Was wünscht sich ein Freiberufler von einem Auftraggeber?

Heute geht es ausnahmsweise nicht ausschließlich um Barrierefreiheit bzw. ist dieses Thema auf alle Freelancer übertragbar.
Freiberufler freuen sich natürlich über Aufträge. Dennoch habe ich ein paar Wünsche an Auftraggeber. Die Stichworte sind dabei Geld, Respekt und Verbindlichkeit.
Als Auftraggeber solltest du die Zeit des Auftragnehmers genau so wichtig nehmen wie deine eigene oder die deiner Kollegen: Last Minute Aufträge am 23.12. um 16.:59 Uhr, die am 26.12. fertig sein sollen ist nicht respektvoll – und das ist nur ein wenig übertrieben. Ja, manchmal ist es eilig, aber warum soll der Freiberufler dein schlechtes Zeitmanagement ausbaden? Wenn Fristen vereinbart wurden, sollte auch der Auftraggeber sich daran halten oder frühzeitig kommunizieren, wenn es nicht klappt. Auch sollte man bei Solo-Selbständigen respektieren, wenn sie manchmal wegen Krankheit, Kindern oder anderen Verpflichtungen ausfallen. Wir sind Menschen, keine Kaugummi-Automaten.Bei Freelancern erlauben sich Auftraggeber Schlampereien, die im normalen Berufsleben tödlich wären wie vereinbarte Telefon-Anrufe ohne Absage ausfallen lassen oder nie zurückzurufen.
Ein gewisses Maß an kostenloser Beratung ist in Ordnung. Sich aber zwei Stunden über Verfahren beraten zu lassen und dann jemand anderen zu beauftragen ist dreist. Ein weiteres Beispiel von Respektlosigkeit gegenüber dem Freiberufler. Das ist mir mehrfach passiert, deshalb bin ich mittlerweile weniger feizügig, wenn potentielle Kund:Innen eine Erst-Beratung haben wollen.
Rechnungen sollten innerhalb von vier Wochen bezahlt werden. Manche sind tatsächlich davon abhängig, gerade im 1. Quartal eines Jahres hat man viele Ausgaben, aber so gut wie keine Einnahmen. Mein Rekord waren vier Monate Wartezeit auf eine Bezahlung, die Kundin hat behauptet, krank gewesen zu sein, was offensichtlich nicht gestimmt hat. Welcher Angestellte würde vier Monate auf sein Gehalt warten?
Meines Erachtens muss man als Auftraggeber nicht absagen, wenn man ein Angebot eines Freelancers nicht annimmt. In der Regel schreibt man so viele Angebote, dass man es ohnehin irgendwann vergessen hat. Eine Ausnahme gilt dann, wenn bestimmte Fristen vereinbart wurden, wenn zum Beispiel ein Auftrag bis zu einer bestimmten Frist abgewickelt sein muss. Je nach Größe des Auftrags muss der Freelancer Ressourcen blocken, die er bei einer Absage des Angebots anderweitig nutzen kann. Mich rief mal eine Dame an, quatschte mir gefühlt 30 Minuten ein Ohr ab und meldete sich viele Monate, nachdem ich das Gespräch vollständig vergessen hatte, um mir mitzuteilen, dass jemand anderes den Auftrag übernehmen werde, das überflüssigste Gespräch aller Zeiten.
Kündige nur Beauftragungen an, wenn du tatsächlich etwas in der Pipeline hast. Es ist eine gängige Umgangs-Floskel gegenüber Freelancern, man werde sie weiterempfehlen oder für eine Beauftragung in Erwägung ziehen. Als junger Freelancer hatte ich das ernstgenommen, heute ignoriere ich solche Aussagen. Zumindest was die Beauftragungen angeht, ist da in 95 Prozent der Fälle nie etwas gekommen. Wahrscheinlich hat die Person mich zwei Minuten nach dem Gespräch vergessen. Natürlich folgt nicht auf jede unverbindliche Aussage auch tatsächlich ein Auftrag, aber diese Art von Höflichkeits-Floskeln führt dazu, dass zumindest ich die Leute dahinter nicht mehr ernst nehmen kann.
Kurz: Behandelt den Frelancer so, wie ihr selbst behandelt werden wollt. Die Mehrheit der Kunden ist tatsächlich nicht so. Leider macht die kleine Gruppe der schwierigen Kunden ein Mehrfaches an Arbeit.

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