{"id":10426,"date":"2025-11-22T18:50:24","date_gmt":"2025-11-22T16:50:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?p=10426"},"modified":"2025-12-05T17:07:59","modified_gmt":"2025-12-05T15:07:59","slug":"digitale-souveraenitaet-scheitert-ohne-digitale-barrierefreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/digitale-souveraenitaet-scheitert-ohne-digitale-barrierefreiheit\/","title":{"rendered":"Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t scheitert ohne digitale Barrierefreiheit"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/334-digitale-souveranitat-nur-barrierefrei\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><br \/>\nIn diesem Beitrag geht es um digitale Souver\u00e4nit\u00e4t und die Bedeutung von digitaler Barrierefreiheit in diesem Kontext. In der Politik wird derzeit intensiv \u00fcber die Souver\u00e4nit\u00e4t der Europ\u00e4ischen Union diskutiert, da ein Gro\u00dfteil der Software und Hardware aus L\u00e4ndern stammt, die politisch problematisch agieren. Das Problem aus meiner Sicht: \u00dcber digitale Barrierefreiheit bei Alternativen wird kaum gesprochen.<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_82_2 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/digitale-souveraenitaet-scheitert-ohne-digitale-barrierefreiheit\/#Zusammenfassung_%E2%80%93_TLDR\" >Zusammenfassung &#8211; TLDR<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/digitale-souveraenitaet-scheitert-ohne-digitale-barrierefreiheit\/#Das_Problem_digitale_Souveraenitaet\" >Das Problem digitale Souver\u00e4nit\u00e4t<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/digitale-souveraenitaet-scheitert-ohne-digitale-barrierefreiheit\/#Mangelnde_Barrierefreiheit_bei_Alternativen\" >Mangelnde Barrierefreiheit bei Alternativen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/digitale-souveraenitaet-scheitert-ohne-digitale-barrierefreiheit\/#Funktionalitaet_nicht_Barrierefreiheit_oder_UX\" >Funktionalit\u00e4t, nicht Barrierefreiheit oder UX<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-5\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/digitale-souveraenitaet-scheitert-ohne-digitale-barrierefreiheit\/#Alternativen_scheitern_ohne_Beteiligung\" >Alternativen scheitern ohne Beteiligung<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-6\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/digitale-souveraenitaet-scheitert-ohne-digitale-barrierefreiheit\/#Fazit_Die_EU_kann_es_besser_machen_als_die_USA\" >Fazit: Die EU kann es besser machen als die USA<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Zusammenfassung_%E2%80%93_TLDR\"><\/span>Zusammenfassung &#8211; TLDR<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t bedeutet im Kern, sich von ausl\u00e4ndischen Plattformen weitgehend zu entkoppeln, um Abh\u00e4ngigkeiten zu vermeiden. Derzeit wird dieses Thema besonders durch KI-Plattformen relevant: Die leistungsf\u00e4higsten Anbieter stammen bisher aus den USA, w\u00e4hrend China schnell aufholt. Europa steht damit vor der Herausforderung, zwischen schwierigen Partnern zu navigieren und eigene L\u00f6sungen zu entwickeln.<br \/>\nDie naheliegende Option, eigene Plattformen zu schaffen, ist zeitaufwendig, aber langfristig sinnvoll \u2013 allerdings nur, wenn diese L\u00f6sungen vergleichbare Barrierefreiheit und nutzerfreundliche User Experience (UX) bieten. Bisher wird Barrierefreiheit im Diskurs um digitale Souver\u00e4nit\u00e4t kaum ber\u00fccksichtigt. Argumente wie Datensicherheit, Ausfallsicherheit und die Einhaltung von Datenschutz- und KI-Vorgaben (DSGVO, KI-Act) stehen klar im Vordergrund, w\u00e4hrend digitale Zug\u00e4nglichkeit und UX oft vernachl\u00e4ssigt werden.<br \/>\nEin zentrales Problem liegt im Mangel an Barrierefreiheitskompetenz in deutschen und europ\u00e4ischen Entwicklerteams. W\u00e4hrend die USA mit Gesetzen wie dem American Disabilities Act und Section 508 einen klaren Rahmen f\u00fcr barrierefreie Software und Procurement schaffen, existieren in der EU vergleichbare Vorgaben nur begrenzt. Dies f\u00fchrt dazu, dass barrierefreie Arbeitspl\u00e4tze und Software in vielen Unternehmen nach wie vor unzureichend umgesetzt werden. Veraltete Systeme oder Eigenentwicklungen, die lange nicht aktualisiert wurden, verst\u00e4rken dieses Problem.<br \/>\nAuch die B\u00fcrgerdienste sind betroffen. Beispiele wie die elektronische Patientenakte oder der elektronische Personalausweis zeigen, dass fehlende Barrierefreiheit, komplizierte Bedienung und mangelnde Information die Nutzung erschweren. B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sind oft unsicher oder wissen nicht, wie sie digitale Angebote korrekt nutzen k\u00f6nnen. Dies tr\u00e4gt dazu bei, dass die Digitalisierung in Deutschland nur schleppend vorankommt.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus zeigt sich in der Verwaltung, dass \u00e4ltere Mitarbeiterinnen oft Schwierigkeiten haben, neue Software effizient zu nutzen. Reibungsverluste und geringe Akzeptanz entstehen, wenn neue L\u00f6sungen zwar funktional, aber anders gestaltet sind als vertraute Systeme wie Microsoft Office. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, bei digitalen Plattformen UX und Barrierefreiheit von Anfang an zu ber\u00fccksichtigen.<br \/>\nL\u00f6sungen k\u00f6nnen nur erfolgreich sein, wenn die Nutzerperspektive einbezogen wird. Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t darf nicht bedeuten, amerikanische Plattformen abrupt zu ersetzen und daf\u00fcr mittelm\u00e4\u00dfige lokale L\u00f6sungen einzuf\u00fchren. Stattdessen m\u00fcssen neue Systeme barrierefrei, nutzungsfreundlich und partizipativ entwickelt werden \u2013 gemeinsam mit B\u00fcrgerinnen und Verwaltungsmitarbeiterinnen. Open Source bietet hierbei besondere Chancen: Europaweit einheitliche Standards k\u00f6nnen geschaffen werden, indem mehrere Staaten gleichzeitig an der Umsetzung arbeiten.<br \/>\nUS-amerikanische Plattformen sind in vielerlei Hinsicht vorbildlich, haben aber ebenfalls Defizite. Microsoft Office etwa ist \u00fcberladen und kann durch souver\u00e4ne europ\u00e4ische L\u00f6sungen effizienter, intuitiver und barrierefreier gestaltet werden. Europa hat somit die Chance, eigene Plattformen zu schaffen, die sowohl digital souver\u00e4n als auch nutzerfreundlich und barrierefrei sind. Voraussetzung daf\u00fcr ist, dass Barrierefreiheit und UX endlich konsequent auf die Agenda gesetzt werden.<br \/>\nFazit: Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t ist nicht nur eine Frage von Datensicherheit und Unabh\u00e4ngigkeit, sondern auch von Benutzerfreundlichkeit und Zug\u00e4nglichkeit. Ohne konsequente Ber\u00fccksichtigung von Barrierefreiheit und UX wird die Digitalisierung in Deutschland weiterhin nur schleppend vorankommen. Investitionen in Fachkr\u00e4fte, partizipative Entwicklung und Open-Source-L\u00f6sungen sind dabei zentrale Bausteine f\u00fcr eine erfolgreiche Umsetzung.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Das_Problem_digitale_Souveraenitaet\"><\/span>Das Problem digitale Souver\u00e4nit\u00e4t<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Bisher wurde die Abh\u00e4ngigkeit von au\u00dfereurop\u00e4ischen Plattformen  im Softwarebereich kaum als Problem wahrgenommen. Allerdings zeigt sich zunehmend, dass Software als Druckmittel eingesetzt, zur Aussp\u00e4hung genutzt oder Daten abgegriffen werden kann. Die Abh\u00e4ngigkeit von wenigen gro\u00dfen Unternehmen w\u00e4chst dabei weiter. Einige wenige Anbieter \u2013 allen voran Microsoft und Google \u2013 kontrollieren heute einen erheblichen Teil der Softwarelandschaft. Sie liefern zum Beispiel zentrale Softwarel\u00f6sungen f\u00fcr Unternehmen und betreiben wichtige Internetplattformen. Cloud-Dienste, etwa von Amazon oder Microsoft, bilden die technische Basis vieler Anwendungen. Ein Ausfall eines gro\u00dfen Cloud-Anbieters kann somit Teile des Internets und zahlloser Anwendungen lahmlegen.<br \/>\nDieses Machtpotenzial wird zunehmend als Problem wahrgenommen. Zwar wurde diese Macht bisher nicht stark ausgenutzt, doch es besteht immer die M\u00f6glichkeit, dass Plattformen als Mittel politischer oder wirtschaftlicher Einflussnahme missbraucht werden. Viele Plattformen k\u00f6nnen ausspionieren oder einfach abgeschaltet werden, was die Abh\u00e4ngigkeit von wenigen Anbietern weiter erh\u00f6ht. W\u00e4hrend fr\u00fcher klassische Software wie Office oder Suchmaschinen im Fokus stand, dominieren heute KI-Plattformen. Die meisten gro\u00dfen KI-Dienste stammen aus den USA oder China, w\u00e4hrend europ\u00e4ische Alternativen bislang wenig genutzt werden. Dies verst\u00e4rkt die Diskussion \u00fcber digitale Souver\u00e4nit\u00e4t.<br \/>\nDigitale Souver\u00e4nit\u00e4t bedeutet im Wesentlichen, globale Plattformen durch Alternativen zu ersetzen, etwa durch Open-Source-L\u00f6sungen oder europ\u00e4ische Angebote. Es gibt gute Gr\u00fcnde, sich nicht von wenigen Anbietern abh\u00e4ngig zu machen, und es existieren durchaus Alternativen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Mangelnde_Barrierefreiheit_bei_Alternativen\"><\/span>Mangelnde Barrierefreiheit bei Alternativen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Ein zentrales Problem: Viele dieser Alternativen ber\u00fccksichtigen Barrierefreiheit nur unzureichend. Bei US-amerikanischen Plattformen hingegen ist Barrierefreiheit oft gut umgesetzt \u2013 nicht aus reiner Selbstlosigkeit, sondern aus wirtschaftlichem Interesse und gesetzlichen Vorgaben. In den USA existieren strenge Gesetze f\u00fcr Barrierefreiheit im \u00f6ffentlichen Sektor, und Unternehmen wie Google, Microsoft oder Apple profitieren davon, wenn ihre Software in Beh\u00f6rden, im Bildungsbereich oder bei staatlich gef\u00f6rderten Projekten eingesetzt wird. Daher legen sie gro\u00dfen Wert auf barrierefreie L\u00f6sungen.<br \/>\nEurop\u00e4ische Plattformen hingegen haben diesen Fokus bislang kaum gesetzt. Viele Eigenentwicklungen, die als Alternative zu Microsoft Office gedacht sind, priorisieren die Kernfunktionalit\u00e4t und schnelle Entwicklung \u00fcber Barrierefreiheit. Die Dynamik der Entwicklung und das Streben nach Funktionsumfang f\u00fchren dazu, dass Barrierefreiheit oft zur\u00fcckgestellt wird.<br \/>\nEin weiteres gro\u00dfes Problem ist der Mangel an Barrierefreiheitswissen in deutschen und europ\u00e4ischen Entwicklerstudios. Es fehlt an F\u00e4higkeiten, barrierefreie Software zu entwickeln. Dieser Kompetenzmangel wird zunehmend sp\u00fcrbar, insbesondere im Vergleich zu den USA, die in diesem Bereich deutlich weiter entwickelt sind.<br \/>\nIn den USA existieren starke gesetzliche Vorgaben wie der Americans with  Disabilities Act oder Section 508, die Barrierefreiheit in der Softwarebeschaffung verpflichtend machen. In der EU gibt es zwar Gesetze, diese betreffen aber vor allem Arbeitsplatz-Software und st\u00e4rken die Rechte von Menschen mit Behinderung nur unzureichend. Dies f\u00fchrt dazu, dass barrierefreie Arbeitspl\u00e4tze und Software in vielen Unternehmen nach wie vor vernachl\u00e4ssigt werden.<br \/>\nEigenentwicklungen oder veraltete Systeme machen h\u00e4ufig Probleme, weil sie lange nicht aktualisiert wurden und bei denen Barrierefreiheit nur eine geringe Priorit\u00e4t hat. Zwar garantiert das deutsche Behindertengleichstellungsgesetz theoretisch barrierefreie Arbeitspl\u00e4tze, in der Praxis wird dies jedoch h\u00e4ufig ignoriert. Softwareanschaffungen orientieren sich oft an der einfachsten L\u00f6sung \u2013 beispielsweise Microsoft Office oder Google Docs \u2013 ohne Ber\u00fccksichtigung digitaler Souver\u00e4nit\u00e4t oder Barrierefreiheit.<br \/>\nDas Thema digitale Souver\u00e4nit\u00e4t gewinnt erst seit einigen Jahren an Bedeutung, besonders seit dem die Trump-Administration deutlich machte, dass Softwareunternehmen politischem Druck ausgesetzt sein k\u00f6nnen. Solche Eingriffe k\u00f6nnen zu Datenabfluss oder Sperrungen f\u00fchren und stellen massive Eingriffe in die Selbstbestimmung dar. Die Plattformen selbst sind in vielen F\u00e4llen gesetzlich verpflichtet, diese Anordnungen umzusetzen, was unsere Abh\u00e4ngigkeit und Verwundbarkeit noch verst\u00e4rkt.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Funktionalitaet_nicht_Barrierefreiheit_oder_UX\"><\/span>Funktionalit\u00e4t, nicht Barrierefreiheit oder UX<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Bislang liegt der Fokus darauf, die Funktionalit\u00e4t von US-amerikanischen l\u00f6sungen nachzubauen. UX und Barrierefreiheit kommen aber kaum vor. Sie m\u00f6gen sagen, dass das doch selbstverst\u00e4ndlich sei. Aus schmerzlicher Erfahrung muss ich das leider verneinen: Wenn nicht dar\u00fcber gesprochen und es eingefordert wird, wird es nicht beachtet. Ich habe gepr\u00fcft, ob es Informationen zur Barrierefreiheit g\u00e4ngiger Alternativen gibt &#8211; Fehlanzeige.<br \/>\nG\u00e4ngige Argumente f\u00fcr digitale Souver\u00e4nit\u00e4t sind Datensicherheit, Ausfallsicherheit und die Einhaltung von Datenschutz- und KI-Vorgaben (DSGVO, KI-Act). Diese Aspekte sind berechtigt und wichtig. Was bisher kaum thematisiert wird, ist die digitale Barrierefreiheit und die User Experience. Gerade bei deutscher Software bestehen hier erhebliche Defizite.<br \/>\nDabei ist UX nicht trivial: Auch die Bedienbarkeit von Microsoft Office oder Google-Diensten ist oft nicht optimal, und die Vorstellungen von User Experience oder Barrierefreiheit dieser Plattformen m\u00fcssen nicht unbedingt den eigenen Anforderungen entsprechen. F\u00fcr europ\u00e4ische Plattformen gilt: Solange Barrierefreiheit und gute UX nicht gew\u00e4hrleistet sind, bleibt ein zentraler Aspekt der digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t unber\u00fccksichtigt.<br \/>\nEs besteht noch erheblicher Verbesserungsbedarf, der bisher kaum ber\u00fccksichtigt wird: die Qualit\u00e4t der Software selbst. Einfach Software auszutauschen, ohne die Nutzerinnen mitzunehmen, kann erhebliche Probleme verursachen. Besonders in der Verwaltung, mit einem h\u00f6heren Durchschnittsalter der Besch\u00e4ftigten, f\u00e4llt die Umstellung auf neue Software oft schwer. Reibungsverluste entstehen, die Effizienz leidet \u2013 ganz abgesehen von Barrierefreiheit.<br \/>\nDie Einf\u00fchrung von Office-Alternativen, die zwar funktional sind, aber anders aussehen und bedient werden m\u00fcssen als Microsoft Office, l\u00f6st das Problem nicht. Dieses Ph\u00e4nomen zeigt sich nicht nur innerhalb der Verwaltung, sondern auch bei digitalen B\u00fcrgerdiensten.<br \/>\nBeispiele hierf\u00fcr sind die elektronische Patientenakte und der elektronische Personalausweis. Die Patientenakte ist bundesweit eingef\u00fchrt, wird aber kaum genutzt, da sie schwer zug\u00e4nglich ist. Der elektronische Personalausweis bietet theoretisch Funktionen wie die digitale Identifikation f\u00fcr Onlineservices, wird aber kaum verwendet. Gr\u00fcnde sind fehlendes Wissen \u00fcber die Funktion, komplizierte Handhabung und unklare Datenschutzregelungen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Alternativen_scheitern_ohne_Beteiligung\"><\/span>Alternativen scheitern ohne Beteiligung<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Solche Schw\u00e4chen f\u00fchren dazu, dass digitale Angebote unattraktiv und ineffizient werden. Der Staat muss dringend die Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit seiner digitalen Dienste verbessern, damit B\u00fcrgerinnen und Mitarbeiterinnen  bereit sind, sie zu nutzen.<br \/>\nDie mangelhafte digitalisierung hat weitreichende Konsequenzen. Deutschland z\u00e4hlt zu den L\u00e4ndern, die stark auf Bargeld setzen, und viele B\u00fcrgerinnen bevorzugen weiterhin traditionelle Kommunikationswege wie Telefon oder Post. Digitale Angebote werden deshalb nur z\u00f6gerlich angenommen, was auch auf schlechte Nutzerfreundlichkeit und unzureichende Zug\u00e4nglichkeit zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<br \/>\nObwohl das Onlinezugangsgesetz klare Vorgaben zu UX-Tests und Barrierefreiheit enth\u00e4lt, werden diese Anforderungen nicht konsequent umgesetzt. Die vorhandenen digitalen Services sind oft kompliziert, wenig intuitiv und erf\u00fcllen die Bed\u00fcrfnisse der Nutzerinnen nicht.<br \/>\nGerade der Staat hat die Aufgabe, digitale Dienste und seine Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr alle B\u00fcrgerinnen zug\u00e4nglich zu machen \u2013 einschlie\u00dflich \u00e4lterer Menschen und Menschen mit Behinderungen. Bisher ist er dieser Verantwortung jedoch nur unzureichend gerecht geworden. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Fazit_Die_EU_kann_es_besser_machen_als_die_USA\"><\/span>Fazit: Die EU kann es besser machen als die USA<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Ich bin kein Gegner digitaler Souver\u00e4nit\u00e4t \u2013 im Gegenteil: Hier sollte wesentlich mehr getan werden, insbesondere im Bereich Open Source. Die EU verf\u00fcgt \u00fcber Kapazit\u00e4ten und F\u00e4higkeiten, die sie st\u00e4rker einbringen sollte. Entscheidend ist jedoch, dass die Perspektive der Nutzerinnen \u2013 sowohl der Verwaltungsmitarbeiterinnen als auch der B\u00fcrgerinnen \u2013 in die Entwicklung einbezogen wird.<br \/>\nEin abruptes Ersetzen amerikanischer Plattformen durch mittelm\u00e4\u00dfige lokale Anwendungen ist keine L\u00f6sung. Stattdessen m\u00fcssen digitale Services von Anfang an auf Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit ausgerichtet sein. Daf\u00fcr sind massive Investitionen in Personal und Kompetenzen n\u00f6tig: Es werden dringend mehr Fachkr\u00e4fte ben\u00f6tigt, die barrierefreie Software und Webapplikationen entwickeln k\u00f6nnen. N\u00f6tig ist auch ein agiler Prozess, bei dem Anwendungen iterativ, zum Beispiel \u00fcber Nutzungs-Feedback verbessert werden.<br \/>\nDie US-amerikanischen Plattformen sind vor allem deshalb vorbildlich, weil die Alternativen deutlich schlechter sind. Die EU kann hier mit Nutzerinnen-Beteiligung noch mal deutlich besser werden.<br \/>\nDie bereitgestellten L\u00f6sungen m\u00fcssen barrierefrei, nutzungsfreundlich und partizipativ entwickelt werden \u2013 gemeinsam mit B\u00fcrgerinnen und Verwaltungsmitarbeiterinnen \u2013 bevor sie breit ausgerollt werden. Open Source bietet dabei besondere Chancen: Europaweit einheitliche Standards k\u00f6nnen geschaffen werden, da mehrere Staaten gleichzeitig an der Umsetzung arbeiten k\u00f6nnen.<br \/>\nUS-amerikanische Plattformen sind zwar in vielen Bereichen vorbildlich, doch auch sie haben Defizite. Beispielsweise ist Microsoft Office \u00fcberladen und kann durch souver\u00e4ne europ\u00e4ische L\u00f6sungen besser, effizienter und barrierefreier gestaltet werden. Voraussetzung daf\u00fcr ist, dass das Thema \u00fcberhaupt auf die Agenda kommt \u2013 aktuell ist dies noch eines der gr\u00f6\u00dften Probleme.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Beitrag geht es um digitale Souver\u00e4nit\u00e4t und die Bedeutung von digitaler Barrierefreiheit in diesem Kontext. In der Politik wird derzeit intensiv \u00fcber die&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/digitale-souveraenitaet-scheitert-ohne-digitale-barrierefreiheit\/\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t scheitert ohne digitale Barrierefreiheit<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-10426","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10426","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10426"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10426\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10447,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10426\/revisions\/10447"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10426"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10426"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10426"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}