Wie aussagekräftig ist der PDF Accessibility Checker?

In diesem Beitrag möchte ich mit ein paar Missverständnissen bezüglich dem PDF Accessibility Checker und barrierefreien PDFs aufräumen. Vorneweg: Ein laut PAC fehlerfreies PDF muss nicht barrierefrei sein. Umgekehrt muss ein PDF, das problemlos mit Hilfstechnik funktioniert nicht fehlerfrei im PAC sein.
Dieser Beitrag ist auch als Kritik an den Entwicklern von PAC zu verstehen. Ich würde mir wünschen, dass sie den Zweck und die Grenzen ihres Tools klarer kommunizieren würden. Es leuchtet etwa nicht ein, warum man das Ding nicht PDF UA Checker genannt hat, das wäre inhaltlich angemessener. Anlass für diese Kritik ist, dass viele Personen – in der Regel Nicht-Behinderte – ein PDF durch den PAC jagen und einem Nutzer die Ergebnisse um die Ohren hauen. Wir nennen das intern Idioten-Test, der Tester muss gar keine Ahnung von PDF haben, um diesen Test durchzuführen und lediglich rote Kreuze und grüne Haken zählen.

Prüft PAC die Barrierefreiheit eines PDF-Dokumentes?

PAC prüft hauptsächlich technische Strukturen. So müssen alle Inhalte eines PDFs getaggt, das heißt, in Containern eingeschlossen sein. Es sollen Metadaten, Alternativtexte für Bilder und noch einige weitere Kriterien erfüllt sein.
Diese Tags müssen nach dem technischen Standard für barrierefreie PDFs PDF Universal Accessibility (PDF UA) hinterlegt sein. Genau das prüft PAC, nicht mehr und nicht weniger.
Theoretisch sollte das reichen. In der Praxis ergeben sich aber weitere Probleme, die tatsächlich erst im Zusammenspiel mit Hilfstechnik auffallen.
Leider muss es immer dazu gesagt werden: PDF UA ist nicht der Standard für barrierefreie PDF. Insofern kann ein PAC-Test nichts über die Barrierefreiheit eines PDFs aussagen. Er kann lediglich sagen, dass ein PDF PDF-UA-konform ist.

Was ist mit Office-Dokumenten?

Mit den Bordmitteln von Microsoft Office und Libre Office lassen sich derzeit keine PDFs erzeugen, die den PAC-Check bestehen. Dafür sind teure Zusatz-Tools notwendig, die aber keinen deutlichen Mehrwert liefern, außer eben, dass sie PDF-UA-konform sind, was aber wie gesagt nichts über deren Benutzbarkeit für behinderte Menschen aussagt.
Als Faustregel kann gelten: Was sich mit den Mitteln der Office-Pakete erstellen lässt, kann auch mit Office barrierefrei gemacht werden. Was PAC dazu sagt, ist erst mal egal. Umgekehrt käme kaum jemand auf die Idee, eine in Quark Express oder InDesign erstellte Broschüre mit Office barrierefrei zu machen.
Die Nachbearbeitung mit Adobe Acrobat ist aufwendig und schafft bei Office-Dokumenten keinen angemessenen Mehrwert im Verhältnis zum Aufwand. Die dafür notwendigen Ressourcen können an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden.

Was ist also der Goldstandard?

Das einzige Kriterium, das bezüglich Barrierefreiheit zählt ist der konkrete Mensch. Die Standards, heißen sie WCAG, PDF UA oder Din 18040 sind Behelfe, damit wir das Rad nicht jedes Mal neu erfinden müssen. Doch wenn der Behinderte nicht zurecht kommt, ist der Verweis auf den Standard nicht angemessen.

Ist PAC also sinnfrei?

Keineswegs. Abgesehen davon, dass auch PAC selbst Fehler enthalten kann ist es ein Instrument für erfahrene Desktop-Publisher. Für Menschen, die im Grunde nicht wissen, was ein barrierefreies PDF ist, schafft das Tool aber mehr Verwirrung als Klarheit. Überlassen Sie deshalb die Prüfung Ihrer Dokumente den Profis oder den Menschen, die Barrierefreiheit brauchen. PAC ist kein sinnvolles Tool für Laien und schon gar kein Gütesiegel für barrierefreie PDFs.

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Wenn Du es nicht machst, macht es keiner