{"id":10961,"date":"2026-08-07T12:11:14","date_gmt":"2026-08-07T10:11:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?p=10961"},"modified":"2026-08-07T16:25:10","modified_gmt":"2026-08-07T14:25:10","slug":"der-hilfsmittel-markt-fuer-blinde-und-sehbehinderte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-hilfsmittel-markt-fuer-blinde-und-sehbehinderte\/","title":{"rendered":"Der Hilfsmittel-Markt f\u00fcr Blinde und Sehbehinderte"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/blinde-person-vor-rechner.jpg\" alt=\"Blinde Person vor Rechner - KI-Generiert\" width=\"1024\" height=\"1024\" class=\"alignleft size-full wp-image-10617\" srcset=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/blinde-person-vor-rechner.jpg 1024w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/blinde-person-vor-rechner-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/blinde-person-vor-rechner-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/blinde-person-vor-rechner-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/>  <\/p>\n<p>Heute gibt es einen Deep Dive in das Thema Hilfsmittel f\u00fcr blinde und sehbehinderte Menschen. Der Hintergrund ist, dass diese Hilfsmittel extrem wichtig sind, die meisten Leute jedoch gar nicht wissen, wie der Markt eigentlich funktioniert. Auch f\u00fcr Barrierefreiheitsexpertinnen kann es sehr spannend sein, hier einen Einblick zu erhalten.<\/p>\n<p>Generell ben\u00f6tigen viele sehbehinderte und blinde Menschen verschiedene Hilfsmittel, um ihren Alltag zu bew\u00e4ltigen. Das beginnt bei ganz allt\u00e4glichen Dingen wie Brillen. Obwohl inzwischen sehr viele Menschen Brillen oder Kontaktlinsen tragen, stehen Sehbehinderte vor speziellen Herausforderungen \u2013 etwa einem sehr starken Sehverlust, der eine entsprechend h\u00f6here Vergr\u00f6\u00dferung der Brillengl\u00e4ser erfordert. Dadurch ger\u00e4t man schnell in einen h\u00f6heren dreistelligen oder sogar vierstelligen Kostenbereich. Es gibt zudem Brillen mit speziellen Filtern, die bestimmte Lichtfrequenzen herausfiltern oder Kontraste verst\u00e4rken k\u00f6nnen. Vermutlich wird sich hier durch neuartige smarte Brillen noch einiges tun, deren Gl\u00e4ser sich beispielsweise je nach Helligkeit automatisch einf\u00e4rben. Durch Nanotechnologie ist hier sicherlich vieles denkbar, allerdings werden diese Entwicklungen entsprechend kostspielig sein.<\/p>\n<p>F\u00fcr blinde Menschen existiert eine ganze Reihe von Hilfsmitteln. Es ist immer wieder erstaunlich, wie umfangreich diese Produktpalette ist. Wer interessiert ist und Zeit hat, kann die <em>SightCity<\/em> besuchen \u2013 die meines Wissens weltweit gr\u00f6\u00dfte Hilfsmittelmesse. Sie findet j\u00e4hrlich im Mai oder Anfang Juni relativ zentral in Frankfurt statt und steht allen Interessierten offen. .<\/p>\n<p>Dort wird eine gro\u00dfe Vielfalt geboten:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Alltags- und Orientierungshilfen:<\/strong> Blindenlangst\u00f6cke und spezielle Hilfsmittel f\u00fcr die K\u00fcche.<\/li>\n<li><strong>Digitale Werkzeuge:<\/strong> Kostenpflichtige Screenreader sowie Braillezeilen, mit denen sich Blindenschrift am Computer anzeigen l\u00e4sst.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Erstaunlich ist hierbei oft nicht nur die Existenz dieser Ger\u00e4te, sondern ihr hoher Preis. Eine Braillezeile zur Anzeige von Blindenschrift kostet ab etwa 2.000 Euro aufw\u00e4rts \u2013 dabei handelt es sich meist um Einstiegsmodelle mit wenigen Zeichen. Ger\u00e4te gibt es f\u00fcr 12, 20, 40, 64 oder 80 Zeichen. Eine Braillezeile mit 80 Zeichen schl\u00e4gt mit mindestens 8.000 Euro zu Buche.<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_86 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-hilfsmittel-markt-fuer-blinde-und-sehbehinderte\/#Warum_sind_Hilfsmittel_so_teuer\" >Warum sind Hilfsmittel so teuer?<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-hilfsmittel-markt-fuer-blinde-und-sehbehinderte\/#Kategorien_moderner_Hilfsmittel\" >Kategorien moderner Hilfsmittel<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-hilfsmittel-markt-fuer-blinde-und-sehbehinderte\/#Herausforderungen_fuer_Start-ups_und_neue_Ansaetze\" >Herausforderungen f\u00fcr Start-ups und neue Ans\u00e4tze<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-hilfsmittel-markt-fuer-blinde-und-sehbehinderte\/#Die_Huerde_der_Hilfsmittelnummer_und_die_Praxis_der_Krankenkassen\" >Die H\u00fcrde der Hilfsmittelnummer und die Praxis der Krankenkassen<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Warum_sind_Hilfsmittel_so_teuer\"><\/span>Warum sind Hilfsmittel so teuer?<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Spezielle Technologie:<\/strong> Bei Braillezeilen kommen sogenannte piezoelektrische Module zum Einsatz, die in der Herstellung sehr aufwendig sind. Es existieren zwar alternative Technologien \u2013 etwa auf magnetischer Basis \u2013, die deutlich g\u00fcnstiger sind. Diese konnten sich in Europa jedoch bisher nicht durchsetzen, da sie etwas lautst\u00e4rker und langsamer arbeiten.<\/li>\n<li><strong>Geringe St\u00fcckzahlen und Nischenmarkt:<\/strong> In Deutschland leben sch\u00e4tzungsweise 100.000 blinde Menschen. Weltweit ist die Zahl zwar bedeutend h\u00f6her, allerdings lebt ein Gro\u00dfteil der Betroffenen in einkommensschw\u00e4cheren Regionen (etwa in Teilen Afrikas, S\u00fcd- und S\u00fcdostasiens oder Lateinamerikas). Aufgrund fehlender finanzieller Mittel sind diese Menschen von Hilfsmitteln, die \u00fcber einen einfachen Langstock hinausgehen, weitgehend ausgeschlossen. Es entsteht ein Paradoxon: Wegen der hohen Preise bleibt die K\u00e4ufergruppe klein; w\u00e4ren die Produkte g\u00fcnstiger, k\u00f6nnten sie sich mehr Betroffene leisten.<\/li>\n<li><strong>Fehlende Skaleneffekte:<\/strong> W\u00e4hrend Konsumg\u00fcter wie Smartphones in zweistelliger Millionenauflage vom Band laufen und dadurch kosteng\u00fcnstiger produziert werden k\u00f6nnen, verteilen sich die Entwicklungskosten bei Hilfsmitteln auf sehr geringe Fertigungsmengen. Zudem werden die Ger\u00e4te stetig weiterentwickelt, was die laufenden Kosten hoch h\u00e4lt.<\/li>\n<\/ul>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Kategorien_moderner_Hilfsmittel\"><\/span>Kategorien moderner Hilfsmittel<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Heute unterscheidet man im Wesentlichen zwischen zwei Arten von Hilfsmitteln:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Dedizierte (externe) Hilfsmittel:<\/strong> Produkte wie die Screenreader <em>NVDA<\/em> oder <em>JAWS<\/em> sowie Braillezeilen werden speziell f\u00fcr blinde Menschen entwickelt und in der Regel auch nur von diesen genutzt. Sehende Personen haben im Alltag schlicht keinen Bedarf f\u00fcr eine 8.000 Euro teure Braillezeile.<\/li>\n<li><strong>Integrierte Hilfsmittel:<\/strong> Immer mehr Hilfsmittel sind direkt in Standard-Betriebssysteme integriert. Apple bietet beispielsweise Screenreader wie <em>VoiceOver<\/em> auf dem iPhone an; auch die Apple Watch verf\u00fcgt \u00fcber eine Sprachausgabe und VR\/AR-Headsets wie die <em>Vision Pro<\/em> bringen integrierte assistive Technologien mit. Diese Ger\u00e4te sind im regul\u00e4ren Handel f\u00fcr alle zug\u00e4nglich.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Eine relativ neue Kategorie bilden <strong>Smarte Brillen<\/strong>. Fr\u00fcher gab es hierf\u00fcr spezialisierte Hilfsmittel wie die <em>OrCam<\/em>, deren Entwicklung und Vertrieb jedoch inzwischen eingestellt wurden (die g\u00fcnstigere Version lag damals bereits bei \u00fcber 2.000 Euro und bot weniger Funktionen).<\/p>\n<p>Mittlerweile gibt es in diesem Bereich moderne Alternativen wie die <em>Meta Ray-Ban<\/em>. Obwohl diese Brillen in den Medien teils kritisch diskutiert werden, erfreuen sie sich unter blinden Menschen gro\u00dfer Beliebtheit. Sie erm\u00f6glichen es, sich die Umgebung beschreiben zu lassen oder Texte \u2013 wie etwa Stra\u00dfenschilder \u2013 vorzulesen. Mit einem Preis von rund 300 Euro ist diese Technologie deutlich erschwinglicher. K\u00fcnftig werden weitere Hersteller wie Google und Samsung mit \u00e4hnlichen Modellen auf den Markt dr\u00e4ngen und diesen Bereich weiter dynamisieren.<\/p>\n<p>Um solche Hilfsmittel \u00fcberhaupt nutzbar zu machen, m\u00fcssen Treiber und oft auch spezielle Software programmiert werden. Das stellt einen erheblichen Kostenfaktor dar. Wir sprechen in diesem Bereich in der Regel von relativ kleinen Unternehmen. In Deutschland geh\u00f6ren dazu beispielsweise Akteure wie <em>HelpTech<\/em> oder <em>Papenmeier<\/em>. Nach deutschen Ma\u00dfst\u00e4ben handelt es sich dabei um kleine bis mittelst\u00e4ndische Unternehmen, die den gesamten Prozess abdecken:<\/p>\n<ul>\n<li>Prototyping und Produktentwicklung<\/li>\n<li>Erstellung der Produktionsvorlagen<\/li>\n<li>Softwareentwicklung und Sicherstellung der Kompatibilit\u00e4t<\/li>\n<li>Laufender Austausch mit der blinden Zielgruppe sowie Herstellern von Screenreadern wie <em>JAWS<\/em> und <em>NVDA<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Ob die reine Fertigung komplett in Deutschland stattfindet, ist unterschiedlich, doch dieser enorme Entwicklungs- und Betreuungsaufwand treibt die Kosten ma\u00dfgeblich in die H\u00f6he. Die Hilfsmittel sind zwar teuer, die Gewinnmargen f\u00fcr die Hersteller dadurch aber nicht automatisch gigantisch gro\u00df.<\/p>\n<p>In Zukunft d\u00fcrften die Gesamtkosten eher steigen. Zwar l\u00e4sst sich Software k\u00fcnftig eventuell durch den Einsatz von K\u00fcnstlicher Intelligenz etwas g\u00fcnstiger entwickeln, die Hardwarekosten sind in den letzten Jahren jedoch sp\u00fcrbar gestiegen. Selbst moderne Technologien wie 3D-Modellierung oder 3D-Druck, die eine g\u00fcnstigere Prototypenfertigung erm\u00f6glichen, erfordern Fachpersonal mit entsprechendem Know-how.<\/p>\n<p>Ein weiterer massiver Kostentreiber ist der regulatorische Aufwand. Viele dieser Produkte werden als Medizinprodukt eingestuft, um in den Hilfsmittelkatalog der Krankenkassen aufgenommen zu werden. Die Zertifizierung ist ein extrem aufwendiger und langwieriger Prozess. Selbst f\u00fcr etablierte Akteure bedeutet dies einen hohen zeitlichen und finanziellen Einsatz, der letztlich auf den Preis der Hilfsmittel umgelegt werden muss.<\/p>\n<p>Dass \u00fcberwiegend kleine Unternehmen in dieser Branche t\u00e4tig sind, hat historische und strukturelle Gr\u00fcnde:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Gr\u00fcndung aus der Zielgruppe:<\/strong> Viele Betriebe wurden von blinden oder sehbehinderten Menschen selbst aufgebaut und werden bis heute von ihnen gef\u00fchrt. Dementsprechend hoch ist oft auch der Anteil an Mitarbeitenden mit Sehbeeintr\u00e4chtigung.<\/li>\n<li><strong>Spezialwissen und N\u00e4he zur Zielgruppe:<\/strong> Die Entwicklung erfordert tiefes Nischenwissen \u00fcber den Markt und den konkreten Alltag der Nutzenden. Dies erfordert einen sehr engen, pers\u00f6nlichen Kontakt zur Zielgruppe \u2013 ein Aufwand, den Gro\u00dfkonzerne meist scheuen.<\/li>\n<li><strong>Geringe Attraktivit\u00e4t f\u00fcr Gro\u00dfkonzerne:<\/strong> Aufgrund der kleinen Zielgruppe und der \u00fcberschaubaren Margen lohnt sich der Einstieg f\u00fcr gro\u00dfe Hersteller kaum. Vereinzelt gibt es zwar Konsumg\u00fcter mit Sprachausgabe (wie Hei\u00dfluftfritteusen oder Waschmaschinen), spezialisierte Hilfsmittel bleiben jedoch Nischenprodukte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Obwohl der Markt klein ist und in den letzten Jahren einige Akteure Insolvenz anmelden mussten, herrscht Wettbewerb. Ein paar wenige internationale Player k\u00f6nnen durch h\u00f6here St\u00fcckzahlen die Preise dr\u00fccken.<\/p>\n<p>Ein pr\u00e4gnantes Beispiel ist <strong>Vispero<\/strong> \u2013 ein gro\u00dfer Konzernverband, der in den letzten Jahren durch \u00dcbernahmen stark gewachsen ist. Zu Vispero geh\u00f6ren unter anderem die Screenreader <em>JAWS<\/em> und <em>ZoomText<\/em> sowie die ehemalige <em>TPGi (Paciello Group)<\/em> f\u00fcr Barrierefreiheits-Dienstleistungen. Da Vispero auch eigene Braillezeilen anbietet und diese weltweit (vor allem im globalen Norden) vertreibt, kann das Unternehmen ganz andere St\u00fcckzahlen realisieren. Zudem werden die eigenen Braillezeilen oft mit <em>JAWS<\/em> geb\u00fcndelt.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Herausforderungen_fuer_Start-ups_und_neue_Ansaetze\"><\/span>Herausforderungen f\u00fcr Start-ups und neue Ans\u00e4tze<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Wegen der Marktgr\u00f6\u00dfe und der hohen H\u00fcrden gibt es nur sehr wenige neue Marktteilnehmer:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>DOT (S\u00fcdkorea):<\/strong> Ein vergleichsweise neuer internationaler Akteur, der versucht, mit innovativen Produkten Fu\u00df zu fassen.<\/li>\n<li><strong>Orbit Research:<\/strong> Ein Anbieter, der versucht, deutlich g\u00fcnstigere Braillezeilen und neue Formfaktoren auf den Markt zu bringen. Orbit nutzt daf\u00fcr die eingangs erw\u00e4hnte Magnettechnik f\u00fcr die Braille-Module, was die Herstellung stark verbilligt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Allerdings bringen solche alternativen Technologien auch T\u00fccken mit sich, etwa bei der Lautst\u00e4rke oder Arbeitsgeschwindigkeit, was teils zu Akzeptanzproblemen bei den Nutzenden f\u00fchrt. Der gesamte Markt bleibt extrem anspruchsvoll, weshalb sich nur sehr wenige Start-ups langfristig behaupten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer die <em>SightCity<\/em> besucht, wird dort immer wieder neue Start-ups entdecken \u2013 es gibt dort mittlerweile sogar eine eigene Start-up-Ecke. Viele dieser jungen Unternehmen versuchen, neuartige Produkte auf den Markt zu bringen, etwa Orientierungshilfen auf Basis von Ultraschall, Infrarot oder Lidar-Sensoren. Oft l\u00e4sst sich jedoch beobachten, dass diese Anbieter nach zwei bis drei Jahren wieder vom Markt verschwinden.<\/p>\n<p>Die Ursachen f\u00fcr das schnelle Aus vieler Start-ups in diesem Segment sind vielf\u00e4ltig:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Fehlkalkulation und hohe Preise:<\/strong> Die Entwicklungs- und Produktionskosten f\u00fcr Hardware sind enorm hoch, was die Produkte oft unerschwinglich macht.<\/li>\n<li><strong>Mangelndes Venture-Capital:<\/strong> Hardware-Entwicklung erfordert viel Kapital. Fehlt das n\u00f6tige Risikokapital, kann die erforderliche Marktdurchdringung nicht erreicht werden.<\/li>\n<li><strong>Untersch\u00e4tzte Nutzeranspr\u00fcche:<\/strong> Die Ergonomie oder Praxistauglichkeit im Alltag wird oft falsch eingesch\u00e4tzt.<\/li>\n<li><strong>Mangelnde Akzeptanz der Formfaktoren:<\/strong> Wenn L\u00f6sungen im Alltag zu unpraktisch oder optisch auff\u00e4llig sind, werden sie von der Zielgruppe abgelehnt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein anschauliches Beispiel hierf\u00fcr war eine Orientierungshilfe, die wie ein schwerer Schal \u2013 bestimmt anderthalb Kilo schwer \u2013 \u00fcber die Schulter gelegt werden musste. Obwohl die Technik dahinter potenziell gut war, ist eine solche L\u00f6sung im Alltag unpraktisch, wenn Betroffene bereits mit Blindenlangstock, Rucksack oder Handtasche unterwegs sind. \u00c4hnliche Schicksale erlitten andere Kuriosa, wie beispielsweise eine in den Schuh integrierte Orientierungshilfe, die sich trotz mehrj\u00e4hriger Pr\u00e4senz letztlich mangels Kapital und Marktdurchdringung nicht durchsetzen konnte.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Die_Huerde_der_Hilfsmittelnummer_und_die_Praxis_der_Krankenkassen\"><\/span>Die H\u00fcrde der Hilfsmittelnummer und die Praxis der Krankenkassen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Ein zentrales Ziel vieler Hersteller ist die Aufnahme in das Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherungen, um eine Kosten\u00fcbernahme durch die Krankenkassen zu erm\u00f6glichen. Dieser Prozess ist jedoch langwierig und kompliziert.<\/p>\n<p>Zudem ist die Kosten\u00fcbernahme durch die Krankenkassen in den letzten Jahren deutlich restriktiver geworden:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Budgetdruck:<\/strong> W\u00e4hrend vor 20 bis 25 Jahren fast jedes im Katalog gelistete Hilfsmittel anstandslos finanziert wurde, stehen die Kassen heute unter starkem finanziellen Druck. Der Hilfsmittelkatalog w\u00e4chst stetig, die verf\u00fcgbaren Budgets jedoch nicht.<\/li>\n<li><strong>Strengere Notwendigkeitspr\u00fcfung:<\/strong> Selbst klassische und unbestrittene Hilfsmittel wie Blindenf\u00fchrhunde oder moderne Hightech-Orientierungshilfen werden von den Kassen oft mit der Frage konfrontiert, ob sie im Einzelfall tats\u00e4chlich zwingend erforderlich sind.<\/li>\n<li><strong>Ablehnungspraxis und Widerspruchsverfahren:<\/strong> Viele Krankenkassen stehen in dem Ruf, Antr\u00e4ge zun\u00e4chst pauschal abzulehnen, in der Hoffnung, dass Betroffene keinen Widerspruch einlegen. Um Leistungsanspr\u00fcche durchzusetzen, ist oft rechtlicher Beistand erforderlich.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zwar gibt es verst\u00e4ndliche Einzelf\u00e4lle, in denen eine \u00dcbernahme zu Recht hinterfragt wird \u2013 etwa wenn mobilit\u00e4tsf\u00f6rdernde Hilfsmittel f\u00fcr bettl\u00e4gerige Personen beantragt werden \u2013, im Regelfall besteht an der Notwendigkeit grundlegender Hilfsmittel f\u00fcr den Alltag blinder Menschen jedoch kein Zweifel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute gibt es einen Deep Dive in das Thema Hilfsmittel f\u00fcr blinde und sehbehinderte Menschen. 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