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Kobinet möchte aus dem Boomerland abgeholt werden

Manchmal macht einfach das Vergehen der Zeit ein Portal überholt. Die Zeit läuft weiter, das Portal bleibt stehen. So ergeht es den Kobinet Nachrichten. Die Website aufzurufen ist wie eine Zeitreise in die 90er. Während sie mal ein Portal voll mit interessanten News waren, sind sie heute nur noch von gestern.
Das ist wenig überraschend, da die Kern-Redaktion eben genau im Boomer-Alter ist. Und sich auch so verhält. Ich möchte die Arbeit dieser Personen nicht schmälern oder geringschätzen. Aber wer nicht mit der Zeit geht, hat vielleicht einfach nur den Absprung verpasst.
Es fällt auf, dass viele Gruppen bzw. deren Themen wenig bis gar nicht vorkommen:
– Gehörlose
– Autismus und Neuro-Diversität
– Menschen mit Migrationshintergrund
– Frauen mit Behinderung
– Menschen mit Mehrfach-Diskriminierung
Tatsächlich liegt der Fokus fast ausschließlich auf körperbehinderten Personen.
Die Hälfte der Beiträge scheint sich um Sascha Langs Podcast, Heinz Willis krudes Geschreibsel und den Sozialverband VdK zu gehen. Die Über-Repräsentatiz von körperbehinderten Personen ist allmählich so auffällig. Anscheinend ist man nur berichtenswert, wenn man ein Overlay-Anbieter ist oder mit den Redakteuren befreundet ist.
Leider gibt es kein Portal, das an deren Stelle treten kann: Rolling Planet hätte es sein können, wenn sie sich nicht in wüsten Beschimpfungen auf die Aktion Mensch eingeschossen hätten.

Offener Brief an Kobinet zu Overlay- Promotion

Den folgenden offenen Brief habe ich heute an die Kobinet-Redaktion gesendet. Es reicht eigentlich schon, wenn die Aktion mensch den Einsatz von Overlays fördert. Wir brauchen keinen zweiten großen Akteur, der unkritisch die Informationen dieser Anbieter verbreitet und die etablierte Community ignoriert. Der verlinkte Beitrag ist der letzte einer Reihe von Beiträgen, die offensichtlich copy-paste die Kommunikation eines Overlay-Anbieters darstellen.
Wenn Sie der gleichen Meinung sind, kopieren Sie den Brief und schreiben Sie an redaktion@kobinet-nachrichten.org. Natürlich ist es redaktionelle Freiheit, nicht über bestimmte Anbieter zu berichten. Aber wenn die Aktiven der Barrierefreiheit und die Stellungnahmen vieler Behindertenverbände ignoriert und die Ggner der Barrierefreiheit promoted werden, dann läuft da etwas gewaltig schief. Es reicht eigentlich schon, wenn die Aktion Mensch ein Total-Ausfall bei der Barrierefreiheit ist, wenn Kobinet jetzt auch austickt, dann kann man der Barrierefreiheit gute Nacht sagen.
Update vom 6.5.2026: Kobinet hat mich bisher nicht mit einer Antwort beehrt. Das verstärkt den Eindruck, dass da kein Interesse an digitaler Barrierefreiheirt besteht.
Sehr geehrte Kobinet-Redaktion,

ich verfolge Ihre Beiträge seit geraumer Zeit mit großem Interesse, da Kobinet für mich lange eine wichtige Informationsquelle rund um das Thema Behinderung war.
In letzter Zeit habe ich jedoch den Eindruck gewonnen, dass sich die inhaltliche Gewichtung verschiebt. Insbesondere fällt auf, dass vermehrt Beiträge zu sogenannten Accessibility Overlays veröffentlicht werden. Dabei handelt es sich häufig um Inhalte oder Stellungnahmen von Anbietern selbst, die aus meiner Sicht nicht ausreichend kritisch eingeordnet werden. Gerade in der Fach- und Behinderten-Community ist die Wirksamkeit solcher Lösungen jedoch seit Jahren umstritten. Im Grunde wird sie vollständig abgelehnt. Die einseitige Veröffentlichung solcher Beiträge erweckt den Eindruck, dass Kobinet deren Einsatz explizit empfiehlt. Häufig wird die normalerweise vorhandene Kommentar-Funktion aktiv von Kobinet deaktiviert, was den Eindruck verstärkt, dass keine Kritik erwünscht ist.
Gleichzeitig vermisse ich Beiträge von etablierten Expertinnen der Barrierefreiheit – also Personen, die sich seit langem wissenschaftlich, praktisch oder politisch mit dem Thema auseinandersetzen und entsprechend differenzierte Perspektiven einbringen können. Tatsächlich kann ich mich an keinen Beitrag erinnern, der einen dieser Expertinnen bzw. deren Aktivitäten in letzter Zeit thematisiert hätte.
Ich würde mir wünschen, dass Kobinet hier wieder stärker als kritisch einordnendes Medium auftritt und insbesondere Stimmen aus der unabhängigen Fachcommunity mehr Raum gibt. Das würde nicht nur zur Qualität der Berichterstattung beitragen, sondern auch der Komplexität des Themas gerechter werden. Die Overlay-Anbieter schaden der digitalen Barrierefreiheit und durch die Verbreitung von deren Kommunikation trägt Kobinet dazu bei.
Mein Eindruck ist leider, dass sich Kobinet in dieser Hinsicht zuletzt von dem Anspruch entfernt hat, den ich früher sehr geschätzt habe. Ich hoffe daher, dass sich die inhaltliche Ausrichtung künftig wieder stärker in diese Richtung entwickelt. Mich haben Sie als regelmäßigen Leser auf jeden Fall verloren, aber vielleicht sind Andere geduldiger als ich.

Mit freundlichen Grüßen

Domingos de Oliveira