{"id":9237,"date":"2024-07-06T16:26:17","date_gmt":"2024-07-06T14:26:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/?p=9237"},"modified":"2024-08-16T11:44:16","modified_gmt":"2024-08-16T09:44:16","slug":"der-atlas-digitale-barrierefreiheit-der-unterschied-zwischen-gut-gemeint-und-gut-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-atlas-digitale-barrierefreiheit-der-unterschied-zwischen-gut-gemeint-und-gut-gemacht\/","title":{"rendered":"Atlas digitale Barrierefreiheit &#8211; oder wie man keine empirische Studie macht"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/digitale-barrierefreiheit.podigee.io\/264-atlas-digitale-barrierefreiheit-wie-man-keine-studie-macht\/embed?context=external&#038;theme=default\" style=\"border: 0\" frameBorder=\"0\" height=\"100\" width=\"100%\"><\/iframe><br \/>\nUrspr\u00fcnglich wollte ich den Atlas digitale Barrierefreiheit \u00fcber die digitale Barrierefreiheit deutscher Kommunen ignorieren. Man muss nicht jeden Quatsch kommentieren, dann k\u00e4me man nicht mehr zu etwas Sinnvollem. Aber wie es so ist, wenn sich Quatsch unwidersprochen verbreitet, hilft das niemandem. Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Anfang Juli 2024 geschrieben wurde und \u00c4nderungen nicht ber\u00fccksichtigt, die eventuell in der Zwischenzeit gemacht wurden. <\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_86 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-white ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalt<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-atlas-digitale-barrierefreiheit-der-unterschied-zwischen-gut-gemeint-und-gut-gemacht\/#Atlas_digitale_Barrierefreiheit_%E2%80%93_oder_irgendwas_Anderes\" >Atlas digitale Barrierefreiheit &#8211; oder irgendwas Anderes<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-atlas-digitale-barrierefreiheit-der-unterschied-zwischen-gut-gemeint-und-gut-gemacht\/#Einordnung_der_Kriterien\" >Einordnung der Kriterien<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-atlas-digitale-barrierefreiheit-der-unterschied-zwischen-gut-gemeint-und-gut-gemacht\/#Schlechte_Darstellung_der_ergebnisse\" >Schlechte Darstellung der ergebnisse<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-atlas-digitale-barrierefreiheit-der-unterschied-zwischen-gut-gemeint-und-gut-gemacht\/#Fazit\" >Fazit<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Atlas_digitale_Barrierefreiheit_%E2%80%93_oder_irgendwas_Anderes\"><\/span>Atlas digitale Barrierefreiheit &#8211; oder irgendwas Anderes<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Der Atlas digitale Barrierefreiheit hat automatisiert und mit behinderten Menschen die Barrierefreiheit &#8211; oder irgendwas Anderes &#8211; von 11000 Kommunen, also allen deutschen Kommunen, \u00fcberpr\u00fcft. Sie haben Gl\u00fcck, dass die meisten Leute sich das Studiendesign nicht anschauen. Aber was wurde nun eigentlich gepr\u00fcft?<\/p>\n<blockquote><p>Beim Test stand nicht die technische Analyse der Internetseiten im Mittelpunkt, sondern das individuelle Erleben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DasDies. Wie nehmen Sie als Menschen mit Behinderung die Internetseite wahr, wie gut konnten sie mit der Seite umgehen, sie erfassen und wie schnell fanden sie die ben\u00f6tigten Informationen? Wie erreichten Sie ihr Recht auf Information? Ein digitaler Praxistest aus menschlicher Sicht. <a href=\"https:\/\/atlasdigitalebarrierefreiheit.de\/#vorgehen\" rel=\"nofollow\">Quelle<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Also doch nicht digitale Barrierefreiheit, das ist was Anderes als das subjektive Erleben von behinderten Menschen. Bei digitaler Barrierefreiheit geht es darum, strukturelle Probleme zu erfassen, nicht um das erleben einzelner Personen. Auch wurde ja nicht das erleben erfasst, sondern die f\u00fcnf Kriterien, die angeblich in einem gemeinsamen Workshop mit behinderten Menschen als die Wichtigsten ausgemacht wurden.<br \/>\nF\u00fcnf Fragen wurden gepr\u00fcft:<\/p>\n<ul>\n<li>Kann man die Schriftgr\u00f6\u00dfe \u00e4ndern?<\/li>\n<li>Gibt es eine Vorlesefunktion?<\/li>\n<li>Gibt es ein Angebot in leichter Sprache?<\/li>\n<li>Wird das Thema Barrierefreiheit auf der Seite erw\u00e4hnt? <\/li>\n<li>Kann man in wenigen Minuten erfahren, wo man einen Termin zur Verl\u00e4ngerung seines Personalausweises vereinbaren kann?<\/li>\n<\/ul>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Einordnung_der_Kriterien\"><\/span>Einordnung der Kriterien<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Eine Vorlese-Funktion ist weder vorgeschrieben noch notwendig. Wenn die Website des Atlas ein Beispiel sein kann, dann daf\u00fcr, wie man es nicht macht. Ein Vorlese-Button vor jedem Absatz, das ist f\u00fcr Blinde nervig und f\u00fcr Andere kaum hilfreich. Soll man zehn Mal klicken, um sich eine komplette Unterseite vorlesen zu lassen?<br \/>\nDie letzte Frage nach dem Personalausweis ist sicherlich wichtig, hat aber eigentlich nichts mit Barrierefreiheit zu tun.<br \/>\nDie Frage nach der Vergr\u00f6\u00dferbarkeit der Schrift ist berechtigt, aber vermutlich geht es hier um auf die Seite eingebettete Icons und nicht die Zoom-Funktion des Browsers, die ist ja per se vorhanden. Auch solche integrierten Icons sind nicht vorgeschrieben. Die Zoom-Funktion des Browsers ist ausreichend und sogar besser, wurde aber offensichtlich nicht getestet.<br \/>\nDie anderen Punkte &#8211; Leichte Sprache und ein Punkt zur Barrierefreiheit &#8211; sind zwar vorgeschrieben. Aber daf\u00fcr muss man keinen behinderten Menschen bem\u00fchen. Das erinnert mich ein wenig an Arbeitsbeschaffung. Fr\u00fcher haben sie in der Werkstatt Kugelschreiber zusammengeschraubt, heute schauen sie auf Webseiten, ob da irgendwo ein Icon zu Leichter Sprache oder Barrierefreiheit ist. H\u00e4tte man das nicht automatisiert \u00fcber die Suche nach Zeichenketten pr\u00fcfen k\u00f6nnen? Offenbar wurde auch keine qualitative Pr\u00fcfung dieser Inhalte, sondern nur das Vorhanden-Sein dieser Punkte gepr\u00fcft.<br \/>\nWie dem auch sei: F\u00fcr jede Frage wurde ein Punkt gegeben, wenn die Funktion vorhanden war. Es wurde angeblich auch eine automatische Pr\u00fcfung durchgef\u00fchrt. Deren Ergebnis ist wohl ein Geheimnis, ebenso wie das verwendete Tool. Transparenz sieht anders aus. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Schlechte_Darstellung_der_ergebnisse\"><\/span>Schlechte Darstellung der ergebnisse<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Leider sind die Ergebnisse, wie die ganze Website, schlecht aufbereitet. 3 Prozent hatten alle f\u00fcnf Anforderungen erf\u00fcllt. 7 Prozent hatten 0 Punkte, also keine Anforderung erf\u00fcllt. Am h\u00e4ufigsten wurde die Frage nach dem Personalausweis erf\u00fcllt. Am seltensten wurde die Frage nach Leichter Sprache erf\u00fcllt. Eine Gesamt-\u00dcbersicht der Ergebnisse ist nicht zu finden. Auch hier wieder ein Mangel an Transparenz.<br \/>\nUnd warum machen sie das? <\/p>\n<blockquote><p>\nWir wollen kommunale Entscheider unterst\u00fctzen. Deshalb haben wir als Arbeitsgemeinschaft die Gesellschaft f\u00fcr inklusive Kommunikation (GfiK) gebildet, um ein Beratungsangebot zu machen, mit dem wir Kommunen die Erfahrungen aus unserer \u00fcbergreifenden Untersuchung zug\u00e4nglich machen. Wir k\u00f6nnen auch Ihnen helfen, aufger\u00e4umte, klar strukturierte Seiten zu erschaffen. Und wir werden eine KI-basierte, kosteng\u00fcnstige \u00dcbersetzung von kommunalen Seiten in Leichte Sprache anbieten. Die Anwendung wird so g\u00fcnstig sein, dass Geld kein Grund mehr sein kann, leichte Sprache anzubieten. Quelle wie oben<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist wohl kein Zufall, dass die gepr\u00fcften Funktionen Vorlesen, Vergr\u00f6\u00dfern und Leichte Sprache \u00fcber ein Overlay angeboten werden k\u00f6nnen. Ist das Ganze vielleicht eine verkappte PR-Kampagne f\u00fcr ein eigenes Overlay-Tool, finanziert durch \u00f6ffentliche F\u00f6rdergelder?<br \/>\nProblematisch ist auch, dass die Website zur Untersuchung einige Barrierefreiheits-M\u00e4ngel hat. Zum Beispiel werden die \u00dcberschriften vom Screenreader doppelt ausgegeben. Statt Kommunen-Websites sollten sie vielleicht ihre eigene Website pr\u00fcfen, aber mit einer sinnvollen Methodik. <\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Fazit\"><\/span>Fazit<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Es ist schwierig, hier ein positives Fazit zu ziehen. Die Idee, eine so gro\u00dfe Menge an Websites durch BM untersuchen zu lassen ist sicherlich interessant. Das man hierbei keine seitenlangen Frageb\u00f6gen ausf\u00fcllen kann ist klar, das w\u00e4re sehr umfangreich. Sicherlich ist auch einiges an Arbeit eingeflossen.<br \/>\nProblematisch ist die wilde Vermischung aus Barrierefreiheit und User Experience. H\u00e4tte man auf den Begriff digitale Barrierefreiheit verzichtet, w\u00e4re es deutlich besser gewesen. So kann man leider nicht darauf vertrauen, dass diese Organisation ihre Kunden korrekt ber\u00e4t. Die Ergebnisse und die Methodik sind nicht sauber und transparent dargestellt.<br \/>\nMein Fazit ist leider negativ: Mit einer ordentlichen Methodik und Fragestellung w\u00e4re der Erkenntnis-Gewinn durchaus interessant gewesen. So ist es einfach nur eine subjektive Anh\u00e4ufung von Informationen. Das Mindestma\u00df w\u00e4re eine ordentliche Aufbereitung der Ergebnisse und eine transparente Darstellung der Methodik. Auch \u00fcber die BM, die den Test durchgef\u00fchrt haben, erf\u00e4hrt man so gut wie nichts. Haben sie ein spezielles Training erhalten, welche Behinderungen waren vertreten, welche assistiven Technologien haben sie verwendet, wie viele waren es \u00fcberhaupt? Und sind sie vern\u00fcnftig entlohnt worden?<br \/>\nHier gilt leider das Prinzip: Eine schlechte Studie ist schlimmer als gar keine. Au\u00dferdem wurde eine L\u00fccke behauptet, die es nicht gibt: Mit der EU-Richtlinie 2016-2102 ist auch ein umfangreiches Berichts-Wesen eingef\u00fchrt worden. Man wei\u00df also genau, wo die Kommunen bez\u00fcglich der Barrierefreiheit stehen.<br \/>\nDas gr\u00f6\u00dfte Problem ist aus meiner Sicht, dass mit gro\u00dfer PR behauptet wird, man brauche bestimmte Funktionen f\u00fcr Barrierefreiheit, die weder vorgeschrieben noch notwendig und h\u00e4ufig auch kein Mehrwert sind. Viele Kommunen k\u00f6nnten mangels Know How erneut in eine falsche Richtung geschickt werden.<br \/>\n\u00dcber die Barrierefreiheit der Kommunen sagt diese Untersuchung gar nichts aus. Das ist wirklich schade, die Ergebnisse einer solchen Studie w\u00e4ren wirklich interessant gewesen. Bekannterma\u00dfen bin ich <a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/der-webaim-survey-sind-98-prozent-der-webseiten-nicht-barrierefrei\/\">kein Freund automatischer Erhebungen<\/a> im Stile von WebAIM Million. Aber die WebAIM Million  ist weit besser als das hier.<br \/>\nKurz: Diese Erhebung ist ein Beispiel f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.netz-barrierefrei.de\/wordpress\/junk-studien-in-der-barrierefreiheit\/\">Junk-Studien in der digitalen Barrierefreiheit<\/a>. Sie ist auf Kommunikation der Ergebnisse ausgelegt und eine verkappte PR-Kampagne f\u00fcr die durchf\u00fchrende Einrichtung. Es ist wohl kein Zufall, dass drei der f\u00fcnf gepr\u00fcften Fragen durch Overlays bedient werden k\u00f6nnen. Schade um das Geld, man h\u00e4tte die eingesetzten behinderten Menschen mit einer sinnvollen Methodik viel besser einsetzen k\u00f6nnen. Hofffen wir mal, dass die f\u00f6rdernde Organisation das n\u00e4chste Mal besser hinschaut. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urspr\u00fcnglich wollte ich den Atlas digitale Barrierefreiheit \u00fcber die digitale Barrierefreiheit deutscher Kommunen ignorieren. 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