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Accessibility Briefing – ein neues Veranstaltungsformat zur Barrierefreiheit

Heute möchte ich euch ein neues Format vorstellen. Das Accessibility Briefing soll neuen Stimmen und Themen in der Barrierefreiheit Gehör verleihen.
Was mich an den deutschsprachigen Events zur Barrierefreiheit nervt ist, dass sowohl die Themen als auch die Personen immer die Gleichen sind. Oft schaue ich in ein Programm und dann auf das Datum, um zu sehen, ob es eine neue Veranstaltung ist. Interessant auch, dass behinderte Menschen unter den Referierenden eher die Ausnahme sind.
Leider habe ich selbst weder die Zeit noch die Ressourcen, eine eigene größere Veranstaltung zu organisieren. Allerdings kann ich ein paar neuen Themen und Personen zu mehr Bekanntheit verhelfen. Das möchte ich mit dieser Veranstaltung erreichen.
Geplant ist sie erst einmal für jeweils den zweiten Dienstag im Monat von 17 bis 18 Uhr. Der erste Vortrag wäre also am 9.11.2021 von 17 bis 18 Uhr. Die Themen werde ich bis Ende Oktober festlegen.
Die Idee ist, dass es einen Input zu einem bestimmten Thema gibt und wir dann noch 20 bis 30 Minuten für eine Diskussion haben.
Wichtig wäre mir auch, dass unterschiedliche Personen ihre eigene Perspektive einbringen können. Es gibt halt nicht einen Blinden oder Sehbehinderten, der weiß, was für alle Anderen gut ist. Die Zielgruppe wären sowohl Laien als auch Profis der Barrierefreiheit.
Wenn ihr selbst Lust habt, ein Thema vorzustellen oder eine spannende Person kennt, dann schickt mir gerne einen Hinweis über das Kommentarfeld oder per Mail an barrierefreiheit ät posteo punkt de. Auch Themenvorschläge sind herzlich willkommen. Gerne gesehen sind auch Wissenschaftler:Innen oder Studierende, die ihre aktuellen Arbeiten vorstellen. Es sollte aber immer etwas mit digitaler Barrierefreiheit zu tun haben.
Die Veranstaltung wird auf Zoom stattfinden. Ihr könnt aber über euren Browser teilnehmen und benötigt keinen Zoom-Account. Fragen können per Chat oder Audio gestellt werden.
Der Zoom-Link wird über den Newsletter zur Veranstaltung versendet, den ihr unten abonnieren könnt. Der Newsletter wird ausschließlich als Reminder sowie für die Versendung des Zoom-Links verwendet.

Geliebte Stufen – Neues zur Barrierefreiheit 10-21

TreppenaufgangBei deutschen Bahn-Unternehmen muss es fanatische Freund:Innen von Treppenstufen geben. Ansonsten wäre kaum erklärlich, warum es allem Anschein nach nicht möglich ist, stufenfreie Züge einzukaufen. Stufen sind ein unüberwindbares Hindernis für Rollstuhlfahrer:Innen und Nutzer:innen von Rollatoren. Sie sind aber auch ein Risiko für alle aussteigenden Personen, für Nutzende von Kinderwagen oder für Leute mit schwerem Gepäck oder Fahrrädern. Möglicherweise möchte man solche Kund:Innen aber auch gar nicht haben. Über die virtuellen Stufen, die viele dieser Unternehmen auf ihren Webseiten einbauen, wollen wir gar nicht erst sprechen, das ist ein unendliches Trauerspiel.
Wenn Sie sich zur Barrierefreiheit austauschen möchten, möchte ich Sie auf unser virtuelles Meetup zur Barrierefreiheit hinweisen. Es findet jeweils am 1. Donnerstag im Monat von 18 bis 20 Uhr statt. Über den Newsletter zum Meetup erhalten Sie den Zoom-Link und einen regelmäßigen Reminder.
Im September gab es meiner Wahrnehmung nach kein zentrales Thema zur Barrierefreiheit, also legen wir gleich mit den interessanten Beiträgen los.

Interessante Beiträge

Wenig überraschend erfüllen nur wenige Angebote öffentlicher Stellen die Anforderungen zur Barrierefreiheit. Die Überwachungsstelle Sachsen hat ihre Ergebnisse vorgelegt. Nur die Hälfte der geprüften Websites erfüllten die Anforderungen, nur jede zehnte Seite hat die seit letztem Jahr vorgeschriebene Erklärung zur Barrierefreiheit.
Digitale Barrierefreiheit: Webseiten öffentlicher Stellen erfüllen gesetzliche Vorgaben nur zur Hälfte
Die Lebenshilfe Berlin hat untersucht, auf welche Probleme Menschen mit einer Lernbehinderung im Internet stoßen. Das sind vor allem eine unverständliche Sprache und die hohe technische Komplexität der Web-Angebote. Den Bericht gibt es als PDF.
Befragungsergebnisse Digitale Teilhabe liegen vor
Im Portal Reha-Recht ist ein ausführlicher Beitrag zum European Accesssibility Act erschienen. Eifrige Mitlesende des Newsletters wissen, dass die deutsche Umsetzung Barrierefreiheits-Stärkungs-Gesetz heißt und wenig ambitioniert ist. Hintergründe gibt es in diesem ersten Teil einer Artikelserie.
Vom European Accessibility Act zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz – Teil I: Hintergrund und Anwendungsbereich des EAA und des BFSG
Weiter gehts auf Englisch. Barrierefreiheit hat nicht nur in Deutschland ein Image-Problem. Sie gilt als verstaubt und langweilig. Wie man das ändern kann, zeigt ein Beitrag bei UX Design.
Creating a positive culture around accessibility
Erst das Produkt, irgendwann über Barrierefreiheit nachdenken – der falsche Ansatz für Startups. Techcrunch gibt Tipps, wie Barrierefreiheit von Anfang an berücksichtigt werden kann.
Make accessibility part of your startup’s products and culture from day one
Möchten Sie Barrierefreiheit in Ihrer Organisation mit möglichst geringen Ressourcen umsetzen? Tipps und Tricks finden Sie in einer Sammlung vom Business Disability Forum.
Best Practice Guide – Tips and Tricks for Accessibility Practitioners
Barrierefreiheit muss geschaffen werden. Hand in Hand mit den Maßnahmen muss aber auch ein Bewusstsein für deren Bedeutung aufgebaut werden. Tipps und verschiedene Leitfäden dazu gibt es bei PEAT.
Disability Inclusion Basics
Wie so vieles kommt auch das Thema kognitive Behinderungen in Deutschland wenig vor. Auf der Website Ab11y werden Gestaltungs-Prinzipien dargestellt, die – nicht nur – dieser Gruppe zugute kommen.
UX Principles that include Cognitive Accessibility

Veranstaltungen

Im Oktober gibt es keine große interessante Veranstaltung zur Barrierefreiheit. Gerne weise ich auf den Austausch des ZSL Mainz zum Thema barrierefreie Online-Veranstaltungen hin. Er findet am 5.10.2021 statt. Weitere Veranstaltungen finden Sie in der Liste.
Und natürlich wie immer der Hinweis auf unsere offenen Online-Schulungen.

Tool des Monats

Ein Werkzeug, das ich immer wieder gerne empfehle ist das Language Tool. Es handelt sich um eine kostenlose Stil-Prüfung, unter anderem gibt es einen Regelsatz für Leichte Sprache. Inzwischen gibt es die Erweiterung auch für gängige Text-Verarbeitungen und Browser. Sie können das Tool auch kostenlos online ausprobieren.
Language Tool für Leichte Sprache

Zitat des Monats

Den wenigsten nicht-behinderten Menschen ist bewusst, dass das Leben mit Behinderung extrem kostspielig ist. Hierzu gibt es eine Studie aus den USA, in Deutschland dürfte es dank eines besser ausgebauten Sozialsystems ein wenig besser aussehen. Allerdings gibt es meines Wissens keine systematische Daten-Erhebung zur sozio-ökonomischen Lebens-Situation behinderter Menschen. Wenn jemand Hinweise dazu hat, freue ich mich über eine Nachricht.

Researchers estimate that households containing an adult with a work-disability require, on average, 28 percent more income (or an additional $17,690 a year for a household at the median income level) to obtain the same standard of living as a comparable household without a member with a disability.


Quelle: National Disability Institute. THE EXTRA COSTS OF LIVING WITH A DISABILITY IN THE U.S.

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Die Kluft zwischen Barrierefreiheits-Spezialist:Innen und Betroffenen

Zwei stilisierte Figuren ziehen an unterschiedlichen Enden eines SeilesIn den letzten Jahren beobachte ich, dass die Kluft zwischen Betroffenen und Barrierefreiheits-Spezialist:Innen weiter auseinander geht. In diesem Beitrag möchte ich das an einigen konkreten Beispielen zeigen. Ich lasse mal den Fakt außen vor, dass es auch betroffene Spezialist:Innen gibt.

Nicht-barrierefreie PDFs

PDF können ebenso barrierefrei sein wie barrierefreie Webseiten. Die Betonung liegt auf können. Es ist kein Zufall, dass HTML die Referenz für barrierefreie PDF ist und nicht umgekehrt. In meiner langen Karriere habe ich wenige PDFs gesehen, welche die Qualität einer mittelmäßig barrierefreien Webseite erreicht hatten – bei vergleichbarer Komplexität versteht sich.
Das Problem lässt sich sehr einfach zusammenfassen: PDF ist nicht für Barrierefreiheit ausgelegt und im übrigen auch nicht für Responsivität. Neben Cookie-Bannern sind PDFs eine der nervigsten Usability-Bugs auf Webseiten. Man setzt am falschen Ende an: Statt bereits im Produktions-Prozess das Thema Barrierefreiheit vorzusehen, wird zunächst ein für den Druck optimiertes PDF erzeugt, das hinterher barrierefrei gemacht und ins Internet gestellt wird. Ein teurer und blödsinniger Prozess. Aber alle sind glücklich. Die Anbieter:In muss ihre Prozesse nicht optimieren und die Spezialist:In verdient an jedem Fehler, den die Gestalter:Innen im PDF gemacht haben. Der Betroffene kommt in dieser Geschichte leider nicht vor. Wäre die Barrierefreiheit ein Whodunit-Krimi, wäre der Betroffene das Mordopfer, über ihn wird gesprochen, aber nicht mit ihm.
Den Wenigen, die es hören wollen sage ich, dass ich eine Webseite oder ein Office-Format jedem barrierefreien PDF vorziehe.
Aus User:Innen–Perspektive ist es im übrigen egal, ob es an der assistiven Technologie, am Lese-Programm oder am PDF liegt. Als Nutzer:In möchte man ein Dokument lesen oder damit arbeiten, nicht sich mit Standards und deren Problemen herumschlagen.

Das Language-Attribut

Das Language-Attribut dient dazu, dem Screenreader oder anderen Vorlese-Tools mitzuteilen, in welcher Sprache ein Inhalt vorgelesen werden möchte. Die meisten fortgeschrittenen Sprachausgaben-Nutzer:Innen, die ich dazu befragt habe, schalten den automatischen Sprachwechsel ab. Den Hintergrund habe ich an anderer Stelle ausführlich dargestellt. Sicherlich gibt es Blinde, die mehrsprachig unterwegs sind und denen es nichts ausmacht, wenn der Screenreader ständig die Sprache ändert. Das ist allerdings eine Minderheit. Jeder mir bekannte Screenreader erlaubt das manuelle Umschalten der Synthesizer-Sprache, aber nicht alle erlauben die Abschaltung des automatischen Sprachwechsels.
Bei den Spezialist:Innen, etwa bei den Verantwortlichen des BITV-Tests, geht das in einem Ohr rein und zum anderen raus. Sie verlangen, dass jedes Fremdwort mit der entsprechenden Sprache ausgezeichnet wird.

Alternativtexte

Die meisten Diskurse mit Spezialist:Innen habe ich bezüglich Bild-Beschreibungen. Die Seite X erzeugt aus dynamischen Daten Diagramme. Das verwendete Framework erzeugt automatisch eine Bild-Beschreibung, in welche etwa die Zahl der Säulen oder Balken und deren Werte zusammengefasst werden. Dazu auch noch auf Englisch auf einer deutschen Webseite.
Ich sage, hier ist eine – vorhandene – CSV tatsächlich die bessere Alternative. Es mag Fälle geben, in denen die Form des Diagramms und deren visuelles Aussehen für einen Blinden relevant ist – mir fällt allerdings keiner ein. Der Spezialist sagt mir aber, die Richtlinie XY schreibt einen Alternativtext vor.

Barrierefrei, aber eine Usability-Katastrophe

Viele Anwendungen sind auf dem Papier barrierefrei, aber eine reine Katastrophe, was die Usability angeht. Mein Lieblings-Beispiel ist hier Microsoft Teams sowohl auf dem Desktop als auch auf dem Browser. Microsoft hat hier das schlechteste aus zwei Welten – Desktop und Mobil – zusammengenommen und daraus eine schicke Anwendung für Sehende gemacht. Für Blinde ist die Anwendung eine reine Katastrophe. Das schnelle Bewegen innerhalb der App erofrdert das Auswendig-Lernen zahlloser Tasten-Kombinationen. Die App ist dermaßen verschachtelt, dass man häufig 10 mal klicken muss, um einen gewünschten Bereich zu erreichen.
Und das gilt auch für zahlreiche andere Anwendungen. Sollte sich, wie absehbar, ein großer Teil der Software in den Browser oder halbe Web-Apps verlagern wird es immer schwieriger.
Mir graut ein wenig vor der Zukunft, in der wir solche Programme nutzen müssen. Wenn sich nicht drastisch etwas in der Software-Entwicklung oder in den assistiven Technologien ändert, sehe ich für Blinde mit IT-Bezug keine effiziente Arbeits-Möglichkeit mehr.

Fazit

Ich bin ja eigentlich ein lösungs-orientierter Mensch. Leider kann ich in diesem Fall keine Lösung anbieten. Vielleicht gehört es auch zum Spezialistennentum,, sich für allwissend zu halten und sich für die Meinung Betroffener nicht mehr zu interessieren. Es ist ja auch interessant, dass man Millionen für formale Tests aufwendet, aber Nutzer:Innen-Tests angeblich zu teuer sind.
Für mich persönlich habe ich die Konsequenz gezogen, mich mit vielen Spezialist:Innen gar nicht mehr zu unterhalten. Ich setze auf Personen, die neu in das Thema einsteigen bzw. sich nicht hauptsächlich mit Barrierefreiheit beschäftigen. Dort bin ich auf deutlich mehr Offenheit gestoßen.

Zum Weiterlesen

Warum Sie als Sehende nicht mit Screenreadern testen sollten

Stilisierte Radiowellen stralen nach links und rechtsIn diversen Anleitungen sehe ich wie nebenbei, dass der Screenreader NVDA für Tester:Innen empfohlen wird. Es ist aber eher zweifelhaft, dass ein Sehender einen Screenreader flüssig zu bedienen lernt, vor allem nicht nebenbei. Die einziegen Leute, denen ich das zutraue sind Trainer:Innen für Screenreader-Nutzende. Und selbst die würden häufig den ultimativen Test nicht bestehen: Schalten Sie den Bildschirm ab und bedienen Sie Ihren Computer komplett blind.
Es spricht leider für die Arroganz vieler Sehender, dass sie ihre diesbezüglichen Fähigkeiten überschätzen. Trotz Sehrest käme ich nie auf die Idee, ich könnte die Usability oder Ästhetik einer grafischen Benutzeroberfläche beurteilen. Aber viele Sehende glauben, weil sie NVDA installieren oder VoiceOver starten können, sie könnten die Benutzbarkeit einer Anwendung für Blinde beurteilen.

Den Screenreader-Output verstehen

Der Output eines Screenreaders lässt sich in zwei Bereiche einteilen. Da ist zum Einen die Ausgabe von sichtbarem Text. Zum Anderen gibt es aber auch etwas, was man als Meta-Daten bezeichnen kann. Das Wort „Neu“ zum Beispiel bringt ohne Meta-Kontext nichts. Ist das ein Text, ein Button, ein Element mit einem Untermenü, ein Radiobutton? Ist es fokussiert oder nicht, ist es aktiviert, aktivierbar oder nicht aktivierbar? Diese Informationen werden dem Blinden im besten Fall alle zusätzlich zum Wort „Neu“ vorgelesen.
Geübte Blinde nehmen diese Information mehr oder weniger nebenbei wahr. Es ist vergleichbar mit der Art, in der Sehende visuelle Komponenten einer Benutzeroberfläche wahrnehmen. Sie erkennen die Art eines Elements an deren visueller Gestaltung, ihren Status und ob sie aktivierbar ist oder nicht. Ist die Oberfläche gut gestaltet, müssen Sie darüber nicht nachdenken.
Da einem Blinden die visuelle Gestaltung unzugänglich bleibt, ist er darauf angewiesen, dass ihm diese Information zusätzlich kommuniziert wird.
Nun macht es selten Sinn, das ausführlich zu beschreiben. Wir müssen mit einem gewissem Maß an Grundrauschen klar kommen, aber ab einem bestimmten Level ist es schwierig, dies auszublenden. Man braucht also eine möglichst kurze und kompakte Zusammenfassung.
Die Sprachausgabe bzw. der Braille-Output ist abstrakt und zwar sowohl für Sehende als auch für frisch Erblindete bzw. Blinde ohne große Screenreader-Erfahrung.

Betriebsblindheit von Sehenden

Hinzu kommt auch das Problem der doppelten Betriebs-Blindheit, wie man es nennen könnte.
Zum Einen sind es häufig die Entwickler:Innen selbst, die testen. Wenn es aber nicht gerade Testprofis sind, sind sie selten neutral. Sie wissen, was passieren bzw. was ausgegeben werden soll. Die Nutzer:In hingegen wird das nicht wissen.
Zum Anderen ist man den Projekten anderer Personen gegenüber oft kritischer als gegenüber den eigenen Projekten. Ein Test sollte immer von jemandem durchgeführt werden, welcher der Sache selbst gegenüber neutral bis kritisch ist.

Fazit

Wie oben erwähnt sind die meisten Sehenden nicht in der Lage, einen PC so zu bedienen, wie es ein Blinder tun würde. Sich einmal durch eine Website durchzutaben ist keine Kunst. Aber welche Sehende kann schon blind ein Formular ausfüllen. Also gucken sie hin oder noch schlimmer, testen mit der Maus.
Was dabei rauskommt ist bestenfalls suboptimal.
Aus dem gleichen Grund würde ich auch nicht auf Tests vertrauen, die von frisch Erblindeten oder wenig Screenreader-erfahrenen Personen durchgeführt werden. Sie kämpfen noch mit den Macken des Screenreaders und haben deshalb keine Einschätzung darüber, wie gut die Test-Objekte sind.
Die Verwendung eines Screenreaders kann sinnvoll sein, um ein Gefühl für die Arbeitsweise von Blinden zu gewinnen. Zum Testen durch ungeübte Personen sind sie jedoch ungeeignet.

Die perfekte Hindernis-Erkennung für Blinde

TreppenaufgangFür Blinde ist die Erkennung von Hindernissen eine große Herausforderung. Große Hindernisse von der Hüfte bis zum Fuß lassen sich mit dem Blindenstock überwiegend gut ausmachen. Kopf und Oberleib hingegen sind vom Stock überhaupt nicht erfasst. Dazu kommt das Problem, das manche Hindernisse zu spät erfasst werden. Natürlich käme auch ein Blindenführhund als Hilfe in Frage, das ist aber nicht für jeden Blinden das Richtige.
In den letzteJahren haben sich diverse Zusatz-Geräte entwickelt, die bei der Erkennung von Hindernissen helfen sollen. Sie basieren auf Infrarot oder Ultraschall und informieren per Vibration oder Ton über Hindernisse. Die Geräte verbergen sich in Schuhen, als Erweiterung des Blindenstocks oder als anderes Wearable. Große Begeisterung hat keines dieser Geräte ausgelöst, soweit ich die Situation kenne. Hier also ein paar Ideen, wie eine Hindernis-Erkennung perfektioniert werden kann. Ich sage ausdrücklich dazu, dass ich von den bisher verfügbaren Geräten noch keines ausprobiert habe und deren Fähigkeiten daher nicht beurteilen kann.

Anpassbarkeit ist entscheidend

Es gibt große, kleine, schmale und breite Menschen. Eine Hindernis-Erkennung kann nur etwas taugen, wenn sie an die diversen Körpergrößen angepasst werden kann. Ansonsten sendet sie zu viele irrelevante Warnungen aus.
Bei Blinden arbeitet man in der Regel mit der Analogie einer Analog-Uhr, um die Position eines Hindernisses anzusagen. 3 Uhr ist rechts, 6 Uhr ist links, 12 Uhr ist geradeaus und so weiter. Daneben wäre noch die Position eines nicht-massiven Hindernisses wie eines Rückspiegels oder eines Astes interessant. Auch das müsste ein entsprechendes Tool ansagen, dafür ist wiederum die Körpergröße und -Breite einer Person wichtig. Dazu reicht die Ansage des Körperteils, also zum Beispiel: „Ast auf Kopfhöhe rechts“, „Rückspiegel auf Hufthöhe links“ etc.
Daneben wäre es sinnvoll, wenn eine lernende Software-Lösung verwendet wird. Menschen laufen unterschiedlich schnell, das ist ein wichtiger Faktor. Wird man zu spät vor einem Hindernis gewarnt, stolpert man darüber, wird man zu früh gewarnt, weiß man nicht, was man tun soll.
Die Krux aller Lösungen ist der Grad an Warn-Genauigkeit. Werden zu wenige Warnungen ausgesendet, kann man im Zweifelsfall auf das Gerät verzichten. Werden zu viele Warnungen ausgesendet, verunsichert das die tragende Person und hilft ebenfalls nicht weiter. Nun ist das natürlich auch eine Frage der persönlichen Vorlieben, auch deshalb wäre ein lernender Algorithmus wichtig.

Intelligente Objekt-Erkennung

Eine intelligente Objekt-Erkennung wäre sinnvoll. Das klingt komplizierter als es ist. Es gibt im Straßenverkehr eine Handvoll Objekte, die immer wiederkehrt: Pfähle von Schildern und Laternen, Fahrräder, Roller, Autos, Mülltonnen, Aufsteller, Tische und Stühle von Cafés, Hauswände, Stufen von Treppen, Zuäune oder Absperrungen von Baustellen, niedrige Mauern… Daneben gibt es natürlich noch lebendige, also sich eventuell bewegende Dinge wie Menschen, Hunde bzw. bewegte Objekte wie Fahrräder, Roller und Autos. Eine Objekt-Erkennung könnte einem sagen, was man vor sich hat, wo es sich ungefähr befindet und ob sich das Objekt bewegt.
Bei beweglichen Hindernissen wäre es natürlich toll, wenn die Software in etwa ermitteln kann, wohin sich das Objekt bewegt. Für einen Blinden ist wichtig, ob die Person ihm entgegenkommt, den Weg kreuzt oder ganz woanders hingeht, selbiges natürlich bei Fahrrädern, Autos etc.
Eine Objekt-Erkennung im weiteren Sinne gibt es bereits. So kann die iPhone-App SeeingAI bereits Szenen beschreiben.
Weiß der Blinde, was für ein Hindernis er vor sich hat und kennt seine ungefähre Position, kann er sich sein Verhalten zurechtlegen. Ein Roller erfordert ein anderes Verhalten als ein Fahrrad oder eine Person, die im Weg steht.
Ein Problem bisheriger Lösungen ist, dass sie nur aufragende Hindernisse erkennen können. Das gilt insbesondere für Geräte, die nicht am Oberkörper befestigt sind. Nun sind aufragende Hindernisse natürlich wichtig, gefährlich sind aber auch Hindernisse wie nach unten führende Treppen oder gar Gruben. Solche Objekte können meines Erachtens nur mit intelligenter Objekterkennung erkannt und beschrieben werden.

Integrierte Gesamt-Lösung

Im Augenblick bin ich tatsächlich abgeneigt, mir weitere Geräte zuzulegen. Stand-Alone-Geräte haben sicherlich ihre Berechtigung. Aber gerade für die Besitzer von Smartphones wären integrierte Gesamt-Lösungen besser. Besitzt man ohnehin eine smarte Kamera, die etwa Text erfassen kann, sollte diese auch die Hindernis-Erkennung übernehmen.
Für das oben dargestellte Szenario wäre ohnehin ein Computer notwendig. Zwar kann man im Prinzip überall ein kleines Betriebssystem einbauen. Aber die Software aktuell zu halten ist mit solchen Geräten eher schwierig. Und es wäre auch Ressourcen-Verschwendung. Wozu zwei Computer, wenn das Smartphone ohnehin die nötige Rechenpower hat?

Fazit

Wir haben gesehen, dass das Thema extrem komplex und nicht einfach zu lösen sein wird. Wir haben zum Beispiel gar nicht über das Thema Beleuchtung gesprochen. Bei Infrarot-Strahlung oder Ultraschall spielt es keine Rolle, ob es hell oder dunkel ist. Bei den hier vorgeschlagenen Systemen geht es aber eher um Kamera-basierte Geräte, die auf ausreichend Beleuchtung angewiesen sind.
Klar ist, die Basis der Orientierung wird bis auf absehbare Zeit der Blindenstock und das persönliche Orientierungsvermögen bleiben. Ein Blindenführhund kann den Blinden auf dem Hund bekannten Wegen führen oder Hindernissen ausweichen, aber er kann keine Umgebungen erkunden oder komplexere Ausweich-Routen herausfinden. Alle Geräte haben die Neigung, im unpassenden Moment kaputt zu gehen oder entladen zu sein. Die Klicksonar-Technik und ähnliche Methoden haben vielen Menschen geholfen, vielen Anderen aber nicht.

Lohnt sich eine Mitgliedschaft in der International Association of Accessibility Professionals (IAAP)?

Normalerweise bin ich ein Freund von Zusammenschlüssen. Man kann sich fachlich austauschen, neue Kontakte bekommen und eventuell sogar Auftraggeber gewinnen. Seit die International Association of Accessibility Professionals (IAAP) ihren deutschen Ableger gegründet hat, bin ich tatsächlich auch Mitglied geworden. Ich habe mich allerdings entschlossen, meine Mitgliedschaft auslaufen zu lassen und möchte hier die Gründe darlegen.

Die IAAP ist eine Zertifizierungs-Organisation

Es war wohl ein Geburtsfehler der IAAP, dass sie von Anfang an ein Zwitter ist. Sie möchte zugleich eine Mitglieder-Organisation und eine Zertifizierungs-Organisation für Barrierefreiheits-Expertise sein.
Und wie das so ist, man kann beidem nicht gerecht werden. Der Mitglieder-Bereich ist sowohl in der Haupt-Organisation als auch in Deutschland irrelevant. Die gleichen Disskussionen findet man auf der WAI-Liste oder auf Slack-Channels. Die Webinare sind vollkommen uninteressant. Die Weiterbildungen, die man teils vergünstigt oder kostenlos bekommt, sind in Ordnung, aber dafür brauche ich die Mitgliedschaft nicht.
Interessant ist nebenbei, dass keiner der Granden der nationalen oder internationalen Barrierefreiheits-Szene sich zu einer Mitgliedschaft in der IAAP bekennt. Sie halten wohl die Organisationfür überflüssig.

IAAP DACH und BIK – Brüder im Geiste

Kommen wir zum deutschen Ableger. Man kann einen Newsletter abonnieren, kaum bespielt wurde. Auf dem Twitter-Kanal werden seltsames Zeug und Informationen von BIK-Leuten verbreitet. Ich bin weiß Gott kein PR-Mensch, aber ich könnte das mit meiner knappen Zeit besser machen.
Die Organisation wird praktisch von BIK-Leuten beherrscht, also Personen, die den BITV-Test maßgeblich entwickeln. Und genau so verhalten sie sich auch. Intransparent und nicht-kommunikativ. Außer der Anfrage, ob man sich an den Übersetzungen der Prüfungen beteiligen möchte habe ich bis heute kaum etwas gehört.
Das passt auch insgesamt gut zusammen. Sowohl die BIK als auch die IAAP haben meine Kritik an den BITV-Prüfverfahren bzw. den IAAP-Zertifikaten ignoriert. Mein Hinweis darauf, dass es bei der IAAP an behinderten Menschen in vorderster Reihe fehlt, dass die Zertifikate Informationen und nicht konzeptionelles Wissen abfragen und der Fakt, dass der ganze Spaß mit den Zertifizierungen enorm teuer ist.
Mein Schluss ist, dass sich hier zwei gefunden haben: Für Barrierefreiheit zu sein heißt eben nicht, dass man behinderte Menschen als Akteure ernst nimmt. Wie so oft sehe ich bei den IAAP-Leuten eine paternalistische Grundhaltung, ebenso wie bei den BIK-Verantwortlichen.
Gemeinsam ist der IAAP und dem BIK die große Beratungs-Resistenz. Man interessiert sich weder für die Kritik aus der Community noch nimmt man sie überhaupt wahr. Das hat nichts mit Barrierefreiheit zu tun.
Die Zertifikate halte ich, wie erwähnt, nicht für aussagekräftig. Abgesehen davon haben solche Verfahren den Trend, sich zu Selbstläufern zu entwickeln. Irgendwann geht es nur noch darum, möglichst viele Leute durch die Prüfung zu schicken – oder durchfallen zu lassen – einfach, weil man die Einnahmen braucht. Das ist eine Gelddruckmaschine und das muss man nicht unterstützen.
Man sieht es auch an anderen IAAP-DACH-Veranstaltungen: Unter den Referierenden sind behinderte Menschen praktisch nicht präsent, Ausnahmen sind staatliche Funktionäre, aber die zählen meines Erachtens nicht.

Fazit

Ich habe daraus den Schluss gezogen, dass ich diese Organisation nicht mit meiner Mitgliedschaft adeln möchte. Ich werde die 200 Dollar Mitgliedsgebühr an NVDA spenden, sie kümmern sich wirklich um Barrierefreiheit.

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Wie findet man einen kompetenten Dienstleister für digitale Barrierefreiheit

Stilisierter Sherlock Holmes mit LupeDa mir die Frage häufig gestellt wird, möchte ich heute gerne darauf eingehen, wie Sie einen kompetenten Dienstleister in Sachen barrierefreie Webseiten und barrierefreie PDF finden.

Barrierefreiheit ist ein Thema wie jedes Andere

Zunächst einmal sollten Sie genau so vorgehen wie in jedem anderen Bereich auch. Das heißt: Marketing-Bla-Bla ignorieren, Referenzen prüfen und vor allem auf konkrete Informationen achten. Je wager die Informationen zur Barrierefreiheit sind und je tiefer das Thema auf der Webseite vergraben ist, desto weniger wichtig scheint es dem Dienstleister zu sein. Außerdem sollten Sie einmal bei anderen Einrichtungen aus Ihrer Branche fragen, ob dort bereits gute Erfahrungen mit einem bestimmten Dienstleister gemacht wurden.
Es macht auch Sinn, ein automatisches Prüftool über die Website des Anbieters oder seine PDF-Dokumente laufen zu lassen. Oder alternativ eine behinderte Person die Inhalte prüfen zu lassen. Fehler können immer gemacht werden. Häufen sich diese aber, ist das kein gutes Zeichen. Bekommt man die eigenen Inhalte nicht barrierefrei, wie soll man das dann mit den Inhalten Anderer machen?
Hinweis: Automatische Testtools sind nur eingeschränkt für die Messung der Barrierefreiheit geeignet. Hier sind sie lediglich ein Anhaltspunkt für die Professionalität eines Dienstleistenden.

Anbieter-Struktur in der DACH-Region

Unabhängig vom konkreten Portfolio lassen sich vier Arten von Dienstleistern bzw. Unternehmens-Strukturen in der DACH-Region unterscheiden:

  • Einzel- bzw. Kleinst-Unternehmen, bestehend aus einer Person bzw. aus einzelnen Freiberufler:Innen
  • kleine Agenturen, die sich auf Barrierefreiheit spezialisiert haben, das sind in Deutschland Agenturen mit vielleicht 10 bis 15 Mitarbeiter:Innen
  • mittelgroße oder große Full-Service-Agenturen, die insbesondere für den öffentlichen Dienst tätig sind und Barrierefreiheit mit im Angebot haben
  • Non-Profit-Organisationen

In der DACH-Region gibt es meines Wissens keine mittelgroßen oder großen Agenturen, die sich ausschließlich mit Barrierefreiheit beschäftigen. Auch kommt es selten vor, dass ein kleinerer Dienstleister sowohl barrierefreie Webseiten als auch barrierefreie PDF abdecken kann. So etwas machen eher große Full-Service-Agenturen mit Schwerpunkt auf den öffentlichen Sektor.
Daneben gibt es natürlich unzählige Freiberuflerinnen, kleinere und größere Unternehmen, die Barrierefreiheit als eines von vielen Themen im Portfolio haben. Hier kann man nicht generell sagen oder prüfen, inwieweit sie das Thema beherrschen.
Vereinzelt findet man auch nicht-profit-orientierte Organisationen, die Dienstleistungen zur Barrierefreiheit anbieten.

Expertise erkennen

Es gibt viele „hidden heroes“, also Personen, die ein wenig unter dem Radar der Öffentlichkeit bleiben. Die findet man eher in den Arbeitskreisen und weniger auf Konferenzen. Dadurch sind sie auch recht schwer über eine Web-Suchmaschine zu finden. Ich stolpere immer wieder einmal über Personen, die jahrelang in dem Bereich arbeiten, sich hervorragend auskennen und von denen ich vorher nie bewusst gehört habe.
Abraten möchten wir von Dienstleister-Verzeichnissen. Da kann sich in der Regel jeder eintragen, ohne das eine Qualitätskontrolle stattfindet. Wie oben beschrieben sollte man sich immer deren Web-Auftritt und Referenzen anschauen.
Interessant ist die Frage, ob der Dienstleister auf Fach-Konferenzen präsent war oder ob er publiziert hat – egal ob in öffentlichen Publikationen oder auf der eigenen Website. Fachliche Publikationen kann man in der Regel auch erkennen, ohne tief in der Materie zu sein.
Daneben gibt es eine Reihe von Fragen, die Sie an Dienstleister bezüglich Barrierefreiheit stellen können. Dazu gehören:

  • Wie viele Projekte wurden bisher umgesetzt?
  • Wie viele Mitarbeiter:Innen sind auf Barrierefreiheit spezialisiert, wie bilden sie sich fort bzw. bleiben auf dem Laufenden?
  • Wie findet eine Qualitätssicherung der Ergebnisse eines Projekts statt? (Testverfahren, Nutzertests, automatische Prüfung etc.
  • sind behinderte Menschen etwa bei Tests eingebunden

Bleiben die Antworten wage, muss man von einer mangelnden Erfahrung des dienstleisters ausgehen und sollte ihn aus der näheren Auswahl nehmen.
Es gibt aktuell vor allem die Zertifikate der IAAP zur Barrierefreiheit als formalen Nachweis für Expertise. Diese sind in Deutschland aber wenig verbreitet und werden ohnehin nur an Einzelpersonen und nicht an Organisationen vergeben. Meines Erachtens taugen diese Zertifikate nicht als Qualifikationsnachweis für Barrierefreiheit.

Warum ich manche Kunden ablehne

Natürlich steht es jeder Dienstleisterin auch frei, sich ihre Kunden selbst auszusuchen bzw. auch Kunden abzulehnen. Aktuell ist die Nachfrage nach Barrierefreiheits-Expertise recht groß, auch wenn ich davon ausgehe, dass das ab dem nächsten Jahr wieder nachlassen wird.
Ich habe in der Vergangenheit mehrfach Kunden abgelehnt. Wenn ich für den Job generell geeignet war, der Kunde realistische Preis-Erwartungen und ich Ressourcen hatte, waren es vor allem folgende Gründe in absteigender Wichtigkeit:

  • Unzuverlässigkeit, das heißt, zu spät abgelieferte Inhalte, nicht eingehaltene Absprachen oder Termine
  • unhöfliches oder unangemessenes Verhalten, dazu zählen auch Anrufe jenseits der üblichen Büro-Zeiten, unfreundliche Mails, mangelnde Transparenz etc.
  • der Job war für mich nicht interessant
  • wenn es persönlich nicht gepasst hat

Der erste Grund ist recht häufig. Angestellte verstehen oft nicht, dass man als Freiberufler seine Ressourcen oft auf Wochen hinaus verplant hat. Wenn dann Absprachen nicht eingehalten werden, hat man eine Woche nichts zu tun und die nächste Woche ist voll. Man merkt häufig schon bei der Kontakt-Aufnahme, dass jemand unzuverlässig ist, etwa wenn er abgesprochene Termine nicht einhält oder sich sehr spät zurückmeldet.
Ruppiges Verhalten oder unrealistische Erwartungen muss man sich ein Stück weit gefallen lassen. Es gibt hier aber auch Grenzen, die der Kunde gezeigt haben muss. Mangelnde Transparenz beginnt für mich schon damit, wenn man in einer Anfrage nicht kommuniziert, dass man mehrere Dienstleister anfragt. Oder wenn man sich einen bestimmten Termin freihalten soll und dieser Termin dann nicht abgesagt wird, obwohl man ihn als Dienstleister fest verplant hat und der Kunde sich doch anderweitig entschieden hat.
Uninteressante Jobs sind Tätigkeiten, die mich für den Moment nicht interessieren oder viel unbezahlte Einarbeitung erfordern.
Der letzte Grund ist selten. Auf professioneller Ebene muss man auch zusammenarbeiten können, wenn man sich nicht zu 100 % sympathisch ist. Andererseits hat man manchmal als Dienstleisterin den Luxus, sich die Kunden aussuchen zu können. Da wählt man im Zweifelsfall eher diejenigen, die man sympathisch findet oder mit denen man gut zusammenarbeiten kann.
Ich persönlich lehne tatsächlich Kunden ab, wenn sie eine Anfrage stellen und einmal ein Angebot von mir abgelehnt haben. Kunden ist häufig nicht bewusst, dass auch das Erstellen von Angeboten Arbeit bedeutet. Viele Kunden lehnen auch ein Angebot ab, nachdem sie sich unbezahlte Beratung geholt haben.
Natürlich kann es viele Gründe geben, warum ein Angebot abgelehnt wurde. Häufig ist es aber der Preis oder Zweifel an der Kompetenz. Das heißt, dass man so oder so keine Chance hätte und die Anfrage rein formaler Natur ist. Häufig hat sich der Kunde schon für einen Anbieter entschieden und muss nur für die Akte weitere Angebote abfragen.

Entscheidend ist eine gute Zusammenarbeit

Last not least zählt natürlich der persönliche Eindruck. Meines Erachtens sollte man das nicht überbewerten. Wenn jemand aber eine konkrete Frage nicht angemessen beantworten oder eine verständliche Erklärung geben kann, wird die Zusammenarbeit schwierig.
Dabei ist auch wichtig, dass man miteinander gut klarkommt, ansonsten wird die Zusammenarbeit schwierig.

Zum Weiterlesen

Was sollte eine Expertin für digitale Barrierefreiheit können?

Farbige Blasen enthalten Fragen wie Wer, Was und WoIn angloamerikanischen Ländern gehören sie vielerorts dazu, in Deutschland sind sie seltener als Einhörner: Inhouse-Expertinnen für digitale Barrierefreiheit. Aber was sollte so eine Expert:In eigentlich mitbringen? Das wollen wir uns in diesem Beitrag anschauen. Wenn Sie eine Barrierefreiheits-Expert:In einstellen möchten, hilft Ihnen vielleicht das Accessibility Skills Hiring Toolkit. Oder suchen Sie einen kompetenten Dienstleister zu barrierefreien PDF und Webseiten?

Generelle Anforderungen

Es gibt Fähigkeiten, die jeder Mensch benötigt, der im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik arbeitet. Die Fähigkeit, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten, sich Fachbegriffe anzueignen, die Qualität von Informationen zu beurteilen. Der Wandel der Technik hat sich in den letzten Jahren rasant beschleunigt – außerhalb der Barrierefreiheit, versteht sich. Aber das muss man natürlich mitbekommen, wenn man sich mit barrierefreier Technik beschäftigt.
Ein gutes Verständnis von technischem Englisch ist unabdingbar. Nur wenige relevante Informationen erscheinen – zumeist mit Verspätung – auf Deutsch. Die meisten relevanten Diskurse finden auf Englisch statt, auch weil die deutsche Barrierefreiheits-Szene es verschlafen hat, eine funktionierende Plattform für den Diskurs zu entwickeln.

Besondere Anforderungen der digitalen Barrierefreiheit

ein konzeptionelles Verständnis von Behinderungen und den daraus erwachsenen Barrieren ist wichtig. Barrierefreiheit ist mehr als Sprachausgabe, Bildschirm-Lupe, Kontraste und Alternativtexte.
Erforderlich ist ein solides Grundwissen der Gesetzgebung und der Richtlinien. Der Wust aus nationalen und Länder-Gesetzen, Industrie-Normen und informellen Vorgaben ist schwer zu durchschauen.
Ein technisches Grundwissen ist wichtig, z.B. ein Grundverständnis von HTMl und seiner Funktionsweise, ohne HTML versteht man weder Screenreader noch ARIA.

Besonderes Wissen

Wichtig ist, in welchem Bereich man arbeitet, ein Entwickler benötigt anderes Wissen als eine Projektmanagerin, ein Kommunikations-Verantwortlicher anderes Wissen als eine Redakteurin. Wer wiederum Dokumente barrierefrei machen möchte, muss über ARIA oder CSS weniger gut Bescheid wissen.
Erfüllt man Schnittstellen-Funktionen, etwa als Projektmanagerin oder Berater für Kunden, muss man vor allem übersetzen können. Der Kunde möchte – manchmal – verstehen, warum etwas auf eine bestimmte Weise gemacht werden soll oder warum eine bestimmte Weise problematisch sein kann. Die Entwickler:Innen benötigen klare Hinweise auf die Umsetzung oder zumindest darauf, was falsch läuft und was das erwartete Verhalten ist.
Je nach Organisation muss man sich auch darauf einstellen, der Buhmensch zu sein. Man muss etwa intervenieren, wenn das fein austarierte grafische Konzept unzureichende Kontraste aufweist oder die Tastatur-Bedienung in einer bestimmten Ecke nicht funktioniert. Manche kommen mit dieser Rolle besser klar als Andere. Auf jeden Fall ist das einfacher, wenn man außerhalb einer Organisation steht.
Hier stellt sich die Frage, ob man eine Art Universalgenie in all diesen Dingen sein muss. Ich selbst kenne nur eine Handvoll Leute, die sich mit Internet und PDF gleichermaßen gut auskennen. Das Ganze wird auch dadurch erschwert, dass alle Themen für sich immer spezieller werden. Das Universal-Genie wird auch in der Barrierefreiheit eine aussterbende Gattung.

Expert:Innen in eigener Sache – aber auch nicht mehr

Ein häufig anzutreffendes Mißverständnis gerade bei vielen Blinden ist der Irrglaube, man kenne sich mit Barrierefreiheit aus, weil man blind sei. Nach der Argumentation sind alle Weintrinker Wein-Experten und ein Supermarkt-Kunde ist ein Experte für Waren-Logistik.
Sicher ist jede Behinderte Expert:In in eigener Sache. Darüber hinaus wird es aber schwierig. Es gibt Blinde, die recht gut die Situation anderer Blinder einschätzen können. Anderseits sehe ich nur bei wenigen Blinden, die über Barrierefreiheit schreiben, dass sie sich mit anderen Behinderungen beschäftigt haben. Für einen Geburts-Blinden dürfte es recht schwierig sein, die Situation einer Sehbehinderten oder Autist:Innen einzuschätzen.
Deshalb sollte man bei der Einschätzung durch Expert:Innen in eigener Sache stets vorsichtig sein. Das ist kein Plädoyer gegen Tests durch Nutzer:Innen, aber man muss solche Einschätzungen stets gewichten.

Was gehört nicht zum Experten für Barrierefreiheit?

Eine Expert:In für Barrierefreiheit muss meines Erachtens vor allem ein Grundverständnis über die Funktionsweise assistiver Technologien und deren Grenzen haben. Sie muss aber nicht in der Lage sein, einen Screenreader oder eine Spracheingabe flüssig bedienen zu können.
Eine Expert:In für Barrierefreiheit muss selbst nicht behindert sein. Im Gegenteil, in einigen Fällen kann das sogar hinderlich sein, weil man dann die eigenen Anforderungen überbewertet, so gesehen bei vielen Blinden, die zumindest von sich selbst glauben, von Barrierefreiheit Ahnung zu haben, während sie nur von Screenreadern und Sprachausgaben sprechen.
Natürlich heißt das nicht, dass ein behinderter Mensch kein Experte sein kann, es geht nur darum, dass eine Behinderung zu haben nicht automatisch dazu qualifiziert. Ich suche aktuell nach Möglichkeiten, um behinderte Menschen zu Barrierefreiheits-Expert:Innen zu qualifizieren. Ich freue mich, wenn da jemand Hinweise hat.
Im anglo-amerikanischen Raum gibt es im übrigen viel mehr behinderte Menschen in der Barrierefreiheits-Szene, In Deutschland bleiben sie in aller Regel außen vor.
Meines Erachtens gehört es auch nicht dazu, die Barrierefreiheits-Richtlinien auswendig zu kennen. Die WCAG formulieren einen Minimal-Standard und laufen der technischen Entwicklung leider hinterher.
Wie ich an anderer Stelle schrieb, ist konzeptionelles Wissen wichtiger als die Fähigkeit, Infos auswendig zu lernen. Das kritisiere ich auch an den IAAP-Zertifikaten.

Weitere Infos

Barrierefreiheits-Stärkungs-Gesetz – warum die Bundesregierung der Wirtschaft schadet

einkaufswagenNun ist es doch da, das neue Barrierefreiheits-Stärkungs-Gesetz. Die Defizite des European Accessibility Act und deren deutscher Umsetzung sind an anderer Stelle schon ausgeführt worden, das muss ich hier nicht wiederholen. Hier erfahrt ihr, warum Deutschland der heimischen Wirtschaft damit keinen Gefallen getan hat.

Eine Regierung des Stillstandes

Wir haben eine mut- und innovationsfreie Bundesregierung, im Grunde haben wir seit der Regierung Merkel I einen großen Stillstand. Wenn sie nicht gerade durch äußere Umstände gezwungen wurde, hat die Bundesregierung kein großes Thema angepackt. Wo sie es doch getan hat, war die Situation oft nur wenig besser als vorher – siehe Bundesteilhabegesetz. Das ganze Schema des Versagens sieht man in anderen Bereichen wie dem Klimaschutz oder der Digitalisierung. Meines Erachtens geht es hier also nicht so sehr darum, dass Behinderte bewusst ausgegrenzt werden, wie in anderen Kommentaren zu lesen. Es ist das Gleiche passiert wie bei so vielen anderen Gesetzes-Vorhaben – mangelndes Interesse, geringe Ambitionen und Ministerien, die viel Bürokratie ohne nachhaltige Wirkung produzieren. Vielleicht muss man aber auch glücklich darüber sein, dass die CDU im Wesentlichen den Status Quo verwaltet, wenn man sieht, welche unsozialen Reformen der aktuelle Gesundheitsminister Spahn auf den Weg gebracht hat.

Deutschland wird wirtschaftlich abgehängt

Viele große Märkte, insbesondere der gesamte anglo-amerikanische Raum – haben strengere Gesetze zur Barrierefreiheit als Deutschland. Selbst innerhalb der Europäischen Union steht Deutschland in einigen Bereichen deutlich schlechter da als andere Staaten. So hat Österreich härtere Richtlinien zur Barrierefreiheit auch für die Privat-Wirtschaft.
Leider habe ich keinen Vergleich der Barrierefreiheits-Richtlinien in den einzelnen Ländern der Welt gefunden. Falls jemand da einen heißen Tipp hat, freue ich mich. Allerdings kann man davon ausgehen, dass viele der Wachstums-Märkte wie China, Indien, Russland, die Staaten Lateinamerikas und im Nahen Osten ebenfalls zumindest Basis-Anforderungen der Barrierefreiheit gesetzlich verankert haben bzw. es noch tun werden. Hier spielt der Druck durch die sozialen Bewegungen und der Wunsch nach Legitimität eine große Rolle.
Der große Marktfaktor überhaupt ist der demografische Wandel. Er trifft das gesamte Europa, Japan, China, Russland und etwas schwächer die beiden Amerikas. Man hat im Bereich barrierefreier Tourismus schon große Fortschritte gemacht. In anderen Bereichen ist man hier allerdings relativ uninnovativ. Es ist anscheinend in der Privat-Wirtschaft noch nicht angekommen oder man sieht die Kosten für Innovationen als zu hoch an. Am Ende werden aber jene profitieren, die hier langfristig gedacht haben.
Nehmen wir ein Beispiel: Deutschland gehört zu den großen Herstellern von Personen-Zügen. Züge können schwellenfrei gebaut werden, so dass man sie in der Regel ohne fremde Hilfe als Rollstuhlfahrende oder Rollator nutzende Person nutzen kann. Aber die Deutsche Bahn und andere Bahnbetriebe kaufen lieber nicht barrierefreie Züge und organisieren eine personal-intensive Mobilitätshilfe. Kein Staat der Welt wird diese Züge aus Deutschland importieren – entweder werden sie angepasst oder man nimmt sie von Unternehmen, die von vorneherein barrierefreie Züge bauen. Wenn deutsche Unternehmen keine barrierefreien Bankautomaten bauen kann, wird man sie eben von Anbietern beziehen, die das können. Wenn die paar international aktiven deutschen Software-Unternehmen ihre Produkte nicht barrierefrei gestalten können, sind sie global nicht konkurrenzfähig.
Barrierefreiheit ist ein interessanter Markt für global agierende Unternehmen möchte man meinen. Für Deutschland allerdings nicht. Die Regierung traut sich nämlich nicht, hier harte Regelungen oder vernünftige Fristen zu setzen. Deutsche Unternehmen werden nicht zu Innovationen gezwungen und verlieren damit den Anschluss an den Weltmarkt.

Deutschland als großer Bremser

Obwohl Deutschland sich immer als Musterschüler vorkommt, ist es in Wirklichkeit das Gegenteil. Immer, wenn ein internationales Gremium wie die EU Gas gibt, tritt Deutschland auf die Bremse. So war es bei den Richtlinien zur digitalen Barrierefreiheit, so war es beim marakesch-Treaty über den Zugang für lesebehinderte Menschen zur Literatur und so war und ist es beim European Accessibility Act. Der European Accessibility Act sollte ursprünglich wesentlich mehr Bereiche umfassen. Es bleibt ein Rätsel, warum etwa das gesamte Thema Bauen, Arbeits-IT oder Haushaltsgeräte schon im Act komplett außen vor bleibt. Der Act war also schon unambitioniert, als er verabschiedet wurde und er wurde noch weniger ambitioniert in deutsches Recht umgesetzt.
Die Bundesregierung glaubt tatsächlich, man würde der heimischen Wirtschaft dadurch einen Gefallen tun. Das mag kurzfristig gedacht tatsächlich zutreffen. Mittelfristig ist es der Todesstoß für eine export-orientierte Wirtschaft. Was glaubt ihr, welche Lösung/Dienstleistung wird ein großer Markt-Teilnehmender einkaufen, der zur Barrierefreiheit verpflichtet ist? Eine Lösung, die von vorneherein barrierefrei ist oder die deutsche Lösung, die nicht barrierefrei ist? Und selbst in der Binnen-Nachfrage spielt Barrierefreiheit eine wachsende Rolle. Hier hat man meistens die Wahl zwischen einer mittelmäßigen deutschen und einer guten Lösung aus dem anglo-amerikanischen Raum. Der deutschen Lösung wird meistens nur aus Datenschutz-Gründen der Vorzug gegebe, nicht, weil sie in irgendeiner Hinsicht besser wäre.
Das gleiche Schema erkennen wir – wie oben erwähnt – im Klimaschutz wieder. Während alle Welt auf Autos mit geringen Emissionen, weniger Kraftstoff-Verbrauch oder gar Elektro-Autos setzt hat Deutschland die entsprechenden Vorschriften verwässert und dazu beigetragen, dass die deutsche Autowirtschaft international weniger konkurrenzfähig ist. Man hat die Wirtschaft auf kurze Sicht geschont, um ihr auf lange Sicht die Konkurrenzfähigkeit zu nehmen.

Fazit

Wie an anderer Stelle erklärt ist Barrierefreiheit natürlich ein Kostenfaktor. Vor allem in Deutschland, wo man mehr Wert auf Formalitäten statt auf innovative Ideen legt. Das Problem reduziert sich aber dadurch, dass alle Markt-Teilnehmenden sich an die gleichen Regeln halten müssen. Alle Unternehmen haben die gleichen Anforderunge, also kann sich keiner einen Vorteil dadurch verschaffen, dass er die Regeln ignoriert. Durch gemeinsame Anstrengungen und Lösungen werden die Kosten für die einzelnen Markt-Teilnehmenden insgesamt reduziert. Bildungs-Einrichtungen werden dazu gezwungen, die Barrierefreiheit in den Unterricht aufzunehmen, da die entsprechenden Kompetenzen überall gebraucht werden.
Anders als Deutschland manchmal zu glauben scheint wartet die Welt nicht auf deren Innovationen. Sie werden halt wo anders gemacht und dann werden Spanien, Italien oder Irland die Leistungen barrierefrei anbieten, die Deutschland wegen seiner Zögerlichkeit nicht entwickeln konnte.

Der Weg über die Gerichte

In den letzten Jahren hat es einige bahnbrechende Gerichtsurteile gegeben. So ist Deutschland jetzt durch das Bundesverfassungsgericht gezwungen, härtere Maßnahmen zum Klimaschutz zu erlassen.
Möglicherweise ist dies der einzig gangbare Weg: Zum Einen die Bundesregierung durch Klagen zwingen, mehr auf die Barrierefreiheit zu achten. Zum Anderen auch Firmen verklagen, die ihre Software oder andere Produkte nicht barrierefrei machen. Leider ist das in Deutschland schwieriger als in den USA, weil hier das Klagerecht deutlich eingeschränkt ist.
Abgesehen davon sind solche Urteile recht langwierig. Bis man das Bundesverfassungsgericht erreicht, ist viel Sitzfleisch und engagierte Anwält:Innen notwendig. So lange wollen wir eigentlich nicht warten.

Wird barrierefreie Web-Entwicklung zum Mainstream?

Hand-gecodete Webseiten erinnern an eine etwas verklärte Zeit. Irgendwie muss ich immer an die Großmutter denken, die am Kamin sitzt und Jäckchen für die kleinen Enkel strickt. Wobei meine Großmutter im tropischen Goa sicher nie an einem Kamin gesessen hat.
Heutzutage kommt man allerdings an Frameworks kaum vorbei. Klar kann man die Website auf dem Desktop betreuen und dann über FTP hochladen. Oder minimalistische Redaktionssysteme verwenden. Doch für moderne Interfaces, die schick, aber auch funktional sein sollen ist das wohl nicht mehr der beste Weg. Wer hat heute noch Ressourcen, ein Akkordeon, eine Flyout-Navigation oder eine Slideshow zu programmieren und sie auf allen möglichen Endgeräten und Browsern zu testen? Die öffentliche IT ganz sicher nicht, eben so wenig wie deren externe Dienstleister.
Nun haben sich die Entwickler:Innen dieser Bibliotheken und vieler Redaktionssysteme bisher kaum um Barrierefreiheit gekümmert. Auch für sie war es so anstrengend. Doch der Wind wird sich sehr bald drehen.

Härtere Richtlinien, mehr Betroffene

Ab und zu muss man daran erinnern, dass die BITV nicht erst seit der EU-Direktive 2102 gilt. Die erste BITV wird gerade 20 Jahre alt. Wer sich jetzt erst darum kümmert, hat bisher seine Pflichten sträflich vernachlässigt.
However, die Entwicklung um 2102 hat jetzt einen hohen Grad an Nervosität ausgelöst. Webseiten wirden immer stärker monitort und Barrierefreiheits-Bugs werden nach und nach ausgebügelt. Ein Grund, ungeeignete Frameworks zu entsorgen und durch solche zu ersetzen, die Barrierefreiheit unterstützen.
Nun macht die öffentliche IT einen guten Teil der digitalen Infrastruktur aus. Allein das wäre ein Grund, stärker auf Barrierefreiheit zu achten, um diesen Markt nicht zu verlieren. Aber auch ein Gutteil des Nonprofit-Sektors ist zur Barrierefreiheit verpflichtet. Dies dürfte doch einen guten Teil des Internets betreffen.
Ein aktuelles Beispiel: Der neue BITV-Test fordert die barrierefreie Transformation von Inhalten, heißt, wenn über die Website ein PDF aus einer HTML-Seite erstellt werden kann, muss das resultierende PDF die Barrierefreiheits-Infos aus dem HTML übernehmen. Das kann kaum eine der aktuell angebotenen Bibliotheken zur PDF-Konvertierung.
Natürlich stammen die meisten dieser Frameworks aus dem anglo-amerikanischen Bereich. Dort gibt es auch einen starken Druck vor allem in den USA oder Kanada durch härtere Gesetze und Klagewellen.
Natürlich ist das vor allem für kommerziell vertriebene Frameworks interessant. Doch auch die kostenlosen Anbieter sind sicherlich an einer weiten Verbreitung ihrer Frameworks interessant. Wozu soll man eine Bibliothek weiter entwickeln, die keiner nutzt?

Es wird einfacher, aber nicht einfach

Allerdings wird den Entwickler:Innen zwar Arbeit abgenommen. Doch müssen sie sich trotzdem mit Barrierefreiheit beschäftigen. Die Bibliotheken bieten ja schon heute teilweise die Möglichkeit, ARIA oder andere relevante Eigenschaften hinzuzufügen, den Kontrast zu ändern oder den Fokus zu korrigieren.
Oder anders gesagt: Man kann mit einem guten Framework Mist produzieren und mit einem schlechten Framework gute Ergebnisse erzielen.
Doch die Arbeit wird durch gute Frameworks deutlich erleichtert. Tastatur-Bedienung, Fokus-Management, Mindest-Kontraste, ARIA States und so weiter sind wesentlich besser umsetzbar, wenn sie einmal zentral integriert wurden.
Vielleicht sollten wir uns in Zukunft nicht mehr auf einzelne Organisationen stürzen, sondern uns gezielt an die Entwickler:Innen der Frameworks wenden. Das dürfte einen wesentlich größeren Impact haben.
Web Accessible Code Libraries and Design Patterns