{"id":8007,"date":"2015-07-04T17:59:59","date_gmt":"2015-07-04T15:59:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?p=8007"},"modified":"2023-09-05T18:17:09","modified_gmt":"2023-09-05T16:17:09","slug":"behinderte-in-wissenschaftlichen-studien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/behinderte-in-wissenschaftlichen-studien\/","title":{"rendered":"Behinderte in wissenschaftlichen Studien"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/129-forschung-zur-barrierefreiheit-was-man-beachten-sollte\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><br \/>\nDa ich viel in Behinderten-Portalen unterwegs bin, kann ich sagen, dass es fast jeden Tag einen Aufruf gibt, an dieser oder jener Studie teilzunehmen. Schlimmer sind nur die zahllosen ePetitionen. In der Regel sind diese Studien behindertenspezifisch, zum Beispiel werden nur Sehbehinderte, nur Geh\u00f6rlose oder nur Blinde befragt.<br \/>\nDass sich Fragestellungen oft wiederholen \u2013 geschenkt. Ob man drei Mal eruiert, wie sich Blinde besser mit GPS orientieren k\u00f6nnen oder die 20. Masterarbeit \u00fcber die Darstellung des Orients bei Goethe abfasst, kommt wohl aufs Gleiche raus. Abgesehen davon, dass diese Orientierungsstudien wirklich teuer sind und man das Geld sinnvoller einsetzen kann, aber das ist ein anderes Thema.<br \/>\nIst man aber als Behinderter sozial verpflichtet, an solchen Studien teilzunehmen? Ich denke nein. Tats\u00e4chlich haben viele Studien die Intention, die Situation von Behinderten zu verbessern, indem sie Probleme wissenschaftlich belegen oder untersuchen, ob bestimmte Ma\u00dfnahmen sinnvoll sind. Unabh\u00e4ngig davon, ob man selbst unter dem konkreten Problem leidet, kann man den Wunsch haben, dass es untersucht wird.<br \/>\nDas Problem besteht aber darin, dass die Wissenschaft h\u00e4ufig Selbstzweck ist. Das hei\u00dft, die Studie mag methodisch sauber sein, aber da der Student in der Regel nach dem Abschluss in einen Job wechselt, der nichts mit seinem Studiengeegenstand zu tun hat, landet die Arbeit als Ansichtsexemplar in der Uni-Bib, wo sie vermutlich niemanden interessieren wird, bis sie zu Staub zerf\u00e4llt. F\u00fcr den wissenschaftlichen Austausch spielen studentische Arbeiten nur selten eine Rolle, so dass die Ergebnisse des Studenten in der Regel nicht in den Wissenspool der Wissenschaft eingehen. Sie werden nicht in Papers diskutiert, in Zeitschriften publiziert oder als Buch ver\u00f6ffentlicht, wodurch sie praktisch verloren gehen. Es ist mit anderen Worten eine reine Zeitverschwendung f\u00fcr den Studienteilnehmer, denn dass sein Student und dessen Prof hinterher schlauer sind, l\u00f6st sicher keines unserer Probleme.<br \/>\nLeider versanden auch millionenschwere Forschungsprojekte im Nichts. Das Gl\u00fcck dieser Forscher ist das extreme Kurzzeitged\u00e4chtnis im Internet, denn da jagt ein Forschungsprojekt das N\u00e4chste und kaum jemand erinnert sich daran, dass das gleiche Thema schon vor zehn Jahren erforscht wurde. Anscheinend reicht es, einen telefonbuchdicken Abschlussbericht zu ver\u00f6ffentlichen, die Erkenntnisse in konkrete Produkte oder Dienstleistungen zu \u00fcbertragen \u00fcberfordert die meisten deutschen Wissenschaftler. Da die Ergebnisse aber auch nicht \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich sind, k\u00f6nnen sie auch nicht von potenteren Leuten umgesetzt werden. <\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_85 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/behinderte-in-wissenschaftlichen-studien\/#Behinderte_als_Forschungsgegenstand\" >Behinderte als Forschungsgegenstand<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/behinderte-in-wissenschaftlichen-studien\/#Anforderungen\" >Anforderungen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/behinderte-in-wissenschaftlichen-studien\/#Mehr_Forscher_mit_Behinderung\" >Mehr Forscher mit Behinderung<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/behinderte-in-wissenschaftlichen-studien\/#Die_Rolle_der_Behindertenverbaende\" >Die Rolle der Behindertenverb\u00e4nde<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-5\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/behinderte-in-wissenschaftlichen-studien\/#Das_Problem_der_Repraesentation\" >Das Problem der Repr\u00e4sentation<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-6\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/behinderte-in-wissenschaftlichen-studien\/#Zum_Weiterlesen\" >Zum Weiterlesen<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Behinderte_als_Forschungsgegenstand\"><\/span>Behinderte als Forschungsgegenstand<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Es ist relativ schwierig, jemanden zugleich als Forschungsgegenstand und als Subjekt zu behandeln. Das wirkt immer so wie diese Forscher, die durch die Weltreisen und exotische St\u00e4mme bei ihrem Lebenswandel beobachten. Man kommt schnell in die Position des \u00dcberlegenen, der den Unterlegenen unter die Lupe nimmt. Da wird eine komplexe Gesellschaft auf Volksfeste und Balzt\u00e4nze reduziert. Stellt euch vor, afrikanische Forscher w\u00fcrden nach Deutschland kommen und den Karneval oder das Oktoberfest als Essenz der deutschen Gesellschaft darstellen. Das w\u00fcrden die meisten von uns unredlich finden. In der Forschung ist das die \u00fcbliche Vorgehensweise. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Anforderungen\"><\/span>Anforderungen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Meines Erachtens muss jede Studie\/Umfrage folgende Anforderungen erf\u00fcllen:<\/p>\n<ol>\n<li>Sie muss einmalig sein. Wenn es eine vergleichbare Studie vor kurzer Zeit mit vergleichbarer Fragestellung und sauberer Methodik gegeben hat, sollte man die Studie nicht noch einmal durchf\u00fchren. <\/li>\n<li>Die Ergebnisse m\u00fcssen offen gelegt werden. Mancher Student scheint davon zu tr\u00e4umen, mit seiner Bachelor-Arbeit \u00fcber die &#8222;Zug\u00e4nglichkeit sozialer Netzwerke f\u00fcr Blinde&#8220; der n\u00e4chste John Grisham zu werden. Wenn es ihnen Spa\u00df macht, soll es so sein, allerdings ist das Mindeste, die Ergebnisse der Befragungen offen zu legen, damit wie in Punkt 1 gefordert die Studie nicht von jemand anderem wiederholt wird. Und das absolute Minimum und eine Sache des Respekts ist es, den Leuten, die an der Studie teilgenommen haben die Ergebnisse mitzuteilen, sofern deren Kontaktdaten bekannt sind. <\/li>\n<li>Die Methodik muss wasserdicht sein. Ich habe nie viel empirisch geforscht, aber ich erkenne oft auf den ersten Blick, ob sich jemand mit Blindheit besch\u00e4ftigt hat und ob die Fragen, die gestellt werden so Sinn ergeben. Das tun sie h\u00e4ufig nicht und oftmals erkennt man, dass der Forscher sich nicht ausreichend mit der Materie besch\u00e4ftigt hat oder die Fragestellung so unscharf ist, dass sie keine brauchbaren Ergebnisse liefern wird. Wenn eine Frage in einem Online-Fragebogen absolut zwei- oder mehrdeutig ist, gibt es Schw\u00e4chen in der Methodik, welche die ganze Befragung entwerten. Man kann hier korrekterweise einwenden, dass es keine gestandenen Forscher, sondern h\u00e4ufig junge Studenten sind. Dann stellt sich aber die Frage, ob sie sich nicht einen Forschungsgegenstand suchen sollten, dem sie gewachsen sind. F\u00fcr die Qualit\u00e4tskontrolle ist der Betreuer verantwortlich, au\u00dferdem kann sich der Student einen Berater aus dem Betroffenenkreis suchen, der ihn auf grobe Schnitzer aufmerksam macht.<\/li>\n<\/ol>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Mehr_Forscher_mit_Behinderung\"><\/span>Mehr Forscher mit Behinderung<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Wie so oft muss man leider konstatieren, dass es in Deutschland zu wenige behinderte Forscher und Wissenschaftler gibt. Kurioserweise sollen rund acht Prozent der Studierenden behindert oder chronisch krank sein, aber nur ein Bruchteil der Abschlussarbeiten haben etwas mit Behinderung zu tun. Anscheinend haben die Betroffenen selbst kein Interesse daran, in diesem Bereich zu forschen.<br \/>\nHinzu kommt, dass der wissenschaftliche Bereich auch finanziell nicht interessant ist. Der restliche \u00f6ffentliche Dienst verspricht relativ sichere Stellen, die Wirtschaft bessere Arbeitsbedingungen. Da viele Behinderte auf soziale Sicherheit Wert legen, ist f\u00fcr sie vor allem der Bereich Hochschule unattraktiv. Last not least ist der Wissenschaftsbereich absolut gnadenlos, was Vetternwirtschaft angeht, wer sich nicht fr\u00fchzeitig bei dem Dozenten seiner Wahl einschleimt, wird ausgesiebt, Behinderte haben dort kaum eine Chance. Komischerweise scheint man das Thema Inklusion in der Wissenschaft nicht auf dem Schirm zu haben, so dass diese ungestraft die Behindertenquote ignorieren k\u00f6nnen.<br \/>\nDabei w\u00e4re es absolut sinnvoll, behinderte Forscher in diesen Bereichen st\u00e4rker zu beteiligen. Ich kann mir nichts Absurderes vorstellen als einen Haufen gesunder Menschen in den besten Jahren, die sich Gedanken dar\u00fcber machen, wie ein dementer Mensch mit morschen Knochen barrierefrei leben kann. Behinderten-Simulationen sind bestenfalls eine Ann\u00e4herung, Befragungen k\u00f6nnen nur begrenzt erfolgreich sein. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Die_Rolle_der_Behindertenverbaende\"><\/span>Die Rolle der Behindertenverb\u00e4nde<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Mir sei noch ein Wort zu der unr\u00fchmlichen Rolle erlaubt, die einige Behindertenverb\u00e4nde in diesem Bereich spielen. Der erste Ansprechpartner f\u00fcr Blinden-Forschung ist der DBSV. Er d\u00fcrfte einen guten Teil seiner Mittel aus solchen Forschungsprojekten beziehen.<br \/>\nF\u00fcr den DBSV ist das sch\u00f6n, f\u00fcr die Blinden oftmals weniger. Im Grunde hat der DBSV kein Interesse daran, \u00fcberfl\u00fcssige oder sinnfreie Forschungsprojekte abzulehnen, vor allem, wenn sie viel Geld bringen oder \u00fcber mehrere Jahre laufen. Aus ihrer Position ist es im Gegenteil gerade sinnvoll, besonders teure, aufwendige und langfristige Projekte anzuziehen. Im DBSV gibt es zahlreiche angestellte Experten, die irgendwie besch\u00e4ftigt werden m\u00fcssen.<br \/>\nDamit ich nicht falsch verstanden werde, ich meine nicht die lokalen Vereine, die sich oft mit gro\u00dfem unbezahltem Engagement an lokalen Projekten beteiligen. Mir f\u00e4llt allerdings auf, wie oft der DBSV an teuren Gro\u00dfprojekten beteiligt ist, aber nicht offenlegt, welche Zusch\u00fcsse er daf\u00fcr erh\u00e4lt. Und es f\u00e4llt auf, dass sich der Sinn solcher Projekte oft nicht erschlie\u00dft, w\u00e4hrend Projekte, die einer gr\u00f6\u00dferen Zahl von Blinden zugutek\u00e4men oder die wesentlich g\u00fcnstiger w\u00e4ren gar nicht erw\u00e4hnt werden.<br \/>\nNehmen wir als Beispiel wieder GPS. Die meisten jungen Blinden haben ein Smartphone oder ein spezielles Ger\u00e4t, mit dem sie die Geodaten f\u00fcr die Orientierung nutzen k\u00f6nnen. Die meisten \u00e4lteren Blinden \u2013 und das sind wesentlich mehr \u2013 haben kein solches Ger\u00e4t und viele w\u00e4ren damit auch absolut \u00fcberfordert. Wir halten also fest: Der Bedarf an solchen Ger\u00e4ten ist gedeckt, ohne dass jemand einen Euro Forschungsgeld daf\u00fcr in die Hand nehmen musste. Daf\u00fcr gibt es zahlreiche unerforschte Bereiche: Wie kann man die Nahorientierung verbessern?  Wie kann die  Verletzungspr\u00e4vention f\u00fcr \u00e4ltere Blinde verbessert werden? Wie l\u00e4sst sich die Ausbildung von Blindenf\u00fchrhunden in Deutschland verbessern, es ist ein offenes Geheimnis, dass die meisten Blindenhunde schlecht ausgebildet sind.<br \/>\nNat\u00fcrlich wissen die Leute, die \u00fcber solche Projekte entscheiden das nicht \u2013 weil sie nicht behindert sind und keine Behinderten kennen, mit denen sie sich \u00fcber so etwas austauschen w\u00fcrden. Aber der DBSV sollte es wissen. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Das_Problem_der_Repraesentation\"><\/span>Das Problem der Repr\u00e4sentation<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Studien mit behinderten Menschen sind stets mit Problemen verbunden. Ein Kernproblem ist dabei die Repr\u00e4sentativit\u00e4t bei quantitativ angelegten Studien.<br \/>\nBei leichten Behinderungen m\u00f6gen die Unterschiede relativ gering sein. Sobald man aber in den Bereich schwerer Behinderungen kommt ist die Bandbreite der F\u00e4higkeiten so unterschiedlich, dass man durch die Vergr\u00f6\u00dferung der Testgruppe kaum an Aussagekraft gewinnt. Jeder Schwerbehinderte ist auf seine Weise behindert, jeder Blinde hat eine ganz individuelle Systemkonfiguration und Erschlie\u00dfungsstrategie f\u00fcr Inhalte, so dass sich nur schwer aussagekr\u00e4ftige Durchschnittswerte ermitteln lassen. F\u00fcr jemanden, der seine Arme nicht bewegen kann sieht die Situation gleich ganz anders aus als f\u00fcr jemanden, der eine Spastik im Arm hat.<br \/>\nIn der Forschung zu diesem Bereich gibt es grunds\u00e4tzlich zwei Denkweisen: die Induktion und die Deduktion. Bei der Induktion sage ich, einer ist so, also sind alle anderen aus der gleichen Gruppe so. Bei der Deduktion behaupte ich, das statistische Mittel ist so, daher ist diese Einzelperson auch so. Wie ich versucht habe oben zu zeigen sind diese Vorgehensweisen bei Schwerbehinderten nur schwer zu rechtfertigen. Dennoch m\u00fcssen wir zumindest teilweise darauf zur\u00fcckgreifen, da wir keine andere M\u00f6glichkeit haben, nur raten w\u00e4re schlimmer. Ich weise nur darauf hin, dass wir mit unseren Schlussfolgerungen vorsichtig sein sollten.<br \/>\nZudem ist es tats\u00e4chlich schwierig, au\u00dferhalb von speziellen Behinderteneinrichtungen wie Schulen oder Bildungswerken eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Behinderten zusammen zu bekommen, die eine repr\u00e4sentative Gruppe sein k\u00f6nnten.<br \/>\nMan kann die Zahl der Studien im Bereich barrierefreie Informationstechnik an zwei H\u00e4nden abz\u00e4hlen. Und naturgem\u00e4\u00df sind sie meistens so speziell, das sie au\u00dferhalb eines engen Bereiches kaum praktischen Nutzen entfalten.<br \/>\nAm \u00e4rgerlichsten ist es dort, wo diese Daten gar nicht erst ver\u00f6ffentlicht werden. Mir flattert gef\u00fchlt jeden Tag eine Umfrage oder andere Untersuchungsanfrage auf den Schreibtisch, von deren Ergebnissen h\u00f6rt man aber nie wieder was. Nicht einmal die Teilnehmer erhalten diese Informationen. Mit gro\u00dfem Aufwand geschriebene Doktor- und Diplomarbeiten verschwinden praktisch ungelesen in den Archiven der Bibliotheken oder werden f\u00fcr Traumpreise verkauft. F\u00fcr meinen Geschmack ist das eine Form der Entm\u00fcndigung, &#8222;ihr d\u00fcrft zwar an unseren Studien teilnehmen, aber die Ergebnisse geh\u00f6ren uns&#8220;. \u00dcbrigens ein Grund, warum ich an solchen Studien nie teilnehme. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Zum_Weiterlesen\"><\/span>Zum Weiterlesen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<ul>\n<li>orf.at Vom Forschungsobjekt zur aktiven Teilnahme<\/li>\n<li>Behinderte in Gestaltungsprozesse einbeziehen<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/netz-barrierefrei.de\/en\/research.html\">Doing Research with disabled Persons<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da ich viel in Behinderten-Portalen unterwegs bin, kann ich sagen, dass es fast jeden Tag einen Aufruf gibt, an dieser oder jener Studie teilzunehmen. Schlimmer&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/behinderte-in-wissenschaftlichen-studien\/\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Behinderte in wissenschaftlichen Studien<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-8007","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8007","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8007"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8007\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8420,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8007\/revisions\/8420"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8007"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8007"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8007"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}