Zertifizierung zur Barrierefreiheit – gibt es nicht

Stilisierter Sherlock Holmes mit LupeEine der häufigsten Kundenfragen ist, ob wir die Barrierefreiheit von Webseiten zertifizieren können. Die kurze Antwort – können wir nicht, da es entsprechende Zertifikate nicht gibt.
Oder sagen wir es anders: Die Feststellung, dass eine Website konform mit der WCAG oder hierzulande mit der EN 301549 ist, das ist die Zertifizierung, mehr gibt es nicht.
Wie sinnvoll kann es überhaupt sein, eine Website zu zertifizieren? Selbst Behörden bauen heutzutage ihre Oberfläche häufig um. Inhalte werden eingebunden und entfernt, Module ausgetauscht und auch viele Inhalte ändern sich ständig. Genausogut könnten Sie einen frisch gepflanzten Baum zertifizieren.

BITV-Test ist keine Zertifizierung

Der BITV-Test ist an sich keine Zertifizierung. Er ist eine Interpretation der WCAG/EN 301549 und hat keine öffentliche Legitimität, da er von Privat-Unternehmen entwickelt und gepflegt wird – Bock und Gärtner, Sie wissen schon.

WAKA braucht niemand

In Österreich gibt es das WAKA-Zertifikat. Die Macher haben offenbar eine Geldquelle gesucht und gefunden. Das Konzept fand ich nicht überzeugend.

VPAT ist für Webseiten ungeeignet

International scheint sich das VPAT Voluntary Product Accessibility Template als Standard durchzusetzen. Es ist ebenfalls kein Zertifikat, sondern ein strukturierter Bericht über Die Barrierefreiheit eines Produkts oder einer Software. M.E. ist es für eine content-lastige Website zu mächtig, es zielt eher auf komplexe Web-Anwendungen wie Google Docs oder Jira ab. Außerdem ist es hierzulande praktisch unbekannt, obwohl es eine spezielle Version für die EN 301549 gibt. Meines Wissens gibt es kein deutsches Unternehmen, dass die Erstellung eines VPATs als Dienstleistung anbietet – außer uns natürlich. Sie denken, Sie können es selber erstellen? Dann viel Erfolg.

Fazit: Von einer Zertifizierung können Sie sich nichts kaufen

In Deutschland gibt es eine fanatische Liebe zu komplexen formalen Prozessen und gewichtigen Papieren, auf denen bedeutungsvolle Dinge wie „Zertifiziert nach DIN/ISO …“ steht. Ob diese irgendwen außerhalb der Bublle interessieren – who cares?
Verschwenden Sie Ihr Geld nicht mit solchen formalen Bestätigungen, denn Sie sind für Sie selbst nicht nützlich und die von Barrieren betroffene Person interessiert das schon gar nicht. Wenn Sie zu viel Geld übrig haben, stecken Sie es in einen Feedback-Mechanismus.

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