Barrierefreiheits-Probleme dokumentieren

Wir kennen das, ein Problem bei der Barrierefreiheit zu beschreiben ist verbal recht schwierig. Mit den technischen Beschreibungen kann das Gegenüber meistens nichts anfangen und der Programmierer – sofern man überhaupt mit ihm in Kontakt kommt – ist ebenfalls überfordert.

Hier ein schönes Beispiel von den Stadtwerken Bonn. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass ich die Stadtwerke darauf hingewiesen habe, sie aber eine Reaktion bislang nicht für nötig gehalten haben. Hier passiert folgendes: Wenn ich einen Start eingebe und zum Ziel springe, verändert sich ohne mein Zutun der Inhalt des Start-Eingabefeldes, ohne dass ich das merke. Natürlich kommt beim fahrplan nur Murks heraus, wenn das Teil aus dem Start „Bonn“ „Paderborn“ macht, auch wenn Bonn und Paderborn total ähnlich sind.
Ein einfaches Tool zur Dokumentation solcher Probleme sind Programme zur Aufnahme des Bildschirm-Inhalts, auch als Screen Capturing bezeichnet. Solche Programme werden gerne für Tutorials verwendet, für andere Zwecke sind sie aber ebenso geeignet.
Der Platzhirsch für Windows heißt Camtasia, für unsere Zwecke reicht das kostenlose CamStudio, es ist in Grenzen auch für Blinde bedienbar.
Wir laden uns also das aktuelle Programm herunter und installieren es wie geahbt. Wie bei vielen Programm wird auch hier häufig Crapware mitinstalliert, also seid bitte vorsichtig.
Die Menüs sind komplett über Tastatur bedienbar. Unter „Region“ können wir einstellen, welcher Teil des Bildschirms aufgenommen werden soll. Ist es ein normales Desktop-Programm, ist Full Screen die richtige Wahl. Ansonsten reicht „Window“, um etwa den Inhalt des Browser-Fensters aufzunehmen. Blinde sollten darauf achten, dass nichtsPrivates auf der Aufnahme zu sehen ist, eure Nacktbilder und peinlichen Lesezeichen solltet ihr also ausblenden, es sei denn, ihr habt eine Person eures Vertrauens, die vor der Veröffentlichung noch mal auf das Video guckt.
Zur Aufnahme von Audio gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Ihr könnt den Screenreader mitaufzeichnen lassen oder per Mikrofon Kommentare einsprechen. Letzteres erscheint mir sinnvoller, da jeder Screenreader für ungeübte Ohren ungewohnt und unverständlich klingt. In der Regel werden Sehende ohnehin nicht verstehen, was ihr da macht. Die Audioquelle kann unter „Options“ ausgewählt werden. Oder ihr gebt einfach wie ich an dieser Stelle eine verbale Beschreibung mit.
Man könnte auch den Sprachbetrachter von NVDA verwenden, der legt sich aber leider über den für Sehende spannenden Teil des Bildschirms und mir ist keine Möglichkeit für Blinde bekannt, dieses Fenster zu verschieben.
Sehende haben außerdem die Möglichkeit, Kommentare in das fertige Video einzubetten, das geht über „Tools“.
Die Aufnahme ist kinderleicht. Am besten startet ihr zuerst das Programm oder den Browser, den ihr dokumentieren wollt, anschließend CamStudio. Unter „File“ findet ihr den Punkt „Record“, die ihr aktivieren müsst und schon startet die Aufnahme. Wechselt jetzt schnell zum aufzuzeichnenden Projekt und führt das durch, was ihr dokumentieren möchtet. Wenn ihr fertig seid, wechselt zurück zu CamStudio und wählt auf „File“ „Stop“. Anschließend wählt ihr einen Speicherort – das wars. Leider gibt es keine Shortcuts für das Programm, das wäre echt praktisch.
Das fertige Video kann man je nach Geschmack auf YouTube hochladen – euer Kunde wird sich sicher freuen – per Dropbox oder einen ähnlichen Dienst bereit stellen oder klassisch per USB-Stick verchicken.
Diese Methode ist nicht für alle Zwecke geeignet, dürfte aber in einigen Fällen hilfreich sein.

Wenn Du es nicht machst, macht es keiner