{"id":10310,"date":"2025-09-27T15:18:17","date_gmt":"2025-09-27T13:18:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?p=10310"},"modified":"2026-10-10T16:57:30","modified_gmt":"2026-10-10T14:57:30","slug":"deep-dive-kontraste-und-digitale-barrierefreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/deep-dive-kontraste-und-digitale-barrierefreiheit\/","title":{"rendered":"Deep Dive: Kontraste und digitale Barrierefreiheit"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/340410e0-b3cc-43dc-bc33-0f24d06dbbbc.png\" alt=\"340410e0 b3cc 43dc bc33 0f24d06dbbbc\" width=\"1024\" height=\"1024\" class=\"alignleft size-full wp-image-10327\" srcset=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/340410e0-b3cc-43dc-bc33-0f24d06dbbbc.png 1024w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/340410e0-b3cc-43dc-bc33-0f24d06dbbbc-300x300.png 300w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/340410e0-b3cc-43dc-bc33-0f24d06dbbbc-150x150.png 150w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/340410e0-b3cc-43dc-bc33-0f24d06dbbbc-768x768.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><br \/>\n<audio controls preload=\"none\" style=\"width:100%;\"><source src=\"https:\/\/lcdn.letscast.fm\/media\/podcast\/9ebbee53\/episode\/5d161835.mp3?t=1788792876\" type=\"audio\/mpeg\"><\/audio><br \/>\nKontraste sind ein komplexeres Thema, als man auf den ersten Blick denken w\u00fcrde.<br \/>\nDer h\u00f6chstm\u00f6gliche Kontrast ist 21:1 und die Farbkombination schwarz und wei\u00df. Von der WCAG 2.2 AA wird ein Kontrast von mindestens 4,5:1 f\u00fcr normalen Text und 3:1 f\u00fcr gro\u00dfen Text gefordert. Die WCAG 2.2 AAA fordert mindestens 7:1 f\u00fcr normalen Text und 4,5:1 f\u00fcr gro\u00dfen Text. <\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_88 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/deep-dive-kontraste-und-digitale-barrierefreiheit\/#Der_APCa-Mechanismus\" >Der APCa-Mechanismus<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/deep-dive-kontraste-und-digitale-barrierefreiheit\/#Mehr_als_hell_und_dunkel\" >Mehr als hell und dunkel<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/deep-dive-kontraste-und-digitale-barrierefreiheit\/#Hell_auf_dunkel_dunkel_auf_hell\" >Hell auf dunkel, dunkel auf hell<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/deep-dive-kontraste-und-digitale-barrierefreiheit\/#Sehbehinderte_sind_die_Ausreisser\" >Sehbehinderte sind die Ausrei\u00dfer<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-5\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/deep-dive-kontraste-und-digitale-barrierefreiheit\/#Aesthetik-Bias_und_anekdotische_Evidenz\" >\u00c4sthetik-Bias und anekdotische Evidenz<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Der_APCa-Mechanismus\"><\/span>Der APCa-Mechanismus<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Der Advanced Perceptual Contrast Algorithm (APCA) ist ein neuer Ansatz, um die Lesbarkeit von Text durch Farbkontraste realistischer zu bewerten. Anders als die bisherigen WCAG-Richtlinien, die mit einem festen mathematischen Verh\u00e4ltnis von Helligkeiten arbeiten, orientiert sich APCA st\u00e4rker an der menschlichen Wahrnehmung. Das bedeutet: Es wird ber\u00fccksichtigt, wie unser Auge Helligkeit, Schriftst\u00e4rke und Schriftgr\u00f6\u00dfe tats\u00e4chlich verarbeitet. Aktuell ist nicht klar, ob APCA in der neuen WCAG 3 den alten Kontrastwert abl\u00f6sen wird oder nicht.<br \/>\nAPCA beschreibt Kontraste nicht mehr mit einem abstrakten Verh\u00e4ltnis wie \u201e4,5:1\u201c, sondern mit sogenannten Lc-Werten (Lightness Contrast). Diese Werte geben an, wie stark sich Vordergrund- und Hintergrundfarbe voneinander abheben \u2013 und zwar so, dass der Wert besser mit der echten Lesbarkeit zusammenpasst. Beispielsweise reicht f\u00fcr gut lesbaren Flie\u00dftext ein Lc-Wert von etwa 60 aus. Wenn die Schrift jedoch sehr klein oder sehr d\u00fcnn ist, braucht sie einen h\u00f6heren Kontrast, etwa Lc 75 bis 90, damit sie noch angenehm erkennbar bleibt.<br \/>\nEin weiterer Vorteil von APCA ist, dass es zwischen dunklem Text auf hellem Grund und hellem Text auf dunklem Grund unterscheidet. Da unsere Augen beide Situationen unterschiedlich wahrnehmen, sind auch die Anforderungen an den Kontrast nicht identisch. APCA liefert dadurch differenziertere und praxisn\u00e4here Empfehlungen, die in modernen Designs besser funktionieren als die alten, starren Grenzwerte der WCAG 2.x.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Mehr_als_hell_und_dunkel\"><\/span> Mehr als hell und dunkel<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Die WCAG-Formel hat den Vorteil, dass sie sehr einfach ist, allerdings spiegelt sie die Realit\u00e4ten nicht wirklich wider. Die Forschung hat seitdem neue Erkenntnisse gewonnen, die in die WCAG bisher nicht eingeflossen sind. Zum Beispiel ist heute klar, dass schwarz auf wei\u00df zwar den h\u00f6chsten Kontrast hat, aber nicht unbedingt die beste Lesbarkeit. Wei\u00df auf selbst-leuchtenden Bildschirmen hat die Eigenschaft, vor allem in dunklen Umgebunden zu blenden, der Dark Mode ist nicht ohne Grund so beliebt. F\u00fcr Pr\u00e4sentationen wird oft empfohlen, ein sehr helles Grau f\u00fcr den Hintergrund zu verwenden. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr Papier: Es reflektiert<br \/>\nStreulicht im Auge: Wei\u00df strahlt sehr stark, besonders auf Bildschirmen. Dadurch entsteht im Auge eine Art \u201eLichtschleier\u201c (in der Optik nennt man das veiling glare), der die Kanten des schwarzen Textes leicht \u00fcberstrahlt. Das kann das Lesen auf Dauer anstrengend machen.<br \/>\nExtrem hoher Kontrast: 100 % Schwarz (000) auf 100 % Wei\u00df (FFF) ist der maximal m\u00f6gliche Kontrast. Unser visuelles System empfindet aber nicht immer \u201emaximal\u201c als \u201eoptimal\u201c. Ein zu starker Unterschied kann f\u00fcr l\u00e4ngeres Lesen erm\u00fcdend wirken. Viele Print- und Screen-Designer nutzen deshalb lieber dunkelgrauen Text auf leicht gebrochenem Wei\u00df (z. B. 111 auf FAFAFA oder 333 auf FDFDFD). Das wirkt ruhiger, blendet weniger und bleibt trotzdem hervorragend lesbar.<br \/>\nEin Problem entsteht, wenn sehr ges\u00e4ttigte Farben direkt aufeinandertreffen. Ein Beispiel daf\u00fcr ist reines Blau (#0000FF) auf reinem Rot (#FF0000). Nach den WCAG-Vorgaben k\u00f6nnen solche Farbkombinationen manchmal den geforderten Schwellenwert erf\u00fcllen, da die Helligkeitsdifferenz rechnerisch gro\u00df genug ist. In der praktischen Wahrnehmung verschwimmen sie jedoch, weil das Auge Schwierigkeiten hat, stark ges\u00e4ttigte und gleich helle Farben voneinander zu trennen. Dadurch entsteht ein unangenehmer Flimmereffekt.<br \/>\nHell auf hell oder dunkel auf dunkelwerden nicht ber\u00fccksichtigt. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Farbkombination Mittelgrau (#777777) auf Hellgelb (#FFFFAA). Zwar kann die Kontrast-Ratio rechnerisch \u201eok\u201c aussehen und beispielsweise knapp \u00fcber dem Wert von 4,5:1 liegen, dennoch wirkt der Text kontrastarm und schwer erkennbar \u2013 insbesondere, wenn er in d\u00fcnner Schrift dargestellt wird. Ursache daf\u00fcr ist, dass die Helligkeiten der beiden Farben zwar numerisch unterschiedlich sind, der visuelle Kontrast jedoch subjektiv als schwach wahrgenommen wird.<br \/>\nDie WCAG macht keinen Unterschied zwischen Flie\u00dftext und \u00dcberschriften (au\u00dfer in der Kategorie \u201egro\u00dfer Text\u201c). Ein Kontrast von 4,5:1 kann f\u00fcr kleine, d\u00fcnne Schrift auf hellem Hintergrund praktisch unlesbar sein \u2013 obwohl es formal \u201ebesteht\u201c.<br \/>\nDie WCAG-Richtlinien ber\u00fccksichtigen keine Farbsehschw\u00e4chen. So kann beispielsweise die Farbkombination Dunkelgr\u00fcn (#006600) auf Rot (#FF3333) nach den Vorgaben eine ausreichende Kontrast-Ratio aufweisen. F\u00fcr Menschen mit einer Rot-Gr\u00fcn-Sehschw\u00e4che verschwimmt diese Kombination jedoch zu einem nahezu einfarbigen Feld und ist damit kaum unterscheidbar.<br \/>\n Pers\u00f6nlich halte ich diese F\u00e4lle allerdings eher f\u00fcr akademisch. Wer gr\u00fcn und rot kombiniert, geh\u00f6rt in die Design-H\u00f6lle. D\u00fcnne Schrift kommt in der Praxis kaum vor, das w\u00e4re noch ein Fall f\u00fcr die Design-H\u00f6lle. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Hell_auf_dunkel_dunkel_auf_hell\"><\/span>Hell auf dunkel, dunkel auf hell<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Rein mathematisch betrachtet m\u00fcsste ein Kontrastverh\u00e4ltnis wie z. B. 5:1 gleichwertig sein \u2013 egal ob dunkle Schrift auf hellem Hintergrund oder helle Schrift auf dunklem Hintergrund. In der Praxis gibt es aber mehrere Wahrnehmungs- und Gestaltungsfaktoren, die erkl\u00e4ren, warum dunkle Schrift auf hellem Hintergrund fast immer als besser lesbar empfunden wird:<br \/>\n Unsere Augen sind physiologisch darauf ausgelegt, bei Tageslicht \u2013 also im sogenannten photopischen Sehen \u2013 feine Unterschiede in dunklen Strukturen auf hellem Hintergrund wahrzunehmen. Befindet sich dagegen helle Schrift auf dunklem Grund, schaltet das Auge st\u00e4rker auf das skotopische Sehen, also das D\u00e4mmerungssehen, um. In diesem Modus ist die Wahrnehmung feiner Details eingeschr\u00e4nkt, was die Lesbarkeit erschwert.<br \/>\nHinzu kommt der Effekt der \u00dcberstrahlung, auch \u201eHalation\u201c genannt: Auf hellen Fl\u00e4chen breiten sich helle Pixel optisch leicht in die angrenzenden dunklen Bereiche aus. Dadurch wirken Buchstaben bei heller Schrift auf dunklem Hintergrund verschwommener oder d\u00fcnner, was die Klarheit des Textes mindert.<br \/>\nEin weiterer Faktor ist die Adaptation. Da die meisten Texte \u2013 ob B\u00fccher, Webseiten oder Dokumente \u2013 traditionell in schwarzer Schrift auf wei\u00dfem Hintergrund gesetzt sind, ist unser visuelles System an dieses Farbschema gew\u00f6hnt. Umgekehrte Konstellationen wie der sogenannte \u201eDark Mode\u201c wirken daher ungewohnt und k\u00f6nnen die Lesegeschwindigkeit leicht reduzieren.<br \/>\nSchlie\u00dflich spielt auch die psychovisuelle Gewichtung eine Rolle. Selbst wenn der rechnerische Kontrast identisch ist, nimmt unser Gehirn Helligkeitsunterschiede subjektiv unterschiedlich wahr. Dunkle Schrift auf hellem Grund vermittelt Stabilit\u00e4t und erscheint klar abgegrenzt, w\u00e4hrend helle Schrift auf dunklem Hintergrund eher zum Flimmern oder \u201eVibrieren\u201c neigt.<br \/>\nSpannend wird es, wenn man die Situation in einer dunklen Umgebung betrachtet, denn hier ver\u00e4ndert sich die visuelle Wahrnehmung deutlich. Bei geringer Helligkeit passt sich das Auge durch die sogenannte Dunkeladaption an, wobei das skotopische Sehen dominiert. In diesem Zustand \u00fcbernehmen die St\u00e4bchenzellen in der Netzhaut den Gro\u00dfteil der Arbeit: Sie sind sehr lichtempfindlich, k\u00f6nnen jedoch Farben kaum differenzieren. Unter diesen Bedingungen kann helle Schrift auf dunklem Hintergrund oft als angenehmer empfunden werden, da das Auge weniger \u00fcberreizt wird.<br \/>\nEin weiterer wichtiger Aspekt ist die Blendung. Befindet man sich in einem komplett dunklen Raum und blickt auf ein helles Hintergrundfeld \u2013 etwa eine wei\u00dfe Bildschirmfl\u00e4che \u2013 entsteht starke Blendung, da die Pupillen in der Dunkelheit weit ge\u00f6ffnet sind. Ein dunkler Hintergrund mit heller Schrift reduziert diese Belastung und macht das Lesen subjektiv deutlich angenehmer.<br \/>\nAuch in Bezug auf die Lesbarkeit spielt die Wahrnehmung des Kontrasts eine Rolle. Zwar bleibt das rechnerische Kontrastverh\u00e4ltnis gleich, doch in der Praxis entscheidet die visuelle Erm\u00fcdung dar\u00fcber, wie lange und komfortabel Texte gelesen werden k\u00f6nnen. Bei niedriger Umgebungshelligkeit ist helle Schrift auf dunklem Grund h\u00e4ufig l\u00e4nger gut lesbar, w\u00e4hrend dunkle Schrift auf hellem Hintergrund die Augen in der Dunkelheit stark beansprucht.<br \/>\nDaraus ergibt sich eine praktische Konsequenz: In hellen Umgebungen ist dunkle Schrift auf hellem Hintergrund besser lesbar, w\u00e4hrend in dunklen Umgebungen helle Schrift auf dunklem Hintergrund angenehmer wirkt, weil sie Blendung reduziert und die Augen schont.<br \/>\nEin St\u00fcck weit ist das allerdings auch relativ: Viele Devs arbeiten mit dunklen Hintergr\u00fcnden, praktisch alle Programmier-Umgebungen und Shells sind standardm\u00e4\u00dfig hell auf dunkl oder bieten eine entsprechende Einstellung. Wie oben gesagt w\u00e4re es generell f\u00fcr die Augen-Gesundheit von B\u00fcro-Workern ges\u00fcnder, mit mattwei\u00df statt strahlendem Wei\u00df zu arbeiten. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Sehbehinderte_sind_die_Ausreisser\"><\/span>Sehbehinderte sind die Ausrei\u00dfer<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Das ganze Kontrast-Thema in der WCAG richtet sich an Personen mit relativ geringen Einsch\u00e4tzungen. F\u00fcr Personen mit Seh-Einschr\u00e4nkung sind Kontrast von 3:1 oder 4,5:1 oft zu gering. Sie verwenden oft Werkzeuge, um den Kontrast stark zu erh\u00f6hen, dabei werden die Farbwerte der Anwendung \u00fcberschrieben.<br \/>\nAuch gilt die Aussage bez\u00fcglich der Hell-Dunkel-Pr\u00e4ferenz bei Sehbehinderten nicht pauschal. Viele Sehbehinderte arbeiten mit dunklen Hintergr\u00fcnden, da sie der helle Hintergrund blendet. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Aesthetik-Bias_und_anekdotische_Evidenz\"><\/span>\u00c4sthetik-Bias und anekdotische Evidenz<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Kontraste sind ein wunderbares Beispiel f\u00fcr den \u00c4sthetik-Bias. Der \u00c4sthetik-Bias besteht darin, dass ansprechende Oberfl\u00e4chen oft gar nicht so gut benutzbar sind. Die Kern-Ursache besteht darin, dass Personen, die Oberfl\u00e4chen gestalteten oft gar nicht die Nutzenden dieser Oberfl\u00e4chen sind. Schauen wir uns das am Beispiel Kontraste an.<br \/>\nWenn wie neulich auf LinkedIn jemand behauptet, wei\u00df auf orange sei angenehmer zu lesen, ist das faktisch falsch. Es mag besser aussehen. Es mag vereinzelt auch Leute geben, f\u00fcr die das zutrifft, f\u00fcr die also diese Farbkombi gut zu lesen ist. Wir gestalten aber nicht f\u00fcr einzelne Personen.<br \/>\nDas ist ein klassischer Fall von Fehl-Wahrnehmung, ein \u00c4sthetik-Bias: Weil etwas besser aussieht, wird angenommen, dass es auch besser sei. Wir sehen uns Magazine an, die wunderbar gestaltet sind, das hei\u00dft aber nicht automatisch, dass sie auch besser lesbar sind. Klassisch, weil wir dem alle unterliegen. Allerdings sollten sich Menschen, die Dinge gestalten, die andere Menschen nutzen und nicht sie selbst sich dem mehr bewusst sein.<br \/>\nNebenbei bemerkt ist der Beitrag auch ein Beispiel f\u00fcr anekdotische Evidenz. Wenn ich irgendwen frage, ob er das gut findet, wird er mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit ja sagen. Er will mich best\u00e4tigen, nicht beleidigen, m\u00f6chte das Gespr\u00e4ch nicht f\u00fchren, es ist ihm egal oder er ist einfach unkritisch. Auf der Basis sollte man wirklich keine Design-Entscheidung treffen.<br \/>\nAm Ende ist es auch eine frage der Bilanz. Wenn ich einen kurzen Text wei\u00df auf orange setze mag das noch lesbar sein. Aber wenn ich, wie es einige tun, Flie\u00dftext in solchen Farb-Kombinationen setze, wird das kaum noch jemand angenehm finden. Menschen aus dem Marketing scheint es oft an praktischem Sachverstand zu fehlen, sie treffen oft solche Design-Entscheidungen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/barrierefreiheit-bei-kontrasten-haeufige-probleme-und-loesungen\/\">H\u00e4ufige Probleme und L\u00f6sungen bei Kontrasten und Barrierefreiheit<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kontraste sind ein komplexeres Thema, als man auf den ersten Blick denken w\u00fcrde. Der h\u00f6chstm\u00f6gliche Kontrast ist 21:1 und die Farbkombination schwarz und wei\u00df. Von&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/deep-dive-kontraste-und-digitale-barrierefreiheit\/\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Deep Dive: Kontraste und digitale Barrierefreiheit<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-10310","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10310","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10310"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10310\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11180,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10310\/revisions\/11180"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10310"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10310"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10310"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}