Neuigkeiten zur Barrierefreiheit im Januar 2019

Belegte PizzaAufreger des Monats in der anglo-amerikanischen Szene war das Thema Pizza. Dominos Pizza – nicht mit mir verwandt – wurde nach dem Americans with Disabilities Act verurteilt, weil ihre App nicht barrierefrei war. Ziemlich peinlich, aber da gäbe es noch größere Fische, die man deswegen verurteilen könnte.
Interessante neue Tools sind mir im Januar nicht aufgefallen. Es gibt im Februar auch keine wichtigen Veranstaltungen zur Barrierefreiheit, diese beiden Rubriken entfallen deshalb in dieser Ausgabe des Newsletters.

Lesenswerte Artikel

Intressant fand ich einen Artikel der Technology Review. Es ging darum, dass Algorithmen, die von autonomen Fahrzeugen eingesetzt werden nicht in der Lage sind, behinderte Menschen eindeutig zu erkennen. Das ist deshalb schwierig, weil sie von Verkehr besonders gefährdet sind: Sie können weniger schnell ausweichen, reagieren langsamer und verhalten sich eventuell nicht erwartungskonform. Wenn dem so ist, ist das natürlich ein Armutszeugnis für die Konzerne. Denn gerade im Straßenverkehr sind Abweichungen vom Durchschnittsmenschen Alltag: Kleine Kinder, Hunde, ältere Menschen mit Rollator oder Gehstock. Von Konzernen, die so viel von Barrierefreiheit und diversity reden, sollte man mehr erwarten können. Wie Dominos Pizza zeigt auch dieser Fall, dass auch bei den Amerikanern – sie entwickeln die meisten dieser Algorithmen – trotz des Americans with Disabilities Act noch viel Luft nach oben ist.
In Sachen Leichte Sprache gab es eine kritische Studie der Uni Leipzig. Im Ergebnis geht es darum, dass die Regeln zur Leichten Sprache flexibler ausgelegt werden sollten. Die Ergebnisse sind im der Broschüre „Kein Regelbuch“ zusammengefasst worden. Die Broschüre kann als PDF heruntergeladen werden.
adesso mobile so­lutions hat die größten Barrieren in Apps für Blinde und Sehbehinderte ermittelt. Überraschungen gibt es nicht: Die größten Probleme sind fehlende Beschriftungen und schlechte Anpassbarkeit für Sehbehinderte. Die Studie gibt es zum Download als PDF. Leider spricht auch Adesso des Öfteren von Barrierefreiheit, obwohl es nur um Blinde und Sehbehinderte geht.
Weiter gehts mit englischsprachigen Artikeln: Die Fast Company erklärt inklusives Design in drei einfachen Schritten.
Kalev Leetaru fragt sich in Forbes, warum viel über künstliche Intelligenz und Diversity diskutiert wird, aber niemand über die mangelnde Barrierefreiheit von Webseiten spricht. Er kommt zu dem Schluss, dass die Konzerne zu wenig Druck bekommen, ihre Angebote barrierefrei zu gestalten. Außerdem seien die Verantwortlichen der Meinung, dass sich ein multimediales Web-Erlebnis, welches sich die Mehrheit der Nutzer wünsche nicht mit Barrierefreiheit vereinbaren ließe.

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