Barrierefreie Grafik-Gestaltung für Print und Digital


Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der visuellen Text-Gestaltung und Barrierefreiheit für Print- und Digital-Produkte, auch barrierefreie Typographie genannt. Barrierefreie Konzeption und Design von Websites.
Da ich selbst kein Grafiker/Desktop-Publisher bin, bitte ich um Nachsicht, wenn ich nicht die Fachbegriffe verwende. Wenn Sie sich für das Thema weiterqualifizieren möchten, besuchen Sie doch meinen Kurs zur barrierefreien Print- und Grafik-Gestaltung auf Udemy. Oder Sie besuchen unsere offene Online-Schulung zu barrierefreien Print- und Grafik-Gestaltung. Wir können die befreundeten Koleg:Innen von Go Inclusive als Dienstleister für barrierefreies Design empfehlen.

WCAG und grafische Gestaltung

Aus den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) gibt es relativ wenige strenge Vorgaben zur visuellen Textgestaltung. Das liegt daran, dass es relativ schwer nachzuweisen ist, dass Text X lesbarer ist als Text Y. Es ist aber auch so, dass sich die Anforderungen unterschiedlicher Gruppen widersprechen können. Für eine Person mit Dyslexie mag eine bestimmte Textformatierung hilfreich sein, die für einen Sehbehinderten völlig unpassend ist. Bei Sehbehinderung X kann ein bestimmtes Schriftbild besser sein als bei Sehbehinderung Y. Die WCAG 2.x fordert, dass jede Anforderung auf Erfolg überprüfbar sein muss. Das ist für viele Konventionen guter Gestaltung nicht möglich. Wenn ein Aspekt der Gestaltung alle Menschen betrifft, ist es Nutzerfreundlichkeit und nicht Barrierefreiheit.
Deswegen sind digitale Texte optimal, da sie besser individuell angepasst werden können. Meine generelle Empfehlung lautet: Richtet sich der Text nicht an eine bestimmte Personengruppe, sollten möglichst keine speziellen Schriftarten oder Formatierungen eingesetzt werden. Besonders wichtig ist hier die Anpassbarkeit: An unterschiedliche Bildschirme, unterschiedliche Default- und Nutzer-Einstellungen.
Auf dem mittleren Level der WCAG, der Stufe AA, gibt es Vorgaben der WCAG zu dem Mindest-Kontrast: 4,5:1 für normale Texte, 3:1 für große Texte (18 PT/24 px oder größer) und Bedien-Elemente/Informations-Grafiken. Erst auf der höchsten Stufe der WCAG 2.1 gibt es unter 1.4.8 Visual Presentation (AAA) sehr strenge Vorgaben zu Abständen bei Wörtern, Zeichen und Zeilen sowie Zeilenlänge und Textsatz sowie höhere Kontrast-Anforderungen.
Die folgenden WCAG-Erfolgskriterien sind auf Text anwendbar:

  • 1.4.4 Resize Text Level AA
  • 1.4.5 Images of Text Level AA
  • 1.4.8 Visual Presentation Level AAA
  • 1.4.9 Images of Text (No Exception) Level AAA
  • Guideline 1.4 – Distinguishable

Standards für barrierefreies Print

Anders als im digitalen Bereich gibt es für barrierefreie Druck-Erzeugnisse keine harten Richtlinien zur Barrierefreiheit. Hier lassen sich nur allgemeine Aspekte feststellen, die zur Erkennbarkeit und Lesbarkeit beitragen. Wo möglich würde ich hier ebenfalls auf die Richtlinien der WCAG zurückgreifen.
Vorsicht ist geboten bei Empfehlungen bestimmter Interessens-Verbände: Sie haben in erster Linie die eigene Peeer Group im Blick. Auch sollte man sich, wie immer bei der Barrierefreiheit, nicht auf die Aussagen einer Einzelperson verlassen, insbesondere, wenn diese Personen nicht geschult sind. Die Gefahr ist zu groß, dass hier der persönliche Geschmack durchschlägt. Das heißt, Sie können gerne mit Betroffenen testen oder Feedback einholen, im Endeffekt geht es aber darum, unterschiedliche Anforderungen im Auge zu behalten.
Gängige Gestaltungsmuster haben einen Vorteil: In der Regel haben sie sich sehr lange bewährt und das meistens nicht ohne Grund. So setzen professionelle Magazine auf ein Gestaltungsraster und verteilen Inhalte nicht kunterbunt auf einer Seite. Das erleichtert die Orientierung zum Beispiel auf großen Zeitungsblättern.
Eine gute Orientierung ist für alle genannten Gruppen wichtig. Dabei helfen die Gestaltungs-Raster sowie die Gesetze guter Gestaltung.

Barrierefreiheit und Typographie

Sowohl die Ästhetik als auch die Lesbarkeit einer Webseite hängen entscheidend von der Typographie ab. Typographie befasst sich mit der ästhetischen Textgestaltung. Es gibt eine DIN-Norm für barrierefreie Schriften, die DIN 1450. Schriften mit dem Zusatz 1450 sind für diese DIN optimiert. Bisher scheint es aber außer der Frutiger 1450 keine solche Schrift zu geben.
Die Lesbarkeit eines Textes hängt von verschiedenen Aspekten der Typographie ab:

  • die Auswahl der Schriftart
  • Abstände von Buchstaben, Worten, Zeilen und Absätzen
  • Schriftfarbe und Hintergrundfarbe
  • Schriftgrad

Normalerweise beschäftigt man eine Expert:In, die sich mit graphischer Textgestaltung auskennt. Es kann aber nicht schaden, ein wenig Grundwissen darüber zu haben. Insbesondere Redakteur:Innen können die Texte aufwerten, wenn sie sich mit Typographie auskennen.

Technische Voraussetzungen

Grundsätzlich wird im Web empfohlen, alle gestalterischen Angaben über CSS vorzunehmen. Das heißt, es sollten keine HTML-Tags für Design-Zwecke verwendet werden. Dazu gehören auch die Tags für fett und kursiv. Zum Einen können sich diese Formatierungen negativ auf die Lesbarkeit auswirken. Zum Anderen sind sie schlecht durch Lese-Werkzeuge anpassbar. Hervorhebungen werden entweder über strong oder eine CSS-Klasse in HTML vorgenommen, die dann im CSS gestaltet werden.
Diese Trennung von Struktur und Layout entspricht nicht nur einer sauberen Arbeitsweise. Sie erleichtert auch die Anpassung des Inhalts an beliebige assistive Technologien. Online-Redakteur:Innen sollte deshalb nicht ermöglicht werden, die genannten HTML-Tags zu verwenden, sondern mit strong bzw. mit CSS-Klassen zu arbeiten.

Schriften

Im wesentlichen werden Schriften nach zwei Familien unterschieden: die Serifenschriften haben Verzierungen an den Buchstaben. Serifenfreie Schriften haben keine solchen Verzierungen und wirken dadurch klarer, aber oft auch langweiliger. Daneben gibt es noch die Monotype-Schriftarten als spezielle Variante. Dort nimmt jeder Buchstabe die gleiche Breite ein. Bekannte Varianten sind Courier oder Lucida. Diese Schriften werden vor allem für Computer-Code oder in Konsolen-Anwendungen verwendet. Sie sind häufig für Sehbehinderte schlecht lesbar und sollten deshalb nicht für konventionellen Text verwendet werden.
Für den Druckbereich, insbesondere für Belletristik und Magazine werden Serifenschriften bevorzugt eingesetzt. Im Computerbereich und für Sachtexte werden hingegen serifenfreie Schriften bevorzugt. Das liegt auch daran, dass das Schriftbild im Druck eine höhere Auflösung als am Bildschirm hat. Die Buchstaben können also im gedruckten Bereich wesentlich leichter erkannt werden. In Zukunft wird sich dies wahrscheinlich durch bessere Darstellungs-Technik bei Ebook-Readern und selbstleuchtenden Bildschirmen ändern. Die Auflösung vieler hochpreisiger Smartphones und Tablets ist heute bereits recht hoch. Premium-ebook-Reader auf eInk-Basis erreichen bereits eine ähnliche Auflösung wie gedruckte Texte.
Für praktisch jeden denkbaren Einsatzbereich gibt es eigens entwickelte Schriften. Es gibt spezielle Schriften für Anzeigetafeln, für Straßenschilder, für tragbare Geräte und vieles mehr.
Es mag zunächst überraschend sein, aber die Lesbarkeit einer Schrift hängt weniger davon ab, welche Schriftart eingesetzt wird als davon, wie vertraut die Leserin mit einer bestimmten Schrift ist. Die Benutzer von Word arbeiten sehr häufig mit Calibri oder Arial, deswegen sind beide Schriftarten weit verbreitet und gelten als gut lesbar. Arial und Calibri zeichnen sich durch einfache Gestaltung der Zeichen-Linien aus. Dennoch wird auch die Arial kritisiert, weil zum Beispiel das große I und das kleine l sich relativ ähnlich sehen.
Ästhetik und Lesbarkeit können sich nicht nur ergänzen, sondern auch widersprechen. Viele Zeitungen setzen den Zeitungsnamen in Fraktalschrift. Sie kämen aber nicht auf die Idee, längere Texte in dieser Schrift zu setzen, weil das niemand lesen würde. Aus dem gleichen Grund werden immer seltener Texte in Schreibschrift geschrieben, wenn sie nicht gerade für persönliche Belange gedacht sind. Schreibschrift kann ästhetisch sehr ansprechend sein, weil wir aber nicht mehr daran gewöhnt sind, unterschiedliche Schreibschriften unterschiedlicher Personen zu lesen, fällt es schwer, längere Texte in Schreibschrift zu lesen.
Für die Lesbarkeit am Bildschirm sollten gängige serifenfreie Schriften verwendet werden. Serifenschriften verschlechtern häufig die Lesbarkeit, sie sind bei gleicher Punkt-Größe kleiner als serifenfreie Schriften. Die Times New Roman nimmt bei gleichem Schriftgrad rund zehn Prozent weniger Platz ein als die Arial. Entscheidet man sich dennoch für eine Serifenschrift, sollte ein etwas höherer Schriftgrad gewählt werden als man ihn für eine serifenfreie Schrift nehmen würde.
Als schlecht lesbar können Schriften gelten, deren Zeichen:

  • sehr dünne Buchstabenlinien haben wie die Times New Roman
  • viele Verzierungen haben
  • die Buchstabenlinien ihre Stärke innerhalb eines Zeichens verändern, häufig erkennbar am M oder W
  • die Buchstaben sehr breit oder schmal sind

Als Referenz-Rahmen können gängige Schriften wie Source Sans, Helvetica oder arial gelten.
Generell sollte es der Leser:In überlassen bleiben, den Text an Ihre Bedürfnisse anzupassen. Man wird es nie allen Leser:Innen recht machen können.

Gibt es die barrierefreie Schrift?

Die Antwort auf die Frage nach einer barrierefreien Schrift ist ein klares Jein. Vergleicht man einige Schriften wie etwa Arial oder Times New Roman ist klar, das Arial unter gleichen Bedingungen besser lesbar ist.
Aber die Umstände sind eben nicht gleich: Schriftfarbe, Größe, Hintergrund und Schriftstellung können unterschiedlich sein. Es kann dann nicht gesagt werden, dass Schrift A unter allen Umständen besser ist als Schrift B.
Es gibt Schriftarten, die für bestimmte Zielgruppen wie Personen mit Dyslexie oder Sehbehinderung optimiert wurden. Das heißt aber nicht, dass diese Schriften auch für Personen ohne Dyslexie oder Sehbehinderung gut oder angenehm zu lesen sind.
Als spezielle Schriftarten für lese-behinderte Personen werden unter anderem die Open Dyslectic, die Atkinson Hyperlegible und Semikolon Plus. als besonders lesbar empfohlen. Da spezielle Schriftarten teils recht teuer sind, empfehlen wir, auf gängige Schriftarten wie Source Sans, Arial oder Calibri bzw. auf Schriften zu setzen, die diesen recht ähnlich sind. Wie oben gesagt kommt es nicht so sehr auf die eingesetzte Schrift an, sondern auf die Lese-Erfahrung mit der Schriftart. Schauen Sie auch gerne nach, ob für eine spezielle Schrift tatsächlich auch wissenschaftliche Nachweise zu deren Qualität vorliegen. Es ist zum Beispiel sehr schwierig, eine gut lesbare Schrift für zwei Personen mit unterschiedlichen Sehbehinderungen zu finden. Für die eine Sehbehinderung kann Schriftart X gut lesbar sein, für die Andere kann diese Schrift schlecht lesbar sein.
Auch wenn die Arial einige Schwächen hat, ist sie meines Erachtens nach wie vor der Referenz-Rahmen für barrierefreie Schriften. Weicht eine Schrift stark von der Arial ab, ist sie wahrscheinlich für viele Leute schlecht lesbar. An dieser Stelle müssen wir es den Leser:Innen überlassen, in ihren Lese-Werkzeugen diese speziellen Schriften einzubauen, wenn sie davon profitieren. Die ultimative barrierefreie Schriftart per se kann es nicht geben, weil dafür die Bedarfe der einzelnen Gruppen zu unterschiedlich sind.
Auch andere Schriftarten, die sich als barrierefrei oder inklusiv bezeichnen können nicht jede Person überzeugen. Sie mögen in speziellen Kontexten sinnvoll sein, am Ende muss eine Schriftart aber für die Allgemeinheit funktionieren, wenn sich das Schriftstück an die Allgemeinheit wendet.
Gerade bei Webseiten spielt die eingesetzte Schriftart für die Barrierefreiheit eine untergeordnete Rolle. Durch Lese-Werkzeuge kann diese Schriftart ersetzt werden. Im gedruckten Bereich sowie bei PDF ist das schwieriger. Deshalb sollte auch hier eine möglichst gut lesbare Schrift verwendet werden. Ich tendiere wie oben gesagt eher zu den Mainstream-Schriftarten und weniger zu angeblich barrierefreien oder inklusiven Schriften.

Die barrierefreie Schriftgröße

Als Mindest-Schriftgröße liest man in verschiedenen Ratgebern zu User Experience 16 Pixel = 12 pt für Fließtext. Webdesignerinnen arbeiten heute in der Regel nicht mehr mit Pixeln, sondern mit relativen Größen wie em oder rem. Auf der gerenderten Website kann man dann überprüfen, wie viele Pixel es am Ende sind.
Generell ist allerdings wichtig, dass Text gesehen wird, er sollte also bei der kleinsten Schriftgröße noch gut zu erkennen sein. Weiterhin wichtig ist, dass die Schrift sich lesen lässt, ohne dass sich Elemente überlagern.
Word hat aktuell 11 pt als minimale Schriftgröße für Fließtext. Meines Erachtens ist das auch die Untergrenze, Kleingedrucktes sollte nicht kleiner als 10 pt sein, so meine persönliche Empfehlung. Das gilt natürlich für serifenfreie Schriften mit klaren Linien wie Calibri oder Arial. Wie oben gesagt: Je komplexer die Schriftgestaltung, desto höher der minimale Schriftgrad.
Als Faustregel, auch dafür gibt es keine feste Regel, würde ich eine maximale Schriftgröße von 20 pt empfehlen. Wir hätten damit eine Spannweite von 100 Prozent Unterschied zwischen der kleinsten und der größten Schriftgröße.
Abraten möchten wir von den aktuell häufig zu sehenden riesigen Überschriften. Manche Webseiten haben riesige Überschriften und sehr kleinen Fließtext. Für Sehbehinderte ist das sehr anstrengend, da sie die Vergrößerung ständig anpassen müssen.

Textfluss

Der Text sollte immer linksbündig und im Flattersatz gesetzt werden. Der Blocksatz hat sich nur für mehrspaltige Texte bewährt, hinterlässt aber bei
fehlender Silbentrennung unschöne Lücken im Text. Schwerer wiegt, dass im Flattersatz die unterschiedlichen Zeilenlängen dem Auge zusätzliche Orientierungspunkte bieten. Der Blocksatz sieht zu gleichmäßig aus und erschwert damit die Orientierung. Das ist vor allem relevant, wenn man eine breite Textspalte hat. Bei schmalen Spalten verliert man weniger schnell die Orientierung.
Durch den linksbündigen Text wird für Sehbehinderte die Orientierung erleichtert, weil auf der linken Seite eine imaginäre Linie entsteht. Hat man einen zentrierten Text und benutzt eine Bildschirmvergrößerung, hat man Probleme, den Beginn der Zeile zu finden.
Gerade bei großen Displays oder starker Vergrößerung und schmalen Spalten kann es bei Zentrierungschnell dazu kommen, dass zentrierte Inhalte schnell übersehen werden.
Die manuelle Silbentrennung ist im Internet nicht sinnvoll, weil sie das Überfliegen des Textes erschwert. Für langsame Leser und Nutzer von Sprachausgaben ergibt sich das Problem, dass lange Wörter schwerer zu lesen sind. Der Leser muss sich den Anfang des Wortes merken, zum Anfang der nächsten Zeile springen, das Wort wieder zusammensetzen und wiederum im Gesamtkontext des Satzes setzen. Der geringe Vorteil der Silbentrennung besteht darin, dass die Lücken im Blocksatz vermieden werden, aber den wollen wir – wie gesagt – ohnehin vermeiden.
Empfohlen wird eine Zeilenlänge von maximal 80 Zeichen. Der Text sollte nicht den gesamten Bildschirm einnehmen und die Zeilen sollten nicht zu lang werden. Je länger die Zeilen sind, desto schwieriger ist es für das Auge, den Beginn der nächsten Zeile zu finden. Bei zu kurzen Zeilen hingegen muss das Auge zu oft hin und her bewegt werden.

Schriftgrad

Für die Schriftgrößen sind Standardgrößen zu wählen. Für Menschen mit verringertem Gesichtsfeld zum Beispiel wären zu große Schriftgrößen schlecht lesbar. Früher wurde von den Webseiten eine Funktion zur Vergrößerung von Text erwartet, mittlerweile beherrschen aber alle gängigen Browser die Textvergrößerung. Im responsiven Webdesign werden heute Schriftgrößen nicht absolut, sondern relativ festgelegt. Dadurch und durch responsive Gestaltung der Website ist ein hoher Zoom für Text in der Regel kein Problem mehr.
Starke Änderungen der Schriftgrade innerhalb eines Dokuments sind zu vermeiden. Sehbehinderte sind nicht immer in der Lage, das Auge schnell an Änderungen zu adaptieren. Sie müssen ständig den Zoom-Grad neu einstellen.

Sonderformatierung und Hervorhebungen

Mit Sonderformatierungen ist immer sparsam umzugehen. Kursiv-Stellung, Versalien (GROSSBUCHSTABEN), Unterstreichung und Schmuckschriftarten verschlechtern in jedem Fall die Lesbarkeit. Ganze Absätze in solchen Formatierungen führen wirken ermüdend. Vielen Sehbehinderten und allen Blinden entgehen Hervorhebungen durch gefetteten Text.
Hervorhebungen und Text-Formatierungen sollten möglichst technisch ausgezeichnet werden, in HTML geht das über strong oder em. Spezielle Formatierungen wie Wörter in Großbuchstaben sollten mit CSS formatiert werden.

Schrift-Grafiken

Ebenfalls zu vermeiden sind Schriftgrafiken, also längerer Text, der in ein Bild eingebettet ist. Solche Texte werden bei Vergrößerung unscharf, sie sind außerdem für Blinde gar nicht lesbar und werden außerdem oft bei großen Bildschirmen verzerrt, auf kleinen Displays sind sie hingegen gar nicht lesbar, weil die Grafiken zu klein dargestellt werden.
Müssen Sie aus irgendeinem Grund Schrift-Grafiken verwenden, sollten Sie auf Vektorgrafik-Formate wie SVG setzen. Bei Rasterformaten wie JPG, PNG oder WEBP entsteht das oben genannte Problem der Pixeligkeit bei Vergrößerung.

Abstände

Die Abstände für Buchstaben, Wörter, Zeilen und Absätze sollten dem Standard entsprechen. Zu enge Buchstaben etwa als graphischer Effekt verschlechtern die Lesbarkeit ebenso wie zu weit gesetzte Buchstaben.
Absätze sollten nicht zu lang werden. Lange Absätze verraten oft, dass sich der Schreiber keine Gedanken zu einer sauberen Gliederung gemacht hat. Mehr als drei oder vier mittellange Sätze sollte ein Absatz nicht umfassen.
Das selbe gilt dann auch für Textabschnitte. Lange Texte sollten durch Zwischenüberschriften angeteasert oder zusammengefasst werden.
Konkrete Vorgaben gibt es in der WCAG 2.1 unter 1.4.4 Resize text (AA). Text soll ohne assistive Technologien und Informations-Verlust auf 200 Prozent vergrößerbar sein.
Harte Vorgaben für Textabstände gibt es in der WCAG 2.1 unter 1.4.8 Visual Presentation. Diese Anforderung muss aber nur auf der höchsten Stufe der Barrierefreiheit erfüllt werden.

Farben

Jede andere Kombination als Schwarz auf Weiß verschlechtert den Kontrast. Es mag Leute geben, für die andere Kombinationen besser sind. Tatsächlich ist es aber eher schwierig für den Textgestalter, für alle individuellen Sehschwächen sinnvolle Farbkombinationen bereit zu stellen. Hier ist der Nutzer gefragt, der sich seine bevorzugten Farben auf seinem Computer einstellen kann. Der Gestalter sollte sich vor allem darum kümmern, dass Anpassungen der Farben nicht dazu führen, dass der Text unlesbar wird, etwa wegen eines Hintergrundbildes. Bei Fließtext sollten generell Hintergrundbilder oder Farbeffekte wie Farbverläufe vermieden werden.
In anderen Ländern gibt es tatsächlich die Tradition, keinen rein weißen Hintergrund für Präsentationen zu verwenden, weil diese Hintergründe zu stark blenden. Stattdessen wird der Hintergrund leicht abgedunkelt.

Kontraste

Für Kontraste gibt es bei digitalen Texten Mindest-Vorgaben. Das sind auf Stufe AA der WCAG 2.1 4,5:1 für normalen und 3:1 für großen Text. Ob Sie diese Kontraste erfüllen, können Sie über Kontrastrechner prüfen.

Tabellen

Befindet sich Text zu nahe an Begrenzungslinien, verschmilzt er für Sehbehinderte gerne mal mit diesen Linien und ist dadurch schlecht lesbar. Deshalb empfehlen wir auch, Unterstreichung außer bei Links nicht zu verwenden.
Innerhalb von Tabellen sollte Text ausreichend Abstand zu den Begrenzungslinien der Zelle haben. Die Standardwerte der Text-Verarbeitungen scheinen mir hierfür in Ordnung zu sein. Generell ist es empfehlenswert, wenn Zellen-Inhalte links ausgerichtet sind, Zahlen können wegen der Vergleichbarkeit auch rechtsbündig ausgerichtet werden. Insgesamt ist es empfehlelnswert, nicht zu viel „Luft“ in den Zellen zu lassen, also zu viel leeren Raum. Stattdessen sollten die Zellgrößen möglichst an den Inhalt optimiert werden.
Gerade für umfangreiche Tabellen ist das Bendern sinnvoll. Das heißt, dass Tabellen oder Spalten unterschiedlich dargestellt werden. Die erste weiß, die zweite grau, die dritte weiß, die vierte grau und so weiter. Dadurch fällt die Unterscheidung der Zeilen und deren Zuordnung zu Spalten- und Zeilen-köpfen leichter.

Empfehlungen für Druck

Für das Papier würden wir nicht strahlend weiß empfehlen, denn es reflektiert das Licht zu stark. Creme-weißes Papier ist in der Regel augenfreundlicher. Auch modernes Recyclingpapier ist in Ordnung. Von dem stark gelb-grauen Recyclingpapier würden wir eher abraten, weil es sich doch deutlich negativ auf den Kontrast auswirkt.
Sehbehinderte arbeiten häufig mit Kamerasystemen, sogenannten Bildschirm-Lesegeräten oder analogen bzw. elektronischen Lupen. Für die Vergrößerbarkeit ist es von Vorteil, wenn gedruckte Unterlagen flach aufliegen. Dicke Bücher haben eine starke Wölbung, gerade an den Bindungen wird durch die Beleuchtung ein Schatten geworfen. Außerdem wird die Bindung beschädigt, wenn Bücher zu stark oder andauernd flach gedrückt werden. Manche Bücher wie günstige Taschenbücher sind für diesen Zweck gar nicht geeignet.
Ansonsten gelten die oben gemachten Empfehlungen.

Augenbewegungen und kognitiven Load reduzieren

Verzichten Sie auf „Kleingedrucktes“ und Fußnoten in winziger Schrift. Fußnoten sind für Sehbehinderte oder andere Lesebehinderte stets schwierig, da sie Probleme haben, sich schnell innerhalb des Textes zu bewegen. Das Kleingedruckte sollte in der Größe nicht zu stark abweichen, da Schrift bei starker elektronischer Vergrößerung wie bei Lesegeräten schnell unscharf wird. Ständige Änderung der Schriftgröße zwingt das Auge bzw. die Nutzer:In von Bildschirm-Lesegeräten oder Lupen zu ständiger Anpassung der Vergrößerung.

Ausrichtung nach Rastern

Mehrspaltige Inhalte sollten immer nach Rastern ausgerichtet sein. Zeitungen zum Beispiel arbeiten mit eindeutigen Rastern, dadurch ist die Orientierung auch bei großen Zeitungen einfach.
Die Raster werden durch Textspalten und Weißraum bzw. durch farbige Flächen oder Linien gebildet. Bilder, Teaser und Überschriften können mehrere Spalten umfassen.
Der Vorteil ist, dass für stark Sehbehinderte oder Lese-Unerfahrene die Orientierung einfacher wird. Man weiß, dass links bzw. rechts eines bestimmten Elements nichts mehrkommt, weil das element an dieser Stelle abschließt. Bei starker Vergrößerung ist das wichtig. Wenn man hingegen weiß, dass eigentlich etwas kommen müsste, man aber nichts sieht, etwa weil es zentriert ist, kann man gezielt danach suchen.

Digitale Alternative zum gedruckten Text

stellen Sie eine elektronische Version des Print-Mediums bereit. Viele behinderte Personen nutzen ebook-Reader oder assistive Technologien und können sich elektronische Dokumente besser zugänglich machen als Drucksachen.
Meines Erachtens sind HTML und XML-basierte Formate wie ePub besser für Barrierefreiheit geeignet als starre Formate wie PDF. Zwar haben sich Lese-Programme in den letzten Jahren weiterentwickelt. Aber Anpassungen wie Reflow von Inhalten oder visuelle Umgestaltung wie Anpassung der Kontraste, der Schrift oder des Zooms sind mit PDF nur schwer umsetzbar. HTML-Inhalte sind vorzuziehen, da praktisch jedes Anzeigegerät Webseiten anzeigen kann. PDF wird meistens für den Druck und nicht für die Lektüre am Bildschirm optimiert, das ist die Achilles-Ferse dieses Formats.

Lektüreempfehlungen

Netz-barrierefrei verfolgt einen universellen Ansatz. Deshalb verlinken wir möglichst nur Artikel, die auf unterschiedliche Behinderungen/Störungen eingehen. Ausnahme ist die Leichte Sprache, weil dort spezielle Anforderungen gelten.

Wenn Du es nicht machst, macht es keiner