Wie findet man einen kompetenten Dienstleister für digitale Barrierefreiheit

Stilisierter Sherlock Holmes mit LupeDa mir die Frage häufig gestellt wird, möchte ich heute gerne darauf eingehen, wie Sie einen kompetenten Dienstleister in Sachen barrierefreie Webseiten und barrierefreie PDF finden.

Barrierefreiheit ist ein Thema wie jedes Andere

Zunächst einmal sollten Sie genau so vorgehen wie in jedem anderen Bereich auch. Das heißt: Marketing-Bla-Bla ignorieren, Referenzen prüfen und vor allem auf konkrete Informationen achten. Je wager die Informationen zur Barrierefreiheit sind und je tiefer das Thema auf der Webseite vergraben ist, desto weniger wichtig scheint es dem Dienstleister zu sein. Außerdem sollten Sie einmal bei anderen Einrichtungen aus Ihrer Branche fragen, ob dort bereits gute Erfahrungen mit einem bestimmten Dienstleister gemacht wurden.
Es macht auch Sinn, ein automatisches Prüftool über die Website des Anbieters oder seine PDF-Dokumente laufen zu lassen. Oder alternativ eine behinderte Person die Inhalte prüfen zu lassen. Fehler können immer gemacht werden. Häufen sich diese aber, ist das kein gutes Zeichen. Bekommt man die eigenen Inhalte nicht barrierefrei, wie soll man das dann mit den Inhalten Anderer machen?

Anbieter-Struktur in in der DACH-Region

Unabhängig vom konkreten Portfolio lassen sich drei Arten von Dienstleistern bzw. Unternehmens-Strukturen in der DACH-Region unterscheiden:

  • Eizel- bzw. Kleinst-Unternehmen, bestehend aus einer Person bzw. aus einzelnen Freiberufler:Innen
  • kleine Agenturen, die sich auf Barrierefreiheit spezialisiert haben, das sind in Deutschland Agenturen mit vielleicht 10 bis 15 Mitarbeitern
  • mittelgroße oder große Full-Service-Agenturen, die insbesondere für den öffentlichen Dienst tätig sind und Barrierefreiheit mit im Angebot haben
  • Non-Profit-Organisationen

In der DACH-Region gibt es meines Wissens keine mittelgroßen oder großen Agenturen, die sich ausschließlich mit Barrierefreiheit beschäftigen. Auch kommt es selten vor, dass ein kleinerer Dienstleister sowohl barrierefreie Webseiten als auch barrierefreie PDF abdecken kann. So etwas machen eher große Full-Service-Agenturen mit Schwerpunkt auf den öffentlichen Sektor.
Daneben gibt es natürlich unzählige kleinere und größere Unternehmen, die Barrierefreiheit als eines von vielen Themen im Portfolio haben. Hier kann man nicht sagen, inwieweit sie das Thema beherrschen.
Vereinzelt findet man auch nicht-profit-orientierte Organisationen, die Dienstleistungen zur Barrierefreiheit anbieten. Das sind allerdings nicht so viele.

Expertise erkennen

Es gibt viele „hidden heroes“, also Personen, die ein wenig unter dem Radar der Öffentlichkeit bleiben. Die findet man eher in den Arbeitskreisen und weniger auf Konferenzen. Dadurch sind sie auch recht schwer über eine Web-Suchmaschine zu finden.
Abraten möchten wir von Dienstleister-Verzeichnissen. Da kann sich in der Regel jeder eintragen, ohne das eine Qualitätskontrolle stattfindet.
Interessant ist die Frage, ob der Dienstleister auf Fach-Konferenzen präsent war oder ob er publiziert hat – egal ob in öffentlichen Publikationen oder auf der eigenen Website. Fachliche Publikationen kann man in der Regel auch erkennen, ohne tief in der Materie zu sein.
Daneben gibt es eine Reihe von Fragen, die Sie an Dienstleister bezüglich Barrierefreiheit stellen können. Dazu gehören:

  • Wie viele Projekte wurden bisher umgesetzt?
  • Wie viele Mitarbeiter:Innen sind auf Barrierefreiheit spezialisiert, wie bilden sie sich fort bzw. bleiben auf dem Laufenden?
  • Wie findet eine Qualitätssicherung der Ergebnisse eines Projekts statt? (Testverfahren, Nutzertests, automatische Prüfung etc.

Bleiben die Antworten wage, muss man von einer mangelnden Erfahrung des dienstleisters ausgehen und sollte ihn aus der näheren Auswahl nehmen.
Es gibt aktuell vor allem die Zertifikate der IAAP zur Barrierefreiheit als formalen Nachweis für Expertise. Diese sind in Deutschland aber wenig verbreitet und werden ohnehin nur an Einzelpersonen und nicht an Organisationen vergeben. Meines Erachtens taugen diese Zertifikate nicht als Qualifikationsnachweis für Barrierefreiheit.

Entscheidend ist eine gute Zusammenarbeit

Last not least zählt natürlich der persönliche Eindruck. Meines Erachtens sollte man das nicht überbewerten. Wenn jemand aber eine konkrete Frage nicht angemessen beantworten oder eine verständliche Erklärung geben kann, wird die Zusammenarbeit schwierig.
Dabei ist auch wichtig, dass man miteinander gut klarkommt, ansonsten wird die Zusammenarbeit unangenehm.

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