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Virtueller Stammtisch zur digitalen Barrierefreiheit

Anstoßende stilisierte BierkrügeHeute lade ich zum nächsten virtuellen Stammtisch digitale Barrierefreiheit ein. Er findet am Mittwoch, 02.09.2020 von 18 bis 20 Uhr auf Zoom statt.

Darum gehts

Beim Stammtisch habt ihr die Gelegenheit, über digitale Barrierefreiheit zu sprechen. Ihr könnt etwa erzählen, an welchen Projekten ihr gerade arbeitet oder über eure offenen Fragen diskutieren.
Jede teilnehmende Person soll die Möglichkeit haben, sich zu äußern. Es wird also keine 1:1-Beratung oder Ähnliches geben. Breakout-Rooms sind nicht vorgesehen.
Ganz ohne Regeln geht es nicht. Deshalb haben wir folgende Bitten an alle Teilnehmenden:

  1. einander ausreden lassen
  2. keine Monologe oder Eigen-Werbung
  3. alte Hasen und Newbies sind willkommen, deshalb wo möglich auf Fach-Termini, Fachdiskussionen und Jargon verzichten
  4. Audio ist Minimum: Niemand muss seine Webcam freischalten, wenn er/sie das nicht möchte, eine reine Kommunikation per Text-Chat ist aber nicht möglich.

Der virtuelle Stammtisch ist ein Experiment und wird wenn erfolgreich regelmäßig organisiert.

Zoom und Datenschutz

Ich habe mich der Einfachheit halber für Zoom als Basis entschieden. Wer Zoom aus Gründen bedenklich findet, sollte von einer Teilnahme absehen.

Anmeldung

Bitte meldet euch an, indem ihr hier mit eurer korrekten E-Mail-Adresse kommentiert. Die Kommentare werden nicht publiziert und nach dem Stammtisch gelöscht. Die Mails werden lediglich zur Versendung des Zoom-Links verwendet und nicht weitergegeben. Eine Abmeldung ist nicht notwendig, wer nicht kommt, kommt halt nicht. Eine Weitergabe des Zoom-Links an Dritte ist untersagt. Verdächtige E-Mail-Adressen erhalten keinen Einladungs_-Link.
Der Zoom-Link wird kurz vor dem Meeting versendet.

Warum die Wirtschaft von Barrierefreiheit profitiert

einkaufswagenDer European Accessibility Act verpflichtet Teile der Privatwirtschaft zur Barrierefreiheit, darunter Banken, Buchverlage und Online-Shops. Ob die schon von ihrem Glück wissen?
Da unsere Wirtschaft von kurzfristigem Denken geprägt ist, sehen sie die Vorteile der Barrierefreiheit für sich nicht. Gerade deswegen sind Verpflichtungen sinnvoller als Freiwilligkeit. Das möchte ich in diesem Beitrag näher ausführen.

Das Kosten-Dilemma

Im Grunde würde der Staat der Privatwirtschaft einen Gefallen tun, wenn er sie zur Barrierefreiheit verpflichtet. Ich muss zur Erklärung ein wenig ausholen.
Barrierefreiheit ist natürlich ein Kostenfaktor – das lässt sich nicht leugnen. Die bestehende Infrastruktur muss umgebaut werden. Die Kosten sind teils recht hoch, vor allem, wenn es um Umbaumaßnahmen geht. Es gibt aber keine Verpflichtung, Einzelne müssten also vorpreschen und es umsetzen. Die Kosten dafür müssen auf die Produkte umgelegt werden, anders geht es ja in der Wirtschaft nicht. Wenn ich aber anfange und meine Konkurrenten nicht nachziehen, werden meine Produkte teurer. Die kostenbewussten Käufer gehen aber dorthin, wo die Produkte am billigsten sind. Diesbezüglich brauchen wir uns nichts vorzumachen, Barrierefreiheit ist real genau so wenig ein Attraktor wie Bio.
Wenn aber alle Barrierefreiheit umsetzen müssen, relativiert sich das Ganze. Alle Produkte werden ein wenig teurer, aber der nicht-barrierefreie Konkurrent hat keinen Kostenvorteil. Erforderlich sind dafür aber einheitliche Standards.
Klar ist aber auch: Ohne eine kräftige Förderung wird es nicht gehen. Kleinbetriebe wie Arztpraxen können die Kosten eines barrierefreien Umbaus kaum stämmen. Wenn es aber nur eine oder gar keine barrierefreie Arztpraxis gibt, schränkt das die Wahlfreiheit von gehbehinderten Menschen ein. Wobei Arztpraxis durch einen beliebigen anderen Begriff wie Arbeitsplatz, Apotheke oder Restaurant ersetzt werden kann. Und Gehbehinderte sind das anschaulichste Beispiel, wir können jede andere Behindertengruppe nehmen.

Der Vorteil für die Anbieter

Längerfristig betrachtet haben die Anbieter Vorteile, die auf Barrierefreiheit setzen. Der demografische Wandel ist oft thematisiert worden, aber die Folgen scheinen den Beteiligten nicht klar. Ein Großteil der Bevölkerung kommt in ein Alter, wo sie Einschränkungen in der Beweglichkeit, in den Sinneswahrnehmungen und in der kognitiven Verarbeitungsfähigkeit haben werden. Die Schwelle, wo das zu leichten Einschränkungen führt beginnt weit vor dem, was amtlich als Behinderung anerkannt wird. Diese Menschen werden Probleme haben, Produktbeschriftungen, Speisekarten oder Bedienungsanleitungen zu lesen. Die Beipackzettel von Medikamenten sahen ja schon immer so aus, als ob sie für die Lektüre durch Ameisen ausgelegt waren, irgedwann wird sie keiner mehr ohne Lupe lesen können.
Heißt konkret, auch wenn man keinen Rollstuhl oder Rollator braucht, wird man Probleme haben, eine Treppe hochzukommen. Im Zweifelsfall wird man also das Café vorziehen, wo man keine Treppe steigen muss und die Speisekarte ohne 200 Prozent Zoom lesen kann. Das gilt im übrigen auch, wenn man ansonsten noch relativ fit ist und längere treppenfreie Strecken problemlos laufen könnte.
Übrigens sind das – bei aller berechtigten Kritik an der Altersarmut – die Personen, die mehr Geld und mehr Freizeit haben als die hippen Jugendlichen und jungen Familien, die als bevorzugte Zielgruppe gelten. Teile der Tourismusbranche haben das zumindest schon erkannt.
Die Wirtschaft spürt das sicherlich auch schon, sie sind ja nicht dumm. Doch dürfte hier das Kostendilemma durchschlagen, das ich oben beschrieben habe. Leider taugen Apple und Co. hier nicht als Beispiel. Sie spielen gewinn- und umsatzmäßig in der höchsten Liga.

Barrierefreiheit spart auf lange Sicht Geld

Der Wohnungsmarkt ist für gehbehinderte Menschen eine Katastrophe. Rollstuhlgeeignete Wohnungen müssen häufig bundesweit gesucht werden. Der Umbau einer bestehenden Wohnung ist wenn überhaupt möglich für eine Privatperson mit durchschnittlichem Einkommen kaum zu stämmen. Denken wir an Rollatoren, wird der Bedarf in den nächsten Jahren stark steigen. Wohnungen, die jetzt nicht barrierefrei sind müssen teuer nachgerüstet werden.
Krankenkassen und andere Träger stöhnen schon heute über die Kosten, die sie für Reha und Hilfsmittel übernehmen müssen. Wie wird das aber aussehen, wenn ein Viertel der Bevölkerung darauf angewiesen ist?
Anderes Beispiel: Es ist nicht recht nachvollziehbar, warum die neuen ICEs nicht mit schwellenlosen Zugängen oder integrierten Rampen versehen sind. Die Mobilitätszentrale ist zweifellos bemüht, doch schränkt sie am Ende des Tages die Wahlfreiheit und Flexibilität gehbehinderter Menschen auf eine Weise ein, die nicht tolerierbar ist.
Ich könnte auf diese Weise noch viele Beispiele aneinander reihen. Die Kosten durch mangelnde Barrierefreiheit sind enorm, nur dass sie heute im Wesentlichen nicht durch die Firmen, sondern durch den Staat und die Sozialversicherungen, also durch uns alle getragen werden. Wie ich oben gezeigt habe, wird das nicht mehr lange gut gehen, deshalb sollte der Staat einheitliche Vorschriften zur Barrierefreiheit schaffen.
Barrierefreiheit strategisch umsetzen

Barrierefreie Online-Seminare – Hilfsmittel und Lösungen

Computermonitor zeigt TextverarbeitungOnline-Seminare sind nicht erst seit Corona häufig anzutreffen. Damit Webinare barrierefrei von behinderten Menschen genutzt werden können, ist jedoch einiges zu beachten.

technische Plattformen

Der erste und wichtigste Faktor ist die technische Plattform. Ist diese nicht barrierefrei, ist das Seminar für Blinde, Sehbehinderte und Tastaturnutzer nicht verwendbar.
Leider taugen die Marktführer in diesem Bereich nichts. Sowohl GoToMeeting als auch Adobe Connect sind Musterbeispiele für schlechte Barrierefreiheit. Sie sind durch Screenreader nicht bedienbar. Beide Programme haben außerdem einen miserablen Kontrast bei den Bedien-Elementen und sind daher nicht zu empfehlen. Wenn Sie möchten, dass behinderte Menschen an Ihren Webinaren teilnehmen, scheiden Adobe Connect und GoToMeeting sowie dessen Ableger wie GoToWebinar und co. aus.
Gute Alternativen in diesem Bereich sind Big Blue Button, Zoom und Microsoft Teams. Sie sind beide gut mit Tastatur und Screenreader bedienbar und das sowohl auf dem Desktop als auch auf dem Smartphone oder Tablet.

Kommunikation

Tipps zu einer barrierefreien Online-Kommunikation finden Sie in einem eigenen Beitrag.
Generell sollte eine gute Sprach-Qualität angestrebt werden. Wird der Sprecher angezeigt, sollte sich das Fenster durch den Nutzer größer ziehen lassen, so dass Gestik und Mundbild besser verfolgt werden können.
Weitere Möglichkeiten sind Gebärdensprache, Live-Captions, Live-Übersetzung in Leichte Sprache. Generell sollte natürlich der Inhalt auch so gestaltet sein, dass er möglichst verständlich ist.

Suchmaschinenoptimierung – was SEOs von der Barrierefreiheit lernen können

Suchmaschinenoptimierung ist fast so alt wie das World Wide Web. Doch gibt es viele Querverbindungen zur Barrierefreiheit. Erfahren Sie, warum SEO-Verantwortliche sich auch um die Barrierefreiheit ihrer Webprojekte kümmern sollten. In diesem Beitrag gehe ich nur auf Google ein, weil Google fast synonym mit Suchmaschine ist und die Konkurrenten ähnliche Algorithmen verwenden.

Semantik/Maschinen-Lesbarkeit

Trotz allem Gerede über Künstliche Intelligenz sind Suchmaschinen und andere Technologien nach wie vor auf maschinen-lesbare Informationen angewiesen. Google kann wie ein Screenreader einen Text-Abschnitt nicht als Überschrift oder Absatz einordnen. Überschriften sind aber für Mensch und Maschine wichtig: Es geht darum, die Relevanz eines Textes zu einem bestimmten Thema zu gewichten. Je mehr wichtige Keywords in einer Überschrift vorkommen, desto wichtiger ist der Text zum jeweiligen Thema – so meint zumindest Google. Deswegen wird Text stärker gewichtet, wenn er in den HTML-Tags für Überschriften steht als wenn er im Fließtext ist.
Maschinen-Lesbarkeit wird immer wichtiger: Je besser Daten wie Adressen, Veranstaltungstermine und ähnliches von Google erkannt werden können, desto bessere Chancen hat die Website auf ein gutes Ranking. Komischerweise redet kaum einer der SEO-Gurus über die Verwendung von semantischen Auszeichnungen, wie sie von Schema.org propagiert werden. Auch assistive Technologien (AT) würden davon profitieren, obwohl mir zugegebenermaßen noch keine AT bekannt ist, die Schema-Daten automatisch erkennen kann.
Google stellt im haus-eigenen Browser Chrome mittlerweile Bild-Beschreibungen für Bilder zur Verfügung, wenn sie keine Beschreibung für Blinde haben. Ich vermute, dass ist ein Abfall-Produkt des Crawlings: Google ist natürlich stark interessiert an den Inhalten von Bildern und trainiert so seine Bilderkennung. Es kann die von Menschen erstellten Alternativtexte mit dem abgleichen, was der Algorithmus erkannt hat – das ist klassisches Maschinen-Lernen.

Schlanke und schnelle Website

Die Websites sind in den letzten Jahren immer größer im Sinne von Speicherplatz geworden. So manche Seite bringt mehrere Megabyte auf die virtuelle Waage – nebenbei gesagt ist das auch ein ökologisches Problem, es wird nämlich unnötig viel Speicherplatz und Bandbreite verbraucht. Eine optimierte Website kann mit HTML, CSS, Javascript und ein paar optimierten Bildern 200 Kilobyte groß sein. Das verringert die Ladezeit sowohl für Google als auch für assistive Technologien.
In der SEO-Szene ist man einhellig der Meinung, dass der Page Speed einer der wichtigsten On-Site-Faktoren für Google geworden ist. Das hat natürlich mit der Dominanz der Smartphones zu tun: Kein Mensch will mehrere Sekunden warten, bis die ersten Inhalte geladen wurden. Ein wichtiger Faktor für die Lade-Geschwindigkeit ist schlanker und sauberer Code. Das heißt unter anderem, dass man CSS und Javascript möglichst in eigene Dateien auslagert und nicht im Code jeder Unterseite unterbringt. Das ist auch eine Basis-Anforderung von Barrierefreiheit – die Trennung von Verhalten, Struktur und Gestaltung. Das verringert nicht nur die Ladezeit für AT, sondern ermöglicht auch eine flexiblere Darstellung der Inhalte.
Nebenbei bemerkt hat Google auch ein ökonomisches Interesse an schlanken Websites: Wer täglich mehrere hundert Millionen Webseiten crawlen muss, freut sich über jedes eingesparte Kilobyte. Zwar hat Google viel Rechen-Power am Start, aber natürlich freut man sich auch dort, wenn man ein paar große Rechenzentren einsparen oder für andere kostenpflichtige Dienste verwenden kann.
Die beiden bekanntesten Portale zur Web-Barrierefreiheit in Deutschland sind einfach-fuer-alle.de und barrierefreies-webdesign.de. Beide Seiten ranken für viele Suchbegriffe zur Barrierefreiheit weit oben und schneiden bei einem Speed-Test hervorragend ab, jeweils 91 von 100 Punkten im Test von Google Speed Insights. Auch wenn digitale Barrierefreiheit nicht zu den Mega-Themen gehört, gibt es durchaus alternative Portale.

Mobile first

Mobile First – also die bevorzugte Gestaltung von Webseiten unter dem Aspekt der Smartphone-Freundlichkeit – ist heute unter Web-Entwicklern angesagt. Kein Designer, der etwas auf sich hält, bastelt heute noch eine eigene Version für Smartphones und Desktops. One fits All ist also angesagt, die Website soll auf unterschiedlich großen Displays gut angezeigt werden. Google crawlt heute bevorzugt die mobile Version der Website und ihre Qualität ist einer der wichtigsten Faktoren für die Gewichtung bei der Anzeige der Such-Ergebnisse. Auch das ist in der Barrierefreiheit ein alter Hut. Schon seit Jahrzehnten wird gefordert, dass Webseiten sich auf unterschiedliche Displays problemlos anzeigen lassen und Zoomen sowie Textvergrößerung ist ja eine der Kern-Anforderungen der Barrierefreiheit. In der WCAG 2.1 ist die Anforderung hinzugekommen, dass eine Webseite sowohl vertikal als auch horizontal verwendbar sein sollte.

Informationsarchitektur und Benutzerfreundlichkeit

Was oben geschildert wurde ist in gewisser Weise ein alter Hut: Google hat lediglich die Gewichtung verschoben, weil viele Websites strukturell sehr ähnlich geworden sind. Der letzte Schritt war die Umstellung der Gewichtung auf Mobile First, aber auch das ist schon einige Jahre her. Der nächste Schritt wird es sein, die Informations-Architektur und Benutzerfreundlichkeit auf Websites maschinell zu analysieren. Zwar gibt es menschliche Quality Rater, die Webseiten manuell überprüfen. Das sind jedoch relativ wenige Personen und Webseiten. In den frei zugänglichen Google Playbooks lässt sich nachlesen, wie Google sich das vorstellt. Wahrscheinlich ist, dass auch hier Faktoren wie semantische Segmentierung, Lesbarkeit, Verständlichkeit der Inhalte, saubere Strukturierung eine gute maschinelle Übersetzbarkeit und eine schlanke Website eine große Rolle spielen werden.
Meines Wissens sind Google und Co. nach wie vor nicht annähernd in der Lage, einen Text zu „verstehen“, wie ihn ein Mensch verstehen würde. Das heißt, man setzt nach wie vor auf Statistik und Rechenpower. Doch auch damit lässt sich schon einiges erreichen. Man muss kein Stilist sein, um zu erkenne, dass ein Satz mit acht Wörtern tendenziell verständlicher ist als ein Satz mit 30 Wörtern und fünf Satzzeichen. Ein Text, der mit Absätzen, Überschriften und Listen in HTML strukturiert ist dürfte eher von einem Profi stammen als ein Text, der aus nur visuell unterschiedlich formatierten Texten besteht.

Vertrauenswürdigkeit und Autorität

Als weiterer Faktor ist die Vertrauenswürdigkeit und Autorität einer Website zu gewichten. Das ist besonders wichtig für heikle Themen wie Gesundheit und Finanzen, die SEO-Szene spricht auch von YMYL – Your Money, Your Life. So ziemlich alle großen Algorithmen-Updates der letzten Jahre haben auf Seiten zum Thema Gesundheit durchgeschlagen, teils sprechen wir von Schwankungen um die 30 Prozent bei Sichtbarkeit und Besucherzahlen.
Mit aktuellen Mitteln lässt sich die Vertrauenswürdigkeit und Autorität einer Website nur schwer analysieren – zumindest heute. Man wird wohl primär auf etablierte Marken wie Amazon, Wikipedia, Mercedes und so weiter schauen. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass Google die Webseiten öffentlicher Stellen zu einem Thema stärker gewichtet als Webseiten von Unternehmen oder NGOs. Nachlesen lässt sich das Ganze in den Quality Rater Guidelines von Google.
Die Vertrauenswürdigkeit ist ein weicher Faktor der Barrierefreiheit, wie ich es in meinem Buch genannt habe. Insbesondere Internet-Newbies drohen, auf betrügerische Websites hereinzufallen. Insofern wirkt sich auch indirekt positiv auf die Barrierefreiheit aus, dass fragwürdige oder betrügerische Websites geringer gewichtet werden bzw. aus dem Index fliegen. Bedauerlich ist das für kleinere Webportale, sie haben weniger Power, um eine Marke und die entsprechende Bekanntheit aufzubauen. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich Googles Analysefähigkeiten bzgl. Informationsarchitektur, Usability, Vertrauenswürdigkeit und Autorität entwickeln werden. Und wie sich das Ganze auf die SEO-Szene und am Ende auf die Qualität der Website auswirken wird.

Geräte-unabhängige Eingaben

Google zwingt die Webmaster immer stärker, ihre mobilen Seiten zu optimieren. Wer die Search Console benutzt, bekommt häufiger Hinweise auf schlechte Usability, es wird etwa gesagt, dass Buttons zu klein oder zu eng nebeneinander sind.
Auch hier liegt die Verbindung zur Barrierefreiheit nahe. Eine Website soll unabhängig von einem bestimmten Eingabegerät sein: Es soll keine Rolle spielen, ob eine Website per Maus, Tastatur oder Touch gesteuert wird. Wer seine Website auf Maus-Klicks optimiert hat, wird früher oder später Probleme mit Smartphone-Usern bekommen.

Untertitel machen Videos zugänglich

Eine Herausforderung für Suchmaschinen sind Videos. Zwar hat die automatische Spracherkennung große Fortschritte gemacht. Doch optimal ist sie bei weitem nicht. Wer jedoch geschlossene Untertitel einsetzt, verschriftlicht das Gesagte und sorgt so dafür, dass Videos durch Suchmaschinen leichter gewichtet werden können. Es wäre einmal interessant zu untersuchen, ob Videos mit ähnlichem Inhalt bei YouTube besser ranken, wenn sie Untertitel enthalten.

Könnte Barrierefreiheit ein SEO-Faktor werden?

Einige Elemente der Barrierefreiheit tragen zur SEO bei. Barrierefreiheit an sich ist aber noch kein Faktor für die Gewichtung einer Website.
Der Gedanke ist allerdings nicht so abwegig: Der Sprung zwischen Usability, Informationsarchitektur und Barrierefreiheit ist nicht so groß.
Da es außerdem im Heimatland von Google strengere Regeln zur Barrierefreiheit gibt, könnte Google aus Prestige-Gründen – Prestige für sich selbst versteht sich – barrierefreie Webseiten höher ranken. Es gibt neben den oben erwähnten einige weitere Faktoren wie das Vorhanden-Sein einer Barrierefreiheits-Erklärung, Gebärdensprach-Videos, Texte in Leichter Sprache und noch einige mehr, die sich algorithmisch leicht ermitteln und gewichten lassen.

Fazit

Dieser Artikel ist durchaus nicht als Lobhudelei auf Google gemeint. Die Macht dieses Privat-Unternehmens ist so groß, dass alle Website-Betreiber, die von Traffic abhängig sind, sich dessen Regeln unterwerfen müssen. Google kann also das Web nach seinen Vorstellungen umbauen. Zudem beinhaltet Googles Logik die Benachteiligung kleiner Website-Betreiber gegenüber großen Marken. Google und YouTube spielen auch eine unrühmliche Rolle bei der Verbreitung von Hass, Hetze, Mobbing und Verschwörungstheorien. Das Thema Datenschutz möchte ich gar nicht erst aufmachen. Dennoch kann man nicht leugnen, dass Googles Vorstellungen einer guten Website positiv zur Web-Barrierefreiheit beitragen können.

Internet-Cookies und die Barrierefreiheit auf Webseiten

Spätestens seit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung sind sie allgegenwärtig- die Cookie-Messages. Oben, unten, manchmal nehmen sie auf Smartphones den gesamten Bildschirm ein. Sie sind eine Barriere geworden, hier erfahrt ihr, warum.

Bin ich da, bin ich weg?

Als Blinder kann man Cookie-Mitteilungen gut ignorieren, wenn sie sich unten am Bildschirm befinden oder man sie zumindest schnell überspringen kann. Auf dem Smartphone funktioniert das nicht so einfach, denn wie gesagt nehmen sie dort häufig viel Platz weg, so dass eine komfortable Nutzung der Website mit ihnen teils nicht möglich ist.
Nun kann es passieren, dass man sie wegklickt – also akzeptiert oder verwirft, sie aber für den Screenreader sichtbar bleiben. Das kann bedeuten, dass die Seite nicht nutzbar ist, der Screenreader bleibt quasi in der Cookie-Message hängen und kommt an den Inhalt nicht heran.

Die Cookie-Message als Overlay

Das nervigste Phänomen überhaupt sind Cookie-Messages als Overlay. Das sehen wir vor allem bei anglo-amerikanischen Webseiten, aber auch in Deutschland. Der Hintergrund wird ausgegraut, die Cookie-Message poppt auf und muss aktiv geschlossen werden, um den Inhalt zu nutzen. Hier können die üblichen Probleme schlecht programmierter Overlays für Screenreader entstehen: Entweder bekommt der Nutzer gar nicht mit, dass eine Aktion von ihm erwartet wird und die Seite ist für ihn nicht nutzbar, weil alle anklickbaren Elemente gesperrt sind. Oder er sieht die Meldung, kann sie aber nicht akzeptieren, weil die bedienelemente nicht per tastatur bedienbar sind. Abgesehen davon sind manche dieser Cookie-Messages wirklich lang geworden, als ob man einen Roman lesen wollte, bevor man die Website nutzt.
Für Tastaturnutzer ergibt sich das Problem, dass sie einen Klick ausführen müssen, um an den Inhalt zu kommen. Für Leute, die Probleme haben, die Maus zu bedienen oder mit starker Vergrößerung arbeiten, kann das durchaus schwierig werden. Nervig ist es in jedem Fall. Reine Tastatur-Nutzer kommen oft gar nicht an die Cookie-Message heran.

Angst-Störungen und mangelnde Erfahrung mit Web-Technologien

Ein weiteres Problem kann sich für Internet-Unerfahrene und Personen mit Angststörungen ergeben. Die Internet-Unerfahrenen wissen vielleicht gar nicht, was Cookies sind, was passiert, wenn sie akzeptieren und welche Daten tatsächlich gesammelt werden und was mit diesen Daten passiert? Datenschutzerklärung ist gut und schön, aber nicht jeder hat eine Jura-Professorin mit erfahrung im Internetrecht neben sich auf der Couch sitzen.
Und selbst wenn: Vertraue ich den Versicherungen des anbieters, dass die Daten zu den genannten Zwecken verarbeitet und angemessen anonymisiert werden? Als jemand mit einer Angststörung könnte man daran zweifeln. Cookie-Messages sind ein zusätzlicher Frustfaktor.
Und sehen diese Dinger nicht so ähnlich aus wie diese Werbebanner, die eine Zeitlang en vogue waren? Sie haben gewonnen, klicken Sie in den nächsten 10 Sekunden hier, um Ihr iPhone XX einzusacken. Woher soll man als durchschnittlicher Internet-Nutzer wissen, dass es sich nicht um einen Hacking- oder Betrugs-Versuch handelt?

Cookie-Mitteilungen müssen zugänglich sein

Die einfachste Lösung wäre, die Cookie-Mitteilungen für Blinde unsichtbar zu machen, technisch wäre das kein großes Problem.
Rechtlich allerdings schon: Ähnlich wie die Informationen im Impressum müssen Cookie-Mitteilungen für Blinde zugänglich sein, das gilt sowohl im Sinne der DSGVO als auch des Telemedien-Gesetzes.
Mir stellte sich beim Schreiben die Frage, ob es reicht, dass sie Theoretisch für Screenreader nutzbar sind. Befinden sie sich aus der Perspektive des Screenreaders am Ende der Webseite, wird der Blinde sie wahrscheinlich nicht wahrnehmen – wer scrollt schon bis dort hin durch? Meiner einschätzung reicht es tatsächlich aus, wenn die Cookie-Mitteilung praktisch für den Blinden wahrnehmbar wäre, sie also für ihn barrierefrei ist. Ansonsten müsste sie sich aus der Perspektive des Screenreaders immer am Anfang der Seite befinden. Findet er sie nicht, gibt es immerhin noch die Datenschutz-Informationen des Webseiten-Betreibers, dort sollte er auf jeden Fall alle Infos sowie die Optionen finden.

Lösungen

Generell fordert die DSGVO, möglichst wenig daten zu erheben. Die erste Frage wäre also, ob Cookies in vielen Fällen nicht überflüssig sind, also gar nicht erst eine entsprechende Nachricht angezeigt werden muss. Webseiten, die vor allem der Information dienen, benötigen meines Erachtens keine Informationssammler wie Session-Cookies, Tracker oder Web Analytics, auch wenn Analytiker das verständlicherweise anders sehen. Die gute alte Webstatistik tut es auch.
Ein weiterer Weg wäre, die automatische Akzeptanz von Cookies durch das Weiternutzen der Website. Wenn ich also scrolle, ein element anklicke oder eine anderweitige Aktion ausführe, könnte die Cookie-Mitteilung automatisch ausgeblendet werden. Es müsste aber sicher gestellt sein, dass der Nutzer die Cookie-Message zumindest unbewusst wahrgenommen hat und die Chance hatte, der Sammlung von Daten zu widersprechen.
Ich wundere mich, dass das W3C keinen Cookie-Veraltungs-Standard veröffentlicht hat, wenn ich mir ansehe, wie viele Dokumente die Organisation so anbietet. Falls meinen Lesern was dazu bekannt ist, freue ich mich auf hinweise.
Wünschenswert wäre eine automatische Verarbeitung der Cookie-Meldungen per Browser. Dazu wird ein einheitliches Protokoll, also eine maschinenlesbare Form benötigt. Wer eine Do-Not-Track-Anforderung im Browser aktiviert hat, sollte Tracking-Cookies gar nicht erst explizit ablehnen müssen. Andere Cookies sollten entweder für die aktuelle Session oder für einen bestimmten Zeitraum akzeptiert werde. Wie gesagt, alles über Einstellungen und Mitteilungen des Browsers.

Ein paar Datenschutz-Tipps für Blinde

Dieser Abschnitt ist nur für Blinde interessant. Es gibt ein paar Tipps zum Thema Cookies und Datenschutz.
Früher habe ich standardmäßig die Erweiterung NoScript für den Firefox verwendet. Leider ist sie nicht mehr mit Screenreadern nutzbar, man kann einzelne Skripte nicht mehr ohne Weiteres freigeben, wodurch einige Seiten-Inhalte nicht mehr funktionieren. Außerdem funktionieren viele Medienseiten und kommerzielle Seiten nicht mehr, die den Skriptblocker als Werbeblocker interpretieren, was er in gewisser Weise auch ist. Ich habe das mit Profilen gelöst, dazu weiter unten mehr.
Ein Teil des Cookie-Managements lässt sich browser-seitig einstellen: Alle Browser bieten eine Do-Not-Track-Anforderung, Cookies können generell akzeptiert, abgelehnt oder für eine bestimmte Zeit akzeptiert werden. Es ist natürlich generell sinnvoll, die Datenschutz-Einstellungen des Browsers anzuschauen. Cookies generell browser-seitig zu blockieren ist hingegen oft nicht sinnvoll, weil vor allem interaktive Seiten wie Shopping-Seiten oder Webformulare dann nicht mehr funktionieren werden. Viele Medien-Seiten sperren die Inhalte, weil sie von einem Werbeblocker ausgehen. Meiner Erfahrung nach funktioniert auch die ReCaptcha-Lösung nicht mehr, wenn Cookies standardmäßig blockiert werden.
Ich habe mir im Desktop-Firefox mehrere Profile mit unterschiedlichen Konfigurationen für unterschiedliche Zwecke angelegt. Eine fürs normale Surfen, eine für Medienseiten und interaktive Anwendungen und eine für Testzwecke mit der Standardkonfiguration von Firefox.
Um Profile anzulegen geht folgendermaßen unter Windows vor:
Drückt Windows-Taste + R für den Ausführen-Dialog von Windows. Gebt dann firefox -p ein. Es wird der Profilmanager aufgerufen.
Drückt Tab, bis ihr bei Profil erstellen seid, vergebt einen Namen für das Profil.
Wenn ihr bei jedem Start von Firefox auswählen wollt, welches Profil gestartet wird, nehmt das Häkchen bei „Gewähltes Profil bei Start ohne Nachfragen verwenden“ weg.
Ansonsten könnt ihr den Profilmanager wie oben beschrieben mit firefox -p im ausführen Dialog starten. Übrigens können mehrere Profile von Firefox auch parallel gestartet werden, auch dazu einfach firefox -p über Ausführen verwenden, wenn Firefox bereits läuft. Das kann aber schnell unübersichtlich werden, weil an den einzelnen Fenstern nicht erkennbar ist, in welchem Profil sie laufen.
Habt ihr ein Profil eingerichtet, könnt ihr wie gewohnt eure Konfigurationen und Erweiterungen vornehmen, sie bleiben wie auch die Cookies im jeweiligen Profil
Einen einfachen Datenschutz gewährt auch der anonyme Modus, der sowohl in Desktop- als auch auf Smartphone-Browsern verfügbar ist. In diesem Modus werden Daten nur so lange gespeichert, wie das Fenster oder der Tab offen ist. Im Firefox wird er mit STRG + Umschalt + P aktiviert.
Um Cookie- und andere nervige Meldungen loszuwerden reicht oft auch der Lesemodus. Dieser wird im Firefox auf dem Desktop mit F9 aktiviert und verlassen. Auch die mobilen Browser bieten so eine Funktion, die zumeist oben rechts aktiviert werden kann. Im Lesemodus wird nur der Text-Inhalt der Webseite angezeigt.
Eine andere Möglichkeit ist, unterschiedliche Browser zu verwenden. Edge, Chrome und Opera funktionieren auch mit Screenreader ganz gut.

Datenschutz – Gut gemeint – schlecht umgesetzt

Neben dem Internet-Banking ist die DSGVO ein weiteres Beispiel dafür, wie etwas, was gut gemeint war schlecht umgesetzt wurde. Einerseits neigen die EU und der deutsche Gesetzgeber dazu, jeden Einzelfall regeln zu wollen. Andererseits gehen sie nicht weit genug mit ihren Regelungen.
Die EU hätte festlegen können, dass die Cookie-Messages auf eine einheitliche Weise untergebracht und ausgeblendet werden können. Leider ist das Accessibility Mainstreaming bei der EU nicht angekommen und es gibt wenig Hoffnung darauf, dass sich das Ändert.
Wie der Datenschutz die Barrierefreiheit einschränkt

CAPTCHAs und Barrierefreiheit – warum es keine barrierefreien Bild-Codes gibt

Captcha-CodeWie barrierefrei können grafische Bild-Codes, die sogenannten CAPTCHAs sein? Da selbst Leute, die behaupten, etwas von Barrierefreiheit zu verstehen sie einsetzen, scheint es hier einige Missverständnisse zu geben. APTCHAs sind Mechanismen, die Menschen von automatisierten Spam-Bots unterscheiden sollen. Sie sollen Spam in Web-Formularen wie Kontaktformularen oder Kommentar-Bereichen verhindern.
Der Einsatz von CAPTCHAs verhindert wahrscheinlich eher, dass Menschen das Web-Formular nutzen, stellt aber für Bots keine große Hürde da. Ich würde soweit gehen, die Professionalität eines Webseiten-Betreibers infrage zu stellen, wenn der CAPTCHAs einsetzt. Da hat jemand keine Ahnung von Usability, Barrierefreiheit geschweige denn von effektiven Spamschutz-Mechanismen.
Vorneweg sei gesagt: Es gibt kein barrierefreies CAPTCHA. Ich wiederhole das gerne noch mal: Es gibt kein barrierefreies CAPTCHA. Im Folgenden wollen wir uns ein paar Beispiele im Detail anschauen.

Die einfache Lösung

Die simpelste Lösung, die nach wie vor zu finden ist ist eine gleichbleibende Zeichenkette, die in einer Grafik versteckt ist. Tatsächlich hält das häufig sowohl Spammer als auch Menschen ab, die Menschen, weil sie es nicht lösen können oder wollen. Die Bots, weil der Algorithmus nicht auf die spezielle Kombination aus Formularfeldern und Grafik-Code hin betrachtet wurde. Bots funktionieren am besten bei Formularen, die gleich aussehen, kein Mensch macht sich die Mühe, sie für einzelne Seiten anzupassen, die ein wenig vom Standard abweichen.
Eine weitere Möglichkeit ist das Lösen einer simplen Mathe-Aufgabe. Auch hier gilt das oben gesagte: Das lösen mathematischer Formeln ist die ur-eigene Aufgaben von Computern. Diese Lösungen funktionieren nur deshalb, weil der Bot nicht angepasst wurde. Sobald das passiert ist, können die Bots ihre Aufgabe beginnen.

ReCAPTCHA – die Möchtegern-Barrierefreie-Lösung

ReCAPTCHA ist die aktuell am weitesten verbreitete Lösung. In der Theorie soll man hier nur ein Häkchen setzen bei „Ich bin kein Roboter“. Das sollte doch auch der größte Honk hinbekommen oder?
Leider nein: Zum einen ist schon die Unterstellung, man sei ein Roboter ein bisschen unverschämt. Wichtiger ist aber, dass das Häkchen häufig nicht funktioniert. Meine Vermutung ist, dass es teils mit Datenschutz-Einstellungen des Browsers kollidiert.
Wie dem auch sei: Man bekommt also ein Bilder-Rätsel angezeigt. Das kann man als Sehbehinderter oder Blinder nur schwer oder gar nicht lösen. Nun gibt es die Audio-Alternative, die aktuell tatsächlich gut verständlich ist. Während man früher nur künstlich erzeugtes unverständliches Gebrabbel und Rauschen angeboten bekam, werden aktuell wohl Sound-Schnipsel aus Fernsehsendungen verwendet. Das dürfte für viele Schwerhörige noch relativ gut verständlich sein. Als Tastatur-Nutzer, Sehbehinderter oder Blinder muss man aber in dem Wust aus Bilder-Rätsel und Website erst mal die Audio-Alternative finden.
Und was machen wir mit lernbehinderten und älteren Personen? Verstehen sie, was da von ihnen erwartet wird, warum sie mitteilen sollen, dass sie kein Roboter sind und was dieses Bilder-Rätsel zu bedeuten hat? Was machen Leute mit psychischen Problemen, für die jede weitere Aktion eine Belastung ist?
Last not least bleibt da das Datenschutz-Problem: Google ist das schwarze Loch des Datenschutzes, niemand weiß, welche und wie viele Daten an Google übertragen werden, wenn so ein CAPTCHA eingebunden wird.

Ich bin ein Roboter

Das Problem mit CAPTCHAs besteht darin, dass sie einerseits so komplex sein sollen, dass ein Algorithmus sie nicht schnell automatisch lösen kann. Andererseits sollen sie aber so einfach sein, dass jeder Mensch sie lösen kann. Es ist leicht einzusehen, dass früher oder später der Mensch verlieren muss. Besonders gilt das für den behinderten Menschen, da seine sinnlichen und kognitiven Fähigkeiten von denen Nicht-Behinderter abweichen.
Ich habe mich einmal darüber lustig gemacht – es steckt aber ein wahrer Kern in der Satire: Algorithmen zum Maschinen-Lernen sollten schon heute in der Lage sein, die Codes besser zu lösen als Menschen. Wenn sie es noch nicht können, dann in naher Zukunft. Google, Facebook, Microsoft, Amazon und Apple arbeiten an solchen Lösungen, ganz zu schweigen von vielen kleineren Playern. Die KI zur Erkennung von Objekten auf Bildern sowie zur Sprach-Erkennung schreitet schnell voran. Man könnte sich einfach einen Zugang zur Google-Bild-Erkennungs-API kaufen und die API auf ReCAPTCHA ansetzen, dann würde man Google mit seinen eigenen Waffen schlagen.
Mit anderen Worten: CAPTCHAs werden in ihr Gegenteil verkehrt, sie werden besser von Maschinen als von Menschen erkannt.

Schön und gut – aber der ganze Spam?

Nun ist es korrekt, dass viel Spam über Web-Formulare reinkommt. Nur doof, dass CAPTCHA eher menschliche als botische Nutzer abhält. Ich könnte zähneknirschend akzeptieren, dass CAPCHAs unvermeidlich sind, das sind sie aber nicht. Ich sage immer, CAPCTHAs sind ein Instrument zur Kontakt-Vermeidung, setzen Sie sie ein, wenn Sie möchten, dass Ihr Formular nicht verwendet wird. Prüfen Sie ruhig einmal, wie hoch die Abbruchrate beim CAPTCHA ist. Aber welche Alternativen gibt es?
Wahrscheinlich kann man einen Großteil der Bots schon dadurch sperren, dass man eine Zeitverzögerung einbaut. Sagen wir, das Formular kann erst nach zehn Sekunden abgeschickt werden. Sicherlich gibt es Szenarien, in denen ein Mensch innerhalb von zehn Sekunden das Formular ausfüllt und abschicken will, das ist aber sehr unwahrscheinlich.
Eine weitere Möglichkeit sind Honeypots: Das sind Eingabefelder, die nur für den Bot sichtbar sind und von ihm ausgefüllt werden. Diese Eingaben werden automatisch als Spam klassifiziert und nicht zugestellt.
Für WordPress gibt es effiziente Spamfilter wie Akismet oder AntiSpamBee. Für andere gängige Redaktionssysteme gibt es vergleichbare Lösungen.
Sehr effizient sind auch Listen von Wörtern, die automatisch geblockt werden. Es ist unwahrscheinlich, dass ein ernsthafter Kommentator oder Kontakter Worte verwendet, die in typischen Spam-Kommentaren auftreten. Sie kennen diese Worte, sie haben meistens etwas mit Geld oder Sex zu tun.
Ein weiterer Ansatzpunkt ist das E-Mail-Post-Fach selbst. Neben den integrierten Mechanismen der E-Mail-Provider kann man auch hier mit effizienten Filtern arbeiten, die einen Großteil des Spams aussortieren.
Am effektivsten erscheint eine Mischung mehrerer Methoden. Das sollte tatsächlich bis zu 100 Prozent des Spams abhalten. Es sollte aber klar geworden sein, dass CAPTCHAs weder barrierefrei sind noch zur Spam-Prävention effizient beitragen.
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Erkenntnisse aus dem WebAIM-Screenreader-Survey 2019

Soeben ist der aktuelle WebAim-Screenreader-Survey 2019 veröffentlicht worden. Er bringt einige überraschende Erkenntnisse.
Der WebAIM Survey ist eine Online-Umfrage, die seit 2009 mit unterschiedlichen Schwerpunkten durchgeführt wird. Der Screenreader-Survey findet sehr regelmäßig etwa alle zwei Jahre statt und ist die einzige mir bekannte Erhebung dieser Art. Interessant sind weniger die absoluten Zahlen als die Veränderungen, die im Laufe der Zeit stattfinden. Um den Survey zu verstehen, muss man nicht großartig Englisch können, es reicht, wenn man – als Sehender – die Tabellen und Diagramme betrachten kann.
Es sei gesagt, dass die Umfrage nicht repräsentativ ist oder sein will. Dafür ist die Stichprobe zu klein, der Survey zu unbekannt und vor allem zu sehr auf den angloamerikanischen Raum konzentriert. Dennoch gibt es ein paar interessante erkenntnisse. Aus Urheberrechts-Gründen kann ich weder die Tabellen noch die Diagramme von WebAIM übernehmen, bitte schauen Sie direkt auf der oben verlinkten Seite nach, wenn Sie sich für die Details interessieren.

NVDA ist die Nummer 1

Der Screenreader NVDA hat mit einem Anteil von 40,7 % den Platzhirschen Jaws (40,2 %) überholt. Es sind zwar nur 0,5 Prozent unterschied. Interessant ist aber der eindeutige Abwärtstrend, den Jaws in den letzten 10 Jahren genommen hat. Jaws hat seitdem mehr als 30 Prozent seines Marktanteiles verloren, obwohl die Zahl der Konkurrenten seitdem zurückgegangen ist. In einem anderen Beitrag werfe ich einen genaueren Blick auf den Screenreader-Markt.
Freedom Scientific konnte kaum davon profitieren, dass der Mutterkonzern die konkurrenzfähige Alternative Window Eyes aufgekauft und kurzerhand dicht gemacht hat.
Viele ehemalige Window-Eyes und Cobra-Nutzer dürften zu NVDA gewechselt haben. Es dominieren die kostenlosen bzw. integrierten Screenreader wie VoiceOver. Sie machen mehr als die Hälfte des Marktes aus. Alternativen wie Dolphin oder System Access scheinen kaum eine Rolle zu spielen. Da sich Windows mit den großen Updates sehr schnell verändert, ist man heute häufig schon mit einem Screenreader aufgeschmissen, der seit einem Jahr nicht aktualisiert wurde. Das Geschäftsmodell von Freedom Scientific, für jedes kleine Update kräftig zur Kasse zu bitten, stößt allmählich an seine Grenzen – so scheint es. Der Microsoft-eigene Screenreader Narrator spielt nach wie vor keine Rolle.

Chrome schlägt Firefox

Überraschend war für mich die Dominanz von Chrome (44,4 %) unter Blinden. Bisher wurde vor allem der Firefox (27,4 %) genutzt. Wenn ich raten dürfte: Ursache für den Wechsel dürfte das Quantum-Update gewesen sein. Zum Einen gab es gerade am Anfang große Latenzen beim Laden von Webseiten. Zum Anderen haben viele für Blinde nützliche Plugins wie WebVisum nicht mehr funktioniert.

Weitere interessante Ergebnisse

3/4 der Befragten fanden die Barrierefreiheit von PDFs ausbaufähig. Hier hat sich leider nicht besonders viel getan.
Überrascht hat mich, dass native Apps nicht vor Web-Apps bevorzugt werden. Es hält sich die Waage mit 50:50.
40 Prozent der behinderten Nutzer meint, dass das Web im letzten Jahr barrierefreier geworden sei. Immerhin ein Fünftel meint, dass sich die Barrierefreiheit verschlechtert habe.
Nur ein Zehntel der Befragten geht vor allem mobil ins Internet. 90 Prozent nutzen entweder einen Computer oder verteilen ihre Nutzung gleichmäßig auf Computer und Mobil. Das widerspricht meiner Erfahrung, wonach blinde Personen vor allem mobil online gehen. Eine Erklärung dafür habe ich leider nicht.
70 Prozent gaben an, dass sie ihren Screenreader stark oder sehr stark angepasst haben. Sowohl mobile als auch Desktop-Screenreader erlauben es, die Ausgabe in Sprache und Braille sehr stark anzupassen. Was starke Anpassung konkret bedeutet, bleibt offen, wäre allerdings interessant gewesen.
Fast 70 Prozent nutzen HTML-Überschriften, um sich auf einer Webseite zu orientieren. Andere Möglichkeiten wie Landmarks oder Links spielen für die Navigation auf einer Unterseite eine untergeordnete Rolle.

Die Zukunft der Bild-Beschreibung

In den letzten Jahren hat die Technik der automatischen Bild-Erkennung große Fortschritte gemacht. Apps wie TapTapSee zum Beispiel erkennen Objekte und können sie beschreiben. Es macht unheimlich viel Spaß auszuprobieren, was die App schon erkennen kann. Die Gesichtserkennung auf Fotos ist mittlerweile fast Mainstream.
Es gibt durchaus Blinde oder zumindest Leute, die ganz schlecht sehen und fotografieren. Andere wollen erfahren, was zum Teufel auf dem Foto abgebildet ist, dass sie da in ihrem überquellenden Sonstiges-Ordner gesammelt haben. Dafür wäre eine automatische Objekt-Erkennung äußerst hilfreich.

Cloud, Mustererkennung und künstliche Intelligenz

Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Erkennung von Objekten in Echtzeit – also in dem Moment, in dem man das Objekt fixiert, möglich wird. Die größte Latenz dürfte heute dadurch entstehen, dass die Intelligenz nicht im Smartphone, sondern in der Cloud steckt und dadurch abhängig davon ist, wie flott der Internet-Zugang und wie schnell die Server sind. Wenn wir zumindest einen Teil der Intelligenz zurück in die Geräte holen – was von der Performanz her kein Problem sein dürfte, dürften sich die Möglichkeiten für Blinde enorm verbessern. Ich könnte mir vorstellen, dass eine smarte Brille die Bilder aufnimmt und sie von einem zweiten Gerät verarbeitet werden. Die OrCam verspricht schon heute einiges, spielt aber auch in einer preislich höheren Liga.
Die Technik könnte auch bei Abbildungen im Internet genutzt werden. Alternativtexte sind vor allem im Web 2.0 unzureichend formuliert. Auf Facebook , Twitter oder WhatsApp werden viele Fotos geteilt. Die Bereitschaft der Leute, Fotos auch nur rudimentär zu beschreiben ist teils gering, teils vergessen sie es auch einfach. Twitter und WhatsApp haben alternative Bildbeschreibungen für Blinde gar nicht erst vorgesehen. Facebook glaubt ernsthaft, dass „Domingos de Oliveiras Foto“ ein passender Alternativtext für ein Foto ist, das Domingos de Oliveira eingestellt hat. Zumindest ist das der Text, der automatisch hinzugefügt wird, wenn der Uploader nichts in das entsprechende Feld schreibt. Das ist es natürlich nicht, ob ich den Uploader oder Fotografen kenne oder nicht, hilft mir bei der Bild-Erkennung nicht weiter.
Als Blinder hat man auch keine Lust, Zeit und Nerven dafür, die Leute ständig darauf hinzuweisen.
Abhilfe könnten automatische Erkennungs-Algorithmen wie in dem erwähnten TapTapSee schaffen. Wolfram Language, Microsoft Bilderkennung oder Google arbeiten ebenfalls an Tools zur automatischen Bild-Erkennung.
Für Tech-Größen wie Facebook und Twitter dürfte es weder technisch noch von der nötigen Rechenpower schwierig sein, solche Algorithmen zu integrieren. Damit könnten sie auch zumindest einen Teil der Kritik an ihrer schlechten Barrierefreiheit ausräumen. Möglich wäre natürlich auch, das Ganze via Browser-Erweiterung auf den Nutzer zu übertragen, dann spielt es keine Rolle, welche Plattform man nutzt.
Ob man dank dieser Beschreibungen die von Absender intendierte Aussage hinter dem Bild tatsächlich verstehen wird, ist leider schwierig zu beantworten. Oft genug verstehe ich den Witz auch nicht, wenn mir jemand den Bild-Inhalt erklärt.

Wo Manpower gefragt ist.

KI und Mustererkennung stoßen an ihre Grenzen, wo komplexe Beschreibungen gefragt sind. Kunstwerke können zwar als Anreihung von Objekten beschrieben werden, aber kein Kunstliebhaber würde sich damit zufrieden geben. Frau mit langen dunklen Haaren lächelt ist eine korrekte, aber doch unzureichende Beschreibung der Mona Lisa. Aber selbst hier könnten Algorithmen helfen, eine anständige Beschreibung zu formulieren. Es ist ja keine große Sache für einen Computer, Lichtverhältnisse oder Farbkombinationen auf einem Bild zu erkennen und zu beschreiben.
Hier kommt auch die Manpower ins Spiel. Es ist schon toll, wenn ein Mensch sich hinseetzt und eine detailierte Beschreibung eines Bildes formuliert. Da aber Kunst immer eine Frage der persönlichen Perspektive ist, ist es hilfreich, möglichst viele Beschreibungen verschiedener Personen zu haben. Nebenbei profitieren auch Sehende davon, denn sie erfahren über die Beschreibung Anderer oft etwas, was sie sonst übersehen hätten. Oder habt ihr nicht den Eindruck, dass wir oft nur oberflächlich auf Landschaften oder Fotos schauen? Die Beschreibung für Blinde von was auch immer zwingt die Sehenden dazu, sich intensiver mit einer Sache zu beschäftigen, als sie es sonst tun würden.
Für ein Diagramm kann mit einem Alternativtext bestenfalls seine grobe Tendenz beschrieben werden. Im Folgenden möchte ich ein paar Ansätze vorstellen, wie sich das Problem lösen lässt.

Navigierbare Beschreibungen

Für komplexe Grafiken erscheint es am sinnvollsten, wenn man sie mit einem Teil des HTML-Standards beschreiben könnte. Das heißt, wir haben Überschriften, Paragraphen, Tabellen und die weitere Elemente. Für Sehende wären diese Beschreibungen natürlich nicht oder nu auf Anforderung sichtbar.
Der Vorteil besteht darin, dass wesentlich mehr strukturierte Informationen untergebracht werden können als in einem simplen Alternativtext oder einer Long Description. Ich fände es auch nicht schlecht, wenn diese Beschreibung optional auch von hochgradig Sehbehinderten oder visuellen Analphabeten gelesen werden könnte. Zumindest für Blinde könnte man das heute schon umsetzen, in dem man Techniken einsetzt, die Inhalte aus dem für Sehende wahrnehmbaren Bereich der Seite verschieben. In der Regel ist es aber besser, sich an die Standards von HTML zu halten.
Eine Möglichkeit für quantitative Diagramme, die aus einer Tabelle erzeugt wurden besteht darin, die Tabelle in der Grafik zu hinterlegen. In PDFs werden oft aus Platzgründen Tabellen weggelassen, doch sie bieten sowohl für Sehbehinderte als auch für Blinde die beste Alternative zu einer solchen Grafik. Auch hier sollte es möglich sein zu tricksen, in dem man zum Beispiel der Tabelle eine Ausdehnung von 0 Pixel gibt, aber korrektes HTML zur Auszeichnung einsetzt oder indem man sie einfach aus dem sichtbaren Bereich schiebt.

Beschreibung von Einzel-Elementen

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die relevanten Segmente von Vektorgrafiken einzeln zu beschriften und für Screenreader zugänglich zu machen. Ich stelle mir vor, dass man dann mit den Cursortasten des Computers zum Beispiel ein Organigramm systematisch durchgehen kann. Oben steht die Geschäftsführung, mit einem Druck auf Pfeil runter landet man in der zweiten Führungsebene, mit links und rechts kann man sich in dieser Ebene bewegen, mit Pfeil runter geht man in die zweite Führungsebene und so fort. So ließen sich auch Logistikketten und andere komplexe Grafiken erschließen. Für das Verständnis nicht relevante Elemente wie Verbindungslinien sollten für den Screenreader ausgeblendet werden. Formate wie SVG sind ohnehin textbasiert, so dass sich solche Informationen problemlos unterbringen ließen.

Alternativen sind unabdingbar

Wie auch immer die Lösung aussehen wird, klar ist, dass wir Alternativen zum Alternativtext brauchen. Komplexe Grafiken spielen für fast alle Arbeitnehmer sowie Studierende eine große rolle. Die Anforderungen können vom Alternativtext nicht abgedeckt werden.

Amazon Echo – sprach-basierte Assistenten und barrierefreie Webseiten

Amazon hat mal wieder eine ganze Reihe von neuen Produkten vorgestellt. In diesem Beitrag möchte ich zeigen, warum der smarte Lautsprecher Echo mit der Spracheingabe auch barrierefreien Webseiten einen Schub geben könnte.

Alles über Semantik

Ein Schlüsselfaktor für barrierefreie Webseiten ist semantisches und seinen Zwecken entsprechend eingesetztes HTML.
Leider muss man sagen, dass in erster Linie bisher vor allem Blinde davon profitieren. Natürlich bringen Labels Vorteile für motorisch Behinderte und Sehbehinderte können eigene Stylesheets definieren, um sich Inhalte besser zugänglich zu machen. Aber ob das tatsächlich jemand in dem Maße nutzt, bleibt offen.

Vorlesen leicht gemacht

Doch in dem Maße, in dem Geräte ohne eigenes Display auf den Markt drängen, wird es wieder interessant. Wie bringe ich zum Beispiel dem Echo bei, wo der Inhalt einer Webseite beginnt, schließlich will ich nicht die Navigation und anderen Schmus vorgelesen haben, der am Anfang einer Webseite steht. Wie bringe ich ihn dazu, von Absatz zu Absatz, zur nächsten Überschrift, zu einem bestimmten Bereich der Webseite zu kommen? Für einen Sehenden erscheint dieses Problem eigentlich unlösbar. Doch wer arbeitet schon seit Jahr und Tag ohne Display? Exakt, blinde Menschen und das in der Regel ohne große Probleme.
Und hier kommt eine sinnvolle Semantik ins Spiel. Gibt es zum Beispiel nur eine Hauptüberschrift auf der Unterseite, die H1, hat auch eine Maschine keine Probleme, den Anfang des Artikels zu finden. Werden die neuen elemente aus HTML5 wie Navigation, Article, Footer und so weiter korrekt eingesezt, wird die Sache zusätzlich erleichtert. Selbst die Alternativtexte könnten somit einer wesentlich größeren Gruppe nützlich sein.
Auch komplexe Interaktionen mit der Website wie das Aufrufen von Punkten aus der Navigation, das Suchen innerhalb einer Unterseite, das verwenden der Suchfunktion der Website und so weiter sind durchaus möglich. In der Regel wird das länger dauern als mit einem Display, doch muss man es ja auch nicht übertreiben, wenn das visuelle Interface Smartphone nur einen Handgriff entfernt ist.

Formulare per Sprache ausfüllen

Doch war es das noch lange nicht. Heute sind Webseiten interaktiv und interaktiv heißt fast immer Formulare. Sind die Formulare sinnvoll semantisch ausgezeichnet, also so, dass eine Maschine die Aufgabe eines Inputfeldes, den Status und so weiter erkennen kann, dann dürfte es auch kein Problem mehr sein, solche Formulare komplett per Sprache auszufüllen. Natürlich wird man das für komplexere Formulare derzeit nicht machen. Aber auch das könnte nur eine Frage der Gewöhnung sein.

Macht eure Website barrierefrei

Je stärker die Spracheingabe in den Alltag einkehrt, desto mehr werden die Nutzer auch erwarten, damit im Prinzip alles erledigen zu können. Ich prophezeie einmal, dass diese Entwicklung sich stark auf die Gestaltung von visuellen Benutzeroberflächen auswirken wird, ähnlich wie es das Smartphone getan hat. Man wird zum Beispiel gezwungen sein, die Zahl der Links oder die Komplexität von Formularen zu reduzieren und eine an der Spracheingabe optimierte Benutzerführung zu etablieren.
Vor allem ältere Blinde, die mit dem Screenreader nicht so vertraut sind, könnten von dieser Entwicklung profitieren. Aber auch funktionale Analphabeten und ältere Menschen, die teils von der Technik überfordert sind, könnten dank einer Spracheingabe die Möglichkeiten des Internets wesentlich leichter nutzen. Nebenbei könnte es Amazon gelingen, die Haus-Automatisierung massentauglich zu machen, daran sind selbst Apple und google bisher gescheitert.

Internet-Banking für Blinde

Eingabefeld für einen PINLeider ist der Super-GAU eingetreten. Die EU hat die Bankinstitute dazu verpflichtet, die iTans abzuschaffen. Die Banken haben – man muss es klar sagen – das Thema Barrierefreiheit für Blinde verschnarcht, so dass das Online-Banking für viele Blinde nicht mehr möglich ist. Aus diesem Anlass muss ich diesen Artikel aktualisieren. Aufgrund des ursprünglichen Artikels von 2015 haben mich zahlreiche Anfragen von Blinden erreicht. Leider kann ich Ihnen nicht im Detail weiterhelfen, da ich nur die Banking-Anwendungen kenne, die ich selber nutze. Bitte beschweren Sie sich direkt bei Ihrer Bank und zwar lautstark, eine andere Sprache scheint man dort nicht zu verstehen.

Sparkasse

Die Apps der Sparkasse sind nach jetzigem Kenntnisstand – also am 30.04.2019 – nicht barrierefrei, wie ich den diversen Blindenforen entnehmen durfte. Das scheint sowohl für iOS als auch für Android zu gelten. Das Problem soll mit dem nächsten Update behoben werden.
Da ich kein Kunde der Sparkasse bin, kann ich leider nichts zum Webportal und zu den Apps sagen. Bitte erkundigen Sie sich direkt bei Ihrer Bank, ob es Verfahren wie die SMS-TAN oder alternativen gibt.

Ing DiBa

Die Ing – wie sie sich mittlerweile nennt – hat ebenfalls größere Probleme. Es geht hauptsächlich um Lightboxen, die sich für Tastatatur-Nutzer nicht entfernen lassen und für Blinde nicht erkennbar sind. Sind diese Dialogboxen aufgeklappt, lässt sich die Webseite zwar erkunden, aber nicht bedienen.
Es gibt die App BankingtoGo, die allerdings für das komplette Online-Banking gedacht ist. Da ich das Banking über den PC mache, werde ich diese App nicht nutzen. Derzeit steht noch das SMS-TAN-Verfahren zur Verfügung, das sollte für Blinde mit sprachbegabten Handys im Augenblick das einfachste Verfahren zur Freigabe von Transaktionen sein. Allerdings bin ich nicht sicher, wie lange das SMS-Verfahren noch angeboten wird.

DKB

Die DKB hat einige unbeschriftete Elemente, aber das Webportal funktioniert im Großen und Ganzen. Die iOS-App zum Freigeben der Transaktionen funktioniert mit VoiceOver. Die Android-App ist dem Vernehmen nach derzeit nicht barrierefrei. Die DKB ist also für iOS-Nutzer eingeschränkt empfehlenswert.

Commerzbank/commdirect

Bei der Comdirect/Commerzbank funktioniert das Webportal im Wesentlichen, auch wenn es durch zu viele Optionen sehr unübersichtlich ist. Leider kriegt es die Bank im Webportal nicht hin, vernünftige Fehlermeldungen auszugeben.
Die App zur Freigabe der Transaktionen ist auf iOS gut nutzbar, zur Android-App kann ich leider nichts sagen. Ein großes Manko gibt es: Man soll mit der App einen QR-Code vom Bildschirm abscannen. Das geht blind, ist aber in jedem Fall eine Herausforderung. Bei kleineren Bildschirmen kann es sein, dass der QR-Code außerhalb des sichtbaren Bereiches ist, für Blinde nur schwer herauszufinden. Für Sehbehinderte mit Farbveränderungen ist das Verfahren nicht nutzbar, da der QR-Code nur in den Original-Farben richtig erkannt wird.

Alternativen

Weitere Banken und deren Portale kenne ich leider nicht und kann nichts weiter dazu sagen. Fragen Sie am besten direkt dort nach, wenn Sie betroffen sind.
Bei den sprach-basierten TAN-Generatoren gibt es das Problem, dass meines Wissens ein Code vom Bildschirm abgescannt werden muss. Das ist mit so einem Gerät noch schwieriger als einen QR-Code mit der Smartphone-Kamera zu erfassen.
Einige Banken bieten nach wie vor das Telebanking an. Für Blinde vielleicht aktuell das barrierefreieste Verfahren.
Mir wurde von anderen Blinden die Software Banking4 empfohlen. Damit kann man auch mehrere Girokonten unterschiedlicher Banken verwalten. Leider hatte ich noch keine Zeit, es zu testen.

Fazit

Leider muss ich feststellen, dass in diesem Fall auf allen Ebenen versagt wurde:

  • Die EU hätte die Banken verpflichten müssen, zumindest eine kostenlose barrierefreie und blindengerechte Lösung zum Freigeben der Transaktionen anzubieten.
  • In den Banken haben die Technik-Verantwortlichen offenbar total versagt. Dass man im Jahr 2019 diesen Personen noch erklären muss, was Barrierefreiheit bedeutet und dass man Bank-Transaktionen ohne Hilfe Sehender durchführen können sollte, spricht glaube ich für sich. Einige Kundenberater dieser Banken empfehlen ernsthaft, sich die Hilfe von Sehenden zu holen, offenbar haben sie den Sinn ihrer eigenen Sicherheitsmaßnahmen nicht verstanden.

Leider muss ich den Schluss ziehen, dass es den Banken am Willen und am Interesse fehlt, Barrierefreiheit für Blinde umzusetzen.
Wie Blinde Computer nutzen