Barrierefreiheit bei Google

Google macht wie viele große Software-Konzerne viel Wind um die Barrierefreiheit seiner Produkte. Doch was ist eigentlich dran an den vollmündigen Versprechungen? Leider wenig: Bei Google ist vor allem viel PR und wenig barrierefrei.

Das Bild ist gemischt

während sich bei Android und Chrome sowie Chrome OS einiges getan hat, sieht es bei anderen Produkten durchmischt aus. Tatsächlich hat sich die Barrierefreiheit einiger Produkte in letzter Zeit sogar verschlechtert.
Zu nennen wären hier Google Analytics, die Search Console und Gmail. Pikant daran ist, dass die ersten beiden Produkte häufig am Arbeitsplatz verwendet werden. Google Amerika dürfte damit gegen den Americans-with-Disabilities Act verstoßen.

Google Analytics – für Blinde und Tastaturnutzer praktisch nicht nutzbar

Den größten Murks hat Google mit seinem Dienst Google Analytics angerichtet. Er ist für Blinde und Tastaturnutzer gar icht benutzbar. Man scheitert schon daran, zwischen unterschiedlichen Nutzerkonten und Profilen umzuschalten.
Und leider geht es im gesamten Dienst weiter: Es ist schwierig, einzelne Punkte aus der Unternavigation aufzurufen, in den Inhaltsbereich zu wechseln, sich bestimmte Informationen rauszusuchen… Es ist nicht möglich, den Datumsbereich einzugrenzen, ganz zu schweigen von komplexeren Interaktionen.
Um es klar zu sagen: Das ist eine Diskriminierung blinder Menschen. Google sperrt blinde Internet- und Social-Media-Redakteure von ihrer Arbeit aus.

Search Console und GMail

Das Gleiche gilt auch für die neuen Designs der Search Console und GMail. Offensichtlich werden die gleichen Design-Komponenten für die grafische Oberfläche verwendet. Vermutlich zielt Google auf eine Vereinheitlichung der Benutzeroberfläche ab. Womit aber alle Dienste durch die Bank sich bei der Barrierefreiheit verschlechtern.
Gmail hatte vorher noch den Vorteil, dass man auf eine HTML-Ansicht umschalten konnte. Die war benutzbar, wenn auch ziemlich unkomfortabel. Man war sich offensichtlich selbst bewusst, wie schlecht zugänglich die andere Ansicht für Blinde war. Die HTML-Ansicht ist entweder abgeschafft worden oder für Blinde nicht auffindbar.

Google Docs ohne barrierefreie PDFs

Googles Offie-Paket ist die letzte große Lösung, welche nicht die Erstellung barrierefreier PDFs ermöglicht. Google liegt damit am dem gleichen Niveau wie mittelgroße Software-Schmieden. Nur, dass es einige der besten – zumindest aber best-bezahlten -Entwickler der Welt hat. Warum Google das Thema barrierefreie PDFs aussperrt, bleibt deren Geheimnis.

Androids Talkback liegt Jahre zurück

Android hätte den Charme, dass es Blinden ohne großes Einkommen den Zugang zu Smartphones und dem Internet ermöglicht. Prinzipiell hat sich bei Android viel verbessert. Unter Android 5 und darunter war es praktisch nicht brauchbar. Seit Android 6 funktioniert es prinzipiell.
Allerdings nur prinzipiell und mein Eindruck ist, dass die Verbesserungen nur graduell sind. Android 8 – 10 bieten minimale Verbesserungen. Der Unterschied wird deutlicher, vergleicht man das Ganze mit iOS: Es gibt keine Braille-Eingabe, die Konfigurationsmöglichkeiten sind gering, es gibt keine alternativen kostenlosen Stimmen, keine integrierte Texterkennung.
Natürlich liegt Apple viele Jahre vor Apple. Aber selbst der Stand von Apple von vor drei Jahren ist besser als das aktuelle Android 10. Wir müssen feststellen, dass Google schlicht kein Interesse an Talkback und dessen Verbesserung hat.

Es fehlt an Qualitätssicherung

Das zeigt, dass selbst ein Milliarden-Konzern, der das Know-How zur Barrierefreiheit im eigenen Haus hat, vieles falsch machen kann. Offensichtlich sind die Produkte nicht von Blinden auf Barrierefreiheit getestet worden.Das Feedback der Community wird ignoriert.
Peinlich ist auch, dass Google auf Hinweise, die unter anderem von mir kamen, nicht reagiert hat. Das zeigt, dass Barrierefreiheit für Google kein wichtiges Thema ist.
Meine Konsequenz ist, mich so weit wie möglich von Google Produkten zu verabschieden.

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