Politisch korrekte Sprache und einfache Sprache

Politisch korrekte Sprache ist eine zusätzliche Herausforderung für Menschen, die Texte in einfacher Sprache verfassen bzw. lesen müssen. Dieser Beitrag kann und soll keine endgültige Antwort bieten. Vielmehr müssen wir darüber diskutieren, welche Prioritäten wir setzen.

Prioritäten festlegen

Es ist grundsätzlich die Aufgabe des Auftraggebers/Text-Verantwortlichen festzulegen, welchen Sprachstil und welche Begrifflichkeiten verwendet werden sollen. In der Regel ist bereits festgelegt, ob zum Beispiel eine gender-gerechte Sprache verwendet werden muss.
Grundsätzlich können für die einfache Sprache Ausnahmen von diesen Regeln gemacht werden, so wie für Texte in Jugendsprache. Texte in Jugendsprache oder für Social Media dürfen deutlich flappsiger sein als Texte, die sich an Erwachsene richten. Zählt man einfache Sprache zu den Sonder-Textformen, sollten auch hier Ausnahmen möglich sein.
Der Auftraggeber/Text-Chef muss die Prioritäten setzen. Als Texter/Auftragnehmer können Sie ihm bei der Entscheidung helfen, in dem Sie ihm die Vor- und Nachteile aller Varianten darstellen.

Erklären oder nicht-verwenden

Den Regeln der einfachen Sprache gemäß werden Begriffe, mit denen die Leser nicht vertraut sind entweder gar nicht verwendet oder bei der ersten Nennung erklärt. Wurden sie einmal erklärt, kann der erklärte Begriff durchgängig verwendet werden. Wichtig ist dabei, dass auf Synonyme verzichtet wird. Es wird für eine Sache ein Begriff durchgängig verwendet. Das gilt auch, wenn stilistisch die Verwendung eines anderen Begriffs sinnvoll wäre, um Wiederholungen zu vermeiden.
Gibt es einen Begriff, der dem Leser eher bekannt ist und muss der weniger bekannte Begriff nicht verwendet werden, kann der bekannte Begriff durchgängig verwendet werden.

Das Glossar

Denkbar ist auch die Verwendung eines Glossars. In solch einem Glossar können Begriffe erklärt werden, wobei auch die gängigen Begriffe in der Erklärung dargestellt werden. Das lohnt sich aber tatsächlich eher bei einer umfangreicheren Publikation. Zudem ist es schwierig einzuschätzen, ob der Leser das Glossar wahrnehmen, seine Funktion verstehen und es nutzen wird.
In einer Online-Publikation lässt sich ein Glossar komfortabel einsetzen: Es kann zum Beispiel als interaktives Element verwendet werden: Tippt der Leser auf den Begriff, wird die Erläuterung als Tooltip eingeblendet und kann bequem wieder ausgeblendet werden.
Dies sollte allerdings nicht übertrieben werden. Erklärungen unterbrechen den Lesefluss. Wichtig ist, dass die Erklärungen kurz gehalten werden.
Ob Glossar oder nicht, die Begriffe müssen in jedem Fall bei der ersten Verwendung im Fließtext direkt erklärt werden.
Bedenken Sie, dass ein Glossar kein Freischein dafür ist, viele erklärungsbedürftige Begriffe im Text zu verwenden. Ein Text, der mit Fähnchen zum Glossar übersät ist, stellt einen Frustfaktor dar und kann den Leser abschrecken. In keinem Fall dürfen in einem einzigen Satz zwei erklärungsbedürftige Begriffe vorkommen. Verboten sind auch „Erklärungsketten“, also wenn die Erklärung selbst wieder einen erklärungsbedürftigen Begriff enthält.

Komplizierte Begriffe und ihre Erklärung

Im Folgenden habe ich einige komplizierte Begriffe und ihre Verwendung erklärt. Die Liste wird nach und nach ergänzt.

Person/people of Color

Person oder people of color ist meiner Einschätzung nach ein Begriff, der vor allem von Akademikern und Diversity-Insidern verwendet wird. Ich habe stattdessen den Begriff „Personen mit nicht-europäischer Herkunft“ verwendet.
Es hängt hier tatsächlich vom konkreten Zusammenhang ab. Bei Person of color wird häufig an dunkelhäutige Personen gedacht. Der Begriff bezieht sich aber auch auf Asiaten, Nordafrikaner oder Südamerikaner, die sich häufig selbst nicht als dunkelhäutig ansehen.

Empowerment und empowered

Empowerment müsste korrekt wohl als ermächtigen übersetzt werden. Allerdings ist der Begriff Ermächtigung in Deutschland diskreditiert. Alternativ können die Begriff Stärken oder gestärkt verwendet werden.

Diversity/Diversität

Diversity lässt sich mit Vielfältigkeit oder Unterschiedlichkeit übersetzen.

Migrant/Migrationshintergrund

Die Begriffe Migrant und Migrationshintergrund sollten nicht ohne Erklärung verwendet werden. Während Migrant wahrscheinlich noch verstanden wird, sind die Begriffe an sich unscharf. Es ist häufig etwas Konkreteres wie Person ohne deutschen Pass, nicht-europäischer Herkunft oder etwas Ähnliches gemeint.
Seien Sie präzise: Beschreiben Sie, was Sie tatsächlich meinen, auch wenn es sich nicht in einem einzigen Begriff zusammenfassen lässt, sondern umschrieben werden muss.
>h2>M W D

Die Kürzung M W D ist ebenfalls Akademiker-Jargon und dürfte häufig nicht bekannt sein. Das gleiche gilt für die ausgeschriebene Variante „männlich – weiblich divers“. Bei M W D ergeben sich gleich mehrere Probleme:

  • Männlich wird als Erstes genannt, was eine Priorität auf männlich suggiert.
  • Männlich und weiblich sind Geschlechtskategorien, divers aber nicht. Es mag Menschen geben, die sich weder als männlich noch als weiblich einstufen, aber niemand stuft sich selbst als „divers“ ein.

Die Lösung ist hier denkbar einfach: Bei einer Stellenauschreibung „Bewerbungen aller Geschlechter sind willkommen“.

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