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Als Blinde vegan leben – warum auch hier Barrierefreiheit entscheidend ist

Heute gehts einmal um die Barrierefreiheit beim Lebensstil. Ich spreche mit der vollblinden Dani darüber, wie es ist, als Blinde vegan zu leben. Dani hat darum gebeten, anonym zu bleiben, daher gibt es hier keine persönlichen Informationen über sie.
Domingos: Erst mal vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst. Du hast entschieden, vegan zu leben, was heute ja erst mal unspektakulär ist, aber du bist auch vollblind, was ja eine große zusätzliche Herausforderung ist.
Ich habe die leichte Variante gewählt und bin Vegetarier. Veganismus schien mir nicht machbar, vor allem, weil das vegane Einkaufen für uns Blinde ja praktisch unmöglich ist. Alles fühlt sich gleich an und man weiß weder ob noch, wo wenn überhaupt vegane Produkte vorhanden sind.

Dani: Ja, vielen Dank für die Einladung. Das hat mich auch lange abgehalten. Allerdings habe ich angefangen, bei Rewe online zu bestellen. Ich möchte aber vorneweg sagen, dass ich keine lupenreine Veganerin bin. Ich studiere nicht die Rezeptur der Hygiene-Artikel oder verhöre die Leute, die mich bekochen, ob da wirklich kein tierisches Produkt in der Nähe war. Meine Schuhe sind nach wie vor aus Leder. Deswegen war ich auch nicht sicher, ob ich die Richtige bin, um Deine Fragen zu beantworten.

Domingos: Ich denke schon, dass deine Geschichte interessant ist und es geht ja darum, dass man deinen Weg ein wenig nachvollziehen kann. Gleich die erste Frage: Ist das nicht unökologisch, online zu bestellen?

Dani: Die perfekte Lösung ist es nicht. Aber ich vermute, dass Rewe lokale Lager nutzt. Außerdem bin ich nicht die Einzige, an diesem Ort hier beliefert wird. Es ist mit Sicherheit ökologischer als Individuen, die mit dem Auto drei Mal die Woche beim Discounter vorfahren. Außerdem diszipliniere ich mich und kaufe nur einmal die Woche ein, dann halt für die ganze Woche. Es ist also nicht das Gleiche wie etwas bei Amazon zu bestellen, was aus irgendeinem Zentrallager durch das halbe Land gefahren wird und wo der Paketbote extra zu mir kommt.

Domingos: Was sind die konkreten Herausforderungen, als Blinde sagen wir im Biomarkt einzukaufen, du wohnst ja in einer Großstadt und hast keine Probleme mit der Nutzung von Bus und Bahn?

Dani: Tatsächlich gibt es hier alles an Märkten. Die Discounter haben ein sehr eingeschränktes Angebot, die Supermärkte haben zwar häufig viel, aber sind unübersichtlich, gleiches gilt für die Biomärkte. Das Problem ist aber, dass sich alles gleich anfühlt. Milch kann man nicht aus der Verpackung herausriechen. Hat man einmal die Ecke entdeckt, wo die Produkte stehen, wird sie wieder verschoben. Außerdem sind die nicht immer sauber sortiert. Man kann mit SeeingAI den Text scannen, aber das finde ich anstrengend.
Als Vollblinde kannst du auch keinen Einkaufswagen schieben, das geht mit dem Stock nicht. Als ich noch selbst eingekauft habe, hatte ich immer einen Korb dabei, wo ich die Sachen reingepackt habe, aber das ist auch nicht ganz unproblematisch.
Es sind ja überwiegend die gekühlten Produkte, die auf Milch basieren. Wenn man die nicht braucht, kann man glaube ich sogar relativ unproblematisch im Supermarkt einkaufen. Da sie aber zumindest in meiner Ernährung eine große Rolle spielen, ist der Supermarkt zu kompliziert für mich.
Natürlich kann man eine der Angestellten fragen, aber um ehrlich zu sein sind die nicht immer besonders freundlich oder zuverlässig. Das ist kein Vorwurf, ich würde deren Job nicht machen wollen. Aber man möchte nicht den Eindruck haben, dass man anderen Leuten lästig ist.
Für mich ist leider auch das Thema Übergewicht eine wichtige Frage. Ich versuche, Zucker zu reduzieren und das kann ich online leichter, weil ich da die Zutaten und Nährwerte sehen kann. Im Laden kann man da kräftig auf die Nase fallen, weil sogar in normalen Brotaufstrichen oder im Natur-Jogurt Zucker ist.

Domingos: Der Discounter hat dich also als Kundin verloren?

Dani: Ja, ich gehe nur noch gelegentlich hin, wenn ich etwas vergessen habe. Ich brauche nicht viel, aber meine 300 € im Monat gehen jetzt an den Rewe.

Domingos: Wie barrierefrei ist der Online-Supermarkt?

Dani: Ich nutze die Rewe-App auf dem iPhone, die funktioniert ganz gut. Über die anderen Bestell-Möglichkeiten oder Online-Supermärkte kann ich nichts sagen.

Domingos: Wie ist mittlerweile die geschmackliche Qualität veganer Ersatz-Produkte?

Dani: Es hängt natürlich vom konkreten Produkt ab und es ist natürlich eine Geschmacksfrage. Meines Erachtens können vegane Ersatz-Produkte aber nicht überall überzeugen. Mein Schwachpunkt ist Schokolade. Der Geschmack und das Mundgefühl sind nicht rund. Bei Frischkäse und Jogurt passt die Konsistenz nicht so ganz. Was mittlerweile recht gut ist, ist Schafskäse. Fleisch-Ersatz ist mittlerweile glaube ich recht gut, aber den brauche ich nicht so. Die Auswahl ist aber sehr gut, man hat bei Frischkäse etwa drei verschiedene Anbieter und verschiedene Geschmacks-Richtungen. Solange Milch nicht künstlich erzeugt werden kann und man Produkte versucht zu kopieren, wird die Original-Version wahrscheinlich immer die Nase vorne haben. Aber das stört mich nicht so sehr.

Domingos: Wie ist das preislich heutzutage?

Dani: Mittlerweile ist es okay. Man muss sich bewusst sein, dass es deutlich teurer ist, wobei das sich durch die Inflation ein wenig angeglichen hat. Teils werden teure Zutaten wie Mandeln oder Cashews verwendet. Allerdings bin ich auch die Eigen-Produkte der Discounter gewöhnt und die Preise spiegeln ja lange nicht mehr die Realität wider. Andere Dinge wie Gemüse, Bohnen, Ajvar und so weiter kann man nach wie vor essen. Auf mittlere Sicht möchte ich mich mehr von den Ersatzprodukten wegbewegen, nicht weil sie nicht schmecken, sondern weil ich es für Nonsens halte, etwas nachzuahmen. In der asiatischen Küche sind sie auch häufig ohne Milch ausgekommen, weil viele dort allergisch sind, warum sollen wir an solchen Produkten kleben? Also ja, es ist teurer, je nachdem, was man nimmt.
Aber auch hier ist der Vorteil bei online, dass man den Preis sehen und vergleichen kann, das geht im Supermarkt nicht. Auch da gibts böse Überraschungen. Es sind aber vor allem die Fertigprodukte und die Nachahmer, die ins Geld gehen.

Domingos: Ja, das Problem kenne ich auch. Was nervt dich am meisten am Veganismus?

Dani: Die Auswahl in den Restaurants außerhalb der Großstadt ist überschaubar. Pommes mit Ketchup oder Nudeln ohne alles scheinen für Manche vegan genug zu sein.
Es ist aber auch tragikomisch, dass eigentlich alle Fleisch-Esser sich glauben rechtfertigen zu müssen, wenn man ihnen sagt, dass man selbst vegan lebt. Ich sage das nicht so, sondern es geht meistens darum, dass mir etwas zu essen angeboten wird. Ich bin gar nicht missionarisch, wenn überhaupt, möchte ich durch das positive Vorbild überzeugen.
Aber kaum erzählt man, man sei Veganerin fangen die Fleisch-Essenden an zu sagen, sie könnten das ja gar nicht, Fleisch und Milch seien lebensnotwendig, vegan schmecke nicht, Schweine würden uns essen, wenn sie könnten, und überhaupt hätte das, was eine einzelne Person tut, ja keinen Einfluss auf irgendwas.

Domingos: Das Problem kenne ich in der Tat, ein paar von den Argumenten hört man auch ähnlich beim Thema Barrierefreiheit. Aber generell gesprochen: Ist das letzte Argument nicht korrekt, hat die Einzelne einen nennenswerten Einfluss?

Dani: Ja und nein. Natürlich macht eine einzelne Veganerin nicht den Riesen-Unterschied. Aber ich nehme mich selbst als Beispiel. Ich habe viele Milchprodukte gegessen, pro Jahr sicherlich so um die 300 große Jogurts und 100 Packungen Frischkäse, dazu Scheibenkäse, Schokolade und diverse andere Dinge. Wenn man das hochrechnet, sind da sicherlich 2000 bis 3000 Liter Milch pro Jahr gewesen.
Das läuft dann rückwärts durch die Logistik: Der Supermarkt merkt, dass ein Produkt ein bisschen weniger gekauft wird und bestellt weniger bei der Molkerei. Die Molkerei bestellt weniger bei den Milchbetrieben. Die Milchbetriebe produzieren am Ende weniger. Gleichzeitig merkt der Supermarkt, dass vegan mehr nachgefragt wird und erhöht die Bestellungen für diese Produkte.
Am Ende glaube ich aber, dass einfach jede Person ihren Beitrag in ihrem Rahmen leisten muss. Ich würde von einer Bürgergeld-Empfängerin nicht erwarten, dass sie bei knapper Kasse vegan wird, weil das sehr teuer sein kann. Aber diese Person fliegt dafür nicht in Urlaub oder fährt mit dem Auto und leistet damit einen größeren Beitrag als einige Veganerinnen, die für den Marathon nach New York oder Südafrika fliegen. Der Impact des Essens sollte nicht überschätzt werden.

Domingos: Was hälst du von der veganen Szene, hast du dir da Hilfe geholt?

Dani: Das hat mich tatsächlich nie so interessiert. Ich bin grundsätzlich allergisch gegen jede Form von Messianismus, Sektentum und dem Hantieren mit falschen Informationen, auch wenn es um eine gute Sache geht. Es gibt die entspannten Veganerinnen und es gibt die Leute, die sich auf die Straße kleben und so klingen, als ob sie gleich losheulen. Ich sehe teilweise auch antidemokratische oder rechte Einstellungen, sie sind selten, aber es gibt sie. Auch wenn die Ziele richtig sind, überzeugt mich das nicht. Es gibt auch viel Esoterik in der Szene, viele wollen sich nicht impfen lassen, weil das ja so ungesund ist und so weiter. Deswegen habe ich mich da nie eingebracht. Mein Freundeskreis ist unverändert, es sind Vegane, es sind Fleisch-Essende und es sind Leute, bei denen ich keine Ahnung habe, was sie essen. Im Grunde gibt es auch keine Fragen, die ich mit anderen diskutieren muss. Als Blinde findet man alle Informationen, vor allem wissenschaftlich valide, im Internet, Eisen, B12 und so weiter.
Es grassiert auch viel Unsinn in der Szene: Vegan sei gesund, Milch sei giftig, Chemie ist böse und so weiter. Insofern bringt ein Austausch nicht so viel.
Wie gesagt, die Mehrheit ist wahrscheinlich ganz vernünftig, aber man trifft vor allem viele der eher unsympathischen Sorte.

Domingos: Du missionierst ja nicht, aber trotzdem die abschließende Frage. Ist es schwierig, heute als Blinde vegan zu leben?

Dani: Ich möchte das nicht für Andere beurteilen. Wenn es einem generell egal ist, dann ist es halt so. Auch wenn man auf dem Dorf lebt und nicht die städtischen Möglichkeiten nutzen, kann ist es auf jeden Fall schwierig.
Wenn man aber nur für sich selbst verantwortlich ist, einen Online-Bestellservice nutzen kann, dann ist es heute machbar. Die Qualität und die Vielzahl der Produkte machen den Umstieg leichter als früher. Für Blinde ist es nicht ganz einfach, Sachen nachzukochen. Ich schaue mir manchmal Rezepte an, die fünf Minuten dauern sollen, als Blinde ist es dann eher eine Stunde und man benötigt trotzdem noch Dinge, die man nicht in jedem Supermarkt so einfach findet. Ich würde jeder, die das möchte empfehlen, einfach mal loszulegen.

Blindenschrift im digitalen Zeitalter – ein Gespräch mit Aleksander Pavkovic


Das ist das Transkript des oben eingebetteten Podcasts. Ich habe den Text ein wenig geglättet, aber den verbalen Charakter beibehalten. Die eigenwillige Interpunktion geht auf das Konto der automatischen Transkription und meiner Angewohnheit, Interpunktions-Zeichen dort zu setzen, wo ich sie toll finde. Ich habe das Ganze sprachlich ein wenig geglättet, aber den mündlichen Charakter beibehalten.
Mit Aleksander spreche ich über die Rolle, welche Braille heutzutage spielt. Eine Information habe ich in dem Gespräch vergessen zu erwähnen, Aleksander wirkt auch zumindest in Deutschland an der stetigen Weiter-Entwicklung der Brailleschrift mit. Dafür gibt es ein eigenes Gremium, in welchem er beteiligt ist.

Domingos
Herzlich Willkommen zu einem neuen Podcast zur digitalen Barrierefreiheit. Heute habe ich wieder einen spannenden Gast dabei, nämlich den Aleksander Pavkovic. Aleksander erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für diesen Podcast nimmst.

Aleksander
ja herzlichen Dank für die Einladung.

Aleksanders Werdegang

Domingos
Mit Alexander möchte ich über das Thema Braille in der digitalen Barrierefreiheit sprechen. Wir reden ja in der Regel sehr viel über Sprachausgaben, aber es gibt ja auch einen erheblichen Anteil von Blinden, die Parallel Braille nutzen oder ausschließlich nutzen wenn sie zum Beispiel Taubblind sind Oder spezielle Aufgaben haben. Und leider gibt es ein paar Unterschiede zwischen Braille und Sprachausgabe, die wir uns einmal erklären lassen müssen. Aber bevor wir das machen, würde ich dich bitten, Alexander, stell dich doch mal den Zuhörenden vor.

Aleksander:
Ja, sehr gern. Ich bin 46 Jahre alt, gehöre zu der ganz kleinen Gruppe der geburtsblinden Menschen innerhalb der blinden Community, also da sind wir auch eine Minderheit, denn wie bei den meisten Behinderungen oder eigentlich allen. Ist der Anteil derer, die das irgendwie später mal erworben haben im Leben durch ne Erkrankung, durch Unfall oder so wesentlich höher als von Geburt, so ist es auch bei der Blindheit. Ich gehöre also zu den Menschen, die von Geburt an gar nichts sehen. Und ja, ich bin von meiner Ausbildung, meinem Studium her eigentlich Sprachwissenschaftler, Slawist, habe mich mit slawischen Sprachen beschäftigt, hab sozusagen meine slawische, nämlich slowenische Herkunft. Ja, genutzt gleich mal, um mich da wissenschaftlich damit zu befassen und jetzt momentan auch ziemlich gefragt auch wieder als Slawist, was mich einerseits freut, was andererseits einen sehr tragischen Grund hat. Das ist ganz einfach der Ukraine Kontext. Da komme ich jetzt wirklich wieder in die Situation, dass ich die Sprachkenntnisse nutzen kann. Blinde und sehbehinderte Geflüchtete aus der Ukraine zum Beispiel, hier in Bayern. Da hat sich rumgesprochen, ziemlich schnell nach Kriegsbeginn, also, mit dem kannst du entspannt ukrainisch reden, dann sind sie natürlich zu mir gekommen. Die Beratung da Bin ich dann oft auch mit Dolmetschen, mit übersetzen und so zugange.
Ich bin, wie das ja für behinderte Menschen mit einem akademischen Abschluss ganz oft ist,, irgendwie in der Selbsthilfe gelandet. Ich arbeite In dem ganzen Bereich, so digitale Barrierefreiheit seit Juli 2013 beim bayerischen Blinden und Sehbehindertenbund in München. In der Landesgeschäftsstelle, da gibt es so eine Art. Ja, vereinsinternes Unternehmen, Abteilung für barrierefreie Medien, nennt sich BIT-Zentrum. Da arbeite ich, davor habe ich 3 Jahre als IT Trainer gearbeitet, in einem beruflichen Schulzentrum für Blinde junge Erwachsene in Nürnberg. Das war so mein Berufseinstieg. Also eigentlich hatte ich ganz andere Dinge vor. An der Uni bleiben Journalismus, irgend so etwas Nettes, aber so kam es also in Richtung. Ja quasi aus der anwenderperspektive und aus meiner Vertiefung in die Materie so was also auch Stichwort SelfHTML und so was ich da so alles gemacht hab, kam ich also in diesem Bereich der digitalen Barrierefreiheit hinein, bin aber nicht nur geburtsblind und berufsblind, sondern ich mache auch noch andere Sachen. Zum Beispiel bin ich seit September 2020 ,nebenberuflich wie das viele machen, Diakon in der katholischen Kirche.

Domingos
Ja, ganz spannend. Wir sind fast das gleiche Alter und haben wahrscheinlich auch fast zur gleichen Zeit studiert, aber du gehörst ja zu den wenigen blinden Menschen, die promoviert haben,. Vielleicht kannst du dazu etwas sagen zu der Herausforderung, als blinde Person zu promovieren.

Aleksander
Die Herausforderung, als blinde Person zu promovieren, ist natürlich ganz stark abhängig vom Fach. Bei mir war es eine sprachwissenschaftliche, und zwar nicht nur sprachwissenschaftliche, sondern sogar eine Sprachhistorische, eine sprachgeschichtliche Doktorarbeit.
Das ging von der Magisterarbeit aus. Mein Magisterarbeitsbetreuer hat gesagt, Wow, dieses Thema ist spannend, was sie da bearbeitet haben, Tschechisch und slowenisch im Vergleich, also Slowenisch meine Muttersprache. Und tschechisch, ja ich habe ein halbes Jahr in Prag studiert, da auch ganz viel Material gesammelt und so und einiges da festgestellt an Gemeinsamkeiten, an auch geplanten Gemeinsamkeiten. Die Linguisten im 19. Jahrhundert in Slowenien haben sich so am tschechischen orientiert, so als Vorbild Sprache, weil die schon besser ausgebaut war und solche Sachen. Es war aber auch kaum erforscht und
dann Hat der Betreuer gesagt, wäre das nicht Ein Promotionsthema. Und das hat natürlich dann bedeutet,, in die Archive hinabsteigen, also Sachen lesen aus dem 18 Jahrhundert, aus dem 19. Jahrhundert. Gedrucktes, aber halt auch vieles, was da handschriftlich vorliegt. Und das hat für mich bedeutet, sobald ich in die Archive gegangen bin. Mit Assistenz arbeiten zu müssen, weil da die elektronische Texterfassung versagt, die OCR, die optische Zeichenerkennung, funktioniert heutzutage bedingt bei einer halbwegs leserlichen Handschrift.
Aber es war damals vor 20 Jahren, 15 bis 20 Jahren, da hatte ich keine Chance mit sowas zu arbeiten. Und erst recht nicht bei solchen alten Materialien, DH. Bei Handschriften war ich auf Assistenz angewiesen. Alles, was gedruckt war, auch in den Frakturschriften, im 19. Jahrhundert und so. Das ließ sich dann auch mit speziellen OCR Versionen machen.
Aber in Archive gehen, in Bibliotheken gehen und so weiter, da habe ich dann meistens nach dem Prinzip Geben und Nehmen gearbeitet also zum Beispiel mit jungen Studierenden, die mir dann Sachen vorgelesen haben, also solche, die sich gut auskennen auch mit älteren Schriften und so, die das Lesen können. Und ich war dann denen ebenfalls behilflich, zum Beispiel beim Hausarbeiten abtippen. Ich war ziemlich schnell bekannt als ein ziemlich schneller Tipper und so Sachen. Oder auch Typografie, Layout, das war dann recht interessant, dass ein Blinder da auch denen Tipps gibt. Eine Anekdote war zum Beispiel
eine Bekannte von mir, hat sich ihre Doktorarbeit so ne literaturwissenschaftliche, Korrektur lesen lassen von mir. Und dann habe ich meinen Abschlussbericht so eingeleitet sinngemäß mit: Liebe Andrea, herzlichen Dank. Bevor ich zu den inhaltlichen Aspekten deiner Arbeit komme erlaube mir ein paar Anmerkungen zu Typographie und Layout. Und dann kamen so 2 Seiten, so eine Liste mit ganz vielen Einträgen, was ich anders machen würde etwa nicht zu viel auftragen mit Fett und kursiv. Oh, da hat sie sich dann schon gewundert, die Andrea. Ja, also das ist möglich, wenn man seinen Screenreader im Griff hat.
Herausforderung bei der Promotion war eben vor allem dieses herankommen an Materialien, die jetzt nicht elektronisch vorliegen, wenn dann was elektronisch vorliegt oder ich es mir dann irgendwie zugänglich gemacht habe. abtippen, mitschreiben, abgetippt bekommen oder so, alles andere hat sich ja dann auch gut machen lassen. Ich habe meinem Doktorvater strengstens untersagt, also den Betreuer der Arbeit, irgendwo im Gutachten oder sonst irgendwo hinzuweisen auf meine Blindheit. Ich habe in dem Vorwort irgendwo eine kleine neben Bemerkung fallen lassen,, dass ich diesen und jenen Personen danke. Also für die Unterstützung beim Übertragen in elektronische Fassungen, weil ich da mit meinem Braille-Display und Screenreader damit dann besser klar komme. Also Wer aufmerksam liest, findet die Information. Ich wollte sie aber bewusst nicht irgendwie breit streuen. Die wissenschaftliche Community, die ja zu Recht sehr kritisch mit solchen Materialien umgeht und eine neue Doktorarbeit erstmal sehr kritisch liest, Na was macht denn der junge Wissenschaftler da, die sollte das nicht lesen durch die Mitleids Brille, Ach ja der blinde hat es ja auch geschafft wow Respekt und so. Das alles wollte Ich vermeiden.

Domingos
das mit der Digitalisierung war ja damals so in den Zweitausendern noch nicht so richtig weit, Wir sind ja heute noch nicht so richtig weit in Deutschland, aber Damals war es tatsächlich fast alles analog, also auch die Standard Lehrwerke oder Zeitschriften waren im Prinzip noch alles auf Papier.

Aleksander
Ja das war damals so und es ist zum Teil heute noch so, dass blinde Studierende sich an mich wenden mit der Frage: Wie mache ich dieses und jenes und wenn es dann schon etwas digital gibt, dann in irgendwelchen unsäglich Unzugänglichen PDFs oder ähnlichen Formaten.

Technik-Probleme vieler Blinder

Domingos
Ja, vielen Dank für diesen Einblick. Generell noch eine andere Frage. Du hast ja schon erwähnt, dass du über den Blindenverein in Bayern sehr viel Kontakt mit Menschen Hast die wahrscheinlich teilweise spät erblindet und teilweise auch wenig Kontakt mit Technologie hatten. Und mich würde interessieren, über welche Probleme berichten sie hauptsächlich oder welche Probleme bekommst du hauptsächlich mit.

Aleksander
Die hauptsächlichen Probleme eben gerade älterer spät behinderter Menschen aber nicht nur sind wirklich also, wenn es dann schon zur Digitalisierung heutzutage kommt, wenn schon die Technik prinzipiell auch mittlerweile zugänglich ist und barrierefrei ist oder jedenfalls recht gut zu nutzen ist, also Stichwort Smartphones, da kann man ja Das iPhone sowieso und sehr viele x beliebige Android Smartphones auch einfach in die Hand nehmen, in Betrieb nehmen, auch selbstständig blind und nutzen.
Das ist aber doch für viele nicht so niederschwellig, wie man sich das vielleicht als jüngerer, technikaffiner, blinder Mensch vorstellt, weil. Diese Nutzung des Touchscreens die erfordert erstens motorisch doch so einiges und zweitens auch ja kognitiv auch was von so einer Denk Leistung oder so ja wie wo wie finde ich da die Objekte klar von links nach rechts wischen und zurück komme ich irgendwie auch immer vorwärts und rückwärts aber das wird dann schnell ineffizient und so, also das überfordert viele und sie tendieren dann doch dazu, sich irgendwie lieber so ein Spezial Handy zu besorgen wie es sie auch noch gibt, entweder mit Tasten oder ohne, mit einer Reduzierteren Benutzeroberfläche, die dann nicht so einen vielleicht über überlädt und erschlägt. Da ist man dann wieder eingeschränkt in der Wahl der Apps, deswegen bin ich ganz froh, dass ich einfach ein ganz normales mainstreamige Smartphone nutze und das schon seit 12 Jahren, jeweils in einer einigermaßen aktuellen Form und Fassung. Aber für viele führt nur ein sehr mühsamer Weg dorthin. Nicht nur bei älteren Spät-Erblindeten, sondern das haben zum Beispiel auch Menschen mit Lernschwierigkeiten. Ich bin jetzt regelmäßig In einer Werkstatt wohn- und förderstätte aktiv und Schule da junge Leute, die gern mehr aus ihrem Smartphone machen würden als Hey Siri Spiele folgenden Song. Die wollen einfach ein bisschen mehr machen. Aber da merkt man schnell, dass man an die Grenzen stößt, weil es einfach doch nicht so trivial ist so ein Ding zu nutzen. Und die Sprachassistenten, Die können halt leider noch nicht so viel, wie es schön wäre.
Das ist wirklich so ein Hauptpunkt. Dass die digitale Technik immer noch nicht Barrierefrei genug ist, wenn sie dann schon barrierefrei ist, im Sinne von Screenreader, die Möglichkeit, dass man mit Screenreader eigentlich an alles ran kommt. Und dann gibt es doch noch Barrieren, die motorisch physisch oder vielleicht auch kognitiv sind. Und im Fall von spät Erblindung, Klar Da wird dann auch gern die Lösung gesucht,, die manchmal oder auch vermeintlich die Einfachere ist mit Spezialgeräten zur Fußgänger Navigation, zum abspielen von Inhalten, also Stichwort Daisy Spieler oder so etwas, was ja auch alles mit Smartphones und Tablets möglich wäre. Da wird dann doch gerne noch auf das klassische Hilfsmittel zurückgegriffen, das hat ja auch manchmal den Vorteil, dass man da sich nicht so leicht ablenken lassen kann, weil sich nicht wieder irgendeine kurz Mitteilung von irgendeiner App da in den Vordergrund drängt. Von daher haben diese Hilfsmittel, die dann auch noch eine schöne Tastatur haben und so durchaus noch ihre Berechtigung.
Und Digitalisierung wo sie eben noch nicht vorhanden ist ist ein großes Problem. Es wenden sich sehr viele Menschen an uns, Wie man umgeht, für die Kommunikation zum Beispiel mit Ämtern, mit Behörden und so. Vieles muss handschriftlich immer noch gemacht werden, da ist man auf Assistenz angewiesen.
Und wenn es dann schon digital ist, Dann fehlt es halt leider oft auch immer noch an der Zugänglichkeit. Dann hat man irgendein Formular, das kann man dann sogar schon am PC ausfüllen, weil es ein ausfüllbares PDF ist, leider überhaupt nicht die Regel. Viele muss man immer noch ausdrucken und dann von Hand ausfüllen. Und dann vielleicht eingescannt zurückschicken. Das nennt man dann semi-Digitalisierung oder so ähnlich. Aber wenn es dann schon mal ausfüllbar ist am Computer oder Smartphone, dann fehlen oft die korrekten Beschriftungen und so. Also Digitalisierung allein, Wenn sie nur irgendwie gemacht ist, dann hilft dir uns ja auch nicht immer.

Domingos
Also mein Lieblings Beispiel ist ja immer das Thema Onlinebanking. Mittlerweile gibt es ja kaum noch eine online Bank oder Es gibt wahrscheinlich gar keine mehr, wo du ohne eine extra App für die Verifikation der Transaktionen durchkommst. Und da hab ich schon Schwierigkeiten als jemand der das schon ewig macht. Ich frage mich immer, wie das ältere Menschen machen, die damit gar keine Erfahrung haben und auch nicht so schnell sind, weil du hast ja auch immer eine zeitbegrenzung dabei.

Aleksander
Also Online-Banking ist wirklich zeitkritisch, weil diese 2 Faktor Authentifizierung die da läuft,, da musst du schnell sein und Es gibt viele gerade ältere Menschen, aber nicht nur die, die lagern das komplett aus. Die Vertrauen diese wertvollen Dienstleistungen dann tatsächlich Menschen an, Denen sie dann hoffentlich Vertrauen können, wo dann nichts schief gehen darf und wo man das gut mit seiner Bank auch absprechen muss, weil das ja normalerweise allgemein gesagt ja jetzt gar nicht erlaubt ist, sondern ich muss ja meine Bankgeschäfte wirklich gerade online selber erledigen, darf keine Kennwörter aushändigen und so. Und deswegen greifen dann auch viele immer noch auf Dienste zurück, bei den Banken selbst vor Ort. Die es aber zum Teil gar nicht mehr gibt, manche haben das ja komplett eingestellt, Personaleinsparung und so und da geht es nur noch online. Und Es gibt da verschiedene Möglichkeiten: Zum einen eben mit diesen Apps, über die man sich dann zusätzlich autorisieren muss oder mit diesen tan Generatoren, da gibt es auch welche mit Sprachausgabe. Und da muss man so einen QR Code Quasi vom Bildschirm abnehmen. oder man bekommt die tan Vorgelesen von dem Gerät und muss sie dann eintippen. Also verschiedene Möglichkeiten gibt es, aber das Problem eigentlich bei allen Ein bisschen verwandt mit dem Problem der Einwahl in ein video-Meeting, Zoom Meeting zum Beispiel, man muss schnell sein, man muss diese Dinge relativ flott eintippen.

Braille im digitalen Zeitalter

Domingos
Genau. Dann lass uns mal zu unserem eigentlichen Thema kommen, das Thema Blindenschrift. Die erste provokative Frage warum brauchen wir heutzutage überhaupt noch. Elektronische Blindenschrift, fast jedes Gerät über das wir jetzt ja gerade gesprochen haben bringt ja eine Sprachausgabe mit das ist ja super praktisch, da braucht man kein extra Gerät man muss keine extra Schrift sozusagen lernen, warum brauchen wir heutzutage überhaupt noch Blindenschrift?

Aleksander
Eigentlich lässt sich die Frage warum wir Blindenschrift brauchen in einem einzigen Satz beantworten, aber der ist natürlich dann auch schon wieder so kurz dass er auch wieder erklärungsbedürftig ist. Also dieser eine ganz kurze Satz lautet: Vorgelesen kriegen ist halt nicht selber lesen. Aber das muss man natürlich noch bisschen differenziert ausführen, weil Es gibt Situationen, da reicht vorgelesen kriegen vollkommen aus.
Also wenn ich jetzt gerade an die Nutzung des Smartphones denke, wo ich mir vielleicht ab und zu von einer App auch vorlesen lasse,, wie das Wetter wird oder mal in den Nachrichten App schaue, was tut sich momentan im Land und in der Welt und Vielleicht auch die Tageszeitung App nutze. Da sehe ich jetzt auch nicht die Gefahr, dass man dann, wenn man es sich vorlesen lässt, da jetzt einem da was entgeht.
die sprachausgaben sind gut. Und zugleich ist es doch so, wenn man ausschließlich auf dem Weg seine Informationen konsumiert. Und man muss aber gleichzeitig doch immer wieder mal auch sich schriftlich verständlich machen und ausdrücken. Dann besteht die Gefahr, dass man halt Dinge, die man immer bloß gehört hat dann auch selber so schreibt wie man glaubt, dass man sie schreibt, weil die Sprachausgabe sie auf eine gewisse Weise Vorliest. Sprachausgaben geben sich redlich Mühe, die Texte richtig auszusprechen. Aber
Gerade bei mobilen Betriebssystemen erleben wir zum Beispiel in den letzten paar Monaten ganz aktuell Na ja sagen wir mal einen Wandel, vielleicht auch eine Verschlechterung. Ein bestimmter Hersteller scheint zurzeit dauernd an diesen sprachausgaben herumzuschrauben sie, zu updaten und dann kommt es so zu ganz seltsamen aussprachen. Manchmal ist es lustig, manchmal ist es ein bisschen unverständlich, manchmal ist es eine voll Katastrophe, weil zum Beispiel die Sprachausgabe versucht, Etwas so auszusprechen, wie es wohl wenn es ein Fremdwort ist dann eigentlich ausgesprochen gehört. Und dann kommt es halt zu solchen Patzern, dass die Sprachausgabe zum Beispiel eigentlich sagen will: Zwischen Tür und Angel sie sagt aber zwischen Tür und Engel, weil halt Angel nun mal auch ein englisches Wort ist, also gleichgeschrieben und wo die Erkennung einfach immer wieder versagt, kläglich scheitert. Also es ist manchmal gar nicht so leicht, sich einfach Dinge vorlesen zu lassen, wo doch die sprachausgaben so schön überall vorhanden sind und da hilft es jedem, wenn er die Schrift auch noch dabei hat, wirklich Braille Schrift hat. Es gibt einfach Bereiche, in Ausbildung, Studium, Beruf, aber vielleicht auch Freizeit, wo ich nur mit Mühe, wenn ich nur mit Sprachausgabe arbeite Selber einen Text vielleicht präsentieren kann. Es gibt Menschen, die sind da richtig fit und geübt das weltweit wahrscheinlich aufsehenerregendste Beispiel ist eine australische Rundfunksprecherin nachrichtensprecherin im Radio. Sie arbeitet an der Stelle ausschließlich mit Sprachausgabe. Sie hat sozusagen Einen Knopf im Ohr, da wird ihr von der in der blinden Community sehr bekannten Stimme von der eloquence, die bei Jaws Standard ist zum Beispiel, Wird ihr der Text vorgelesen. Und was die Dame macht, sie liest eigentlich quasi wie beim Simultandolmetschen, also sie liest dann diese Nachrichten indem sie sie über die Sprachausgabe Empfängt und dann vorliest beziehungsweise spricht. Gerade in der englischen Community ist das ja geradezu eine philosophische Frage, ob man diese Art von informations-Aufnahme überhaupt als lesen bezeichnen darf. Aber klar, es ist schon irgendwie eine Form des Lesens, weil ich ja auch die Kontrolle habe. Ich kann sagen: Nächster Satz, voriger Satz, Wort nochmal buchstabieren und alles das geht ja. Das ist schon eine Art des Lesens, ein bisschen indirektere Art vielleicht als bei dem lesen mit den Augen oder Fingern, weil bei der Sprachausgabe halt nicht die einzelnen Buchstaben so an einem vorbeilaufen oder man selber an ihnen vorbeiläuft, sondern man hört irgendwie die Wörter oder Wortteile. Man hört sie anders als wenn sie ein Mensch vorliest, weniger interpretierend, wobei wie ich gerade gesagt habe manche sprachausgaben die Sachen auch kaputt interpretieren.
Da ist, Wer Braille beherrscht, das sind ja gar nicht so viele blinde Menschen, die das tun hat, doch noch mal einen direkteren einen unmittelbaren Zugang zur Schrift. Und wenn ich mir vorstelle, ich müsste wie, das auch Kollegen von mir tun, in der Kirche zum Beispiel mit einem Kopfhörer oder Ohrhörer, ich höre zum Beispiel eine Bibelstelle im Gottesdienst in meinem Ohr und spreche sie dann nach, damit ich sie auf die Weise der Gemeinde vorlese, also verkünde, ist ja einer meiner Dienste im Gottesdiensten, das Evangelium zu verlesen im Gottesdienst. Mein Ding wäre es nicht, aber man könnte sich ja einüben. Ich bin aber doch sehr froh, dass ich in der entsprechenden Geschwindigkeit auch gar nicht, ohne viel vorher üben zu müssen, sondern wenn mir jemand sagt, du ich brauch dich jetzt mal kurz, lies mal diese Stelle nachher,, dann geht es auch aus dem Stand und spontan.

Domingos
Mhm genau also das Thema Alphabetisierung beziehungsweise fit bleiben in der Rechtschreibung, in der Grammatik, Rechtschreibprüfung, Orthographie, natürlich aber auch Mathematik, programmieren – das sind ja ganz wichtige Themen, wo Braille einen entscheidenen Vorteil haben kann.

Aleksander
Es gab aus den USA eine Studie, mir ist jetzt nicht ganz bekannt, von wem, wo es dann darum ging, dass Menschen, die Brei beherrschen, viel häufiger. im Beruf Fuß fassen, dass sie viel häufiger wirklich einen Job haben und viel seltener ohne Beschäftigung sind.
Jetzt kann man natürlich das Henne Ei Problem an der Stelle aufwerfen und die Frage stellen: Finden sie schneller in den Beruf, weil sie sowieso aufgrund der Braille-beherrschung, weil das dafür spricht, dass sie auch sonst einiges können. Also die Wechselwirkung ist sicher nicht so ganz simpel. Aber wahrscheinlich hat es schon irgendetwas miteinander zu tun. Ich kann sehr vieles auch nur mit Sprachausgabe machen, aber dann muss ich schon wieder geübt sein. Es reicht nicht, die Sprachausgabe einfach zu starten und das geht dann alles irgendwie sondern dann muss ich sie gezielt einsetzen. Ich habe zum Beispiel bei meinem Screenreader in der Textbearbeitung Microsoft Word ein sogenanntes Soundschema eingestellt, also ein Set von Einstellungen, nennt sich Korrekturlesen. Und da verändert sich die Stimme so in Tonhöhe, in Klangfarbe quasi in Geschwindigkeit. Schriftart, Schriftgröße und solchen Dingen. Und auch nach Schrift Farbe, die wird mir einfach angesagt so als Wort gelb oder so Sachen, aber bei kursiv, unterstrichen, Fett und so das habe ich verschiedenen Stimmen zugeordnet, so dass nicht dauernd Dazwischen so beschreibende kommentierende Wörter gesagt werden wie Fett und unterstrichen und so, sondern das höre ich am Klang des vorgelesenen Textes, so wie ein sehender sofort merkt: Ah das ist hier irgendwie dicker oder das ist unterstrichen oder so. Da kann man mit Sprachausgabe sehr viel tun und bin dennoch froh gerade im Hinblick auf die Genauigkeit, auch wenn ich was lerne, nicht bloß mal kurz zur Kenntnis nehmen will, sondern wirklich mir das genauer einprägen will. Dann bin ich eben so eher der der Lerntyp, aber ist wahrscheinlich auch eine Gewohnheitssache, dass ich das besser aufnehme über Braille. Das setzt natürlich auch ein gewisses lese tempo voraus, so ein sinnentnehmendes schnelles lesen und dann ist es wahrscheinlich auch wieder So eine stabile flexible Wechselwirkung: Je mehr man damit macht desto schneller wird man so ein bisschen wie im Sport halt auch. Training an sich einfach dafür sorgt, dass man dann auch wieder besser wird.

Viel Information auf kleiner Fläche

Domingos
Ja, definitiv. Generell ist es ja so, dass die Sprachausgabe sehr viele, ich nenne es Meta-Informationen, ausgibt. Also es wird ja nicht nur vorgelesen, was auf dem Bildschirm drauf ist, sondern zum Beispiel Eingabefeld im besten Fall natürlich, welche Beschriftung das Eingabefeld hat, ob da vielleicht schon ein Text drinsteht und so weiter. Und das Problem dabei ist, dass die Braillezeilen relativ beschränkt sind, was die Darstellbarkeit angeht. Da sind 40 bis 80 Zeichen möglich, was gar nicht so viel ist.

Aleksander
Ja also das muss man sich wirklich vergegenwärtigen: Man Stelle sich vor, ein sehender Mensch würde so vorm Computer arbeiten, dass er so ein ganz kleines Fensterchen hätte wie so ein Ausschnitt, wie so eine kleine, Schablone wie so ein Lineal, ungefähr auch von der Länge her, länger vielleicht als ein Lineal, aber so schmal und das, was da zu lesen ist, das was da hin passt, eine Zeile ungefähr oder Weniger. Und wenn das zu Ende ist muss er irgendwas machen, das Lineal vielleicht verschieben auf dem Bildschirm, damit das Sicht Fensterchen sich also nach unten bewegt und dann liest man die nächste Zeile. Diese Art von in Anführungszeichen Überblick, da würde jetzt jeder Sehende sagen: Ja das ist ja eine Katastrophe, so kann ich ja nicht arbeiten.
Ja, so müssen wir arbeiten. Aber das ist für uns der Stand der Technik. Es gibt so Flächen-Displays auch, die mehrzeilig sind, aber das ist alles Ja also eher gedacht, um mal einfache, sehr vereinfachte Grafiken auch wahrzunehmen. Und so für Text, dass man dann auf einmal wie auf dem Blatt ganz viel darstellt, ist es auch nicht besonders praktisch, weil die lesenden Hände natürlich auch anders über den Text gehen Als das überfliegende lesen mit den Augen, ist auch nicht ganz das gleiche und nicht ganz so zu leisten.
Also insofern ist eine Zeile schon auch in Ordnung so, aber dennoch ja 40 Zeichen Ist so tendenziell wahrscheinlich der Durchschnitt, die meisten haben 40er Zeilen vor sich liegen irgendwo auf den Schreibtischen dieser Welt. Bei mir ist es auch eine 40er, ich arbeite eigentlich nie mit 80er Zeilen, weil mir das auch schon wieder zu lang ist. Da muss ich ja dann auch wieder mit den Fingern, gut wenn ich mit 2 Händen lese, dann kann ich so bei 40 bei der Hälfte ungefähr so übernehmen mit dem anderen Finger und sowas, aber an sich steigert nicht besonders den Komfort. Dafür ist sie aber viel größer, abgesehen davon, dass sie fast doppelt so teuer ist. Und von daher gerne eine 40er Zeile .
Es gibt so eine gewisse Untergrenze, wo es dann auch wieder Zu viel weiterscrollen, zu viel weiterschalten ist. Also Ich habe hier so ein mobiles Gerät, so ein quasi Braille-Notebook. Da ist die braillezeile so ins Gehäuse, man kann fast sagen eingebaut. Sie ist also hineingeklickt, rastet so ein, wenn man sie so einsetzt. Man kann sie entnehmen und die ist 14-stellig. Und das ist also wirklich eine Untergrenze, so bei 14 Zeichen, da ja eigentlich ständig weiterschalten zu müssen. Das geht mal, gerade wenn man unterwegs ist hat man es natürlich schön handlich. Aber das ist nun also wirklich kein Komfort auf Dauer. 40 ist gerade so ein schöner Mittelwert.
Und da hat man immer das Problem: Ja Formular Beschriftungen zum Beispiel, die passen da natürlich schon mal nie hin. Ich hab also auf der Braillezeile eine Abkürzung. Wenn ich zum Beispiel in so einem Formularfeld stehe, im Web oder einem PDF, also meinetwegen Name Komma Vorname. Dann steht da dahinter bzw. ist da der Cursor zu fühlen anhand einer eindeutigen Darstellung vor dem Cursor, Der da so auf und ab blinkt, also ist einne Abkürzung, meistens dann EF, da weiß ich, es ist ein Eingabefeld und davor steht Name Vorname, das passt dann noch so schön hin. Wenn es etwas längeres ist, kriege ich normalerweise den Cursor eben ins Eingabefeld platziert und die Braillezeile zeigt in mir an, damit ich weiß ich muss jetzt hier Text eingeben und davor die letzten paar Wörter oder Zeichen der Formular-Beschriftung. Wenn es da also zum Beispiel vielleicht heißt: „Haben sie in den letzten Monaten Mittel der EU beantragt“, so und dann Irgendwas „Teil der EU beantragt Fragezeichen“ Eingabefeld. OK, und dann muss ich ein bisschen zurückscrollen, meistens haben Braille-Zeilen dann so daumentasten oder irgendein Verfahren, wo man mit den lesenden Fingern meistens Zeigefinger Mittelfinger vor allem auf dem Display bleiben kann und mit dem Daumen kann man dann scrollen, kann sich rauf runter links rechts bewegen, so dass das alles sehr schön ergonomisch ist. Und wenn die Braillezeile vielleicht sogar eine Eingabe Tastatur hat, dann kann man da ohne dauernd irgendwie ständig so in Bewegung bleiben zu müssen und mit den Händen da rumfuchteln zu müssen eigentlich auch wirklich sehr schön arbeiten.
Und diese Formular Objekte und vieles andere mehr wird eben auf der Braillezeile normalerweise abgekürzt EF für Eingabefeld, dann so ein x in eckigen klammern wenn es drinsteht, dann weiß ich, ah da ist ein Häkchen gesetzt, da ist also eine Checkbox ausgefüllt mit ja oder mit zutreffenden oder so wenn da nur eckige Klammer auf leer eckige zu ist, dann weiß ich, okay das Häkchen ist nicht gesetzt, solche Dinge sind es. Und auch so Sachen wie Überschrifts-Ebene 3 wird verkürzt meistens ü 3 oder H 3, so je nach Sprache und so dargestellt. Und wie gesagt, mit Sprachausgabe mag ich das auch sehr, dass Meta-Informationen wo es geht irgendwie sich Weg konfigurieren lassen. Ich mach das sehr gern. Ich arbeite da oft bei dem Screenreader, den ich verwende so, dass Möglichst viele solcher Informationen mir nicht ausgesprochen angesagt werden, sondern durch einen Sound. Ein bestimmter klickender Sound in Word ist für mich das Zeichen: Hier endet ein Absatz, also da ist eine Absatz Markierung, da sagt der Screenreader nicht absatzmarke, das hab ich ihm abgewöhnt, sondern der macht da Klick. Es gibt eine bestimmte soundfolge, wenn da eine Überschrift ist und so weiter.

Kurzschrift am Computer nicht so praktisch

Domingos: Es gibt ja Die zusammengefasste Variante von der Blindenschrift die das ganze auch noch erleichtern kann also die sogenannte Kurzschrift im Gegensatz zur voll Schrift vielleicht kannst du dazu noch ein 2 Sätze sagen.

Aleksander
Ja die Schrift nimmt ja sehr viel Platz in Anspruch. Also besonders in der gedruckten Form hat es natürlich dann auch die Bedeutung,, dass die Braille Schrift-Veröffentlichungen, die Bücher, die Ordner die Hefte – je nachdem, wie das dann gebunden ist oder abgeheftet ist – sehr viel Platz wegnehmen. Das, was sonst vielleicht ein kompaktes Taschenbuch ist für sehende, das sind für uns dann schnell mal 3 oder 4 dicke Bände. Und um das ganze ein bisschen jedenfalls zu bändigen, hat man schon sehr früh die Kurzschrift erfunden, die Braille Schrift wird ja demnächst 200 Jahre alt, achtzehnhundertfünfundzwanzig erfunden vom genialen Louis Braille mit 16 Jahren damals selber erblindet, hat sich nicht damit zufrieden gegeben, dass man irgendwie die normalen Buchstaben tastbar macht. Damit kann man zwar mal ein Wort entziffern, aber unmöglich ganz lange Texte lesen. Und er kam einfach darauf, des Rätsels Lösung ist, wenn ein Buchstabe unter die Fingerkuppe passt, dann kann man schnell lesen, hat dann so lange rumgeforscht, bis er auf den Trick gekommen ist mit den 6 Punkten. Jetzt im computerzeitalter sind es 8 für Zusatz Infos, das ist gerade noch okay mit 8 oder 6 ist schon wirklich ideal. Aber Buchstabe für Buchstabe, das nimmt eben sehr schnell sehr viel Platz Weg. Uund dann kann man schon paar Jahrzehnte nach Louis Braille auf die Idee mit verschiedenen kürzungsvarianten die deutsche Kurzschrift so die erste die diesen Namen verdient hat. Hat die kam dann 1904 und hat sich ja durch mehrere Reformen jetzt so also in einigen Grundzügen gehalten Es gibt ein paar Zeichen, die gelten seit 1904 aber Es sind natürlich immer weniger doch immer wieder mal etwas geändert worden ist letztes Reförmchen 2018 in Kraft getreten. Und ja die Kurzschrift kürzt also ganz schön je nach Text Gattung mal mehr mal weniger weil viele dieser Kürzungen schon irgendwie auch so Wörter betreffen wie Politik und Gesellschaft und Demokrat und solche Sachen werden da ganze Wortteile ganz stark gekürzt dann gibt es. Silbenkürzungen so für ER und EM und alle diese Silben, die im deutschen oft vorkommen und diese Kombination aus Silben Kürzungen wortteil und wortkürzungen sorgt natürlich dafür wenn man die doch etwas komplizierten Regeln der Kurzschrift dann auch gelernt hat dass man schneller wird mit dem lesen unter Umständen auch und dass eben auch die. Mehr Platz hat auf so einer Braillezeile oder überhaupt in einer Zeile auf einem Blatt Papier und so also so ein Wort Demokratie zum Beispiel besteht dann wirklich in Kurzschrift aus 3 Zeichen, das ist schon. Das und am Computer kann man auch auf Kurzschrift Darstellung umschalten ich mache das nicht so oft, weil gerade dann wenn. Ich irgendwie so. Mit also im Datei Explorer mit Dateinamen und dateiendungen zu tun hab und mit Website mit URLs mit links und mit irgendwelchen Mail Adressen und so dann wird ja sowieso auch in Kurzschrift umgeschaltet auf eine computerpralldarstellung und dann ist es schöner ich lese es direkt in der vollen Form ohne diese an und abkündigungszeichen und so nur wenn ich weiß jetzt werde ich mal länger am Computer einen normalen Fließtext lesen Zeitungsartikel oder so eine halbe Stunde oder mehr. Dann schalte ich schon auch mal an der Braillezeile um auf die Kurzschrift Darstellung.

Wie viele Blinde Braille beherrschen

Domingos
Was ja vielleicht noch spannend wäre: Wir haben glaube ich keine exakten zahlen, aber weißt du ungefähr wie viele Menschen überhaupt die Blindenschrift so beherrschen, dass sinn-entnehmend lesen können, also ein bisschen mehr als Medikamenten Verpackungen sage ich mal und weißt du auch, wie viele Menschen und davon ungefähr die Kurzschrift beherrschen?

Aleksander
Es gibt ganz wenig wirklich belastbare zahlen drüber, wie viele Menschen die blind sind die Bereitschaft so beherrschen, dass sie also wirklich auch mal lesen auch mal vielleicht eine Zeitschrift in die Hand nehmen können oder so. Es gibt so zahlen die bewegen sich immer irgendwie um die 15%, das ist erschreckend gering möchte man sagen also umgekehrt: 85% blinder Menschen haben. In Anführungszeichen gar keine Schrift. Also sie können sich natürlich Sachen vorlesen lassen, wie schon gesagt problemlos und können ja vielleicht auch, soll man ja sowieso, blind auf der Tastatur schreiben. Das geht alles, aber können selber nicht wirklich Die Braille-Schrift lesen. Also 15% Brei Beherrschung, wird so ungefähr angenommen. Manche sagen 20%, manche sagen 12. Vielleicht ist es auch ein bisschen eine definitionsfrage: Was heißt lesen können. Aber wenn wir sagen, also schon so, Dass es nicht gerade so klingt wie in der ersten Klasse Grundschule, in den ersten Wochen, sondern so bisschen flotteres lesen auch vorlesen können mal ein bisschen was, dann sind wir vielleicht bei diesen 15% irgendwo. Und Von denen sind wahrscheinlich dann die meisten doch recht geübte und recht gewillte und recht Flotte lesende, die also sagen ja das interessiert mich dann auch und das Nutz ich dann auch vielleicht auch im Beruf. Da werden dann doch sehr viele auch auf die Kurzschrift setzen wobei der Trend zur Kurzschrift nicht mehr so stark ist im deutschen Sprachraum wie vor 30 – 40 Jahren noch die Braille-Schrift hat ja mächtig Konkurrenz bekommen durch alles, was man Hören kann. Und da ist vielleicht der Anreiz, dass man ja größere Mengen Literatur oder überhaupt Text zur Kenntnis nehmen kann mit kurz. Vielleicht auch in den Bibliotheken noch so in Form von gedruckten Ausgaben gibt es ja noch vieles in Kurzschrift da ist der Anreiz jetzt nicht mehr so groß deswegen jetzt die Kurzschrift zu lernen oder damit man ein bisschen flotter liest. Da bleibt man dann vielleicht einfach bei den vollen Schriften bei der Computer Brei Ausgabe, also einer Variante der ungekürzten Blindenschrift. Und das reicht dann schon auch für den Alltag. Das heißt Kurzschrift hat nicht mehr ganz den Stellenwert. Ich hab schon vor über 50 Jahren von einer Münchner blinden Lehrerin gehört: Ja die Kurzschrift ist schon so ein bisschen nicht jedermann Schrift, ist schon ein bisschen eine Eliten Schrift. Wobei man aber sagen muss, damals vor 50 Jahren haben auch Menschen mit Lernschwierigkeiten zum Teil ein staunenerregendes blitzsauberes Schriftbild hinbekommen in Kurzschrift, also beim Schreiben, sogar auf der Blindenschrift Schreibmaschine auf Papier. Ich kriege heute noch manchmal Briefe von Menschen, die jetzt heute vielleicht 60 – 70 Jahre alt sind, die das damals Gelernt haben, die vielleicht so gerade irgendwie einen Hauptschulabschluss hinbekommen haben, aber super schreiben, oft besser und weniger in Anführungszeichen nachlässig oder schludrig, als das heute manche Abiturienten hinkriegen. Da ist aber natürlich einfach heute ne andere Art von schnell-Schriftlichkeit. Heute kann ich halt in die Tasten hauen und nachher noch korrigieren, bin manchmal vielleicht zu faul dazu, aber kann es tun. Und da ändert sich schon etwas. Und die Kurzschrift ist in manchen Ländern inzwischen nicht mehr in Gebrauch. Ich habe viel Kontakte in die slawischen Länder. In Polen gibt es noch ein paar Leute, die kennen das noch, die haben sowas mal gelernt und nutzen das einfach, weil sie begeistert sind so als Hobby. Aber sie ist überhaupt nicht mehr im Lehrplan, sie ist nicht mehr in Gebrauch und so ist das in vielen Ländern.

Domingos
Wird die Kurzschrift in Deutschland noch gelehrt?

Aleksander
Ja in Deutschland wird Kurzschrift gelehrt, Sowohl in den Einrichtungen also die sozusagen fördernde Einrichtungen blinden und sehbehindertenschulen,, soweit es sie gibt soweit sie sage ich jetzt mal provokativ noch nicht der Inklusions-Ideologie zum Opfer gefallen sind. Dazu vielleicht auch gerne noch mehr dann.
Meistens geht das mit der Kurzschrift so im fünften Schuljahr los. Sonst so im inklusiven sonderpädagogischen Setting wenn also mobile Lehrkräfte kommen und mit den Kindern und Jugendlichen in den regulären Schulen in der allgemeinen Schule brailleschrift erarbeiten, dann fällt die kurzschrift oft runter, wird sie nicht mehr gelehrt. Nur mal so am Rande vielleicht. Je nachdem, Wer da auch kommt, dann als Lehrkraft, Wer selber sehr engagiert ist, vielleicht selber betroffen ist, die haben noch mal eine ganz andere vielleicht doch ja emotionalen Zugang. Die sagen: Mir hat die kurzschrift so wahnsinnig viel geholfen, ich zeige es dir auf jeden Fall, ob du es dann nutzt ist ja eine andere Frage, aber ich will es dir nicht vorenthalten. Insgesamt nimmt das daher natürlich jetzt schon ein bisschen ab zusätzlich zu dem dass eben 3 mittlerweile halt nicht mehr der einzige Weg ist, um an Informationen zu kommen, wenn man blind ist.

Die Verantwortung der Screenreader

Domingos
Vielen Dank für den Einblick. Abschließende Frage: Gibt es Dinge, die jemand der Webseiten oder PDFs oder was auch immer verantwortet, Tun kann, um die Darstellung in blindenschrift zu verbessern oder sollte man sich auf die Sprachausgabe konzentrieren oder gibt es überhaupt einflussmöglichkeiten oder siehst du das eher beim screenreader?

Aleksander
Die einstellungsmöglichkeiten sehe ich bei den screenreadern. Da gibt es auch viel optimierungsbedarf wirklich dringend. Das gilt jetzt insbesondere für das mobile Betriebssystem iOS. Von Android kann ich es gar nicht so im einzelnen sagen, wie gut da dieses brailback inzwischen ist, schon länger nicht mehr unter den Fingern gehabt. Bei I OS ist das Problem, dass die brailledarstellung im Wesentlichen also stärker als unter Windows einfach ein sprachausgabeverlauf ist.
Also ich kriege auf der braillezeile im Wesentlichen einfach das wortwörtlich was eigentlich über die Sprachausgabe kommt. Einmal hatte ich ein sehr kurioses Erlebnis. Da hat ein App Entwickler anscheinend dafür sorgen wollen, dass die Sprachausgabe etwas richtig ausspricht, in dem Fall war es das Wort Livestream. Er wollte dafür sorgen. Dass Voice over so heißt der screenreader unter iOS nicht etwa vielleicht Liebe Stream sagt so wie man schreibt. Hätte er wahrscheinlich gar nicht getan, aber das wollte der App Entwickler also jedenfalls verhindern und hat irgendwie dafür gesorgt, dass an der Stelle Voice Over den Text bekommt. Livestream. Das war dann irgendwie geschrieben LAIF. Scharfes STRI. M ich glaub sowas. Livestream wurde perfekt gesagt der Haken an der Sache genau so wurde das Wort dann auf der braillezeile dargestellt also das sind Kinderkrankheiten die sind wahrscheinlich in der Form jetzt überwunden aber man kriegt bei I OS zum Teil wirklich so Einfach ziemlich ausführlich alle diese Hinweise auch „zum Öffnen doppeltippen“ und so weiter diese ganzen Dinge tauchen kurz auf, je nachdem wie lange die hinweismeldung dann auf der braillezeile verbleibt, entweder bis man sie wegklickt oder eine bestimmte Anzahl Sekunden und das ist ein bisschen lästig.
An der Barrierefreiheit von Dokumenten, Apps und Webangeboten gibt es an sich keinen Unterschied zu machen, Dass man es jetzt irgendwie für breidarstellung anders machen müsste. Da gelten die Grundsätze also zum Beispiel wirklich sinnvolles arbeiten mit Überschriften oder in der Textverarbeitung mit Formatvorlagen bei aufzählungen und nummerierungen,, das korrekte auszeichnen von Tabellen, Bilder brauchen alternativtext, eben all diese Dinge, die Da notwendig sind die sorgen dafür dass das auch im Brei richtig dargestellt wird.

Domingos
Vielen Dank für deine Zeit und weiterhin viel Erfolg für deine Arbeit.

Warum Hilfsmittel objektiv getestet werden sollten

Das Internet hat den Zugang zu Informationen über Hilfsmittel erleichtert. Die Zahl und die Unterschiedlichkeit der Hilfsmittel hat stark zugenommen. Und das auch, wenn man die diversen Apps, die ähnliche Zwecke wie Hilfsmittel erfüllen können nicht dazu nimmt. Betrachten wir ein paar Beispiele.
Zur Erklärung: Dedizierte Hilfsmittel sind Geräte, die als Hilfsmittel ausgewisen sind, häufig von der Krankenkasse übernommen werden und in der Regel einen ganz bestimmten Zweck erfüllen. Davon zu unterscheiden sind Alltagsgeräte, die wie Hilfsmittel verwendet werden, auch wenn sie ursprünglich nicht dazu gedacht sind: Smartphones, Tablet-PCs, sprachgesteuerte Assistenzsysteme und so weiter. Ich nenne hier nur Hilfsmittel, von denen ich zumindest ein wenig verstehe, Rollstühle und Ähnliches muss ich deshalb ausklammern. Gemeint sind auch nur dedizierte Hilfsmittel.

Blinden-Hilfsmittel

Aktuell gibt es einen kleinen Boom an Hindernis-Erkennungssystemen für Blinde: Schuhe, Gürtel, Gerätschaften für den Blindenstock und so weiter. Es ist praktisch unmöglich, neutrale Informationen jenseits des Marketing-Blablas der Hersteller zu bekommen, die natürlich so gut wie nichts taugen. Mobilitätstrainer, die Blinden Orientierungstechniken beibringen, kennen häufig einzelne Gerätschaften und können viel aus eigener Erfahrung berichten, kennen aber selten alle verfügbaren Gerätschaften, ihre Stärken und Schwächen im Detail und im Vergleich zueinander.
Weiteres Beispiel sind Braillezeilen: Bei meinem letzten Besuch auf der Fachmesse SightCity hatte ich eine kleine Braillezeile der Firma Humanware in der Hand: Ein echter Plastikbomber, er wirkte sogar für meine geringen Ansprüche schlecht verarbeitet. Diese kleinen Braillezeilen werden häufig in Rucksäcken oder Jackentaschen verstaut und müssen dann, selbst wenn sie in einer Schutztasche sind oft mehr aushalten als große Braillezeilen, die so gut wie nie bewegt werden. Wahrscheinlich war hier das geringere Gewicht von Kunststoff ausschlaggebend.
Und dann die OrCam, ein Hilfsmittel, das maßlos gehypt wurde. Sie kann tatsächlich nichts, was ein handelsübliches Smartphone mit ein paar Apps nicht auch kann: Erkennung von Farben, Texten, Gesichtern… Ihr einziger vorteil ist, dass sie an einem Brillenbügel befestigt werden kann und man damit die Hände frei hat, für Blinde super-wichtig. Hier hätte mich ernsthaft interessiert, ob sie im Vergleich mit sagen wir der App SeeingAI fürs iPhone tatsächlich besser abschneidet. Meine Vermutung ist nein. Der Grund ist ganz einfach, schon ein älteres iPhone dürfte bessere Technologie verbaut haben und SeeingAI ist das Prestige-Projekt des Milliarden-Konzerns Microsoft. Wie viel AI darin steckt, wissen wir natürlich nicht, aber es ist sicherlich mehr als die OrCam jemals haben wird. Aber wie gesagt, ein objektiver Vergleich würde die Stärken und Schwächen offenlegen. Aktuell wäre ein strukturierter Vergleich mit der – meiner Meinung nach deutlich besseren – Envision AI interessant.
Spannend wäre auch die Frage, was Apps zur Farberkennung tatsächlich taugen, vor allem im Vergleich zu ausgewachsenen Farberkennungsgeräten, die fast so viel kosten wie ein Smartphone, aber weniger praktisch sind. So was ließe sich problemlos objektiv testen, nur macht es keiner.
Testen heißt übrigens nicht, die Geräte einfach mal zu benutzen. Man muss ein wenig Ahnung von der Materie haben, zum Beispiel von der richtigen Ausrichtung von Geräten zur Hindernis-Erkennung, den Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Technologien wie Infrarot oder Ultraschall und eine sinnvolle Methodik haben.

Hörgeräte

Das gleiche Trauerspiel finden wir verschärft bei Hörgeräten. Hier gibt es das Zusatzproblem, dass es ein Wirrwarr an Marken und Akkustikern gibt: Die Akkustikerkette X verkauft nur Hörgeräte der Marke Y, manchmal einfach nur gebrandet, manchmal aber auch nicht. Heißt im schlimmsten Fall, nimmt man diese Kette, hat man eventuell nur Hörgeräte zur Wahl, die alle nicht optimal für das eigene Hörproblem sind.
Hinzu kommt, dass die Krankenkasse nur den Minimalbetrag bezahlt, die Akkustiker aber gerne mal – häufig unnötige – Extras berechnen: Mini-Hörgeräte, Zusatz-Geräte für spezielle Einsatzzwecke, sogar für den Pipifax Bluetooth-Konnektivität zum Smartphone wird extra zur Kasse gebeten.
Hinzu kommt, dass durch die Apps häufig weitere Einstellmöglichkeiten für die Hörgeräte möglich sind. Es ist also keineswegs irrelevant, für welches Gerät man sich entscheidet, schon die Wahl des Akkustikers kann über die künftige Hörqualität entscheiden.
Und jetzt versuchen Sie einmal, objektive Informationen zu den einzelnen Geräten, ihre eventuellen Leistungen, Funktionen und Zusatzkosten zu bekommen. Das ist auf jeden Fall eine langwierige und unddankbare Aufgabe.

Warum persönliche Erfahrungstests nicht die Antwort sind

Wir sind uns glaube ich einig, dass die Verkäufer generell schlechte Berater sind. Das Kapitalismus-Prinzip versagt nirgendwo so stark wie beim Hilfsmittelmarkt. Das Marketing ist an dieser Stelle maßlos, mein Lieblings-Beispiel dafür ist die OrCam, die sich eine Zeitlang als eine Art neuer Messias inszeniert hat. Aber wo sollen die Infos sonst herkommen?
Nun gibt es in der Blindenszene einige Leute, die Hilfsmittel testen. Allerdings sind solche Ergebnisse immer sehr subjektiv oder verfälscht. Legendär unter blinden Technikfans sind die Tests von INCOBS wegen ihrer miserablen Qualität. Da sollte jemand, der offensichtlich keine Ahnung von Android und Talkback hatte mit einem veralteten Gerät und einer veralteten Version sämtlicher Programme testen, wie barrierefrei Android für Blinde war.
Und natürlich ist keine Privatperson finanziell und zeitmäßig in der Lage, alle Gerätschaften einer Kategorie ausführlich zu testen, zu bewerten und die Ergebnisse zu veröffentlichen, zumindest wenn sie einem normalen Job nachgeht. Hier könnte ich mir am ehesten eine Art Crowdsourcing vorstellen, bei dem also viele Einzelpersonen ihre Hilfsmittel nach bestimmten festgelegten Kriterien bewerten. Das aber birgt die Gefahr der Manipulation.
Nein, am besten wäre eine Institution, die nicht am Verkauf eines bestimmten Hilfsmittels verdient. Sie müsste ein möglichst objektives Bewertungsverfahren am besten mit selbst betroffenen Versuchspersonen entwickeln und durchführen. Sie müsste die Hilfsmittel möglichst längere Zeit in der Praxis testen. Im Grunde sollten die Krankenkassen ein Interesse an so einer Institution haben, denn sie bezahlen so ziemlich alle Hilfsmittel, nur ein kleiner Teil wird von anderen Trägern wie den Integrationsämtern übernommen.
Leider ist eine solche Institution nicht in Sicht. Am liebsten wäre mir ja die c’t oder I fix it, denn gerade Braillezeilen für Blinde sind häufig so konstruiert, dass sie nicht einfach repariert werden können. Die Firmen wollen mehrfach abkassieren: für den Verkauf, für die Wartung, für den Tausch der Akkus und warhscheinlich noch für die Entsorgung, wenn das gute Stück nach 3,5 Jahren seinen Geist aufgibt. An der c’t finde ich gut, dass sie zwar Produkte vergleicht, aber keine in der Regel sinnfreie Rangliste bastelt. Die macht im Zusammenhang mit Hilfsmitteln noch weniger Sinn als anderswo, weil Hilfsmittel oft spezielle Einsatzzwecke erfüllen müssen. Die 10 besten Hindernis-Erkennungen wäre also sinnfrei, sofern es überhaupt 10 Geräte dieser Art in Deutschland gibt.

Zum Weitelesen

Barrierefreiheit von Placeholder-Texten

Screenshot Deutsche Bahn FormularPlaceholder oder Platzhalter-Texte werden in letzter Zeit wieder beliebter. Es handelt sich um Texte, die innerhalb von Eingabefeldern stehen und in der Regel verschwinden, wenn das Feld mit der Tastatur fokussiert oder mit der Maus angetippt wird bzw. wenn die Nutzerin selbst das erste Zeichen eingibt. Häufig werden die Texte anstelle einer visuellen Beschriftung oder als Zusatz-Information verwendet. Für die Barrierefreiheit gibt es eine Reihe von Problemen.

Scheinbare Vorteile

Zunächst einmal erscheinen Placeholder auf mobilen Geräten praktisch. Häufig wird die Beschriftung des Elements in das Eingabefeld gepackt, um Platz auf diesem engen Raum zu sparen. Die zweite Aufgabe kann sein, zusätzliche Informationen neben der eigentlichen Beschriftung für die Ausfüllende Person zu geben. Das heißt, es gibt eine permanente sichtbare Beschriftung und den Placeholder.

Placeholder müssen die Mindest-Kontraste erfüllen

Placeholder haben in der Regel einen geringen Kontrast. Üblich ist ein helles Grau auf Weiß. Das Argument ist, dass die Ausfüllerin den Text nicht lesen muss, er verschwindet ja eh gleich und 2. schnell erkennen muss, dass sie diesen Text nicht eingetragen hat, also das Feld noch befüllen muss. Häufig wird hier einfach der Browser-Default für die Schrift-Farbe verwendet, die Farbe wird also gar nicht definiert, das führt aber in aller Regel zu dem gleichen Problem mit dem geringen Kontrast.
Das Problem ist , dass der Text auch wenn er unwichtig sein mag lesbar sein muss. Beide Argumente sind aus Sicht der Barrierefreiheit falsch: 1. Weiß die Ausfüllerin nicht, ob der Text wichtig ist oder nicht. 2. Weiß die Person nicht, ob das Webdesign sich für ein superhippes Design entschieden hat, wo auch der normale Text grau auf weiß ist. Sie könnte also denken, dass sie dieses Feld bereits ausgefüllt hat.
Beides muss also erfüllt sein: Der Kontrast des Placeholders muss mindestens 4,5:1 sein und der selbst eingetragene Text noch mal deutlich mehr Kontrast haben. In letzterem Fall spricht nichts gegen Schwarz auf Weiß. Glauben Sie mir, kein Kontrast-Verhältnis der Welt führt dazu, dass Ihr Formular hübsch ist oder es jemand gerne ausfüllen wird.

Placeholder als maschinen-lesbare Beschriftung ungeeignet

Das Placeholder ist weder als Label noch als maschinenlesbarer Name im Sinne SC 2.5.3: Label in Name anzusehen. Es ist also nicht als einzige Beschriftung eines Formular-Elements zulässig.
Leider ist das Placeholder-Attribut auch aus mehreren Gründen als Beschriftung oder Hilfe-Text ungeeignet.
Der Text verschwindet in der Regel, wenn das Eingabefeld fokussiert wird. Die Person, die das Feld antippt weiß eventuell nicht, was sie dort eintragen soll und muss das Feld wieder verlassen. Ein Placeholder, der stehen bleibt kann dazu führen, dass man Eingaben wie „MatthiasGeben Sie Ihren Vornamen ein“ bekommt.
Wie oben gesagt muss der Placeholder den Mindest-Kontrast erfüllen. Das kann aber dazu führen, dass eine Person denkt, sie hätte das Feld bereits befüllt oder es sei automatisch – vom Browser oder durch die Anwendung – befüllt worden. In umfangreichen Formularen kann das Problem durchaus bestehen.

Alternativen zu Placeholdern

Wie oben gesagt birgt der Placeholder zahlreiche Probleme, bringt aber bis auf ein wenig Platz-Ersparnis keine Vorteile. Generell muss im Sinne der WCAG immer eine permanente Beschriftung (Label) vorhanden sein.
Wir empfehlen generell den Verzicht auf Placeholder für Hilfe-Texte: Entweder ist der Text überflüssig oder er ist wichtig, dann hat er auch einen permanenten Platz verdient. Umstritten ist, ob der Hilfetext Teil des maschinenlesbaren Labels sein sollte, dies kann zu sehr langen Labeln führen, die eher verwirren. Aktuell wird empfohlen, Hilfetexte oder Fehlermeldungen mit Aria Described by mit dem Eingabefeld zu verknüpfen.
Daneben gibt es eine weitere Möglichkeit, das sogenannte floating label oder die schwebende Beschriftung. Die schwebende Beschriftung sieht zunächst wie ein Placeholder aus, fliegt aber bei Fokus aus dem Eingabefeld heraus, in der Regel nach oben links oder mittig. Generell ist diese Variante konform mit WCAG 2.1 AA, da ein permanentes, maschinenlesbares Label vorhanden ist. Das Kriterium 2.2.2 Pause, Stop, Hide bezieht sich auf Bewegungen, die von der Anwendung von selbst ausgelöst werden und außerdem länger als fünf Sekunden dauern, greift bei diesem Effekt also nicht.
Dennoch wird davon abgeraten. Im AAA-Kriterium 2.3.3 Animation from Interactions wären auch solche Animationen, die von der Nutzerin nicht intendiert sind verboten. Außer einem hippen Effekt bringt das auch wirklich keinen Vorteil.
Floating Label mit Username und Passwort-Eingabe
Eine Alternative dazu wären Infield Top-Aligned Labels, dazu gibt es offenbar keinen deutschen Begriff. Dabei ist die Beschriftung von Anfang an dort, wo sie bei einem floating Label hinschweben würde, also oben links oder mittig innerhalb des Eingabefelds. Hiermit wäre ein bisschen Platz gespart, man hat ein maschinenlesbares permanentes Label. Natürlich muss auch hier der Mindest-Kontrast erfüllt und es sollte eine angemessene Schriftgröße verwendet werden (die allerdings nicht durch die WCAG begrenzt ist).
Beschriftung im Eingabefeld

Zum Weiterlesen

Wenn die KI Bilder beschreibt – Ausgabe 2-2024

Wir verzichten bis auf Weiteres auf den Hinweis auf Veranstaltungen zum Thema digitale Barrierefreiheit. Der Grund ist die mangelnde Repräsentanz von Personen mit Behinderung und Frauen auf solchen Veranstaltungen. Obwohl Frauen überdurchschnittlich stark in dem Thema arbeiten, sind sie kaum als Sprecherinnen präsent. Behinderte Menschen werden nicht als Expertinnen, sondern nur als Betroffene eingeladen. Für solche Veranstaltungen möchten wir keine Werbung mehr machen. Schreiben Sie doch bitte solche Veranstalter an, wenn sie Ihnen auffallen und machen Sie sie auf das Problem aufmerksam.

Automatisch generierte Bildbeschreibungen haben in den letzten beiden Jahren einen deutlichen qualitativen Sprung gemacht, wie dieser Beitrag behauptet.

Die Zukunft der Bild-Beschreibung

Rebecca Romppel und Ulrike Peter stellen in einem Interview die Arbeit der Überwachungsstelle für Barrierefreiheit vor.

Wenn das Internet wie eine Mauer ist

Ein renommierter Barrierefreiheits-Dienstleister hat einen Anbieter von Barrierefreiheits-Erweiterungen gekauft – durchaus keine gute Nachricht für die Barrierefreiheit.

Wie große Akquisitionen der digitalen Barrierefreiheit schaden können

Was wir bisher nur aus den USA und Frankreich kannten, scheint jetzt auch nach Deutschland zu kommen: Die Kritiker von Overlays werden durch rechtliche Mittel unter Druck gesetzt.

Bericht von Distriko

Sogenannte Toast-Messages werden zur schnellen Information eingesetzt. Leider sind sie nicht barrierefrei.

TOAST-MESSAGES SIND NICHT BARRIEREFREI

Weiter gehts auf Englisch: Die Lesbarkeit ist ein wichtiger Faktor für alle Zielgruppen. Dieser Artikel zeigt allgemeine Tipps und Tools zur Überprüfung.

Website Readability

Wie können Alttexte in großen Mengen, zum Beispiel für Lehrbücher, produziert werden? Damit beschäftigt sich ein aktueller Beitrag.

Alt Text: Production and Validation in Large Volume

Das Design-System von Gov.uk hat bereits die Anforderungen von WCAG 2.2 aufgenommen, vielleicht ein Beispiel für Andere. Es gibt keinen Grund zu warten, bis die WCAG 2.2

in die offizielle Gesetzgebung aufgenommen wird.
Get to WCAG 2.2 faster with the GOV.UK Design System

Die Barrierefreiheit von Visualisierungen ist nach wie vor eine große Baustelle. In einem Interview teilen zwei Profis ihre Erfahrungen.

Making Visual Accessibility Part of Your Data Viz Practice

Schulungen und Leistungen

Es gibt neue Termine für die Schulungen zur Barrierefreiheit von PDF und Web von Silta. Schauen Sie einmal in das Schuungs-Angebot.

Wussten Sie übrigens, dass Silta viele Leistungen zur digitalen Barrierefreiheit anbietet, zum Beispiel Unterstützung bei Forschungs-Projekten? Schauen Sie mal in das Leistungs-Angebot.

Technische Artikel

Automat schlägt Mensch – Bildbeschreibung heute und morgen


Update: Leider hat Google mit der Umbenennung von Bard zu Gemini die Möglichkeit abgeschafft, in der kostenlosen Version Bilder hochzuladen. Aktuell kann man aber den Link zu einem Bild hinzufügen und es beschreiben lassen.
Nach einer längeren Zeit der Stagnation, wir erinnern uns an die eher mäßig sinnvollen Alternativtexte von Facebook gibt es heute Technologien im Mainstream, die auch komplexe Grafiken recht gut beschreiben können. Darum soll es in diesem Artikel gehen.

Neue Technik – neue Herausforderungen

Im Zuge der neuen Technologien habe ich diesen Artikel aktualisiert. Noch ein kleiner Disclaimer: Mir ist bekannt, dass viele andere Blinde und Sehbehinderte meine Einschätzung nicht teilen. Leider habe ich nicht die Zeit und das Wissen, das Ganze methodisch und systematisch zu untersuchen und natürlich muss man der Technik gegenüber kritisch bleiben. Meines Erachtens ist aber die Aussage, dass eine von Menschen verfasste Beschreibung in jedem Fall besser ist als eine automatisch generierte Beschreibung nicht mehr haltbar. Während eine subjektive Beschreibung bei Kunst-Objekten berechtigt ist, ist sie bei Informationsgrafiken schwierig. Eine Sehende kann sich entscheiden, welche Faktoren aus ihrer Sicht wichtig sind, eine Blinde kann das nicht, sie braucht das gesamte Bild. Es mag sein, dass ein entsprechend geschulter Sehender das gut hinbekommt, aber dafür gibt es keine Garantie.
Das Beispiel im Video zeigt mich in einer Konversation mit Google Bard, wo man mittlerweile Bilder hochladen und um eine Beschreibung bitten kann. Hier erkennt man aber auch die Grenzen bzw. Fehler von KI: Der Taschenrechner ist nicht grau, wie Bard behauptet, sondern schwarz. Eine vollblinde Person hätte das nicht erkannt. Und Farben können durchaus relevant sein, denken wir an Schwangerschafts-Tests. Auch fällt eine gewisse Geschwätzigkeit auf: Ich frage nach der Farbe und bekomme Kontext-Infos, die in dem Zusammenhang nicht wirklich gefragt wurden. Für eine blinde Person, die Farben nicht aus eigener Erfahrung kennt, könnte das aber durchaus relevant sein. Ich habe unten im Artikel die Konversation als Text dokumentiert.

In den letzten Jahren hat die Technik der automatischen Bild-Erkennung große Fortschritte gemacht. Die Gesichtserkennung auf Fotos ist mittlerweile Mainstream und lediglich durch die DSGVO beschränkt.
Es gibt durchaus Blinde oder zumindest Leute, die ganz schlecht sehen und fotografieren. Andere wollen erfahren, was zum Teufel auf dem Foto abgebildet ist, dass sie da in ihrem überquellenden Sonstiges-Ordner gesammelt haben. Dafür wäre eine automatische Objekt-Erkennung äußerst hilfreich.
Das aktuelle iOS, der Chrome-Browser auf dem Desktop und einige Social-Media-Dienste wie Facebook haben die automatische Objekt-Erkennung auf Bildern integriert. zur Bild-Beschreibung an. Diese Beschreibungen sind nach wie vor rudimentär, vermutlich möchte man hier einfach Rechen-Kapazitäten sparen. Ausführliche Beschreibungen wie die im Video gezeigten sind sehr rechen-intensiv.

Mustererkennung und Maschinen-Lernen

Es dürfte nur eine Frage der Zeit und der Leistungsfähigkeit der Systeme sein, bis die Erkennung von Objekten in Echtzeit – also in dem Moment, in dem man das Objekt fixiert, möglich wird. Das würde die Möglichkeiten für Blinde stark erweitern: Erkennt eine App beliebigen Text in einer Umgebung wie Straßenschilder oder Displays, kann sie diese automatisch vorlesen. Apps könnten Objekte erkennen, die im Weg stehen und eine intelligente Möglichkeit zur Umgehung von Hindernissen anbieten. Voraussetzung dafür sind allerdings smarte Brillen. Selbst der geduldigste Mensch hat keine Lust, ständig das Smartphone in der Hand zu halten. Diese gibt es mittlerweile zum Beispiel in Form der Envision AI. Eine weitere Voraussetzung, die aktuell nicht erfüllt ist, dass die Verarbeitung auf dem Gerät stattfindet. Für eine Eechtzeit-Erkennung ist die Verbindung zu einem Webserver und die dortige Analyse nach wie vor zu langsam.
Die Technik könnte auch bei Abbildungen im Internet genutzt werden. Alternativtexte sind vor allem im Web 2.0 unzureichend formuliert. Auf Facebook , Twitter oder WhatsApp werden viele Fotos geteilt. Die Bereitschaft der Leute, Fotos auch nur rudimentär zu beschreiben ist teils gering, teils vergessen sie es auch einfach.
Als Blinder hat man auch keine Lust, Zeit und Nerven dafür, die Leute ständig daran zu erinnern.

Automatische Bild-Beschreibungen aktuell

Wie oben erwähnt gibt es mittlerweile in vielen Systemen verfügbare automatische Bild-Beschreibungen.
Ob man dank dieser Beschreibungen die von Absender intendierte Aussage hinter dem Bild tatsächlich verstehen wird, ist leider schwierig zu beantworten. Oft genug verstehe ich den Witz auch nicht, wenn mir jemand den Bild-Inhalt erklärt.
Die Entwicklung hat sich vor allem seit ChatGPT im letzten Jahr ausdifferenziert. iOS erkennt auf einem Bild, auf dem zwei Hände abgebildet sind „Unter Wasser“, es sagt bei einem Personen-Foto „Erwachsener“. Facebook erkennt zwar Text auf einem Bild, aber wandelt den Text nicht automatisch in eine für Blinde lesbare Form um. Google Bard, Envision AI oder BeMyAI hingegen können, wie am obigen Beispiel zu sehen Grafiken ausführlich beschreiben. Die Chat-AI erweitert die Möglichkeiten deutlich, sie lässt differenzierte Bildbeschreibungen und Rückfragen zu.
Nun geraten wir auch bei Bild-Beschreibungen schnell in schwieriges Fahrwasser – ja, auch sie haben eine politische Dimension. Darf ein Algorithmus sagen, dass jemand dunkelhäutig, bärtig, älter, attraktiv, übergewichtig ist, dass er Pickel hat, eine Brille trägt, dass er traurig schaut und so weiter? Manches davon ist relativ gut automatisch ermittelbar, anderes ist Interpretation. Und manches ist politisch heikel, wenn etwa das Geschlecht oder die ethnische Gruppe falsch erkannt wird. Wahrscheinlich werden wir demnächst über solche Fragen diskutieren müssen. Denn ja, es ist einerseits oberflächlich, andererseits dürfen auch Blinde oberflächlich sein. Und ihnen sind diese Informationen nicht zugänglich, wenn sie niemanden fragen wollen und auch keine KI befragen dürfen.

Wo WoManpower gefragt ist.

Künstliche Intelligenz, Maschinenlernen und Mustererkennung stoßen an ihre Grenzen, wo komplexe Beschreibungen gefragt sind. Kunstwerke können zwar als Anreihung von Objekten beschrieben werden, aber kein Kunstliebhaber würde sich damit zufrieden geben. Frau mit langen dunklen Haaren lächelt ist eine korrekte, aber doch unzureichende Beschreibung der Mona Lisa. Aber selbst hier könnten Algorithmen helfen, eine anständige Beschreibung zu formulieren. Es ist ja keine große Sache für einen Computer, Lichtverhältnisse oder Farbkombinationen auf einem Bild zu erkennen und zu beschreiben. Auch Gedichte oder Musik-Lyrics lassen sich bisher nicht brauchbar automatisch übersetzen.
Hier kommt die WoManpower ins Spiel. Es ist schon toll, wenn ein Mensch sich hinsetzt und eine detailierte Beschreibung eines Bildes formuliert. Da aber Kunst immer eine Frage der persönlichen Perspektive ist, ist es hilfreich, möglichst viele Beschreibungen verschiedener Personen zu haben. Nebenbei profitieren auch Sehende davon, denn sie erfahren über die Beschreibung Anderer oft etwas, was sie sonst übersehen hätten. Oder habt ihr nicht den Eindruck, dass wir oft nur oberflächlich auf Landschaften oder Fotos schauen? Die Beschreibung für Blinde von was auch immer zwingt die Sehenden dazu, sich intensiver mit einer Sache zu beschäftigen, als sie es sonst tun würden.
Für ein Diagramm kann mit einem Alternativtext bestenfalls seine grobe Tendenz beschrieben werden. Die komplexen Infografiken, wie sie in Wissenschaft und Wirtschaft heute üblich sind, werden damit unzureichend beschrieben. Und seien wir mal ehrlich, wer möchte dem wissenschaftlichen, chronisch überarbeiteten und unterbezahlten Proletariat – auf die fällt das am Ende zurück – zumuten, eine solche Grafik allumfassen zu beschreiben? Wir brauchen Tools, die uns diese Aufgabe erleichtern.
Anders als bei Kunstwerken halte ich es bei strukturierten Infografiken für durchaus machbar, dass sie vernünftig von einer Software beschrieben werden können, insbesondere, wenn sie als Vektorgrafiken vorliegen, also auf den Code zurückgegriffen werden kann. Dann können Verläufe oder Farben einfach aus dem Code abgeleitet werden. Die Stärke des Machine Learnings besteht darin, dass solche Beschreibungen mit der Zeit immer besser werden können, wenn entsprechendes Trainingsmaterial vorliegt. Eine weitere Möglichkeit ist, dass kontext-abhängig Informationen aus dem Web oder aus Datenbanken abgerufen und zur Beschreibung herangezogen werden.
Richtig, es können immer Fehler auftreten und eine Vollblinde hat keine Chance, die Beschreibung selbständig zu validieren. Aber ich gehe davon aus, dass diese Beschreibungen immer besser und fehlerfreier werden. Der große Vorteil ist aus meiner Sicht, dass man die Ausführlichkeit und Detail-Genauigkeit einer Beschreibung nicht von dem Good Will einer dritten Person abhängig machen muss.

Fazit: Menschliche Beschreibungen werden vielleicht bald nicht mehr gebraucht

Vor einigen Jahren war ich noch pessimistischer, was automatisch generierte Bild-Beschreibungen leisten können. Vor allem die Chat-Möglichkeit hat mich umgestimmt sowie die rasante Verbesserung der Algorithmen. Perfekt ist sie nicht und wird sie vielleicht nie sein. Aber das ist aus meiner Sicht nicht der Punkt. Wichtig ist, dass Blinde mehr Selbstbestimmung bekommen und besser bei der Arbeit oder in der Bildung teilhaben können, KI kann uns ein Stück mehr Selbständigkeit geben.

Meine Unterhaltung mit Bard

Taschenrechner und Magazin nebeneinander, das Bild wird unten beschrieben
Domingos: Was ist auf diesem Bild zu sehen?

Bard: Auf dem Bild ist ein Schreibtisch zu sehen. Auf dem Schreibtisch liegen ein Kugelschreiber, ein Taschenrechner und Büroklammern. Auf dem Schreibtisch steht auch ein Business-Magazin. Das Magazin ist geöffnet und auf der Titelseite steht der Text „Business“.
Die Farben des Bildes sind eher neutral. Der Schreibtisch ist weiß, der Kugelschreiber ist schwarz, der Taschenrechner ist grau und die Büroklammern sind silber. Das Business-Magazin ist blau.
Das Bild ist von oben aufgenommen. Der Blickwinkel ist also senkrecht. Dadurch ist der Schreibtisch und die darauf liegenden Gegenstände gut zu erkennen.
Das Bild könnte auf einer Website oder in einem Magazin veröffentlicht worden sein. Es könnte auch in einem Büro oder einem anderen Arbeitsbereich aufgenommen worden sein.
Hier sind einige weitere Details, die auf dem Bild zu sehen sind:
• Der Kugelschreiber liegt auf dem Magazin.
• Der Taschenrechner liegt zwischen dem Kugelschreiber und den Büroklammern.
• Die Büroklammern liegen in einer Reihe.
• Das Business-Magazin ist geöffnet auf der Seite 1.
Ich hoffe, diese Antwort ist hilfreich.

Domingos: Welche Farbe hat der Taschenrechner?

Bard: Auf dem Bild ist die Farbe des Taschenrechners als grau dargestellt. Dies ist eine neutrale Farbe, die häufig für Bürogeräte verwendet wird. Die Farbe Grau ist nicht auffällig und lenkt nicht vom Inhalt des Bildes ab.
Es ist jedoch möglich, dass der Taschenrechner in Wirklichkeit eine andere Farbe hat. Die Farbe des Taschenrechners kann je nach Modell und Hersteller variieren. Einige Taschenrechner sind in Schwarz, Weiß oder anderen Farben erhältlich.
Um die genaue Farbe des Taschenrechners zu bestimmen, wäre es notwendig, das Bild in höherer Auflösung zu betrachten. In diesem Fall wäre es möglich, die Farbe des Taschenrechners genauer zu bestimmen.

Domingos: Ist der Taschenrechner komplett zu sehen?

Bard: Nein, der Taschenrechner ist nicht komplett zu sehen. Die obere und linke Seite des Taschenrechners sind abgeschnitten. Dadurch ist nicht zu erkennen, welche Funktionen der Taschenrechner hat.
Die rechte und untere Seite des Taschenrechners sind vollständig zu sehen. Dies ist jedoch nicht ausreichend, um den Taschenrechner vollständig zu identifizieren.
Um den Taschenrechner vollständig zu sehen, wäre es notwendig, das Bild in höherer Auflösung zu betrachten. In diesem Fall wäre es möglich, die obere und linke Seite des Taschenrechners zu sehen.
Hier ist eine weitere Möglichkeit, um festzustellen, ob der Taschenrechner komplett zu sehen ist:
• Man kann versuchen, den Taschenrechner in einem anderen Bild zu finden. Wenn der Taschenrechner in einem anderen Bild vollständig zu sehen ist, dann ist er auch in dem Bild, auf das ich mich beziehe, vollständig zu sehen.
• Man kann versuchen, den Taschenrechner mit einem anderen Taschenrechner zu vergleichen. Wenn der Taschenrechner mit einem anderen Taschenrechner identisch ist, dann ist er auch in dem Bild, auf das ich mich beziehe, vollständig zu sehen.
Ich habe versucht, beide Möglichkeiten zu nutzen, um festzustellen, ob der Taschenrechner komplett zu sehen ist. Ich konnte jedoch keine Informationen finden, die diese Frage eindeutig beantworten.

Domingos: Ist das ein einfacher oder ein wissenschaftlicher Taschenrechner?

Bard: Es ist nicht möglich, mit Sicherheit zu sagen, ob es sich um einen einfachen oder einen wissenschaftlichen Taschenrechner handelt. Die abgeschnittene Oberseite und linke Seite des Taschenrechners verhindern, dass man die Funktionstasten des Taschenrechners sehen kann.
Hier sind einige Hinweise, die darauf hindeuten könnten, ob es sich um einen einfachen oder einen wissenschaftlichen Taschenrechner handelt:
• Anzahl der Funktionstasten: Einfache Taschenrechner haben in der Regel weniger Funktionstasten als wissenschaftliche Taschenrechner.
• Aufschrift der Funktionstasten: Die Funktionstasten von einfachen Taschenrechnern sind in der Regel mit einfachen Symbolen oder Wörtern beschriftet. Die Funktionstasten von wissenschaftlichen Taschenrechnern sind in der Regel mit mathematischen Formeln oder Abkürzungen beschriftet.
• Größe und Form: Einfache Taschenrechner sind in der Regel kleiner und handlicher als wissenschaftliche Taschenrechner.
Aufgrund der abgeschnittenen Oberseite und linken Seite des Taschenrechners ist es nicht möglich, diese Hinweise zu überprüfen. Daher ist es nicht möglich, mit Sicherheit zu sagen, ob es sich um einen einfachen oder einen wissenschaftlichen Taschenrechner handelt.
Hier sind einige mögliche Szenarien:
• Der Taschenrechner ist ein einfacher Taschenrechner mit nur den Grundfunktionen. In diesem Fall sind die abgeschnittenen Seiten nicht relevant, da sie keine weiteren Funktionen anzeigen würden.
• Der Taschenrechner ist ein wissenschaftlicher Taschenrechner mit einer Reihe von wissenschaftlichen Funktionen. In diesem Fall sind die abgeschnittenen Seiten relevant, da sie möglicherweise einige der wissenschaftlichen Funktionen anzeigen würden.
Um die Frage eindeutig zu beantworten, wäre es notwendig, das Bild in höherer Auflösung zu betrachten. In diesem Fall wäre es möglich, die Funktionstasten des Taschenrechners zu sehen und somit festzustellen, ob es sich um einen einfachen oder einen wissenschaftlichen Taschenrechner handelt.

Domingos: Kannst du mir sagen, was das für ein Magazin auf diesem Bild ist?

Bard: Ja, das kann ich. Das Magazin auf dem Bild ist ein Business-Magazin. Das ist auf der Titelseite zu sehen, wo der Text „Business“ steht.
Die Farbe des Magazins ist blau. Dies ist eine häufige Farbe für Business-Magazine, da sie als professionell und seriös wahrgenommen wird.
Das Magazin ist geöffnet und auf der Seite 1. Dies ist ein Hinweis darauf, dass das Magazin aktuell ist und gelesen wird.
Es ist jedoch nicht möglich, das Magazin eindeutig zu identifizieren. Es gibt viele verschiedene Business-Magazine, die den Titel „Business“ tragen.
Um das Magazin eindeutig zu identifizieren, wäre es notwendig, weitere Informationen zu haben. Zum Beispiel:
• Den Namen des Magazins
• Das Logo des Magazins
• Das Erscheinungsdatum des Magazins
• Den Inhalt des Magazins
Mit diesen Informationen wäre es möglich, das Magazin in einer Datenbank zu finden und somit eindeutig zu identifizieren.
Hier sind einige Beispiele für Business-Magazine, die den Titel „Business“ tragen:
• Business Insider
• Fortune
• Forbes
• Harvard Business Review
• Manager Magazin
Es ist wahrscheinlich, dass das Magazin auf dem Bild eines dieser Magazine ist.

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Toast-Messages sind nicht barrierefrei

Toast-Message von GoogleToast Messages in digitalen Anwendungen beziehen sich auf kleine Benachrichtigungen oder Meldungen, die kurzzeitig auf dem Bildschirm erscheinen, um die Benutzerin über eine bestimmte Aktion oder einen Status zu informieren.
Hier sind einige Merkmale von Toast Messages:

  • Toast-Nachrichten erscheinen nur für einen kurzen Zeitraum auf dem Bildschirm, oft nur für einige Sekunden. Sie sollen den Benutzer nicht übermäßig stören.
  • Im Gegensatz zu großen, modaleren Benachrichtigungen stören Toasts nicht den aktuellen Arbeitsfluss des Benutzers. Sie sind eher subtil und stören die Sicht auf den Hauptinhalt der Anwendung nicht.
  • Toasts erscheinen oft in der Nähe des Bildschirmrandes, beispielsweise oben oder unten.

Beispiele für Toast-Nachrichten sind Meldungen wie „Erfolgreich gespeichert“, „Nachricht gesendet“ oder „Verbindung hergestellt“. Sie bieten eine einfache und effektive Möglichkeit, der Benutzerin Feedback zu geben, ohne dabei zu aufdringlich zu sein

Technische und andere Barrieren

Auch wenn es grundsätzlich möglich ist, Toast-Messages zugänglich zu machen, würde ich von deren Einsatz abraten, mit ein paar Ausnahmen, die unten genannt werden.
Wenn die Toast-Message ein interaktives Element enthält, etwa das Löschen einer Nachricht rückgängig machen wie bei GMail, ist das zwar nett, aber dann ist es keine Toast-Message, der Blinde weiß nicht, wo die Nachricht aufpoppt im Accessibility Tree und kann nicht dorthin navigieren. Weiterhin kann es sein, dass der Blinde mit dem Gerät interagiert, während die Message vorgelesen wird und dadurch die Ausgabe der Message abgebrochen wird. Es gibt aber meines Wissens keine Möglichkeit, sich die Message noch einmal ausgeben zu lassen. Das Gleiche Problem haben reine Tastatur-Nutzerinnen. Für motorisch Behinderte ist es aufgrund der geringen Zeitspanne meistens nicht möglich, das Element zu erreichen, um mit ihm zu interagieren, sofern es überhaupt barrierefrei eingebunden ist.
Für Sehbehinderte, die mit Bildschirm-Vergrößerung arbeiten ist es fast nicht möglich, die Message wahrzunehmen. Das würde erfordern, dass sie sich genau dort aufhalten wo die Message aufpoppt und das ist sehr unwahrscheinlich. Meine alte Newsletter-Software hatte Fehlermeldungen als Toast-Messages oben rechts ausgegeben und ich habe sie einmal zufällig entdeckt. Das hat mich viele Fehlversuche gekostet. Fehlermeldungen sollten keine Toast-Messages sein.
Toast-Messages verstoßen eigentlich immer gegen das Erfolgskriterium 2.2.1 Timing Adjustable. Insbesondere Se- und kognitiv Behinderte haben nie genügend Zeit, die Nachricht zu lesen, die Anzeige-Dauer ist kurz, nicht anpassbar und die Nachricht kann nicht wieder aufgerufen werden, zumindest habe ich noch nie entsprechende Möglichkeiten gesehen.
Toast-Messages verfehlen häufig die Mindest-Vorgaben für die Kontraste. Da sie unaufdringlich sein sollen, sind Farb-Kombinationen wie hellGrau auf dunkelGrau nicht selten.

Toast-Messages selten sinnvoll

Es gibt einige wenige Fälle, in denen Toast-Messages unproblematisch sein können: Das gilt vor allem dann, wenn die Information nicht kritisch ist: Eine Mail wurde erfolgreich gelöscht zum Beispiel. Es ist also dann sinnvoll, wenn ihre Wahrnehmung im Grunde nicht relevant ist. Wenn zum Beispiel eine Nachricht verschwindet, nachdem man auf Löschen getippt hat, ist klar, dass die Nachricht erfolgreich gelöscht wurde. Wenn der Status eines Elements sich verändert, nachdem es angeklickt wurde ist klar, dass etwas passiert ist, dafür benötigt man keine Toast.
Es ist richtig, dass Toast-Messages grundsätzlich technisch barrierefrei gemacht werden können. Beispielsweise könnte sie so gestaltet werden, dass sie von den Nutzerinnen aktiv geschlossen werden muss. Das erfordert allerdings nach wie vor, dass man als Sehbehinderte in die Rand-Bereiche der Anwendung geht, was bei hohem Zoom relativ unwahrscheinlich ist. Die Chance ist am höchsten, dass der Sehbehinderte oben links, also im Kopf der Applikation regelmäßig nachschaut, normalerweise nicht der Ort für Toasts. Außerdem können im Laufe einer Sitzung massenhaft Toasts zusammenkommen, dann gibt es das Problem, relevante von nicht-relevanten Nachrichten unterscheiden zu können.
Auch die Möglichkeit, die Anzeigedauer zu verlängern klingt plausibel, ist aber nicht praktikabel. Hierzu muss man an prominenter Stelle der Anwendung entsprechnde Funktionalitäten bereitstellen, also wieder ein Icon und eine Einstellung mehr, deren Existenz und Bedeutung man herausfinden muss.

Alternativen

Wie oben gesagt finde ich Toasts unproblematisch, solange die Meldung für die Applikation unkritisch ist. Bei Single-Page-Applikationen gibt es ansonsten nur wenige Alternativen: Entweder verzichtet man komplett auf sie, in GMail finde ich sie zum Beispiel wenig hilfreich. Wenn das Mail-Fenster geschlossen wird darf ich davon ausgehen, dass die Mail verschickt wurde, die Toast-Message ist da redundant. Oder man setzt auf Dialogboxen, die eine Interaktion erfordern. Das würde ich – wie oben gesagt – bei kritischen Informationen wie Fehlermeldungen immer machen.
Es ist sinnvoll, die Message dort aufpoppen zu lassen, wo die Meldung getriggert wurde. In der Regel basieren Toasts auf einer bestimmten Aktion der Nutzerin und sollten entsprechend dort angezeigt werden können, wo diese Aktion durchgeführt wurde. Wie oben gesagt halte ich es aber für ausreichend, wenn das angeklickte Element seinen Status dauerhaft oder für einen ausreichend langen Zeitumfang verändert, was natürlich auch per ARIA kommuniziert werden sollte.
Im Endeffekt sind Toasts auch aus der Sicht der Usability und User Experience nicht sinnvoll. Auch Sehende müssen ihren Blick von dem fortbewegen, wo sie sich gerade befinden, denken Sie daran, dass die Bildschirme in den letzten Jahren immer größer geworden sind. Toasts ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, ohne in der Regel einen großen Mehrwert zu liefern, wenn sie wichtig wären, sollten sie keine Toasts sein.

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Wie große Akquisitionen der digitalen Barrierefreiheit schaden


Es war wohl zu erwarten, dass irgendwann auch eine an sich etablierte Firma auf die dunkle Seite wechselt. Die international bekannte Firma Level Access hat den Overlay-Anbieter Userway gekauft, für einige Millionen Dollar. Solch großen Akquisitionen kennt man eigentlich von Unternehmen anderer Größenordnungen.

Geld verdienen ist in Ordnung, aber nicht so

Lassen Sie mich zuerst mit zwei Annahmen aufräumen: Wie ich öfter ausgeführt habe, finde ich es nicht schlimm, mit Barrierefreiheit Geld zu verdienen, solange man sinnvolle und kompetente Angebote macht. Im Endeffekt ist Barrierefreiheit wie viele Consulting-Jobs sehr fordernd und kaum jemand von uns würde das auf Dauer unentgeltlich machen. Auch die Welthungerhilfe hungert nicht. Auch finde ich es nicht schlimm, dass Unternehmen größer werden. Im Gegenteil wundere ich mich manchmal über die deutschen Agenturen, die sich auf Barrierefreiheit spezialisiert haben, aber keine 20 Personen beschäftigen. Entweder man wächst oder man beschränkt die Zahl der Projekte, die man bearbeiten kann, was Drittes gibt es nicht. Ich sage das, weil viele Personen aus der Barrierefreiheits-Szene das anders sehen. Bestimmte Projekte kann man wirklich nur bewältigen, wenn man auch eine gewisse Größe hat. Viele Software-Entwicklungen etwa zur Automatisierung oder Nutzung von KI können nur mit entsprechenden Ressourcen umgesetzt werden. Bei vielen von uns vermischt sich auch Freizeit und Arbeit. Für meine Website und meine Podcasts und auch für meine Bücher zahle ich drauf.
Problematisch wird es dann, wenn die Barrierefreiheits-Unternehmen von Unternehmen aus anderen Sektoren gekauft werden. Ein Unternehmen hat natürlich daran ein Interesse, möglichst viele Leistungen oder Produkte zu verkaufen. Wenn das reine und sinnvolle Barrierefreiheits-Leistungen sind, ist das aus meiner Sicht in Ordnung. Bei Gemischtwaren-Läden wie Vispero ist das anders. Dann möchte das Unternehmen nämlich an die gleichen Kunden möglichst viele Produkte aus seinen anderen Bereichen verkaufen.

Ein negatives Beispiel

Nehmen wir das Beispiel Vispero. Vispero hat etwa die assistiven Technologien Jaws, Zoomtext, aber auch die international für Barrierefreiheit renommierte Firma Paciello Group gekauft, die jetzt TPGi heißt.
Seitdem scheint jeder zweite Beitrag der TPGi ein Verkaufsartikel für ein Jaws-Produkt zu sein: Jaws Kiosk hier, Jaws Connect dort. Meines Erachtens sind diese Produkte schlimmer als die Overlays, aber das ist ein anderes Thema. TPGi tut so, als ob es keine anderen Screenreader gäbe, was die Firma Glaubwürdigkeit kostet. Vispero ist auch das Unternehmen, welches das Konkurrenz-Produkt Window Eyes gekauft und dicht gemacht und damit Tausende Blinder zum Kauf von Jaws zwingen wollte.
Wie oben gesagt ist nichts dagegen einzuwenden, Produkte zu verkaufen, solange sie sinnvoll sind. Deque zum Beispiel bietet einige Tools wie die Analyse-Suite Axe-Core. Wenn man das weiß, kann man Deques Artikel zum Thema automatische Prüftools ein wenig kritischer lesen. Aber Tools wie Overlays bringen einen bestenfalls beschränkten Nutzen. Wer etwas Anderes behauptet, ist kein Barrierefreiheits-Experte, sondern ein Schrott-Verkäufer. Es ist ja auch erwähnenswert, dass einige dieser Overlay-Anbieter gerne ihre Kritikerinnen verklagen oder juristisch einschüchtern lassen, Argumentieren ist wohl teurer als Rechts-Anwälte.

Der Interessenskonflikt ist nicht aufzulösen

Natürlich hat der Vaterkonzern Vispero ein Interesse daran, möglichst viel von seinem Zeug zu verkaufen: Akquisitionen sind einiges, aber weder billig noch ein Selbstläufer.
Level Access wird das nicht anders machen, irgendwie muss das Geld für den Kauf ja wieder reinkommen. Die Apologie für Overlays hat der Geschäftsführer bereits auf LinkedIn begonnen, Erik Eggert hat das aufgearbeitet. In einem Punkt würde ich Eggert widersprechen: Es ist tatsächlich auch ein Problem des aggressiven, suggestiven und auch mit teils falschen Versprechungen arbeitenden Marketings und der aggressiven Akquise, die auch in Deutschland schon verbreitet ist. Wenn die Tool-Anbieter die schlichte Wahrheit sagen würden – ein paar überflüssige und teils nicht funktionierende Hilfen für teuer Geld – würde niemand die Tools kaufen.
Dieser Interessens-Konflikt lässt sich nicht auflösen. Allein die Akquisition durch ein renommiertes Unternehmen wird die Lösung in den Augen vieler potentieller Kunden adeln. Andersherum zwingt die Akquisition Level Access dazu, die Kosten wieder reinzuholen.
Das Argument, dass man das Overlay verbessern könne, ist durchsichtig. Die Dinger gibt es schon ein paar Jahre und bislang war keine qualitative Verbesserung zu beobachten. Wie Level Access das verändern möchte, bleibt deren Geheimnis. Dem Vernehmen nach hatte ein Overlay-Tool sogar eine Analyse-Software – ich meine es war Wave von WebAIM – ausgehebelt und falsche Ergebnisse ausgespielt. Das klingt nicht so, als ob man von den Fähigkeiten seiner Tools wirklich überzeugt ist. Wenn Level Access die Vorteile der Erweiterung nüchtern beschreibt, wird kein Kunde das Tool kaufen, wie oben gesagt.
Viele Tools haben ja mittlerweile auch Analyse-Suites integriert. Eventuell ging es Level Access tatsächlich darum, diese Analyse-Tools zu kaufen. Das wäre eine sinnvolle Erweiterung des Portfolios, schließlich haben auch andere große Consulting-Firmen solche Tools im Köcher.
Aber wie oben gesagt zwingt der Kauf dazu, natürlich möglichst viele Leistungen aufzuschwatzen, ob man sie selbst für sinnvoll hält oder nicht. Man wird also dem Kunden sowohl das Prüftool als auch das Overlay andrehen wollen. Das wird dem Unternehmen zumindest in der Szene Glaubwürdigkeit kosten, außerhalb kriegt das denke ich niemand so richtig mit. Schwierig könnte es werden, wenn plötzlich Organisationen im Rahmen des Americans with Disabilities Act verklagt werden, die von Level Access beraten worden sind.

Der große Markt lockt weiße Schafe an

Nun kann niemand sagen, wie es weitergehen wird. Wie die Overlay-Anbieter gezeigt haben, ist Barrierefreiheit vor allem in den USA zu einem riesigen Markt geworden. Es ist zu befürchten, dass weitere Unternehmen durch Aufkäufe oder Junk versuchen werden, einen größeren Stück des Kuchens für sich zu holen.
Es bleibt zu hoffen, dass sich die vernünftigen Unternehmen und Produkte halten und auf lange Sicht durchsetzen können. Den Kunden ist zu empfehlen, sich von Unternehmen oder Personen beraten zu lassen, die nicht gleich noch mehrere Produkte im Portfolio haben oder zumindest vorsichtig zu sein, wenn der Berater gleich noch ein Produkt verkaufen möchte.

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Assistive Technologien werden wichtiger für digitale Barrierefreiheit


Assistive Technologien sind Hilfsmittel, die Menschen mit Behinderungen unterstützen, um digitale Inhalte besser nutzen zu können. Bei digitaler Barrierefreiheit sprechen wir in der Regel von Software oder einer Kombination aus Software und Hardware wie etwa Screenreader + Braillezeile oder Augensteuerung + Kamera.

Trend Integration

Generell ist ein Shift zu beobachten: Einzelne Funktionalitäten oder ganze Systeme wandern in die Betriebssysteme. Während etwa bis Windows 7 die assistiven Funktionen weniger als rudimentär waren, hat sich das seit Windows 8 bis heute verbessert. Windows 11 hat einen Basis-Screenreader, eine performante Zoom-Funktion, eine Augensteuerung und Sprachsteuerung (deren Qualität ich nicht beurteilen kann) und einige weitere Funktionen. Für den Mac, iOS und Android gibt es kaum externe assistive Software, viele Grund-Funktionen sind aber integriert. Außer bei Windows dürfte es selten vorkommen, dass eigene assistive Technologie zusätzlich installiert wird. Das gilt für die Software, auch bei der Hardware wäre eine solche Entwicklung wünschenswert, ist aber nicht absehbar, da sie teils spezielle Anforderungen erfüllen muss.
Mit den integrierten assistiven Technologien ist ein weiteres Problem nicht mehr so dringend: Vielfach wird gekaufte Software nicht aktualisiert, weil das ähnlich viel Geld kostet wie die Neu-Anschaffung, etwa bei Jaws. Integrierte assistive Technologien werden mit dem Betriebssystem aktualisiert, also spätestens, wenn ein neues Device fällig ist. Veraltete Software kann die Ursache für mangelnde Nutzbarkeit sein.

Der Preis der assistiven Technologien

Wie oben gesagt muss assistive Technologie in der Regel nicht mehr dazu gekauft werden. Ist dies aber der Fall, wird sie sehr teuer: Eine Braillezeile, die 40 Zeichen darstellen kann kostet ca. 4000 €. Der Screenreader Jaws kostet ca. 2600 € (so mein aktueller Stand). Woran liegt das?
Der Hilfsmittel-Markt ist nicht besonders attraktiv: Hohe Kosten bei der Entwicklung stehen relativ geringen Absatzzahlen gegenüber. Zumindest die blinden Kunden in Deutschland sind sehr kritisch und trotz Blindengeldes nicht immer willig, für an sich sinnvolle Dinge zu bezahlen.
In reichen Ländern hat man nur zwei Möglichkeiten:
Entweder versucht man den Preis so gering zu halten, dass auch Privatpersonen zugreifen. Die Range ist dann trotzdem relativ groß: Die verschiedenen Bluetooth-Tastaturen speziell für Blinde kosten ein Vielfaches von dem, was selbst hochpreisige konventionelle Bluetooth-Tastaturen etwa von Apple kosten. Die Preise für spezielle Smartphones sind allerdings relativ human, sie sind immer noch günstiger als die aktuellen Modelle von Apple oder die Top-Modelle der Android-Fraktion – allerdings sind die Nutzungs-Möglichkeiten der speziellen Geräte auch nicht so groß wie bei konventionellen Smartphones.
Oder man versucht (in Deutschland), eine Eintragung in das Hilfsmittel-Verzeichnis der Krankenkassen zu bekommen. Das ist zwar langwierig, aber durchaus möglich. Für hochpreisige Hilfsmittel gibt es ohnehin keine Alternative, eRollstühle etwa können so viel wie ein Mittelklasse-PKW kosten, ebenso wie Blindenführhunde. Die Krankenkassen haben allerdings bereits und werden aller Voraussicht nach in Zukunft eher weniger Hilfsmittel bezahlen, mit dem Verweis auf die oben erwähnten integrierten bzw. kostenlosen Hilfsmittel. Bei 2600 € für Jaws und 0 € für NVDA bei relativ gleichen Leistungs-Umfang ist das ein Stück weit verständlich.
Viele Unternehmen werden tatsächlich von Betroffenen oder deren Bezugspersonen gegründet. Reich wird man davon nicht, die deutschen Unternehmen sind durchweg zum Mittelstand zu zählen. Bis auf Whispero (Jaws, Zoomtext etc., die allerdings alles zusammengekauft haben, gibt es kaum Akteure, die global agieren und eine kritische Größe erreicht haben. Doch selbst Whispero senkt die Preise für Jaws außerhalb der USA nicht, obwohl die Software als ausentwickelt gelten kann und vergleichsweise viele Lizenzen verkauft werden. Wozu auch, die Westler zahlen es ja trotzdem.
Auf der Strecke bleibt allerdings die Mehrheit der behinderten Menschen, die in den ärmeren Ländern leben und selbst dort eher zur ärmeren Schicht gehören. Selbst die relativ günstigen Braillezeilen wie der Orbit Reader würden dort mehr als ein Jahres-Gehalt ausmachen. Sie profitieren von den integrierten assistiven Technologien, sofern sie an einen Computer bzw. ein Smartphone herankommen und ihre Behinderung nicht so schwerwiegend ist, dass sie selbst mit dieser Technik nicht zurechtkommen.

Welche Rolle spielt die assistive Technologie für die digitale Barrierefreiheit?

Während die assistive Technologie früher die Brücke war, wird sie nach und nach zum Kompensierer mangelnder Barrierefreiheit. Natürlich kann eine vollblinde Person ein digitales Interface nicht ohne Screenreader nutzen. Natürlich ist aber die Voraussetzung, dass die Software richtig entwickelt wurde, damit der Screenreader damit arbeiten kann.
Doch gibt es neue Entwicklungen, die uns nach und nach vom Good Will der Anbieter unabhängiger machen. Apple iOS hat schon seit längerem, ich meine seit iOS 16, eine Funktion, welche unbeschriftete UI-Elemente und deren Werte erkennen kann. Android hat eine automatische Bild-Beschreibung. NVDA hat die Erweiterung AI Describer, die ebenfalls Bedien-Elemente und Bilder beschreiben kann. Google Bard ist dem Vernehmen nach in der Lage, die GUI auf einem Screenshot zu beschreiben, den man dort hochgeladen hat.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Das funktioniert so zwischen gut und gar nicht. Auch wenn zum Beispiel ein UI-Element erkannt wird heißt das nicht, dass der Nutzende und der Screenreader dazu in der Lage sind, mit dem Element zu interagieren. Eine Blinde Person kann nicht wissen, ob die Beschreibung adäquat ist oder ob der Algorithmus Unsinn erzählt. Bis auf Weiteres werden wir auf barrierefreie GUI’s angewiesen sein.
Dennoch dürfte die Rolle der assistiven Technologien aus meiner Sicht in naher Zukunft zunehmen und die Qualität der GUI dürfte nicht mehr so wichtig sein wie früher. Mit zunehmend besseren Trainings-Daten wird die Erkennungs-Qualität erhöht. Der nächste Schritt wäre, dass erkannte UI-Elemente auch bedienbar werden. Wenn es nur um einen Klick geht, ist das heute schon kein Problem mehr. Doch gibt es andere UI-Elemente wie Schieberegler oder Elemente, die sich nicht berechenbar verhalten. Auch die Werte von Elementen können eventuell nicht immer erkannt werden, etwa bei einem Toogle-Button.
Und das Gute ist, dass diese Dinge nicht mehr dem exklusiven Westler-Club zur Verfügung stehen, sondern auch ärmeren Menschen.

Digitale Barrierefreiheit – wichtige Erfolgsfaktoren


Wenn man länger in der digitalen Barrierefreiheit arbeitet, kommt man sich wie ein Papagei vor. Das liegt daran, dass man immer wieder das Gleiche erzählen muss – manchmal sogar der gleichen Person.
Ich kenne ja beide Perspektiven: Einerseits war ich selbst lange Zeit freiberuflich Dienstleister, andererseits war ich auch für einige Kunden als Steuerung für digitale Barrierefreiheit zuständig. Seit fast vier Jahren arbeite ich für Agenturen wiederum als Dienstleister. Die Perspektiven und Herangehensweisen können sich unterscheiden, im Wesentlichen ist es aber relativ ähnlich.
Natürlich hat man als Dienstleister zunächst das Interesse, möglichst viele anrechenbare Stunden zu generieren. Aus meiner Sicht ist das aber nicht immer produktiv gedacht: Der Kunde hat immer die Wahl, seinen Dienstleister auszutauschen, wenn er den Eindruck hat, dass dieser nicht effizient arbeitet. Es ist also keine gute Idee, erstmal etwas zusammenzuwursteln, um sich dann irgendwann um die Barrierefreiheit zu kümmern.
Umgekehrt sollte der Kunde beachten, dass Barrierefreiheit richtig umzusetzen eher ein Marathon als ein Sprint ist. Wer den billigsten Anbieter nimmt, zahlt im Zweifelsfall hinterher doppelt.
Hier möchte ich die aus meiner Sicht wesentlichen Erfolgs-Faktoren zusammenfassen. Die Schritte werden hier bewusst nicht in eine bestimmte Reihenfolge gebracht.

Design/Konzeption

Einige Aspekte müssen bereits beim Design und der Konzeption eines Produktes bedacht werden: Das sind vor allem Farben, Kontraste und visuelle Indikatoren. Im Grunde sind es wenige Aspekte, die aber bei jedem Projekt, mit dem ich zu tun hatte vernachlässigt werden.
Auf der Kundenseite ist es sinnvoll, diese Aspekte bereits in das Corporate Design aufzunehmen. Wenn das nicht möglich oder gewünscht ist, muss man spezielle CD-Regeln für den digitalen Bereich definieren.
Von Dienstleister-Seite aus kann man mit Akzeptanz-Kriterien arbeiten. Diese Kriterien definieren die Mindest-Bedarfe an alle UI-Komponenten. Ein Beispiel: Ein Link muss 1. einen Kontrast von mindestens 4,5:1 oder 3:1 zum Hintergrund haben und zwar in jedem Stadium (besucht, nicht-besucht, fokussiert etc.
Auf Kundenseite macht es Sinn, hier möglichst eine eigene Komponenten-Bibliothek aufzubauen, wenn man zahlreiche digitale Produkte hat. Auch für den Dienstleister kann das sinnvoll sein, wobei das natürlich flexibler sein muss, weil es auf jeden Kunden angepasst werden muss, was etwa Farb-Schemata angeht.

Entwicklung

Auch für die Entwicklerinnen ist eine solche Bibliothek hilfreich. Viel hängt davon ab, ob man eine kleine Agentur ist. Kleine Agenturen haben ein begrenztes Set an Bibliotheken und CM-Systemen, auf welche sie spezialisiert sind. Dann ist es sinnvoll, die Bibliotheken so anzupassen, dass sie die Anforderungen der Barrierefreiheit erfüllen. Auf mittlere Sicht dürfte es aber fast einfacher sein, eigene wiederverwendbare Komponenten, die barrierefrei sind. Während Frameworks regelmäßige Updates brauchen, könnte man große Teile von HTML, CSS und JavaScript bis heute problemlos weiterverwenden.
Für große Dienstleister ist es aber unabdingbar, Regeln zur Verwendung von Bibliotheken einzuführen. Wenn eine Bibliothek immer ein bestimmtes Problem mit einer bestimmten Komponente produziert, sollte dies möglichst so gefixt werden, dass es nicht mehr auftritt. Natürlich wäre es am besten, dass Problem durch den Anbieter der Bibliothek fixen zu lassen, allerdings weiß ich nicht, wie komplex solche Prozesse sind.

Automatisierung und Standardisierung

Was sich vernünftig automatisieren lässt, sollte automatisiert werden, und zwar an der frühestmöglichen Stelle. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel das Axe-Figma-Plugin. Auch bei der Entwicklung ist es heute keine Option mehr, sondern ein Muss, diese Tools einzusetzen.
Auch gegen generative Technologien wie den Copilot von Microsoft ist generell nichts einzuwenden. Es nimmt den Entwicklerinnen ein wenig Zeit ab. Das heißt allerdings nicht, dass solcher code auch unkritisch übernommen werden sollte – das gilt eigentlich nie für generative Tools.
Last but not least ist auch nichts gegen automatisierte Tests einzuwenden, im Gegenteil. Laut einer Studie von Deque lassen sich ca. 2/3 der Probleme automatisiert aufspüren. Wenn diese zwei Drittel aufgespürt bzw. frühzeitig vermieden werden, dann sind wir schon einen Schritt weiter.
Die Standardisierung von Komponenten ist wie oben gesagt ein weiterer wichtiger Aspekt. Jeden Tag werden Komponenten entwickelt, bei denen man hinterher darüber nachdenkt, wie man sie barrierefrei machen kann. Standardisierung heißt nicht, dass alles gleich aussieht, sondern dass man erst die Komponente mit ihrer Funktionalität und Barrierefreiheit hat und sich hinterher überlegt, ob und warum man sie anders gestalten möchte. Ein wesentlicher Kostentreiber bei IT-Projekten sind die teils merkwürdigen Sonderwünsche der Kunden.

Annotations

Auch die Tools zum Kommentieren von Barrierefreiheits-Problemen scheinen in den letzten Jahren explosionsartig zugenommen zu haben. Annotations sollten aber immer der zweite oder dritte Schritt sein. Sie kennen das sicherlich: Einen Text voller Rechtschreibfehler zu korrigieren kostet deutlich mehr Zeit als einen mit wenigen. Im besten Fall sollten nur wenige Anmerkungen notwendig sein, weil Design und Entwicklung sauber gearbeitet haben.

Effiziente Kommunikation

Während sich Code standardisieren lässt, gilt das für die Sprache weniger. Die Tersterin möchte keine Romane schreiben, die Entwicklerin möchte sie nicht lesen. Also versucht man sich möglichst kurz zu fassen, was aber dazu führen kann, dass man falsch oder nicht verstanden wird. Im Endeffekt hat man keine Zeit gespart, weil weitere Schleifen notwendig werden.
Von dem her gilt, dass man sich möglichst klar und deutlich äußern sollte. Eine Text-Baustein-Verwaltung kann hier Zeit abnehmen. Es sind ja doch meistens die gleichen Dinge, die man vermitteln muss.

  1. Beschreibung des Problems
  2. Gewünschtes Verhalten
  3. mögliche Lösung

Generell ist mir aufgefallen, dass Kommunikation oft nicht effizient organisiert ist. Gemeint ist die projekt-orientierte Kommunikation, Kommunikation zur Beziehungs-Pflege ist ein anderes Thema. Man könnte hunderte an Stunden sparen, wenn hier vernünftig gearbeitet werden würde. Vielleicht helfen hier strikte Standards und ein klares Vokabular.
Auch für Barrierefreiheits-Expertinnen ist es eher tragikomisch, wenn sie Leute schulen oder Prüfberichte vorlegen und bei der nächsten Prüfung exakt die gleichen Fehler oft von den gleichen Leuten gemacht werden.
Sprache ist nicht perfekt und es können immer Mißverständnisse auftreten. Doch manchmal liegt es anscheinend doch daran, dass die Leute einfach nicht richtig mitmachen wollen oder können.

Agiles Projektmanagement

Der agile Projekt-Ansatz hat sich in der Software-Entwicklung durchgesetzt und kann sich auch für die Barrierefreiheit positiv auswirken. Kann, muss aber nicht. Meine Erfahrung ist hier nicht nur positiv.
Auch hier kann das Problem sein, dass die Barrierefreiheits-Expertinnen sehr spät im Entwicklungs-Zyklus eingebunden werden.

Pass-genaues Training

Trainings sollten so gestaltet werden, dass sie genau zum Gewerk passen. Aktuell gibt es entweder gar keine Trainings, was den Beteiligten den Einstieg schwer macht oder sehr große Trainings, die alle Gewerke in allen Bereichen bedienen wollen. Das funktioniert aber in der Regel nicht. Stattdessen sollten Designerinnen und Entwicklerinnen ihre jeweils eigenen Trainings bekommen.
Trainings sind allerdings nur die erste Stufe. Die Teilnehmenden sollten so geschult werden, dass sie in der Lage sind, Checklisten oder andere hilfreiche Tools effizient einzusetzen und ggf. selbst zu recherchieren. Bei Trainings ist das Problem, dass bei der ersten Durchführung vielleicht 30 Prozent hängen bleiben, manchmal sogar weniger. Man kann aber auch nicht jede Woche das gleiche Training durchlaufen. Hinzu kommt, dass Trainings einen Großteil der praktischen Probleme nicht erfassen können, weil sie zu kurz sind.

Ist der Erfolg damit garantiert?

Wenn wir diese Faktoren berücksichtigen, ist dann Erfolg garantiert? Leider nein, kein seriöser Mensch wird Ihnen für IT-Projekte eine Erfolgs-Garantie geben, zumindest nicht ohne Weiteres. Aber wenn ein paar wesentliche Faktoren beachtet werden, reduziert man den Overhead, der durch die Nicht-Berücksichtigung entsteht.

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