Neuigkeiten zur Barrierefreiheit im Juni 2019

In Stein gehauene Präsidenten bei Mount RushmoreUpdate: Kurzfristig haben sich zwei interessante Dinge ergeben, die ich ergänzen möchte:

Der Juni war relativ ruhig. Für ein wenig Aufregung sorgte eine Untersuchung des Miami Lighthouse for the blind: Die Websites der demokratischen Präsidentschaftskandidaten seien nicht barrierefrei.
Leider muss ich das kritisch kommentieren: Es werden einfache Mechanismen gefordert, mit denen sich Schrift und Kontrast verändern lassen. Diese website-eigenen Funktionen sind aber heute nicht mehr vorgeschrieben und unter Experten verpönt. Betriebssysteme, Browser und Hilfstechnik können das wesentlich besser, deswegen gelten website-eigene Funktionen heute nicht mehr als sinnvoll. Andererseits fehlen auf vielen Seiten Informationen in der amerikanischen Gebärdensprache oder in Leichter Sprache, was tatsächlich eine Barriere ist. Nebenbei ist das PDF, in welchem das Studiendesign beschrieben wird, nicht barrierefrei. Falsch ist auch, auf den Americans with Disabilities Act als Richtlinie zu verweisen. In Bezug auf das Internet sind die aktuellen Web Accessibility Guidelines sowie für die USA die Section 508 maßgeblich.

Interessante Artikel

Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit hat die Empfehlungen für digitale Barrierefreiheit des Bundes veröffentlicht. Da auf Landes- und Kommunalebene die Unterschiede in den Anforderungen nicht so groß sein werden, sollten auch die Verantwortlichen aus diesen Bereichen einen Blick darauf werfen.
Die Wirtschaft sieht Barrierefreiheit vor allem als Kostenfaktor. Dass sie aber mittelfristig davon profitiert, zeige ich in einem Blogbeitrag.
Die österreichische Hilfsgemeinschaft bietet Informationen zur Gestaltung sehbehindertengerechter Printprodukte. Alle folgenden Artikel sind in Englisch.
Wie hoch sind die Kosten einer nicht-barrierefreien Website? Ziemlich hoch, meint der Autor dieses Artikels. Dabei verweist er nicht nur auf die potentiellen Kunden, die das Angebot nicht nutzen können. Wichtig ist auch der Reputationsverlust bei mangelnder Barrierefreiheit.
Sie wollen Barrierefreiheit umsetzen, aber Ihr Team ist skeptisch? Susanna Zaraysky zeigt in einem Artikel, wie Sie andere Menschen von Barrierefreiheit überzeugen. Es geht vor allem darum, das Thema auf eine persönliche und damit oft verständliche Ebene herunterzubrechen.
Zumindest im deutschen Diskurs um Diversity spielt Barrierefreiheit bislang eine untergeordnete Rolle. Ashley Carter sieht Barrierefreiheit als wichtigen Faktor, um Nutzer zu stärken. Empowerment ist ein wichtiger Baustein einer Diversity-Strategie.
Daran schließt auch ein weiterer Artikel an: Möchte man behinderte Menschen beschäftigen bzw. weiter beschäftigen, ist Barrierefreiheit eine der wichtigsten Herausforderungen. Viele behinderte Menschen sind arbeitslos, auch weil Barrierefreiheit am Arbeitsplatz oft nicht gegeben ist. Durch den demografischen Wandel wird sich das noch verschärfen, so ein Artikel.
Der European Accessibility Act wurde im offiziellen Journal der EU veröffentlicht. Zu diesem Anlass hat das European Disability Forum seine Einschätzung zu dem Act veröffentlicht.

Bücher

Gleich zwei interessante Publikationen gab es im Juni. Das Buch von Klaas Posselt und Dirk Frölich beschäftigt sich mit barrierefreien PDFs und deren Erstellung.
Kostenlos gibt es das englisch-sprachige Buch Accessibility 2 zum barrierefreien grafischen Design, das soeben neu aufgelegt und überarbeitet wurde. Herausgeber ist das RGD und die Regierung von Ontario.

Veranstaltungen

Das Sommerloch ist perfekt geeignet, um den Rest des Jahres zu planen. Auf meiner Website habe ich interessante Events in Sachen Barrierefreiheit gebündelt.

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