{"id":10002,"date":"2025-04-12T15:37:04","date_gmt":"2025-04-12T13:37:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?p=10002"},"modified":"2025-04-22T17:38:35","modified_gmt":"2025-04-22T15:38:35","slug":"frust-faktoren-in-der-digitalen-barrierefreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/frust-faktoren-in-der-digitalen-barrierefreiheit\/","title":{"rendered":"Was Barrierefreiheits-Expertinnen frustriert"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/301-was-barrierefreiheits-expertinnen-frustrrieren-kann\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><br \/>\nBarrierefreiheits-Expertinnen stehen in ihrer Arbeit h\u00e4ufig vor frustrierenden Herausforderungen. Trotz des zunehmenden Bewusstseins f\u00fcr die Bedeutung von Barrierefreiheit gibt es nach wie vor zahlreiche H\u00fcrden, die den Fortschritt behindern. Im Folgenden werden einige der zentralen Frustfaktoren erl\u00e4utert.<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_86 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/frust-faktoren-in-der-digitalen-barrierefreiheit\/#Haeufige_Frust-Faktoren\" >H\u00e4ufige Frust-Faktoren<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/frust-faktoren-in-der-digitalen-barrierefreiheit\/#Was_tun\" >Was tun?<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Haeufige_Frust-Faktoren\"><\/span>H\u00e4ufige Frust-Faktoren<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Ein immer wiederkehrendes Problem ist, dass bei vielen Projekten \u201ebei Null angefangen\u201c werden muss. Trotz der klaren gesetzlichen Vorgaben und ethischen Verantwortung, Barrierefreiheit zu gew\u00e4hrleisten, m\u00fcssen die Expert:innen immer wieder von vorn erkl\u00e4ren, warum diese so wichtig ist. Leider wird Barrierefreiheit oft noch als \u201enice to have\u201c statt als unerl\u00e4ssliche Grundlage betrachtet.<\/p>\n<p>Leider muss man eigentlich auch immer bei Null anfangen. Viele Auftraggeber glauben f\u00e4lschlicherweise, dass ihre Mitarbeitenden sich mit dem Thema Barrierefreiheit auskennen. Das war bisher nie der Fall. Ist ja auch logisch, wenn sie sich auskennen w\u00fcrden, br\u00e4uchten sie uns ja nicht. Das hei\u00dft aber auch, dass wir immer das kleine 1:1 der Barrierefreiheit beibringen m\u00fcssen. Manche Expertinnen kommen damit nicht klar. <\/p>\n<p>Ein weiterer bedeutender Frustfaktor ist der h\u00e4ufige Mangel an Budget und Priorisierung. Barrierefreiheitsprojekte werden oft erst zu sp\u00e4t oder gar nicht in den Budgetplan aufgenommen. In vielen F\u00e4llen wird Accessibility zugunsten \u201ecooler\u201c Features gestrichen, weil es als \u201enicht sichtbar\u201c gilt \u2013 dabei handelt es sich um ein zentrales Merkmal f\u00fcr den Zugang zu digitalen Inhalten f\u00fcr alle Menschen.<\/p>\n<p>Auch die Praxis, Entscheidungen ohne die Betroffenen zu treffen, f\u00fchrt zu Frustrationen. H\u00e4ufig wird Barrierefreiheit nicht mit den tats\u00e4chlichen Nutzer:innen, sondern lediglich \u201ef\u00fcr sie\u201c entwickelt. Statt auf manuelle Pr\u00fcfungen und Nutzertests zu setzen, wird Barrierefreiheit oft auf die Nutzung automatisierter Tools reduziert, die jedoch nicht alle notwendigen Aspekte abdecken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem sind die h\u00e4ufigen Fehlverst\u00e4ndnisse in Bezug auf Entwicklung und Design. Viele Entwicklerinnen und Designerinnen haben nicht genug Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG), Semantik oder die Nutzung von Screenreadern. Ein verbreiteter Irrglaube lautet: \u201eEs funktioniert mit der Maus, also ist es barrierefrei.\u201c Diese Haltung verkennt die Realit\u00e4t der Barrierefreiheit, die viel mehr umfasst als nur die Maussteuerung.<\/p>\n<p>Ein weiterer Hemmschuh ist die unzureichende Schulung und Sensibilisierung im Team. Obwohl Barrierefreiheit alle Bereiche betrifft \u2013 Design, Entwicklung, Content, Qualit\u00e4tssicherung und Projektmanagement \u2013 werden Schulungen oft vernachl\u00e4ssigt. Ein h\u00e4ufiges Missverst\u00e4ndnis ist zudem, dass Barrierefreiheit ausschlie\u00dflich \u201ef\u00fcr Blinde\u201c relevant sei, obwohl sie eine viel breitere Zielgruppe umfasst.<\/p>\n<p>Barrierefreiheit wird auch oft erst am Ende eines Projekts ber\u00fccksichtigt, anstatt von Anfang an integriert zu werden. Dieses Vorgehen macht die Umsetzung nicht nur teurer und weniger effizient, sondern sorgt auch f\u00fcr unn\u00f6tige Frustration bei allen Beteiligten.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ist Ignoranz trotz Feedback ein weiteres h\u00e4ufiges Problem. Wenn Expertinnen oder Nutzerinnen auf bestehende Barrieren hinweisen, werden ihre Anmerkungen oft ignoriert oder als unwichtig abgetan. Noch schlimmer ist es, wenn auf das Feedback mit der Bemerkung reagiert wird: \u201eWir kennen jemanden mit einer Behinderung, der hatte keine Probleme.\u201c Eine solche Haltung ist nicht nur unprofessionell, sondern auch gef\u00e4hrlich, da sie echte Probleme ignoriert und marginalisiert.<\/p>\n<p>F\u00fcr behinderte Expertinnen kann belastend sein, dass sie in der Barrierefreiheits-Szene nicht ernst genommen werden. Viele sehen sie als Testimonials, deren Expertise nicht relevant ist. <\/p>\n<p>Last but not least ist ein gro\u00dfes Problem, dass Barrierefreiheit nicht in den Produktzyklus integriert wird. Ein Produkt wird oft unter gro\u00dfen Schmerzen barrierefrei gemacht. Schaut man zwei Jahre sp\u00e4ter darauf, sind fast alle Fortschritte verloren gegangen, weil das Thema nicht mitgezogen wurde. <\/p>\n<p>Last but not least ist man als BF-Expertin fast immer die \u00dcberbringerin schlechter Nachrichten. Wir haben 200 Issues gefunden ist nicht ungew\u00f6hnlich als erste Begr\u00fc\u00dfung. Es ist leider immer noch nicht gefixt ist die zweith\u00e4ufigste Nachricht. Ich hatte es bisher nicht, aber viele Andere berichten auch, dass die schlechte Laune der Beteiligten auf sie \u00fcbertragen wird. Es gibt viele Leute, die das belastet. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Was_tun\"><\/span>Was tun?<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Wie kann man damit umgehen? Was ich bei vielen Aktivistinnen als schwierig ansehe ist, dass sie solche Dinge oft pers\u00f6nlich nehmen. Wie in vielen Bereichen ist es aber wichtig, eine gewisse innere Distanz zu den Projekten zu haben. Ansonsten wird man gerade bei der Barrierefreiheit einen Burnout oder \u00c4hnliches erleiden, weil es eben im Schneckentempo oder gar nicht vorangeht. <\/p>\n<p>Aus meiner Sicht ist ein Fehler vieler Barrierefreiheits-Expertinnen, dass sie Perfektion anstreben. Perfektion ist im Lehrbuch gut, in der Praxis bei komplexen Projekten unm\u00f6glich. Ebenso kann man den Stall des Augias ausmisten. Und weil das nicht klappt, ist man schnell ver\u00e4rgert. Aber das hilft niemandem weiter. Es geh\u00f6rt zu unserer Job-Beschreibung, das selbe immer wieder und wieder und wieder mit einer Engels-Geduld zu erkl\u00e4ren und den Beteiligten bei der Suche nach L\u00f6sungen zu helfen. Wer das nicht kann, ist in diesem Job falsch aufgehoben, sorry to say that. Unser Job ist, Barrierefreiheit zu erkl\u00e4ren und bei der Umsetzung zu helfen, nicht auf andere Leute zu schimpfen. Wer das m\u00f6chte, ist im Aktivismus besser aufgehoben. <\/p>\n<p>Wir sind auch nicht alleine mit dieser Herausforderung: Auch viele UX-Expertinnen leiden darunter oder \u00e4rgern sich dar\u00fcber, dass sie ihre Arbeit rechtfertigen m\u00fcssen, obwohl der Nutzen offensichtlich ist. Der Kunde bzw. die Verantwortlichen m\u00fcssen mit zahlreichen Anforderungen zurechtkommen, die an sie herangetragen werden. Insofern ist ein bisschen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Kunden-Situation und die anderen Gewerke angesagt. <\/p>\n<p>Pers\u00f6nlich vermisse ich sowohl in der deutschen als auch in der internationalen Szene Humor und Selbstironie. Wie alle Weltetterinnen &#8211; so sehen sich ja viele in der Szene &#8211; glauben wir, dass sich die Welt um uns dreht und das sie untergeht, wenn man nicht auf uns h\u00f6rt. Lustige Postings von BF-Expertinnen &#8211; absolut Fehlanzeige. Humor hilft aber in den meisten Situationen. Und es sorgt vielleicht auch daf\u00fcr, dass wir weniger unbeliebt sind. <\/p>\n<p>Zuckerbrot und Peitsche ist die letzte Strategie, die ich empfehlen m\u00f6chte. Zuckerbrot hei\u00dft Sensibilisierung und Motivation. Barrierefreiheit erh\u00f6ht die Produkt-Qualit\u00e4t. Barrierefreiheit ist eine zus\u00e4tzliche F\u00e4higkeit, die ihr in eure Vita aufnehmen k\u00f6nnt und die viel auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist. Es ist am Anfang schwierig, aber wenn man es einmal begriffen hat, dann ist es gar nicht so kompliziert. <\/p>\n<p>Und die Peitsche? Es ist Gesetz. So einfach ist es manchmal. Es ist nicht so, dass ihr es euch aussuchen k\u00f6nnt. Setzt es um oder lasst es bleiben, aber dann m\u00fcsst ihr die Verantwortung daf\u00fcr \u00fcbernehmen. Ja, wir m\u00fcssen geduldig sein, aber manchmal muss man mit dem Gesetz kommen, um die Tr\u00e4gheit aus dem System rauszunehmen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Barrierefreiheits-Expertinnen stehen in ihrer Arbeit h\u00e4ufig vor frustrierenden Herausforderungen. 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