{"id":7885,"date":"2015-06-17T12:42:24","date_gmt":"2015-06-17T10:42:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?p=7885"},"modified":"2023-06-17T12:42:58","modified_gmt":"2023-06-17T10:42:58","slug":"als-blinder-praesentieren-und-vortraege-halten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/als-blinder-praesentieren-und-vortraege-halten\/","title":{"rendered":"Als Blinder pr\u00e4sentieren und Vortr\u00e4ge halten"},"content":{"rendered":"<p>Noch gibt es relativ wenige Blinde und Sehbehinderte, die als Vortragende auftreten. Eine kleine Liste <a href=\"https:\/\/netz-barrierefrei.de\/seite\/experten.html\">blinder Experten gibts allerdings schon<\/a>. Viele Blinde scheinen Hemmungen bei \u00f6ffentlichen Auftritten zu haben. Ich m\u00f6chte hier ein paar Tipps geben, die euch dazu ermutigen sollen, mehr Vortr\u00e4ge zu halten.<br \/>\nTipps zum inhaltlichen Aufbau oder zur Rhetorik eines Vortrags &#8211; gebe ich hier nicht. Da gibt es bei Blindheit keine Besonderheiten. Au\u00dferdem bietet jede Volkshochschule entsprechende Kurse an. <\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_86 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/als-blinder-praesentieren-und-vortraege-halten\/#Warum_Blinde_sich_oft_nicht_trauen\" >Warum Blinde sich oft nicht trauen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/als-blinder-praesentieren-und-vortraege-halten\/#Sehende_Assistenz_nutzen\" >Sehende Assistenz nutzen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/als-blinder-praesentieren-und-vortraege-halten\/#NotizenMerkhilfen\" >Notizen\/Merkhilfen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/als-blinder-praesentieren-und-vortraege-halten\/#Der_Koerper_im_Vortrag\" >Der K\u00f6rper im Vortrag<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-5\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/als-blinder-praesentieren-und-vortraege-halten\/#Blickkontakt\" >Blickkontakt<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-6\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/als-blinder-praesentieren-und-vortraege-halten\/#Stehen_oder_Sitzen\" >Stehen oder Sitzen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-7\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/als-blinder-praesentieren-und-vortraege-halten\/#Ein_Vortrag_muss_nicht_rhetorisch_perfekt_sein\" >Ein Vortrag muss nicht rhetorisch perfekt sein<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-8\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/als-blinder-praesentieren-und-vortraege-halten\/#Lautstaerke_des_Vortrages\" >Lautst\u00e4rke des Vortrages<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-9\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/als-blinder-praesentieren-und-vortraege-halten\/#Praesentationen\" >Pr\u00e4sentationen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-10\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/als-blinder-praesentieren-und-vortraege-halten\/#Auf_Fragen_zur_Blindheit_vorbereitet_sein\" >Auf Fragen zur Blindheit vorbereitet sein<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Warum_Blinde_sich_oft_nicht_trauen\"><\/span>Warum Blinde sich oft nicht trauen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Es h\u00e4ngt an mehreren Faktoren:<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr Blinde und hochgradig Sehbehinderte ist es nicht m\u00f6glich, visuelles Feedback vom Publikum zu bekommen. Ob die Leute aufmerksam zuh\u00f6ren, einnicken oder ob \u00fcberhaupt jemand da ist &#8211; als Blinder wei\u00df man das nicht. Das hat allerdings auch einen Vorteil, man ist weniger schnell durch visuelle Reize irritiert. Wenn jemand g\u00e4hnt, in der Nase purpelt oder ein Nickerchen macht, ist das f\u00fcr den sehenden Vortragenden irritierend, aber wir kriegen das nicht mit, manchmal ist die Blindheit doch ein Segen. <\/li>\n<li>Akustische Ablenkungen lassen sich schwer interpretieren. Wenn sich die Leute unterhalten oder in ihren Taschen w\u00fchlen, soll ich darauf reagieren oder nicht? Liest er gerade gelangweilt seine Mails oder twittert er flei\u00dfig \u00fcber meinen Vortrag? Das kann man allerdings auch als Sehender kaum wissen und z\u00e4hlt bei einem digital-affinen Publikum heute nicht mehr als schlechtes Benehmen. <\/li>\n<li>Fragen und Feedback lassen sich schwerer einholen. Die meisten Leute z\u00f6gern, den Sprecher zu unterbrechen. Aber als Blinder hat man ansonsten wenig M\u00f6glichkeiten zu erkennen, dass es Fragen oder Diskussionsbedarf gibt. <\/li>\n<li>Der Umgang mit Redenotizen, Overhead-Folien und PowerPoint ist f\u00fcr Blinde und Sehbehinderte nicht ganz trivial. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Kommen wir also zu den Tipps. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Sehende_Assistenz_nutzen\"><\/span>Sehende Assistenz nutzen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Ein Sehender, der das Publikum im Blick hat ist ganz praktisch. Zur Not ernennt man einfach eine Person aus dem Publikum oder den gastgeber dazu.<br \/>\nZur Not k\u00f6nnen sich Sehende via Blickkontakt und Gestik auch gegenseitig koordinieren. Das geht aber nur, wenn sie sich gegenseitig im Blick haben, also nicht bei Theaterbestuhlung, wo alle nach vorne schauen.<br \/>\nEinfacher ist es, regelm\u00e4\u00dfig Pausen f\u00fcr Zwischenfragen zu lassen und auch dazu aufzufordern, fragen zu stellen. Auch hier gilt: Ohne Sehende Assistenz m\u00fcssen sich die Fragesteller untereinander koordinieren. Das sollte man ihnen klar machen.<br \/>\nBei einer kleineren Runde mit U-Bestuhlung solltet ihr zulassen, dass die teilnehmer den Redner f\u00fcr Fragen auch ins Wort fallen d\u00fcrfen. Ihr m\u00fcsst das ausdr\u00fccklich erlauben, da das in Sehendenkreisen als unh\u00f6flich gilt. Dort w\u00fcrde man das \u00fcber Gesten oder Blickkontakt regeln, was aber bei uns wie geschrieben nicht m\u00f6glich ist.<br \/>\nIm \u00dcbrigen: In der Regel vergisst das Publikum relativ schnell, dass ihr blind seid und das selbst, wenn eure Behinderung nicht zu \u00fcbersehen ist. Das hei\u00dft, auch wenn ihr Unterbrechungen erlaubt, solltet ihr Gelegenheiten zu Zwischenfragen geben. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"NotizenMerkhilfen\"><\/span>Notizen\/Merkhilfen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Es gibt schon verschiedene Tipps dazu, wie Blinde PowerPoint als Kommunikationsunterst\u00fctzung verwenden k\u00f6nnen.<br \/>\nNotizen k\u00f6nnen z.B. in Braille auf kleine Karten geschrieben werden. Ich empfehle hierbei, so kurz wie m\u00f6glich zu bleiben. Ein bis zwei Schlagworte pro Karte sollten reichen. Braillezeile geht nat\u00fcrlich auch.<br \/>\nAndere Ger\u00e4te wie Smartphones, Tablets oder Notebooks k\u00f6nnen ebenfalls f\u00fcr die Notizen verwendet werden. Bei Ger\u00e4ten mit Tastatur hat man den Vorteil, dass man durch den Cursor immer eine eindeutige Position im Text hat. Und nat\u00fcrlich kann man auch bei Touchscreen-Devices externe Tastaturen verwenden. Die Sprachausgabe kann so laut eingestellt werden, dass sie f\u00fcr den Vortragenden h\u00f6rbar ist. Generell empfiehlt sich, die Vortragsnotizen so kurz wie m\u00f6glich zu halten.<br \/>\nIch pers\u00f6nlich verwende meistens meine Pr\u00e4sentation als Redemanuskript. Mir reicht es, wenn ich den Titel der jeweiligen Folie h\u00f6re, um zu wissen, was ich erz\u00e4hlen will.<br \/>\nAuch das Smartphone kann entsprechend verwendet werden. L\u00e4t man seine Pr\u00e4sentation in eine App wie Keynote und startet den Pr\u00e4sentationsmodus, kann man die einzelnen Folien mit der Drei-Finger-Wisch-Geste durchgl\u00e4ttern. Das funktioniert auch bei Google Pr\u00e4sentationen, hier tippt man zum Weiterbl\u00e4ttern zwei Mal auf das Display. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Der_Koerper_im_Vortrag\"><\/span>Der K\u00f6rper im Vortrag<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Die K\u00f6rpersprache sollte immer zur Person passen, hei\u00dft, wenn ihr eher langsam sprecht, solltet ihr keine \u00fcbertrieben aufgeregte Gestik einsetzen und umgekehrt. Bis auf ein paar Ausnahmen, dazu geh\u00f6rt etwa die Schauspielerei, macht es f\u00fcr Blinde meines Erachtens keinen Sinn, eine bestimmte Gestik anzutrainieren oder einzustudieren. Das gilt umso  mehr f\u00fcr die Mimik. Die Gesichtsausdr\u00fccke sollten immer nat\u00fcrlich sein.<br \/>\nIn der regel macht es keinen guten Eindruck, die H\u00e4nde die ganze Zeit in den Hosentaschen oder hinter dem R\u00fccken zu haben. Man daf die H\u00e4nde uhig bewegen oder auf das Pult legen.<br \/>\nGeh\u00f6rt ihr zu den Gehern, also k\u00f6nnt ihr nicht still stehen, solltet ihr euch ein relativ kleines Areal suchen, auf dem ihr gefahrlos entlanggehen k\u00f6nnt. Achtet auf Stolperkanten, Kabel, Tische, Stuhlbeine und so weiter.<br \/>\nPositioniert alle Dinge, die ihr w\u00e4hrend des Vortrages ben\u00f6tigt strategisch sinnvoll und nehmt alles andere aus eurem Einzugsbereich. Dazu geh\u00f6ren insbesondere Flaschen, Gl\u00e4ser oder Tassen. Ich rate zu Plastikflaschen, hier macht es nichts, wenn sie umkippen oder gar auf den Boden fallen. Ein Getr\u00e4nk sollte aber auf jeden Fall immer griffbereit sein. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Blickkontakt\"><\/span>Blickkontakt<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man als Blinder, in der Regel auch nicht als Sehrestler, einen Blickkontakt herstellen. Dennoch sollte man als Blinder versuchen,den Blick \u00fcber das Publikum schweifen zu lassen. Es ist f\u00fcr den Sehenden einfach unangenehm, wenn er nicht das Gef\u00fchl hat, dass er vom Redner wahrgenommen wird. Wenn jemand eine Frage stellt, sollte man in dessen Richtung schauen. W\u00e4hrend man Gestik tats\u00e4chlich nicht trainieren kann, kann man das Schweifen des Blickes sowie den Blickkontakt mit Gespr\u00e4chspartnern durchaus trainieren und sollte es auch tun, wenn man die M\u00f6glichkeit dazu hat. Es macht auch nichts, wenn man in die falsche Richtung guckt oder den Blick \u00fcber den Zuschauerkreis hinaus schweifen l\u00e4sst. Tr\u00e4gt jemand eine Sonnenbrille, kann man ohnehin nicht genau sehen, wo er hinschaut.  <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Stehen_oder_Sitzen\"><\/span>Stehen oder Sitzen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>In der Regel ist es sinnvoll, in einer Redesituation zu stehen, wenn das aus praktischen und physischen Gr\u00fcnden m\u00f6glich ist. Durch einen aufrechten Stand ist der gesamte Oberk\u00f6rper beweeglicher. Es besteht weniger die Gefahr, dass man wie ein Waschlappen auf dem Stuhl h\u00e4ngt, das Zwerchfell zusammengequetscht wird und man dadurch an Atemvolumen und Stimmkraft verliert. Und es hat nat\u00fcrlich eine gewisse symbolische Bedeutung, wenn die Sitzenden zu einem hochschauen m\u00fcssen. Klingt albern, ist es sicherlich auch, stimmt aber.<br \/>\nSitzen schr\u00e4nkt automatisch die beweglichkeit ein. W\u00e4hrend ich beim stehen ein wenig hin und her laufe kann, wirkt Herumgewackel beim sitzen schnell unruhig und unsicher. Zudem kann bei Gesten schnell mal etwas vom Tisch gefegt werden.<br \/>\nLast not least gibt es eine Theorie in der Kommunikationsforschung, wonach sich unsere Emotionen auf unsere K\u00f6rperhaltung auswirken. Umgekehrt soll sich auch die K\u00f6rperhaltung auf die Emotionen auswirken k\u00f6nnen. Schauspieler best\u00e4tigen, dass sie sich besser in eine Rolle hineinversetzen k\u00f6nnen, wenn sie sie auch k\u00f6rperlich nachempfinden. Also, Schultern zur\u00fcck, Kopf aufrecht, gerade K\u00f6rperhaltung, wenn ihr nicht wie ein Trauerklo\u00df r\u00fcberkommen wollt. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Ein_Vortrag_muss_nicht_rhetorisch_perfekt_sein\"><\/span>Ein Vortrag muss nicht rhetorisch perfekt sein<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Es ist den wenigsten Menschen verg\u00f6nnt, druckreif zu sprechen. Das f\u00e4llt einem h\u00e4ufig erst auf, wenn man gezielt darauf achtet oder sich die Aufnahme oder Transkription eines aufgenommenen Gespr\u00e4chs anh\u00f6rt. S\u00e4tze werden grammatikalisch falsch gebildet, es gibt die ganzen \u00c4hs und \u00c4hms, Das ist aber vollkommen egal, weil der Zuh\u00f6rer das in der konkreten Situation nicht merkt. Er bewundert den Redner eher daf\u00fcr, dass er sich traut, sich da vorne hinzustellen. Wir setzen nat\u00fcrlich immer voraus, dass der Zuh\u00f6rer sich f\u00fcr den Inhalt interessiert, ansonsten sollte man ihn einfach eine Runde schlafen lassen.<br \/>\nSituationen, in denen man sich gefahrlos ausprobieren kann sind etwa Barcamps und \u00e4hnliche Treffen. Wichtig ist dabei nur, dass man irgendwas zu sagen hat, was irgendjemand h\u00f6ren will. Wenn man ein paar von diesen Vortr\u00e4gen gehalten hat, macht es dann auch keinen Unterschied mehr, ob man vor 3 oder 200 Menschen redet.<br \/>\nEs gibt einen Zustand, den ich Tiefenentspannung ennen m\u00f6chte. Wenn man ein paar Mal auf Podien gesessen oder vor einem Publikum gestanden hat, stellt sich dieser Zustand automatisch ein. Irgendwann macht es dir einfach nichts mehr aus, dass dir 300 Leute beim Nichtstun zuschauen, jede deiner Bewegungen und vielleicht sogar den Staub auf deiner Hose sehen k\u00f6nnen. Und hier hat es tats\u00e4chlich auch Vorteile, dass man die Zuschauer nicht sehen kann, man bemerkt zum beispiel mi\u00dfbilligende Blicke, gelangweilte Gesichter und b\u00f6se Mienen nicht. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Lautstaerke_des_Vortrages\"><\/span>Lautst\u00e4rke des Vortrages<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Man kann zwar trainieren, lauter zu sprechen, aber bei einer gr\u00f6\u00dferen Zuh\u00f6rerschaft ist ein Mikrofon vorzuziehen. Dabei sind Mikrofone vorzuziehen, die am Kopf befestigt werden. Handmikrofone schr\u00e4nken zumindest einen Arm von der Bewegung her ein, sollten im richtigen Abstand gehalten werden und k\u00f6nnen nat\u00fcrlich auch einfach runterfallen, wenn man sie nicht richtig festh\u00e4lt. Fest montierte Tischmikrofone sind ein bisschen besser, aber auch hier muss man auf den richtigen Abstand achten.<br \/>\nIm Allgemeinen ist es besser, das Handheld-Mikro m\u00f6glichst nah am Mund zu halten, stellt euch ein Waffeleis vor, in das ihr gleich reinbei\u00dfen werdet, und dann weniger laut zu sprechen statt umgekehrt, also das Mikro weiter weg zu halten und daf\u00fcr lauter zu sprechen. Ich spreche auch mit Mikro ein wenig lauter als in einer normalen Sprechsituation. Generell solltet ihr darauf achten, dass ihr euch nicht \u00fcberanstrengt, um laut oder mit einer tieferen Stimme zu sprechen, das kann auf lange Sicht den Sprechorganen schaden, zumindest macht es aber heiser. Im Zweifelsfall ist es immer besser, langsamer und deutlicher zu sprechen.<br \/>\nDa wir die Gr\u00f6\u00dfe eines Raumes schwer einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, ist es manchmal schwierig, die sinnvolle Stimmlautst\u00e4rke richtig einzusch\u00e4tzen. Eine bestimmte Grundlautst\u00e4rke ist auch in einer kleinen Runde sinnvoll, damit auch die Zuschauer in den hinteren Reihen entspannt zuh\u00f6ren k\u00f6nnen. Bei einer gr\u00f6\u00dferen Runde sollte man um Feedback aus den hinteren Reihen bitten, ob man noch gut zu h\u00f6ren ist.<br \/>\nEin gutes Training ist es, vor Kindern vorzutragen bzw. ihnen vorzulesen. Sie sind das kritischste, aber auch interessierteste Publikum. Und ab einer bestimmten Zahl von Kindern ist es niemals still. Wir lernen also mit Kindern, entspannt zu bleiben und Nebenger\u00e4usche zu ignorieren. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Praesentationen\"><\/span>Pr\u00e4sentationen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Ich finde es immer gut, etwas zum Sehen oder Anfassen zu haben. Es gibt brillante Redner wie Gregor Gysi, die rein mit ihrer Redekunst beeindrucken k\u00f6nnen. In diesen rehtorischen Olymp werden aber die Wenigsten von uns aufsteigen.<br \/>\nOb man mit PowerPoint oder einem \u00e4hnlichen Tool arbeitet, ist erst mal Geschmackssache. Als Blinder kennt man die PowerPoint-\u00c4sthetik in der Regel nicht. Zwar kann man die Texte schreiben und die Folien aufbereiten. Am Ende muss aber immer ein Sehender drauf gucken, weil PowerPoint unberechenbar ist. Da sind Bilder an einer ganz falschen Stelle oder v\u00f6llig verzerrt, da sind Fu\u00dfzeilen, wo keine sein sollten und der Text ist zu gro\u00df, zu klein oder rutscht aus dem sichtbaren Bereich. Keine PowerPoint ist also besser als eine schlechte, weil das schnell unprofessionell wirkt.<br \/>\nDoch gibt es nat\u00fcrlich andere M\u00f6glichkeiten, die vom konkreten Thema abh\u00e4ngen: Man kann Gegenst\u00e4nde mitbringen, die man hochh\u00e4lt oder durch das Publikum gehen l\u00e4sst. Man kann ein paar Tanzschritte vorf\u00fchren oder einen Kopfstand. Wichtig ist nat\u00fcrlich, dass es zum Thema und zum Publikum passt. Was immer gut ankommt sind passende Geschichten oder Anekdoten.<br \/>\nF\u00fcr kurze Vortr\u00e4ge von bis zu 20 Ninuten ben\u00f6tigt man in jedem Fall keine Pr\u00e4sentation. Bei l\u00e4ngeren Vortr\u00e4gen kann das Publikum schnell unkonzentriert werden, weil Sehende an visuelle Reize gew\u00f6hnt ist. Wenn ihr also Ideen habt, wie ihr das Publikum ansonsten ablenken k\u00f6nnt, dann soltet ihr das tun. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Auf_Fragen_zur_Blindheit_vorbereitet_sein\"><\/span>Auf Fragen zur Blindheit vorbereitet sein<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Es spielt keine Rolle, zu welchem Thema man vortr\u00e4gt, man sollte immer darauf vorbereitet sein, dass man Fragen zur Blindheit bekommt, die teils auch pers\u00f6nlich werden k\u00f6nnen. Hier bleibt es jedem selbst \u00fcberlassen, ob man diese beantworten m\u00f6chte oder nicht. Im Zweifelsfall bietet man dem Fragesteller ein pers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch nach dem Vortrag an. Das ist sinnvoll, wenn Blindheit im Grunde nichts mit dem eigentlichen Vortrag zu tun hat. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch gibt es relativ wenige Blinde und Sehbehinderte, die als Vortragende auftreten. Eine kleine Liste blinder Experten gibts allerdings schon. 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