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Spielerisch zur Barrierefreiheit – ein Interview mit Olivia Richter


In diesem Interview spreche ich mit Olivia Richter über den spielerischen Zugang zur digitalen Barrierefreiheit. Olivia hat eine Reihe von Spielen entwickelt, die über ihre Website auffindbar sind. Das Transkript wurde mit KI optimiert, alle Fehler und Ungenauigkeiten gehen auf mein Konto.
Domingos: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts zur digitalen Barrierefreiheit. Heute habe ich wieder einen spannenden Gast dabei: Olivia Richter. Olivia entwickelt unter anderem barrierefreie Webseiten – aber dazu erzählst du gleich am besten selbst mehr. Erst einmal vielen Dank, Olivia, dass du dir die Zeit für diesen Podcast nimmst.
Olivia: Ja, vielen Dank für die Einladung, Domingos. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, hier zu sein.

Olivias Arbeit

Domingos: Sehr gerne! Stell dich doch unseren Zuhörenden einmal vor: Was ist dein Hintergrund und wie kamst du zum Thema Webentwicklung?
Olivia: Gerne. Ich bin Olivia und erstelle Webseiten mit WordPress für Selbstständige sowie kleine und mittelständische Unternehmen. Und dann habe ich noch meine „Side Quests“: Das sind die Spiele, um die es heute ja auch ein bisschen gehen wird.
Wie ich zum Webdesign gekommen bin? Ich trage zwei Seiten in mir: zum einen einen künstlerischen Aspekt, der immer mal wieder durchkommt, und zum anderen eine sehr technische Seite. Die Erstellung von Webseiten kombiniert beides einfach wunderbar, weshalb ich mich für diesen Weg entschieden habe.
Domingos: Was mich dabei interessiert: Hast du dir das Design und die Entwicklung selbst angeeignet, einen Kurs belegt oder hast du das Fach studiert?
Olivia: Ich bin tatsächlich Autodidaktin. Ich bringe mir alles im Sinne von „Learning by Doing“ selbst bei. Meiner Meinung nach lernt man so am besten: Man macht es einfach, stößt auf Probleme, sucht nach Lösungen und entwickelt sich so Schritt für Schritt weiter.
Domingos: Definitiv. Und wie bist du dann speziell zum Thema digitale Barrierefreiheit gekommen?
Olivia: Inklusion und soziale Gerechtigkeit sind mir im Allgemeinen sehr wichtig; ich hatte auch schon immer Menschen mit Behinderungen in meinem Umfeld. Als ich mit dem Webdesign anfing, war für mich sofort klar, dass ich auch im digitalen Raum niemanden ausschließen möchte. Barrierefreiheit war für mich also von Anfang an ein gesetztes Thema. Ich habe mich dann nach und nach immer tiefer eingelesen, viel ausprobiert und dazugelernt. Und so bin ich schließlich hier gelandet.
Domingos: Verstehe. Aber du bedienst beide Seiten, richtig? Also auch Kunden, die nicht explizit mit dem Wunsch nach digitaler Barrierefreiheit zu dir kommen?
Olivia: Tatsächlich kommen ab und zu Leute auf mich zu, die einfach „nur eine Website“ wollen. Denen sage ich dann direkt: Bei mir gibt es ausschließlich barrierefreie Webseiten. Meistens ist die Reaktion: „Ach ja, daran habe ich noch gar nicht gedacht, aber stimmt, das ist eigentlich echt wichtig.“ Bei mir gibt es schlichtweg nichts anderes – Barrieren kann man bei mir quasi nicht kaufen.
Domingos: Genau, du bietest in diesem Bereich ja eine ganze Reihe an Dienstleistungen an, die über das reine Webdesign hinausgehen. Vielleicht kannst du das einmal konkret umreißen?
Olivia: Meine Hauptdienstleistung ist nach wie vor die Erstellung von Webseiten. Ich arbeite mit WordPress und nutze den Bricks Builder, weil ich damit die besten Anpassungsmöglichkeiten habe. Darüber hinaus biete ich Vorträge, Beratung und Workshops an.
Ein aktuelles Beispiel – wenn ich hier kurz Eigenwerbung machen darf: Beim Accessibility Club Summit leite ich gemeinsam mit Leonie Theißen und Falko Melz den Workshop „Ready to Level Up: Design your own Accessibility Game“. Ziel ist es, an einem Tag einen eigenen Prototyp für ein Spiel zum Thema digitale Barrierefreiheit zu entwickeln. Da kombinieren wir also das Spielerische direkt mit dem Workshop-Format.
Domingos: Das ist die Veranstaltung des Accessibility Clubs in Würzburg, korrekt?
Olivia: Ganz genau, das findet im Mai statt, am 9. und 10. Mai.
Domingos: Du hast es gerade schon kurz angedeutet: Wer genau ist deine Hauptzielgruppe? Sind das eher Einzelpersonen sowie kleine und mittelständische Unternehmen oder gibt es da noch weitere Gruppen?
Olivia: Ja, das ist im Prinzip die Hauptzielgruppe: Selbstständige, oft auch Gründerinnen und Gründer, die gerade erst starten. Manchmal sind es aber auch schon etablierte kleine Unternehmen. Das ist der Kernbereich, den ich bediene.
Domingos: Es ist wirklich interessant, dass deine Kunden so offen für das Thema Barrierefreiheit sind. Ich habe da früher ehrlich gesagt eher gegenteilige Erfahrungen gemacht.
Olivia: Das kann ich nachvollziehen. Wie gesagt, manche kommen zu mir und wollen einfach nur „eine Webseite“. Wenn ich ihnen dann erkläre, warum Barrierefreiheit wichtig ist, bemerken sie das oft zum ersten Mal. Die meisten sind dann aber sehr aufgeschlossen. Preislich unterscheide ich mich kaum von Mitbewerbern, die Webseiten mit Barrieren anbieten. Und wenn man ohnehin eine Webseite erstellen lässt, sollte man sie direkt von Anfang an barrierefrei planen. Das ist wesentlich effizienter und erspart einem später eine Menge Probleme.

Spierlerisch zur Barrierefreiheit

Domingos: Auf jeden Fall. Dann lass uns mal über die Spiele sprechen, die du entwickelt hast. Ich vermute, dabei geht es hauptsächlich um die Sensibilisierung in Vorträgen und Workshops? Vielleicht kannst du selbst einmal ausführen, was du da genau entwickelt hast und was deine Intention dahinter war.
Olivia: Ja, sehr gerne. Den Anfang habe ich mit dem Spiel „Barrierien“ gemacht. Das ist ein Mini-Escape-Game, bei dem assistive Technologien und Standard-Technologien die Rollen tauschen. Mein Ansatz war hier, Barrieren zu simulieren, statt – wie man es sonst oft kennt – Behinderungen.
Ein klassisches Beispiel aus der Realität: Auf vielen Webseiten funktioniert mit der Maus alles wunderbar, aber bestimmte Elemente lassen sich nicht mit der Tastatur bedienen. In meinem Spiel habe ich den Spieß umgedreht: Man kann einen bestimmten Button mit der Maus einfach nicht klicken, egal was man versucht. Mit der Tastatur funktioniert es hingegen sofort.
Das Ziel war es, Menschen ohne Behinderung bewusst zu machen, wie nervig Barrieren sind. Im Spiel sind sie natürlich überwindbar, damit man weiterkommt, aber in der Realität ist das leider nicht immer der Fall. Um das Rätsel zu lösen, muss man verschiedene assistive Technologien nutzen – ich will aber nicht zu viel spoilern. Technisch gesehen ist das Spiel selbst natürlich nicht vollkommen barrierefrei, aber man kann es trotzdem mit einem Screenreader, per Tastatur oder mit einer Hörbehinderung spielen. Wer ohnehin die Tastatur nutzt, wird sich bei manchen Rätseln vielleicht fragen, wo die Schwierigkeit lag, während andere Stellen kniffliger sind. Aber alles ist lösbar.
Als nächstes Projekt habe ich letztes Jahr einen Adventskalender erstellt. Man hört ja immer wieder, dass automatisierte Tools nicht alle Barrieren auf einer Webseite finden. Um das in der Praxis zu beweisen, habe ich eine Seite gebaut, die beim „axe DevTools“-Check null Fehler anzeigt. Dennoch stecken Unmengen an Barrieren darin. Jeden Tag habe ich im Adventskalender mindestens eine davon vorgestellt – insgesamt waren es sogar mehr als 24. Damit wollte ich zeigen: Verlasst euch nicht blind auf Automatisierung; sie findet längst nicht alles.
Und wie vorhin schon erwähnt, arbeite ich aktuell mit Leonie und Falko an einem neuen, storybasierten Spiel. Wir befinden uns gerade in der Testphase, es ist also noch nicht öffentlich. Sobald es so weit ist, werde ich das aber natürlich posten und zeigen.
Domingos: Sehr cool! Wie setzt du diese Spiele konkret in deiner täglichen Arbeit ein?
Olivia: Das Spiel „Barrierien“ habe ich zum Beispiel bei verschiedenen Vorträgen vorgestellt, unter anderem letztes Jahr beim Accessibility Club Summit und beim WordPress Accessibility Day. Dort bin ich auch tiefer auf die theoretischen Hintergründe eingegangen – etwa auf das Konzept, Barrieren zu simulieren, statt Behinderungen nachzustellen.
Auch bei Formaten wie dem „Plätzchen-Talk“ stelle ich solche Spiele vor. Generell sammle ich Spiele, die sich mit digitaler Barrierefreiheit und Inklusion befassen, da ich das Thema selbst extrem spannend finde und auch privat gerne spiele. Falls also jemand Tipps oder Empfehlungen hat, bin ich immer sehr offen dafür! Ich liste diese Fundstücke auch auf meiner Webseite auf, damit sie jeder ausprobieren kann.
Dabei möchte ich aber noch einmal einen wichtigen Unterschied betonen: Es ist ein großer Unterschied, ob ein Spiel das Thema Barrierefreiheit behandelt oder ob es selbst technisch barrierefrei programmiert ist. Da gab es in der Vergangenheit schon mal Verwechslungen. Mein Fokus liegt aktuell besonders auf Spielen, die das Thema aktiv vermitteln.
Domingos: Mhm, ja, das ist ein klarer Unterschied.
Olivia: Genau. Was die weitere Nutzung angeht: Zum Adventskalender habe ich im Nachhinein eine Nachricht von einer Hochschuldozentin erhalten. Sie möchte das Projekt im kommenden Semester nutzen, um ihren Studierenden praxisnah zu zeigen, dass automatisierte Tools eben nicht alle Fehler finden können. Solches Feedback freut mich natürlich riesig!
Domingos: Wo siehst du den speziellen Vorteil von Spielen gegenüber „klassischen“ Sensibilisierungsmethoden? Und welche Reaktionen hast du bisher von den Teilnehmenden erhalten?
Olivia: Der offensichtlichste Punkt ist: Spiele machen Spaß. Man kann Menschen viel einfacher für ein Thema begeistern, wenn sie es spielerisch entdecken können. Was Spiele zudem extrem gut können, ist, Fehler zu normalisieren oder zu entschärfen. Im echten Leben führt ein Fehler oft direkt zu Problemen. In einem Spiel hingegen ist es völlig in Ordnung, etwas nicht sofort zu schaffen. Man sieht das Scheitern als Normalität an, probiert es einfach noch einmal und testet sich weiter voran. Das nimmt die Angst vor dem Scheitern und macht den Einstieg in das Thema viel leichter. Ich persönlich spiele einfach wahnsinnig gerne und finde diesen Zugang daher ideal.
Was die Reaktionen auf mein Spiel „Baccherien“ angeht: Dort muss man unter anderem einen Screenreader verwenden. Die häufigste Reaktion war: „Oh mein Gott, dieser Screenreader ist so nervig, der redet ja ununterbrochen!“ Natürlich muss man die Bedienung eines Screenreaders erst einmal üben; das lernt man nicht von jetzt auf gleich. Aber der Lerneffekt am Ende ist: Barrieren stören massiv, und wir sollten sie vermeiden.
In diesem speziellen Spiel wird man bewusst ins kalte Wasser geworfen und erhält keine Anleitung. Deshalb entwickeln wir gerade das neue Spiel mit Leonie und Falco – dort gibt es etwas mehr Führung, damit der Einstieg nicht ganz so abrupt ist.
Eine besonders interessante Reaktion kam von einer Person, die gar nicht in der IT arbeitet: In einem Level muss man die Zoom-Funktion des Browsers nutzen. Sie wusste vorher gar nicht, dass man Webseiten per Tastatur vergrößern kann. Jetzt nutzt sie diese Funktion ständig in ihrem Alltag, weil sie ihr hilft. Das war zwar nicht die beabsichtigte Hauptbotschaft des Spiels, aber es ist schön zu sehen, dass die Leute auch ganz praktischen Nutzen für sich selbst daraus ziehen. Man lernt eben auch viele kleine Dinge. Für Profis ist vielleicht nicht viel technisches Neuland dabei, aber für Anfänger ist es ein spannender Einstieg, um einmal alles selbst durchzuspielen.
Domingos: Siehst du auch den Vorteil darin, dass sich Menschen bei Spielen weniger „belehrt“ fühlen? Meiner Erfahrung nach fühlen sich Leute oft von oben herab behandelt, wenn man ihnen etwas über Barrierefreiheit erklärt. Hilft die spielerische Herangehensweise, diese Barriere im Kopf abzubauen?
Olivia: Das würde ich absolut so unterschreiben. Zumindest hat mir gegenüber noch nie jemand geäußert, sich durch ein Spiel belehrt gefühlt zu haben. Man nähert sich dem Thema lockerer und leichter. Natürlich muss man aufpassen, dass die Ernsthaftigkeit des Themas nicht untergeht – da gilt es, die richtige Balance zu finden. Aber solange man das im Blick behält, ist es ein idealer Türöffner. Es ist oft hürdenloser, einfach mal ein Spiel auszuprobieren, als sich direkt in einen Workshop zu setzen oder einen Vortrag anzuhören.

Olivias Kanäle

Domingos: Auf jeden Fall. Vielen Dank für diesen Einblick! Zum Abschluss: Wo kann man dir am besten folgen?
Olivia: Am besten findet man mich auf LinkedIn unter Olivia Richter oder über meine Webseite ideenquelle webdesign.de. Dort gibt es Verlinkungen zu all meinen Projekten, den Spielen und auch eine Liste mit externen Spielen für alle, die selbst einmal stöbern möchten. Da ist für die Zukunft noch einiges geplant!
Domingos: Perfekt, die Links packe ich wie immer in die Shownotes. Vielen Dank für das spannende Gespräch, Olivia. Wir sind sehr gespannt, was du als Nächstes entwickelst, und ich drücke dir die Daumen für deine weiteren Projekte!
Olivia: Vielen Dank! Es hat mich sehr gefreut, hier zu sein und über meine Arbeit sprechen zu können.