{"id":7899,"date":"2014-06-18T14:45:22","date_gmt":"2014-06-18T12:45:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?p=7899"},"modified":"2023-06-18T14:45:52","modified_gmt":"2023-06-18T12:45:52","slug":"als-blinder-mit-screenreader-praesentieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/als-blinder-mit-screenreader-praesentieren\/","title":{"rendered":"Als Blinder mit Screenreader pr\u00e4sentieren"},"content":{"rendered":"<p>Pr\u00e4sentationen geh\u00f6ren ja in vielen Berufen heute zum Standard. Nur bl\u00f6d, dass Blinde die Leinwand nicht sehen k\u00f6nnen. Nun haben alle Blinden &#8211; au\u00dfer mir &#8211; ein gutes Ged\u00e4chtnis und lernen die Pr\u00e4sentation einfach auswendig. Die Assistenz darf dann die undankbare Aufgabe \u00fcbernehmen, weiterzuklicken und durchzusagen, auf welcher Folie man sich gerade befindet. Wirklich gl\u00fccklich war ich mit dieser L\u00f6sung nicht.<br \/>\nEher zuf\u00e4llig habe ich dann entdeckt, dass NVDA den Folien-Inhalt vorliest, wenn man sich im Pr\u00e4sentations-Modus befindet. Selbiger wird in MS Office mit F5 aktiviert. \u00c4rgerlicherweise sagt NVDA bei jedem Folienwechsel &#8222;Pr\u00e4sentation Folie X&#8220;, aber damit kann ich leben. NVDA liest anschlie\u00dfend den Titel vor, dann den kompletten Text-Inhalt der Folie, was man aber den Zuh\u00f6rern nicht antun sollte, ein beherztes Dr\u00fccken von STRG beendet den Lese-Fluss. Mir ist es ausreichend, den Folien-Titel zu h\u00f6ren, um zu wissen, was ich erz\u00e4hlen muss. Wer sich in seinem Stoff auskennt, sollte das auch mit 200 Folien schaffen, zumindest ist mir das gelungen. Nat\u00fcrlich sollte dann jede Folie nur eine Information enthalten.<br \/>\nMit Return bl\u00e4ttert man eine Folie weiter, mit L\u00f6schen eine Folie zur\u00fcck. Das geht auch mit den Bild-Auf-und-Ab-Tasten.<br \/>\nDas Ganze funktioniert ab Office 2003 aufw\u00e4rts, leider bisher nicht mit Libre und OpenOffice, \u00fcberhaupt ist die Zug\u00e4nglichkeit von Impress mit NVDA derzeit noch &#8211; hm &#8211; ausbauf\u00e4hig.<br \/>\nDas Ganze funktioniert auch mit Jaws. Nat\u00fcrlich braucht man immer noch einen Sehenden, der reinschreit, wenn irgendwas nicht funktioniert wie es sollte. F\u00fcr mich ist das aber ein gro\u00dfer Schritt Richtung Unabh\u00e4ngigkeit.<br \/>\nEine textlastige Pr\u00e4sentation  zu erstellen ist ebenfalls mit Screenreadern m\u00f6glich. Dazu m\u00fcsst ihr in der normalen Folienansicht in die Folie tabben und Return dr\u00fccken, dann k\u00f6nnt ihr zum Beispiel den Titel oder den Inhalt editieren. Wenn ihr fertig seid, dr\u00fcckt Escape, um zur Ansicht zur\u00fcckzukehren.<br \/>\nAllerdings ist es f\u00fcr Blinde nicht m\u00f6glich, Grafiken oder Bilder korrekt einzuf\u00fcgen, dass wird soweit ich das sehe ohnehin nie m\u00f6glich sein. \u00dcberhaupt sto\u00dfen Powerpoint und auch Word dort an ihre Grenzen, wenn es um die fehlerfreie Gestaltung von Dokumenten geht. Gewiss, man kann Fehler bei der Schrift, leere Zeilen und Tabulatoren und so weiter korrigieren. Die Schlusskorrektur muss aber immer ein Sehender machen.<br \/>\nWir hatten neulich auf Facebook diskutiert, ob Blinde Pr\u00e4sentationen erstellen k\u00f6nnen. Die meisten Blinden, die sich dort meldeten meinten, sie w\u00fcrden den Text vorschreiben und den visuellen Rest von sehenden Assistenten erledigen lassen. Das mag im Studium okay sein, aber sp\u00e4testens, wenn es ums Berufliche geht, st\u00f6\u00dft man bei dieser Strategie an Grenzen. Der Wissensabstand zwischen Berufst\u00e4tigen und ihren Assistenten w\u00e4chst stetig, so dass die Assistenten zwar in der Lage sind, eine Folie zur erstellen.  Die inhaltliche Verantwortung liegt aber eindeutig beim Blinden selbst. Er muss entscheiden k\u00f6nnen, wie viele Infos auf eine Folie passen, welche Grafiken das visualisieren k\u00f6nnen und so weiter. Kann er das nicht, erf\u00fcllt er genau genommen nicht die Qualifikation f\u00fcr seinen Job. Sorry, wenn ich das so hart sagen muss. Dass auch Sehende schlechte Folien machen, ist keine Entschuldigung.<br \/>\nMir ist bei der Gelegenheit mal wieder aufgefallen, wie mangelnde Barrierefreiheit ganz praktisch die Karriere-Chancen verbauen kann. Nicht, dass ich f\u00fcr einen F\u00fchrungsposten taugen w\u00fcrde. Aber faktisch ist es doch so: Assistenz hin, Assistenz her, wenn du bestimmte Sachen nicht machen kannst, wirst du nicht nur beruflich nicht aufsteigen. Es wird sogar schwierig f\u00fcr dich, deinen aktuellen Posten zu behalten. Der Job bleibt der Gleiche, aber die Anforderungen \u00e4ndern sich stetig. Heute gibt es praktisch keinen Job mehr, der ohne die Bedienung von Software auskommt. Dabei ist vieles keine Standard-Software mehr, sondern Programme, die nebenbei von Entwicklern zusammengestoppelt wurden, ohne R\u00fccksicht auf Barrierefreiheit. Ich hatte schon h\u00e4ufiger den Fall, dass selbstentwickelte Software nicht mit angemessenem Aufwand barrierefrei zu machen war, wobei &#8222;angemessen&#8220; nat\u00fcrlich dem Ma\u00dfstab des Auftraggebers folgt. Die Ausdifferenzierung der Software-Landschaft durch die zahlreichen Windows-Versionen, Browser, Screenreader und Mobile haben das Problem eher noch versch\u00e4rft. Fr\u00fcher reichten ein paar Jaws-Skripte f\u00fcr Windows XP, um ein Programm bedienbar zu machen. Heute brauchen wir plattform-unabh\u00e4ngige Barrierefreiheit. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pr\u00e4sentationen geh\u00f6ren ja in vielen Berufen heute zum Standard. Nur bl\u00f6d, dass Blinde die Leinwand nicht sehen k\u00f6nnen. 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