Wie Blinde das Internet erkunden – die Haus-Metapher

Es ist immer schwierig, Sehenden zu erklären, wie Blinde das Internet erkunden. Meine aktuelle Idee ist, ein unbekanntes Haus als Metapher zu verwenden. Ich arbeite gerne mit Metaphern, weil selbst das Zeigen manchmal zu abstrakt ist.
Stellen Sie sich vor, Sie betreten ein Ihnen unbekanntes Gebäude. Sie suchen etwas Bestimmtes, wissen aber nicht genau, wo es ist und wie es aussieht. Sie stehen also im Eingangsbereich und haben keine Vorstellung, wie das Haus aufgebaut ist. Sie dürfen aber überall reinschauen und alles aufmachen, der Besitzer ist nicht da und Sie sind mal so frei. Die Räume sind die Metapher für Unterseiten, die Kartons sind die einzelnen Bereiche der Seite.
Bevor Sie reinkommen, müssen Sie aber eine bestimmte Stelle an der Hauswand drücken (Cookie-Meldung). Aber wo ist diese Stelle? Tja, jetzt ist rumprobieren angesagt. Sie wollen entnervt aufgeben, dann haben Sie endlich eine etwas abgetakelte Fläche gefunden, die muss es wohl sein und die war es auch.
Wenn Sie Glück haben, sind die einzelnen Kartons beschriftet: Navigation, Content, Fußzeile und Seiten-Bereich. Wenn Sie Pech haben, müssen Sie den Karton aber erst mal erkunden, um herauszufinden, was darin ist. Stellen Sie sich für jeden Raum einen Haufen verschlossener Kartons vor: Sie müssen in jeden Karton schauen, um herauszufinden, was er enthält.
Jeder Raum/jede Unterseite sieht ein wenig anders aus. Sie müssen ihn also jedes Mal, wenn Sie ihn betreten neu erkunden. Auch müssen Sie aktiv zu jedem Karton hingehen und ihn öffnen, um zu erfahren, was drin ist. Ebenso kann eine blinde Person eine Webseite nicht einfach visuell überblicken und dort „hinkommen“, wo sie hin will.
Mist, bei diesem Raum ist das Licht ausgeschaltet. Sie können am Eingang einen Haufen Schalter und Regler ertasten. Bei einigen Elementen wissen Sie gar nicht, ob sie eine Funktion haben oder nicht. Leider wissen Sie nicht, wofür die einzelnen Elemente da sind, probieren Sie es also mal auf gut Glück aus. Mist, jetzt haben Sie sich aus dem Raum gebeamt und stehen wieder im Eingangsbereich. Welchen Raum haben Sie sich noch mal gerade angeschaut?
Jippy, Sie haben den Content-Raum gefunden und den Karton mit dem Inhalt, den Sie gesucht haben. Leider hat irgendein Blödmann lauter Sachen reingeworfen, die nicht reingehören. Während Sie also den Inhalt anschauen, taucht immer wieder etwas auf, was nicht reingehört: Werbung, abonnnieren Sie unseren langweiligen Newsletter, Machen Sie bei unserer furzlangweiligen Umfrage mit. Und so ein Mist, der Inhalt ist auf mehrere Kartons aufgeteilt, der zweite Karton ist im nächsten Raum, dann viel Spaß beim Suchen.
Nachdem Sie eine Voodoo-Puppe des Hausbesitzers gebastelt und selbige mit reichlich Holzpflöcken durchbohrt haben, stolpern Sie entnervt zum Ausgang. Aber halt, leider müssen Sie noch ein Formular ausfüllen, wir sind ja in Deutschland. Aber irgendein Witzbold, wahrscheinlich der Häuslebauer, hat den Teil des Blattes abgerissen, auf dem steht, was in die jeweiligen Felder eingetragen werden soll. Pech gehabt, ohne korrekt ausgefüllten Passierschein A38 kommen Sie halt nicht weiter. Leider gibt es kein Happy End.

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