Die Tagesschau in einfacher Sprache – eine Einordnung der Kritik aus der Leichte-Sprache-Community

Mein LinkedIn-Feed ist in letzter Zeit überflutet worden von Kritik an der Tagesschau-Version in einfacher Sprache. Das ist wieder ein Thema, zu dem ich mich eigentlich nicht äußern wollte. Ich tue mich schwer damit, Texte in Leichter Sprache zu lesen oder mir anzuhören und deren Qualität zu beurteilen. Deshalb habe ich mir die Tagesschau in einfacher sprache nicht angesehen und werde dies vermutlich auch nicht tun, ebenso wie ich mir die konventionelle Tagesschau nicht anschaue. Ich kann daher keine inhaltliche Kritik am Angebot üben. Dennoch möchte ich die Kritik aus der Leichte-Sprache-Bubble kurz einordnen, da ich wieder mal den Eindruck extremer Einseitigkeit habe.
Wie ich an anderer Stelle geschrieben habe gibt es in der Leichte-Sprache-Community eine klare Konflikt-Linie zwischen der eher wissenschaftlichen Linie – repräsentiert überwiegend durch die Forschungsstelle Leichte Sprache der Uni Hildesheim – und der eher aktivistischen Gruppe (mangels anderer Begriffe nenne ich sie mal so), die aus der sozialarbeiterischen Richtung kommt, repräsentiert unter anderem durch das Netzwerk Leichte Sprache. Das ist eine vereinfachte Darstellung: Da ich nicht Teil der Community bin, weiß ich nicht, welche weiteren Differenzierungen möglich wären. Generell kann man aber sagen, dass die Aktivistinnen alles doof finden, was von der Forschungsstelle kommt. Vielleicht ist es umgekehrt auch so. Der Konflikt scheint der Hauptgrund dafür zu sein, dass die Spec für Leichte Sprache nur langsam vorankommt.
Die Forschungsstelle hat die Tagesschau bei der Entwicklung der Sendung beraten. Ich glaube, dass es der Kern des Problems. Liest man die Kritiken von namentlich Uwe Roth, Andrea Halbritter oder Gidon Wagner, geht es eigentlich darum, dass diese Leute meinen, es besser zu können. Warum die und nicht wir, steht im Prinzip in jeder Zeile der Kritik. Namentlich Halbritter und Roth wirken auf mich äußerst arrogant und besserwisserisch.
Interessant daran ist, dass keiner der Kritikerinnen dadurch aufgefallen ist, dass sie schon einmal eine Nachrichten-Sendung in Leichter sprache produziert hätten. Sie verstehen nichts von der Arbeit von Nachrichten-Redaktionen oder der Produktion von gesprochenen -Beiträgen. Sie sind Texterinnen, das ist etwas Anderes als gesprochene Beiträge zu produzieren. Man sollte die eigenen Fähigkeiten schon korrekt einschätzen können, das fehlt bei diesen Leuten offensichtlich. Ich verstehe auch nichts davon, aber zumindest kenne ich den Unterschied. Auch Dolmetschen in Leichte Sprache ist etwas Anderes als Nachrichten-Beiträge zu sprechen.
Zu der Tagesschau: Das Angebot nennt sich vermutlich Tagesschau in einfacher Sprache, weil in der gesprochenen Sprache keine klare Abggrenzung zwischen leicht und einfach ohne Weiteres nicht sauber möglich ist, zumindest nicht bei jedem Beitrag und jedem Thema. Zudem ist das Projekt noch in einer Experimentier-Phase, die vielleicht sehr lange dauern wird. Es gibt halt noch nicht so viel Erfahrung mit Sendungen in dieser Sprachform. Die Forschungsstelle ist offensichtlich als Partnerin ausgewählt worden, weil man eine wissenschaftliche Begleitung wünschte, auch das können die Aktivistinnen nicht leisten.
Wie ich an anderer Stelle schrieb, ist kontruktive Kritik natürlich vollkommen legitim und wäre auch für die Macherinnen der Sendung sicherlich hilfreich. Aber die Penetranz, mit der die Kritikerinnen argumentieren grenzt schon ans Manische: Im Prinzip wird unter jedem Beitrag zu diesem Thema immer das Gleiche wiederholt. Uwe Roth wiederholt wie eine kapuutte Schallplatte ständig die DIN für einfache Sprache, als ob eine DIN alle Fragen endgültig für alle Zeiten beantworten könnte, eine DIN, die in erster Linie für Texte gedacht ist und nicht für gesprochene Sprache. Kann es sein, dass diese Personen chronisch unterbeschäftigt sind und nichts Sinnvolles zu tun haben? Anders ist das eigentlich kaum erklärbar.
Ich habe eine Konsequenz gezogen und alle Leute aus meinem LinkedIn-Netzwerk entfernt, die das teilen, liken oder anderweitig unterstützen. Diese Form der toxischen Kommunikation ist aus meiner Sicht mit nichts zu rechtfertigen. Mich würde interessieren, wie die eigentliche Zielgruppe das Angebot aufnimmt. Aber falls es solche Kommentare gibt, geht das in diesem Lärm unter. Ich hoffe darauf, dass es dazu einen Bericht von der Forschungsstelle oder von Anderen geben wird.
Das Scheitern der Barrierefreiheits-Veteraninnen