eBook-Reader für Sehbehinderte

Ebook-ReadereBook-Reader haben eine Reihe von Vorteilen für Sehbehinderte.

Für Sehbehinderte, die sich einen eBook-Reader zulegen möchten, habe ich hier einige Erfahrungen zusammengestellt. Es gibt zwar ausführliche Tests von INCOBS, die meisten dieser Geräte entsprechen allerdings nicht mehr dem Stand der Technik. Vorweg: Ich empfehle die Reader von Pocketbook, insbesondere das Inkpad 3, ein hervorragendes Gerät.

Für Blinde ungeeignet

Reine E-Book-Reader sind heute für Blinde nicht geeignet. Einige Geräte verfügen zwar über Vorlesefunktionen, aber das Gerät will schließlich auch bedient werden. Für den Kindle gibt es mittlerweile einen Screenreader, der über eine externe Soundkarte und einen externen Lautsprecher verwendet werden kann. Ich sehe da allerdings keinen Mehwert gegenüber einer App auf dem Smartphone, das ist wesentlich handlicher.

Einige der Geräte verfügen über ein Android-Betriebssystem, es sollte also theoretisch möglich sein, den Screenreader Talkback zu installieren. Zu beachten ist allerdings, dass die lange Laufzeit von eBook-Readern darauf zurückzuführen ist, dass sie nur beim Umblättern sowie mit der Beleuchtung Strom verbrauchen. Läuft permanent ein Prozess wie das Vorlesen, bieten eBook-Reader keinerlei Vorteile gegenüber Smartphones oder Tablets, weder beim Preis noch beim Handling.

Für Blinde ist es daher sinnvoller, auf ein funktionierendes System wie Android/Talkback oder iOS zurückzugreifen, hier reichen auch ältere Geräte vollkommen aus. Wer es sperriger mag kann ebensogut auf ein Netbook mit Ubuntu oder Windows/NVDA zurückgreifen.
Außerdem verfügen einige DAISY-Player über Vorlesefunktionen für Dokumente. Ob das mit den gängigen DRM-Verfahren funktioniert oder ob ePub unterstützt wird, kann ich leider nicht sagen.

Vorteile von elektronischem Papier

Die tragbaren geräte bieten für Vielleser zahlreiche Vorteile, die anderswo schon ausführlich behandelt wurden. Für Sehbehinderte ergeben sich aber noch weitere Vorteile:

  • Die Augen werden langsamer ermüdet, weil das Display weder flackert noch hintergrundbeleuchtet ist.
  • In der Regel gibt es mehrere Grade der Schriftvergrößerung und des Zoomens.
  • Einige Reader wie der Kindle DX, Pocketbook, Onyx, Asus verfügen über ein großes 9,7-Zoll-Display, was auch großformatige Tabellen zugänglicher macht. Diese Geräte sind allerdings kaum noch zu bekommen. Die meisten großen Geräte haben eine Größe von 7,8 Zoll.
  • Es steht nur wenig Literatur in Großdruck zur Verfügung. Mit eBook-Readern erübrigt sich der Großdruck, wenn die Geräte gut genug vergrößern.

Leider sind vor allem die großen 9,7-Zoll-Geräte kaum noch zu bekommen. Alternativ haben sich Geräte mit 7,8 Zoll etabliert, dazu gehört etwa der PocketBook e-Book Reader ‚InkPad 3.
6 Zoll sind die meisten Displays groß, das entspricht etwa der größe eines Reclam-Taschenbuchs. Ich würde aber, trotz des deutlich höheren Preises die Geräte mit 7,8 Zoll Größe empfehlen. Die 1,8 Zoll machen wirklich einen Unterschied.

Die Qualität der Displays verbessert sich stetig. Deshalb sollte man vor Ort aufprobieren, mit welchem Displaytypen man am besten arbeiten kann. Auch zwischen Displaytypen der gleichen Generation kann es deutliche Qualitätsunterschiede geben. Im Augenblick gelten Carta-Displays als am lesefreundlichsten.
Wie oben gesagt lässt sich die Schrift vergrößern. Wenn man die Schrift vergrößert, passt entsprechend weniger Text auf das Display, so dass häufiger umgeblättert werden muss. Für Sehbehinderte ist daher ein Gerät mit schneller Umblätterzeit sinnvoll. Je nach Leistungsfähigkeit der Geräte kann es sogar mehrere Sekunden dauern, bis das Gerät umschaltet.

Beleuchtung

Bei Dunkelheit werden die Displays schneller schlecht lesbar als Bücher. Außerdem macht sich der Schattenwurf stärker bemerkbar, wenn man eine Lampe benutzt. Sehbehinderte wissen, was ich meine, der Kopf oder die Hand werfen Schatten auf das Display, so dass sich die Lesbarkeit verschlechtert.

Mittlerweile gibt es Geräte, die eine Beleuchtung eingebaut haben. Dabei wird Licht über Lämpchen im Rahmen auf eine Folie geworfen, das Display hat also keine Hintergrundbeleuchtung.
Generell sind solche Geräte empfehlenswert, da sie den Kontrast verbessern und die Lesbarkeit bei ungünstiger Beleuchtung verbessern. Aktuell gilt der Pocketbook Touch Lux II als einer der besten beleuchteten Reader.

Vorlesen

Für Sehbehinderte von Vorteil ist auch die Vorlesefunktion. Diese gibt es etwa bei Pocketbook standard-mäßig mit den relativ natürlich klingenden Iwona-Stimmen. Leider hat kaum ein Gerät noch einen Lautsprecher oder Bluetooth standardmäßig an Bord. Deshalb empfehle ich das Pocketbook Inkpad 3 Pro. Hier kann man ohne Adapter den Sound drahtlos auf einen Bluetooth-Lautsprecher oder Kopfhörer übertragen und braucht das Gefummel mit dem Adapter nicht.

PDF

Da PDFs standardmäßig keine Strukturinformationen enthalten, kann hier einiges schief gehen. Bei ePub weiß der Reader, wann er den Text umbrechen muss, wo das Inhaltsverzeichnis ist und er hat normalerweise auch keine Probleme mit Zeichensätzen. Bei PDF kann es deutlich schwieriger werden.
Man muss zwischen der Zoomfunktion und der Reflow-Funktion unterscheiden. Die Zoomfunktion ist nützlich, wenn man sich etwa Diagramme anschauen möchte. Beim Lesen von Text müsste man hingegen bei Vergrößerung sowohl vertikal als auch horizontal scrollen, was niemand freiwillig machen wird. Bei Reflow versucht der Reader, den Text an der richtigen Stelle umzubrechen, was nicht immer funktioniert. Bei einfachen Texten klappt das aber recht gut. Pocketbook hat die beste PDF-Unterstützung, der Text kann um mehrere hundert Prozent vergrößert werden und bricht korrekt um.
Häufiger als man denkt stößt man noch auf PDFs, die nur aus Rastergrafiken bestehen, sozusagen echtes DRM. Damit wird aber kein eBook-Reader umgehen können.

Betriebssysteme

Die meisten Geräte scheinen auf einer angepassten Linuxvariante zu beruhen. Einige Systeme sind offen für Erweiterungen wie etwa die Reader von Pocketbook. Einige Geräte basieren auf Android, in der Regel haben sie aber keinen Zugriff auf den Appstore von Google, so dass Erweiterungen erst nach dem Rooten des Gerätes installiert werden können.

Ausstattung

Die Kernfunktion ist das Lesen und rudimentäre Verwalten von Texten. Daneben verfügen einige wenige Geräte über eingebaute Vorlesefunktionen, etwa der Pocketbook, Onyx, Asus. Beim Pocketbook ist die Vorlesefunktion recht gut für Leute, die künstliche Stimmen gewohnt sind.
Dazu gibt es die üblichen Zugaben: Spiele, Browser und so weiter. Nette Spielereien, aber ohne leistungsfähige Hardware und einen Touchscreen eher komplex im Handling. Die wenigsten Geräte kommen mit einer vollständigen Tastatur, einige Geräte wie der Pocketbook InkPad 3 Pro haben aber Bluetooth, so dass eine externe Tastatur verbunden werden kann. Damit ist es wesentlich leichter, Notizen zu machen oder sogar kurze Texte zu schreiben. Wer zum Beispiel Zitate übernehmen möchte, wird mit einer Tastatur eher zurecht kommen als mit einer Touch-Bedienung.
Für Sehbehinderte interessant ist aber zum Beispiel der Lagesensor. Bei den 6-Zöllern bietet es sich an, sie quer zu halten, damit die Zeilen ein wenig länger werden, außerdem wird die Schrift der Menüs auch ein wenig größer. Daher ist ein automatischer Lagesensor sinnvoll, damit man nicht ständig in den Menüs rumfummeln muss.

Vorlesen

Die eBook-Reader von Pocketbook haben alle eine integrierte Vorlesefunktion. Für einige Modelle ist ein Adapter für den Kopfhörer beigelegt. Ich empfehle aber ein Modell mit Bluetooth, das wären aktuell der InkPad 3 pro sowie der Touch HD 3. Da spart man sich das Gehampel mit dem Adapter. Die integrierten Iwona-Stimmen gelten als sehr gut verständlich.

Adobe Digital Editions und Lesestoff

Einen Haken hat das Ganze dann doch und der heißt Adobe Digital Editions. Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich eine Software zum Digital Rights Management. Viele Shops haben als Voraussetzung, dass diese Software auf dem Rechner installiert wird, bevor man Bücher kaufen und auf das Gerät spielen kann. Mittlerweile soll sie accessible sein. Wer also mit dem Gedanken spielt, sich digitale Bücher zu kaufen, sollte vorher ausprobieren, ob er mit Adobes Programm klar kommt.
Wer ein Stichwort mit dem Zusatz filetype:epub oder filetype:pdf bei Google eingibt, findet genug Lesestoff für den Rest seines Lebens. Mit der Firefox-Erweiterung GrabMyBooks kann man aus jeder Webseite ein ePub produzieren. Die freie Software Calibre wandelt auch PDFs in ePub um, wie gut das funktioniert, muss im Einzelnen geprüft werden. Calibre ist übrigens mit Screenreadern schlecht nutzbar.

Eine kleine Warnung muss ich noch nachschieben: Amazons Format lässt sich nur mit dem Kindle oder spezieller Kindle-Anwendungen lesen. Der Kindle selbst beherrscht hingegen kein ePub.
Andere auf dem PC gängige Formate wie ppt oder doc oder gar pptx oder docx werden ebenfalls nicht ohne Weiteres unterstützt. Wer das Gerät etwa bei der Arbeit nutzen möchte und mit solchen Formaten arbeiten muss sollte auch darauf achten, dass die Geräte die benötigten Formate unterstützen. Der Pocketbook gehört zu den wenigen Geräten, die zahlreiche Formate anzeigen können.

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