{"id":9085,"date":"2024-04-20T16:38:41","date_gmt":"2024-04-20T14:38:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?p=9085"},"modified":"2024-05-25T18:31:55","modified_gmt":"2024-05-25T16:31:55","slug":"digitale-barrierefreiheit-die-herausforderung-sind-die-nicht-technik-affinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/digitale-barrierefreiheit-die-herausforderung-sind-die-nicht-technik-affinen\/","title":{"rendered":"Digitale Barrierefreiheit &#8211; Die Herausforderung sind die Nicht-Technik-Affinen"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/247-barrierefreiheit-bleiben-die-nicht-technik-affinen-aussen-vor\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><\/p>\n<p>In der digitalen Barrierefreiheit neigen wir oft zu Pauschalisierungen. Wir sagen X ist blind, also k\u00f6nnte X dieses Problem haben, Y ist querschnitts-gel\u00e4hmt, k\u00f6nnte also diese Probleme haben. Die Wirklichkeit ist allerdings komplexer und ignoriert die tats\u00e4chlichen Probleme. Die Spaltung verl\u00e4uft nach meiner Meinung nicht zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten, sondern zwischen technisch Fitten und Unfitten. Leider haben wir zumindest in Deutschland keinen eleganteren Begriff daf\u00fcr als Technik-Affinit\u00e4t.<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_82_2 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/digitale-barrierefreiheit-die-herausforderung-sind-die-nicht-technik-affinen\/#Technik-Affinitaet_der_Gruppen\" >Technik-Affinit\u00e4t der Gruppen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/digitale-barrierefreiheit-die-herausforderung-sind-die-nicht-technik-affinen\/#Konformitaet_spielt_eine_untergeordnete_Rolle\" >Konformit\u00e4t spielt eine untergeordnete Rolle<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/digitale-barrierefreiheit-die-herausforderung-sind-die-nicht-technik-affinen\/#Was_tun\" >Was tun<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Technik-Affinitaet_der_Gruppen\"><\/span>Technik-Affinit\u00e4t der Gruppen<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Grob kann man die Personen in vier Gruppen einteilen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Super-Fitten: Das sind Leute, die \u00fcber zumindest rudiment\u00e4re Skripting-F\u00e4higkeiten verf\u00fcgen und so gut wie jedes Problem l\u00f6sen k\u00f6nnen, auf welches sie treffen. Das ist eine relativ kleine Gruppe.<\/li>\n<li>Die technisch Fitten &#8211; dazu z\u00e4hle ich mich &#8211; die durch einen Mix aus Erfahrungen und Strategien gelernt haben, mit Problemen umzugehen. Bis auf grafische CAPTCHA&#8217;s  f\u00e4llt mir wenig ein, was man nicht irgendwie umgehen kann.<\/li>\n<li>Die technisch Bewanderten k\u00f6nnen grundlegende Aufgaben bew\u00e4ltigen, solange die Anwendungen relativ barrierefrei sind: Nachrichten lesen und schreiben, online bestellen, \u00dcberweisungen erledigen und so weiter. Sie scheitern an komplexeren Anforderungen wie etwa einem nicht-barrierefreien PDF oder einem komplexeren Web-Formular sowie an Web-Anwendungen.<\/li>\n<li>Die technisch Unfitten k\u00f6nnen nur rudiment\u00e4re oder gar keine digitalen Aufgaben erledigen. Ggf. k\u00f6nnen sie noch mit Alexa arbeiten, wenn das jemand f\u00fcr sie einrichtet oder WhatsApp-Nachrichten nutzen, das war es aber auch.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das ist eine sehr schematische Darstellung: Jede Gruppe lie\u00dfe sich viel feiner aufgliedern. Das Problem besteht darin, dass wir keine geeigneten Daten haben, um die Gruppen zu quantifizieren. Aus meiner Erfahrung heraus w\u00fcrde ich die meisten behinderten und \u00e4lteren Menschen den letzteren beiden Gruppen zuordnen. Da Gruppe Nr. 4 praktisch keinen Zugang zur digitalen Technik hat, kriegen wir von ihnen gar nichts mit. F\u00fcr uns Digital-Fuzzis k\u00f6nnten sie ebenso gut in einem fernen Land leben. Sie schreiben keine Blogs, kennen weder Twitter noch X und LinkedIn ist f\u00fcr sie so fern wie der Mond.  <\/p>\n<p>Nun neigen wir dazu, diese Probleme eher Seniorinnen unterzuschieben. Da ist sicher was dran. Vor allem Personen, die l\u00e4ngere Zeit in Rente sind hatten bisher kaum Ber\u00fchrung mit digitaler Technik und brauchen das vielleicht auch nicht mehr. Aber auch das ist zu schematisch: Es ist eben kein reines Altersproblem. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend &#8222;Irgendwie kriege ich das hin&#8220; fr\u00fcher noch okay war, wird es heute zum Problem: Banken-Filialen verschwinden oder analoge Dienstleistungen werden kostenpflichtig, gedruckte Fahrpl\u00e4ne verschwinden, viele Leistungen von Beh\u00f6rden sollen digitalisiert werden und stehen dann eventuell gar nicht mehr digital zur Verf\u00fcgung. Und selbst wenn die analoge Welt bestehen bleibt, ist es nicht viel angenehmer, vieles digital zu machen, insbesondere wenn man auf dem Land mit schlechter analoger Infrastruktur lebt? <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Konformitaet_spielt_eine_untergeordnete_Rolle\"><\/span>Konformit\u00e4t spielt eine untergeordnete Rolle<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>F\u00fcr diese Gruppen ist nach meiner Einsch\u00e4tzung das Thema Usability wichtiger als 100% Konformit\u00e4t. H\u00e4ufig gibt es das Mi\u00dfverst\u00e4ndnis, dass 100 % ein erstrebenswertes Ziel sei. Bisher konnte mir aber niemand schl\u00fcssig darlegen, dass 80 Prozent Konformit\u00e4t nur 4\/5 so hilfreich ist wie 100 Prozent. Gewiss, wenn bestimmte Kriterien wie die Tastatur-Bedienbarkeit nicht erf\u00fcllt sind, sind bestimmte Gruppen ausgeschlossen. Allerdings sind nicht alle A-Kriterien oder alle AA-kriterien miteinander gleichwertig. <\/p>\n<p>Das Konformit\u00e4ts-Bingo spielt wie gesagt in der Praxis f\u00fcr diese Menschen keine Rolle: Ob 80 oder 100 Prozent Konformit\u00e4t, diese Personen kommen nicht zurecht und wir &#8211; damit meine ich die Barrierefreiheits-Profis &#8211; ignorieren diesen Umstand.<\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Was_tun\"><\/span>Was tun<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Um ehrlich zu sein habe ich die Idee, dass wir das \u00fcber Barrierefreiheits-Guidelines oder Usability-Heuristiken abdecken k\u00f6nnen mittlerweile aufgegeben. Wenn einige kluge Leute viel Arbeit reinstecken und dabei die WCAG als Minimal-Konsens herauskommt, dann wird das Problem auch nicht mit der x-ten \u00dcberarbeitung dieser Guidelines gel\u00f6st. Das World Wide Web ist fast 30 Jahre alt, wir reden seit sehr langer Zeit \u00fcber Patterns, Ergonomie und Usability und es kommt immer noch massenhaft schlechte Software und Websites heraus. Diesbez\u00fcglich scheinen einige Leute lern-unwillig zu sein. Wenn Gedanken t\u00f6ten k\u00f6nnten, w\u00e4ren die Beteiligte an Software-Projekten bereits ausgestorben. <\/p>\n<p>Ich hoffe tats\u00e4chlich auf intelligente Assistenten, welche die Oberfl\u00e4che analysieren und die Nutzerin gezielt dabei unterst\u00fctzen, eine bestimmte Aufgabe zu erledigen.<\/p>\n<p>Bis dahin muss man an verschiedenen Stell-Schrauben arbeiten: <\/p>\n<ul>\n<li>Software und Websites m\u00fcssen besser werden: Einfachheit, Erwartungs-Konformit\u00e4t und Fehler-Toleranz sind hierbei drei Stichworte.<\/li>\n<li>Die Betroffenen m\u00fcssen besser geschult werden, sowohl im IT-Umgang allgemein als auch im Umgang mit assistiven Technologien.<\/li>\n<li>Methoden der QS wie ein brauchbares Feedback-System m\u00fcssen etabliert werden. Bislang wird Feedback wenn \u00fcberhaupt beachtet von den Verantwortlichen in der Ablage P verstaut. Wenn die QS verwendet w\u00fcrde, um h\u00e4ufige Pain Points zu finden, k\u00f6nnte sich in diesem Bereich viel tun. Dabei muss das Feedback so einfach wie m\u00f6glich sein. Auch sehe ich hier gute Chancen f\u00fcr Analytics und automatisierte Analysen, also die automatisierte Testung sowie die Beobachtung einer gro\u00dfen Zahl von Nutzerinnen und der darauf basierenden Verbesserung.<\/li>\n<li>Assistive Technologien m\u00fcssen einfacher nutzbar sein. Mobile Screenreader waren der erste Schritt, aber da geht meines Erachtens noch mehr.<\/li>\n<\/ul>\n<p> Wir Barrierefreiheits-Profis m\u00fcssen dieses Thema aber mehr ansprechen. Erhebungen wie die von WebAIM suggerieren, alles werde gut sein, wenn alles konform mit der WCAG 2.x AA ist. Das ist nicht der Fall.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der digitalen Barrierefreiheit neigen wir oft zu Pauschalisierungen. 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