecraft kleine Minispiele erstellt und die konnt ich dann mit anderen Leuten spielen und das hat sich dann ein bisschen entwickelt, ist ein bisschen gr\u00f6\u00dfer geworden und dann hatte ich letztendlich Zeug f\u00fcr ein paar tausend Leute zur Verf\u00fcgung gestellt. Das war so mein Weg in Barrierefreiheit und Usability in diesem Technikbereich.<br \/>\nDomingos: Wie lange arbeitest du in dem Bereich und was hast du aktuell f\u00fcr Projekte?<br \/>\nCasey: Also ich glaube in dem Bereich selbst arbeiten f\u00fcr Geld mach ich seit Anfang 2021 und in meiner jetzigen Selbstst\u00e4ndigkeit mach ich seit Ende 2022, also jetzt zweieinhalb, 3 Jahren ungef\u00e4hr noch nicht ganz so lange, wie viele Leute. Diese die die die Urgesteine in der Branche sind. Und ich mache sehr viel. Vor allem NGO-Kundschaft und mit Universit\u00e4ten zum Beispiel, aber auch die ein oder andere Kultureinrichtung ist auch dabei, also zum Beispiel Museen, oder ich hatte auch mal ein Theater, mit den ich zusammengearbeitet habe, und das finde ich super toll.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Akzeptanz_bei_Kunden\"><\/span>Akzeptanz bei Kunden<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos: Das ist ja wahrscheinlich nicht immer ganz einfach, da als Sehbehinderte oder blinde Person mit Kunden zusammenzuarbeiten. Die Akzeptanz ist wahrscheinlich unterschiedlich? Wie ist Deine Erfahrung?<br \/>\nCasey: Also, als ich damals angefangen habe, war das noch anders als heute. Ich habe meine Sehbehinderung tats\u00e4chlich eher als Vorteil gesehen, ein Verkaufsargument f\u00fcr die Dienstleistungen, die ich anbiete. Das war vielleicht auch ein bisschen ungew\u00f6hnlich, weil solche Erfahrungen nicht so h\u00e4ufig vorkommen und ich damit auch allt\u00e4gliche Perspektiven einbringen konnte. Erstaunlicherweise hat das f\u00fcr mich damals eine eher geringe Rolle gespielt. Und auch im Umgang mit den Leuten war das oft so. Ich wurde h\u00e4ufig mit Software konfrontiert, die nicht zug\u00e4nglich war, und es gab wenig Bereitschaft, das zu \u00e4ndern.<br \/>\nIrgendwann kam dann der Punkt, an dem ich begann, mich online politisch zu \u00e4u\u00dfern und Aktivismus f\u00fcr mehr Barrierefreiheit zu betreiben. Das f\u00fchrte dazu, dass sich meine urspr\u00fcngliche Kundschaft weitgehend von mir abwandte. Aber ich gewann dann eine neue, die viel besser zu mir passte. Mit dieser neuen Kundschaft, die oft auch in Bezug auf Barrierefreiheit viel offener ist, ist das Arbeiten f\u00fcr mich \u2013 gerade mit meiner Sehbehinderung \u2013 deutlich angenehmer und erf\u00fcllender geworden. Die Leute, mit denen ich jetzt zusammenarbeite, sind meist wirklich motiviert, etwas zu ver\u00e4ndern, und ihnen ist das Thema wichtig. Zumindest in den meisten F\u00e4llen. Das empfinde ich als viel intensiver und erf\u00fcllender als die Zusammenarbeit mit wirtschaftlich orientierten Kunden.<\/p>\n<p>Domingos: Aber du gehst ja auch wie ich auch transparent damit um. Also bei dir steht es glaube ich auch auf der Webseite relativ deutlich wie auch bei mir. Insofern ist das jetzt keine \u00dcberraschung f\u00fcr den Kunden.Man muss es dann auch nicht jedes Mal neu thematisieren, wenn es keinen konkreten Grund gibt, wie siehst du das?<br \/>\nCasey: Ja, ich sehe das genauso. In den meisten F\u00e4llen spielt es eigentlich keine gro\u00dfe Rolle, mit wem ich zusammenarbeite. Aber es ist nat\u00fcrlich wichtig, dass ich meine pers\u00f6nlichen Erfahrungen, zum Beispiel in Beratungsgespr\u00e4chen, einbringen kann. Bei mir ist das eben stark von meiner Sehbehinderung gepr\u00e4gt, weil das meine eigene Erfahrung ist. Und ich habe festgestellt, dass Menschen die Probleme der digitalen Barrierefreiheit viel besser verstehen, wenn man ihnen konkrete Beispiele zeigt, wenn man Dinge vergleicht und wenn man erkl\u00e4rt, welche Gedanken man zu einem bestimmten Thema hat.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Akzeptanz_in_der_Barrierefreiheits-Community\"><\/span>Akzeptanz in der Barrierefreiheits-Community<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Domingos:  Das stimmt, die First-Hand-Experience ist da ganz wichtig. Die k\u00f6nnen die meisten Consultants nicht beisteuern. Mein Eindruck ist auch, dass das beim Kunden einen anderen Eindruck machen kann.<br \/>\nWie ist Deine Erfahrung, was die Akzeptanz von Consultants mit Behinderung in der deutschen Barrierefreiheits-Community angeht?<br \/>\nCasey: Also, grunds\u00e4tzlich w\u00fcrde ich sagen, dass die Akzeptanz zumindest bei den gr\u00f6\u00dferen, bekannteren Firmen inzwischen da ist. Aber wenn es um echte Repr\u00e4sentation geht, dann sieht es noch ganz anders aus. Ich denke, das kannst du aus deiner eigenen Erfahrung sicher gut best\u00e4tigen. Es gibt einfach wirklich sehr wenige Menschen mit Behinderung, die in diesem Bereich arbeiten. Wenn ich mal dar\u00fcber nachdenke, f\u00e4llt mir vielleicht eine Handvoll Menschen mit k\u00f6rperlicher Behinderung ein, die in der digitalen Barrierefreiheit t\u00e4tig sind. Insgesamt gibt es in Deutschland vielleicht 500 Personen, die in diesem Feld arbeiten \u2013 und das ist einfach viel zu wenig, wenn man bedenkt, wie wichtig dieses Thema ist.<br \/>\nIch finde, dass viele Unternehmen in der Branche immer noch sehr zur\u00fcckhaltend sind, was die direkte Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderungen betrifft. Oft traut man uns nicht das zu, was wir tats\u00e4chlich leisten k\u00f6nnen. Ich hatte mal ein Bewerbungsgespr\u00e4ch bei einem gro\u00dfen Unternehmen aus dieser Branche, und da wurde mir von einer F\u00fchrungskraft mehrfach unterstellt, dass ich zum Beispiel keine Kontraspr\u00fcfung in Testszenarien durchf\u00fchren k\u00f6nnte, weil ich angeblich zu langsam w\u00e4re. Diese Art der Wahrnehmung scheint leider in der ganzen Branche verbreitet zu sein.<\/p>\n<p>Domingos: Das trifft auch meine Erfahrung. Ich hatte mich ebenfalls bei einem gro\u00dfen Dienstleister beworben, allerdings keinen Grund f\u00fcr die Absage bekommen. Wie hoch sch\u00e4tzt du den Anteil von Menschen mit Behinderung in der deutschen Szene?<br \/>\nCasey: Also, das sind wirklich nicht viele, und was mir in den letzten Jahren aufgefallen ist, ist, dass immer mehr Menschen entdecken, dass sie in irgendeiner Form neurodivergent sind und sich daher, ganz zu Recht, selbst als behindert bezeichnen. An dieser Stelle m\u00f6chte ich allerdings pers\u00f6nlich differenzieren, weil Neurodivergenz \u00fcblicherweise nicht das typische Zielpublikum f\u00fcr digitale Barrierefreiheitsma\u00dfnahmen ist. Man kann diese Art der Behinderung eben nicht so einfach mit einer Sehbehinderung vergleichen. Bei einer Sehbehinderung k\u00f6nnte man vielleicht noch Parallelen zu einer motorischen Behinderung ziehen, weil sich die typischen Interaktionsmuster mit Software, unterst\u00fctzt durch verschiedene Hilfsmittel, relativ \u00e4hnlich gestalten. Aber bei Neurodivergenzen ist das eine ganz andere Herausforderung.<br \/>\nDomingos:  Wie schaut es mit der internationalen Szene aus?<br \/>\nCasey: Es gibt nat\u00fcrlich viel mehr Unternehmen in diesem Bereich. Ob es insgesamt mehr Menschen mit Behinderung sind, wei\u00df ich nicht genau, aber es gibt auf jeden Fall deutlich mehr prominente Pers\u00f6nlichkeiten mit Behinderung. In Deutschland fallen uns vielleicht nur wenige ein, wenn man nach blinden Personen in der Barrierefreiheitsbranche fragt \u2013 vielleicht sind wir beide diejenigen, die man da nennen w\u00fcrde. International gibt es da allerdings viele mehr, die man nennen k\u00f6nnte, und die haben vermutlich auch einen deutlich gr\u00f6\u00dferen Einfluss. Ob es insgesamt mehr sind, kann ich allerdings nicht sagen.<\/p>\n<p>DomingosAlso, es gibt insgesamt nat\u00fcrlich mehr Personen mit Behinderung in der internationalen Szene, weil sie einfach viel gr\u00f6\u00dfer ist, , aber wir wissen nicht, ob der Anteil h\u00f6her ist.<br \/>\nCasey:  Ja, also ich sch\u00e4tze mal, prozentual wird es relativ \u00e4hnlich aussehen.<br \/>\nDomingos: Wenn du einen Wunsch an die Barrierefreiheit Community h\u00e4ttest jetzt egal ob die Deutsche oder die internationale. Was w\u00e4re das?<br \/>\nCasey: Ich m\u00f6chte auf jeden Fall jedes Mal wieder dazu anregen, wirklich sinnvolle Arbeit zu leisten und nicht aus den Augen zu verlieren, dass wir am Ende Arbeit f\u00fcr Menschen machen. Leider wird das meiner Ansicht nach oft vergessen. Viele sind dann immer so begeistert, wenn man sagt: \u201eOh, jetzt gibt es mal wieder die M\u00f6glichkeit, mit Menschen mit Behinderungen zu sprechen.\u201c Aber das sollte der Standard sein. Menschen mit Behinderungen m\u00fcssen viel sichtbarer in dieser Branche werden und deutlich mehr in den Arbeitsalltag von Consultants eingebunden werden. Nur so kann sich langfristig etwas ver\u00e4ndern.<br \/>\nWir haben den gro\u00dfartigen Leitsatz \u201eNichts \u00fcber uns ohne uns\u201c, den die Behindertenrechtsbewegung immer wieder propagiert. Doch in der Barrierefreiheits-Community sind wir meiner Ansicht nach noch extrem weit davon entfernt. Es gibt ganze Verb\u00e4nde und viele gro\u00dfe Firmen, bei denen nicht einmal eine einzige Person mit Behinderung angestellt ist. Und diese Unternehmen sind dann diejenigen, die den gesamten Diskurs pr\u00e4gen und als offiziell und ma\u00dfgeblich gelten. Vielleicht sollten wir endlich davon wegkommen, uns selbst als diejenigen zu sehen, die definieren, was digitale Barrierefreiheit bedeutet, und den Ball mal an die Verb\u00e4nde weitergeben. Wir k\u00f6nnten sagen: \u201eLasst uns das doch gemeinsam erarbeiten. Wir bringen die technische Expertise mit, aber es braucht auch die Perspektive der Betroffenen.\u201c<br \/>\nDenn das setzt voraus, dass man tats\u00e4chlich \u00fcber die n\u00f6tige technische Expertise verf\u00fcgt. Und das geht weit \u00fcber das hinaus, was man zum Beispiel in den WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) finden kann. Ich nehme wahr, dass viele Leute sich nur darauf konzentrieren und ihre Zeit damit verbringen, Software zu testen, ohne die F\u00e4higkeiten, die sie haben, dar\u00fcber hinaus einzusetzen. Es fehlt an einem tieferen Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wie man Barrierefreiheit wirklich gestalten kann.<\/p>\n<p>Domingos: Eine Frage w\u00fcrde mich noch interessieren, ist im Zusammenhang mit der WCAG. Hast du auch die Erfahrung gemacht, dass viele Sachen zwar auf dem Papier eigentlich ganz gut barrierefrei sind, aber ne ganz schlechte User Experience f\u00fcr uns haben. Also sowohl mit Screenreader als auch wenn man mit ser Rest damit arbeitet, dass man einfach wei\u00df ich nicht zu viele Tasten gleichzeitig dr\u00fccken muss oder dreimal klicken muss statt einmal um bestimmte Aktionen auszuf\u00fchren und findest du auch, dass das Thema User Experience da einfach zu kurz kommt f\u00fcr uns?<br \/>\nCasey: Ja, auf jeden Fall. Ich kann da auch eine kleine Anekdote teilen. Ich hatte vorhin eine Kundin, mit der ich \u00fcber ihren Webshop gesprochen habe. Die Aussage von ihnen war: \u201eWir m\u00f6chten erstmal die Grundlagen umsetzen, damit der Shop \u00fcberhaupt benutzbar ist.\u201c Ein Problem, das wir festgestellt haben, war, dass das Men\u00fc auf der mobilen Ansicht \u00fcberhaupt nicht bedienbar war. Es gab ein typisches Hamburger-Men\u00fc, das sich zwar ausklappen lie\u00df, aber danach kam man nicht mehr heraus. Man konnte das Men\u00fc nicht schlie\u00dfen oder benutzen. Das sind nat\u00fcrlich grundlegende Probleme, die man sofort merkt.<br \/>\nAls dieses Problem dann gel\u00f6st wurde \u2013 was gl\u00fccklicherweise nicht allzu kompliziert war \u2013 war die Usability danach immer noch alles andere als gut. Ich sagte ihnen dann auch, dass die Leute wahrscheinlich nicht gerne in ihrem Shop einkaufen werden, obwohl es jetzt zumindest funktioniert. Und das passiert leider ziemlich h\u00e4ufig. Aber ich glaube, das passiert in die andere Richtung genauso oft. Viele sagen dann: \u201eJa, OK, es ist vielleicht nicht auf dem Papier 100 % barrierefrei, aber im Endeffekt kommen wir ganz gut damit klar.<\/p>\n<p>Domingos:: Vielen Dank f\u00fcr diese Einsch\u00e4tzung. Wo kann man die am besten folgen, au\u00dfer auf deiner Website.<br \/>\nCasey:  Also meine Website ist haupts\u00e4chlich Business. Wenn mich irgendwer f\u00fcr irgendwas anstellen will, dann wahrscheinlich dar\u00fcber. Das Gleiche gilt f\u00fcr linkedin und wer sich ein bisschen \u00fcber Hintergr\u00fcnde der Deutschen Internationalen Accessibility Branche informieren m\u00f6chte, wer sich ein bisschen daf\u00fcr interessiert, wieviel Unsinn da passiert. Haupts\u00e4chlich dann gerne auf Mastodon. Da bin ich auf Chaos social als @kc, ,  Da passieren relativ viele spannende Dinge und manchmal schreib ich Artikel f\u00fcr diverse Webportale, wo ich Sachen auseinandernehme.<br \/>\nDomingos:  Dann vielen Dank f\u00fcr das Interview.<br \/>\nCasey: Danke f\u00fcr die Einladung.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/conesible.de\/\">Casey Website mit weiteren Links zu ihren anderen Profilen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Domingos: So herzlich Willkommen zu einem neuen Podcast zur digitalen Barrierefreiheit. 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