{"id":10395,"date":"2025-11-09T15:59:01","date_gmt":"2025-11-09T13:59:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?p=10395"},"modified":"2026-04-14T11:58:20","modified_gmt":"2026-04-14T09:58:20","slug":"die-wcag-3-das-erwartet-uns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/die-wcag-3-das-erwartet-uns\/","title":{"rendered":"Die WCAG 3 &#8211; das erwartet uns"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/unnamed.jpg\" alt=\"WCAG 3 als Schriftzug\" width=\"1024\" height=\"1024\" class=\"alignleft size-full wp-image-10403\" srcset=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/unnamed.jpg 1024w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/unnamed-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/unnamed-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/unnamed-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/332-wcag-3-was-euch-erwartet\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><br \/>\nHeute m\u00f6chte ich einen Ausblick auf die <a href=\"https:\/\/www.w3.org\/WAI\/standards-guidelines\/wcag\/wcag3-intro\/\">WCAG 3<\/a> geben \u2013 die voraussichtlich n\u00e4chste Version der Web Content Accessibility Guidelines. Wir befinden uns nach wie vor in einer fr\u00fchen Phase, so dass dieser Beitrag auf vorl\u00e4ufigen Annahmen basiert. <\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_87_1 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/die-wcag-3-das-erwartet-uns\/#Was_sind_die_WCAG\" >Was sind die WCAG?<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/die-wcag-3-das-erwartet-uns\/#Warum_eine_WCAG_3\" >Warum eine WCAG 3?<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/die-wcag-3-das-erwartet-uns\/#Umsetzung_in_Deutschland_und_Ausblick\" >Umsetzung in Deutschland und Ausblick<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/die-wcag-3-das-erwartet-uns\/#Fazit\" >Fazit<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Was_sind_die_WCAG\"><\/span>Was sind die WCAG?<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Die WCAG bilden die internationale Grundlage f\u00fcr fast alle nationalen Richtlinien zur digitalen Barrierefreiheit. Entwickelt werden sie vom World Wide Web Consortium (W3C).<br \/>\nAktuell ist die Version 2.2, die vor etwa zwei Jahren ver\u00f6ffentlicht wurde. Die n\u00e4chste gro\u00dfe \u00dcberarbeitung wird die WCAG 3 sein.<br \/>\nEin kurzer Blick zur\u00fcck zeigt, wie lange solche Entwicklungsprozesse dauern: Die erste Version der WCAG erschien um das Jahr 2000. Im Jahr 2008 folgte die WCAG 2 \u2013 damals eine grundlegende Neuausrichtung, weil sich das Web technisch stark ver\u00e4ndert hatte. Die urspr\u00fcngliche Fassung konnte den neuen Anforderungen einfach nicht mehr gerecht werden.<br \/>\nAls die WCAG 2 entwickelt wurde, war das Internet im Wesentlichen noch statisch. Es gab zwar erste webbasierte Anwendungen wie Google Docs, doch sie waren noch die Ausnahme. Auch Smartphones waren damals kaum verbreitet.<br \/>\nMit der WCAG 2.1 kamen schlie\u00dflich Themen wie Touchscreens, mobile Anwendungen und teilweise auch kognitive Beeintr\u00e4chtigungen hinzu \u2013 allerdings nur in begrenztem Umfang. Die WCAG 2.2 erweiterte den bestehenden Rahmen noch etwas, blieb aber im Grundkonzept unver\u00e4ndert.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Warum_eine_WCAG_3\"><\/span>Warum eine WCAG 3?<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Seit einiger Zeit arbeitet das W3C an der WCAG 3, die vieles grundlegend ver\u00e4ndern wird. Das bisherige Konzept der WCAG 2.x hat sich in der Praxis als zu komplex und unflexibel erwiesen. Ziel der neuen Version ist es, die Richtlinien an die heutige digitale Vielfalt anzupassen.<br \/>\nSchon der Name zeigt diese Neuausrichtung: Die neuen Richtlinien sollen nicht mehr Web Content Accessibility Guidelines hei\u00dfen, sondern W3C Accessibility Guidelines. Damit wird deutlich, dass Barrierefreiheit l\u00e4ngst nicht mehr nur das Web betrifft.<br \/>\nDigitale Inhalte begegnen uns heute \u00fcberall \u2013 in nativen Apps, Desktop-Programmen, PDF- und Office-Dokumenten, aber auch auf Ger\u00e4ten mit eigenen Benutzeroberfl\u00e4chen, etwa K\u00fchlschr\u00e4nken oder Waschmaschinen mit Touchscreens.<br \/>\nZwar gibt es bereits erg\u00e4nzende Dokumente, die beschreiben, wie die <a href=\"https:\/\/www.w3.org\/TR\/wcag2ict-22\/\">WCAG auf solche Nicht-Webinhalte angewendet werden kann<\/a>. Diese L\u00f6sungen sind jedoch eher provisorisch. Mit der WCAG 3 soll ein einheitliches, flexibles Konzept geschaffen werden, das alle digitalen Plattformen und Technologien ber\u00fccksichtigt.<br \/>\nDie neue WCAG 3 wird daher voraussichtlich abstrakter und umfassender aufgebaut sein als ihre Vorg\u00e4nger. W\u00e4hrend die bisherigen Versionen stark auf klassische Webseiten ausgerichtet waren, soll die kommende Generation auch komplexe Webanwendungen und vielf\u00e4ltige Interaktionsformen abbilden.<br \/>\nEin zentraler Unterschied der kommenden WCAG 3 im Vergleich zu den bisherigen Versionen betrifft die Art und Weise, wie Barrierefreiheit bewertet wird. Die bekannten Success Criteria (Erfolgskriterien) werden in dieser Form voraussichtlich nicht mehr bestehen bleiben. Stattdessen wird das Konzept der sogenannten Outcomes eingef\u00fchrt.<br \/>\nDiese Outcomes konzentrieren sich st\u00e4rker auf das Ergebnis einer Anforderung \u2013 also darauf, ob die Nutzerinnen und Nutzer tats\u00e4chlich erfolgreich mit einem digitalen Angebot interagieren k\u00f6nnen. Damit r\u00fcckt die praktische Wirkung barrierefreier Gestaltung st\u00e4rker in den Mittelpunkt als die rein formale Erf\u00fcllung einzelner technischer Vorgaben.<br \/>\nMit der WCAG 3 wird es kein einfaches \u201ebestanden\u201c oder \u201enicht bestanden\u201c mehr geben. Stattdessen ist ein abgestuftes Bewertungssystem vorgesehen.<br \/>\nF\u00fcr jedes Outcome soll es eine Bewertungsmatrix geben, die beschreibt, wie gut die jeweilige Anforderung erf\u00fcllt ist. Zudem werden passende Testmethoden definiert, mit denen sich die Erf\u00fcllung objektiv messen l\u00e4sst. Die Ergebnisse k\u00f6nnen dann auf einer Skala eingeordnet werden \u2013 \u00e4hnlich einer Punktbewertung.<br \/>\nDamit die Bewertung jedoch nicht zu einer reinen Zahlenspielerei wird, sieht das Konzept auch sogenannte kritische Fehler vor. Wenn ein solcher kritischer Fehler auftritt \u2013 etwa eine Tastaturfalle, die die Bedienung vollst\u00e4ndig verhindert \u2013, gilt die betreffende Anwendung als nicht barrierefrei, unabh\u00e4ngig davon, wie viele Punkte sie in anderen Bereichen erreicht. Das ist konsequent, weil bestimmte Barrieren die Nutzbarkeit insgesamt oder f\u00fcr eine bestimmte Gruppe ausschlie\u00dfen.<br \/>\nEin weiterer wichtiger Aspekt der WCAG 3 ist die st\u00e4rkere Einbeziehung verschiedener Behinderungsformen und Interaktionsarten.<br \/>\nW\u00e4hrend sich die bisherigen Richtlinien stark auf assistive Technologien f\u00fcr blinde Nutzerinnen konzentrierten, soll der neue Ansatz deutlich breiter gefasst sein.<br \/>\nGeplant ist, insbesondere kognitive Beeintr\u00e4chtigungen und Neurodiversit\u00e4t st\u00e4rker zu ber\u00fccksichtigen. Auch Interaktionsformen \u2013 etwa Sprachsteuerung, Gesten- oder Augensteuerung \u2013 sollen in die Bewertung einflie\u00dfen.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus soll das Regelwerk auch auf immersive Technologien wie Extended Reality (XR) angewendet werden k\u00f6nnen. Wie das konkret umgesetzt werden soll, bleibt spannend \u2013 denn diese neuen Umgebungen stellen ganz eigene Anforderungen an Zug\u00e4nglichkeit und Interaktion.<br \/>\n  Neben der neuen Bewertungslogik wird sich mit der WCAG 3 auch das gesamte Konformit\u00e4tsmodell grundlegend ver\u00e4ndern. Bislang war es so, dass digitale Angebote anhand von drei Stufen bewertet wurden: A, AA und AAA.<br \/>\nUm ein bestimmtes Level zu erreichen, mussten jeweils alle Anforderungen der darunterliegenden Stufen erf\u00fcllt werden.<br \/>\nDas bedeutete: Wer AA-Konformit\u00e4t anstrebte, musste sowohl alle A- als auch alle AA-Kriterien erf\u00fcllen \u2013 und entsprechend f\u00fcr AAA alle drei Ebenen. Dieses System war klar, aber in der Praxis oft zu starr und schwer auf unterschiedliche Anwendungskontexte \u00fcbertragbar.<br \/>\nIn der WCAG 3 wird dieses stufenbasierte Modell voraussichtlich durch ein neues Bewertungssystem ersetzt. Statt A, AA und AAA ist k\u00fcnftig von den Stufen Bronze, Silber und Gold die Rede.<br \/>\nDie Bewertungen basieren auf den bereits erw\u00e4hnten Outcomes und der dazugeh\u00f6rigen Punktebewertung.<br \/>\nDie einzelnen Ergebnisse werden zu einem Gesamtwert zusammengef\u00fchrt, wobei die verschiedenen Bereiche unterschiedlich gewichtet werden.<br \/>\nSo entsteht ein differenzierteres und zugleich flexibleres Bild davon, wie barrierefrei ein Produkt tats\u00e4chlich ist.<br \/>\nIn etwa entspricht das Verh\u00e4ltnis den bisherigen Stufen:<br \/>\n\u2022  Bronze steht ungef\u00e4hr f\u00fcr das heutige Level A,<br \/>\n\u2022  Silber f\u00fcr AA,<br \/>\n\u2022  Gold f\u00fcr AAA.<br \/>\nAllerdings ist das neue System nicht einfach eine direkte \u00dcbersetzung, sondern eine grundlegend neue Denkweise. Es soll besser abbilden, wie vielf\u00e4ltig digitale Barrierefreiheit in der Praxis sein kann \u2013 und wie unterschiedlich die Anforderungen je nach Anwendung, Technologie oder Zielgruppe sind.<br \/>\nEin weiterer spannender Punkt ist, dass sich der Anwendungsbereich der neuen Richtlinien deutlich erweitert.<br \/>\nDie Entwicklung der WCAG 3 ist ein komplexer und langwieriger Prozess. Das W3C ver\u00f6ffentlicht regelm\u00e4\u00dfig neue Working Drafts, also Arbeitsentw\u00fcrfe, in denen die jeweils aktuellen \u00dcberlegungen und Ergebnisse zusammengefasst werden. Diese Entw\u00fcrfe sind \u00f6ffentlich einsehbar und k\u00f6nnen kommentiert werden.<br \/>\nAngesichts der grundlegenden Ver\u00e4nderungen \u2013 vom Bewertungssystem \u00fcber das Konformit\u00e4tsmodell bis hin zur Einbeziehung neuer Technologien \u2013 ist absehbar, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis eine stabile Version vorliegt. Mit einer offiziellen Ver\u00f6ffentlichung ist in den n\u00e4chsten ein bis zwei Jahren eher nicht zu rechnen.<br \/>\nF\u00fcr alle, die nicht t\u00e4glich mit Barrierefreiheit arbeiten, besteht aktuell kein dringender Bedarf sich intensiv mit der WCAG 3 zu besch\u00e4ftigen. Die Entw\u00fcrfe befinden sich noch in einem sehr fr\u00fchen Stadium und k\u00f6nnen sich bis zur endg\u00fcltigen Version erheblich ver\u00e4ndern.<br \/>\nEin Beispiel daf\u00fcr ist das APCA-Kontrastmodell (Advanced Perceptual Contrast Algorithm), das derzeit diskutiert wird. Ob und in welcher Form es tats\u00e4chlich in die WCAG 3 integriert wird, ist bislang v\u00f6llig offen. Es lohnt sich daher, die Entwicklungen im Blick zu behalten \u2013 aber noch nicht, bestehende Prozesse oder Pr\u00fcfmethoden umzustellen.<br \/>\nSelbst wenn man optimistisch annimmt, dass die WCAG 3 etwa im Jahr 2028 ver\u00f6ffentlicht werden k\u00f6nnte \u2013 was keineswegs sicher ist \u2013, w\u00fcrde das noch l\u00e4ngst nicht bedeuten, dass sie unmittelbar verbindlich wird.<br \/>\nDie bisherigen Versionen (2.0, 2.1 und 2.2) werden weiterhin bestehen bleiben und auch parallel angewendet. Das liegt vor allem daran, dass Gesetze und Verordnungen in der Regel auf eine konkrete WCAG-Version Bezug nehmen \u2013 und nicht automatisch auf die jeweils aktuellste Version.<br \/>\nSo gilt beispielsweise in vielen L\u00e4ndern noch immer die WCAG 2.0 als offizieller Standard, w\u00e4hrend die Europ\u00e4ische Union in ihrer Norm EN 301 549 aktuell auf die WCAG 2.1 verweist \u2013 obwohl die Version 2.2 bereits seit rund zwei Jahren ver\u00f6ffentlicht ist. Das zeigt, wie langwierig solche Anpassungsprozesse sind.<br \/>\nNach der Ver\u00f6ffentlichung der WCAG 3 wird es also zun\u00e4chst eine \u00dcbergangsphase geben, in der die \u00e4lteren Versionen weiter g\u00fcltig bleiben.<br \/>\nErst danach erfolgt die Integration in nationale Regelwerke, etwa:<br \/>\n\u2022  in den USA \u00fcber Section 508 und den Americans with Disabilities Act (ADA),<br \/>\n\u2022  in der Europ\u00e4ischen Union \u00fcber die bereits erw\u00e4hnte EN 301 549,<br \/>\n\u2022  und anschlie\u00dfend in die jeweiligen nationalen Gesetze der Mitgliedstaaten. Dieser gesamte Prozess wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Erst dann wird die WCAG 3 in der Praxis eine sp\u00fcrbare Rolle spielen.<br \/>\nKurz gesagt: Die WCAG 3 ist ein ambitioniertes Vorhaben, das die digitale Barrierefreiheit umfassender, moderner und praxisn\u00e4her gestalten soll. Doch bis sie tats\u00e4chlich verbindlich wird, bleibt noch viel Zeit.<br \/>\nWer sich heute an der WCAG 2.1 oder 2.2 orientiert, ist also weiterhin auf der sicheren Seite \u2013 und kann die Entwicklungen der WCAG 3 mit Interesse, aber ohne Eile verfolgen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Umsetzung_in_Deutschland_und_Ausblick\"><\/span>Umsetzung in Deutschland und Ausblick<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>In Deutschland ist die EN 301 549 direkt in die nationalen Gesetze zur digitalen Barrierefreiheit referenziert. Das bedeutet: Sobald die EN aktualisiert wird, gilt auch die neue Fassung automatisch als verbindlicher Standard.<br \/>\nVoraussichtlich wird die n\u00e4chste Aktualisierung der EN 301 549 im Jahr 2026 erfolgen \u2013 dann wird auch die WCAG 2.2 offiziell integriert und damit in Deutschland rechtsverbindlich.<br \/>\nSollte die EN eines Tages die WCAG 3 aufnehmen, w\u00fcrde diese ebenfalls automatisch zum rechtlichen Rahmen f\u00fcr digitale Barrierefreiheit in Deutschland werden. In der Praxis wird es jedoch auch dann \u00dcbergangsfristen geben.<br \/>\nDie EN 301 549 deckt zahlreiche Bereiche ab \u2013 von Hardware (Kapitel 8) \u00fcber Apps (Kapitel 11) bis hin zu Telekommunikation und weiteren digitalen Diensten.<br \/>\nWie sich die k\u00fcnftige WCAG 3 in diese bestehende Struktur einf\u00fcgen l\u00e4sst, ist derzeit noch v\u00f6llig offen.<br \/>\nIm ung\u00fcnstigsten Fall m\u00fcsste der gesamte Standard \u00fcberarbeitet werden, um das neue Konzept der WCAG 3 vollst\u00e4ndig zu integrieren.<br \/>\nEin solcher Prozess w\u00fcrde mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Selbst danach ist mit zus\u00e4tzlichen \u00dcbergangsfristen zu rechnen \u2013 m\u00f6glicherweise bis zu f\u00fcnf Jahre f\u00fcr alle Stellen, die zur Barrierefreiheit verpflichtet sind.<br \/>\nAngesichts dessen ist es realistisch, dass die vollst\u00e4ndige Einf\u00fchrung der WCAG 3 in Deutschland \u2013 inklusive gesetzlicher Verankerung und \u00dcbergangsfristen \u2013 erst in den 2030er-Jahren, vielleicht sogar zwischen 2035 und 2040, abgeschlossen sein wird.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Fazit\"><\/span>Fazit<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Wie schon eingangs gesagt: F\u00fcr die meisten Organisationen besteht derzeit kein unmittelbarer Handlungsbedarf, sich intensiv mit der WCAG 3 auseinanderzusetzen.<br \/>\nDie aktuelle WCAG 2.1 und k\u00fcnftig 2.2 bleiben noch auf viele Jahre die ma\u00dfgeblichen Standards.<br \/>\nEs lohnt sich jedoch, die Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen \u2013 denn die WCAG 3 wird langfristig die Grundlage f\u00fcr ein neues, umfassenderes Verst\u00e4ndnis digitaler Barrierefreiheit bilden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute m\u00f6chte ich einen Ausblick auf die WCAG 3 geben \u2013 die voraussichtlich n\u00e4chste Version der Web Content Accessibility Guidelines. 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