{"id":10920,"date":"2026-07-18T16:06:14","date_gmt":"2026-07-18T14:06:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?p=10920"},"modified":"2026-07-19T12:04:56","modified_gmt":"2026-07-19T10:04:56","slug":"aktuelle-herausforderungen-fuer-barrierefreiheits-expertinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/aktuelle-herausforderungen-fuer-barrierefreiheits-expertinnen\/","title":{"rendered":"Aktuelle  Herausforderungen f\u00fcr Barrierefreiheits-Expertinnen"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/376-aktuelle-herausforderungen-in-der-digitalen-barrierefreiheit\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><\/p>\n<p>Heute sprechen wir \u00fcber die aktuellen Herausforderungen f\u00fcr Barrierefreiheitsexpertinnen. Ich m\u00f6chte beleuchten, wie die Lage f\u00fcr Profis und f\u00fcr Neueinsteiger aktuell aussieht.<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_85 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/aktuelle-herausforderungen-fuer-barrierefreiheits-expertinnen\/#Der_Arbeitsmarkt_im_Wandel\" >Der Arbeitsmarkt im Wandel<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/aktuelle-herausforderungen-fuer-barrierefreiheits-expertinnen\/#Das_Zusammenspiel_zweier_Wellen\" >Das Zusammenspiel zweier Wellen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/aktuelle-herausforderungen-fuer-barrierefreiheits-expertinnen\/#Krise_und_Dumpingpreise\" >Krise und Dumpingpreise<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/aktuelle-herausforderungen-fuer-barrierefreiheits-expertinnen\/#Der_Faktor_KI\" >Der Faktor KI<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-5\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/aktuelle-herausforderungen-fuer-barrierefreiheits-expertinnen\/#Emotionaler_Druck_und_die_Gefahr_von_Burnout\" >Emotionaler Druck und die Gefahr von Burnout<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-6\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/aktuelle-herausforderungen-fuer-barrierefreiheits-expertinnen\/#Die_Machtverschiebung_auf_dem_Markt\" >Die Machtverschiebung auf dem Markt<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-7\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/aktuelle-herausforderungen-fuer-barrierefreiheits-expertinnen\/#Die_Masche_mit_den_Overlays\" >Die Masche mit den Overlays<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-8\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/aktuelle-herausforderungen-fuer-barrierefreiheits-expertinnen\/#Ein_optimistischer_Blick_in_die_Zukunft\" >Ein optimistischer Blick in die Zukunft<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-9\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/aktuelle-herausforderungen-fuer-barrierefreiheits-expertinnen\/#Dranbleiben_und_Soft_Skills_schaerfen\" >Dranbleiben und Soft Skills sch\u00e4rfen<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Der_Arbeitsmarkt_im_Wandel\"><\/span>Der Arbeitsmarkt im Wandel<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>In den letzten Monaten ist mir aufgefallen: Die Zahl der offenen Stellen f\u00fcr Barrierefreiheitsprofis ist drastisch gesunken. Vor vier bis f\u00fcnf Jahren sah das noch anders aus. Damals gab es gerade bei gro\u00dfen IT-Dienstleistern viele offene Jobs f\u00fcr Senior- und Mid-Level-Positionen. Das hat sich in den letzten anderthalb Jahren stark ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Der Grund liegt auf der Hand. Das Barrierefreiheitsst\u00e4rkungsgesetz (BFSG) ist letztes Jahr in Kraft getreten. Die gro\u00dfen Projekte dazu liefen teilweise zwei bis drei Jahre und sind nun beendet. Viele IT-Dienstleister und Kunden glauben jetzt, der Bedarf sei erst einmal gedeckt. Deshalb ist der Einstieg in den Beruf heute sp\u00fcrbar schwerer \u2013 selbst mit Erfahrung.<\/p>\n<p>F\u00fcr Juniors war die Lage schon vorher schwierig. Reine Juniorpositionen ohne praktische Erfahrung gab es eigentlich kaum. Die meisten sind \u00fcber andere Aufgaben in Unternehmen reingerutscht und haben sich dann in das Thema eingearbeitet. Das ist zumindest meine Beobachtung f\u00fcr Deutschland. Anders als im UX-Design ist es hier un\u00fcblich, Junioren einzustellen und gezielt weiterzubilden. Das f\u00fchrt langfristig zu einem Mangel an erfahrenen Leuten. Ein echter Widerspruch in unserem Berufsfeld.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Das_Zusammenspiel_zweier_Wellen\"><\/span>Das Zusammenspiel zweier Wellen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Aktuell kommen zwei Probleme zusammen. Das erste ist das BFSG, bei dem die erste gro\u00dfe Welle vorbei ist. Das zweite Thema betrifft den \u00f6ffentlichen Sektor, der momentan weniger Auftr\u00e4ge vergibt.<\/p>\n<p>Zur Erinnerung: 2019 trat die neue BITV in Kraft, basierend auf dem EU-Standard EN 301549. Diese EU-Direktive hat das Thema im \u00f6ffentlichen Bereich europaweit vereinheitlicht. Das l\u00f6ste damals einen echten Hype aus. Da der \u00f6ffentliche Sektor riesig ist und alles etwas l\u00e4nger dauert, hatten wir von 2019 bis 2025 einen extrem starken Bedarf an Fachkr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Barrierefreiheit verl\u00e4uft erfahrungsgem\u00e4\u00df in Wellen. Wer in einem Tal einsteigen will, hat es verdammt schwer. Neue Wellen werden meist durch Gesetze, Pr\u00fcfzyklen oder Skandale ausgel\u00f6st \u2013 wobei Skandale hier eher selten sind. Im \u00f6ffentlichen Bereich m\u00fcssen regelm\u00e4\u00dfige Pr\u00fcfungen auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene stattfinden. Das sorgt meist f\u00fcr einen kleinen Auftragsboom.<\/p>\n<p>Im Moment befinden wir uns am Ende zweier Wellen, die fast zusammengefallen sind. Auch die Nachz\u00fcgler des BFSG sind durch. Wir haben das Tal erreicht. Ich sch\u00e4tze aber, dass es sp\u00e4testens im Herbst oder n\u00e4chstes Jahr wieder bergauf geht. Sicher voraussagen l\u00e4sst sich das aktuell noch nicht.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Krise_und_Dumpingpreise\"><\/span>Krise und Dumpingpreise<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Dazu kommt die allgemeine Wirtschaftskrise, die Deutschland besonders stark trifft. Viele IT-Auftr\u00e4ge werden verschoben \u2013 sowohl im \u00f6ffentlichen als auch im privaten Sektor. Barrierefreiheit wird dann oft nach hinten geschoben, bis sich die Wirtschaft erholt. Wir sehen das auch in den USA, wo gro\u00dfe Unternehmen wie Microsoft ganze Barrierefreiheitsteams entlassen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem sind Dumpingpreise. Viele neue Akteure dr\u00e4ngen in den Markt, oft ohne echtes Fachwissen. Sie bieten Preise an, mit denen man als normaler Freelancer oder IT-Unternehmen nicht konkurrieren kann. Davon kann man sich schlicht nicht refinanzieren \u2013 selbst wenn man die Arbeit nach Indien oder auf die Philippinen auslagert. Ob dort am Ende ordentliche Arbeit herauskommt und f\u00fcr den Auftragnehmer genug \u00fcbrig bleibt, ist fraglich. Aktuell ist das ein echtes Geldversenkungsgesch\u00e4ft.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Der_Faktor_KI\"><\/span>Der Faktor KI<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich spielt auch K\u00fcnstliche Intelligenz eine Rolle. Es gibt tolle KI-Agenten, die erkl\u00e4ren, wie Barrierefreiheit angeblich funktioniert. Manche meinen nun, Entwickler br\u00e4uchten keine Experten mehr, sondern k\u00f6nnten einfach die KI fragen. Oder dass Entwickler sich die Skills mal eben selbst aneignen.<\/p>\n<p>In der Praxis ist das extrem schwierig. Eine einzelne Komponente barrierefrei umzusetzen oder die Tastaturbedienung zu testen \u2013 das klappt per Anleitung. Aber das gro\u00dfe Ganze und das komplexe Zusammenspiel zu verstehen, ist ein ganz anderes Thema. Daf\u00fcr wird man auch in Zukunft echte Expertinnen und Experten brauchen.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Emotionaler_Druck_und_die_Gefahr_von_Burnout\"><\/span>Emotionaler Druck und die Gefahr von Burnout<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Ein gro\u00dfes Thema, das ich international \u2013 besonders aus den USA \u2013 h\u00f6re, ist Burnout unter Barrierefreiheitsexperten. Das hat verschiedene Gr\u00fcnde. Viele Profis in diesem Bereich sind &#8222;Vollblutprofis&#8220;. Sie arbeiten nicht nur in der Barrierefreiheit, sie leben sie. Oft kommt noch aktivistisches Engagement dazu.<\/p>\n<p>Wenn man dann im Job st\u00e4ndig auf Widerst\u00e4nde in Unternehmen st\u00f6\u00dft, brennt man schnell aus. Man muss permanent \u00dcberredungsarbeit leisten und immer wieder dieselben Grundlagen erkl\u00e4ren, weil Fehler sich st\u00e4ndig wiederholen. Das betrifft gef\u00fchlt eher die Erfahreneren in der Branche. In Deutschland kenne ich pers\u00f6nlich zwar noch niemanden, auf den das zutrifft, aber ich kann mich nat\u00fcrlich irren.<\/p>\n<p>Ein riesiges \u00c4rgernis bleibt das Fehlen von Junior-Positionen. Weil es diese Einstiegsjobs kaum gibt, fehlen die Leute, die die grundlegenden Aufgaben kosteng\u00fcnstig \u00fcbernehmen k\u00f6nnten. Das macht Barrierefreiheit insgesamt teurer. Ein Mid-Level- oder Senior-Consultant kostet schlie\u00dflich mehr. Die Folge: Die ganze Arbeit bleibt an den erfahrenen Kr\u00e4ften h\u00e4ngen. Gleichzeitig erwartet heute dank KI jeder, dass man in der gleichen Zeit das Zehnfache leistet und nebenbei 30 KI-Agenten jongliert. Das geh\u00f6rt im IT-Bereich heute wohl leider dazu.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Die_Machtverschiebung_auf_dem_Markt\"><\/span>Die Machtverschiebung auf dem Markt<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Wir erleben derzeit eine massive Marktverschiebung nach oben. Was fr\u00fcher Freelancer gemacht haben, \u00fcbernehmen heute kleine Agenturen. Was kleine Agenturen abgedeckt haben, wandert zu mittleren, und deren Projekte gehen an die ganz gro\u00dfen IT-Konzerne.<\/p>\n<p>Das ist gar nicht unbedingt eine Preisfrage, sondern liegt an den gestiegenen Anforderungen und der Compliance. Einem neuen Freelancer schenkt man oft nicht das n\u00f6tige Vertrauen. Bei einer kleinen Agentur mit zehn Mitarbeitern wei\u00df der Kunde zumindest, dass das Projekt weiterl\u00e4uft, wenn jemand krank wird oder spontan einen Rucksacktrip nach Vietnam macht.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sind die technischen Anspr\u00fcche gestiegen. Selbst eine kleine kommunale Website erfordert heute ein v\u00f6llig anderes Setup bez\u00fcglich Hosting, Compliance und Schnittstellen als vor 15 Jahren. Eine kleine Agentur kann das oft nicht mehr leisten, also geht der Auftrag an eine Agentur mit 100 Leuten. Die hochkomplexen F\u00e4lle landen dann direkt bei den IT-Riesen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Markt ist das ein Problem. Wenn man sich aktuelle Ausschreibungen anschaut, braucht man sich unter 100 Mitarbeitern, f\u00fcnf Jahren nachweisbarer Erfahrung und einem Team aus mindestens f\u00fcnf Top-Experten oft gar nicht mehr zu bewerben. Die H\u00fcrden sind inhaltlich und rechtlich extrem hoch.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Die_Masche_mit_den_Overlays\"><\/span>Die Masche mit den Overlays<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Zu guter Letzt m\u00fcssen wir \u00fcber die Overlay-Anbieter sprechen. Diese dr\u00e4ngen extrem aggressiv und mit dubiosen Methoden auf den Markt. Sie k\u00f6dern Kunden mit vermeintlich super KI-gest\u00fctzten Tools und extrem niedrigen Einstiegspreisen. Die Kalkulation dahinter: Nach ein paar Jahren werden die Preise massiv angezogen. Die Kunden stecken dann in der Falle (Vendor Lock-in) und kommen nicht mehr ohne Weiteres aus den Vertr\u00e4gen heraus.<\/p>\n<p>Diese Anbieter machen uns als Experten das Leben schwer, aber das eigentliche Problem liegt woanders: Es schadet den Kunden und vor allem den Menschen mit Behinderungen.<\/p>\n<p>Auch ein Monitoring-Tool oder irgendein KI-Bot, der sinnfreie Alternativtexte und unpassende ARIA-Labels generiert, hilft niemandem weiter. Aber ehrliche Aufkl\u00e4rung darf man von diesen Overlay-Anbietern leider nicht erwarten.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Ein_optimistischer_Blick_in_die_Zukunft\"><\/span>Ein optimistischer Blick in die Zukunft<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Ich m\u00f6chte diesen Beitrag nicht mit einer pessimistischen Note beenden. Der Beruf ist und bleibt super spannend! Wenn ihr Interesse habt, solltet ihr auf jeden Fall einsteigen \u2013 oder dranbleiben, wenn ihr schon dabei seid.<\/p>\n<p>Ich bin \u00fcberzeugt, dass sich die Situation bald wieder deutlich verbessern wird, sp\u00e4testens Anfang n\u00e4chsten Jahres. Die Markt\u00fcberwachung kommt n\u00e4mlich gerade so richtig in die Puschen und verschickt die ersten Schreiben an die gro\u00dfen Anbieter. Auch der n\u00e4chste \u00dcberwachungszyklus im \u00f6ffentlichen Bereich steht an. In den n\u00e4chsten ein bis zwei Jahren werden wir daher wieder einen gr\u00f6\u00dferen Boom erleben.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Anbieter von dubiosen Overlays wird es ebenfalls ungem\u00fctlich. Den Kunden einfach irgendwelche M\u00e4rchen zu erz\u00e4hlen, wird ihnen \u00fcber kurz oder lang auf die F\u00fc\u00dfe fallen. Wann genau das passiert, l\u00e4sst sich schwer vorhersagen \u2013 aber es wird passieren. Auch wenn wir vielleicht nicht mehr die extreme Hype-Welle der Anfangsjahre erreichen: Die Lage auf dem Markt wird sich f\u00fcr uns drastisch verbessern.<\/p>\n<p>Dass Entwickler das Thema Barrierefreiheit mal eben komplett nebenbei miterledigen, ist ohnehin unrealistisch. Daf\u00fcr sind moderne Anwendungen viel zu komplex. Entwickler sind bereits voll damit ausgelastet, sich in neue Frameworks und KI-Tools einzuarbeiten. Barrierefreiheit lernt man nicht mal so nebenbei. Je genauer die Beh\u00f6rden hinschauen, desto klarer wird das. Der Bedarf an echten Consultants wird also wieder steigen. Es ist ein klassischer Zyklus aus Up and Down. Wir sind gerade im Tal, aber der n\u00e4chste Berg kommt.<\/p>\n<p>Tipps f\u00fcr Freelancer zu geben, ist im Moment gar nicht so leicht. Ich bin ja selbst vom Besucherschwund betroffen. Ich betreibe eine der gr\u00f6\u00dferen Websites zum Thema und kann euch ganz ungeschminkt sagen: Ich habe in den letzten zwei Jahren gut zwei Drittel meiner Reichweite verloren. Fr\u00fcher hatte ich um die 5.000 bis 6.000 Zugriffe im Monat, heute sind es in guten Zeiten noch 1.500 bis 2.000. Das liegt an KI-Suchfunktionen die Schwemme an thin content durch andere Anbieter sowie der Bevorzugung von gro\u00dfen Institutionen von Google.<\/p>\n<p>Eine eigene Website oder ein LinkedIn-Auftritt sind zwar Pflicht, aber sie bringen heute kaum noch direkt neue Auftr\u00e4ge. Sie sind eher die digitale Visitenkarte, wenn jemand gezielt nach euch sucht. Von Kaltakquise rate ich \u00fcbrigens ab. Das \u00fcberlassen wir lieber den aggressiven Overlay-Anbietern. Als Barrierefreiheitsprofis sind wir oft einfach &#8222;zwanghaft ehrlich&#8220; \u2013 das passt nicht zur Kaltakquise.<\/p>\n<p>Da die meisten von uns urspr\u00fcnglich aus anderen Berufen kommen \u2013 sei es Entwicklung, Design oder UX \u2013, lautet mein wichtigster Rat: Fahrt zweigleisig. Haltet euch beide Standbeine offen. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass beide Branchen gleichzeitig einen Einbruch erleben. Wenn es im einen Bereich mal ruhiger l\u00e4uft, zieht ihr den Fokus einfach auf den anderen.<\/p>\n<p>Nutzt au\u00dferdem die Netzwerke, um auf dem Laufenden zu bleiben. In Deutschland gibt es zwar wenige Events, aber der Accessibility Club in W\u00fcrzburg ist eine tolle Anlaufstelle. Auch die IAAP (International Association of Accessibility Professionals) bietet regelm\u00e4\u00dfig Webinare, Fr\u00fchst\u00fccke und Foren an, um sich mit der deutschen Szene zu vernetzen. Zudem gibt es sehr aktive Slack- und Discord-Channels. F\u00fcr den lokalen Austausch haben vor allem Berlin und M\u00fcnchen eine lebendige Community.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Dranbleiben_und_Soft_Skills_schaerfen\"><\/span>Dranbleiben und Soft Skills sch\u00e4rfen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Das Wichtigste ist: Bleibt am Ball, auch wenn die Auftragslage gerade d\u00fcnn ist. Ohne Nachweise und aktuelle Praxis bekommt man erst recht keine Jobs. Testet regelm\u00e4\u00dfig Websites und schickt \u2013 mein pers\u00f6nlicher Favorit \u2013 fundierte Beschwerden wegen mangelnder Barrierefreiheit an die Anbieter. Das bringt zwar kein Geld, h\u00e4lt euch aber fachlich fit.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt: Technisches Wissen ist das Fundament, reicht heute aber nicht mehr aus. Was man in jedem IT- und Consulting-Beruf braucht, sind Kommunikationsst\u00e4rke und emotionale Distanz.<\/p>\n<p>Wenn man jedes Mal verzweifelt oder w\u00fctend wird, weil ein Kunde das Gesicht verzieht oder das Thema blockiert, hilft das niemandem. Weder euch noch den Kunden. Man muss professionelle Wege finden, um zu \u00fcberzeugen \u2013 oder den Kunden im Zweifel einfach gehen lassen.<\/p>\n<p>Besonders bei Menschen, die das Thema auch aktivistisch treiben, wird Kritik oft zu pers\u00f6nlich genommen. Bei allem Respekt: Das ist unprofessionell. Behaltet immer die n\u00f6tige Distanz und Professionalit\u00e4t. Sch\u00e4rft eure Soft Skills, um das Thema Barrierefreiheit strategisch und erfolgreich voranzubringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute sprechen wir \u00fcber die aktuellen Herausforderungen f\u00fcr Barrierefreiheitsexpertinnen. Ich m\u00f6chte beleuchten, wie die Lage f\u00fcr Profis und f\u00fcr Neueinsteiger aktuell aussieht. 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