{"id":7870,"date":"2017-06-15T18:17:47","date_gmt":"2017-06-15T16:17:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?p=7870"},"modified":"2023-08-12T15:19:54","modified_gmt":"2023-08-12T13:19:54","slug":"mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/mensch\/","title":{"rendered":"Menschliche Hilfe in der Barrierefreiheit"},"content":{"rendered":"<p>Wenn es um Barrierefreiheit geht, lassen sich drei ausschlaggebende Faktoren unterscheiden. <\/p>\n<ul>\n<li>Die objektiv \u00fcberpr\u00fcfbare Barrierefreiheit <\/li>\n<li>die individuellen F\u00e4higkeiten und M\u00f6glickeiten des einzelnen Behinderten<\/li>\n<li>Der menschliche Faktor<\/li>\n<\/ul>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_82_2 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/mensch\/#Faktor_1_Die_objektiv_pruefbare_Barrierefreiheit\" >Faktor 1: Die objektiv pr\u00fcfbare Barrierefreiheit<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/mensch\/#Faktor_2_Die_Faehigkeiten_des_Einzelnen\" >Faktor 2: Die F\u00e4higkeiten des Einzelnen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/mensch\/#Der_dritte_Faktor_Menschliche_Hilfe\" >Der dritte Faktor: Menschliche Hilfe<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/mensch\/#Warum_thematisiere_ich_das_nun\" >Warum thematisiere ich das nun?<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Faktor_1_Die_objektiv_pruefbare_Barrierefreiheit\"><\/span>Faktor 1: Die objektiv pr\u00fcfbare Barrierefreiheit<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Heute gibt es f\u00fcr viele Bereiche Normen, Standards und Richtlinien zur Barrierefreiheit, zum Beispiel f\u00fcrs Internet, f\u00fcr Geb\u00e4ude, f\u00fcr PDF-Dokumente und so weiter.<br \/>\nIn weiteren Bereichen gibt es Ma\u00dfnahmen-Kataloge, die jeweils auf ein Projekt zugeschnitten werden m\u00fcssen. Ob ein Kurs in der Erwachsenenbildung oder eine Kunstausstellung barrierefrei sind, l\u00e4sst sich anhand dieser Ma\u00dfnahmen und ihrer Umsetzung beurteilen.<br \/>\nDas Problem bei diesem Faktor ist, dass er einen Grad an Absolutheit vort\u00e4uscht, der in der Realit\u00e4t nicht m\u00f6glich ist. Auch wenn wir WCAG 2.0 AAA erf\u00fcllen, wird es immer noch Leute geben, die mit der Website nicht zurecht kommen. Der Standard PDF UA k\u00fcmmert sich nicht um die Bed\u00fcrfnisse lernbehinderter Personen. In den meisten barrierefreien Zimmern wird man mit einem Liegerollstuhl Probleme haben. Das hei\u00dft, Barrierefreiheit nach Checklisten schlie\u00dft auch immer Personen aus, aber man spricht dennoch von Barrierefreiheit, wenn diese Standards erf\u00fcllt wurden. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Faktor_2_Die_Faehigkeiten_des_Einzelnen\"><\/span>Faktor 2: Die F\u00e4higkeiten des Einzelnen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Es ist kein Geheimnis, dass die F\u00e4higkeiten der Behinderten auch innerhalb der einzelnen Behinderungsgruppen extrem unterschiedlich sind. Der eine Blinde pfl\u00fcgt schneller als jeder Sehende durchs Netz, der N\u00e4chste braucht f\u00fcnf Minuten, um eine Bahnverbindung herauszufinden. Der Eine tourt durch das gebirgige Tibet, der N\u00e4chste verirrt sich in der eigenen Wohnung.<br \/>\nF\u00fcr diese F\u00e4higkeiten spielen eine ganze Reihe von Faktoren eine wichtige Rolle: <\/p>\n<ul>\n<li>Es gibt die kognitiven oder physiologischen Grenzen, die der K\u00f6rper selbst setzt. Und nat\u00fcrlich sind auch die Behinderungen selbst sehr unterschiedlich ausgepr\u00e4gt. <\/li>\n<li>Dann ist die Frage, wie lange jemand behindert ist. Geburtsbehinderte sind in der Regel wesentlich angepasster an ihre Behinderung als Sp\u00e4t-Behindderte. <\/li>\n<li>Die Pers\u00f6nlichkeit ist wichtig. \u00c4ngstliche Personen probieren ungern Neues aus. Andere k\u00f6nnen es gar nicht abwarten, die Grenzen auszutesten und zu \u00fcberschreiten. <\/li>\n<li>Ein weiterer limitierender Faktor sind die Hilfsmittel. Wer veraltete oder halbdefekte Technik einsetzt wird wahrscheinlich nicht mit jemandem mithalten k\u00f6nnen, der auf dem neuesten Stand ist.<\/li>\n<li>Dann reicht es nicht aus, die neueste Technik zu besitzen. Man muss auch in der Lage sein, sie zu bedienen. Das ist ein Faktor, der h\u00e4ufig \u00fcbersehen wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zu den sinnvollen F\u00e4higkeiten eines Behinderten geh\u00f6rt im \u00fcbrigen auch, sich Hilfe zu holen, wenn man sie ben\u00f6tigt. Oft genug erlebe ich, dass die Leute die H\u00e4nde in den Scho\u00df legen, wenn sie etwas nicht hinbekommen. Oder sie unternehmen erst gar nichts, wenn es mit Schwierigkeiten verbunden sein k\u00f6nnte. Womit wir zum letzten Faktor kommen. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Der_dritte_Faktor_Menschliche_Hilfe\"><\/span>Der dritte Faktor: Menschliche Hilfe<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Last not least gibt es Probleme, die man als Behinderter partout nicht ohne die Hilfe Dritter l\u00f6sen kann. Ein blinder Redakteur wie ich zum Beispiel kann keine Bilder recherchieren und nur in Grenzen bearbeiten. Ich kann meine Pr\u00e4sentationen nur begrenzt selbst erstellen und visuell \u00fcberpr\u00fcfen. Ich kann meine Unterrichtsarbeit nicht ohne Assistenz durchf\u00fchren.<br \/>\nAllgemein gilt die Barrierefreiheit als erreicht, wenn etwas grunds\u00e4tzlich ohne fremde Hilfe m\u00f6glich ist. Es gibt aber einige Bereiche, in denen zumindest die meisten Blinden nie ohne fremde Hilfe auskommen werden. Daran ist im \u00fcbrigen nichts verwerfliches. Menschliche Hilfe ist nichts Negatives und es ist kein Wert an sich, vollkommen ohne sie auskommen zu wollen. Alle Menschen sind gelegentlich auf die Unterst\u00fctzung durch andere Personen angewiesen. Ich nenne das den sozialen Faktor in der Barrierefreiheit. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Warum_thematisiere_ich_das_nun\"><\/span>Warum thematisiere ich das nun?<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Da ich mich in letzter Zeit mit nicht-digitaler Barrierefreiheit besch\u00e4ftigt habe, sto\u00dfe ich gelegentlich auch auf die Grenzen der Technik.<br \/>\nDabei gibt es sehr unterschiedliche Grenzen. Eine Gro\u00dfstadt kann theoretisch zu einem sehr hohem Grad blindengerecht gemacht werden. Aber mal im Ernst: Die Milliarden, die daf\u00fcr notwendig sind wird keine Stadt aufbringen wollen. Und selbst wenn das passiert, wird es immer noch viele Blinde geben, die Probleme haben werden. Es ist also egal, wie viel Geld wir investieren, wir Blinde werden immer zu einem gewissen Grad auf fremde Hilfe angewiesen sein.<br \/>\nIn der erwachsenen-Bildung wird von den Dozenten gefordert, dass er auf jeden Teilnehmer individuell eingehen soll. Hier sto\u00dfen wir auf zwei Grenzzen: <\/p>\n<ol>\n<li>Die Resource Zeit ist knapp<\/li>\n<li>Die Ressource Geduld ist knapp<\/li>\n<\/ol>\n<p>Einerseits hat nat\u00fcrlich jeder Teilnehmer Aufmerksamkeit verdient, andererseits muss jeder Dozent ein gewisses Ma\u00df an Mindest-Bildungsleistung f\u00fcr alle Teilnehmer erbringen. Als Dozent verspreche ich ein bestimmtes Lernziel und wenn ich das nicht erbringe, f\u00e4llt das nicht auf den Teilnehmer, sondern auf mich zur\u00fcck.<br \/>\nDer behinderte Teilnehmer muss in gewissem Ma\u00dfe bereit sein, eine Eigenleistung zu erbringen. Ganz ohne geht es nicht. Ich kann ihn dabei so weit wie m\u00f6glich unterst\u00fctzen. Ich kann aber nicht ihm zu Liebe die gesamte Gruppe vernachl\u00e4ssigen.<br \/>\nIn vielen F\u00e4llen ist es am sinnvollsten, wenn sich der Behinderte eine Assistenz organisiert. SSie kann ihn bei den Aufgaben unterst\u00fctzen, die von mir als Dienstleister nicht oder nicht ausreichend erbracht werden k\u00f6nnen.<br \/>\nWie ich unter Punkt 1 schon ausgef\u00fchrt habe, ist eine absolute Barrierefreiheit nicht m\u00f6glich. Eine Behinderung ist &#8211; Punkt 2 &#8211; in gewissen Grenzen kompensierbar. Wir sto\u00dfen aber an Grenzen, wenn es etwa um neu erworbene Behinderung, Mehrfachbehinderung oder weitere Einschr\u00e4nkungen geht.<br \/>\nNat\u00fcrlich sollte gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Barrierefreiheit hergestellt werden. Wenn ich eine Software nicht bedienen kann, die ich ben\u00f6tige, dann kann ich meinen Job nicht machen.<br \/>\nAuf der anderen Seite sollte der menschliche Faktor nicht vernachl\u00e4ssigt werden. Die Menschen brauchen menschliche Unterst\u00fctzung, falls unsere Roboter nicht bald lernen, soziale Empathie zu entwickeln und auch komplexere Aufgaben zu \u00fcbernehmen.<br \/>\nEin wichtiger Faktor ist auch eine vern\u00fcnftige Bezahlung der Assistenten. Je nach dem, welche Hilfestellung sie erbringen, m\u00fcssen sie teils hohe Anspr\u00fcche erf\u00fcllen. Gleichzeitig werden gerade im sozialen Sektor &#8211; da, wo es um Menschen geht &#8211; die Betroffenen am schlechtesten bezahlt. Kellnern oder Putzen gehen w\u00e4re kaum weniger anstrengend, aber besser entlohnt. Vielleicht sollten wir , statt 700 Euro f\u00fcr ein iPhone auszugeben  uns einmal darum bem\u00fchen, dass unsere Unterst\u00fctzer vern\u00fcnftig bezahlt werden. Die Technik ist eben nicht alles.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/en\/human-factor.html\">The human help as accessibility factor<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es um Barrierefreiheit geht, lassen sich drei ausschlaggebende Faktoren unterscheiden. 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