{"id":10884,"date":"2026-06-27T13:50:48","date_gmt":"2026-06-27T11:50:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?p=10884"},"modified":"2026-06-30T15:43:18","modified_gmt":"2026-06-30T13:43:18","slug":"der-groesste-umbruch-in-der-digitalen-barrierefreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-groesste-umbruch-in-der-digitalen-barrierefreiheit\/","title":{"rendered":"Software as a Service &#8211; der gr\u00f6\u00dfte Umbruch in der Barrierefreiheit"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/moni.jpg\" alt=\"Screenshot eines Monitoring-Tools\" width=\"1024\" height=\"559\" class=\"alignleft size-full wp-image-10892\" srcset=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/moni.jpg 1024w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/moni-300x164.jpg 300w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/moni-768x419.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/368-software-as-a-service-der-grosste-umbruch-in-der-barrierefreiheit\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><br \/>\nIn diesem Beitrag geht es um einen tiefgreifenden Wandel \u2013 den vielleicht gr\u00f6\u00dften Umbruch, den wir in der digitalen Barrierefreiheit bisher erlebt haben. Nein, ich spreche nicht von K\u00fcnstlicher Intelligenz. Das Thema KI ist wichtig, wurde aber schon oft besprochen, und aktuell gibt es dazu wenig Neues. Es geht vielmehr um Software as a Service-L\u00f6sungen, die Barrierefreiheit disruptiv auf den Kopf stellen. <\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_85 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-groesste-umbruch-in-der-digitalen-barrierefreiheit\/#Vom_service_zur_Software\" >Vom service zur Software<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-groesste-umbruch-in-der-digitalen-barrierefreiheit\/#Der_Kern_des_Umbruchs_Automatisierung_und_Monitoring\" >Der Kern des Umbruchs: Automatisierung und Monitoring<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-groesste-umbruch-in-der-digitalen-barrierefreiheit\/#Die_Expansion_der_Overlay-Anbieter\" >Die Expansion der Overlay-Anbieter<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-groesste-umbruch-in-der-digitalen-barrierefreiheit\/#Die_Zukunft_Grosser_Beratungsbedarf_fuer_Expertinnen\" >Die Zukunft: Gro\u00dfer Beratungsbedarf f\u00fcr Expertinnen<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Vom_service_zur_Software\"><\/span>Vom service zur Software<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Bisher war der Markt in drei Akteure unterteilt:<\/p>\n<ul>\n<li>Freelancer: Sie konzentrierten sich auf Consulting, Tests und Schulungen.<\/li>\n<li>Kleine Agenturen: Sie bauten meist Websites f\u00fcr kleinere Kommunen. Diese spezialisierten Teams sind oft klein (10 bis 20 Personen). Neben der Entwicklung \u00fcbernahmen sie meist auch das Hosting und die Pflege des Content-Management-Systems (CMS).<\/li>\n<li>Gro\u00dfe Anbieter: IT-Konzerne wie adesso oder die Pixelpark stemmten die Gro\u00dfprojekte, hosteten riesige Systeme und boten alles aus einer Hand.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es waren vor allem Dienstleistungen, Software als Produkt spielte eine untergeordnete Rolle. Diese traditionelle Aufteilung ver\u00e4ndert sich. Die Anforderungen an kommunale Websites steigen massiv. Fr\u00fcher reichten ein digitales Schaufenster, ein Kontaktformular und ein Social-Media-Feed. Heute sind Websites hochkomplexe Plattformen mit tiefen Anbindungen an die digitale Infrastruktur.<br \/>\nDiese technische Tiefe und die strengen rechtlichen Vorgaben erfordern Spezialwissen. Kleine Agenturen k\u00f6nnen das mit wenigen Designerinnen und Entwicklerinnen nicht mehr leisten. Kommunen suchen daher zunehmend die Sicherheit mittelgro\u00dfer oder gro\u00dfer Agenturen. Dort ist die Compliance gesichert und das Ausfallrisiko von Personal geringer.<br \/>\nAuch der Markt f\u00fcr kleinere Websites von Privatpersonen oder Kleinstunternehmen ver\u00e4ndert sich drastisch. Individuell programmierte Seiten sterben aus. Das hat zwei Gr\u00fcnde:<\/p>\n<ol>\n<li>I-Generatoren: Heute lassen sich einfache Websites per Prompt erstellen und anpassen. Produzier mir eine Website f\u00fcr einen Handweker in Bonn. Das kann auch der Cousin \u00fcbernehmen und bekommt ein brauchbares Ergbnis. <\/li>\n<li>Baukastensysteme (wie Wix): Kunden wollen sich nicht mit der Technik von WordPress oder Joomla besch\u00e4ftigen. Sie suchen fertige Systeme, die sich leicht bedienen lassen. Bauk\u00e4sten bieten Sicherheit, automatische Updates, gute Designs und verlangen kein Hosting-Wissen. HTML und CSS sind f\u00fcr Laien ohnehin kein Thema mehr.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr Fachkr\u00e4fte im Bereich Barrierefreiheit? Die technische Umsetzung \u2013 also Design, UX, Entwicklung und Rechtssicherheit \u2013 wandert zunehmend zu spezialisierten Gro\u00dfagenturen.<br \/>\nExpertinnen f\u00fcr Barrierefreiheit verlagern ihren Schwerpunkt deshalb immer st\u00e4rker auf das Consulting. Sie beraten nicht mehr nur zur rein technischen Barrierefreiheit, sondern optimieren Prozesse in Organisationen. Das Ziel: Barrierefreiheit soll kein einmaliges Projekt sein, sondern dauerhaft im System verankert bleiben.<br \/>\nKern-Problem sind an diser Stelle vor allem Dienstleister mit geringer Barrierefreiheits-Expertise und Akteure mit Dumping-Preisen. Der Wettbewerb ist deutlich h\u00e4rter geworden. Solange die Qualit\u00e4t vieler neuer Akteure so schlecht ist und es \u00dcberwachungsstellen gibt, die das irgendwann feststellen, mache ich mir mehr Sorgen um die Anbieter und deren behinderte Kunden als darum, dass uns die Arbeit ausgeht. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Der_Kern_des_Umbruchs_Automatisierung_und_Monitoring\"><\/span>Der Kern des Umbruchs: Automatisierung und Monitoring<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Der eigentliche Kern dieses Umbruchs liegt in der zunehmenden Automatisierung der Barrierefreiheit. Durch neue Gesetze wie das Barrierefreiheitsst\u00e4rkungsgesetz (BFSG) und die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) sind immer mehr gro\u00dfe Organisationen in der Pflicht. Dazu geh\u00f6ren Bundes- und Landesbeh\u00f6rden, Krankenkassen, gro\u00dfe E-Commerce-Unternehmen und Banken.<br \/>\nDiese Akteure verwalten oft tausende oder zehntausende Webseiten. Es ist schlicht unm\u00f6glich, diese alle manuell barrierefrei zu machen und zu halten. Gleichzeitig haben sie relativ umfangreiche IT-Budgets.<br \/>\nAn dieser Stelle kommen automatisierte Monitoring-Tools ins Spiel. Sie pr\u00fcfen ganze Websites und PDFs fortlaufend auf Barrierefreiheit und fassen die Ergebnisse in einem Index zusammen. Werden Fehler behoben, steigt dieser Wert. Ein gro\u00dfer Vorteil: Viele dieser Tools lassen sich direkt an Ticket-Systeme wie Jira anbinden. Fehler landen so automatisch bei den zust\u00e4ndigen Entwicklern. Obwohl diese Tools schon lange existieren, etablieren sie sich erst jetzt in der Breite. Das hat vor allem zwei Gr\u00fcnde: <\/p>\n<ul>\n<li>Barrierefreiheit wird endlich als Compliance-Faktor gesehen, um den man sich nicht nur projektweise k\u00fcmmert. <\/li>\n<li>Die Akquise finanzstarker Akteure nimmt massiv zu. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Software-L\u00f6sungen etablieren sich in der EU gerade besonders bei finanzstarken Einrichtungen. F\u00fcr Konzerne und Beh\u00f6rden ist es oft deutlich leichter, f\u00fcnfstellige Monatsbudgets f\u00fcr Software-Lizenzen zu rechtfertigen als Budgets f\u00fcr externe Dienstleistungen.<br \/>\nDa der nordamerikanische Markt weitgehend ges\u00e4ttigt ist, entdecken gro\u00dfe US-Produkth\u00e4user Europa als &#8222;wei\u00dfen Flecken&#8220; auf der Landkarte. Viele Branchenriesen versuchen nun den Sprung \u00fcber den Atlantik:<\/p>\n<ul>\n<li>Level Access: Bekannt unter anderem durch den Kauf des Overlay-Anbieters UserWay \u2013 vermutlich, um deren Monitoring-Technologie zu integrieren.<\/li>\n<li>deque: Der Marktf\u00fchrer im Bereich der automatisierten Pr\u00fcfung. Fast jeder in der Branche kennt deren Open-Source-Engine axe-core, die in unz\u00e4hligen Tools steckt.<\/li>\n<li>vielleicht auch weitere Anbieter wie etwa TPGI <\/li>\n<\/ul>\n<p>Bisher ist der Markt f\u00fcr Barrierefreiheits-SaaS in Europa \u00fcberschaubar. Es gibt etablierte Kr\u00e4fte, aber wenig Konkurrenz:<\/p>\n<ul>\n<li>Siteimprove: Das d\u00e4nische Unternehmen ist seit \u00fcber zehn Jahren global aktiv. Mit einer breiten Suite f\u00fcr Qualit\u00e4tssicherung, SEO und Datenschutz ist es im deutschen Markt fest verankert.<\/li>\n<li>Accessibility Cloud: Ein Anbieter aus Schweden (bekannt aus <a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/newsletter-digitale-barrierefreiheit\/interview-mit-oliver-haake-klink-ueber-accessibility-cloud\/\">meinem Interview mit Oliver von Districo<\/a>), der sich rein auf Barrierefreiheit konzentriert und eine sehr budgetfreundliche Monitoring-L\u00f6sung bietet.<\/li>\n<li>CAAT aus Deutschland, siehe auch mein <a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/stefan-farnetani-ueber-automatisiertes-testen-mit-caat\/\">Gespr\u00e4ch mit Stefan<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Obwohl Deque und Level Access finanziell stark aufgestellt sind, wird der europ\u00e4ische Markt kein Selbstl\u00e4ufer. Sie stehen vor zwei gro\u00dfen H\u00fcrden:<\/p>\n<ol>\n<li>Sprache und Lokalisierung: Deutsche Beh\u00f6rden oder Konzerne kaufen keine rein englischen oder schlecht \u00fcbersetzten Benutzeroberfl\u00e4chen. Die Tools m\u00fcssen perfekt lokalisiert sein. Eine Anpassung an lokale Besonderheiten ist nicht trivial und lohnt sich eher bei den gro\u00dfen oder finanzkr\u00e4ftigen Staaten. <\/li>\n<li>DSGVO und Datenschutz: Auch wenn es um \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Websites geht, sind die europ\u00e4ischen Datenschutzgesetze streng. Zudem gibt es in der EU, besonders in L\u00e4ndern wie Frankreich, tiefe Vorbehalte gegen US-amerikanische Software-Anbieter. Datenfl\u00fcsse und Speicherorte m\u00fcssen absolut rechtssicher sein.<\/li>\n<\/ol>\n<p>An Kapital mangelt es den US-Riesen nicht. Um die H\u00fcrden zu nehmen, werden sie vermutlich eigene nationale Niederlassungen f\u00fcr Sales und Lokalisierung gr\u00fcnden und lokale Expertenteams aufbauen. Ein anderer Weg f\u00fchrt \u00fcber Partnerschaften: Sie werden strategische Allianzen mit etablierten IT-Dienstleistern in den jeweiligen L\u00e4ndern suchen, um den Markt zu verstehen und zu erobern. Da es in Europa bisher kaum vergleichbare Produkth\u00e4user gibt, stehen die Chancen recht gut daf\u00fcr.<br \/>\nDer Vorteil von Software as a Service (SaaS). Das Gesch\u00e4ftsmodell l\u00e4sst sich nahezu unbegrenzt skalieren. Ob eine Software 1.000, 10.000 oder 100.000 Kunden betreut, macht technisch kaum einen Unterschied. Man ben\u00f6tigt lediglich ein paar zus\u00e4tzliche Server und minimal mehr technisches Personal und Betreuung. Der Umsatz steigt rasant, w\u00e4hrend die Kosten flach bleiben. Bei klassischen Dienstleistungen ist das anders: Wer mehr Beratung oder manuelles Testing anbieten will, muss proportional mehr Personal einstellen. Da die meisten Barrierefreiheits-Expertinnen reine Dienstleister sind und keine eigene Software entwickeln, bleibt ihnen dieser hochprofitable SaaS-Markt verwehrt.<br \/>\nAllein in Westeuropa mit seinen rund 200 Millionen Einwohnern liegt hier ein riesiges, bisher kaum genutztes Umsatzpotenzial. Das zieht Akteure an.<br \/>\nKI spielt in diesem Kontext bisher eine geringe Rolle: Es gibt bereits erste Ans\u00e4tze, die aber bislang keine gro\u00dfen Gewinne an Zeit oder Geld bringen. Das muss aber nicht so bleiben. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Die_Expansion_der_Overlay-Anbieter\"><\/span>Die Expansion der Overlay-Anbieter<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Neben den klassischen Produkth\u00e4usern dr\u00e4ngen nun auch die bekannten Barrierefreiheits-Overlay-Anbieter massiv in diesen Markt. Sie haben \u00fcber Venture-Capital immense Summen von Investoren eingesammelt.<br \/>\nDabei sind die klassischen Overlays \u2013 also die Widgets, die man per Klick auf einer Website einbindet \u2013 f\u00fcr diese Firmen mittlerweile fast schon Nebensache. Ihr Fokus liegt l\u00e4ngst auf umfassenden Monitoring-L\u00f6sungen und tieferer Automatisierung. Sie versprechen:<\/p>\n<ul>\n<li>automatische Untertitel und Geb\u00e4rdensprach-Avatare<\/li>\n<li>KI-\u00dcbersetzungen in verst\u00e4ndliche Sprache<\/li>\n<li>die vollautomatische Konvertierung von unzug\u00e4nglichen PDFs in barrierefreie Dokumente<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dass viele dieser Versprechen M\u00e4rchen sind und in der Praxis nicht wie beworben funktionieren, steht auf einem anderen Blatt. Der Kunde verf\u00fcgt in der Regel nicht \u00fcber das n\u00f6tige Fachwissen und wird vielleicht nie merken, dass er aufs Glatteis gef\u00fchrt wurde. Nur die \u00dcberwachungsstellen k\u00f6nnen hier wirklich Bewusstsein schaffen. Meines Erachtens sollte auch das Wettbewerbsrecht an dieser Stelle greifen: Es werden Leistungen wie Gesetzes-Konformit\u00e4t versprochen, die gar nicht gehalten werden k\u00f6nnen. Bei vielen Overlay-Anbietern ist leider noch nicht angekommen, dass seine Kunden aufs Glatteis zu f\u00fchren vielleicht keine so gute idee ist. Wenn ein behinderter Kunde oder eine \u00dcberwachungsstelle bei diesem Kunden anklopft, kommt das b\u00f6se Erwachen.<br \/>\nEinige dieser Anbieter sitzen direkt in der EU. Sie haben den Vorteil, dass sie H\u00fcrden wie die DSGVO oder die Anpassung an nationale M\u00e4rkte bereits hinter sich haben. Oft steigen sie mit sehr niedrigen Preisen ein, um schnell Marktanteile zu gewinnen. Ist der Kunde erst einmal an das System gebunden, folgt der Lock-in-Effekt: Die Preise werden schrittweise erh\u00f6ht, weil ein Wechsel f\u00fcr das Unternehmen zu aufwendig w\u00e4re.<br \/>\nObwohl Fachleute weltweit vor diesen Overlay-Anbietern warnen und deren Ruf in der Community ruiniert ist, greifen die Eink\u00e4ufer auf Kundenseite trotzdem zu. Sie kennen die technischen Details nicht. Sie sehen nur das bequeme Versprechen: Viel Geld ausgeben und das Problem Barrierefreiheit ist erledigt.<br \/>\nZwar sichern sich die Overlay-Anbieter rechtlich \u00fcber ihre AGBs perfekt gegen Haftungsrisiken ab \u2013 sinngem\u00e4\u00df steht dort oft, dass sie keine Garantie f\u00fcr echte Barrierefreiheit \u00fcbernehmen \u2013, doch bis Kunden das bemerken, vergeht meist viel Zeit.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Die_Zukunft_Grosser_Beratungsbedarf_fuer_Expertinnen\"><\/span>Die Zukunft: Gro\u00dfer Beratungsbedarf f\u00fcr Expertinnen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Genau hier entsteht eine neue, wichtige Aufgabe f\u00fcr uns Barrierefreiheits-Expertinnen. Es gibt einen enormen Beratungsbedarf. Im besten Fall holen uns Kunden vor dem Kauf ins Boot, damit wir sie vor Fehlentscheidungen bewahren k\u00f6nnen. Im schlechtesten Fall m\u00fcssen wir Schadensbegrenzung betreiben, wenn ein solches Tool bereits gekauft wurde.<br \/>\nDer Markt f\u00fcr Dienstleistungen wird durch diese SaaS also nicht einbrechen \u2013 im Gegenteil, er wird sich ver\u00e4ndern und weiter wachsen.<br \/>\nEin Monitoring-Tool liefert am Ende nur nackte Zahlen. Es braucht weiterhin Menschen, die diese Daten auswerten, Fehlalarme (False Positives) herausfiltern und konkrete Tickets f\u00fcr die Entwicklung schreiben.<br \/>\nDer Schwerpunkt unserer Arbeit verschiebt sich damit endg\u00fcltig vom reinen Testing hin zum strategischen Consulting und zur Prozessbegleitung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Beitrag geht es um einen tiefgreifenden Wandel \u2013 den vielleicht gr\u00f6\u00dften Umbruch, den wir in der digitalen Barrierefreiheit bisher erlebt haben. Nein, ich&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-groesste-umbruch-in-der-digitalen-barrierefreiheit\/\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Software as a Service &#8211; der gr\u00f6\u00dfte Umbruch in der Barrierefreiheit<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-10884","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10884","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10884"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10884\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10899,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10884\/revisions\/10899"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10884"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10884"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10884"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}