Kostenlose Bücher, barrierefreie Games und ein Rundum-Blick – Neues zur Barrierefreiheit 01 – 2021

rueckspiegelWie immer zum Jahreswechsel bieten wir einem Rückblick auf 2020 und einen Ausblick auf 2021 im Hinblick auf digitale Barrierefreiheit. Diesen Überblick finden Sie am Ende des Newsletters, da er erfahrungsgemäß nicht alle Leser:Innen interessiert.

Interessante Beiträge

Es gibt zwei deutschsprachige Bücher zur Barrierefreiheit als kostenlosen Download.

Die weiteren Beiträge sind auf Englisch. Barrierefreiheit auf einer umfangreichen Website nachträglich umzusetzen ist ein komplexes Unterfangen. In einem Blogbeitrag erklären die Verantwortlichen, wie sie beim Portal gov.uk vorgegangen sind.
How we made GOV.UK more accessible
Die Präsenz behinderter Menschen im Fernsehen kann auch der Barrierefreiheit einen Schub geben, so ein Artikel auf CNet.
As Hollywood and tech look to boost diversity, accessibility is finally having its moment
Das Projekt „Alt Text as Poetry“ möchte einen kreativeren Umgang mit Alternativbeschreibungen forcieren.
Alt Text as Poetry
Level Access hat einen Report zu Barrierefreiheits-Strategien unterschiedlicher US-amerikanischer Akteure veröffentlicht. Das ist sicherlich auch für deutsche Institutionen interessant, die Ziele und Strategien für Barrierefreiheit entwickeln möchten.
Industry Report: The 2020 State of Digital Accessibility
Behinderte Menschen werden als Zielgruppe für das Marketing häufig ignoriert. Ein Artikel von Forbes zeigt, warum das ein Fehler ist und wie man das änder kann.
How To Put Accessibility At The Forefront Of Marketing
Eine schöne Sache für Nutzer von WordPress: Die aktuelle Version 5.6 bringt Unterstützung für Untertitel sowie für eine Barrierefreiheits-Erklärung.

Tools

Wie immer möchten wir Ihnen ein Tool empfehlen, welches Sie für die Barrierefreiheit nutzen können. Heute ist es das LanguageTool. Das LanguageTool ist ein Werkzeug zur Grammatik- und Stil-Analyse. Es soll Ihnen dabei helfen, verständlichere Texte zu schreiben, indem es etwa lange Sätze oder Wörter aufspürt. Es gibt auch eine spezielle Version für die Prüfung von Leichte-Sprache-Texten. Das Tool kann online genutzt, in gängige Browser oder Office-Anwendungen integriert werden. Es gibt eine kostenlose Basis- sowie eine kostenpflichtige Premium-Version. Interessant ist auch die Möglichkeit, eigene Prüfregeln zu definieren, was allerdings Entwickler:Innen-Fähigkeiten erfordert.
Weiter zum LanguageTool

Veranstaltungen

Gleich am 18.1. findet eine Online-Veranstaltung zum Recht auf Barrierefreiheit statt. Ansonsten sieht der Veranstaltungskalender bislang noch recht leer aus.
Weitere Infos zu Veranstaltungen zur Barrierefreiheit
Ab sofort nehmen wir unsere offenen Schulungen wieder auf. Alle Schulungen finden online statt. Aller Voraussicht nach wird es von uns bis zum April 2021 keine Präsenz-Schulungen geben.
Infos und Termine zu den Online-Schulungen zur Barrierefreiheit.

Rückblick und Ausblick

Insgesamt wurde das Jahr 2020 natürlich von der Corona-Epidemie dominiert. Die Situation hat deutlich gemacht, wie viel einerseits digital möglich ist: Es gab wohl noch nie einen Zeitpunkt in der Ära der modernen Erwerbsarbeit, zu dem so viele Menschen von zu Hause aus gearbeitet haben. Zahllose Veranstaltungen haben online stattgefunden. Davon haben nicht nur behinderte Menschen vielfach profitieren können.
Andererseits sind wir auch auf die Grenzen der Digitalisierung gestoßen. Insgesamt haben digital affine Menschen stark von der Coronaindizierten -Digitalisierung profitieren können. Teils war die Behinderung hier gar nicht so relevant. Wer vorher schon Probleme mit der Technik hatte, keine oder nur schlechte Internet-Verbindungen oder Zugang zu aktueller Hardware hatte, wurde durch Corona zusätzlich abgehängt. Dies betrifft etwa ältere Personen, Menschen mit kognitiver Behinderung und weitere auch ansonsten benachteiligte Gruppen.
Hinzu kommt der Mangel an Informationen in Leichter und Gebärdensprache. Auch das ein Problem, das bis heute anhält. Zwar stellen der Bund und viele Bundesländer Informationen in diesen Formaten bereit. In den Kommunen sieht es aber sehr unterschiedlich aus. Da viele Dinge wie die Maskenpflicht kommunal unterschiedlich behandelt werden, ist dies doch sehr bedauerlich. Leider ist zu befütchten, das sich dieses Informationsdefizit auch bei der Impf-Kampagne fortsetzen wird. Leider ist auch hier ein Informationsdefizit und damit eine Benachteiligung behinderter Menschen zu befürchten, weil anscheinend jede Kommune das Thema unterschiedlich angeht.
Nach unserer Einschätzung sind in Sachen digitaler Barrierefreiheit keine neuen Impulse durch die anhaltende Corona-Krise mehr zu erwarten.
Corona und Barrierefreiheit – ein vorläufiges Fazit
Der internationale Experten-Zusammenschluss für Barrierefreiheit – die IAAP – hat jetzt eine Sektion für den deutschsprachigen Raum. Die IAAP DACh möchte die Barrierefreiheits-Szene in Deutschland professionalisieren.
Infos zur IAAP DACH
Hier meine Kritik an der deutsch-sprachigen IAAP.

Im September ist eine weitere Frist der EU-Richtlinie 2102 abgelaufen. Seitdem müssen alle öffentlichen Websites eine Erklärung zur Barrierefreiheit sowie einen Feedback-Mechanismus bereit stellen.
Das Thema barrierefreies Gaming hat 2020 eine große Rolle gespielt. Das Game „The Last of Us“ dürfte das erste Computerspiel eines großen Studios mit umfangreichen Barrierefreiheits-Features gewesen sein. Daneben haben verschiedene Konsolenbetreiber wie Microsoft und Sony Verbesserungen wie anpassbare Game-Controller vorgestellt. Insgesamt sind wir aber eher am Anfang der Entwicklung, es fehlt ein Mind Shift der Verantwortlichen in der Gaming-Industrie.
In Sachen barrierefreie Sprache könnte es einen neuen Schub geben. 2020 sind gleich zwei Ausschüsse zur Entwicklung von Normen eingesetzt worden: Einmal zur Leichten, zum Anderen zur einfachen Sprache. Da diese Gremien recht langsam arbeiten, ist allerdings nicht mit baldigen Ergebnissen zu rechnen.
Im Zuge von Corona stiegen in den USA die Klagen wegen mangelnder Barrierefreiheit um 23 Prozent.
Den Ausblick für 2021 können wir kurz halten:
Der European Accessibility Act (EAA) könnte 2021 in deutsches Recht umgesetzt werden: Der EAA soll einige privatwirtschaftliche Bereiche zur Barrierefreiheit verpflichten. Angesichts der Corona-Krise und der zahlreichen anstehenden Wahlen vermuten wir aber, dass erst die nächste Bundesregierung den EAA in deutsches Recht umsetzen wird. Die Frist dafür läuft noch bis zum Sommer 2022.
Die internationalen Richtlinien für digitale Barrierefreiheit – die WCAG – werden voraussichtlich im Sommer ein kleines Update bekommen. Es steht die Version 2.2 ante portas. Es soll einige Verbesserungen etwa für Menschen mit kognitiven Behinderungen geben. Dies wird voraussichtlich das letzte große Update, bevor die WCAG 3.0 verabschiedet werden. Von beiden Versionen liegen bereits Entwürfe vor.
Die Jahre 2021 und 2022 werden im Zeichen umfangreicher Barrierefreiheits-Tests stehen. Für die EU-Richtlinie 2102 ist eine umfangreiche evaluation vorgesehen. Wir selbst sind in so ein Testprojekt eingebunden.

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