{"id":7911,"date":"2011-06-18T14:52:53","date_gmt":"2011-06-18T12:52:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?p=7911"},"modified":"2023-06-18T14:53:26","modified_gmt":"2023-06-18T12:53:26","slug":"touchscreens-vorteile-fuer-blinde-und-sehbehinderte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/touchscreens-vorteile-fuer-blinde-und-sehbehinderte\/","title":{"rendered":"Touchscreens &#8211; Vorteile f\u00fcr Blinde und Sehbehinderte"},"content":{"rendered":"<p>Dass Blinde Touchscreens auf Tablets und Smartphones benutzen, ist fast schon ein alter Hut. Ein Bereich, wo sie sich bisher nicht durchgesetzt haben sind Desktop-Computer und Notebooks. Touchscreens sind die letzte nennenswerte Innovation bei Notebooks. Serienm\u00e4\u00dfig werden sie allerdings nur f\u00fcr Windows angeboten. Win 8 war damit angetreten, das erste OS zu sein, dass sich gleicherma\u00dfen per Touch, Maus und Tastatur bedienen l\u00e4sst.<br \/>\nSo schnell, wie die ersten Touch-Notebooks auftauchten, sind sie auch wieder verschwunden. Bis auf die Convertibles gibt es vor allem im unteren Preissegment kaum noch Touchbooks. Das ist in gewisser Weise auch nachvollziehbar. Ein Tablet hat man in der Hand oder vor sich liegen, ein Notebook ist typischerweise eine Arml\u00e4nge entfernt. Bevor einem der ausgestreckte Arm abf\u00e4llt, greif man eher zur Maus.<br \/>\nEin weiterer Nachteil von Touchbooks besteht darin, dass sie beim Bildschirm-Tipp leicht wackeln, Tablets machen das nicht. Dadurch ist die Erkennung der Gesten ungenauer.<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_82_2 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/touchscreens-vorteile-fuer-blinde-und-sehbehinderte\/#Blinde\" >Blinde<\/a><ul class='ez-toc-list-level-3' ><li class='ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/touchscreens-vorteile-fuer-blinde-und-sehbehinderte\/#Keine_einheitliche_Bedien-Schnittstelle\" >Keine einheitliche Bedien-Schnittstelle<\/a><\/li><\/ul><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/touchscreens-vorteile-fuer-blinde-und-sehbehinderte\/#Echter_Vorteil_fuer_Sehbehinderte\" >Echter Vorteil f\u00fcr Sehbehinderte<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/touchscreens-vorteile-fuer-blinde-und-sehbehinderte\/#Vorlaeufiges_Fazit_Muss_man_nicht_haben\" >Vorl\u00e4ufiges Fazit: Muss man nicht haben<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Blinde\"><\/span>Blinde<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>F\u00fcr blinde haben Touchbooks allerdings doch einige Vorteile. So ist die Erkundung des Bildschirms per Touch immer einfacher als mit den typischen Screenreader-Funktionen. Der Jaws-Cursor scheint gar nicht mehr unterst\u00fctzt zu werden und die Objekt-Navigation von NVDA ist nutzbar, aber nicht wirklich intuitiv.<br \/>\nAuf dem Touchscreens hingegen lassen sich Elemente gut erfassen. Damit wird auch die Ribbon-Leiste von MS Office leichter erschlie\u00dfbar, als per Tastatur.<br \/>\nWenn man sich einmal gemerkt hat, wo sich bestimmte Elemente befinden, kann man auch wesentlich schneller Informationen auslesen. Die typischen Windows-Fenster besitzen zahlreiche nicht-relevante Elemente. M\u00f6chte man zum Beispiel eine Statusmeldung im Wartungs-Center abrufen, muss man sich entweder alles vorlesen lassen oder mit der Objekt-Navigation zu diesem Element \u201eherabsteigen\u201c. Bei Touch ber\u00fchrt man einfach die entsprechende Stelle auf dem Bildschirm irgendwo in der rechten H\u00e4lfte ca. in der Mitte<br \/>\nBei Webseiten bietet sich der bekannte Vorteil, dass wir nicht nur die Struktur, sondern auch ihren viesuellen Aufbau erfassen k\u00f6nnen. Bei dynamischen Anwendungen mit zahlreichen Bedien-Elementen gibt es bislang das Problem, dass diese Elemente f\u00fcr Blinde oft nur hakelig zu erreichen sind \u2013 wenn \u00fcberhaupt, es fehlen unsere geliebten tastaturbedienbaren Men\u00fcs und Shortcuts. Per Touch k\u00f6nnen wir zumindest die Buttons und Ausklappfelder recht gut erreichen.  .<br \/>\nMit Touch ist es auch einfacher, komplexe Dokumente wie Excel-Tabellen zu erkunden. So eine Tabelle ist schon was Feines, nur bl\u00f6d, wenn der Cursor auf B3 steht und man wissen will, was in D24 steht. Ich bin sicher, dass man das auch mit Jaws oder NVDA erfahren kann, ohne den Hauptfokus von der B3 zu nehmen, allerdings fehlt mir ernsthaft die Lust, mir noch mehr Tastenkombinationen zu merken.<\/p>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Keine_einheitliche_Bedien-Schnittstelle\"><\/span>Keine einheitliche Bedien-Schnittstelle<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<p>Womit wir auch zur Krux der Sache kommen. Auch die Touchsteuerung ist f\u00fcr Blinde leider nicht einheitlich gel\u00f6st. iOS, Android, Windows, jeder hat seine eigenen Touchgesten. W\u00e4hrend einige Dinge wie der Duble-Tap oder das Wischen sich intuitiv erlernen lassen, sieht es bei komplexen Gesten anders aus. Dazu kommt noch, dass nat\u00fcrlich jeder Windows-Screenreader seine eigenen Steuergesten mitbringt. Irgendwann werden uns diese Tastenkombinationen und Touchgesten noch zum Wahnsinn treiben.<br \/>\n\u00c4rgerlich ist, dass Sehende diese einheitliche und intuitive Erfahrung haben. Auch f\u00fcr sie sind nat\u00fcrlich viele Touch-Gesten unterschiedlich, aber sie brauchen im Kern auch viel weniger als wir und die wesentlichen Gesten wie Tap und Wischen sind doch gleich.  Ein Knackpunkt k\u00f6nnte auch sein, dass die Implementierung von Touch bei Windows bzw. bei den Windows-Screenreadern nicht so sauber ist wie bei Tablets oder Smartphones. Mein vielleicht subjektiver Eindruck ist, dass Windows die Gesten nicht immer sauber verarbeitet. Auch die Screenreader sind f\u00fcr die Steuerung via Tastatur ausgelegt und die Implementation von Touch ist ein eher subalternes Feature. Aber das mag sich noch \u00e4ndern.<br \/>\nEin Vorteil f\u00fcr uns ist, dass es uns egal sein kann, ob ein Button zu gro\u00df oder zu klein ist. Per Wischgeste erfassen wir ohnehin alle Elemente.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Echter_Vorteil_fuer_Sehbehinderte\"><\/span>Echter Vorteil f\u00fcr Sehbehinderte<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Eine Ausnahme gilt f\u00fcr stark Sehbehinderte, sie haben mit gro\u00dfen Touchscreens einen gro\u00dfen Vorteil: Ein kernproblem f\u00fcr Sehbehinderte besteht darin, zum Beispiel ein anklickbares Element zu finden, um anschlie\u00dfend den Mauscursor zu finden, um anschlie\u00dfend das anklickbare Element wieder zu finden und beide zusammenzuf\u00fchren. Das Problem besteht darin, dass es extrem schwierig und anstrengend ist, bei starker vergr\u00f6\u00dferung zwei Elemente zusammenzuf\u00fchren, von denen eines st\u00e4ndig bewegt werden muss. Bei gro\u00dfen Touchscreens reicht es, dass anklickbare Element anzutippen. Ein anderer Vorteil ist, dass sie gezielter bestimmte Bereiche vergr\u00f6\u00dfern k\u00f6nnen. M\u00f6chte man z.B. im Browser einen Kartenausschnitt mit den Browserfunktionen vergr\u00f6\u00dfern, verschiebt sich der Inhalt in der Regel nach rechts unten. Wenn sie Pech haben, m\u00fcssen sie das Browser-Fenster solange horizontal und vertikal scrollen, bis sie den Abschnitt wieder im Blick haben. Beim Touchscreen k\u00f6nnen sie per Touchgeste genau den Bereich vergr\u00f6\u00dfern, in dem sie auf diesem Bereich die Spreizgeste ausf\u00fchren. Last not least sagt der Schnarchator, die in Windows eingebaute Vorlesefunktion, wenn sie eingeschaltet ist an, wie das Element hei\u00dft, welches man gerade ber\u00fchrt. Touchscreens bieten also eine recht einfache M\u00f6glichkeit, einfacher mit Sprachausgabe und Vergr\u00f6\u00dferung zu arbeiten \u2013 und zwar onboard. F\u00fcr Menschen mit solchen Sehbehinderungen kann sich die Anschaffung eines Touchbooks also lohnen. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Vorlaeufiges_Fazit_Muss_man_nicht_haben\"><\/span>Vorl\u00e4ufiges Fazit: Muss man nicht haben<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Windows 8.1 l\u00e4sst sich recht gut per tastatur bedienen und auch f\u00fcr die meisten Anwendungen wie Office ben\u00f6tigt man kein Touch. Es ist ein nettes Goodie, was man aber in der Praxis wohl kaum benutzen wird. F\u00fcr die Erkundung per Touch d\u00fcrften die meisten Blinden auf das intuitivere iOS zur\u00fcckgreifen.<br \/>\nEs fehlen noch f\u00fcr Blinden interessante Anwendungsgebiete. Komplexe Diagramme wie Ablaufschemata lie\u00dfen sich per Touch zum Beispiel segment-weise erschlie\u00dfen, wobei wir per Touch nicht nur die lineare Anordnung, erkunden, sondern auch z.B. sehr leicht \u00fcber- und untergeordnete Elemente und Knoten unterscheiden k\u00f6nnten. Mit Technologien wie SVG sollte das kein Problem sein. Allerdings werden die meisten Diagramme noch als Rastergrafik angeboten, was f\u00fcr uns nicht hilfreich ist. Es bleibt abzuwarten, ob Touch doch noch zu einem Innovationsschub bei blindengerechten Darstellungen f\u00fchren wird.<br \/>\nWer es dennoch und f\u00fcr kleines Geld ausprobieren m\u00f6chte: Windows-Tablets sind bereits auf dem Preis-Niveau von Android. Das HP Stream mit Win 8.1 und ohne Junk-Ware gibt es aktuell f\u00fcr 80 Euro, ein Tablet von Dell f\u00fcr 90 Euro. Ansonsten warten wir mal ab, ob Windows 10 den erwarteten Durchbruch f\u00fcr die Touchbedienung bringt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Blinde Touchscreens auf Tablets und Smartphones benutzen, ist fast schon ein alter Hut. 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