Leichte Sprache bei Veranstaltungen – warum alle profitieren

Die Leichte Sprache ist eine vereinfachte Form der Schriftsprache, siehe dazu das Bremer Büro für Leichte Sprache. Dabei wird zum Beispiel auf komplexe Satzstrukturen verzichtet, Fremdwörter werden weitgehend weggelassen oder lange Komposita vermieden. Komposita sind diese langen Wörter, die von der deutschen Sprache stark begünstigt
werden.
Diese Schriftsprache soll Menschen mit verschiedenen Behinderungen, die Probleme beim Verständnis der Alltagssprache haben, das selbstständige Erfassen von Texten erleichtern. Beispiele dazu bietet das neue Nachrichtenportal nachrichtenleicht.de. Beim Familienratgeber kann man Texte in Alltagssprache und Leichter Sprache direkt miteinander vergleichen.
Von dieser Sprache können auch Menschen mit schlechten Deutschkenntnissen oder eine Lese-Rechtschreib-Schwäche profitieren.
Die Betonung liegt hier auf Schriftsprache. Bei Vorträgen oder Diskussionen ist es hingegen nicht üblich, die Leichte Sprache einzusetzen. Das Gegenteil ist der Fall: die meisten Menschen können weder druckreif sprechen noch sind sie besonders gut dazu in der Lage, auf Fachjargon zu verzichten, sie können nicht einfach sprechen.

Die Präsentation als Ausweg

Meine Idee dazu ist relativ einfach: statt den Sprecher zur Leichten Sprache zu zwingen, soll er seine Präsentation in Leichter Sprache abfassen. Das ist eine inklusive Leistung, ebenso wie Gebärdendolmetscher oder das vernünftige rhetorische Begleiten der Folien für Blinde und Sehbehinderte.
Die Leichte Sprache widerspricht im Grunde auch nicht der Logik von Folien. Präsentationen sollen

  • klar strukturiert sein
  • stichwortartig abgefasst sein
  • Inhalte in Bildern und Graphiken anschaulich machen
  • Fremdwörter vermeiden
  • komplexe Formulierungen vermeiden

Der Rest ergibt sich quasi von selbst. Die Verwendung einfacher Visualisierungen, der Verzicht auf Fremdwörter, der Verzicht auf komplexe Tabellen, kurze und prägnante Stichworte muss bei Leichten Präsentationen strikt durchgezogen werden.
Der Vortragende ist zudem gezwungen, seine Vorträge noch genauer durchzuplanen und sich diszipliniert an sein Skript zu halten. Ich denke, dass die meisten Vorträge dadurch an Qualität gewinnen.
Ich könnte mir sogar vorstellen, wie beim Gebärdendolmetscher eine Art Dolmetsching für Menschen mit Lernschwierigkeiten anzubieten. Was genau würde dagegen sprechen, eine Zusammenfassung des gerade Gesagten in Leichter Sprache an die Wand zu werfen? Klar müssen die Dolmetscher vorher trainiert werden, niemand hat behauptet, dass das Leben leicht ist, nur die Sprache soll leicht sein.
Man mag an dieser Stelle einwenden, dadurch würden die Nicht-Behinderten irritiert. Das stimmt aber meiner Ansicht nach nicht. Wie viele Leute jammern über schlecht strukturierte Vorträge, überladene oder unlesbare Folien, schlechte Akkustik und eine undisziplinierte Diskussionskultur?
Im Grunde hat also jeder was davon: die Vortragenden werden besser, die Präsentationen werden besser, das Publikum freut sich. Auch im Web sollte die Leichte Sprache eine höhere Verbreitung finden, im Augenblick gibt es nur wenige Seiten wie Ich kenne meine Rechte, das ist die UN-Konvention über die Rechte Behinderter in Leichter Sprache.
Im Blog Not quite like Beethoven wird beschrieben, wie eine Live-Protokollierung einer Sitzung unter anderem Schwerhörigen zugute kommt und zugleich die Qualität der Sitzungen verbessert.

Weiterführendes

Wenn Du es nicht machst, macht es keiner